„The Punisher“, Season 1

Nachdem Frank Castle bereits in Daredevil Season 2 debütierte und einen guten Eindruck hinterließ, war es offensichtlich, dass die eigene Serie bald folgen wird und mit Jon Bernthal fand sich ein Darsteller, dem es gelang, den emotional zerstörten Exsoldaten hervorragend zu porträtieren.

Vorweg

Gibt es einen geeigneten Zeitpunkt für eine Serie wie The Punisher? Vermutlich nicht, denn Diskussionen über Waffenkontrolle und Gewaltakte durch Waffengewalt sind in vielen Teilen der Welt, so auch in den Vereinigten Staaten an der Tagesordnung. Bestenfalls also wird die Serie kurz vor Weihnachten freigegeben, wo (vermutlich) Konsum und Besinnung über die, wenn auch nur dezent angeschnittene Thematik der Waffenkontrolle in den USA, überwiegen.

Interessant ist die Tatsache, dass weitaus weniger Gewalt zu sehen ist, als erwartet. Mindestens 10 brachial geschlachtete Statisten hatte ich mir pro Folge erwartet. Nichts dergleichen aber passiert. Gegen Ende, darf der Punisher richten und Schädel zu Brei schlagen, manchmal wen erschießen, aber das wars auch schon.

Sinnlos war meiner Meinung, eine quasi Romanze mit Karen anzudeuten (die seit Daredevil eine gewisse Verbindung zu Frank hat, sicherlich mit dem Potential für eine Romanze) um sie danach, als sie ihre Rolle als Damsel in Distress geliefert hatte, fallen zu lassen. Nicht die Romanze/Nicht-Romanze an sich, sondern wie der Charakter Karen in der Serie aufgegriffen und verwertet wird, war sinnlos. Ich mochte Karen und ihre Verbindung zu Frank in Daredevil Season 2 und hoffte auf eine Weiterführung, aber in diesem Falle wusste man wohl nicht so recht wohin mit ihr. Um aus The Punisher keine Romanze zu machen, wurde sie wohl nur so viel wie überhaupt notwendig hineingeschrieben und obwohl sie ja doch eine gewisse Berechtigung hat und in Verbindung mit Frank steht, hätte man auch auf sie verzichten können.

Kritik oder Verherrlichung?

“A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed.”(2. Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten)

Die in den USA in der Verfassung verankerte Ansicht, dass jedem Bürger Waffenbesitz zusteht, machen Lösungsansätze, sei es, das Recht zu verschärfen oder ein Waffenregister einzuführen, von vornherein zunichte. Zudem verfolgen unterschiedliche Bundesstaaten, unterschiedliche Gesetze. In New York ist es verboten eine Waffe offen zu tragen, während es in Texas Norm ist. Es könnte jeden Monat in einem anderen Bundesstaat über Massaker berichtet und Debatten noch stärker geführt werden, es ändere nichts. Darüber hinaus waren die Waffen, die die Gründungsväter der Vereinigten Staaten trugen, keine Assault Riffles sondern es musste nach jedem Schuss nachgeladen werden.

Die Frage, die man sich stellen könnte, wäre, ist es in Ordnung eine Serie wie The Punisher zu produzieren und zu zeigen? Ja. Aber würde dies nicht Nachahmer schaffen oder dazu verleiten, selbst den einen oder anderen Racheakt zu vollführen? Nein. Auch wenn Medien und konservative Menschen gerne Computerspiele und eben gewaltvolle Filme wie Serien für die Gewaltausbrüche verantwortlich machen. Wir erinnern uns, in den 1970er war es Steven King, der die Jugend verführte.

Was The Punisher neben dem Racheakt Frank Castles zeigt, ist die Realität zahlreicher Veteranen und dem ständigen Nachspiel. Sie sind es, die in diesem Falle gegen strikte Gesetze sind und aber auch unter den Folgen des Krieges leiden. Viele besuchen eine Selbsthilfegruppe um damit umzugehen. Dem einen gelingt es besser, dem anderen schlechter.

Interessant ist, dass Frank sich den Mitgliedern des Militärs annimmt, auch wenn es in diesem Falle Rache ist, da sie für den Tod seiner Familie verantwortlich sind. In Verbindung mit den angesprochenen Folgen und der Behandlung der Soldaten während des Krieges, was ein wichtiger Aspekt in dieser Season einnimmt, wenn nicht sogar Kernthema ist, kann The Punisher eindeutig als Kritik und nicht Verherrlichung verstanden werden. Des weiteren spricht dafür, dass Frank Bomben hasst und seinen Rachefeldzug persönlich gestaltet. Der Mord mit dem Messer ist intimer, direkter – auch wenn er genau so Handfeuerwaffen und Sniper verwendet.

Warum die Romanze?

Natürlich macht es in meinen Augen Sinn, entwickele sich etwas zwischen Karen und Frank, da sie einerseits die einzige war, die sich in Daredevil seiner annahm, andererseits stimmte die Chemie, die bei Matt und Karen eindeutig fehlte. Allerdings war die Thematisierung, die durchaus seine Berechtigung hatte – denn Frank sieht Karen als Familie, weiß aber auch, wie jeder „Superheld“, dass eine intime Beziehung nur zum Schaden der anderen Person führt –  und vielleicht in Franks Fall zu einer Charakterentwicklung führen könnte. Immerhin zeigt er authentische Emotionen, wird in ihrer Gegenwart nervös und bei dem Gedanken, jemand könnte Karen ein Haar krümmen, sogar aggressiv, während die Rückblenden mehr schlecht als recht ins Bild passten. In diesem Falle wurde uns erzählt, und immer und immer wieder (in vielleicht zu vielen Rückblenden, die leider weniger authentisch wirken als sie wirken hätten sollen) gezeigt, wie Frank seine Familie verlor, wie innig doch die Beziehung zu seiner Frau war und trotzdem ist es einem gleich. Dass allerdings ein jeder eine abschließende Szene mit Frank hatte, außer Karen, machte aus der angedeuteten Romanze lediglich eine Farce.

Abschließend

Zugegeben, ich mag Frank Castle. Und ich wiederhole mich: Jon Bernthal passt hervorragend in die Rolle und es macht Spaß ihm beim Racheakt zu folgen. Allerdings dachte ich mir, dass er mindestens fünf bis zehn Böslinge pro Folge schlachten wird und war überrascht, dass der große Akt erst gegen Ende zur Entfaltung gelangte.

Fazit: I like. Season 2 ist geplant.

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