„Reign“, Season 1

Reign ist eine Serie, die man der unendlich hübschen Hauptdarstellerin wegen schaut, und hofft, je länger man dabei bleibt (die Serie ist eigentlich richtig schrecklich), man etwas von dieser Schönheit abbekommt. Nur etwas. Ein kleines Stück.

Es ist ein Mittelalter-Popsong mit einem Soundtrack, der etwas an die Buffy-Indie-Ära erinnert – jene Musik, die Tweens (das Zielpublikum) auf chilligen Unikonzerten hört. Der historische Anspruch liegt bei 0,1; selbiges gilt für die Kostüme, die von einer Taylor Swift pre-1989-Tour stammen könnten. Aber das ist egal: Denn darum geht es nicht.

Die Serie ist Drama und Trash und erfüllt alles, wonach Guilty Pleasure verlangt. Und es gibt Eyecandy, viel Eyecandy, abgesehen von Mary Stuart und ihren vier Ladies.

Source: CW.

Worum geht es?

Die Serie erzählt das Leben von Mary Stuart, Queen of Scots und ihr Leben am französischen Court, ihre Liebschaften und Intrigen. Sie nimmt sich dabei viele historische Freiheiten und das ist vollkommen in Ordnung. Sie erhebt auch gar keinen Anspruch auf historische Korrektheit. Wikipedia sagt: „In interviews preceding the premiere, showrunner McCarthy described the show as deliberately taking liberties with history, and that it’s more „entertainment“ than history while actress Anna Popplewell referred to the show as „fantasy history“, exploring the characters in hypothetical situations.“

In Season 4 stirbt sie. Ihre Cousine und Königin von England, Elizabeth I. lässt sie enthaupten. Aber bis dahin, Drama, Baby, Drama!

Es heißt durchhalten: Season 1 hat 22 Folgen; und hatte mich das zu Beginn noch abgeschreckt, freue ich mich jetzt, dass Season 2 ebenfalls mit 22 Folgen ausgestattet ist, auch wenn Francis, Frankreichs Thronfolger und Iron-Fist-Like Charakter, gänzlich unsympathisch ist und erst in Sesason 3 sterben soll. Soll sie doch mit Nostradamus die Ehe eingehen (der den Tod Francis‘ nach ihrer Ehe voraus sieht und Catherine di Medici, die Frau des französischen Königs Henry alles tut, um diese Ehe zu vereiteln. /Bitch-mode on, get ready), oder mit dem feschen Bastard (der frei dazu erfunden wurde und auf keiner historisch bekannten Persönlichkeit beruht). Aber nein, der lernt dann irgendwann, für eine Folge, eine Art Ygritte mit Bogen kennen, im Winter, im Schnee. Come on, seriously? Season 3 hat nur mehr 18 und Season 4 16 Folgen.

Francis, so wissen wir aus der Geschichte, soviel bleibt akkurat, stirbt kurz nach Vollzug der Ehe (was übrigens korrekt dargestellt wird, mit all den Leuten, die den ersten Akt bezeugen – was aber nicht überall in Europa gängig war) mit jungen Jahren; er war ein Schwächling und sie waren nur zwei Jahre verheiratet. Dazwischen hegt sie eine Liebschaft mit Bash, dem Bastard des Königs, dessen Mutter einst Heidin und Mätresse des Königs war und ihn auf den Thron setzen will. Natürlich ist es ein Spoiler, aber come on; wenn der Charakter schon extra in die Serie geschrieben wurde, ja wozu wohl?

S01E14

Anhand von Episode 14 der ersten Season möchte ich darstellen, wie eine übliche Folge in etwa abläuft:

Der Mann der Prophezeiungen hat, glaubt nicht an das Böse, das im Wald lebt. Nur Menschen sind böse, aber nicht die Natur. Na eh, er hat ja eh recht. Er sagt übrigens auch, dass es nur Wissenschaft und keine Magie gibt. Er ist also der Haus- und Hof-Wissenschaftler, Seher und Arzt. Allerdings trägt Olivia (die Ex von Francis), die nach ihrem unerklärten Verschwinden wieder auftaucht, Bisswunden! Bisswunden! Auch wird ein Zahn in ihrem Rücken gefunden. Der König, der mit einer, von einem Land mit dem sie im Krieg stehen, vögeln wollte, hat sie aus Versehen ausm Fenster geschubst und somit getötet. Da war zufällig das Fenster und sie ist gefallen. Sowas passiert halt.

Aber es wird noch besser: Eine der Hofdamen und Freundinnen von Mary ist schwanger. Und jetzt ratet von wem. Von Francis natürlich! Denn als der zuvor ihre Ehre (aka Jungfräulichkeit) in einem Pariser Bordell beschützte (don’t ask), nimmt er sie quasi selbst. Aber mit ihrem Einverständnis. Sie mögen sich halt. Es passiert halt. Meine Güte. Francis aber ist mittlerweile mit Mary verheiratet. Die aber davor eine Liebschaft mit Bash hatte, dem Bastard, als die Möglichkeit, tatsächlich Anspruch auf den Thron zu haben, in Aussicht stand. Sie waren soviel besser zusammen.

