[#WritingFriday] Week 12

Der 3. Freitag und wir befinden uns in der 12. Woche. Fast, denn es ist bereits Woche 13.

Der Grund war folgender: Als ich Freitag-Abend die Geschichte Korrekturlesen wollte, gabs Abendessen. Danach war nichts mehr mit denken, lesen oder schreiben, sondern ich hatte mich sogleich mit einer wohligen Fülle ins Bett verkrochen und schlief bald selig ein. Samstag und Sonntag verbrachte ich den gesamten Tag im Stall, immerhin fühlte es sich wie Frühling an. Montag und Dienstag überfiel mich eine grauslige Demotivation, dass ich mir dachte, ich könnts eigentlich auch gleich lassen. Mittwoch Abend, endlich Zeit! Fast, denn ich wollte mir Pacific Rim: Uprising (10 von 10 Punkten!) ansehen und danach wars wieder zu spät. Meine Ausrede für Donnerstag? Ich hatte es zwar geschafft I, Tonya um 1700 zu verpassen, aber die Zeit zum Abendessen mit trödeln, scrollen, erzählen und telefonieren verbracht.

Ich hatte mein Schreibpensum für die letzte Woche bereits erfüllt und eine Asimov’sche Kurzgeschichte begonnen und diese auch gleich zu Ende geführt, wollte mich aber dennoch dieser Schreibübung annehmen. Ich mag regelmäßige Schreibübungen, es braucht nicht perfekt sein. Hauptsache man schreibt.

Erneut: Geschrieben wurde sie tatsächlich letzten Freitag. Veröffentlicht in Woche 13.

„Gerne möchte ich von euch wissen, wie kommt ihr mit dem Schreiben so zu Recht? Sprudeln die Ideen zu den Schreibthemen sofort oder sitzt ihr länger an euren Texten?“ (readbooksandfallinlove.com)

Unterschiedlich. Bei der Idee mit der Buchmesse war es einfach, die Lügnerin brauchte etwas – aber da ich Discovery-Schreiberling bin, floss der Rest schlussendlich, wie er fließen wollte. Ich war mir nur nicht so ganz sicher, ob Maja tatsächlich eine Mörderin sein soll, fand die Richtung dann aber in Ordnung.

Die noch ausstehenden Themen wären:

Und sie sind schwierig.

Niemand von uns weiß, wie sich Obdachlose tatsächlich fühlen, wenn sie betrunken Passanten auf der Straße anrempeln oder nach Geld für (vermutlich) Alkohol bitten. Wir gehen ihnen aus dem Weg und fühlen uns belästigt. Und genau da finde ich es schwierig, aus dieser Perspektive zu schreiben. Sicherlich, ein Schreiberling soll und darf alles schreiben, dafür ist Fiktion da – trotzdem. Man könnte durch die Augen eines Obdachlosen zwar seinen philanthropischen oder misanthropischen Zügen nachgehen, dennoch hoffe ich im Monat April auf etwas … leicht bekömmlichere Themen.

Auswahl Nummer 3 ist schon sehr persönlich, fast zu persönlich und trotzdem gibt es nächste Woche die Wahl zwischen dem Obdachlosen oder dem Beschreiben eines geliebten Menschen.

Zur Auswahl Nummer 5: Ich habe nie ein erstes Auto besessen, aber wenn es eines gewesen wäre, dann wohl ein VW-Käfer. Wie Herbie. Es folgt eine Liebeserklärung, an das Auto, dass ich nie mein eigenen nennen durfte und vermutlich auch nie werde.

Schreibe eine Liebeserklärung an dein erstes Fahrrad / Auto.

Als ich dich am Straßenrand stehen sah, mit dem Schild: „Verschenke die Karre, die ist wahnsinnig!“ – musste ich dich mitnehmen. Ein hübscher VW-Käfer warst du, weiß und perfekt. Ich besaß noch keinen Führerschein und holte dieses Verfehlen eilig nach, während du in der Garage eines Bekannten ruhtest. Ich lernte, und hämmerte mir die sinnlosen Fragen ins Hirn. Mein Bekannter kümmerte sich derweil um dich; er hatte in deine hübschen Augen gesehen und dich sofort in seine Obhut genommen. Du wurdest entrostet, geputzt, lackiert und ich bat ihn auch, dir die Nummer 53 aufzukleben. Du freutest dich wie ein kleines Kind, denn nach kurzer Zeit keuchtest du nicht mehr, sondern schnurrtest. Zumindest glaubte ich das aus deinem kleinen Automobilherzen heraus zu hören.

