Woche #2911: Ade Schreibschrift, Hallo Morse!

Auf Social Media fragte einst jemand, wie man dazu stünde, dass die „Schnürlischrift“ abgeschafft wird. Die Rede ist von der „Schreibschrift“ oder auch „Schönschrift“ genannt. Zuerst in Finnland durchgesetzt, dann in der Schweiz und jetzt auch für Österreich geplant.

Mein erster Impuls war, dass ich es schade finde. Bis 1970 stand die Kurrent-Schrift noch auf dem Schulplan – und ich selbst lernte diese im Geschichtsstudium und mochte sie sehr. Man fühlte sich wie ein Schatzgräber, wenn man auf Flohmärkten in der Feldpost aus dem zweiten Weltkrieg stöberte und diese verstohlen las. Als schriebe man, sofern man des Kurrents-Schreibens mächtig war, in einer Geheimschrift aus längst vergessener Tage! Im Moment versuche ich mir den Morsecode beizubringen. Wenn die Welt untergeht, kann ich zumindest mit Pensionisten und Veteranen in Kontakt treten.

Ich glaube allerdings mich erinnern zu können, dass ich zu Schulzeiten einen negativen Bezug zur Schreibschrift hatte, aber vermutlich deswegen weil es mit aller Kraft gefordert wurde. Ellenlanges abschreiben von der Tafel mit Füllfeder in der rechten Hand, die mit drei Fingern umkrallt werden musste, nicht zwei, sondern drei. Blaue Tinte. Rotes Heft für Deutsch, Blaues für Mathe. Mit grün mussten die Ergebnisse unterstrichen werden, doppelt.

Übrigens witzig – Österreich macht den nächsten Schritt zurück und will in den Volksschulen wieder die Noten-Bewertung einführen, nachdem erfolgreich statt „Deutsch: Gut“ – „Deutsch: Kann gut lesen, aber bei der Rechtschreibung etwas Probleme“ eingeführt und umgesetzt wurde. Vielleicht sollte man auch den Schäm-dich-Hut und In-die-Ecke stellen wieder Mode werden lassen oder Schläge auf die Hand.

Sinn oder Unsinn?

Über Sinn und Unsinn der Schreibschrift kann man natürlich diskutieren. Aber eine gute Übung ist es allemal Kringel und Schnürli und Schlaufen zu malen, und ich selbst schriebe gerne wieder mit einer schönen Schreibschrift, denn das Gekrakel, dass durch die mittlerweile so veränderte Blockschrift heraus kommt, kann niemand mehr entziffern und am allerwenigsten ich. Ich fände es aber nett, auch wieder die Kurrent-Schrift einzuführen und Steno-Kurse anzubieten. Steno-Kurse können für das spätere Studium wichtig sein, wenn man Kurse gemeinsam mit älteren Herr- und Damenschaften besucht und diese nach der Mitschrift frägt.

Anyway.

Der Fragensteller Wilhelm Amann antwortete darauf: „Ich finde es schlecht, da meiner Meinung nach die Schreibschrift zur Persönlichkeitsbildung beiträgt. Nicht nur das, wenn wir nur noch tippen, dann verlieren wir den haptischen Bezug zu unseren Texten. Jeder weiß, dass man beim „aufschreiben“ Sachen besser gelernt werden. Auch finde ich, dass man mit der Schreibschrift schneller Aufzeichnungen machen kann als mit der Blockschrift, da man nach jedem Buchstaben absetzen muss. Alleine der Gedanke, dass keiner mehr meine Briefe oder Aufzeichnungen lesen kann wenn ich mal alt bin lässt mir einen Schauder über den Rücken laufen.“

An das Beispiel, dass man via Schreibschrift schneller ist als via Blockbuchstaben dachte ich auch, nur habe ich keinen verlässlichen Vergleich mehr – und auch, dass man via händischem Schreiben sich die Dinge eher merkt, ist etwas dran – zumindest geht es mir so. Übrigens bemerke ich, wie sehr Worte, Rechtschreibung und Satzbildung in den Fingern verankert ist. Während ich den Morsecode schreibe, muss ich aktiv überlegen welcher Buchstabe auf den anderen folgt.

— .. .- ..- !

Was hält die Bloggergemeinde davon? Mochtet ihr die Schreibschrift? Beherrscht sie noch wer? Findet ihr die Abschaffung sinnvoll? Würde gern wer das Morsealphabet fließend sprechen/schreiben/tippen/bedienen können? Und braucht ihr jemanden zum üben? Oder Steno? Mag sich wer Briefe in Kurrentschrift schicken und sucht einen Brieffreund? Auch wenn die Post in manchen Gegenden aktuell Probleme hat und sicherlich froh ist um jeden Brief, der nicht geschickt wird – und schon gar nicht mit Siegel oder parfümiert. Und dabei habe ich mir erst vor kurzem in New York einen Katzen-Siegel-Stempel gekauft..

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Just about Life, Kulturelles, Medien, Wtf Politik?

Eine Antwort zu “Woche #2911: Ade Schreibschrift, Hallo Morse!

  1. Oh die Kurrentschrift, mein Erzfeind in der Umschulung. Ich wünschte ich hätte sie gelernt und hätte jetzt nicht solche Probleme damit alte Akten zu entziffern. Es wäre verwerflich auch noch die ″Schreibschrift″ abzuschaffen. Ich verwende sie tagtäglich und frage mich was eine zukünftige Generation damit anfangen soll, wenn sie diese nicht mehr gelernt haben. Man sollte einfach die Finger von etablierten Dingen lassen und nicht versuchen alles zu verschlimmbessern.

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