„Arrival“

Die englische Originalversion dreimal aus Faulheit (und dem kalten Wetter wegen) aufgeschoben, musste ich mich nun mit der deutschen Version zufrieden geben. Die Syncro tat in diesem Falle weder dem Film noch dem Inhalt schlechtes, denn wie das Thema selbst, gründet auch der Film auf Kommunikation. Der Film baut nicht auf die englische Sprache auf und vermittelt auch keine Witze, deren Sinn bei der Übersetzung verloren ginge, sondern erzählt eine Geschichte deren Botschaft in allen Sprachen funktioniert.

Es folgt ein Review mit Spoiler, dass vermutlich kaum sinnvollen Informationsgehalt aufweist, und lediglich jene ansprechen mag, die den Film bereits gesehen haben.

Man könnte den Film auch so umschreiben: Das Ende ist der Anfang und der Anfang das Ende. Alles, an was sich Louise im Zusammenhang mit ihrer Tochter erinnert, geschieht in der Zukunft. Zeit ist nicht linear, zumindest nicht für die Aliens (u.a. Abbott und Costello) die sie besuchen. Dort erfährt sie die Nummer des chinesischen Militärchefs und verhindert somit einen Krieg der Welten. Ihr Buch über die Sprache der Heptapoten wird publiziert, sie erinnert sich daran und kann im Zuge dessen die Nachricht der Aliens, die sie kurz vor der Explosion erhalten hatte, übersetzen. RIP Abbott.

Zurecht sagte man mir, dass der Film „grausam“ sei, denn wer würde, im Wissen, dass einem einst alles genommen wird, dennoch genau diesen Pfad einschlagen? Fraglich, wenn die Zeit nicht linear ist, ob sich dann Abstraktionen ergeben (können) oder ob sie tatsächlich so verläuft, wie sie die Zukunft sah? Der Film lässt das offen. Und wie der Doctor schon sagte: „People assume that time is a strict progression of cause to effect, but actually, from a nonlinear, non-subjective viewpoint, it’s more like a big ball of wibbly-wobbly, timey-wimey… stuff.“

Sprache ist ein interessantes Phänomen und Arrival thematisiert zurecht deren Komplexität, deren wir bereits im Alltag erliegen. Ein Zyniker mag sagen, „Ich bin nicht dafür verantwortlich was du verstehst“ und ein Empfänger mag sich wehren in dem er sagt: „Du musst deine Worte klarer wählen“ – Wir kennen das Problem aus alltäglichen Disputen und Diskussionen und nicht zuletzt hängt sich mancher Streit an einem einfachen fehlinterpretierten Wort, folgend einem Missverständnis auf. Es hat also sicherlich seinen berechtigten Sinn, dass man in Philosophie Lehrveranstaltungen selten über Seite zwei einer philosophischen Primärlektüre hinaus kommt und Stunden damit verbringt, die ersten Sätze zu ergründen bis sich die Diskussion nur mehr um bestimmte Worte und deren Auslegung dreht. Aber das ist wichtig.

Ein vielleicht handgreiflicheres Beispiel: Im gälischen gibt es kein „nein“ und kein „ja“, sondern nur ein „ist nicht“ oder „war nicht“ oder „ist“ – wie im lateinischen. Allseits bekannt: In kälteren Regionen gibt es verschiedene Worte für Schnee, mit denen ein Südländer, selbst mit Übersetzung nichts anfangen könnte. Es ist eine andere Art der Kommunikation. Ein Volk, deren Sprache nicht über bestimmte Verben verfügt, die zukünftiges und vergangenes ausdrücken, kommuniziert und lebt anders als wie jene, deren Sprache komplexer strukturiert ist. Und auch da hakt die Linguistin ein: Unsere Sprache ist schwammig und lässt viel Spielraum bei Interpretationen. Im Unterschied dazu ist die Sprache der Physik, mathematische Zeichen und Formeln, eindeutig und somit trifft faktische Aussagen über die Welt. Und auch das ist ein interessanter Aspekt des Filmes, gerade diese beiden Disziplinen nebeneinander (nicht gegenüber) zu stellen – zumal es auch Story-technisch Sinn ergibt einen theoretischen Physiker heran zu ziehen.

Interessant und besonders stimmig fand ich das Beispiel mit Schach: Jemand, der Sprache anhand eines Spieles erklärt (im Film mit Mahjong – kann übrigens süchtig machen) kennt folgend nur ‚Sieg‘ oder ‚Niederlage‘, aber weder ‚Werkzeug‘ oder ‚Helfen‘. Je nach dem mit welchen Mitteln man also eine Sprache beleuchtet, bekommt man ein anderes Ergebnis.

Und nun sind wir hier: Die Kreise sind Worte und Sätze zugleich. Vergleichbar mit chinesischen Zeichen deren Satz auf einmal geschrieben werden kann. Abbott und Castello haben zudem eine andere Art der Zeitaufassung, und zwar, dass Zeit nicht linear ist. Doch dies ist fast nur ein nebensächlicher Aspekt. Der Film, die Geschichte, die Szenerie beleuchten zwischenmenschliche Abgründe die sich in Katastrophensituationen ergeben. Krieg, Raub und Mord sieht man lediglich entfernt über die News, während Louise im Bett liegt. Die Geschichte behandelt die menschliche Seite.

Und besonders hier verdeutlicht der Film (wieder mal), dass Menschen einfach primitiv sind. Als sie in ihren Anzügen (und dem Vögelchen) hinauf schreiten und ihre Gerätschaften auspacken, wirken sie trotz Hightech erbarmungslos unterentwickelt. Besonders deutlich wird dies durch die Leere und Einfachheit des Raumschiffes und der Aliens, denen sie gegenüber stehen.

Dieser Eindruck bestätigt sich, als der Urinstinkt, die Familie schützen zu wollen, zu Handlungen verleitet, die ebenfalls fast einen Krieg ausgelöst hätten. Man kann ihnen jedoch keinen Vorwurf machen. Und sobald das Wort „Waffe“ gefallen war, schalteten alle Stationen auf Offline. Selbst wenn zu Beginn noch eifrig zusammen gearbeitet wurde, wird doch bald klar, dass viele nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Ich verstehe jede außerirdische Macht, die sich davon abwendet und die nächsten 3000 Jahre die Menschen observiert und einen gewissen Sicherheitsabstand hält – wäre da nicht Fermis Paradoxon. Lest es euch durch.

Ich finde es auch immer nett, wenn alltägliche Dinge in Filmen realistisch dargestellt werden: Es wurden verschiedene Geräte verwendet (nicht nur Apple), Louise lief Barfuß (und nicht im Schuhen im Haus) und auch wie die Schwerkraft in dem Schacht des Raumschiffes dargestellt wurde, fand ich recht interessant und originell.

Eine Frage die mir dennoch im Kopf blieb war: Wofür brauchen die Aliens in 3000 Jahren die Hilfe der Menschheit?

Fazit: Der Hype eilt dem Film nicht voraus, sondern ist gerechtfertigt. Einer der wohl besten SF Filme 2016.

Hier noch ein paar gestohlene Aliens.

Kurze Recherche danach:

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