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RL & Internet: are we all mad here?

Im Real Life bekommt man viel weniger von schlechten Nachrichten, Trauerbekundungen und Wutmeldungen mit. Da wirkt es fast so, als existiere das alles nicht. Real Life, das neue Internet? Ein Zufluchtsort für jene, denen die (Internet) Realität (im Internet) zuviel wird!

So verbrachte (und verbringe ich hoffentlich auch desweiteren) überwiegend mehrere Stunden und Tage im realen Leben. Mit realen Menschen. Mit physischem Kontakt. Mit Gesprächen und durchaus interessanten Unterhaltungen und Tätigkeiten (wie Eislaufen!). Und dabei vergisst man all die Mühseligkeiten und Erschwernisse, wie sie im Internet zu finden sind; wie Social Media sie dir an den Kopf wirft: „Schau her! So schlecht geht es XY! Tu was! Spende!“ und wo politische Beschlüsse, Meldungen und Worte bis zum umfallen analysiert und den ewig drei gleichen Accounts wiedergekaut werden.

Und wenn die Türkei 300 Werbetweets pro Tag für tollen Badeurlaub (inklusive glücklichen Menschen) schaltet, frägt man sich unweigerlich, in welcher aller skurrilen Parallelwelten man sich eben befindet, oder ob dies wirklich die Realität ist, in welcher wir zu leben haben; und man sich dann die Frage stellt: But why? Und ob man nicht doch etwas komplett irrationales tun könnte, weils eigentlich komplett egal ist. Aber ja, I know. Für die Einzelperson wird immer alles und überall Konsequenzen haben, I know. I know.

Old but ain’t good anymore?

Es gibt nichts neues mehr im Internet: Du hast deine Persönlichkeit (und wechselst binnen Sekunden zur anderen, boring), du kennst all die Katzenbilder und Gifs und Memes (nicht zwangsläufig boring, aber wann hast du wirklich ein gutes Meme gesehen, also ein richtig, richtig gutes und originelles? Fein, Katzenvideos sind immer toll) und du liest die ewig gleichen schlechten News von korrupten Politikern, dem Klimawandel und wie wir uns alle anstrengen müssen („Geh mehr zu Fuß, steh halt früher auf!111!!!“), damit sich noch etwas ändert (tut es nicht), siehst Bilder von sterbenden Koalas und bedauerst, dass, solltest du irgendwann finanziell soweit gekommen sein, um dir einen 3 Wöchigen Australien Urlaub zu leisten, Australien vermutlich komplett verbrannt ist und es dort nichts mehr zu sehen geben wird. Daneben konsumierst du die ewig gleiche Werbung; Serien und Filme ähneln sich und bleiben einander gleich, die letzte Perle ist ewig her!

Ist das Real Life das neue Internet?

Gibt im Real Life doch mehr zu entdecken? Immerhin, kauft man keine Zeitungen und schaut man nicht fern, gibt es keine schlechten Neuigkeiten, außer die, die die Studenten am Tisch nebenan diskutieren. Aber sonst. Nada. Nichts. Klingt das nicht nach Himmel und Frieden?

Im Real Life gibt es Tiere! Man kann beispielsweise morgens Tauben auf Leitungen beobachten wie sie versuchen, auf die im Morgenstress hin und her huschenden Passanten zu scheißen. Aber okay, im Internet gibt es einen Tauben-Simulator, mit dem man das ganze Szenario vermutlich (oder mit ziemlicher Sicherheit) nachspielen kann.

Es gibt auch andere Menschen (denen man via Internet zwar entfliehen möchte), und beziehungsweise aber, wenn man sich nur ein wenig die Zeit nimmt oder auch die Muse, jemand anderen kennen lernen zu wollen, stellt sich heraus, dass diese auch interessant sind; und wann hast du letztes Mal wen online kennen gelernt und dich 6 Stunden straight unterhalten? Eben! Es ist eine Illusion zu glauben, man finde die richtige Person nur im Netz und im Real Life fast nie. Okay, sowas passiert auch nicht im Real Life besonders oft. Aber es passiert. Und auch wenn man glauben möchte, durch dieses Online-Nischenverhalten an exakt die eine Person zu kommen, so lasst es mich sagen: Auch das passiert nicht häufig. Also mir zumindest nicht.

Ich mag übertreiben, aber

Das, was im Internet einst rar war, gibt es in Überfülle. Die Einzigartigkeit gewisser 1’en und 0’en ist vorbei. Hello Capitalism!

Erinnere dich an die Anonymität früherer Chatrooms, eine ICQ-Nummer, nichts weiter. Und heute präsentierst du dein Leben auf Instagram, LinkedIn, Facebook, Twitter, Snapchat und profilierst dich mit richtigem Namen. Dein perfektes Leben (weil es ja echt so ist, ist es!) und Hey, hier bin ich! Seht mich an! Folgt mir! (Btw, ihr könnt mir auch via E-Mail folgen, ihr braucht keinen WordPress-Account…).

Wollte man früher nicht gefunden werden und hatte es vermieden, Spuren zu hinterlassen, legt man es heute darauf an, sich das perfekte Leben zusammen zu schustern (welch antiker Begriff, zu „schustern“) – oder, wenn schon nicht perfekt, dann wird zumindest das inszenierte Fehlen von Perfektion (die ebenfalls Follower abgreifen kann) beworben. Es gibt für alles eine Zielgruppe und Abnehmer. Go for it!

Diese gemütliche Nische, in der man Gleichgesinnte finden konnte, die gibt es fast („fast“, weil ich mir sicher bin, dass irgendwer mir hier widersprechen wird) nicht mehr. In der man anonym sagen konnte: „Ich mag X!“ Und jemand anderer antwortet: „Ich auch!“ In welcher, anders als heute, nur Anonymität gab! Außer man gestaltete sich eine mit Gifs überfüllte, glitzernde Homepage und wies die Leute extra darauf hin.

Dieses heimelige Gefühl eines IRC-Channels, der Tag und Nacht geöffnet war und nicht diese WhatsApp Gruppen, denen du wahllos, ja fast belanglos, hinzugefügt wirst, einfach so, weil grad lustig und sich binnen Stunden niemand mehr daran erinnert, dass da was war. Ja, ihr kennt es noch: Das persönliche und ehrliche Element in eben diesen anonymen Konversationen (oder mit anonymen Accounts), welches dem Vorgaukeln persönlicher (super mega geiler) Erlebnisse mit Klarname und einer öffentlichen Liste mit 567 „Gefällt mir“ Angaben (die abschätzen lassen (und sollen), wie jemand ist und ob sich der Kontakt überhaupt lohnt) konträr gegenüber steht. Das Internet ist durchaus das neue Real Life (ein Dorf! Wir sind bei Facebook befreundet!), sowie das Real Life zum neuen Internet verkommt (Niemand kennt mich mehr! Wer bist du?).

