Monatsarchiv: Oktober 2019

Von der Illusion etwas gut zu können und dieses nutzen zu müssen

„Jeder kann etwas gut! Auch du!“ Geh schleich di.

„Du kannst das so gut. Mach was draus!“ Seriously, get the f*ck off my business.

Ihr kennt diesen Spruch, oder? Leute, die meinen, dass wenn man sich nur ganz fest mit etwas beschäftigt, man es auch richtig und besonders gut könne. Du musst dich nur damit befassen! Ein wenig Talent gehört natürlich dazu, und ein Vermögen, und gewisse Fähigkeiten, und Veranlagungen und so,- aber jeder, der es wolle, schaffe es auch und sowieso, ist jeder in etwas gut!

Nein.

Schlimmer noch, Leute, die erkannt haben oder glauben zu erkennen, dass man etwas wirklich gut könne und dazu raten, doch etwas damit machen zu müssen, weil es wäre ja vergeudet und verschwendet, nicht zu Nutzen was einem gegeben wurde!

Dafuck? Nein.

Über Talente und Fähigkeiten

Da gibt es die, die besonders gut zeichnen und malen können, andere schreiben super, wiederum andere haben das Talent, ihren Körper mit Takt zu bewegen und andere singen wie Germany’s Future Dschungelcamp-Kandidat. Und sicherlich, zu einem gewissen Grad ist alles erlernbar, was es zumindest, „gut“ in den Augen anderer macht, die das eben gar nicht können – und das ist ja okay. Aber nur, weil man etwas „gut“ in den Augen derer kann, die es gar nicht können, bedeutet das nicht, dass man tatsächlich „gut“ darin ist und auch damit etwas machen kann. Kann man nicht. Nicht immer.

Sicherlich, man kann es erlernen: Wie das schreiben. Wir sollen aktive Verben und keine passive verwenden, wenige Adjektive und beschreibend schreiben, nicht erzählend. Eh klar. Und dann gibt es die Leute, die nicht lernen müssen, wie man fesselnd schreibt, die, die wissen, wie man eine Geschichte richtig gut zu Papier bringt. Und natürlich kann ich Tanzschritte und Bewegungen lernen – werde aber nur Mittelmaß sein, weil mir das Talent fehlt. Und das ist okay!

Das Mittelmaß ist okay!

Wisst ihr was? Es ist vollkommen in Ordnung! Man darf auch Mittelmaß sein. Auch wenn man etwas „besser“ kann als manche andere und trotzdem weiß, dass man nicht „gut“ ist, auch wenn die Aussagen anderer was anderes sagen, dann bedeutet das nicht, dass man damit was machen muss! Als Hobby ist es auch vollkommen okay und man kann sich viel leichter daran erfreuen? Denn wie heißt es: Mach nie zu deinem Beruf, was du liebst. Ich liebte Geschichte und Philosophie. Nach dem Studium. Not so much anymore. True Story.

Ich sage immer: Es muss auch Menschen der Mittelklasse geben, der Mittelmäßigkeit, die, die halt nicht auffallen, die, die gewisse Dinge können, aber eben nicht ausreichend um richtig „gut“ darin zu sein, oder es gar für Ruhm und Reichtum verwerten zu können. Und das ist okay!

„Nur der Fleiß machts!“

Oh, fuck off you stupid little c*nt! (Frei nach Sandor Cleagane)

Man kann sich auch fragen: Was ist denn „gut“ und an und mit welchem Maßstab messen wir „gut“?

Dann wird ein anderer sagen: Aber mit Fleiß kann man gut werden! Ja, einer aus einer Million vielleicht. Diese Leistungs- und Fleißgesellschaft geht mir so dermaßen auf die Eierstöcke; wer Menschen nur anhand ihres Fleißes misst, misst mit dem Maße des Kapitalismus – wollen wir das? Willst du das? Deine Talente mit kapitalistischen Farben anstreichen, nur damit wer anderer das große Stück des Kuchens bekommt? Willst du das? Eben, nein, das willst du nicht! The cake is a lie!

Lass es liegen!

Und selbst wenn wir in etwas „nur“ gut sind, selbst wenn wir tatsächlich etwas können, also so richtig, bedeutet das nicht, dass wir es Nutzen müssen. Wir können und dürfen unser Talent auch liegen lassen, wenn uns nicht der Sinn danach steht. Sicherlich ists schade, sagen manche. Mach was daraus! Die anderen. Aber ganz im ernst, why? Wir könnens auch als Hobby behalten. Is eh viel g’scheiter.

Dieses dahin pushen, dass jeder in etwas „gut“ sei, und selbst wenn dem dann so ist – dazu nötigen, es bitte auch anständig zu verwerten und was daraus zu machen; dieses vehemente Nahelegen, mit etwas Übung und Fleiß und Disziplin könne man Großes erreichen! Echt nit.

Ich hasse es, wenn Leute das tun.

Ich weiß, ihr meint es gut

Ja, sie meinen es gut. Ja, sie wollen mir Komplimente machen, und ja, ich singe vielleicht „besser“ als der durchschnittliche Karaoke-Sänger, und zeichne vielleicht besser als jemand, der nur Strichmandeln kann, und schreibe vielleicht auch ganz adäquat, aber lasst mich damit in Ruhe, dass ich das alles Nutzen sollen und was daraus machen. Es nervt!

Zu sagen, ich soll dies und jenes nutzen, erlegt mir die Mühseligkeit auf, mich um noch mehr in meinem Leben kümmern zu müssen. Ihr steht nicht da und sagt, „Du, I hilf da, gib mir X und Y“, nein ihr meint es nett und gut und nehmt mir vielleicht sogar einen Teil der Arbeit ab, wie Korrektur lesen oder applaudieren, aber mehr kommt da nicht, weil wozu? Ihr bekommt ja auch nichts dafür raus. Seht ihr. Ich verstehe euer Anliegen, wirklich! Und ich danke für die Komplimente, und trotzdem…

Wir, die in euren Augen ja etwas „gut“ können, sollen uns darum kümmern. So funktioniert das nicht. Nicht bei allen.

