Smiley, Emoticon, Emoji und so

Dieser Eintrag entstand aus einer kurzen Google-Recherche, die mich wieder einmal etwas Ahnungsloser als zuvor zurück ließ. Das Gefühl allerdings, diesen Umstand akzeptieren zu müssen, stellte sich schnell ein.

See no evil, hear no evil, speak no evil – Smiley

Ich rätselte (und rätsle nach wie vor) über eine lange, lange Zeit – warum Menschen diesen Smiley verwenden und dachte mir von der Logik her, dass „Ich sehe nichts“ wohl die offensichtlichste Bedeutung hat. „Ich sehe nichts“ im Sinne von, „Will ich nicht sehen!“

Google berichtet mir folgendes:

„[wird in] zwei Situationen verwendet. Zum einen wenn man sich für etwas schämt und sich deshalb die Augen zuhält und zum anderen als „Facepalm“.“ (Quelle)

„Viele reagieren mit diesem Äffchen auch auf ein Kompliment,“ (Quelle)

Allerdings stimmt dann oft der Text, der davor oder dahinter steht nicht mehr dazu – und ich denke mir: Warum willst du das nicht sehen? Und warum schämst du dich dafür? Eine Bekannte sagte mir aber auch, es bedeute auch ein „Nooooiiiin!“, ein Äquivalent zu „Naaa, nit wirklich!“ oder „Nein, dass darf nicht wahr sein!“-Ausruf.

Einerseits ist es natürlich interessant, dass ein einziger Smiley/eine Grafik für zig unterschiedliche Situationen verwendet werden kann, als gäbe es nicht ein anderes Modell, auf das ausgewichen werden kann. Andererseits ist es verwirrend, und ich stehe immer wieder vor dieser Verwirrung, was mir der Texter nun mitteilen möchte. Nein. Ich verstehe diesen Smiley noch immer nicht. Ich hoffe diese Erscheinung nimmt bald ein Ende, so wie die Rage-Memes ihr Ende fanden.

Zusammenfassend:

  • „Ich seh nichts.“
  • „Ich will das nicht sehen.“
  • „Facepalm.“
  • „Ich schäme mich.“

Braucht man überhaupt viele Smileys?

Mittlerweile wird so gut wie möglich politisch korrekt gehandelt und jeder Smiley ist in jeder Hautfarbe, mit jedem religiösen Motiv und weiß der Himmel was noch vorhanden, um jedes Grüpplein an Individuen zufrieden zu stellen beziehungsweise zu repräsentieren. Sinn und Zweck erschließen sich aus der Sichtbarkeit und dem Bewusstsein der Problematik des vorherrschenden „weißen Mannes“, sodass nun auch Fußballerinnen und Bauarbeiterinnen unter den Smileys zu finden sind. Sie sind also da. Und sie werden verwendet.

Als Semi-Stalkerin, die ab und an in öffentlichen Verkehrsmitteln auf den einen oder anderen Bildschirm gückselt (anm.: „schaut“, „späht“), fällt mir besonders die inflationäre Verwendung von Smileys bei Namen, in Textnachrichten oder als Inhalt auf.

Warum auch nicht? Es hat ja durchaus seine Vorteile, gewisse Menschen mit ein paar Zeichen und Bildern zu belegen und kategorisieren. Auch ich habe mittlerweile ein paar Smileys hinzugefügt. Meine Kino-Freundin beispielsweise, die sich vor einer Szene ekelte in der Zehen abgeschnitten wurden, hat neben ihren Namen nun eine Schere und Füße stehen.

Soviel wie notwendig

Madame (8) und ich überlegten einst, wie viele Smileys man tatsächlich braucht. Und seien wir uns ehrlich, als Mensch sollte man in der Lage sein, Gefühle und Stimmungen via Text zu transportieren. Ohne Smileys. Denn Smileys können einen einfältig wirken lassen, dumm, als ob man der deutschen Sprache nicht mächtig ist – was in Nachrichten und besonders Kurz-Nachrichten eigentlich relativ wurscht ist.