Exakt Schön, dass wir uns verstehen.

Are we mad?

Das Internet ist das neue Real Life und das Real Life das neue Internet.

Sicherlich lässt sich im Real Life nicht einfach eine neue Identität schaffen, aber verweigerst du dich Social Media, hinterlässt es den Eindruck (zumindest für andere), als wärst du jemand komplett anderer, oder zumindest jemand, den man nicht zu glauben kennt, was meist der Fall ist, dank gewisser Angaben (und Profilierung) und dergleichen. Und sicherlich ist das Real Life nicht mit der konstruierten, geschaffenen digitalen Welt zu vergleichen. Hier gibt es lästige Verpflichtungen, die tatsächlich schwerwiegende Konsequenzen haben können. Wobei auch Verstöße im Netz ebenfalls schwerwiegende Konsequenzen haben kann. Der (zumindest in unserer Erinnerung) freie und rechtlose, anarchische Raum der frühen späten 90’er und 00’er Jahre ist schon lange passé. Und natürlich wird mich gleich jemand darauf hinweisen, dass es den nie gegeben hat und wenn, in den späten 80’ern sein Ende fand und diese Person dabei war. Im DOS. Am Commodore. Okay, X-Gen, I get it.

Alles was einst Besonders war, ist Mainstream und trägt oft mehr Bedeutung (da mehr Verbreitung und Sichtbarkeit!), als manche Handlungen im Real Life es je täten oder getan hätten. Schaut euch zum Beispiel Liebesbeziehungen an: Da gibt es auf Social Media einen Eintrag von vor 3 bis 4 oder 6 Jahren und hätte man dies im Real Life wohl nie in Erfahrung gebracht, zermalmt man sich jetzt den Kopf über die Bedeutung dessen. Und dabei war das vor X Jahren! Ich meine, wie wahnsinnig ist das? Und obwohl man sich den rationalen Fakten bewusst ist, wirkt der Umstand viel gewaltiger. Ist so. Ihr habt das alle schon erlebt. Social Media is a bitch. Und weiter, warum postet sie dieses Meme in ihre Story? Will sie mir damit was sagen? Will sie auf etwas hindeuten? Warum? Und wenn das andere sehen?! Und warum liked er gerade diesen Beitrag? Was hat das zu bedeuten? Und warum? Und warum dies? Und warum jenes? Yes, we’ve all been there. Auch du, lieber Leser. Auch du. Und da wir alle um diesen Umstand wissen, macht es das zumindest ein wenig leichter. Und wem es immer noch schwer fällt: Selbstironie hilft. Wirklich.

Oder wann habt ihr das letzte Mal eure Telefonnummer zwecks einem Telefonat und nicht für WhatsApp hergegeben? Ihr seht was ich meine: Diese frankenstein’sche Symbiose zwischen Real Life und Internet ist eigentlich das schlimmste von allem und widerspricht den zwischen den Zeilen zu lesenden Thesen dieses Beitrages!

Sucht der eine Zuflucht im Netz vor der weitreichenden Tragik des Real Lifes, den ewig lästigen Verpflichtungen oder zumindest ein wenig Friede und Ruhe, wird sie ihm erschwert; denn selbst im Internet wird er mit ausreichend Facetten des Real Lifes konfrontiert die dessen Anonymität zu Nichte machen; und seien es nur zielgerichtete Werbeeinschaltungen. Und versucht sich wer komplett aus dem digitalen Wahnsinn auszuklicken, nun, für den schauts noch schlechter aus.

Ich stelle erneut die Frage, leben wir in der skurrilsten aller Welten? Und wenn ja, warum verhalten wir uns dann so? Let’s get mad!

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[#WritingFriday] Week 25

Thx Gina für die Erinnerung zum Writing-Friday; die Erinnerung kam allerdings vorletzten Freitag – und ja. Wirds halt die Woche veröffentlicht, who cares. Ich würde mich gerne öfters aufraffen etwas zu posten, aber mei, was solls.

„Ein Brief an dich

Oh, du lebst noch? Sehr schön. Wie sind die Temperaturen im Altenheim? Sind die Leute nett? Du wohnst doch im Altenheim, oder? Kinder hast du keine und Männer sterben im Schnitt zehn Jahre früher als Frauen. Und nachdem du dich einer 60 Stunden Arbeit immer verweigert hast (wie Vater Staat es in den 20ern angeordnet hat), hat dich also die Altersarmut heimgesucht und du vegetierst halt so dahin. Hast kaum anständig zu essen, aber das haben die anderen auch nicht, gibt eh nix mehr, seit alle Containerschiffe und auch der Flugverkehr abgeschafft wurden; und seit der Boden zu trocken und ausgelaugt ist für die Saat, leben wir alle von Astronautennahrung, aber hey, immerhin steht da: Mit Fruchtzusatz! Und mei, der Klimawandel hat alles ein wenig entrückt, und die Möglichkeiten auswandern, sind aufgrund politischer Intrigen auch nicht besser geworden, also ja, was solls. Ich hoffe zumindest, du hast ein eigenes Zimmer. Immerhin sitzt deine beste Freundin, Madame (8) mit dir im gleichen Altenheim. Sie ist auch arm geworden. Wie du. Das Leben hat euch nach 50 Jahren Funkstille an diesem Ort wieder zusammen geführt. Das ist bitter. Aber immerhin habt ihr euch wieder, ist auch etwas oder?

Aber du hattest ein nettes Leben, oder? Ich hoffe, du hast das beste daraus gemacht, wenn nicht, wäre es sehr dumm von dir gewesen. Bestenfalls schreibst du einen Brief an dein junges Ich und schickst ihn in die Vergangenheit um genau das zu verhindern!

Siehe da, es hat geklappt! Du hast was aus deinem Leben gemacht und dir einen vitalen 70jährigen geschnappt und lebst gemeinsam auf einem Bauernhof mit einem Haufen Katzen, Hunde und Pferden und Schafen. Und natürlich deiner vierspännigen Ziegenbock-Kutsche! Du bist die crazy old lady, die Sonntags mit weißem Gewand und wallendem Haar ausfährt, mit geschnitztem Stab (Luis hat ihn dir zum 3jährigen geschenkt, er hat ihn selbst geschnitzt. Unglücklicherweise hat er sich dabei einen Finger abgeschnitten) auf der Seite, wie eine alte Zauberin durchs Dorf trabt. Auf der Schulter natürlich die Katze, wie es sich gehört.

