Archiv der Kategorie: Black Mirror

„Black Mirror“, S04E04

Episode 4, „Hang the DJ“, nähert sich dem, was uns immer wieder in Black Mirror begegnet und ein hohes Maß an Suspension of Disbelief abverlangt. Auch diese Episode endet mit einem Twist.

Es beginnt mit zwei Menschen. Sie treffen sich in einem Café. Sie haben ein Date. Das Date hat ein Ablaufdatum. Und als bald die 12 Stunden vorbei sind, kommt der/die nächste. Und so geht es weiter und weiter und weiter bis derjenige folgt, mit dem es offenbar passt. Manche Dates, die interessanten, halten nur wenige Minuten, Stunden und Tage, die langweiligen und mühsamen hingegen Monate. Es gibt selbstfahrende Autos und offenbar leben die Protagonisten in einer Welt, die weder Arbeit noch Freizeit kennt. Es gibt nur eines: Daten.

Aber etwas genauer

Für die jeweilige Dauer der Liebschaft wird ein Haus bezogen. Die Häuser ähneln sich alle und zu Beginn befrägt das Paar das System, was sie in den 12 Stunden tun sollen, denn sie wissen es nicht. Aber gut, die Hände berühren sich dann doch.

Man stellt sich wiederholt die Frage, was für eine Welt es ist. Irgendwann erwähnt einer der Protagonisten, dass es früher sehr kompliziert gewesen sein muss, wenn sich die Menschen ohne System getroffen haben. Offenbar aber muss man sich treffen, damit sich das System später für eine Person entscheiden kann, und es setzt auch voraus, wie viele Beziehungen man haben muss, bevor „the one and only“ vorgeschlagen werden kann. Das System sagt auch, dass alles aus einem Grund heraus passiert, auch der Sex mit jemanden, den man nicht mag.

Wie es so kommt und die Welt klein ist, begegnet sich das erste Paar immer wieder und bemerkt, dass sie eigentlich beisammen sein wollen.

Und irgendwann schlägt das System erneut die ersten beiden Kandidaten einander vor. Sie aber will nicht mehr auf die Uhr schauen, sondern möchte die Zeit lieber aktiv zusammen genießen, ohne zu wissen, wann sie sich trennen müssen. Madame (8) findet den Gedanken nett: Es könnten 10 Minuten oder auch 10 Jahre sein. Und normalerweise hat man es ja auch nicht in der Hand, wie lange eine Beziehung hält, außer ..

Spoiler

.. außer man misstraut, grübelt, denkt, hinterfrägt. Kurz: Mischt unnötig mit. Es kommt natürlich wie es kommen muss und der Protagonist ist neugierig. Und schaut auf die Uhr. 5 Jahre! Recalibration. 3 Jahre. Natürlich, der Vertrauensbruch. Sie hatten ausgemacht, nicht das System zu befragen. Und erneut. 2 Monate. 3 Wochen. 5 Days. 20 Hours. Vielleicht wären es 10, 20 Jahren gewesen, hätte er nicht geschaut. Eine Stunde.

Als er ihr davon erzählt wird sie wütend und geht. Sie hat den nächsten und er niemanden. Doch wir sehen, dass noch weitere ähnliche Erfahrungen gemacht haben und sich den „einen“ wieder zurück wünschen. Und plötzlich: The Ultimate Match. Sie treffen sich morgen. Und verlassen diesen Ort für immer. Das System teilt ihr mit, sie kenne ihn noch nicht. Aber sie darf sich jemanden wünschen, um sich zu verabschieden. Unsere beiden Protagonisten sehen sich, küssen sich.

Sie beginnen das System zu hinterfragen, und haben das Gefühl, dass alles schon x-Mal passiert sei, „Like we met before“. Das ist übrigens eine nette Anspielung auf die Theorie, dass wir alle nur eine Simulation sein sollen, welche die esoterischen „Seelenfreunde“ wissenschaftlich zu erklären versucht.

Fuck the System! Sie brechen aus. Über die Mauer und hin zur Freiheit. Die Security aber will sie nicht vorbei lassen, stellt sich ihnen entgegen. Doch als sie anfangen zu laufen, verharren sie in Stillstand. Nichts passiert. Sie passieren die bewaffneten Wächter und entkommen. Ebenfalls eine nette Metapher: Wenn du verliebt bist, steht die Welt um dich herum still und es existieren nur du und die andere Person.

Sie verlassen das Dating-Dorf, klettern über die Mauer, die Lichter gehen aus. Eine Simulation! Man hatte es schon erahnt. Es war zu erwarten. Sie sehen sich selbst, mit vielen Nummern, die sich der Reihe nach auflösen. Über 1000. 998 rebellions reblogged, 99,9% Match. Das Endergebnis: Eine Real-Life Dating-App führt sie in einer Bar zusammen.

