„Timeless“, S01E03

Die Rückblende ruft in Erinnerung: Flynn kidnappte nicht nur das Mutterschiff, die Zeitreisekapsel, sondern auch den Projektleiter von Mason Industries, Anthony. Rufus belauscht nach wie vor Wyatt und Lucy für Connor Mason, hat aber keine Freude daran. Und wir sollten uns wirklich die Frage stellen: Warum wurde Lucy tatsächlich für die Mission ausgewählt? Und wer oder was ist Rittenhouse?

Timeless ist keine Serie, die man am Stück schaut (außer das Wetter ist grauslich), sondern eher zwischendurch genießt. Ein Erlebnis für kurze Zeit und sicherlich wollen all die Fragen beantwortet werden, aber alles mit der Zeit.

Episode 3 spielt in den 1960ern.

Lucy durchblättert ein Fotoalbum. Gut, dass es sowas noch gibt und Menschen sich die Mühe machen Fotos auszudrucken und ein zu kleben (ich nehme es mir tatsächlich immer wieder vor aus den Reisefotos ein Bilderbuch drucken zu lassen…) – denn wären sie nur digital verfügbar, ließe es wohl ein gewisses heimeliges Gefühl vermissen. Kurz darauf bekommt sie einen Anruf von Mason Industries und wird gefragt, was an einem gewissen Datum passiert ist. Warum googelt nicht einer der Mitarbeiter danach? Da sitzen sicherlich 20 Leute.

Wyatt holt sich die Umstände des Todes seiner Frau wieder mal in Erinnerungen – gut, denn nur so wird eine mittelmäßige und forcierte Romanze verhindert. Und mittlerweile wird auch der Projektleiter, Anthony, verdächtigt gemeinsame Sache mit Flynn zu machen, denn 30 Minuten vor seiner Entführung rief er eine Nummer an, die es nicht mehr gibt. Und wie konnte Flynn ihn überhaupt entführen, so viele Soldaten und so hohe Sicherheitsvorkehrungen?

Wir befinden uns im Jahr 1962, Nevada, genauer, bei einem Fundraising Event mit diversen Politikern sowie Präsident JFK. Wenn Flynn die Staaten in seinem Sinne verbessern und retten möchte, warum erst bei Kennedy, warum nicht schon früher? Es gäbe sicherlich ausreichend Gelegenheiten wichtige Personen einfach so um zubringen oder zu manipulieren. Vielleicht weniger spektakulär und mit geringerer Fehlerquote, aber deutlich sinnvoller. Aber, Flynn hat einen Plan.

Sie landen in der Nähe des Atompilzes und wir erfahren, dass Vegas, heute auch Sin City genannt, einst als Atomic City bekannt war. Und tatsächlich, 60km davon entfernt befindet sich ein Testgelände für Atombomben: Operation Sunbeam nahm dort in den früheren 60ern Platz.

Rufus demonstriert den „Vorteil“ seiner Hautfarbe: er ist quasi unsichtbar für die weiße Oberschicht und kann sich ungesehen herum treiben und Informationen sammeln. Auch Anthony, der Projektleiter ist da. Als Gefangener? Nein, wohl eher als Mitspieler, wie Connor Mason bereits vermutet hatte. Es macht keinen Sinn was er sagt und rät Rufus, er solle verschwinden, bald könnte es zu spät sein. Rufus tut sich schwer damit, den Verrat seines Lehrers zu akzeptieren.

Die Folge führt uns eine gewisse Judith Campbell vor, ehemalige Mätresse von John F. Kennedy und anderen einflussreichen Personen, wie u.a. des Mafia Bosses Sam Giancana. Ich fragte mich sogleich, warum sie nicht bekannter ist und es keinen Film über sie gibt, das Material wäre doch perfekt. Kurz gegoogelt: Ihre Memoiren (auf Amazon für 40€ bzw. 70€ erhältlich) wurden für den TV-Film Power and Beauty (2002, Susan Seidelman) als Vorlage verwendet, Natasha Henstridge spielte die Hauptrolle. Zeit für ein Remake mit Scarlett Johannsen.

Judith befindet sich, auch wenn Wyatt und Lucy versuchten dies zu verhindern, in Flynns Gefangenschaft, denn er besitzt Bilder, die dem Präsidenten erheblichen Schaden zufügen könnten. Ihre Aufgabe ist es, die Schlüssel des Generals zu stehlen.

Wyatt kämpft zwischendurch immer wieder mit seiner eigenen Vergangenheit und schickt ein Telegram am Jessica, seine verstorbene Frau. Was auch immer passiert, so die Nachricht, sie solle mit Wyatt gehn, auch wenn er ein Arsch ist. Immerhin hat es in Back to the Future 2 funktioniert.

Flynn, so wissen wir jetzt, hat es auf Christy Pit abgesehen – den Plutonium Kern, benannt nach dem US-amerikanischen Physiker Robert Christy. Er gibt Judith die Fotos wie Negative und flüchtet mit der Beute und Anthony in die Dunkelheit.