Ja, diese Zukunft erhoffe ich mir eher für dich, aber seien wir realistisch, es wird erstes Szenario werden. Wenn überhaupt. Wenn die Welt nicht in X Jahren untergehen wird, verbrennen, zerbombt, überschwemmt, ausgetrocknet und die Leute sich gegenseitig für eine Packung Müsli umbringen werden. Aber vielleicht hört die Politik ja auf die Jungen, die jetzt demonstrieren und aufzeigen was Sache ist. Haha! Der war gut. Nein, bleiben wir pessimistisch. Bestenfalls schickst du nochmal einen Brief in die Vergangenheit und bittest dein Ich, auszuwandern, auf den Mars vielleicht? Der soll ja bald besiedelt werden.

Tja dann, genieße dein Leben solange es noch geht!

Grüße von einem jüngeren Ich!“


WEITERE THEMEN:
  • “Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.” Wie geht die Geschichte weiter?
  • Du kannst plötzlich fliegen. Würdest du jemandem davon erzählen? Was tust du mit dieser neuen Fähigkeit?
  • Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.
  • Was bedeutet Freundschaft für dich?
  • Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich.

DIE REGELN:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spaß und versucht voneinander zu lernen

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Der Planet, der bereits Parkplätze hatte

Wir landeten spät nachts mit unseren Raumschiffen auf einem fremden Planeten.

Vor uns lagen Parkplätze auf Pflastersteinen, aber das verwunderte nicht. Wir bauten unser Lager auf. Ein Crew-Mitglied versuchte in das innere der Gebäude zu gelangen, aber die Türen ließen sich nicht öffnen. Meine Freundin und ich verbrachten die Zeit derweil mit Dokumentation der Umgebung. Wir wollten alles festhalten, was wir auf diesem fremden Planeten erlebten, immerhin würden wir ab jetzt unser restliches Leben hier verbringen. Ein wenig später druckten wir die Fotos aus und bemerkten, dass es bewegte Bilder waren – auch von fremden Menschen, die wir nicht kannten. Es erinnerte mich etwas an die Zeitungen aus Harry Potter, nur dass die bewegten Bilder auf den Fotos viel länger in der Dauer und unterschiedlicher waren. Und ich fragte mich, warum wir jetzt Druckerpapier für die Menschen verschwendet hatten, die wir gar nicht kannten und überhaupt, warum waren die da oben?

Wir wollten unseren Fund den anderen zeigen – und da fielen mir die Pflastersteine auf. Wieso gab es hier Pflastersteine? Es lebte also schon wer hier? In einer Garage sahen wir kleine Häuser, und ich dachte mir, warum wir nicht in eines dieser aufstellbaren Gartenhäuser ziehen, anstatt in unseren Zelten zu wohnen. Man könnte sie draußen aufstellen, aber draußen ist es zu gefährlich und hier, in der Garage, wäre es geschützt vor Witterung und Meteoren. Unsere Zelten hielten dem sicherlich besser stand, als diese vorgefertigten Häuser.

Von irgendwo her hörten wir Stimmen. Als ich den Teppich beiseite schob, sah ich darunter Licht. Da wohnte wer! Plötzlich öffneten sich kleine Spalten und wir sahen Menschen. Menschen, die wie Tiere bei Massentierhaltungen in kleinen Käfigen gehalten wurden. Andere Menschen schnitten sich aus dem Fleisch Stücke heraus, aßen diese und schlugen auf deren Köpfe. Sie lachten dabei. Nicht jene, die die Menschen, die in den Käfigen waren aßen, sondern die anderen, die, die gefangen waren. Sie lachten. Offenbar gefiel es ihnen, eingepfercht zu sein und entstellt und aufgegessen zu werden. Bald stellte sich heraus, dass es die herrschende Klasse war, die in den Käfigen lebte und gerne gefoltert wurde. Ja, sie wollten es so!

Wir wollten fliehen, aber man versicherte uns, dass uns nichts passieren würde, solange wir keine Religion mitgebracht hätten oder sie ausübten. Alles war gut. Wir aber blieben skeptisch.


Interpretationen, anyone?

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Wähle weise!

Leute – das wars.

Ich gebe das bloggen auf und werde Hipster-Buch-Autorin beziehungsweise Hipster-Cover-Illustratorin. Und seien wir uns ehrlich: Die Cover sehen aus, als könnten die Bücher tatsächlich schon irgendwo erschienen sein, nicht? Und zwar nicht nur als Selfpublisher, sondern bei einem düsteren Hipster-Ende-der-Welt-Verlag. Nicht?

Das ganze wird eine Quadrologie werden. Unglücklicherweise verschwand der vierte Teil auf mysteriöse Art und Weise, während einer unbekannten und ebenso mysteriösen Krankheit (als Erklärung dafür, dass nichts zusammen passt, im vierten Teil übrigens wird alles aufgelöst): Regel Nummer 1, um in die ewigen Gedanken anderer einzugehen: Kreiere ein Mysterium!

Regel Nummer 2: Sei aktuell. Sei anders. Sei normal. Aber nicht so normal, dass der Normalsterbliche sich an deiner Normalität langweilen möchte, nein, sei anders normal. Sei aber auch nicht so anders, dass niemand was damit anfangen kann. Nein. Sei die Hure der Normalität! Der Name, ein Konglomerat aus Moderne, Hipster und Tradition, perfekt geeignet und eine hervorragende Mischung für ein interessantes Projekt.

Und Regel Nummer 3: Lasse die anderen im Ungewissen, ob du es ernst meinst oder dir lediglich einen Witz erlaubst.

Um das ganze etwas spannender gestalten: Ihr dürft entscheiden, welcher Band zuerst geschrieben werden soll – und welchen es dann für nur 2,22€ auf Amazon (Hipster mögen Kapitalismus) zu erwerben geben wird. Ich weiß gar nicht, ob ich die Cover überhaupt verwenden darf, welche ich mit dieser hervorragenden App Snapseed gemacht habe, vermutlich nicht. Wir werden eine Lösung finden. Anyway..

Wählt weise!

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Der Raubüberfall

Es war dunkel. Die Luke des Flugzeuges öffnete sich und ich hatte mich schon vertikal positioniert, um nicht mit der Bombe gemeinsam raus geworfen zu werden. Sie landete Ziel gerecht auf einem beliebigen Feld.

Kurz darauf stürmten wir das Gebäude. Auf den Tischen lagen Sicherheitsnadeln. Jemand hatte ihnen gesagt, dass wir kommen würden. Die Dame, die mir die Tische und Stühle gezeigt hatte, zeigte sich ahnungslos, doch das Blitzen in ihren Augen stellte sie bloß. Ich versuchte die anderen zu warnen, aber nur einer verstand, was ich meinte. Mal mehr, mal weniger geschickt, entfernten wir die Sicherheitsnadeln, und schmissen sie weg. Manche waren offen und manche kaputt.