So verwendet Madame (8) gerne den Kotz-Smiley, wenn sie etwas eklig findet, wie Hundewelpen, die gerade gesäugt werden. Ich verwende sie in Massen, wenn ich lästig sein und Leuten auf den Wecker gehen will. Wir schicken uns Herzen zu allerlei Anlässen und wenn ich wieder einmal raunze, wie alt ich doch schon bin, schickt sie mir die tanzende Oma auf Skype. Auch der Tränen-Smiley fällt häufig, vor allem wenn man beim Gegenüber ein schlechtes Gewissen hervorrufen möchte. Die Regenwolke gefällt uns besonders gut; und wenn wir daran denken schicken wir sie uns häufig, vor allem um den anderen aufzuheitern.

Wir dachten, in unsrer ersten Überlegung, dass :), ;) und :( ausreichend sein müssten, um unsere gegenwärtige Stimmung zu unterstreichen. Aber was ist mit :p? Gut. Lassen wirs drei optimistische sein: :), ;) und :D sowie drei pessimistische wie :(, :/, :'( und :p. Auch hilfreich können :o für Verwunderung und o_O für Unverständnis sein. Wir sehen, sie summieren sich schnell.

Doch die häufigsten sind  wohl ^^ – das Lächeln, :D – Belustigung und :p und :(. :'(.

Interessanterweise startete die Diskussion sehr kritisch darüber, ob Smileys und Emoticons überhaupt notwendig sind und führte am Ende dazu, dass wir gestehen mussten, dass manche der angebotenen Smileys, in diesem Falle via Skype, doch ganz nett sind: Der tanzende Pinguin, das kotzende Gesicht, die bereits genannte Regenwolke, zusammen mit dem Regenbogen, einem laufendem Einhorn, einem tanzenden Brathähnchen und so weiter.

Madame (8) bemerkte damals, dass Emojis auf Skype recht sexistisch sind, da „weiblich konnotierte“ Tätigkeiten wie Yoga und Tanzen nur bei Frauen zu finden seien, sowie Männer bei „männlichen“ Sportarten. Mittlerweile gibts auch Frauen bei „männlichen“ Sportarten, aber der Wissenschaftler ist, aktuell, immer noch nur männlich.

Anway: Es gibt auch mittlerweile „vegane“ Smileys, so wurde das Ei auf dem Salat einfach unter den Salat geschoben. What the… aber warum nicht? Für jede Subkultur und jedes Grüppchen ihre eigene Sprache. Allerdings sah ich noch nie einen Chem-Trail-Smiley. Zugegeben, ich habe noch nie so wirklich darauf geachtet.

PS: Smileys gabs offiziell erst ab dem 19. September 1982, Erfinder war Scott Fahlman von der Carnegie Mellon University.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Just about Life, Kulturelles, Medien

2 Antworten zu “Smiley, Emoticon, Emoji und so

  1. Vlt kann ich bei dem Affen Smiley weiter helfen… Du hast ja geschrieben: See no evil, hear no evil, speak no evil. Stimmt allerdings nur so ungefähr. Es gibt im jap. nämlich ein Sprichwort, was drei Affen beinhaltet es regelt den Umgang mit schlechtem. Wir erinnern uns es gibt drei Affen auf der Handytastatur. Einer der sich die Augen zu hält, einer den Mund und einer die Ohren. Genauso dies besagt das Sprichtwort: „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ oder auch mizaru, kikazaru, iwazaru 見ざる、聞かざる、言わざる…

    Ich glaube Smileys sind wichtig, gerade bei Textnachrichten da Ironie oder Sarkasmus sehr schnell falsch rüber kommen können. Gerade für Menschen mit Asperger oder Autismus dürfte es eine erhebliche Erleichterung darstellen.

    • Stimmt, allerdings wenn ein Smiley für mehrere Situationen verwendet wirds, kanns wieder verwirrend werden. Wie eben bei dem Affen, der sich die Augen zu hält.

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