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„Black Mirror“, S05E03

Nein, die Folge ist nicht repräsentativ für das Genre Black Mirror, welches uns realistische und nahe Zukunftsdystopien zeigen soll. Auch die Themen wiederholen sich: Es gibt Mind-Uploading in Form einer Kopie, Roboter und ein Happy End. Nein, das ist nicht mehr das britische Black Mirror auf welches man bei technologischen Fortschritten, so wie einer Liebesg’schicht auf Taylor Swift-Songs, verweisen kann

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was man bei dieser Folge großartig besprechen können, da schon das Setting einfach unrealistisch ist. Sicherlich waren all die anderen Folgen auch nicht gerade im Pool von Realismus und „so isses“ verankert, hatten aber zumindest Hand und Fuß und eine in sich geschlossene Logik: Sprich, jemand hat sich tatsächlich Gedanken gemacht.

Miley Cyrus, großer Popstar, verkauft eine Puppe, die mit deren Hirn-Kopie ausgestattet ist (Stichwort Mind Uploading), aber nur 4% sind für die Kinders, die diese Puppe haben wollen, zugänglich. Die Puppe spricht und macht Make-Overs und singt und tanzt und all das. Und das ergibt schon keinen Sinn, wozu ich dann Mind Uploading brauche, wenns ein simpler Algorithmus auch täte. Ich meine, das ist doch grob fahrlässig?

Lasst mich das nochmal verdeutlichen: Ich besitze die technologischen Möglichkeiten und statte die Puppe mit dem Charakter meines mittlerweile depressiven Stars aus, beschränke aber den Handlungsspielraum auf 4% und verkaufe das kleinen Kindern?

Wenn das ein zynischer Hinweis auf Alexa-Konsumenten sein soll, deren Intelligenz nicht sonderlich über jener von Kindern liegt, dann lass ich mir das Setting einreden. Und dass der Verkauf, wenn Staat und Parteien sich dieses abgehörte Wissen zu nutze machen wollen, grob fahrlässig von mächtigen Firmen, die gehypte Spionage-Sympathie auf den Markt bringen, wait, oh, never mind..

Es gibt zwei durchaus realistische Szenen, die haben aber nichts mit technologischem Fortschritt und dessen Gefahren und Möglichkeiten zu tun, sondern mit der Gesellschaft: Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele junge Künstler Managern wie jener gezeigten ausgeliefert sind und im Handumdrehen abgesetzt werden können, folgen die nicht dem extremen Marketing-Konzept. Das zweite ist die Sexualisierung von jungen Mädchen: Rachel, das Mädchen das Miley-Fan ist, nimmt an diesem Schulwettbewerb mit und tanzt zu einem Song. Die Jungs fangen an zu reden. Die Schwester verdreht die Augen.

Soll das ein Hinweis darauf sein, dass aktuelle Technologien junge Mädchen zu „fuckable“-Verhalten führt? Ich versuche wirklich einen Sinn in dieser Folge zu sehen. Oh, Instagram verbietet übrigens einen Face-Lifting Filter, weil er Jugendliche negativ beeinflussen könnte. Welcome, Humans of Late Captalism!

Zusammenfassung und Fazit

Wer auf einen Twist wartet, wartet vergebens. Es gibt keinen. Aber dafür ein Happy End. Miley darf depressive Rockmusik machen. Ja, dystoptische Weltphantasien sind eben auf ein gewisses Pensum reduziert. Vielleicht sollte man stattdessen anfangen Klima-Horrorfilme und Klima-Katastrophen-Filme zu produzieren. Oh wait, die hatten wir in den 90ern bereits. Damn..

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Schwarzer Humor in der Werbung?

„Späße sollten ein Greuel für jeden Werbefachmann sein, der genau weiß, daß sich ein dauerhafter Erolg kaum auf Frivolitäten aufbauen läßt und daß niemand von einem Clown kauft.“ – David Ogilvy

Was darf Humor? Oder anders gefragt: was darf schwarzer Humor? Wie weit darf Humor in der Werbung gehen und wie sehen die Grenzen dabei bei schwarzem Humor aus? Nehmen wir Produkte ernst, wenn der Tod für sie wirbt beziehungsweise, wenn der Tod eine tragende Rolle spielt?

Zum Humor allgemein

Humor ist ein Kulturspezifisches Phänomen. Den deutschen Humor erkannt man daran, dass es ihn nicht gibt und wohl bekannt ist auch der trockene britische Humor, der nicht jedem zugänglich sein mag. Abhängig von Kultur, Moral und Religion werden gewisse Themen tabuisiert oder darüber gelacht. Auffallend aber, je autonomer die Kultur und je selbstironischer das Selbstverständnis ist, desto eher ist man auch dem Humor zugänglich.

In der Werbung wird Humor oft mit Witz, Wortspiel, Ironie, Übertreibung oder Überraschung assoziiert. Die Grenze zwischen Originalität und kognitiver Aktivität und affektiver Reaktion sind dabei fließend. Während kognitive Aktivität eine gewisse Intelligenz voraussetzt, reduzieren sich Werbungen, die auf affektive Reaktionen abzielen auf aggressive oder sexuelle Themen.

Humor in der Werbung

Wendet man sich genervt ab und identifiziert das Produkt aufgrund der inzwischen ausgeschlachteten Witze, spricht man vom Wear-Out Effekt: Was einst originell war, kann bei inflationärer Verwendung ins Gegenteil umschlagen. Besonders Werbung, die häufig im TV oder Radio gespielt wird, unterliegt dieser Gefahr. Der Wear-Out-Effekt beschreibt somit die Abnutzungserscheinungen von Werbewiederholungen

Werbung kann zwar die Sympathie für das Produkt und die Marke steigern, dennoch besteht die Gefahr, dass kreative Werbung zu sehr ablenkt. Je kreativer die Werbung, desto größer die Distanz zum Produkt. Nimmt der Witz der Werbung mehr Aufmerksamkeit in Anspruch, als das beworbene Produkt, spricht man vom Vampireffekt.

