Erlebnisse aus der Fahrschule: Theorie

Die Fahrschule. Jeder kennt es. Jeder musste da durch, oder zumindest: viele. Der Probeführerschein verlängert sich jährlich um weitere Jahre und kostet immer mehr und mehr. Und da ich eben Zeit habe, mir das Bergdorf immer mehr zu eng wird (Berge und so) und ich meine Fluchtmöglichkeiten erweitern möchte, hole ich das nach, wovon ich früher dachte: „Wozu? Braucht man ja nicht.“ Außerdem besitzt mein Vater einen alten VW-Käfer, den ich dann (ab und an) fahren darf. Wir erinnern uns: Herbie! Ich liebte Herbie.

Im Vorfeld freute ich mich darauf: „Oh toll! Viele Jugendliche! Perfekt für eine Sozialstudie.“ Aber die Jugendlichen und Anfang 20jährigen verhalten sich ruhig und wenig auffallend. Wenn, dann sitzen sie mit ihren Köpfen gebeugt über dem Telefon und signalisieren: „Nope“. Aber im großen und ganzen sind es angenehme, unauffällige junge Menschen, das „Alta“ hält sich in Grenzen. Die Nationalitäten sind unterschiedlich: Ein Mädchen aus der Mongolei, zwei Syrer, ein Armenier, drei Österreicher und zwei Türken in der ersten, gefolgt von vielen weiteren in der zweiten Woche.

Die deutsche Sprache

Für Leute, deren Muttersprache nicht deutsch ist, muss die Theorie-Prüfung der einzige Graus sein:

„Fahrtrichtungsanzeige“ – warum nicht einfach „Blinker“? Und dann gibt es so derbe, deutsche Ausdrücke, die für Ausländer grässlich klingen müssen, wie „Ladekontrollleuchte“ oder „Fließverkehrsregel“ unter denen sich niemand etwas vorstellen kann. Warum nicht „Batterie-Licht“ oder „bei ‚fahrendem‘ Verkehr“? Oder so? Und dann, neben all den theoretischen und trockenen Begriffen kommt „Lichtmaschine“ daher. Wer denkt sich sowas aus?

Oder ein anderes Beispiel: „Rollspilt“. Sicherlich, beim Führerschein lernt man, was „Rollsplit“ sein soll – aber warum nicht: „Kiesel“ oder „Kiesel auf der Straße“? Und warum kann man nicht einfach „rückfährts fahren“ sagen, anstatt „zurück schieben“? Ich dachte im ersten Moment tatsächlich: Warum sollte ich aussteigen und das Auto schieben?

Die Lehrenden

Es gibt gute und schlechte Lehrer. In der Schule sind die schlechten Lehrer jene, bei denen die Hälfte der Klasse durchfliegt – was bedeutet, dass ihm die Fähigkeit abgeht Wissen adäquat zu vermitteln. Die guten sind jene, die ihre Schüler respektieren und gleichzeitig als Autorität von den Schülern akzeptiert werden.

In der Fahrschule sind jene die Schlechten, die Jugendslang und Lässigkeit zu beherrschen glauben, respektlose Witze reißen und mit dem Ziel „cool“ sein zu wollen, über eben jenes hinaus schießen und ein Witz nach dem anderen kläglich in der Stille der Audienz versinkt. Kein Lächeln. Kein Zucken der Mundwinkel. Nichts. Stille. Totenstille. Solche Exemplare finden sich übrigens auch auf der Universität zu Haufen. Entweder man beherrscht die Kunst des Redens, des Entertainers oder man scheitert und das Kollektiv an peinlich berührten Gedanken spiegelt sich in dessen Ausdruck wieder, sodass er gleich noch einen, und noch einen drauf setzt.

Zum Beispiel fielen Sätze in höhnischem Tonfall wie: „Seit 20 Jahren weiß jemand eine Antwort, wow“ anstatt „Hey, super! So schaffst du die Prüfung locker“ oder das syrische Mädchen, das eben Deutsch lernt ständig mit „Versteht sie es, eh nit oder?“ bewirft, anstatt sie freundlich zu fragen, ob sie es verstanden hat und wenn sie fragend schaut, es vielleicht nochmal erklärt.

Ganz abgesehen von sexistischen Äußerungen, wie „Frauen haben 5 Versuche beim Einparken“ und ohne mit der Ironie-Wimper zu zucken mir an den Kopf wirft: „Brauchst gar nicht den Kopf zu schütteln, das ist bewiesen.“ Ich danke den Autobots für den zweiten Lehrenden, der uns freundlich darauf hinwies, dass es keinen Frauen-Bonus gäbe, und niemand auf die Hautfarbe oder das Alter achte. Warum ich keinen feministischen Monolog gehalten hatte? Ich wollte nicht schon in der ersten Stunde auffallen und dann sämtliche Abneigung über die nächsten 2 Wochen hinweg verstreut in Kauf nehmen.

Vielleicht liegt es am Job an sich, oder an der Tagesverfassung, wer weiß? Vielleicht wird man irgendwann so, vielleicht war er nur gestresst. Wer weiß? In der zweiten Stunde, hatte er sich dann etwas mehr unter Kontrolle und ließ verlauten, dass er den gesamten August über im Urlaub sei. Was gut ist, denn nach der ersten Stunde zog ich ernsthaft in Betracht die Schule zu wechseln. Sicherlich muss man mit Jugendlichen scherzen, aber das geht auch Respektvoll und in einer Art, die vermittelt, ja – mein Job macht mir (im großen und ganzen) Freude. Und am besten gelingt dies, wenn die Fahrlehrerin sogar noch fast im gleichen Alter wie die meisten Fahrschüler ist. Mittlerweile allerdings kann ich guten Gewissens sagen, dass es eine einmalige Sache war und sowohl der andere Fahrlehrer, als auch die junge Fahrlehrerin einen ausgezeichneten Job machen.

