Almfeeling, 2018

Selige Ruhe und Harmonie. Stille und Frieden. Bis auf das vereinzelte Läuten der Kuhglocken, oder den immer wieder durchquerenden Autos, den Rufen der Sportbegeisterten jeden Alters, die mit E-Bike oder zu Fuß, schnaufend und fluchend, oder via Mountain-Bike strampelnd dem Volkssport frönen.

Nein, das Almleben ist keine Flucht in die Einsamkeit. Im Gegenteil. Ein Hort für Touristen und Laufsteg diverser Sportartikelhersteller.

[2018 verfasst]

Als vorletzten Dienstag die Pferde auf die Alm gebracht wurden, wurde es allmählich Zeit sie zu besuchen. Der Tag begann kühl und es wurde nie unerträglich heiß. In meiner Phantasie tollte bereits eine Fury-Szene über saftige Wiesen: Wenn Madame mich sehen wird, wird sie auf mich zustürmen und uns vor Tiroler Killerkühen beschützen, die sich uns bei unserer Flucht in die Wildnis in den Weg stellen, bis wir abstürzen und gemeinsam sterben. Oder so. Oder ich fürchtete sie werde weglaufen.

[Anmerkung: Nein, solche Szenen passieren nicht. Pferde kommen auch ohne uns Menschen super zurecht. Und diese 3-4 Monate Auszeit sei ihnen wohl gegönnt. Und trotzdem ist viel zu viel los, als dass sie tatsächlich wirklich Ruhe hätten.]

Wir erwischten die Tiere wohl gerade zur Mittagsruhe, die Hälfte lag dösend und schlafend am Boden. Ganz gleich, wie viele Menschen zwischen ihnen rumtrampeln oder sie streichelten. Alle waren tiefenentspannt und im puren Urlaubsfeeling, so wie wir Menschen, wenn wir am Strand liegen, lesen und in Gemütlichkeit zerfließen

[Ich erinnere mich tatsächlich noch daran, es war der erste Besuch. Auch an den zweiten, und den dritten. Und den Besuch in diesem Jahr, 2019. Wie vieles sich dazwischen getan hat..]

Trotzdem, so kann man sagen, freuten sie sich, gekrault, gestreichelt und umschmust zu werden. Nachdem die beiden Jungtiere erwacht waren, taten sie das, was sie immer taten: dem Menschen folgen, sich gegenseitig wegdrängen und versuchen mehr gestreichelt zu werden. Madame musste mich ein paar Mal vor fremden Pferden, deren Neugier geweckt wurde und (vermutlich) ebenfalls gerne gestreichelt werden wollten (wie eine große, Respekt einflößende aber sanfte Norikerstute) beschützen. Die Fohlen waren zutraulich, auch die Fremden und den Müttern war es offenbar gleich, dass irgendwer ihre Kinder betatscht.

[Sie sind auf der Alm generell zutraulich; trotzdem sollte man sich fremden Pferden nicht einfach so nähern. Wenn sie zu einem kommen, mit aufgestellten Ohren und neugierigen Augen, kann man durchaus die Hand hinstrecken und sich beschnuppern lassen. Allerdings kann es durchaus sein, dass sie von einem Ranghöheren Pferd vertrieben werden und wenn der Mensch grad im Weg steht, tjo, pech. Deswegen: Vorsichtig sein!]

Auch Madames Freund, der schwarze Wallach [der im darauffolgenden Jahr an einer Kolik verstarb], stand in der gemischten Herde – doch zu meiner Enttäuschung grasten sie nicht (ständig) beieinander; glaubte ich doch eine Liebesgeschichte im Frühjahr beobachtet zu haben, denn wann immer ich an seiner Wiese vorbei geritten bin (die er sich mit einem Haufen neugieriger Kühe teilt), hatten sie sich erfreut angeschnaubt und die Nüstern aneinander gestubst. Am liebsten wäre er mit uns gelaufen.

[Die letzten Male übrigens, hat er sich nicht für Madame, sondern für die jüngere Gefährtin mit der durchaus längeren Mähne interessiert. Madame war nicht begeistert davon.]

Der Tag endete mit Knödelsuppe und zuviel Pago-Fruchtsaft, einem mühseligen Abstieg, gefolgt von einer guten Portion Nachmittags-Schlaf. Ich hoffe, sie alsbald wieder besuchen zu können.

Und wären die Menschen nicht, würde mich man wohl im Sommer in trauter Einsamkeit auf einer Alm finden können.

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