Plötzlich fand ich mich in einem Raum wieder, in welchen die Dame mich gebracht hatte. Eine blonde Begleiterin stand neben ihr. Sie wirkte ebenfalls wie eine Verkaufsdame, hatte aber einen Kugelschreiber in ihrem Strumpf stecken.

Ich rief: „Wenn man nicht gerade ein Auftragskiller ist, trägt man keinen Kugelschreiber im Strumpf!“

Da zückte sie den Kugelschreiber und griff mich an. Ich entwendete ihr den Kugelschreiber geschickt und katapultierte sie gegen die Wand, sodass die Vase der Pflanze zerbrach.

„Ich war eh noch vorsichtig!“ sagte ich (und ich war tatsächlich vorsichtig, denn ich hatte sie ganz behutsam gegen die Wand geworfen), und fügte hinzu: „Schau, du hättest es erst gar nicht versuchen sollen. Ich bin da einfach besser als du.“

Wir verließen das Gebäude. Ich war die letzte. Das Flugzeug startete, aber etwas war falsch. Ich rief es meinen Kollegen zu, aber sie hörten mich nicht, sie starrten nur auf ihre Telefone.

„Die Drehzahl ist zu hoch, vielleicht sollte sich das wer anschauen und ich hätte übrigens auch gerne den größeren Teil der Beute, immerhin habe ich mich in Gefahr gebracht“ meinte ich zu einem, der den Sack voller Gold auf seinem Schoß hatte.

Dann legte sich das Flugzeug in die Vertikale und die Luke öffnete sich. Die Bombe flog gezielt auf eine beliebige Stelle.


Manchmal frage ich mich wirklich, was mein Gehirn verarbeitet, dass ich einen derartigen Blödsinn träume.

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But, why?

Zig neue Beiträge angefangen und nichts wird veröffentlicht. Warum? Warum muss man ich alles Zehn-Hundert-Trilliarden Mal durchlesen, bevor ich sage: Jo, passt. Warum?

Woher kommt diese Selbstkritik und dieser Perfektionismus, wobei man doch ganz genau weiß, dass es sinnlos ist. Warum? Es ist Freizeit und trotzdem. Trotzdem macht man sich Mühe, recherchiert und fasst alles in tolle Worte und ist zufrieden und Yay. Aber nein, der glückliche Yay-Moment kommt erst gar nicht zustande, da nach den tollen Worten die „I lass es mal ruhen“-Zeit kommt, die durchaus… Jahre betragen kann. Mein LOST-Review liegt immer noch rum, der lobende Beitrag zu Enderal (der kostenlose Skyrim-Mod) genau so. Sie liegen halt da. Und dann schreibt man was neues. Und was neues. Und noch was neueres. Und irgendwann. Irgendwann sieht man sich gezwungen alles auf einmal zu veröffentlichen. Auch wenns noch so out of date ist. Jop, that’s me. Welcome to my world.

Und wie schaffen es die Leute, überhaupt etwas fertig zu machen? Gibt es dafür einen Namen, wenn man Dinge anfängt und wieder sein lässt? Ich diagnostizierte mir einst selbst ADHS, allerdings meinte ein befreundeter Arzt, dies sei eine Modekrankheit und vermutlich ists was ganz anderes. Und eigentlich habe ich keine Ahnung, weil ich nach der Intensiv-Recherche nicht mehr weiter gesucht habe.

James Gunn, der in Ungnade Gefallene und vermutlich wirklich nicht zurückkehrende GotG-Regisseur, meinte einst: Mach es fertig. Wenn du was anfängst, mach es fertig. Und dann mach was neues. Isaac Asimov gibt gegenteiligen Rat: Wenn man wo feststeckt, beginnt man mit etwas neuem. Asimov schrieb über 500 Kurzgeschichten, Gunn produzierte die wohl besten Marvel Filme überhaupt. Sie haben beide Recht. Recherchiert die Quellen dieses Absatzes bitte selbst.

Übrigens, dem einzigen, dem ich zutraue GotG halbwegs sehenswert umzusetzen ist Taika Waititi (verantwortlich für den letzten Thor). Aber eigentlich bin ich davon überzeugt, dass GotG ohne James Gunn nichts wird. Und nein, es war nicht der Tweets wegen – Disney wusste von den Tweets laaaange bevor rechte Idioten sie wieder ausgegraben haben, weil Gunn (wiederholend und diesmal massiv) Trump kritisierte. That’s it. Wer glaubt, Disney hätte nichts davon gewusst (es gab bereits 2012 einen Vorfall und Gunn entschuldigte sich dafür), und es toll findet, dass nun auch James Gunn im Zuge von #metoo dank seiner Vergangenheit beruflich krepieren soll, dann seis halt so.

Gäbe es die alten IRC-Chatprotokolle noch, wie viele von uns würden heil davon kommen? Keine Rechtfertigung. Und es muss nicht einmal böse Absicht gewesen sein, denn wir wussten es nicht besser. Unwissenheit schützt nicht vor Verurteilung, wissen wir auch. Dank Twitter bemerke ich erst jetzt, was eigentlich alles Rassismus ist. Verdammt viel. Napster war auch mal cool, mittlerweile ist es uncool illegal Musik zu laden. Die Sicht auf Dinge ändert sich. Irgendwann sind auch die Toten-Baby-Witze nicht mehr lustig. Und bei näherer Betrachtung sind sie es auch gar nicht. Anyway.

Dass Vorfälle via #metoo aufgedeckt und sichtbar gemacht werden, war längst überfällig. Denn ich fragte mich schon damals, was aus Asia Argento geworden ist (Girl Crush und so) oder Ashley Judd – warum man sie nie wieder gesehen hat, sie war gut. Jetzt weiß man was passiert ist.

Dass dadurch der Blick auf eigene Privilegien zur Reflexion zwingt und somit die eigene Sicht sich ändert – auch das musste sein. Und das ist gut so. Nur so schaffen wir klare Veränderungen und Verbesserungen. Und ja, viele müssen jetzt halt für die Ausnutzung ihrer Privilegien büßen, aber provokante (und dumme) Tweets damit gleich zu setzen? Und da scheiden sich die Meinungen: Die einen sagen Ja, die anderen Nein. Madame (8) findet es gut, dass er rausgeworfen wurde – ich finde es schade, weil er gut war. Aber ich hätte wohl wie Madame (8) reagiert, hätte ich seine Filme (auch die davor) nicht gemocht. Aber ich mochte sie. Insofern darf ich mir eigentlich keine Aussage zu diesem Thema erlauben. Shit happens.

