Wochenschau No. 256: #brexit vs. #anfechten

Im Hinblick auf den Wettlauf „Wie mache ich mich möglichst gut lächerlich“ gesellen sich neben Nordamerika und Österreich, nun auch Großbritannien, wobei sich die letzten Beiden gar nicht so unähnlich sind.

Während also die einen beinahe paranoid die Wahl anfechten, satirisch-medial auch beim Fußball – wobei mir der Witz „Österreich-Ungarn? Gegen wen?“ besser gefiel – googeln die anderen nach der Abstimmung was denn nun die Konsequenzen, und woraus sie eigentlich ausgetreten sind. Wtf?

Aber zu deren Verteidigung: Ich wette mehr als die Hälfte könnte auch hier zu Lande nicht genau erklären, was die EU ist und was für Konsequenzen drohen, träten Deutschland oder Österreich aus. Herrlich, der Konjunktiv II. Ich kenne zwar eine Handvoll, die sich dafür interessieren und eine Antwort liefern könnten, aber ich wage zu behaupten, dass der Großteil kaum Ahnung hat. Aber Ho(h)nig ist der Speichel der Medien, insofern also sicherlich auch das Resultat einer unglücklich formulierten Sucheingabe.

#brexit

Laut TheGuardian solle Brexit ein internes Machtspiel gewesen sein, eine Art Stimmungsmache, wie sie gerade auch beim Anfechten der Bundespräsidentschaftswahl auftritt. Es wurde damit geworben, aber eigentlich wollte man es nicht so wirklich. Ein Pyrrhus-Sieg also. Und ich denke mir zeitgleich, eigentlich hoffen die freiheitlichen Braunen Blauen auf gar keine Neuwahlen, da, wenn erneut Grün gewählt wird, diese ziemlich dämlich dastünden – aber schon alleine mit Stimmung und Angst kann beim Volk ausreichend erzeugt werden. Der interessierte lese Canettis Masse und Macht und Gustav Le Bons Psychologie der Massen.

Ein weiterer Vergleich besteht in der Wählerschaft, während in GB hauptsächlich ältere, weiße und ungebildete Leute für den Brexit stimmten, sind es in Österreich ebenfalls die Ungebildeten und alten Leute, die sich den Nationalen und Traditionellen verkaufen. Junge Leute mit Bildung wählen anders, und sind zufrieden. Deswegen sage ich ja immer wieder: Fördert Bildung! Aber nein.. Lieber am Stammtisch stänkern, „gmiatlich sei Bier mit na Tschick saufn“ und alles ist in Ordnung, bloß nichts verändern, bloß nicht den Hintern riskieren, es könnte sich etwas verändern und Veränderungen sind böse! Des Teufels Werk! Rufezeichen!

Die Frage jedoch, die sich Wirtschaftstheoretiker, Politiker und alle möglichen Leute stellen: Ist die EU jetzt zum Scheitern verurteilt? Ich, als Laie, werde mich hüten über etwas zu mutmaßen, worin sich selbst die Experten uneinig sind und ein jede Zeitschrift, jeden Tag neue Erkenntnisse, neue Studien und andere Ansichten liefert. So oder so. Wobei, wenn es sich nun günstiger einkaufen lässt, sollte ich eventuell noch mal einen Flug nach London buchen und den Forbidden Planet ausräumen..

#anfechten

Mag es verwundern, dass wenn während der Wahlauszählung mit blau-weißen Heimatgeschichten (inklusive entlaufender Löwe) unterhalten wird, das grüne Ergebnis möglichst schnell von der braunen blauen Fraktion angefochten werden möchte? Es klingt wie Gesellschaftssatire. Ein österreichisches Kabarett könnte es nicht treffender formulieren.

Fragen über Fragen: Sind die Anfechter im Recht? Gab es tatsächlich Wahlbetrug? Betrug! Eine grüne Verschwörung gegen die rechtmäßigen Traditionellen im Reich? Omfg! Oder könnte es doch bloß Taktik sein, mit derer die blauen Querulanten erfolgreich von den Medien verbreitet werden?

Mit 30 000 Stimmen ist die Wahl zwar per se gewonnen, das Land jedoch gespalten. Freundschaften zerbrachen, der Stammtisch trägt die tiefe Kerbe der politischen Faust am Tisch und während Zeugen befragt werden, reiben sich die nationalen Freiheitlichen die Hände und freuen sich über mehr Wählerschaft. Weil der, der am lautesten schreit, hat doch Recht. War es nicht immer so? Oder doch nicht? Denn könnte es sein, dass wenn, gegen Ende doch für den Mann mit dem Stock geschummelt wurde? Omg! Skandal!

Die Wahlanfechtung wird derzeit vom Verfassungsgerichtshof verhandelt. Und ja, es tauchten Unregelmäßigkeiten und Schlampereien auf, obwohl die gesetzlichen Bedingungen klar formuliert sind. Offensichtlich aber lassen sich Gesetz und Praxis nicht miteinander vereinen. Alleinig die „Möglichkeit“ zur Manipulation muss ausreichend sein, um dem Sachverhalt näher nachzugehen. Wo kämen wir da sonst hin? Die Bürokratie erfüllt die Ordnungsquote.

Es darf also in diesem Falle auch nicht verwundern, dass wenn sich Österreich acht Jahre Zeit lässt um die Nichtrauchergesetze ordentlich durchzusetzen, auch die Wahlkarten nicht zwangsläufig manipuliert, sondern einfach eher einfach ohne Struktur und a bissal schlampig gezählt wurden. Gmiatlich sans halt, die Österreicher. Alles hat seine Vor- und Nachteile..

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Kulturelles, Medien, Wtf Politik?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s