Sympathisch finde ich, dass die Lehrenden immer wieder darauf hinweisen, wie man es nur bei der Fahrprüfung macht, und dann nie wieder, und die Prüfer das genau wissen. Und wenn man ausreichend schaut und das befolgt, was von einem verlangt wird, dann hätte man die Prüfung auch schon im Kasten. Und dann sehe ich mir die theoretischen Fragen an, beobachte was im Straßenverkehr alles zu beachten ist – ich hatte bei jeder „Dürfen Sie überholen“-Frage mit Ja gestimmt, und jede meiner Antworten war falsch – und verzweifle. Aber kein Wunder, niemand fährt nie wieder so, wie er es in der Fahrschule gelernt hatte.

Dinge gibts..

Witzig fand ich auch – was ich nicht wusste – dass man in Dieselautos auch Heizöl geben kann, was aber wegen Steuerhinterziehung nicht erlaubt sei, da Heizöl günstiger ist als Treibstoff. Gut, dass man uns gleich dahin gehend warnte, dass Heizöl rötliche Spuren hinterlässt. Das sind wichtige Dinge. Sowas muss man wissen. Wenn die Apokalypse ausbricht und alle Tankstellen leer gesaugt sind, weiß man, wo man suchen kann. Da allerdings Diesel-Motoren bald Geschichte sein werden und ich nicht davon ausgehe, dass in den nächsten 20-30 Jahren eine Apokalypse ausbricht (wobei…), wird sich die Frage dann nicht mehr stellen. Sollten allerdings in 20-30 Jahren elektronisch betriebene Fahrzeuge en vouge sein und die Stromzufuhr wird gekappt – steht man blöd da. Sicherlich, Elektro-Autos könnten auch mit Solarenergie betrieben werden, was aber – wenn die Atmosphäre sich so sehr verdunkelt, dass Solaranlagen nicht mehr funktionieren – dann werden auch wir vermutlich bald aussterben und keine Fahrzeuge mehr benötigen. Was also tun? Sich zur Sicherheit ein Diesel-Fahrzeug kaufen, nur für den Fall dass .. oder die Welt zu einem besseren Platz machen, sodass zumindest Krieg nicht die Ursache ist?  Anway.. hoffen wir, dass die Welt nicht zu Grunde geht, und unsere postapokalpytischen Wunschphantasien uns lediglich medial nahe gebracht werden.

Auch interessant: manche Autos hätten sogar ein System installiert, welches bemerkt, wenn man während des Sekundenschlafes langsam von der Fahrbahn abdriftet: Dann blinkt eine Kaffee-Tasse auf und das Auto sagt quasi: Müdigkeit entdeckt. Ich fände es ja irgendwie toll, wenn das Auto ständig mit einem sprechen würde, und zwar mit unterschiedlichen Charakteren (und dazu passenden Stimmen), wie GLaDOS („Oh. You are driving, I thought it was trash“) oder Morgan Freeman („It seems like you’re a bit tired, please take some rest.“) oder irgendwas Schottisches, wo man die Hälfte nicht versteht („Yer a focking lavvy heid! Turn left.“). Oder klassisch: Die Stimme von KITT.

Das System

Nebenbei versuche ich immer wieder das System zu entschlüsseln, wonach einzelne Fragen mit der jeweiligen Punktezahl bewertet werden. Eine Frage über Alkohol – was Sinn ergibt, aber einfach ist (beziehungsweise die Falsch-Antwort so selten dämlich ist), ergibt 5 Punkte, Fragen zu Kreuzungen 3 und Verkehrszeichen einen Punkt. Dann gibt es wieder schwierigere und leichtere Fragen, die sich komplett unterscheiden, aber die gleiche Anzahl an Punkten bringen. Bisher kein Erfolg.

Übrigens sollte eine Links-Rechts Schwäche kein Problem darstellen. Ich habe seit je her ein Unverständnis darüber, wo Links und wo Rechts ist, wenn man mich auf Kommando frägt. Rechts ist die Hand mit der ich schreibe. Ich schreibe in Gedanken drei Striche mit der rechten Hand und weiß, wo rechts ist. Dieser Vorgang dauert 3 Sekunden. Aber der Prüfer versicherte mir, dass es kein Problem sei. Was ich mir allerdings merke ist „Tastaturhand“ und „Maushand“. Was auch sinnvoller ist, als so komplett seltsame und unpraktische Begriffe wie „Links“ und „Rechts“. Es gibt zwar eine Eselsbrücke: Wenn man die linke Hand ausbreitet und den Daumen spreizt, zeigt die Hand ein „L“. Aber ich musste jetzt tatsächlich kurz überlegen, was die Eselsbrücke war. Jeder hat andere Talente: Links und Rechts sind jedenfalls nicht die meinigen..

Die zwei Theorie-Wochen wären damit geschafft und vor Tagen hatte ich meine ersten zwei, physischen Fahrstunden.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Just about Life

3 Antworten zu “Erlebnisse aus der Fahrschule: Theorie

  1. Na dann bin ich mal gespannt was du über die Fahrstunden zu berichten hast. Ich habe vor Jahren versucht den Füherschein zumachen und ein unsägliches Arschloch als Fahrlehrer gehabt der mir unmissverständlich klar gemacht das ich auf der Straße nichts zu suchen habe. Nun recht hatte er irgedwie. Autofahren ist nicht mein Ding und wird es auch nie werden.
    P.S. Danke für den Apokalpyse-Diesel Tipp :-D

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