Back to Topic: Es gibt ein paar Gründe, die das bloggen (und leider auch das Schreiben) aktuell tatsächlich erschweren.

1. Hitze

Es war heiß. Und ich ziehe Hitze immer der Kälte vor. Immer. Auch schwüle Hitze – auch wenn mich schwüle Hitze ins Nichtstun verleitet; ins Dahin vegetieren versinken lässt, und darauf warten, dass ein Gewitter einbricht und der nächste Tag frisch und warm beginnt, mir zu lächelt und sagt: Komm! Wir gehen schwimmen! In die grüne, warme Grütze, für die du eine Saisonskarte gelöst hast! Komm! Schnell! Vielleicht ist auch Barry die Schildkröte, wieder mal da. Eile!

Jede Bewegung hinterlässt fiebrigen Schweiß, man will sich nicht bewegen, man mag nur liegen. Man mag nicht mal was anschauen, weil es ist ja so gutes Wetter und wir müssen das nützen, denn bald ist wieder Winter und es ist kalt und grauslig, und dann verkriecht man sich doch nur in der Wohnung, weils einfach zu hart ist. Vor 10 Jahren, easy. Vor 20, geh komm, nochmal 10 Grad drauf. Aber jetzt? Nein. Jetzt schlägt mich die Hitze nieder, 1:0.

2. Twitter

Jop. Das Prokrastinieren hat seinen Höhepunkt bei Twitter erreicht. Und gelegentlich 9Gag. Und gelegentlich Instagram. Manchmal spiele ich noch „2048“ (thank me later). Und ja, ich habe sogar einen Beitrag zu Twitter anfangen und ihn nicht einmal vervollständigt. Oder doch? Wenn ja, dann schmeiße ich ihn heute noch raus. Ohne wenn und aber. Einmal drüber lesen, vielleicht ein zweites mal in der Vorschau.

Oh Gott. Es ist sogar noch schlimmer, ich habe noch einen zweiten angefangen. What the heck?

3. Viren und Bazillen

Vermutlich aber eher Viren.

Die letzte Woche verbrachte ich tatsächlich nur im Bett. Leidend. Kränkelnd. Krank. Keine Pferde, aber Hamlet dafür (die fotogene Katze, auf die ich aufpassen durfte), mit etwas Fieber. Ca. 38,1 Grad. Ich schrieb Madame (8): „Was wenn ich sterbe?“ Und meinte kurz daraufhin, dass man das vermutlich nicht öffentlich schreiben dürfte (gemeint ist Twitter), weil dann von irgendwo her ein Krebskranker käme und antwortete: „Ja, passiert mir in drei Wochen.“ So wie mir ein twitterliches Faux-Pas passiert ist und ich meinte, als jemand die Frage stellte, ob sie ihre kaputten Organe spenden solle, dass ich es mir gern selbst aussuchen würde, wem ich sie gäbe und sie sicherlich keinen Drogensüchtigen und Alkoholikern gäbe, immerhin ist meine Leber in gutem Zustand. Und sie antwortete: Siehst, ich bin Alkoholikerin. Stille. Unwohlsein. Aber woher hätte ich das wissen sollen? Ich entschuldigte mich für meine Äußerung und hätte sie, wohl getätigt, aber in gemäßigtere Worte gefasst. Und ja, in Österreich ist man automatisch Organspender. Wenn ich also morgen sterbe, könnte es durchaus sein, dass ein Nazi meine Organe bekommt. Ich hoffe, sie begehen dann langsam und qualvoll Suizid. Oder so: Last Christmas, I gave you my heart, but the very next day, your body rejected the transplant and you died.

Gut. Ich sah mir ein, zwei Pferde-Filme an, die dann weniger Pferdefilm waren und eher meh – und entdeckte eine Perle.

Ich fragte mich, warum ich bisher noch nicht darauf gestoßen bin. Oftmals drüber gescrollt, aber nie wirklich beachtet, weil „girl“ und Teenager und so. Und es wirkte auch Trashig. Außerdem.. DC. Aber wirklich, Supergirl ist großartig. Und sie kritisiert die Namensgebung sofort. Warum „girl“, wenn es doch Super“man“ heißt. Sollte sie nicht Super“woman“ heißen? Daraufhin ihre toughe Chefin, gespielt von Ally McBeal: „And what do you think is so bad about ‘girl’? I’m a girl. And your boss. And powerful and rich and hot and smart. So if you perceive Supergirl as anything less than excellent, isn’t the problem you?“ Ja, auch darüber lässt sich streiten und wir wissen auch, warum die Bezeichnung „girl“ für erwachsene Frauen, was Kara definitiv ist, suboptimal ist – trotzdem.

Die Serie ist feministisch (aber nicht mit der Keule, sondern fließend), schlagfertig und Melissa Beniost ist unfassbar sympathisch. Man mag sie sofort. Wie Clara. Ich vermisse Clara.

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#awletters

Für diejenigen, denen Postcrossing zu wenig ist, gibt es jetzt #awletters – auch wenn die Aktion schon vor Monaten ins Leben gerufen wurde. Trotzdem, eine erwähnenswerte Idee.

Was zur Hölle ist Postcrossing?

Kurz gesagt: Ein digitaler und anonymer Postkarten Service. Wer gerne Postkarten erhält und verschickt kann sich dort anmelden und bekommt, je nach Wunsch (am Anfang bis zu 5 oder 6) Adressen. Nein, man kann sich nicht aussuchen wem man schreiben möchte. Dazu gibt es Profile, die etwas von sich erzählen. Zu geschätzt 89% handelt es sich um Hausfrauen oder Studentinnen. Sich Motive wünschen ist zwar ausdrücklich untersagt, trotzdem hält sich keiner daran. Die Leute wollen Katzen, Stadt bei Nacht-Ansichten, Blumen, Berge, Züge, Flugzeuge, schwarz-weiß Fotografien der Heimatstadt und so weiter. Auf die Selbstbeschreibung kann man eingehen wenn man nicht weiß, was man schreiben soll, muss es aber nicht, besitzt man ausreichend Mitteilungsbedürfnis und Phantasie. Jede Karte ist mit einer Nummer versehen, die man bei Erhalt eingibt und somit auf Profil des Absenders verwiesen wird (um sich zu bedanken). Die (wenn) digitalisierte Karte, findet sich dann in einem Album wieder. Kam die Karte beim Empfänger an (sprich, wenn dieser sie registriert hat) wird irgendwer auf der Welt, der eben eine Adresse anfordert, deine bekommen und dir eine Postkarte schicken. Die Karten kommen aus aller Welt: Deutschland, Russland, China, Taiwan, Nordamerika, Italien.