In allen Fällen ist wichtig, dass Werbung so gestaltet wird, dass sie sich aufgrund des Überangebotes von den anderen abhebt.

Für den Werbenden ist wichtig, eine positive Stimmung zu erzeugen und die Quelle der Botschaft aufzuwerten. Das „mögen“ des Witzes überträgt sich auf das „mögen“ des Produktes und/oder den Hersteller. Aber Vorsicht: Die Glaubwürdigkeit kann dadurch auch beeinträchtigt werden. Glaubwürdigkeit ist u.a. auch ein Resultat von Sympathie, aber: Wer kauft schon gerne von einem Clown.

High-Risk und Low-Risk Produkte

Es gibt Produkte, deren Ideal, deren Vorstellung und Message, die sie transportieren möchten, täte Humor nicht gut

high-risk Produkte sind hochwertige Produkte, deren Anschaffung sehr kostenintensiv sind. low-risk Produkte werden für den alltäglichen Gebrauch gekauft und sind mit niedrigen Kosten verbunden. Diese werden erneut unterschieden zwischen expressiven Produkten, welche ein hoher emotionaler Wert beiliegt, sowie funktionale Produkte die mit Nutzen verbunden sind.

So wären in diesem Fall Versicherungen, Computer und Kühlschränke, in diesem Fall funktionale und high-risk Produkte und bspw. Designer-Kleidung wie Prestige-Objekte expressive und high-risk Produkte, also mit Emotion verbunden. Grundnahrungsmittel und Körperprodukte fielen in die low-risk Sparte mit funktionalem Gebrauch. Genussmittel wie Wein, Zigaretten oder Süßwaren wären expressiv in ihrer Funktion und von geringem Risiko.

Schwarzer Humor und der Tod

Der Begriff „schwarzer Humor“ wurde 1940 vom französischen Surrealisten André Breton via der Anthologie „De L’humor noir“ in den Sprachgebrauch eingeführt. 1971 schrieb der Essayist Francois Bondy, der „schwarze“ Humor sei nicht zu verwechseln mit dem aus den Staaten stammende „sick jokes“, dem „kranken Humor“. Dies käme einer Abwertung gleich. Dennoch ist der Begriff schwierig zu definieren, da nach dem 2. Weltkrieg viele Kunstformen damit tituliert wurden. Oftmals jedoch assoziierte man die Farbe „schwarz“ und deren Anhänger wurden wie Aussätziger behandelt. Lexikalisch gilt diese Art der Humorform als zynisch und makaber.

Mit Humor betrachtet der Mensch auf eine ihm angenehme Weise die Welt. Dieser Humor ist freundlichen Umganges. Mit schwarzem Humor präsentiert sich die Wesensart einer Minderheit. Das wichtigste Merkmal ist die Fähigkeit, unter vielfach schwierigen Bedingungen eine von der Normalität abseits liegende Perspektive anzunehmen. Er führt also die „abseitige“ Welt vor Augen.

Er hat demzufolge nichts mit negativer Weltsicht oder Misanthropie zu tun, sondern mit der Frage nach Schein und Sein. Es wird die Echtheit der Erscheinung geprüft. Schwarzer Humor greift Vertrautes und Verlässliches wie unter Tabu stehende Themen. Schwarzer Humor übernimmt eine gewisse Aufgabe, die das wichtige und wirkliche Sichtbar macht.

Wenn es also beispielsweise in einer Automobil-Werbung darum geht den Tod auszutricksen, wird der Sicherheitsaspekt des Produktes potenziert. In diesem Falle ist eine gewisse Intelligenz von Nöten um den schwarzen Humor zu erkennen und seine Anliegen zu verstehen. Er agiert als kritische Instanz und nimmt der Darstellung den Ernst und beseitigt die Gefahr.

Folgt man dieser Interpretationsweise, so ist die Verwendung der Farbe „schwarz“ (in westlich geprägten Ländern) adäquat was den von ihm thematisierten Inhalt betrifft. Dieser Art Humor und der Kritik kommt es darauf an, die im Dunklen gelegenen Phänomene ans Licht zu zerren. Mit Umweg über negative Sichtweisen, wird versucht das wesentliche zu erreichen. Schwarzer Humor ist also weder zynisch, noch sarkastisch, sondern besitzt eher apologetischen Charakter

Inwieweit darf provoziert werden?

Was nun die Provokation betrifft, ist folgendes zu sagen, dass auch hier unterschieden werden muss und sollte zwischen „Provokation“ und lediglich „geschmacksloser“ Inszenierung. Sicherlich, beides beschafft Aufmerksamkeit, wobei erstere sich an die Intelligenz wendet, an die wie bereits erwähnte kognitive Aktivität, und sich nicht an die affektive Reaktion richtet, der mit geschmacklosen Inszenierungen eher gedient wäre.

Der Tod

Medien und Tod gehen Hand in Hand. Keine Nachrichtensendung und Zeitung kommt ohne Berichte über den Tod oder lebensbedrohliche Situationen aus. Ethische und fiktionale Darstellungen in der Popkultur thematisieren Sterblichkeit in unterschiedlicher Weise. In den Massenmedien dient der Tod als Spektakel und führt zur Millionenauflage.

Auch in der Werbung findet man den Tod häufiger als gedacht: So beschäftigten sich besonders Automobil-Werbungen, Versicherungen, Bier, Telefongesellschaften und Bestattungsinstitute. Die Verwendung des Todes in der Werbung ist Kultur unabhängig, was auch mit dem Trend zur Globalisierung zu tun hat.Internationale agierende Unternehmen haben einen Wettbewerbsvorteile, als jene die nur national agieren. Folgend wirkt sich dies auf eine Standardisierung der Werbung aus. Die Unterschiede zwischen den Kulturen werden durch Kenntnis anderer Kulturen ausgeglichen, woraus sich eine Homogenisierung ergibt.