Um deine Reparatur und die Ersatzteile die du wolltest (denn du warst ein sehr wählerisches Automobil) zu bezahlen, tanzte ich in der hiesigen Stammkneipe, jeden Freitag zwischen zehn und zwei Uhr Nachts. Die Betrunkenen steckten mir Biergetaufte Scheine in den Ausschnitt und grölten Obszönitäten. Aber das war mir gleich, denn ich sah uns schon auf dem Weg nach Italien, das Fenster offen und mit dem Wind um die Wette rasend; am Strand schlafend und wenn Einbrecher und Räuber kämen, würdest du sie töten und ihren Tod so aussehen lassen, als wäre es ihre eigene Schuld gewesen. Und tatsächlich, eines Nachts hatte sich jemand zu dir geschlichen, deine Tür aufgebrochen und wurde mit dem Kopf zwischen Tür und Rahmen gefunden. Du musstest sie wohl so oft zugeschlagen haben, bis sein Kopf fast von seinem Hals getrennt war. Die Polizei konnte sich den Vorfall nicht erklären und entschied sich, die ganze Angelegenheit in Vergessenheit zu geraten zu lassen.

Ich liebte dich schon jetzt, auch wenn du nur in der Garage standest. Jeden Tag war ich bei dir, las dir Geschichten vor und erzählte dir von meinen Träumen. Und manchmal war mir, als reagiertest du auf meine Worte. Nur ein klein wenig, aber doch merklich.

Nach wenigen Wochen Arbeit warst du fertig. Mein Bekannter begleitete uns auf dem Weg zum Meer, dass ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Es war die erste Fahrt überhaupt. Und binnen weniger Stunden sollten wir Salzwasser von unserer Haut kratzen. Sollten im Sand liegen und den Sonnenuntergang genießen.

Wir waren kaum zwei Stunden auf Weg, da wurdest du plötzlich langsamer. Und langsamer. Und langsamer. Und wir wussten keinen Rat, denn nichts ließ zu wünschen übrig. Alles war in bester Ordnung. Sogar Musik aus deinem Baujahr hatte ich dir mitgebracht. Du bliebst einfach stehen, am Rand einer Landstraße. Weinstöcke säumten den Weg. Und es war heiß. Wir setzten uns in den Schatten und warteten. Plötzlich bog das rote Cabrio, dass uns vor einer Stunde überholt hatte, um die Ecke. Wie aus dem Nichts sprang dein Motor an.

Ich wusste es. Ich hatte es geahnt. Du hattest dich verliebt. Zugegeben, sie war eine Schönheit. Der Fahrer des Wagens, ein alter Sammler, begutachtete dich und fragte uns, was wir vor hätten und ich antwortete in schlechtem italienisch: „Bis ans Meer fahren!“ – „Mamamia! Das ist doch kein Auto um 500 Kilometer weit zu fahren!“ rief er. Er griff sich an den Kopf und streichelte dich sanft. Dann sah er mich mit gequältem Blick an: Man müsse es doch hegen und pflegen, besonders dieses alte und spezielle Modell. Und nur an besonderen Tagen darf es raus! Aber ich protestierte: „Herbie ist ein Rennauto! Ein Abenteuerauto!“ – „Mamamia!“ rief der alte Italiener erneut und bot mir an Ort und Stelle soviel Geld, wie ich noch nie gesehen hatte. Aber, du warst mein erstes Auto! Ich erzählte von meiner Odyssee und unseren Träumen, und er versprach mir, wann immer ich wollte, könne ich dich besuchen und eine kleine Runde fahren, denn immerhin hatte ich mich gut um dich gekümmert.

Aber konnte ich dich gehen lassen? Mit einem Fremden? Doch du hattest mich schon fast vergessen. Deine Scheinwerfer strahlten in allen Farben, das rote Cabrio stellte sich dicht neben dich. Eure Scheibenwischer wippten gemeinsam im Takt. Niemand stellte sich die Frage, warum sie das taten. Auch der alte Sammler nicht. Und da wusste ich, es war ok. Du hattest mich ein Stück weit meinen Traum leben lassen und nun war es Zeit, dich gehen zu lassen.

Kapitel 1

Fünf Jahre später standest du vor meiner Tür, allein. Der Sammler war gestorben und all seine besonderen und speziellen Autos in Gefahr zur Schrott gepresst zu werden.

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Eingeordnet unter Kreatives, Kurzgeschichten

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