Fun Fact: Die Karten aus China kommen schneller an, als jene aus Russland. Und ja, es ist ein nettes Gefühl, leert man das Postfach und hält 6 verschiedene Postkarten von wildfremden Menschen in der Hand. Allerdings ist das ganze auch etwas Kostspielig: Karten und Briefmarken (die manche wollen) sind nicht ganz so günstig.

#awletters

Das Prinzip bei #awletters ist ähnlich – nur dass es sich hierbei um Briefe handelt, die von zwei (ausgedachten) Charakteren ergo zwei Menschen geschrieben werden, in was für einem Setting auch immer, die sich bewusst dafür entschieden haben und nicht von einem System auserwählt werden.

Wobei es natürlich auch eine Idee wäre Profile anzulegen, mit Angaben in welcher Welt man spielen/schreiben möchte (SF, Fantasy, PostApokalyptisch, Weltall, Trolle, Elfen, Erotik, Kinder, Parodie, usw.), und diese werden dann mit einem Ideenvorschlag zusammen geführt. Gerne auch via Zufallsgenerator. Wie Beispielsweise: „2045. Zombies haben deine Heimatstadt überlaufen. Findet gemeinsam einen Weg aus der Misere und versucht zusammen zu kommen um nach XY zu fliehen.“ Oder „Ihr befindet euch in einer phantastischen Welt und seid Gefangene einer Troll-Horde, die euch zu Tierfutter verarbeiten möchte. Berichtet euch von eurem Elend in Briefen, die auf dem Rücken einer Ratte (sie heißt Betzy) von Zelle zu Zelle getragen werden.“ Okay. Jetzt will ich sowas machen.

Zurück zu #awletters. Es kann romantisch, dystopisch oder historisch sein. Die Charaktere können alles sein: von Massenmördern über Liebende, Detektive und so weiter. Gut, die einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass man sich tatsächlich hinsetzen muss, Stift und Papier zur Hand nimmt, einen Brief schreibt, diesen in ein Kuvert packt, damit zur Post geht und 90 Cent, oder wie viel eine Briefmarke kostet, zahlt.

Zurück zum eigentlichen.

Die Spielregeln kopiere ich direkt vom zugehörigen Blog.

#awletters Spielregeln

  1. Finde einen Spielpartner (z.B. unter deren Artikel, in der AW Community oder auf deren FB Seite unter dem zugehörigen Livestream)
  2. Denkt euch ein Setting aus (historisch, apokalyptisch, romantisch, Piraten, Soldaten, Detektive, getrennte Liebende, etc.)
  3. Schreibt euch Briefe per Hand auf Papier (keine elektronischen oder getippten Briefe) → Kopieren, fotografieren und scannen nicht vergessen!
  4. Habt Spaß!

Ich schrieb immer gern Briefe, nur wenn man so oder so schon via Social Media Kontakt hat, was will man sich großartig in den Briefen erzählen? Madame (8) und ich schickten uns eine Zeitlang parfümierte Briefe (man spaziere in eine Drogerie und „teste“ Parfüms). Tipp: Zuerst das Papier besprühen, trocknen lassen, und dann schreiben. Nicht umgekehrt! Tipp 2: Eine Ladung reicht, 15 sind zu viel). Einst schickte ich einen versiegelten Brief ab, mit Stempel-Siegel und so. Der Postmensch war nicht sonderlich davon begeistert und meinte, was der Blödsinn soll und ich mir das sparen sollen. Spielverderber..

Ich glaube zu wissen oder nehme zumindest an, dass sich ein oder zwei Schreib-interessierte Menschen unter meinen Lesern befinden. Dystopisches Setting, wer will?

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[#WritingFriday] Week 15

Woche 15 ist schon lange vorbei, am Freitag dem 13. im April wäre sie gewesen – ich werde es wohl nie auf die Liste schaffen, aber sei’s drum. Immerhin schaffe ich es, dem Zufall sei Dank, zumindest an einem Freitag wieder mal zu veröffentlichen.

Die verbleibenden Themen für den April sind:

Es wird nicht einfacher.

Und mich überkommt die Lust, alles unter einer speziellen Kategorie zu schreiben und die Themen in eine Art unabhängiger Geschichtenkomplex zusammen laufen zu lassen: einer alternativen Realität, in der seltsame Kreaturen Menschen infizieren, die sogleich dem Wahnsinn verfallen – oder sterben. Also ja, eine Zombie-Geschichte – was, zugegeben, nicht sonderlich originell ist, aber was solls. Immerhin hatten wir im Krankenhaus die drei Verwachsenen. Die Chefärztin musste sich schlussendlich gar nicht mehr entscheiden, da die äußeren beiden angefangen hatten, den in der Mitte aufzufressen. Sie starben alle. Die Infektion zog nach Norden weiter und konnte nach einiger Zeit, durch ein mysteriöses Mittel eingedämmt werden. Denn was gegen Karies hilft, kann auch gegen andere Infektionen behilflich sein.

Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.

„Sehr geehrter Herr Ottomar von Mayenburg,

Ich schreibe diesen Brief lange nach Ihrem Tod, denn die Vereinten Nationen sind Ihnen zu größtem Dank verpflichtet. Durch Ihre Erfindung der Zahnpasta, war es uns möglich die weitere Ausbreitung der Infektion zu lähmen und sie schlussendlich zu besiegen – auch wenn für Millionen die Hilfe zu spät kam.

Wie das, hätten Sie sich vielleicht gefragt. Es trug sich an einem gewöhnlichen Abend im Quarantäne-Quartier A-VII zu. Ein kleines Mädchen wollte ihrem Stoffbären vor dem zu Bett gehen die Zähne putzen und hatte den aufgenähten Mund, auf welchem sich offenbar Keime der Infektion befunden hatten, reichlich mit Zahnpasta eingeschmiert.

Sie selbst hatte das Glück von Natur aus immun zu sein, wie nur ganz wenige andere – weswegen sie ohne Probleme durch den Analysator gehen konnte – dieser übrigens nur eine bestehende Infektion erkennen kann, weswegen TeddyLeddy, so der Name des Bären, ebenfalls keine Reaktion zeigte – und auch die Keime auf Kleidung und Gegenständen nicht erkannt wurden, und es immer wieder zu Ausbrüchen innerhalb der, wie man annahm, sauberen Zonen kam.