Auto-Werbungen und der Tod

Gerade bei Autowerbungen müsste man meinen, stehe das Leben und die Sicherheit an erster Stelle. Der Hersteller möchte mit seinem Produkt zur Lebenssteigerung beitragen und nicht zu dessen Beendigung.

Automobil-Werbungen zählen zu den high-risk und expressiven Produkten. Demzufolge sollte Humor dezent verwendet werden. Man konsumiert diese als Statussymbol und Prestige. Je nach Kultur jedoch dient das Automobil als Luxusobjekt, wie in Japan oder als Gebrauchsgut wie in den USA.

Die südkoreanische Automobil Firma Hyundai fiel in den letzten Jahren mit zwei Clips auf. Zum einen mit „Death“ und zum anderen mit „Pipe Job“, einem Suizid-Spot.

„Pipe Job“ wurde für den britischen Markt entworfen und zeigt einen Mann, der versucht via CO2 in seiner Garage zu suizidieren. Dieser jedoch schlägt fehl, da der neue „ix35“ über eine 100% Wasseremission verfügt.

Die Reaktionen waren überwiegend negativ. Eine Bloggerin, deren Vater sich mit dieser Methode das Leben nahm, veröffentlichte seinen Abschiedsbrief und prangerte die Werbung an. Hyundai entschuldigte sich daraufhin und versprach die Werbung vom Netz zu nehmen bzw. in keinem bezahlten Medium mehr zu präsentieren#

Auch wenige Jahre zuvor hatte Hyundai kein Glück und „Death“ wurde in Holland verboten.

Der Ein Mann fährt ein Mädchen nach Hause, der Tod lauert in Gestalt des Grim Reapers bereits auf sie. In der ersten Sequenz wird sie überfahren, da sie auf Straßen-befahrener Seite aussteigt. In der zweiten Sequenz, diesmal mit dem promoteten Modell, steigt sie sicher auf der Seite des Gehsteiges aus, da auf der anderen Seite keine Tür ist. Der Tod wurde ausgetrickst.

Im Vergleich dazu der Spot „Sorry“ von Mercendes-Benz der ein Jahr davor lief. Ein Mann fährt in der Winterlandschaft, der Tod sitzt in Gestalt plötzlich neben ihm. Der Fahrer starrt den Tod unfassbar einige Sekunden an. Plötzlich sagt dieser: „Sorry“. Knapp vor den Bäumen, die auf der Straße liegen, stoppt der Fahrer und sagt ebenfalls: „Sorry“. Der Clip endet. Erneut wird der Tod ausgetrickst. Worauf sich hier allerdings die User fragen ist: ist die Ähnlichkeit des Todes mit Ferdinand Karl Piëch, der österreichische Manager und Großsanktionär von Porsche gewollt? Der Tod selbst geht bei dem „Augenzwinkern“ unter, der Spot erfuhr großteils positive Kritiken. Als Tod wird diese Figur nicht mehr wahrgenommen, da sie ein bekanntes Gesicht trägt, dass in bestimmter Beziehung zum Werbenden steht.

Ein weiteres, wenn auch inoffizielles Beispiel ist das Ergebnis des Nachwuchsfilmpreises First Steps der unter anderem von Mercedes gesponsert ist. In diesem umstrittenen Kurzfilm wird Hitler bereits als kleines Kind in seinem Dorf überfahren. Dass es sich dabei um Hitler selbst handelt, ist zum einen Interpretationsfrage, denn die Mutter ruft: „Adolf!“ der Fahrer verlässt Braunau am Inn. Als Schlusssatz dient: „Erkennt gefahren, bevor sie entstehen.“ Eindeutig zweideutig. Zum anderen lebte Hitler lediglich bis zu seinem 3. Lebensjahr in Braunau laut der offiziellen Seite der Stadt Braunau. Der überfahrene Bub muss mindestens fünf gewesen sein.Der Hersteller selbst war jedoch nicht sonderlich über den Film erfreut und bestand auf eine deutliche Kennzeichnung, dass dieser Spot nicht mit Mercedes selbst in Verbindung stehe. Dieses Beispiel könnte auch dezent als Vampir-Effekt dienen, da ein jeder diesen Spot zwar kennt, aber niemand die Marke damit in Verbindung bringen kann.Zur Analyse: Der Tod in Gestalt des Grim Reapers wird auf der einen Seite positiv aufgenommen, wobei das Augenmerkmal hier auf den Darsteller des Todes fällt und ein Augenzwinkern mit einfließt, dass dem ganzen die Spannung nimmt. Hyundai steht demgegenüber in Kritik. In beiden Clips jedoch wird der Tod ausgetrickst. Während es sich in „Pipe Job“ um Suizid handelt, geht es im Kunstprojekt wohl eher um Mord.

Lebensmittel und der Tod?

Es ist Heiligabend. Ein alter Mann diniert alleine. Die Familie schafft es wieder nicht, den Vater zu besuchen, aber nächstes Jahr bestimmt. Er beschließt seinen Tod vorzutäuschen. Nachdem die Familienmitglieder die Mitteilung erhalten haben, tauchen sie bei der Beerdigung auf und er sagt: „Wie hätt ich euch denn sonst alle zusammen bringen sollen?“ Sie speisen in voller Freude und der Clip endet.

Nur wenige Tage nach Ausstrahlung wurde „Heimkommen“ heftig diskutiert, pietätlos und auch die Manipulation des Großvaters wird kritisiert. Andere Leute fühlen sich schuldig, besonders auch weil Weihnachten im Bewusstsein der Menschen von „Zusammengehörigkeit“ geprägt ist.Sähe man diesen Clip nun als „schwarzen Humor“ oder als Provokation? Der zweite Clip der Firma Edeka, „Sensenmann“, um eine Minute kürzer, die üblichen 30 Sekunden inszeniert den Tod als Sensenmann, als Grim Reaper: Der Sensenmann erkundigt sich bei einem Mitarbeiter nach bewusste und ausgewogene Ernährung. Dieser zeigt ihm darauf alles und endet mit: „Damit bleibt man bis ins hohe Alter Gesund und fit“ und der Sensenmann frägt: „Und was soll ich dann machen?“ Der Mitarbeiter antwortet: „Umschulen?“

Sähe man diesen Clip nun als „schwarzen Humor“ oder als Provokation?

