Ein Sammelsurium an (feministischen) Gedanken im Jahr 2016

Inspiriert von Gesprächen mit meiner feministischen Muse.

Der Fall GinaLisa und der Hass gegen eine weibliche Fußballkommentatorin sind nur wenige Beispiele zeigen, dass es auch in Europa „nicht besser“ ist. Ganz zu schweigen von den US of f. A.

„Frauenhass“ ist ein Grenz – und Zeit überschreitendes Phänomen. Feminismus kann, soll und muss als Befreiung aller Frauen von „patriarchaler Gewalt“ verstanden, und darf nicht nur als „Wohlfühlprogramm“ gesehen werden, demnach alles okay ist, solange sich Frauen nicht unwohl fühlen. Wenn Beyonce sich als Feministin berufen fühlt und damit den Verkauf ankurbelt, sich aber gleichzeitig lasziv in die Kamera räkelt, trägt dies keine politische Botschaft in sich. Sie enthebt sich lediglich der Verantwortung, durch klare Werte vielleicht unangenehm aufzufallen und sich Kritik auszusetzen. Feminismus dient nicht dazu, von Männern sexy und cool gefunden zu werden. Männer können den Feminismus unterstützen, ihn jedoch zu sexualisieren läuft in die Gegenrichtung.

Ebenso gehört Kapitalismuskritik dazu, um etwa aufzuzeigen wie absurd es ist zu glauben, es sei ein Zeichen feministischer Selbstbestimmung Produkte zu kaufen, die einen schöner machen sollen und es dann als feministisch einzuordnen, in Annahme man tue es ja um seiner Selbst willen. Gleichzeitig aber wird man darauf gedrillt „hübsch“ zu sein und die Katze beißt sich selbst in den Schwanz. Nimmt man sich aus dem System heraus, fällt man womöglich negativ auf, was wiederum unangenehme Konsequenzen für weitere Aspekte des Lebens nach sich ziehen kann.

Und anstatt Flüchtende als Chance zu sehen, den Kulturübergreifenden Frauenhass zu thematisieren, wird ein Grabenkampf unter Feministinnen abgehalten, bei dem sich diverse Seiten gegenseitig diffamieren. Im gleichem Zug wird von recht traditionellen politischen Gruppierungen der Feminismus für ihre Zwecke instrumentalisiert, der „böse schwarze Mann“ und die „arme weiße Frau, die selbstbestimmt sein soll“ – gleichzeitig wird mit einer nackten Frau geworben, während zwei Seiten weiter im Parteibuch steht, die von Gott zugesprochene Rollenverteilung darf nicht aufgehoben werden. Same same, but different?

In der aktuellen Diskussion legt man besonderen Wert auf sekundäre Dinge, wie das Binnen-I. Einerseits soll dafür Bewusstsein geschaffen werden, andererseits bleibt eine negative Konnotation zurück. Ganz abgesehen von banalen Dingen, dass es auf den Lesefluß störend wirkt, lenkt es von den eigentlichen Problemen ab: Gleichberechtigung und Gleichbehandlung, gleiche Entlohnung und Chancengleichheit. Gäbe es eine einheitliche Entlohnung, die lediglich auf Qualifizierungen achtet, wäre es auch den Vätern möglich, die Mutter zu entlasten und anständige Karenzzeit zu nehmen. Somit könnten gewisse traditionelle Strukturen aufgebrochen werden.

Denn das Problem beginnt bereits in der Kinderstube wo Mädchen Puppen und Schminke bekommen und Buben nicht weinen sollen, „kein Mädchen“ sein dürfen. Bereits vor der Geburt wird die Chancengleichheit beeinträchtigt. Daher sind starke Frauenfiguren wie beispielsweise Rey aus Star Was  ein Schritt in die Richtung Mädchen zu verklickern: Du kannst beides sein, Prinzessin UND Kriegerin und Buben zu lehren: Starke Frauen sind in Ordnung. Dass Disney dem entgegen wirkt und es weit weniger Rey-Material gibt, da Buben nicht mit einer Puppe spielen wollen, besiegelt die Sache für sich.

Um auf die Flüchtenden zurück zu kommen: Dass Frauenrechte in muslimisch geprägten Staaten unter den Standards von Jenen in Österreich sind heißt weder, der in Österreich sei hoch genug, noch sich unreflektierter wie falscher Toleranz hinzugeben. In westlichen Länder ist die Demokratie ein Wert an sich ist, der nicht in Frage gestellt werden darf. Wenn das Kopftuch vorgeschrieben wird ist dies nicht vereinbar mit der Selbstbestimmung und Autonomie. Genauso dumm wäre es, das indische Kastensystem integrieren zu wollen, da es nicht mit der Selbstbestimmung eines jeden Menschen einher geht. In diesem Fall beträfe es auch Männer. Shit happens.