Fazit

Die Folge veranschaulicht eine weitere Möglichkeit, was mit einem kopierten Bewusstsein eines Menschen angestellt werden kann. Sei es, dass sie Zeitversetzt verhört werden können, oder nichtige Aufgaben erledigen. Ob die Charaktere in der Simulation nun aus dem Bewusstsein der eigentlichen Protagonisten übernommen und in das Dating-System verpflanzt wurden, um den perfekten Partner zu finden – oder ob diese sich durch, welche Variante auch immer, sich selbst in diesem System entwickelt haben, bleibt offen.

Interessant, aber ein Lückenfüller. Es gibt bessere Folgen. Aber auch schlechtere. Trotzdem, wenn man das Prinzip von Black Mirror einst erkannte, lässt sich der Twist schnell dekodieren.

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„Black Mirror“, S04E02

„Arkangel“ heißt die zweite Folge der vierten Season und zeigt was passiert, wenn man Helikopter-Eltern Zugang zu gewissen Technologien gibt und veranschaulicht die Konsequenz, möchte man jeden Tritt und jedes Wort des Kindes verfolgen und unter Kontrolle haben.

Alles beginnt wie gewöhnlich: Eine Geburt, ein sauberer Kaiserschnitt, ein Spaziergang im Park, ein bellender Hund, eine verängstigte Mutter. In der Nähe eine süße Katze mit Halsband. Die Mutter unterhält sich, das Kind rennt irgendwo rum – und verschwindet. Der Horror aller Eltern. Nach ein paar Stunden taucht das Kind auf: Sie folgte der Katze.

Und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Arkangel heißt die Firma und das Produkt, welches zwar noch in der „Trial Period“ ist, sei trotzdem „save“ und „fully tested“. Und das beste? Es ist kostenlos!

Ein kleiner Stich ins Gehirn – das Kind bleibt still und die Mutter wird in alle Funktionen eingeweiht. Auf einem Tablet wird angezeigt, wo sich das Kind befindet, was das Kind sieht und wenn es etwas nicht sehen soll, dann lässt sich das verpixeln, sprich ausblenden. Oh, und übrigens der Eisenhaushalt ist niedrig.. Kurz: eine Rundum-Kontrollfunktion.

Das Kind wird älter, der Hund bellt (verpixelt) und als einer der Buben in eine Schlägerei verwickelt wird und blutet, erkennt sie Blut nicht. Er versucht es ihr zu erklären und spielt Gewaltvideos ab, die sie aber ebenso verpixelt sieht. Auch als sie Blut malt, verpixelt es – sie sticht sich mit dem Bleistift in die Hand und auch dort sieht sie alles verschwommen. Sie wird panisch und attackiert die Mutter. Aber auch deren Blut sieht sie nicht.

Die Lösung liegt auf der Hand, denn auch die Mutter weiß, dass sie einen, vielleicht auch zwei Schritte zurücktreten muss.

Das Implantat lässt sich nicht mehr entfernen (wtf?), aber immerhin könne man das Tablet in den Schrank stellen und alle Funktionen deaktivieren. Das Kind darf folgend ohne Überwachung auf die Straße und freundet sich mit dem Buben an. Er zeigt ihr Porn und wie Terroristen Beine absägen oder Köpfe abschlagen.

Und als die Tochter nicht ans Telefon geht, kann es die Mutter nicht lassen und holt das Tablet aus dem Schrank.

Kritik

Natürlich ist es unrealistisch, dass ein Kind bis zum Schulalter nie einen Unfall oder sich Verletzungen zugezogen hatte, aber es geht ja um die Idee dahinter.

Und die Folge spricht natürlich viel mehr an, als wie nur die übertriebene Fürsorge der Mutter. Ebenso wird der leichte Zugang zu Medien kritisiert (Ein Seitenhieb dahin, dass Kindern der Zugang zu Gewalt dank Internet deutlich erleichtert wird und vielleicht ein Argument für die Legitimation kompletter Überwachung?) und auch die Beeinflussung von Teenagern durch Pornographie. Vielleicht bewerten aber auch nur wir gewisse Verhaltensweisen und Vergehen anders, da wir unsere eigenen, jugendlichen Sünden als harmloser empfinden – weil „damals war es anders“? Auch legt die Serie den Gedanken nahe, dass nicht nur der Ausschnitt, sondern das Gesamtbild wichtiger ist, welches aber nie auf einem kleinen Tablet zu sehen ist, entfernter lässt sich dies auf die Medien übertragen.