Alsbald sie die Zahnpasta auftrug, fing der Stoffbär Feuer und verbrannte. Dieser seltsame Vorfall nötigte die Wissenschaftler dem Phänomen erneut und noch intensiver nachzugehen; Sie müssen wissen, es hatte nach und nach eine Art Apathie eingesetzt, da sich keine eindeutigen Lösungen fanden und die Priester, deren Predigten unsere Sünden (so auch die Wissenschaft) zur Verantwortung zogen, konnten viele renommierte Köpfe für ihre Seite gewinnen, welche daraufhin ihre Forschung einstellten und den Fakt als Gottes Gegebenes Geschenk akzeptierten.

Wie dem auch sei. Das Mädchen, welches sich leichte Verbrennungen zuzog, weinte bitterlich, dass TeddyLeddy gestorben war und wollte keinen Ersatz. Beide wurden aus Marmor gefertigt und triumphieren am Heldenplatz der Vereinten Nationen in London.

Die Mischung aus Bimssteinpulver, Calciumcarbonat, Seife, Glycerin, Kaliumchlorat und Pfefferminz-Aroma war exakt jene, die notwendig war, um die Infektion zu stoppen. Zwar konnten die meisten der Infizierten nicht mehr gerettet werden – aber wir alle, die wir am Leben sind, einarmig oder nicht, mit weniger Gliedmaßen als gedacht oder noch allen dran – sind dankbar für diesen glücklichen Zufall, der mittlerweile auch erklärt, warum sich so viele Menschen auf seltsame Weise selbst entzündet hatten. Niemand hatte Antworten darauf oder Zeit, eine Antwort zu finden.

Ein Flammenmeer, das können Sie sich denken, überflutete die Welt für kurze Zeit, Wälder mussten in Verbindung mit der chemischen Substanz der Zahnpasta niedergebrannt werden, viele Tiere und Menschen verloren ihr Leben im Zuge der „Reinigung“, wie die Priester, die mittlerweile wieder an Ansehen gewonnen hatten, es nannten. Trotzdem, war es eine lange, lange Diskussion – aber das Überleben der menschlichen Rasse und auch der anderen Geschöpfe erforderten Opfer. Mittlerweile kämpfen wir nicht mehr gegen die Infektion, sondern die Rebellion und den Glauben an, die beide übrigens nichts miteinander zu tun haben, die Medien uns drei Parteien aber immer irgendwie in Verbindung bringen wollen. Ich sage es Ihnen, wirre Zeiten sind es.

Wie dem auch sei, verehrter Herr Mayenburg – dank Ihnen hat der Planet Erde eine zweite Chance bekommen – und so auch die Menschheit.

Mit freundlichen Grüßen,

die Vereinten Nationen des Planeten Erde.“

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[#WritingFriday] Week 14

Zwei Wochen hab ichs durchgehalten Beiträge pünktlich zu verfassen und am selben Tag noch online zu stellen. Immerhin etwas. Einmal gab ich auf. Mitmachen werde ich trotzdem weiterhin, aber ohne Zeitdruck. Aktuell sind wir bei Woche 14, am 16.4, Montag.

Die Themen für den April sind:

  • Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.
  • Bei einem großen Familienfest erfährst du, dass deine Großeltern bereits seit vielen Jahren in einer offenen Beziehung leben. Schreib die Szene auf, die sich nach diesem Geständnis ergibt.
  • Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.
  • Eine Frau verwählt sich und landet bei einem fremden Mann. Unerwartet beenden sie das Gespräch aber mit einer Verabredung. Schreibe das Telefonat dazu auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: „Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie…“ beginnt.

Achtung: Kann Teile von Splatter und Gore beinhalten – ja, es geht um Zombies. Achtung, die Meinung und Humor der Protagonisten muss nicht zwangsläufig dem Humor der Verfasserin entsprechen.

Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.

Du wirst es nicht glauben, liebste Freundin, aber die Lage ist schlimmer als erwartet. Sie sind überall. Wir haben keine Möglichkeit mehr das Gebäude zu verlassen. Wir sind eingekesselt. Weißt du noch, wie ich mich gestern gefreut habe, am Puls des Lebens sein zu können und nun tanzt er Tango mit mir! Tango in der Profiliga, mit mir, die selbst beim Gehen über ihre Füße stolpert. Zack, zack. Alles muss geordnet sein, alles nach Plan verlaufen, ein Schritt nach dem anderen. Alles dokumentiert werden. Aber in Blockschrift.

Da war eine Frau, der haben sie die Leber heraus gefressen, einfach so. Ein Stück des Darms hing heraus und sie hat ihn in ihren Händen gehalten, wie ein kleines Kind, und gestreichelt. Sie war wohl vor Schock ganz apathisch und wusste nicht, was passierte. Wenig später ist sie gestorben. Ein älterer Herr wurde danach geliefert, seine Weichteile waren in drei Teile gespalten. Und Drehung! Ein hübscher Arbeitskollege witzelte noch, der Alte könne sich doch nun einer Transgender-Operation unterziehen, viel sei eh nicht mehr zu retten. Ich musste unfreiwillig lachen, wie ein Schulmädchen, aber hatte er doch recht, viel war nicht mehr zu sehen, außer etwas Blut und Hackfleisch. Auch er hat es nicht überlebt. Die Infektion hatte sich bereits im Körper ausgebreitet. Takt halten! Zeitpunkt des Todes, 14.45. Kurz darauf wurde ein Mädchen eingeliefert, die nur mehr einen Arm hatte, und ein Bein. Die Infizierten hatten sie erwischt, wir mussten, eine ganze Menge wegschneiden um ihr Leben zu retten. Aber sie wird es schaffen. Welche Musik wird beim Tango gespielt? Kann man Tango zu Kapellen-Musik tanzten? Teller zittern, Geschirr klappert. Ich habe Instrumente fallen lassen, die Chefärztin war verärgert.

Der Takt ist unnatürlich und macht mir zu schaffen. Vielleicht ist es kein Tango, sondern eine Abart davon, etwas künstlerisches, dass, was sie im Theater tanzen, um aus der Vielzahl an individuellen Produktionen heraus zu stechen. Gerade noch, dass ich Schritt halten kann. Und der nächste Patient wird geliefert, eigentlich sind es drei. Sie wurden im Keller eines Wissenschaftlers gefunden, der an ihnen herum experimentierte, bis er an den Folgen der Infektion gestorben ist. Er hat sie aufgeschnitten und danach eng zusammen geschnürt und ihre Wunden zusammen genäht, anders kann ich es mir nicht erklären. Aber warum? Es ergibt keinen Sinn. Manche verfallen dem Wahnsinn, andere sterben nur. Es ist ein erstaunliches, wenn auch erschreckendes Gebilde. Ich habe sowas noch nie gesehen. Es blutet nicht mehr. Sie sind nur mehr vage infiziert, der Wissenschaftler hatte gute Arbeit geleistet und offenbar spezielle Mittel zur Verfügung. Wir sollten diese Mittel haben. Warum hat er es nicht selbst verwendet? Mein Arbeitskollege meinte, die Polizei habe alles durchsucht, aber nichts gefunden. Die Chefärztin sagte, sie können einen retten. Wer hat ein Recht auf Leben? Der rechts außen, der linke oder der in der Mitte?

