Kant und die Ausserirdischen

Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels

Kant verzichtete in seiner naturwissenschaftlichen Schrift bewusst auf theologisch-teleologische Argumente und versuchte die Welt lediglich durch mechanische Prinzipien und aus der newtonschen Physik heraus zu erklären. Seine Anregungen zur Allgemeinen Naturgeschichte stammen der Legende nach von Kants Universitätslehrer Martin Knutsen (1713-1751). Dieser sagte für 1738 und 1744 einen Kometen voraus, der schon 1698 gesichtet wurde. Knutsen veröffentlichte daraufhin die Schrift Vernünftige Gedanken von einem Kometen (1744), welche zur Entstehung der Allgemeinen Naturgeschichte beigetragen hatte.

Der Inhalt gliedert sich in drei Teile: Der erste Teil befasst sich mit den Fixsternen und der Milchstraße. Der zweite Teil beschreibt die Planeten sowie den mechanischen Ursprung der Welt und der dritte Teil handelt schlussendlich von den Bewohnern fremder Gestirne.

Die kantianischen Außerirdischen

Kant weist explizit darauf hin, dass ferne Welten bewohnt sind und diejenigen, die es nicht seien, würden es bald. Die Chancen auf belebte Planeten steigern sich ins Unermessliche, wenn das Weltall nur groß genug ist und ausreichend Zeit zur Verfügung hat. Ebenso sagt er aber auch, dass es nicht unbedingt notwendig sei, dass ein Himmelskörper bewohnt ist. Er spricht im Sinne der Ästhetik davon, dass es auch schöne Orte ohne Anwesenheit diverser Lebewesen gäbe.

Die Beschaffenheit der kantianischen Außerirdischen ist vom Abstand der Sonne abhängig sowie vom Vernunftgebrauch.

Kant glaubte, dass die Entfernung der Himmelskörper von der Sonne gewisse Verhältnisse mit sich führen: Je weiter ein Planet von der Sonne entfernt ist, desto leichter ist der Stoff, aus dem er besteht. Und desto leichter ist die materielle Beschaffenheit. Und je leichter das Material, desto leichter und flüchtiger sind die Körper der dort lebenden Wesen. So bringt die Venus Bewohner von gröberen Bau hervor, als jene der Erde, da sie der Sonne am nächsten steht. Die Bewohner des Jupiters hingegen sind leicht.

Mit fortschreitendem Abstand zur Sonne nimmt auch die Vollkommenheit des Geistes zu. Die kosmische Nachbarschaft ist bei Kant stark von der newtonschen Gravitationstheorie beeinflusst. Er weist auch darauf hin, dass die intellektuelle Überlegenheit der Bewohner auf den äußeren Planeten durchaus als eine rein lebenspraktische Angepasstheit verstanden werden darf. Da die Vollkommenheit des Geistes bei den Bewohnern des Jupiters und des Saturns größer ist, hätten diese auch eine veränderte Zeitwahrnehmung. Die Zeit ist also relativ, dennoch aber vergänglich.

Der Außerirdische – ein menschlicher Zweckgegenstand

Für Kant besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass es Wesen geben könnte, die nicht an die Anschauungsformen von Raum und Zeit gebunden sind. Die Vorstellung also, dass es irgendwo intelligente „nicht menschliche“ Wesen geben mag, die anders als wir erkennen, ist und bleibt eine menschliche Vorstellung.

Der Zweck des Außerirdischen wird jedoch vielfach für die Charakterisierung der Einzigartigkeit des Menschen verwendet. Auch bei Kant ist er ein Grenzwesen. Er steht zwischen dem Tier, das als vernunftlos aber empirisch gesehen wird und den Göttern, Engeln und Teufeln, die auf begrifflicher Ebene angesiedelt sind. Der kantianische Außerirdische dient als Gegenpol zu Göttern und Engeln, bei welchem aber davon ausgegangen werden kann, dass die empirischen Bedingungen vorhanden sind. Die Figur des Außerirdischen bildet somit eine vorteilhafte Perspektive für den Menschen.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Berichte, Essays, und so, Kulturelles, Science-Fiction

3 Antworten zu “Kant und die Ausserirdischen

  1. Pingback: Kant und die Ausserirdischen — it’s just curiosity! | Treffpunkt Phantastik

  2. Das ergibt irgendwie noch einen Sinn. Finde ich interessant.

  3. Eigentlich eine interessante Denkweise…

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