Was aber, wenn bereits tote Menschen für ein Produkt werben?

Wenige Wochen vor seinem Tod drehte der Sänger und Whiskey-Liebhaber der Band Motörhead noch einen Werbespot für Milch. Die finnische Molkerei Valio hatte den Briten engagiert; die Agentur veröffentlichte nun 40 Sekunden daraus als eine Art posthumane Ehrung. Sähe man dies als „schwarzen Humor“ oder als Provokation?

Deutlich ist, dass alle drei Clips von der Ausgangslage nichts mit dem des anderen zu tun haben.

Zielt ersterer auf Gemeinsamkeit ab, gesponsert von Edeka – trickst der zweite den Tod aus und stellt sich ihm keck in den Weg. Der dritte dient als posthumane Ehrung.Allen gemeinsam ist, dass sie sich a) um low risk Produkte handeln, in ersterem Fall einer Firma die funktionale und expressive Produkte anbietet, im dritten lediglich funktional und b) den Tod in irgendeiner Weise thematisieren.

Abschließend

Darf man mit dem Tod werben? Ja. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Ich fand die Clips lustig, amüsant und unterhaltend. Sie regen zum Nachdenken an und provozieren. Gleichzeitig vermitteln sie, besonders bei Autowerbungen – wie nah der Tod eigentlich tatsächlich ist. Wir bewegen uns 160km/h in einer Blechbüchse entlang und glauben, komplett sicher zu sein? Es darf auch nicht die Meta-Ebene vergessen werden, die besonders hinter den Auto-Spots steht.

Quellen

  • Wolf-Bertram von Bismarck / Stefan Baumann: Markenmythos, Verkörperung eines attraktiven Wertesystems IN: [Hrsg] Peter Lang: Europäische Hochschulschriften, Reihe V, Volks- und Betriebswirtschaft, Bd./Vol. 1791, Frankfurt am Main 1995.
  • André Breton: Anthologie des schwarzen Humors („Anthologie de l’humour noir“). Rogner und Bernhard, München 1979.
  • Harald Erbeldinger, Christoph Kochhan: Humor in der Werbung. Chancen und Risiken IN: Michael Jäckel [Hrsg.]: Umworbene Gesellschaft. Analysen zur Entwicklung der Werbekommunikation, o. A.
  • Klaus Feldmann: Tod und Gesellschaft: Sozialwissenschaftliche Thanatologie im Überblick, o.A.
  • Michael Hellenthal: Schwarzer Humor. Theorie und Definition, Essen 1989.
  • C. Hoffstadt, F. Peschke, M. Nagenborg, S. Müller, M.Möller [Hrsg.]: Der Tod in Kultur und Medizin IN: Aspekte der Medizinphilosophie, Bd. 14, Bochum/Freiburg 2014.
  • Klaus Moser: Markt und Werbepsychologie, Hogrefe 2002.
  • Wendelin G. Müller: Interkulturelle Werbung, Heidelberg 1997.
  • Volker Nickel: Schläge mit dem Werbehammer. Über die neu Qualität des Prinzips Provokation, Vortrag gehalten in Düsseldorf 1998.

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„Rim of the World“

Stichworte: Netflix. Alien. SF. Independent. Kids. 2019.

Anmerkung: Kritik wurde während des Schauens verfasst; die neue und bisher ungekannte Art des Reviews, denn es erlaubt direkten Kontakt mit der Materie und verlangt kein ewiges resümieren und reflektieren!

Aliens, huh? Okay then..

Da ist jenes Kind, welches über 20 Screens mit Weltraum-Videos im Zimmer besitzt, NASA Chief spielt und das RL hasst; aber ins Camp muss. Feel ya! Das andere Kind, mit sehr reichen Eltern, ist ein cooler HipHop Dude; muss auch in Camp. Und da ist ein stilles chinesisches Mädel, welches sich in die USA schleicht; und sie will zum Camp. Und dann sind da Aliens; die wollen auch zum Camp!

Die Camp-Leute sind alle sehr weird (Klischees werden überspannt, der Bogen bricht x-Male) und die Kids unverschämt, außer das rothaarige Kind (NASA Chief), welches höflich chinesisch spricht und sich in das bitchige, chinesische Mädel verliebt. Und als er Angst hat, von diesem hohen Turm Seil zu fahren, verpotten ihn die anderen, außer das Mädchen, dann schauen sie sich gemeinsam Sternschnuppen an.

Man merkt, dass es eine Independent Produktion sein muss, da die Witze durchaus eine gewisse Intelligenz aufweisen. So ist Toy Story beispielsweise eine Allegorie zur Ruling und Working Class, wobei die Spielsachen die Working Class repräsentieren.

Das asiatische Kind folgte einer Werbung, deswegen ist sie wie eine Pfadfindern angezogen und freut sich, als endlich sie den Ort und Ausblick auf der Karte erreicht hat und das ganze Land überblicken kann. Die anderen Kids sind auch im Wald, und das reiche, coole HipHop Kind will dem kluge Kind seine Ängste nehmen, und ‚lil Dicaprio (ein kleiner Bub der aussieht wie 90er Jahre Leonardo DiCaprio) kommt zur Hilfe; und dieser Bub ist nicht vom Camp.