Rufus, der immer noch Unsichtbar in den Augen der Weißen ist, stiehlt mit Leichtigkeit ein Auto und sie verfolgen Flynn. Interessant ist, dass sie als Historikerin die Leute würdigt und schätzt, wie Judith, was sie als Frau in der Zeit machte und wo sie war und was sie sah. Und diese lässt Lucy wissen: Sie tat es nicht für Kennedy, sondern für sich.

Kurz darauf kommt es zu einer Schießerei, Anthony gibt Rufus noch rechtzeitig den Koffer und flieht, er ist noch nicht bereit das Wohl seiner Familie zu opfern, wie Flynn es tat – doch der Koffer ist leer. Flynn ist nicht dumm und immer einen Schritt voraus, und erneut von der Bildfläche verschwunden. Wyatt ist der Ansicht, dass Anthony nun nicht mehr gerettet werden soll, sondern eliminiert. Rufus frägt sich, warum das alles so passieren musste, und welche Intentionen sein Freund hatte – Wyatt interessiert das nicht. Er ist Soldat und befolgt Befehle. Lucy frägt ihn: Wenn er nicht hinterfrägt, wie kann er sich dann sicher sein, auf der richtigen Seite zu stehen?

Das Mutterschiff kann alsbald in der Gegenwart ausfindig gemacht werden. Und nein, Wyatts Frau lebt nicht und Lucy verlässt ihren Verlobten. Aber er wartet, weil er ist attraktiv und offenbar perfekt. Flynn buddelt derweil den vergrabenen Plutonium-Kern aus. Und wozu lässt sich Plutonium verwenden? Hint: Back to the Future II.

Zeitreisen, again

Erneut, was wäre, wenn die Möglichkeit des Zeitreisens in der folgenden alternativen Realität noch nicht gefunden wurde, die Institution nicht erbaut und sie plötzlich irgendwo auftauchen? In einer Wand oder so, die davor noch nicht da war – oder im Weltraum, denn bei all den Berechnungen muss doch auch der Standort der Erde, die mit 30km/s um die Sonne marschiert und die Geschwindigkeit der Milchstrasse miteinbezogen werden, oder? Haben sie dazu eine Software entworfen, die sie genau zu jener Zeit wieder am selben Ort landen lässt? Wozu braucht es dann einen Piloten? Wie kann man ein „guter“ Pilot sein, wenn es um Zeitreisen geht? Muss der Pilot alles im Kopf berechnen? Und wenn ja, wäre das nicht etwas fahrlässig? Rufus verliert bei Stress gerne mal die Nerven.

Und warum weiß das Kontrollzentrum von den jeweiligen Missionen und frägt sogleich: Was ist passiert? Werden sie auf diesen Tag hin gebrieft – „Am 3. Juni 2016 kommt eine Zeitreise-Kapsel zurück, um von ihrer Mission im Jahre XY zu berichten“. Oder läuft die Zeit wie bei Outlander einfach weiter und die Reise in die Vergangenheit ändert quasi nichts bis wenig an den Zeitreise-Aktivitäten der Gegenwart? Ergibt das irgendwie Sinn? I don’t get it.

Rufus, Lucy und Wyatt klären über den eigentlichen, einstigen, Verlauf der Geschichte auf (denn an ihren eigenen Geschichten, da sie sich in der Quasi-TARDIS befunden haben, ändert sich nichts) – und man könnte sie auch einfach für Spinner halten, stünde das Kontrollzentrum nicht da, wo es sein sollte und an dessen Stelle eine Klapse. Vielleicht habe ich auch etwas übersehen, dass dieses Detail erklärt.

Aber, auch andere haben ihre Probleme damit:

  • I don’t get Timeless‘ rules of time travel (Reddit) -> Unter anderem stellt sich die Frage: Warum also immer die Eile, wenn sie eine Zeitmaschine haben? „My understanding is that the lifeboat is tied to the mothership, and can only travel in its wake, so it is only able to arrive at a time in the past after the mothership has already arrived there.“ Damit ließe sich auch erklären, warum sie nicht ein paar Minuten „davor“ auftauchen können, sondern immer nur nach dem Flynn bereits gelandet ist. Und hier nochmal ausführlicher.
  • Und: Rules of Timetravel (Reddit)
  • Warum keine großen Veränderungen passieren: „in fact, the show is critically dependent on the timeline being extremely resistant to change. Otherwise it would change chaotically the instant a time machine even displaced a bit of air in the past (which will quickly and completely change weather patterns over the entire world, and all those people who died in bad weather would change into a completely different set of people, and that would completely destroy the present.)

    Rittenhouse needs this huge convoluted plan to change history, precisely because (in this show’s time travel rules) history is so difficult to change significantly.“

Oder aber: unser Eingriff ins raumzeitliche Geschehen wird komplett überbewertet und kleine Änderungen tun nichts zur Sache. Wie, als wenn eine Masche im Pullover aufgeht. Es ist immer noch derselbe Pullover mit derselben Farbe und demselben Schnitt, aber eben mit einer Laufmasche. Und nur wenn diese zu groß wird, ist es am Ende kein Pullover mehr, sondern ein Wirr aus Wolle. Und sicherlich, Menschen nehmen sich und ihre Handlungen gerne für zu wichtig und deswegen muss ein jede Handlung sofort zu unweigerlichen, schrecklichen und schlimmen Konsequenzen führen.

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