„Humans“, Season 1 und 2

Wenn mich jemand frägt, was Humans ist und womit es sich beschäftigt, so sage ich meist: Sowas wie Westworld, nur ohne Park und ohne Wilder Westen und Überdrüber-Tech. Während Westworld auf pompöse HBO-Inszenierung setzt, folgt Humans der Tradition der klassischen SF und stellt mit einfachen Mitteln dar; nicht das visuelle, sondern die Idee steht im Vordergrund.

50:50 Spoilerwarnung. Es gibt keine inhaltlichen, also die Story betreffenden Spoiler, aber gewisse Fragen werden vorweggenommen und beantwortet.

humans

Humans ist eine britisch-US-amerikanische SF-Serie aus dem Jahr 2015.  Trotz der Kollaboration zwischen Channel 4 und AMC merkt man, dass es eine durch und durch britische Serie ist. Der Einstieg ist schnell, es gibt keine lange Vorgeschichte, keine Mystery und kein gedankliches Labyrinth. Die Dramaturgie kommt gleich zur Sache und benutzt für technische Angelegenheiten bemerkenswert einfache Tools. Im Gegensatz zur Annahme, dass es billig oder gar einfallslos wirken könnte, wird man schnell vom Gegenteil überzeugt. Die simplen Ideen wirken ungewohnt erfrischend.

In einer alternativen Welt (denn Samsung, Apple und Microsoft existieren dort nicht) gibt es Synths, stehend für „Synthetics“, Roboter von menschlichem Aussehen, die zur Erleichterung von Alltag und Haushalt, der Arbeits- und Fabrikwelt und natürlich auch zwecks Sexkauf, von einem kommerziellen Unternehmen entwickelt wurden.

Humans überschneidet in den grundlegenden Fragestellungen mit Westworld, geht aber vielleicht noch einen Schritt weiter: Können Androiden/Robots (Hier Snyths/Synthetics) fühlen und Emotionen empfinden? Und wenn ja, was passiert danach? Inwieweit können sie selbstständig agieren und was passiert mit den Menschen um sie herum?

Humans beantwortet die Frage im Hinblick auf Zuneigung, Mutter-Kind Beziehung, Freundschaft, Intelligenz und eigenes Bewusstsein. Während Season 1 die Fragen aufwirft und diesen auf den Grund geht, stellt sich in Season 2 die Frage: Haben Synths Rechte – wenn man beweisen kann, dass sie Emotionen wie Menschen empfinden und durch Erfahrungen lernen und zu dem werden, was und vor allem WER sie sind? Selbigem Thema widmete sich u.a. Star Trek – TNG einst, in der Folge: Wem gehört Data?

Aktuell wird häufig diskutiert, wie sich Roboter in der Krankenpflege anstellen werden. So wird dem alten George Millican (William Hurt), die streng schauende Vera zugeteilt, die ihm sagt, was er zu essen hat und wann Bettruhe ist. George hat keine Möglichkeit dem zu entkommen, ohne, dass sie sein Verhalten an die zuständige Behörde weitergibt. Stichwort: Komplettüberwachung. Im Schrank befindet sich Odi, ein alter Roboter, der sozusagen als Ersatzkind und Ersatzgehirn fungiert hatte, für den an Alzheimer leidenden George. Stichwort: Altenpflege. Stichwort: Ersatzkind. Stichwort: Ersatzgedächtnis. Es werden gleichzeitig positive wie negative Aspekte nebeneinander gestellt.

Ein weiteres zentrales Thema, welches sich durch beide Seasons zieht, ist: Werden uns Maschinen irgendwann unsere Arbeitsplätze weg nehmen? Stichwort: Technikkritik. Eine Angst, die die Entwicklungsgeschichte von Mensch und Technik seit Jahrhunderten begleitet und bisher immer mit Ja beantwortet werden konnte. Der mechanische Webstuhl kostete Webern Arbeitsplätze, Fabrikarbeiter wurden durch Maschinen ersetzt, und so sind auch Bergarbeiter und andere körperlich belastende Berufe durch Synths ersetzt worden. Und nicht nur das, oftmals sind es Synths die eine Kündigung veranlassen, ohne dass der Geschäftsleiter darüber blickt. Stichwort: Automatisierung und Optimierung durch Algorithmen.