Und just in dem Moment, tritt das Alienschiff in die Atmosphäre ein. Wait, der Film ist von 2019 und das Kind hat ein Telefon mit Tasten? Shut the fuck up an take my Money! Okay, erneut, manche Witze sind wirklich großartig (Schauts euch an). Als die Kids zurück kehren; die Atmosphäre hat mittlerweile einen Gelbstich, und sämtliche elektronischen Geräte sind ausser Betrieb, ist niemand mehr im Camp – stattdessen gibt eine Weltraumschlachten auf der Erde mit Laser und so.

Just in diesem Moment landet eine Astronautin auf der Erde und gibt dem Kind vor ihrem Ableben noch einen Schlüssel, den müssen sie nach Ort X bringen, denn darauf sind alle Informationen zu.. nur weil ich hier mitschreibe, bedeutet das nicht, dass ich euch alles erzähle, ha!

A little while later

Roadtrip! Aber das kluge Kind muss erst noch Fahrrad fahren lernen und die anderen helfen ihm, so nett! Die Musik ist so eine Mischung aus fröhlich und Horror-Film; ich habe immer das Gefühl, dass ich aus Versehen noch was anderes laufen habe. Es hört sich wirklich so an, als überlagern sich zwei Tonspuren zwei komplett unterschiedlicher Tracks.

Ouh, die Aliens können sich selbst heilen und trauern (don’t put human behavior on an alien race, just don’t): denn die Kids haben seinen Hund umgebracht! Niemand bringt Hunde so einfach um! Niemand! John Wick Alien will come for you! Und Europa sowie Asien sind zerstört; warum nimmt er den Zettel nicht mit?

Soldaten finden sie, das kluge Kind gibt ihnen den Schlüssel, die Welt ist gerettet!

Naja, nicht so ganz; also geht die Reise weiter.

Kurz vor dem Ende

(Spoiler)

Als sie dann kurz vor dem Ziel sind, sehen sie, dass das Gebäude (natürlich, what else) zerstört ist. Und auch der gesuchte Doktor weilt nicht mehr unter den Lebenden. Tjo, Bye bye Earth.

Aber so leicht lassen sich die Kids nicht abschütteln – mit 13 sind sie durchaus alt genug, und niemand muss ihnen sagen, was sie tun oder lassen können; we’re not kids anymore! You go, boy! Sie sollen den stärksten schicken! Die kleine Asiatin machts, aber sie ist nur ein kleines Mädel? Exactly! Fight like a Girl!

Das Secret-Dings Da ist die beste Waffe, die die Staaten haben, gedacht für russische Raketen (Haha!) und somit soll das Mutterschiff abgeschossen werden. Simple as that. Es ist auch nett, wie sie alle ihre Schwächen überwinden müssen, um ans Ziel zu gelangen; und alle haben sie so traumatische Hintergrundgeschichten, die sie immer wieder einholen.

Jedenfalls: Der Film ist durchaus sehenswert und unterhaltsam. Schaut ihn euch an.

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Eltern und deren Kinder im Jahre 2019

Auf Elterntwitter gibt es immer wieder die Diskussion bezüglich begrenzter Tablet-Zeit und welche Serien Kinder anschauen dürfen und dass die Inhalte hinter her mit den Kindern diskutiert werden. Und dann hört man diese schauerlichen Geschichten, dass 2. und 3. Klässler nicht Harry Potter sehen dürfen, weil es zu brutal ist.

Und ich denke mir regelmäßig: wtf.

Gefolgt von: Wie zum Teufel kommt Elterntwitter in meine Timeline?

Dann gibt es Haufenweise Kritik, die Kinder nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren zu lassen, weil es viel zu gefährlich ist. Es besteht ja sowieso Helmpflicht. Ich musste sogar alleine zum Kindergarten gehen! Meine Güte, wenn das so weiter geht, haben wir 2040 lauter fragile Psychopathen. Studiert Psychologie! Ich wittere gutes Geschäft! 70% der Einnahmen gehen an mich.

Seriously, what the actual fuck?

1. Wärs mir als Kind viel zu peinlich gewesen alles Geschaute mit meiner Mutter zu besprechen. Ja, ich war traumatisiert vom roten Stier und wollte einen gelben Stier. Ich bekam dann einen gelben Plüsch-Elefanten; der hatte die gleiche Wirkung: keine Albträume mehr. Man muss nicht alles Xmal besprechen und analysieren. Lasst eure Kinder in Ruhe!

2. Was hätte ich bitte bei der Sterbeszene von Artax viel besprechen sollen? Dass Die unendliche Geschichte ein Kinderfilm sein soll, finde ich immer noch sehr verstörend. Ich meine da stirbt ein Pferd in den Sümpfen der Traurigkeit! Da hilft Besprechen auch nix mehr. Da stirbt ein fucking Pferd! Ich meine, wtf? Ja, der Tod gehört zum Leben dazu, bla bla bla – aber nicht, wenn man 6 ist! Und nicht, wenn es ein Pferd ist!

3. Wenn sich Terence Hill und Bud Spencer verdroschen haben, fand ich das ziemlich cool (Zitat 4-jähriges Me: „Yeah! Schlägerei!“). Genau so, wenn die Bösen vom A-Team taumelig geprügelt wurden.

Zeigt man das heute Kindern noch oder ist das zu brutal?

Natürlich wusste ich, dass man in der Realität sich nicht prügelt. Trotzdem hab ich grapschenden Buben eine runter gehauen. Ich meine, dafuck Dude?

3a. Zugegeben, einmal hab ich bei Nachbarskindern das Zusammenhauen der Köpfe ausprobiert. Sie waren nicht sehr erfreut. Ich fands lustig und musste dann Betroffenheit vortäuschen. Es war mir wirklich egal; ich glaube sogar, ich belächelte deren Wehleidigkeit.

4. Irgendwann liefen zur Mittagszeit auch Serien mit Schießereien und Drogen und so aber das kapiert man mit 6 ja nicht. Oder Akte X. Oder Gremlins. Das dort der Reihe nach Leute sterben, ist mir erst viel später aufgefallen. Als Kind sind die halt plötzlich weg. Who cares?

