„Le tout nouveau Testament“ zu deutsch: „Das brandneue Testament“

Und am 7. Tag ruhte der Herr.

Unmittelbarer Eindruck folgt. Spoiler! Ich wiederhole: Massive SPOILER! Erst NACH dem Film lesen. Lesen auf EIGENE Gefahr! Ich habe gewarnt.

Gott, der Griesgram, lebt in Brüssel. Hasse deinen Nächsten, wie dich selbst. Alles was schief geht, wurde von ihm kreiert. Das Marmeladebrot, welches auf die Marmelade-Seite fällt – ausser, die Marmelade wurde auf der anderen Seite gestrichen, dann fällt es auf die andere Seite. Und Flugzeugabstürze. Und wenn man erst grad in die Badewanne steigt, läutet das Telefon. Und dergleichen. Er ist schuld, an allem was schief gehen kann oder wird.

Gott hasst sich, verbietet seiner Frau (Ebenfalls Göttin) den Mund. Sie stickt und sammelt Baseball-Karten. Er hasst Baseball. JC, ihr ältester Sohn ging von zuhause fort, Gott hat nur Verachtung für ihn übrig und Ea, die junge Tochter, wird öfters mit dem Gürtel zurecht gewiesen. Gott ist ein garstiger, böser, alter Mann mit dickem Bauch im kartierten Schlafmantel und ausgeleierten Unterhemd. Vom PC aus, in einem Raum voller Akten, genießt er es Unheil anzurichten, Kriege in seinem Namen anzuzetteln und so weiter.

Eines Tages beschließt Ea sich an ihrem Vater zu rächen. Sie will die Welt besser machen. Aber sie zielt auf Rache ab. JC, die Jesus-Statue in ihrem Zimmer, rät ihr zu 6 Apostel, das ergebe zusammen mit seinen 12, 18 – die Zahl eines Baseballteams. Sie will ihr eigenes Testament schreiben und die Apostel von sich berichten lassen. Zuvor sendet sie alle Sterbedaten an die Menschen, die diese via Smartphone erhalten: „Sie haben X Jahre, X Monate, X Tage, X Stunden, X Minuten und X Sekunden zu leben.“ Sie sperrt den Computer ihres Vaters und gelangt durch die Waschmaschine zur Erde, ins Paradies.

Bald trifft sie auf einen Sandler, der ihr Schreiberling wird und die Story beginnt.

So. Eine etwas längere Einleitung zu einem genialen Film. Aber ich bin nicht überrascht, der zynische/ironische Amelie-Verschnitt in bester französischer/belgischer Manier erzählt, regt an mehr sehen zu wollen. Sechs Apostel gibt es. Bei Nummer vier dachte mir: Nur noch 2! Oh Nein! Ich würde gerne noch mehr Geschichten sehen. Ja fast war ich traurig, dass es bald ein Ende haben würde. Jedoch schafft der Film in der Art der Fortführung der Geschichte, die Wende zu einem – es ist ok, dass es zu Ende geht. Nicht, weil der Film schlechter wurde – aber weil man doch gespannt ist: Was kommt danach? Nach dem Tod kommt übrigens nichts.

Es wird wahrlich ALLES umgedreht. Und von Sodomie (der Gorilla!) bis über Transgender (Der Bub er ein Mädchen sein wollte) ist alles mit dabei: Gott wird in der Kirche von einem Priester verdroschen, den er mit Absicht aufs äußerste reizte und Jesus grinst dabei vom Kreuz. Herrlich. Besser hätte man es nicht schreiben können. Natürlich mit einem Augenzwinkern. Gott wird gegen Ende übrigens nach Usbekistan zum Waschmaschinen-Bau abgeschoben, da ihm die Papiere fehlen.

Und natürlich gibt es eine einfache Botschaft: Lebe! Verleihe/Verkaufe deine Lebensspanne nicht einem beschissenen Unternehmen, zu dem du demotiviert hingehst und es halb depressiv wieder verlässt. Tu das, was dir Freude bereitet! Reise! Synchronisiere einen Porno, wenn dir danach ist!

Denn nähmen wir an, wir wüssten, wann wir sterben – was würden wir tun? Manche würden ihr Leben weiterleben wie bisher, manche würden Reisen gehen. Ich würde Reisen gehen. Sicherlich, je nach Zeitspanne. Ob man nur mehr 4 Monate oder 40 Jahre unter den Lebenden verweilt, trägt zur Entscheidung bei. Und wenn das Todesdatum vorherbestimmt ist, lässt es sich auch öfters aus einem Flugzeug springen, ohne dabei in den Tod zu stürzen. Ein satirischer Anriss zur aktuellen Medienkultur.

Erneut: Ich fand den Film großartig, frisch und ironisch. Europäer halt. Dem Mädel prognostiziere ich eine große Karriere, sofern sie sich einen g’scheiten Agenten sucht, der ihr gute Rollen verschafft.

Fazit: Wenn man die Frau gleich von vorne alles machen ließe, wäre der Himmel bunter, man könnte unter Wasser mit Fischen an der Leine spazieren gehen und es gäbe keine Schwerkraft! Man könnte die globale Erwärmung genießen, ohne dass Flora und Fauna darunter leiden würden. Welch satirische Anekdote! Dass die Göttin als stereotype Frau gezeigt wird, häuslich und auf die schönen Dinge bedarft, wird in diesem Kontext, mit einem wohlwollenden Lächeln gerne hingenommen. /Fem-Mode off

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