Wenn Frauen einer französischen Universität glauben, sie täten mit dem „Kopftuchtag“ den muslimischen Frauen etwas „gutes“, indem sie sich mit der Religion solidarisieren, ist dies schlicht und einfach falsch. Iranische Frauen kämpfen ihren eigenen Krieg und bitten westliche Frauen ausdrücklich darum, das Kopftuch nicht zu tragen.

Dass aber auch High-Heels bei manchen Feministinnen als Zeichen der Unterdrückung gesehen werden, da sie aus dem Grund tun, dem Mann zu gefallen und sich objektifizieren, bekam erst kürzlich durch die Aussage von Kit Harrington wieder Gewicht, der sich objektifiziert fühlte, weil er bei einem Shooting sein Hemd ausziehen hätte sollen. Der Aufschrei eines „weißen, europäischen Mannes“ im Bezug auf Objektifzierung ist nicht mit der Objektifzierung von Frauen gleichzusetzen. Aber sicherlich, Sexismus funktioniert in beide Richtungen.

Den Sexismus, den Schauspielerinnen täglich erleben, die oft nur aufgrund ihres Äußeres gecastet werden, lässt die Frage zu: Wo soll man mit Systemänderungen anfangen? Es beginnt alleine schon damit, dass Frauen weit weniger verdienen und ersetzt werden, wenn sie nicht „sexy“ genug sind. Die Rollenauswahl ist dementsprechend gelegt. Üble Nachrede, sie habe sich hoch geschlafen sind sie erfolgreich, bleibt Männern oftmals erspart. Und wenn, wird es als heroische Tat gesehen. Frauen über 40 haben fast keine Chance mehr auf vernünftige Rollen, außer man trägt einen berühmten Namen. Männer hingegen haben kein Haltbarkeitsdatum im Film. Selbst alternde Hunks können danach in eine andere „Kategorie“ wechseln. Sind sie „fett“, können sie sich maximal in einer Komödie etablieren – wobei dort die meisten Witze auf ihre Kosten gehen (Freier Auszug aus Moviepilot.de, Punkt 3).

Wenn Frauen ihre Körper zeigen, muss das nicht zwangsläufig etwas mit Selbstbestimmtheit zu tun haben, sondern kann Teil einer patriarchalen Struktur sein, dass Frauen primär über ihre Körper Selbstbewusstsein erlangen, was wiederum gut ins neoliberale System passt. Wenn Frauen also glauben, es wäre eine Stärke der Frau, sich auszuziehen, und demzufolge im Glauben handeln ein Alphatier zu sein, in dem sie etwas tun, dass sie ja selbst wollen, könnte man schließen, sie folgen nur dem System. Wie ein Witzbold meinte: Der Sieg der Männer über den Feminismus manifestierte sich darin, dass Poledance nun ein anerkannter und ordentlicher Sport ist. Sicherlich, Poledance kann sehr ästhetisch sein.

Männer hingegen, die sich beziehungsweise ihren Körper als mächtig, selbstbewusst und cool präsentieren wirken lächerlich und selbstverliebt. Frauen hingegen werden oft durch die Augen von Männer gesehen und danach beurteilt. Der oft in den Medien parodierte und tatsächlich existierende Neid unter den Frauen ist das beste Beispiel dafür, und macht die Sache nicht besser. Sestra!

Wenn also einerseits, der (sehr wohl gerechtfertigte) Aufschrei eines Mannes bezüglich Objektifzierung, mehr Aufmerksamkeit erzielt, als wenn eine Frau es anspräche, dies aber aufgrund anderer Voraussetzungen nicht verglichen werden kann, und andererseits der Aufschrei eines Mannes belustigt wird, weil eben nicht vergleichbar, so mündet es dann nicht in einer gewissen Ambivalenz? Während Frauen ihr Unbehagen aus universellen Positionen aussprechen, da sie, ganz gleich in welcher Gesellschaft und in welcher Zeit, überwiegend Benachteiligung erfuhren, äußert ein Mann das Empfinden individuell, ohne eine politisch gesellschaftliche Komponente mitzutragen und Frauen deswegen nur mehr belächelt werden, weil ihre Belange zu „mühsam“ sind? Eine Änderung des kollektiven Verhaltensmusters wäre sicherlich aufwendig, insbesondere wenn eine Seite glaubt, sie verliere dabei. Und eben genau deswegen muss der „Wohlfühl-Feminismus“ scheitern, nachdem alles in Ordnung sein soll, solange niemand verletzt wird. Er bleibt inhaltslos. Dieser doppelte Standard äußert sich weitergehend darin, dass man als Frau einerseits zwar selbst entscheiden kann, wie man sich kleidet und präsentiert, einem jedoch unterstellt wird, man täte es nur der männlichen Aufmerksamkeit wegen, andererseits bleiben kaum andere Möglichkeiten, denn Unterlassung führe erneut zu einem Zwang (es eben nicht zu tun) und eventuellen zu negativen Konsequenzen, wenn man nicht in gewissen Belangen am System partizipiert.

Wtf?

 

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