5. Ich frage mich also, was das für (ausgewählte(!), denn das wird oft dazu gesagt; ich fürchte, die Elternbubble ist eine der Schlimmsten) Inhalte sind, die Kinder heute (unter strengster Beobachtung) konsumieren (dürfen) und bei welchen die Eltern dann das Bedürfnis verspüren, mit dem Kind drüber reden zu müssen. Was sind das für Serien? Und viel wichtiger: Was sind das für Eltern?

6. Ich würde mir ja eher Sorgen machen, dass das Kind in der Schule mit Porn in Kontakt kommt, weil Kevin, der Mann von Chantalle, es nicht als notwendig erachtet einen Filter zu setzen und Cristofer-West-Berlin-Snow Deep Throat und Anal Bleaching herum zeigt – was, wie man weiß, Kinder und junge Teens durchaus negativ beeinflusst, creepy Vorstellungen und Erwartungen erzeugt. Nochmal, mit Porn meine ich jenen, der 98% im Internet kursiert, welche Sexualität lediglich als sexistisches Verhalten propagieren und darstellen und die Frau zum gierigen, allzeitig zur Verfügung stehenden Fickstück werden lassen. Da is nix mit, die Frau darf auch mal. Aber gut, diesbezüglich fände ich hier das Gespräch durchaus angebracht. Aber erneut: Welches Kind/welcher Teen redet mit seinen Eltern über seine Sexualität?

7. Sowas finde ich eher bzw. höchst bedenklich, und nicht ob K1 (Kind Eins) jetzt 5 Stunden vor dem Tablet verbringt oder K3 (Kind Drei) eine, von Elterntwitter „mit zweifelhaften Inhalten“ bewertete Serie schaut. Wie Harry Potter zum Beispiel. Was sind das für Leute, die Harry Potter als zweifelhaft einstufen? Stuft Die unendliche Geschichte als zweifelhaft ein! Oder Das letzte Einhorn, aber Harry Potter? What the fuck is wrong with you people!?

8. Und im übrigen belasteten mich als Kind die dünnen, hungernden Kinder in Afrika eher, als irgendwelche Geschehnisse in Filmen. Ausser wenn Tiere dabei waren. Aber das belastet mich auch heute noch und ich schaue mir solche Inhalte, wo Tiere sterben könnten oder gequält werden, nicht an, sei es fiktional und schon gar nicht real.

Anyway, darüber redete ich von mir aus mit meiner Mutter, und ich erinnere mich noch gut an das Gespräch.

9. Ich war ca. 6 und zweifelte die Existenz Gottes an, denn der „liebe Gott“ würde sowas nicht zulassen. Warum sollte er? Er war ja lieb. Ergo konnte es keinen Gott geben. Macht Sinn, oder?

10. Was lernen wir daraus? Die unendliche Geschichte ist kein Kinderfilm, Gott gibt es nicht und die Elternbubble ist die schlimmste von allen. Aber der Kater schläft.

Ich frage mich was schlimmer ist: Heute ein Elternteil sein zu müssen und dieser ganzen toxischen „Wir wissen es besser“-Bubble ausgesetzt sein, oder das Kind dieser Eltern, welches vermutlich kaum mehr irgendwelche Freiheiten hat.

Apropos Kater: Ich bin übrigens die letzte, die sich über Helikopter-Eltern beschweren darf, denn sobald mein Kater auch nur ein Kratzerchen am Öhrchen hat, würde ich am liebsten zum Tierarzt rennen und ihn ganz fest halten! Ja, ich bin eine Helikopter-Katzenmutter. So what? Es ist mein Kater! Mein Bebi!

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Über Reitbeteiligungen

Der Traum vom eigenen Pferd lässt sich aufgrund mannigfaltiger Gründe nicht verwirklichen? Eine Reitbeteiligung kann der Sehnsucht nach einem Pferd, dem reiten und samtigen Nüstern Abhilfe verschaffen.

Es folgt ein Eintrag aus Sicht einer Reitbeteiligung. Vielleicht wird dies nicht der einzige bleiben. Wir werden sehen.

Die Vorteile

Als Reitbeteiligung (kurz RB) hat man viele Vorteile: Man zahlt einen gewissen, fixen Betrag und kann, je nach Belieben, zu fix vereinbarten Zeiten ein Pferd reiten, streicheln, spazieren gehen, dazu lernen, Reitstunden nehmen und sich weiter bilden. Kurz: Zeit mit einem Pferd verbringen, ohne für die gesamten Kosten aufkommen zu müssen; und ohne viel Verantwortung.

Im Normalfall sind das 2-3 Tage wöchentlich für ca. (je nach Ausbildungsgrad des Pferdes und Kosten des Stalles) 60-160€. Manchmal wird auch nur Mithilfe im Stall gefordert. Dann kommt ca. eine halbe Stunde misten und bei der Fütterung helfen dazu. Manche verlangen auch nur den Schmied, was alle 6-8 Wochen oder auch weniger 80€ aus machen kann. Oder was auch immer gebraucht wird. Es gibt aber auch Angebote für 2x die Woche und 200€, was meistens auf Turnierpferden mit fixen Zeiten und Aufgaben angeboten wird, wo aber auch die Möglichkeit besteht, an Turnieren teilzunehmen.

Abzuwägen ist, ob eine RB nicht nur zur Mitfinanzierung des Stalles gebraucht wird (was auch öfters der Fall ist wenn bspw. für 2x die Woche und 160€ auf einem mäßig ausgebildeten Pferd inkl. 2. RB gesucht wird) oder tatsächlich deswegen, weil der Besitzer nicht ausreichend Zeit hat, aber sein Pferd bewegt haben möchte.

Jedenfalls; man kann ein Pferd relativ kostengünstig reiten, ohne die volle Verantwortung zu tragen oder sich weitere Gedanken machen zu müssen, wie Tierarzt, Schmied, Entwurmen, richtige Fütterung, Gesundheit, Sattel, Zaumzeug, und so weiter. In der Regel kümmert sich der Besitzer darum. Und wenn nicht, dann muss es einem egal sein.

