„X-Men: Apocalypse“

In der Annahme, der Film liefe nicht mehr in OV – zumindest wurde nichts dergleichen angezeigt – buchte ich die Vorstellung auf deutsch. Wenige Tage später sah ich.. es hätte doch noch Vorstellungen in OV gegeben. Karma? Übereile? Immerhin war es eine „neue“ Erfahrung. Und es ist so: Einmal OV gewohnt.. kann man sich mit Synchronisationen nicht mehr anfreunden – bis natürlich auf die Stimmen, die man aus der Kindheit kannte. Filme der 80er und 90er werden fast nur synchronisiert gesehen. Außerdem besitzt die Art der Synchronisation der 1980er einen besonderen Charme.

Ich musste übrigens mehrfach überlegen, ob es nun einen oder zwei Vorgänger dieser Zeitlinie gegeben hatte. Ich erinnere mich allerdings mittlerweile daran, dass der erste derart schlecht war, dass ich mich genötigt sah, nach 20 Minuten abzuschalten.

Abgesehen also davon, dass die Syncro grottig und die Stimmen schrecklich gewählt waren, Jennifer Lawrence nach wie vor übertrieben gehyped wird und ich den Grund noch immer nicht verstehe, Ocsar Isaac nach wie vor, trotz Make Up, kein guter Schauspieler ist, außer in Inside Llewyn Davis als verlierender Folk-Sänger – fand ich den Film unterhaltsam. Ja, ich fieberte gegen Ende sogar mit. Aber warum?

Dass die Geschichte in den 1980ern spielen soll, wurde nur dezent angehaucht. Interessant, denn wenn ich einen Film mache, der in einer bestimmten Epoche spielen soll, so versuche ich den Zuseher dies spüren zu lassen. Dass die 1980er lediglich musikalisch und filmisch etwas zu bieten hatten und weder von Mode noch Stil profitierten, hätte man sich vorher überlegen müssen. Einzig allein der Engel hätte aus The Lost Boys sein können, zumindest bis er diese seltsame Frisur bekam. Aber ich wage mich zu erinnern, dass dieses Detail auch schon beim letzten, Days of Future Past, nicht sonderlich beachtet wurde. Aber darum geht es ja hier nicht. Es geht ja um die Geschichte, die eben in vergangenen Epochen spielt. Kein Grund also, sich dieser Merkmale vermehrt anzunehmen. X-Men: Teenverse solle ja ein „cooler“ Mutanten-Film sein und kein unfreiwillig komisches Kostümdrama.

Dass Cyclops erneut als läppische Figur dargestellt wird, freute mich. Der Schmollmund mag fast Satire sein, und man ertappt sich wieder dabei, dass man dem interessanten Typ (nämlich Wolverine) das Mädel gönnt. Wtf. Wolverine? Warum? Wie? Wtf? War der nicht in der alternativen Zeitlinie? Informationen! Nightcrawler, den ich in den Comics trotz des Namens „Kurt“ und der Religiosität doch sehr mochte, war etwas .. mühsam, ebenso die 00er Emo-Frisur. Quicksilver, ein Tick zu „cool“ inszeniert. Die Fähigkeit atmet sicherlich von locker lässigem Gehabe, was auch soweit okay wäre – aber der Text. Vermutlich war es die Synchronisation: „Ich bin halt ’n Loser.“ Wtf?

Übrigens empfand ich die Grund-Motivation von Apocalypse, absolut nachvollziehbar – sämtliche Waffen von der Erde zu verbannen. Warum auch nicht?

Psylocke hatte weitaus zu wenig Screen-Time. Wie verarscht muss man sich fühlen, wenn man die Rolle des „Damsel in Distress“ in Deadpool ablehnt, weil man kämpfen möchte, dann aber lediglich 2 Sekunden Fight-Screentime bekommt, sich aber Monate darauf vorbereitete? Storm war gut, ebenfalls zu wenig Screen-Time. Halle Berry war mir damals etwas zu ruhig, Storm ist wilder und strahlt viel mehr Kraft aus, aber Halle Berry kann nichts dafür wenn man ihr nicht die Möglichkeit lässt.

Captain Picard war und ist der wahre Professor X. James McAvoy ist sympathisch – aber kein Professor X. Fassbender hingegen empfinde ich als solide gespielten Magneto, er setzt das Maß an Emotion adäquat ein, ohne die Figur zu überrollen – auch wenn seine tragische Geschichte ausreichend Grund dazu gegeben hätte. James McAvoy hingegen wirkte wie ein verliebter Teen. Gut, es war ja auch X-Men: Teenverse .. aber dennoch.

Moment, warum gefiel mir der Film? Vielleicht des Auftakts wegen, der sehr ästhetisch das Klischee einer Anfangsszene einleitete? Vielleicht aber auch nur weil es warm wirkte, im alten Ägypten am Nil. Vermutlich mochte ich den Film also nur der assoziierten Wärme der ersten 5 Minuten wegen. Vielleicht aber auch, weil es einfache Unterhaltung mit sich brachte, und mein Telefon zuvor gestorben war? Ist es eine Art Guilty Pleasure und ich erkenne es nicht? War es lediglich erstklassig in Szene gesetzte Unterhaltung und die Sympathie für gewisse Charaktere aufgrund diverser Gründe trug wohl dazu bei?

Dass Sansa Stark sich zu einer guten Patronin für Jean Grey mauserte, hatte mich überrascht. Besonders die Szene, die auf die Dreiecks-Beziehung mit Wolverine anspielt war köstlich. Als ob sie alles gesehen hätte, als ob sie alles schon jetzt gefühlt hätte. Der Blick war eindeutig, zweideutig und großartig. Go Girl! Ihre Endszene wirkte natürlich wie aus einem Taylor-Swift-Musik Video, wie sie den Weg entlang schreitet, perfekt ins Szene gesetzt, und dann – der Druck muss groß gewesen sein – die zerstörerische Energie frei zulassen um Apocalypse zu vernichten. Übrigens, war Taylor Swift nicht als Dazzle gehandelt worden? Es fehlten Szenen, die ich von Fotos her kannte. Ich war neugierig: Hier die Antwort.

Ein Kommentator auf IMDB meinte, JLaw spiele Raven Everdeen anstatt Mystique. I lol’ed.

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Eingeordnet unter Comic-Verfilmungen, Filme!, Kritik und Rezension

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