Ein Stück aus dem Leben, dem alltäglichen Leben, dem Alltag, No. 310

Als Teil der arbeitenden Bevölkerung versucht man sorgfältig und gewissenhaft mit dem erwirtschafteten Geld umzugehen. Schon alleine die Bezeichnung „Geld“ lässt mich erschaudern. Es sind Zahlen, etwas Metall und zerknittertes, bedrucktes Papier, dessen Wert wir definiert und ihm zugeschrieben haben. Also nennen wir es konformerweise Geld. Geld, dass Freiheit generiert und sie erwerbbar macht. Geld, dass uns knechtet und den täglichen Sinn im Leben verschafft. Alles gut und recht. Siehe da, der Game Stop verkauft neuerdings Minecraft Plüsch-Viecher. Auch wenn der Creeper wie ein grünes Phallus Symbol aussehen mag, gekauft ist gekauft. Tsss. Tsss. Tsss.

Der Arbeitgeber zahlt gegen Mitte Monat aus und so krebst man in den ersten Tagen des Monatsanfang mit nur mehr wenigen Cents durch die Shopping-Industrie, während der Großteil bereits erleichtert und mit prallem Portemonnaie vom Bankomaten schreitet. Man hasst sich für den Kaufrausch Tage zuvor, der das letzte Geld verschlungen hatte. Man bildete sich sein, im Urlaub sei es erlaubt. Man redete sich gut, man brauche T-Shirts auf denen Katzen bedruckt sind, oder vergleichsweise teure Shirts, weil man nun doch als Erwachsen gilt. Man kauft also bei Esprit und Only ein (wohl wissend, dass eh alles in der gleichen Fabrik produziert wird), anstatt bei H&M, der lediglich für Unterwäsche zu gebrauchen ist. Ich trage nun Wonder-Woman am Hintern. Yay. Viel DC aber kein Marvel, es ist enttäuschend. Marvel-Unterwäsche gibt es nämlich nur für kleine Buben.

Die Odyssee führte mich in einen Schuh-Laden. Fast 70€(!) solle das Paar kosten, dass ich auserwählt hatte. Sie hatten etwas. Aber, sie hatten auch etwas.. Egal, ich musste sie haben. Sie waren bequem und bequeme Schuhe sind eine Meisterleistung eines jeden Schusters. Alle anderen die ich davor probiert hatte, schmerzten und drückten. Dennoch, Schuhe für 70€ leistet man sich nicht jeden Tag. Aber es gab Prozente und ich stieg mit 55€ aus. Immerhin etwas. Davor hatte ich 55€ für zwei dünne Pullover ausgegeben.

Übersehen hatte ich allerdings, dass bei den zwei verhältnismäßig teuren Überzieher 45% Polyester enthalten ist und so saß ich, schwitzend und unruhig in der Lebensmitte: der Arbeit. Ahja, man rate woraus das Innenfell der Schuhe fabriziert ist: Polyester! Auch zwickte die Strumpfhose, aber Herbst und Winter bieten sich für Rock und Kleid gut an. Da es jedoch noch zu warm für die dicken, flauschigen Stumpfhosen ist, begnügt man sich mit den dünnen, engen, zwickenden Biester. Und da waren noch die Bücher. Zuviel Lesestoff. Feminismus, Science Fiction, kontroverse Religionen – alles was das kulturelle Herz begehrt.

Es ist erstaunlich wie willentlich man Geld liegen lässt, wenn man sich erst mal im Kaufrausch befindet. Das rationale Denken muss dabei komplett ausgeschaltet sein, anders kann ich mir diesen Willensverlust nicht erklären. Man ist ein Schaf, und folgt anderen Schafen. Man kauft, weil es da liegt und hübsch aussieht, weil es sich anbietet, weil man es eh schon mal haben wollte. Man folgt den Stimmen, die sagen: „Nimm es!“ oder „Morgen ist es weg und du wirst es bereuen!“ und tappt von einer wohl konstruierten Werbefalle in die Nächste. God Dammit! Kassa-Fallen sollten verboten werden. Ähnlich bei Steam Sale Aktionen: Man kauft was günstig ist, ganz gleich ob man es spielt oder nicht. Wer weiß, wann es das nächste mal nur ein viertel vom üblichen Preis kostet. No Man’s Sky ist immer noch nicht erworben, Kritiken wie AAA-Preis halten davon ab.

Und nun sitze ich da, tippe diese Zeilen, lasse den Leser an meiner Tragödie, dem #firstworldproblemdeluxe teilhaben (inklusive Hashtag) und setze mich Gelächter und Hohn aus. Lacht ruhig, Genossen, lacht ruhig, vergönnt sei’s euch.

Der Tee ist kalt.

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