Doch gerade durch den einfachen Zugang zu gewissen Inhalten, fühlen sich Eltern darin bestätigt, ihr Kind zu überwachen und behütet aufwachsen zu lassen, wie dies eben in ihrer Kindheit der Fall war. Sie wollen dieselbe Sorglosigkeit und vergessen dabei, dass das in der Form nicht mehr möglich ist. Heute lesen sie private Nachrichten der Kinder und/oder sperren gewisse Apps. Natürlich gab es auch früher Eltern, die regelmäßig in den Tagebüchern ihrer Kinder gestöbert hatten und ein Privatleben bis zum Auszug unmöglich gestalteten. Trotzdem, die Intensität scheint dank vielfältiger Möglichkeiten zu zunehmen.

Die Episoden der vierten Season sind weniger extrem wie die ersten zwei und auch „Arkangel“ ist allgemein verträglicher als manche andere. Fast schon banal, der Schauer über dem Rücken bleibt aus, auch wenn das Verhalten der Mutter immer wieder zum Kopfschütteln anregt – worin vielleicht, wenn man so möchte, die Stärke dieser Folge liegt: Nicht die Technik, sondern das Verhalten der Menschen rückt ins Zentrum.

Übrigens, auch diese Folge ist nicht so weit aus der Realität gegriffen. Das Produkt nennt sich Angelsense und lässt das Kind via GPS-Tracker jederzeit orten. Thx Reddit.

PS: Jodie Foster führte bei dieser Folge Regie.

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„Black Mirror“, S04E05

Folge 5 entführt uns gleich zu Beginn in eine schwarz-weiße post-apokalyptische Szenerie. Es gibt keine Einführung, kein langes drum herum. „Metalhead“ ist mehr Kunstfilm als eine Serien-Folge, was sich in der Kürze von 40 Minuten sowie der Kameraführung und des künstlerischen Stils bemerkbar macht. Es ist so, wie eine Kurzgeschichte sein soll: Eine Episode, die sich vielleicht in ein größeres Ganzes fügen ließe aber dennoch für sich alleine steht.

Drei Personen sind auf der Suche nach etwas. Sie besitzen eine Nummer und stürmen ein Lagerhaus, während der dritte versucht via Zahlenkombination ein Auto zu knacken. Als bald sie die Kiste mit der entsprechender Nummer gefunden haben, werden sie angeschossen. Ein kleines Roboter-Tierchen hüpft herab und macht fortan Jagd auf die Menschen.

Und das ist sozusagen der Inhalt der 5. Folge. Das Tierchen ist überaus klug, selbstständig, lädt sich alleine auf und kann sich seiner Umgebung anpassen. Es kann Gegenstände in seine Griffel nehmen und Türen aufmachen. Daneben schießt es Tracker in das Fleisch des gegenüber, sodass es die Menschen finden und vernichten kann.

Allerdings interessierte mich auch die Umgebung und warum die Tierchen Jagd auf Menschen machen, in Lagerhäusern warten/bzw. diese auf Leben und Tod verteidigen und die Menschen sich offenbar irgendwo verstecken müssen – was aber nicht erklärt wird. Zumindest gibt es noch fließend Wasser in den Häusern, was darauf hindeuten kann, dass die Auseinandersetzung erst kürzlich begonnen haben musste. Als Automobile gibt es Elektro-Autos.

Die Überlegenheit der Technik wird demonstrativ und sehr ästhetisch in Szene gesetzt – wenn auch etwas langwierig zu beobachten. 40 Minuten fühlen sich wie fast 1,5 Stunden an. Aber die Idee dahinter ist interessant und regt natürlich zum Nachdenken an: Mensch vs. Maschine. Auch bemerkenswert ist, dass eine über 40jährige Frau die Hauptrolle spielt.

Inspiriert wurden die Macher durch Roboter-Videos von Boston Dynamics. So gesehen ist die Vision dieser Folge wirklich nicht weit von der Realität entfernt, bis vielleicht auf das bedingungslose Auslöschen von Feindobjekten und der Selbstständigkeit. Auch lesenswert: Kommentar bei Vulture.

Offtopic

Wenn ich mir die Roboter-Tierchen (danke Asimov fürs Verniedlichen von Robotern) ansehe, denke ich mir: Man sollte mit vierbeinigen Robotern Wettbewerbe und Turniere veranstalten, die in klassischer Dressur und Westernreiten gecoded und abgehalten werden und physisch in der Lage sein müssen, die gestellten Aufgaben/Figuren zu bewältigen – und die während der Vorführung auch selbst geritten werden. Das wäre doch interessant, nicht? Gewertet werden dann: Technik des Tierchens (also physische Ausübung der Figuren), Sitz des Reiters (auch der Reiter wird bewertet) und wie die Tierchen gesteuert werden (keine Fernsteuerung, das wäre zu einfach) – was dann via Konsole oder irgendwelchen Hebeln und Knöpfen geschähe, oder so. Die Idee ist noch nicht ganz ausgereift – vermutlich, weil die Roboter-Tierchen die Aufgaben sofort bestehen würden, bzw. der Code sich herumsprechen würde, und so weiter – man müsste dann also von einem komplett anderen Ausgangspunkt ausgehen. Wie, XY ist zeitlich begrenzt oder YZ  darf nicht verwendet werden, und so weiter. Aber die Idee fände ich irgendwo nett.