Wem ist es vergönnt, weg geschnitten und gerettet zu werden? Ich weiß es nicht, ich muss es auch nicht entscheiden. Ich muss nur dastehen und die Werkzeuge hinhalten. Dokumentieren was gemacht wird und wann wer stirbt. Und zusehen. Gelegentlich vielleicht auch etwas Blut absaugen oder infiziertes Gewebe wegschneiden, und darauf achten, dass es mich nicht berührt. Grauslig, ich sags dir. Verbringe deine letzten Tage wohl in deinem Haus, und verlasse es erst wieder wenn die Seuche weiter gezogen ist. Ich hörte, die Infizierten ziehen nach Norden, weg von hier.

Die drei sehen mich mit qualvollen Augen an. Sie reden die ganze Zeit miteinander, ihre Köpfe sind nah beinander, an Brust und Rücken zusammen gewachsen. Der in der Mitte hat es am schwersten. Ständig reden die anderen auf ihn ein, sie finden er solle sterben, schließlich könnten sie vielleicht beide überleben, wenn sie ihn in der Mitte töten. Eine Niere für dich, eine für mich. Das Herz, da wird sich schon ein zweites finden. Die Chefärztin wird entscheiden müssen was getan wird. Gut, dass ich das nicht muss.

Und was ich eben gefunden habe:

Damit wird künftig etwas gearbeitet werden. Wer weitere Vorschläge hat, bitte gerne – aber via Kontaktformular.

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[#WritingFriday] Week 13

Der letzte Freitag im März. Das letzte Thema. Und natürlich, es beginnt bereits, die Nachlässigkeit. Für die dem Thema zugehörige Woche habe ich aktuell keine adäquate Ausrede parat, aber sei’s drum, who cares. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und dergleichen sollen im realen Leben seine Krallen ausfahren, hier dürfen es Samtpfoten sein, kleine Katzentatzen, die stupsend um etwas Aufmerksamkeit bitten.

Und da ich vom Obdachlosen Abstand halte, wird es wohl etwas persönlicheres, wobei ich dieses Thema doch etwas abändern muss – immerhin sollte ich mir dabei nicht die Haare raufen, wer nun der oder die Auserwählte sein soll, deren Antlitz ich in Worte fasse, bestenfalls mit ganz vielen Adjektiven und Schachtelsätzen.

Ich habe bei solchen Themen, bei welchen etwas Geliebtes zu beschreiben ist oder man generell versuchen soll, gewisse Gefühle zu erzeugen, immer die Befürchtung, dass es leicht in Kitsch und Klischee abdriften kann und man genau so gut, eine beliebige Seite eines Fünf-Groschen Romans abtippen könnte. Sicherlich wäre es eine gute Übung, es nicht in eine Art „50 Shades of Wtf“ verkommen zu lassen, trotzdem ein schwieriges Unterfangen.

Beschreibe Gesicht und Gestik eines Menschen, den du liebst.

Beschreibe Gesicht und Gestik einer beliebigen Kreatur.

Flauschige Nase. Große Augen. Scharfe Krallen.

„5, setzen. Failed.“

Man könnte also gerade darin den Zweck der Übung sehen, Gesicht und Gestik zu beschreiben aber dabei auf Adjektive zu verzichten, denn Adjektive, so wissen wir, sind böse.

Aus den „scharfen Krallen“ werden „Krallen, die Mäuseleiber mit Leichtigkeit zerfetzen“. Aus der „flauschigen Nase“ wird „eine Nase, deren Samtheit an Cashmere erinnert“ – auch wenn ich keine Ahnung habe, wie sich Cashmere anfühlt. Und aus „große Augen“ werden „Augen, aus denen Hohn und Belustigung kriecht“. Oder so. Davon abgesehen, dass „Samtheit“ kein Wort ist, dass es so im sprachlichen Gebrauch gibt, aber hey – es ist das Internet und mein Blog, ich kann und darf soviele Worte zusammen stückeln wie ich will.

Und das bringt mich wieder einmal zur Frage, warum keine Adjektive? Zieht man Google zu Rate, gibt es meistens folgende drei Aussagen und Anmerkungen:

„Adjektive verraten den Narziss im Autor. »Schaut her«, ruft er dem Leser mit jedem dieser Wörtchen zu, »wie wunderschön ich schreiben und beschreiben kann!« Und drängt sich vor seinen Text. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass wir ihn von der hinteren Umschlagklappe seines Buchs selbstgefällig grinsen sehen.“ (Quelle)

Aber:

„Andererseits sind Adjektive genauso ein Bestandteil der Sprache wie Verben und Substantive. Also müssen Adjektive eine bestimmte Funktion haben.“ […] Adjektive sind Wörter, die etwas beschreiben und Eigenschaften zuordnen, also die Frage nach dem Wie beantworten. Allerdings bleiben Adjektive dabei oft recht allgemein, beschreiben etwas also nicht unbedingt konkret. […] Dies liegt daran, dass Adjektive oft nicht so bewusst wahrgenommen werden, weil sie eben nur beschreibende Beiwörter sind, die in einem Atemzug mit dem Hauptwort genannt werden.“ (Quelle)

Oder:

„Zunächst sollten sie gar nicht auf Adjektive achten. […] Erst im zweiten Schritt lohnt es sich, den Gebrauch von Adjektiven kritisch zu hinterfragen. Gibt es ein treffenderes Wort, das im Kopf des Lesers eine genauere Vorstellung hervorruft? Auch ein schlechtes Adjektiv kann sinnvoll sein, wenn beispielsweise der Klang des Satzes davon profitiert. Ein Adjektiv kann an einer Stelle richtig sein und an einer anderen falsch.“ (Quelle)

Gut. Im Prinzip wissen wir das ja alles. Und nein, ich versuche nicht mich durch Abschweifungen vor der eigentlichen (und freiwilligen) Aufgabe zu drücken. Sowas würde ich nie im Leben tun – denn in diesem Falle, gebe ich einfach auf.

Und es ist in Ordnung aufzugeben. Man muss Dinge (sei es Freizeit oder ernstes Leben) nicht mit aller Gewalt durchdrücken.

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