Bienen im Bus – Ein Erfahrungsbericht

Öffentliche Verkehrsmittel im Sommer sind eine Qual. Hunderte von schwitzenden Leuten müssen sich in ein stickiges Fahrzeug zwängen, womöglich unangenehm riechen und deren nasse Haut an der feuchten Haut anderer Leute reiben. Bisher hatte ich Glück, aber Bienen oft weniger. Davon möchte ich kurz berichten:

Ich schicke voraus, das ich keine Angst vor Bienen und Wespen und Hornissen und Hummeln habe, davon abgesehen, dass ich sie nicht auseinander halten kann, außer Hummeln, die sind fett und flauschig. Ich habe Respekt, ja, aber keine Angst. Ich gerate nicht Panik, sondern begutachte sie interessiert. Das einzige mal, dass mich eine Biene gestochen hatte, war im Schwimmbad. Ich war noch ein Kind und hatte in der Schule gelernt, dass sie ihren Stachel verlieren und somit sterben. Instinktiv empfand ich Mitleid mit der armen Biene, die durch mein unachtsames Treten sterben musste. Den Schmerz im Fuß akzeptierte ich als berechtigte Strafe. Sicherlich, andere haben weniger Glück: Wenn man allergisch ist oder in ein Wespennest tritt und von Hunderten Wespen gestochen wird. Ich kann es also irgendwo nachvollziehen, warum man panisch wird und wild mit den Armen fuchtelt (und dabei das Tier verschreckt). Manche Leute haben auch Angst vor Spinnen: Die werden von mir ebenfalls gerettet und in Sicherheit gebracht. Kurz bevor ich staubsauge, klopfe ich an die entsprechenden Stellen, sodass die Tiere Zeit haben zu verschwinden – und manchmal warte ich auch, oder trage sie wohin. Und ja, ich traue mir zu einen friedlichen Weberknecht von einer Kreuzspinne unterscheiden zu können und dementsprechend zu handeln.

So kam es also, dass sich eine Biene in den Bus verirrt hatte – was im Sommer häufiger passiert. Ich hatte mir vorgenommen, sie mit hinaus zu nehmen, dass heißt, auf meinen Finger krabbeln zu lassen und sie in die Freiheit zu befördern, sobald der Bus stehen bleibt und ich aussteige. Eine alte, osteuropäisch aussehende Frau kam mir jedoch zuvor. Die Biene flog in ihre Richtung, sie zückte ein weißes Spitzentaschentuch und zerquetschte sie. Aber ich konnte mein Verfehlen wieder gut machen. Erst gestern entdeckte ich wieder eine verloren gegangene Biene im Bus, hielt ihr meinen Finger hin und für ein paar Haltestellen war sie damit beschäftigt, jeden Finger und jede Seite abzutasten. Als sie damit fertig war und bemerkt hatte, dass da nichts zu holen ist, flog sie wieder zum Fenster. Als ich sie erneut nehmen wollte, surrte sie. Ich hielt ihr mein Buch hin und sie krabbelte darauf. Auch das Buch wurde erkundet. Rechtzeitig hatte mein Bus die Haltestelle erreicht und ich konnte sie in die Freiheit entlassen. Ich hatte währenddessen leise mit ihr gesprochen und der eine oder andere Mitfahrer musste mich wohl entgeistert angesehen haben. Crazy Bee Lady.

Eine andere Biene hatte ich einst beim Gardasee gerettet. Soweit ich weiß, gehen Bienen irgendwann unter. Sie kühlen sich zwar gerne ihre Füße im Wasser, aber schwimmen können sie – glaube ich? – nicht. Dankbar kletterte sie ohne zu zögern auf meinen Finger und ich paddelte einarmig mit meiner Luftmatratze zurück ans Ufer. Dort setzte ich sie im Schatten auf einem Pfosten ab. Erst später fiel mir ein, dass ich sie eigentlich zum Zelt hätte bringen (Campingplätze direkt am See oder besser, am Meer, sind großartig) und ihr Zuckerwasser geben können. Aber sie hatte es auch so überlebt. Das nächste mal.

Ich schätze, dass mein „Bienen- und Spinnen-Karma-Konto“ sehr hoch ist. Sollte es also sowas wie einen Himmel oder eine Hölle geben, ein Nirvana oder Wallhalla – wovon ich nicht ausgehe – werden (vermutlich) alle Spinnen und Bienen für mich aussagen. Dagegen aber hält sich eine gute Anzahl an Mücken und Zecken, die ich bereits getötet habe. Hm. Andererseits, was ist mit jenen Mücken, die von mir gekostet haben und dadurch überlebten? Übrigens ist die Käferwelt eine gefährliche. Ein Käfer hatte sich am Strand auf ein Buch verirrt, ich hatte eine Weile mit ihm gespielt – Crazy Bug Lady – oder getratzt, je nach dem man es sehen möchte und ihn dann zurück ins Gebüsch gebracht. Allerdings sah ich dann, dass sich wenige Zentimeter weiter, einige Ameisen befanden, und auf der anderen Seite ein Spinnennetz war. Ich dachte mir: Plus oder Minus? Brachte ich den Käfer in Gefahr oder rettete ich ihn?

Ein Tipp für alle, die Angst vor Bienen haben: Erstens, sie wollen nichts böses. Zweitens, sie haben mehr Angst vor euch als ihr vor ihnen, und drittens: Ruhig verhalten. Ich verspreche euch, sie tun euch nichts, wenn ihr ruhig seid. Und es ist wirklich, wirklich nett, wenn man sie beobachtet, wie sie am Finger herum klettern.

To do:

[ ] Bienendokus anschauen.

Ich bin während des Verfassens des Beitrages drauf gekommen, dass ich zwar verhältnismäßig viel über Tauben, aber nur ganz wenig über Bienen weiß. Wobei ich erinnere mich, dass man Bienen per Post verschicken kann. Irgendwann war da mal etwas. Es hatte auch mit Bienensterben zu tun.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Just about Life, So sei es

4 Antworten zu “Bienen im Bus – Ein Erfahrungsbericht

  1. Aww. Man muss dich einfach gern haben. Mag zwar keine gestreiften Tiere, da bleibe ich skeptisch, aber töten geht gar nicht. Verfalle lieber kurzfristig in Panik und flüchte. Letztens bin ich einem ausgestopften jungen Krokodil begegnet. Mir war bis dahin nicht bewusst, wie weit ich rückwärts springen kann…

    • Danke :) Ausgestopft? Das arme Ding. Aber verständlich, mit sowas rechnet man nicht :D

      • Ein Krokodil in der Terraristik. Da habe ich mit allem gerechnet. Als ich das letzte Mal da war, hatte eine Vogelspinne gerade Auslauf…

      • Eine Spinne! Ich war mal auf einer Spinnen- und Insekten Ausstellung wo man sie auf den Arm nehmen konnte. Das war sehr nett :D Aber ich verstehe es, wenn Leute keine Spinnen mögen. Ich hasse alles was in Ohren kriechen kann.

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