Was wenig beachtet, aber in der Serie deutlich gezeigt wird, ist: Welche Auswirkung können diese Roboter auf Kinder und Jugendliche haben? Stichwort: Nachahmungseffekt. Die jüngste Tochter Sophie gleicht sich der kühlen, perfekten und ordentlichen Verhaltensweise von Synth Anita (Hauptdarstellerin Gemma Chan) an. Und auf den ersten Blick findet man das toll: Das Kind räumt sein Zimmer auf, stellt die Schuhe dort hin wo sie hingehören, sitzt gerade, spricht genau und faltet ihre Kleidung. Auf den zweiten Blick, anhand des Beispiels von Tobys Freundin (Toby ist der Sohn der Familie, die neben den Synths im Mittelpunkt steht) zeigt sich allerdings, dass es eine Art Umgang mit schwierigen Situationen ist: Ein Synth braucht nichts zu fühlen, und somit wird versucht negativen Emotionen Herr zu werden, was sich folgend auf die Psyche auswirken kann. Man spricht in der Serie von „Synthetics disorders“. Folgend kann es zu einer emotionalen Fehlentwicklung kommen.

Spoiler! Und wie bei Westworld haben wir auch hier einen Erfinder, der das Bewusstsein in einer Art Code in seinen Prototypen versteckt hat. Mit diesem Code ist es möglich, dass all die anderen Synths ebenfalls Bewusstsein erlangen können. Doch was schlussendlich auffällt ist, dass der Erfinder keine neue Kreation geschaffen hat, sondern lediglich die Menschheit kopierte, indem er ihnen Gefühle und Bewusstsein gab, mit denen viele der neu erweckten Synths nichts anfangen können und sich im Stadium von Kindern befinden, die Recht und Unrecht nicht voneinander unterscheiden beziehungsweise einordnen können. Spoiler off.

Humans verdeutlicht sehr anschaulich, dass die Einschätzung von „gut“ und „böse“ Konstrukte sind, die gelernt oder durch Erfahrungen entwickelt werden. So entdeckt ein Synth, dass Folter eine effiziente Methode ist um an Informationen zu kommen, fühlt aber keine Schuld. Woher auch? Niemand brachte es ihm bei, dass er daraufhin Schuld hätte fühlen sollen. Man muss die bewussten Synths also behandeln wie kleine Kinder.

Ebenso veranschaulicht wird auch die unterschiedliche Haltung der Menschen, gegenüber Synths. Manche lehnen sie ab und es entwickeln sich „Synth-freie Städte“. Stichwort: Verlangen nach Enttechnisierung. Wir selbst kennen das befreiende Gefühle, wenn das Telefon ausfällt oder man im Urlaub kein Internet hat.

Und es kommt natürlich wie es kommen muss: Bewusste Synthetics, die physisch und psychisch dem Menschen überlegen sind, gehen wohin sie möchten. Sie haben ihren eigenen Willen und treffen eigene Entscheidungen. Die einen entscheiden sich dafür, friedlich neben dem Menschen zu leben, die anderen sehen darin den nächsten Schritt der Evolution. Und dann gibt es manche, die der Meinung sind, dass sie niemals gemacht werden hätten sollen und sich am Ende für die Zerstörung einsetzen. Stichwort: Durch und durch menschlich.

Fazit: Eine interessante und gelungene Auseinandersetzung. Es ließen sich noch viele weiter Stichworte und Themen heraus nehmen, doch fand ich die Geschichte selbst zu interessant, als dass ich weiter spoilern möchte.

Cast: Neben Katherine Parkinson (meiner ersten Wahl für den neuen Doctor) und Colin Morgan (Merlin), spielt in der zweiten Season Trinity aka Carrie Ann Moss eine nicht unwichtige Rolle.

Grober Inhalt: Generell steht die Familie vom Katherine Parkinson im Mittelpunkt, sowie eine kleine Gruppe von Synths.

Season 3 soll laut den letzten Informationen im November starten.

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Ein Kommentar

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