„The OA“, Season 1

8 Folgen, weniger als 8h. Review wendet sich an jene, die die Serie bereits sahen.

Stranger Things meets Breakfast Club meets Brit Marling meets Conspiracy

Folgend eine Niederschrift, kurz nach Sicht plus eine Nacht und einen Tag darauf. Ich lass es mal so stehen..

Und ich glaube gestern Nacht im Halbschlaf heraus gefunden zu haben, wie es möglich sein kann, dass die eine Hälfte die Show für sinnlos erachtet und nichts damit anfangen kann, andere hingegen deren Genialität lobt: Das Ende. Wenn man dies akzeptiert und der Handlung bereitwillig glauben schenkt, funktioniert die Idee. Sie funktioniert auch, wenn man sich die Frage „Ob alles erklärt werden muss“ mit Nein beantwortet. Ebenfalls funktioniert sie, wenn man den tieferen Sinn dahinter zu erkennen versucht.

Die Idee funktioniert nicht für den bloßen Konsum wie Westworld, dass ebenfalls zum Denken animiert und durch wohl platzierte Details ein großes Ganzes ergibt. The OA beantwortet keine Fragen, so wie auch Stranger Things keine Fragen beantwortet hatte. The OA zeigt – zwar gibt es EasterEggs und natürlich, lässt sich mit Theorien alles zusammen schustern – aber führt den Seher nicht zu einem großen Ganzen. Wenn man sich die Frage, ob Prairie verrückt war, mit Ja beantwortet, macht natürlich alles Sinn und man frägt sich lediglich: „Okay.. und wo war sie jetzt all die Zeit – und, vor allem – Wie kann sie wieder sehen?“

„She [Brit Marling] creates a system of belief based in science with intricate details exemplified visually. Dance meets yoga, wormholes cross with the afterlife, and scientific study blends with religion. Such blending of big ideas creates questions, and “The OA” doles out answers quickly and effectively, making the simple entertainment value of putting the pieces together quite satisfying.“ (Indiewire.com)

Nimmt man jedoch die Idee dahinter als gegeben an, die Geschichte vielleicht nicht unbedingt als wahr, so kann es durchaus mehr Sinn machen. So kann man sich den Symbolen, oder auch den Farben annehmen: Achtet auf die Farbe Violett. Man darf sich auch in Erinnerung rufen, was Zal Batmanglij dazu sagt: „Well, it’s very important that what you’re seeing is not a flashback—it’s the boys‘ interpretation of the story she’s telling, and their imagination of it“ – dann macht vieles plötzlich noch mehr Sinn..

Besonders durch Zusammenfassungen, deren Editoren Reddit durchforsten und versuchen, alle Details zu einem sinnvollen Ganzen zu verschmelzen, vermittelt das Gefühl, dass da tatsächlich etwas sein muss, no matter what. Und auch die Fernsehlandschaft, durch LOST geprägt und mit Westworld gezielt angewandt, hat sich darauf eingelassen, den Seher zu teasen, zum rätseln animieren, anstatt zum bloßen konsumieren. Will The OA nur konsumiert werden? NEIN! Auch The OA regt zum Denken an, aber auf einer anderen Ebene.

Man frägt sich dann gegen Ende, als French die vier Bücher unter ihrem Bett findet, dass Prairie vermutlich wahnsinnig ist, oder sich alles nur ausgedacht hat – und wieviel von ihrer Geschichte stimmt. Creator und LeadAcress dazu: “I think there is something really delicious in the mystery about questioning the storyteller’s truth. Certainly, you go back and forth on it.“ Und: “Maybe it doesn’t matter as much if the details are true, because there’s some essential core that she’s imparting that smacks of honesty.“

Stranger Things, und auch The OA, so auch die Aussage von Brit Marling, verdeutlichen – dass es vermutlich an der Zeit ist, von der Dateil-Besessenheit und dem Erklärungswahn weg zu gehen, und „hinter die Dinge“ zu blicken. Man nimmt sich Zeit und reflektiert über Details, die sichtbar ins Bild gerückt, und nach zweitem, dritten mal sehen, hervorragend observiert werden können, vergisst jedoch dabei das „dahinter“, die Geschichte.

Aber was erzählt The OA? Geschichten über Jugendliche und Menschen, die in dieser Welt keinen Platz gefunden haben, ständig mit ihrer Umwelt im Kampf liegen und nicht wissen, wohin sie gehören? Unter Druck versuchen etwas auf die Reihe zu bekommen und gewissen Erwartungen zu entsprechen? Ging es bei der Serie jetzt um NDE (Near Death Experiences) oder um Jugendliche, die versuchen einen Platz in dieser Welt zu finden und durch „the original angel“ einander fanden? Verbundenheit durch etwas, dass komplett aus der Reihe fällt, in einer Welt, in der durch allgegenwärtige Verknüpfung nur noch mehr Abstand herrscht?

Und zu guter Letzt gipfelt sich die alltägliche Realität in einem Schoolshooting, dass schlussendlich OA trifft. Sie stirbt und macht sich auf den Weg in eine andere Dimension – und hatte durch die 5 Movements manche Schüler, die sonst nie etwas miteinander zu tun gehabt hätten, zusammen geführt und gegen Ende alle Schüler gerettet.

Trotzdem bleiben bei mir einige Fragen offen, die ich doch gerne beantwortet hätte:

Wie konnte Prairie wieder ihre Seefähigkeit erlangen? Wenn es die anderen Gefangenen gab: Wo gingen sie aufs Klo? In dem kleinen Bächlein, dass durch all die anderen Zellen floss? Warum bekamen sie Rasierklingen? Und warum hatte niemand Selbstmord begangen? Müsste man nicht extreme Mangelerscheinungen über die Jahre hinweg bekommen, wenn man sich nur von Tiernahrung ernähren kann? Keine Frage, und vielleicht etwas fehl am Platz, hinsichtlich realer Zustände: Prairie trägt sieben Jahre dasselbe Gewand. Sieben Jahre! Zumindest stellen sich die Jugendliche Prairie sieben Jahre lang mit dem gleichen Gewand vor..

Für all jene, die etwas „mehr“ brauchen, fresst euch durch EasterEggs und Theorien:

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