In derselben Folge wird das Thema Abtreibung behandelt: Hätte sie doch bloß keinen Sex gehabt! Natürlich, die Frau ist wieder Schuld. Eh klar. Aber die eine kennt da wen, die jemand kennt, die wieder wen kennt. Die Abtreibungs-Szene zeigt, warum es wichtig ist pro choice zu sein und für sichere Abtreibungsmöglichkeiten zu sorgen. Ohne Stigmata und Druck und sonstige Hindernisse. Grausige Gerätschaften liegen auf dem Tisch, Fischerhaken und Messer, und alles ist dreckig.

Olivia liegt derweil im Krankenbett und es schüttelt sie gar schrecklich. I dismiss the Demons! Sagt der Pfarrer und sie ersticht ihn mit seinem eigenen Kreuz! Und es ist gefährlich. Es ist immer gefährlich. So gefährlich, das alle immer ohne Begleitung rum laufen können, ausser das Budget reichte für demotivierte Statisten; die stehen dann im Hintergrund wo rum und versuchen wichtig auszuschauen.

Catherine di Medici schreibt einen Suizid-Brief (sie will ihrem Gatten (der sie eine Folge davor noch umbringen wollte) helfen). Das fliegt aber auf, weil die Tote gar nicht schreiben konnte. Aber es gibt ja einen Zeugen: ihren Lover. Dummerweise ist der aber schon tot. Und hier kommt der ermorderte Pfarrer ins Spiel. What? Sie haben den Pfarrer während der Folter zum Geständnis umgebracht?! Dafuck you weird French people! Und sie hat sich umgebracht, weil sie die Scham nicht ertragen konnte!? Na, don’t believe it.. Sie einigen sich darauf, dass sie ertrunken ist.

Ich denke mir dann: Wenn es Serien wie diese gibt, gibt es auch einen Buchmarkt für eben jene Konsumenten, und ich weiß leider, dass Trash-History-Romance-Novels wirklich gut ankommen. Soll ich meine Seele verkaufen und sowas schreiben? Aber, ganz ehrlich. Ich bezweifle wirklich, dass ich sowas großartiges zustande bringen kann. Aber wenn… dann könnte ich Milliardärin sein!

Historische Authenzität – 404 not Found

Je unwichtiger der Charakter, desto historischer’isher ist die Kleidung, die er tragen muss und je wichtiger (und hübscher) desto moderner und schöner die Gala- und Ballrobe. Mary und ihre Ladys kleiden sich ausschließlich in glitzernde haute couture und tragen ihre Haare mit wilden Zöpfen und hübschen Diademen.

Frock Flicks, die beste Seite, wenns um historische Akkuraität von Mode in Filmen geht, liefert einige gute Memes. Bitte besuchen. Ebenfalls lesenswert ist dieser Artikel, der sich leidend mit den Kostümen beschäftigt. Aber wie bereits erwähnt, historische Autzentzität ist letztranging, schließlich geht es um Entertaintment!

Zusammenfassung und Kritik

Lustig ist auch, dass über Folgen hinweg niemand frägt, wo eigentlich Character X ist? Und plötzlich taucht dieser auf. Einfach so. Wie ich mich auch schon bei Game of Thrones fragte: Gibt es keinen Korrekturleser, der sagt: „Ähm, sorry, aber des macht kan Sinn.“ Nicht? Nein? Ok..

„I don’t want it!“ ist wohl der meist genutzte Satz in britischen Kostümdramen. Niemand will den Thron aber alle bekommen ihn. Welch schweres, schweres Schicksal. Nein wirklich! All diese Intrigen und stetige Unsicherheit und Gefahr. Ich stelle mir das höchst schrecklich vor. Dazu noch arrangierte Ehen, und wie vernünftig alle sind.

Dennoch gibt es ausreichend Gründe die Serie zu schauen:

  1. Die Kostüme – sie sind wirklich großartig, und die Frisuren.
  2. Es ist eine großartige Soap Opera
  3. Catherine di Medici ist eine „mad psycho bitch“ – aber unfassbar großartig.
  4. und Mary Stuart eine Art Goth

Frock Flicks führt weiter aus:

„OK, I’m outing myself here. This is the real reason I keep watching. Mary Queen of Scots, as depicted in Reign, is a goth girl in looks and deed. She has long almost-black hair (not red as in history), and she wears a lot of black or other dark colors, especially when she needs to look strong. Black and red seem to be her “power” colors. Or she wears white (or even silver-grey) when she’s feeling melancholy. That hints at her romantic-fatalistic worldview, which makes me think she secretly listens to the Cure and the Smiths in a little room in the castle somewhere. She probably has pointy boots under those long black skirts too. She’s just like me! I’d wear a good 75% of what she wears, if, y’know, my days were filled with strolling around a candlelit castle and fretting about the state of my affairs. See? Just her job description is that of a goth. Naturally, I love this show, no matter how much it goes against the history I’ve been studying for the past 20-some-odd years. This is me, livin’ the dream.“

Source: Fock Flicks

Plus, Nostradamus is hot.

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