Die Nachteile

Aber es gibt auch Nachteile: Nachteile, eigentlich unter „, aber – es sind (oder können), für die RB, gefühlt, Nachteile sein: Das Pferd gehört einem nicht; und der Besitzer kann tun und lassen was er möchte, und wie er möchte. Ob man damit einverstanden ist oder nicht, man muss sich damit abfinden. Man hat sich an die Regeln des Besitzers zu halten, auch wenn dieser sie alle drei Monate ändert.

Steht das Pferd nur in der Box und wird nur zum reiten raus geholt, hat das die RB nicht zu kümmern. Kommt der TA nicht regelmäßig oder der Schmied nur alle 6 Monate (üblich sind alle 6 Wochen bis 3 Monate), dann hat die RB auch das zu akzeptieren. Wird das Pferd mit unpassender Ausrüstung geritten? Finde dich damit ab, geh, oder kauf eigene Sachen. Und wenn der Besitzer verbietet, dass kein Mesh (eine Futtermischung, die mittlerweile in vielen Ställen nach dem reiten üblich ist, mit beispielsweise rote Beete, Leinsamen und was auch immer für das jeweilige Pferd gut ist) gegeben wird, dann ist das so. Als RB hat man nichts zu melden. Man zahlt ja auch nur einen Minibetrag in einem gesamten Kostengefüge.

Oft auch, und verständlicherweise, wird auch gefordert, dass man so reitet, wie der Besitzer es für richtig hält. Das ist per se kein „Nachteil“, kann sich aber nachteilig anfühlen, wenn man mit der Reitweise nicht vertraut ist, oder die Art und Weise, den Ansatz, die Schule oder was auch immer, nicht vertretbar findet:

Jemand der mit positiver Verstärkung arbeitet, wird keinen Gefallen an Parelli finden. Westernreiter können selten was mit der englischen Reitweise anfangen und umgekehrt, und ich, als „Bareback-Reiter“ (ohne Sattel-Reiter, bestenfalls auch Gebisslos), kann einer eingeschnürten Reitweise nichts abgewinnen. Sicherlich, für manche Pferde braucht man das eine oder andere Tool, schon alleine der eigenen Sicherheit wegen (ich reite auch nicht jedes x beliebige Pferd ohne Sattel) oder bezüglich gesunder Gymnastizierung; aber dazu ein ander Mal.

Und jene, die mit Pferden zu tun haben, Besitzer und Kundige, Interessierte und Vergraulte, kennen diese ganz, ganz unterschiedlichen und teilweise kuriosen Ansichten, die sich bei jedem nach einer Zeit einschleichen, über die in Stallgassen gelästert, und als merkwürdig empfunden werden (oder falsch); und einen gemeinsamen Nenner zu finden, gestaltet sich tatsächlich oft schwierig. Und in der Reiterei gibt es so viele verschiedene Meinungen! Jeder Reiter kennt das.

Vorsicht!

Als Reitbeteiligung genießt man in vielen Ställen kein gutes Ansehen.

Die RB ist zu arm für ein eigenes Pferd und kann auch nicht viel; denn wenn sie was könnte, dann würde man ja sie bezahlen, nicht? Oder sie hätte Gratis ein Pferd zur Verfügung. RBs erfahren oft auch nur das notwendigste, oder gar nichts. Ist ja nicht ihr Pferd. Warum sollte man denen was sagen, die zahlen, damit sie reiten dürfen, is doch eh schon toll, nicht? Wozu müssen sie in alles andere eingebunden werden; hat sie nicht zu interessieren. Sie sind da, um zu reiten, aber bitte nicht mehr und bitte so, wie der Besitzer das will, und nicht anders, und wenn der Besitzer das Pferd kurzfristig braucht, ja, Pech gehabt.

Das ist natürlich der Worst Case. Es kann aber durchaus möglich sein, dass man als RB lediglich Mittel zum Zweck ist, ein gewisses, sicheres Einkommen darzustellen und 6x oder auch nur 1x die Woche ein Pferd bewegt.

Zusammenfassend

Eine gute Reitbeteiligung ist schwierig zu finden: Angenehm sind, gewisse Regeln die von Anfang an bestehen; es gibt fixe Tage, und die Möglichkeit Unterricht zu nehmen, auch andere Reitweisen kennen zu lernen; man genießt das Vertrauen der Besitzer und arbeitet zusammen. Heute das, morgen das, und wenn es ginge, am Freitag dies und jenes bitte, wenn nicht auch nicht so schlimm. Man kann sich auch absprechen und pflegt einen guten und kollegialen Umgang miteinander und wertet niemanden von vornherein ab.

Wie überall dort, wo gewisse Vereinbarungen getroffen werden, ist es wichtig, dass Besitzer und Reitbeteiligung sich auf gleicher Augenhöhe befinden und vielleicht auch, dass die Ansichten nicht komplett auseinander gehen.

Eine Reitbeteiligung wird, im Idealfall, gesucht, weil der Besitzer nicht so oft Zeit hat sein Pferd 5x die Woche zu bewegen und sich deswegen mit jemanden zusammen tut, der seinen Vorstellungen entspricht, oder eben jemanden, der sich um das Tier kümmert, wenns Freizeit-mäßig geritten wird. Viele Besitzer sind durchaus liberal und lassen gewisse Freiheiten. Du magst meinem Pferd ein blaues Halfter kaufen, ja bitte, wenns dich freut, dann mach. Und ja, RBs kaufen Sachen für das Tier, das ihnen nicht gehört. Das ist normal.

Ich bin mir sicher es gibt ausreichend Beschwerde-Beiträge von Besitzern über unzuverlässige, schlampige und schreckliche RBs, und die gibt es sicherlich, aber ich gehe jetzt, als RB, davon aus, dass sich die meisten anständig verhalten und auch zuverlässig sind.

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