„Passengers“

Review mit Spoiler; verfasst wenige Minuten nach Sicht und etwas danach in die Unendlichkeit des Webs entlassen.

Frage in die Runde: Wer würde nicht, wäre er in Jims Situation, die Dame oder den Herren nach eigenem Belieben aufwecken, um der tristen Einsamkeit von einer verbleibenden Lebensspanne von ca. 60 Jahren zu entrinnen und sich das Leben etwas versüßen? Ich würde es zu tun. Ich gestehe offen und ehrlich: Ich würde einem Menschen seinem Leben berauben um meines angenehmer zu gestalten – wenn der Fall gegeben wäre, dass ich durch einen Fehler im System für den Rest meines Lebens alleine sein müsste und die Fertigkeit besäße, die Kapsel so zu manipulieren, dass mein Fehler nie ans Licht käme. Allerdings hätte ich mir mehr Kandidaten durchgesehen und mit der Auswahl Zeit gelassen. Immerhin muss man mindestens 50 Jahre zusammen verbringen. Oder man tötet sie. Und weckt den nächsten auf. Und den nächsten. Und den nächsten. Ich sehe eine Parodie am Horizont. Eine Idee wäre sicherlich auch, noch andere aufzuwecken, aber ich fürchte ein Herr der Fliegen Szenario und trotz 60 Jahre Einsamkeit zöge ich Leben dem Sterben vor.

3D war sinnlos vergeben, die Köpfe vor mir, die weit über die Lehne reichten, störten zwar, aber nicht den 3D Effekt, da dieser nicht gegeben war. Etwas, aber nicht wirklich. Ich gewöhne mich langsam daran. Man gewöhnt sich an alles. Auch an Röcke die nicht mehr auf der Hüfte, sondern auf der Taille sitzen.

Was ich wirklich toll fand war das Raumschiff, dem viel zu wenig Screentime gewidmet war. Ich habe eine Schwäche für ästhetische und in ihrer natürlichen Umgebung präsentierte Raumschiffe. Je nach Perspektive war es ein Kreis, oder eine Spirale oder das Gerüst einer Muschel. Es war wirklich ein sehr schönes Schiff und sie bewegte sich mit Anmut und Grazie. Das überwältigende Gefühl der Ehrfurcht aber, als die Enterprise in Into Darkness sich galant aus dem Wasser emporhob, blieb bisher unerreicht.

Bemerkenswert fand ich folgendes:

• Die Migration auf einen weit entfernten Planeten, deren Reise ca. 120 Jahre dauert, um mit weiteren 5000 Menschen eine neue Zivilisation zu schaffen, ist nichts neues und dennoch so oft in Film und TV präsent. Und natürlich frägt man sich: Will man das? Will man den nächsten Planeten zerstören? Vermutlich. Oder besser: Natürlich! Der Mensch will leben, also ja. So wie jeder von uns vermutlich, außer die wahrhaft Guten, einem anderen Menschen das Leben rauben würde um nicht alleine sein zu müssen. Conclusio: Humans are evil.

• Auch interessant war die angedeutete Klassengesellschaft, die sich logischerweise beim Frühstücksbuffet und den großräumigen Zimmern bemerkbar macht – worauf aber nicht weiter eingegangen wurde, wozu auch, es ist ein Liebesfilm mit Happy End und Holzhaus.

• Aurora Lane hatte vor nur ein Jahr dort zu verbringen und in eine Welt zurück zu kehren die ca. 250 Jahre in der Zukunft liegt um dort ihr Buch zu präsentieren. 250 Jahre! Vor 250 Jahren befanden wir uns noch im 18. Jahrhundert und zwar im Jahre 1767. Überlege man sich bitte, wie und in welcher Geschwindigkeit sich das Leben auf der Erde verändert hatte. Trivia: Es gab noch keine Waschmaschinen. Kein Internet, kein Penicilline, keine Frauenrechte, nada. Und man stelle sich vor was in weiteren 250 Jahren alles erreicht und/oder (wieder) zerstört werden könnte! Aber es wäre unglaublich interessant, wenn man die Möglichkeit hätte, es selbst zu sehen. Ich verweise hier dezent auf H.G. Wells Klassiker The Time Machine von 1895.

• Wer bitte hat sich den Namen Aurora für eine Person ausgedacht, die aus einem Langzeitschlaf erweckt wird? Geht’s no dämlicher? Das ist keine Ironie, keine Parodie, es ist nicht mal ein ordentliches EasterEgg.

• Interessant war auch das Ende des Filmes, der eine Art Garten Eden zeigte. Aurora zuvor noch unter dem Baum – grad noch, dass es kein Feigenbaum war – der gegen Ende hoch ausschlug, inklusive Holzhaus und Viecher die rum hüpften. Wenn man annimmt, dass die beiden – sagen wir ca. 5 bis 10 Jahre vor der Ankunft (wenn es 90 gesamt sind, und die beiden sagen wir ca. Mitte 20, Anfang 30 sind und noch gute 60 Jahre leben) gestorben sind, müssten dann nicht noch viel mehr Hennen und Gevieh rumlaufen? Vermutlich kümmerten sich die Roboter darum. Denkfehler.

• Und was ist mit all den Dingen, die sie aus der Arche Noah gestohlen haben? Was ist mit den Rosen, die nun vermutlich niemanden mehr zu Teil werden können? Oder den Tieren, die sich bis dahin gegenseitig gefressen haben, und den Pflanzen, die es nicht geschafft haben, aus welchen Grund auch immer. Die Ironie fliegt heute tief..

• Die KI des Barkeepers erschien mir für den Fortschritt der Technik im Jahre 2350 etwas .. einfältig. Und in der Tat muss das Raumschiff groß gewesen sein, wenn man sich locker Tage aus dem Weg gehen kann ohne den anderen zu bemerken.

• Dass der Transfer im Weltall von privaten Konzernen beherrscht und betrieben wird; Flüge und eine neue Heimat angeboten werden, um damit ein Milliardengeschäft zu machen, ist eine logische Konsequenz und bereits voll im Gange, wenn der Staat außer zu Kriegs- und Wettbewerbszwecken kein Geld in Forschung und Raumfahrt steckt. Raumfahrt, wozu? Wozu zum Mars? Ja, wozu? Erste Flüge ins All bietet Virgin Galatic bereits oder bald an.

Fazit: Drei von fünf Wassermassen in der Schwerelosigkeit. Definitiv unter der Kategorie ‚Liebesfilm/Romanze‘ (mit SF-Elementen) einzuordnen – versagt hier aber heillos. Ob es mit Emily Blunt und Keanu Reeves besser gepasst hätte? Man wird es nie erfahren..

Und natürlich interessant zu wissen:

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