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„Black Mirror“, S04E03

Black Mirror verfügt zwar, nachdem Hollywood endgültig seine Finger im Spiel hat, über mehr Budget und darf internationaler (Schauspieler, Drehorte) sein, und trotzdem fehlt das, was in den ersten Episoden zum Schaudern einlud. Dennoch gibt es eine Neuheit: Die Möglichkeit auf ein Happy-End!

Episode 3, „Crocodile“, ist eine der Schwächsten bis jetzt, trotz WTF-Moment.

Kann man über eine Black Mirror-Folge schreiben, ohne irgendwie zu spoilern? Vermutlich nicht, daher gebe ich eine dezente Spoilerwarnung. Das Ende bleibt verschlossen, aber gewisse Punkte, die nicht im Trailer zu sehen waren, werden angesprochen.

Die Geschichte

Es beginnt mit einer Party, sie fahren betrunken, ein Unfall ereignet sich. Der Radfahrer liegt am Boden, tot. Kein Twist in Sicht. Sie rufen nicht die Polizei, da Gefängnis droht. Der Mann will den Toten in den See werfen, die Frau ist dagegen, aber egal: Sie tun es trotzdem und der Unfall wird vertuscht.

Die Geschichte spielt in Island (und nicht Schottland!), ein gutes Jahrzehnt später. Die Frau ist mittlerweile eine bekannte Architektin, die zwecks einer Präsentation in die Stadt fährt. Es klopft an der Tür des Hotels und ihr Exfreund, der Mann vom Unfall, möchte Klarheit schaffen. Seit zwei Jahren ist er trocken und er will der Frau des Toten, die gewartet hatte, einen Brief schreiben. Die Architektin ist dagegen und tötet den Exliebhaber (Why not? Ich sags ja, Hollywood). Währenddessen fährt draußen ein automatisierter Pizza-Lieferant hin und her. Die Fenster sind offen. Und plötzlich fährt das Gerät einen Mann an.

Wir sehen eine Versicherungsagentin, die von ihrem Mann ein Meerschweinchen bekommt. Sie haben ein Kind, der Mann bleibt daheim und sie arbeitet. Immer wieder fährt sie von Ort zu Ort um Leuten mit einem klobigen Gerät, dass sie Bilder/Erinnerungen der Zeugen auf einem Schirm sehen lässt, zu befragen. Hilfreich, um eine deutlichere Zeugenaussage zu bekommen und ob und wie die Versicherungsleistung in diesem Falle ausfallen wird. Es sind Erinnerungen, emotional nicht so genau wie man es gerne hätte. Sie gibt dem Unfallopfer ein Bier um daran zu riechen. Es soll die Erinnerungen wach rufen soll, denn die Straße hätte danach gestunken. Der junge Mann erinnert sich. Quasi CCTV auf Abruf.

Nach und nach kontaktiert die Versicherungsagentin alle, die sie in den Erinnerungen gesehen hatte, so auch unsere Architektin. Die aber war beschäftigt. 9, 90 kostet der Porno, den sie, während sie die Leiche des Exlovers wegschafft, laufen lässt. Es beginnt.

Und viel weiter möchte ich mit meiner Beschreibung nicht gehen, denn trotz aller Durchschnittlichkeit und einem gewissen Retro-Gefühl (dass mich immer wieder überkommt, wenn ich die ISS sehe) gibt es am Ende eine Überraschung.

Kritik

Eine moderne Detektivgeschichte mit, für BM Standards, älterer Technik und Versicherungen als Anstoß für eine Investigation. Im TV eher selten, im realen Leben häufig anzutreffen. Ein Krimi, quasi. Vielleicht sogar eine Art Horrorepisode, wenn der eine oder andere sich mit Versicherungsbetrug beschäftigt und versucht, daraus Profit zu erzielen.

Trotzdem eine der schwächeren, wenn nicht sogar schwächste Folge, welche die Idee von „The Entire History of you“ weiter ausschlachtet und die Frage in Erinnerung ruft: Was wenn private Gedanken/Erinnerungen/Gesehenes nicht mehr privat sind? Deckt sich übrigens auch mit der (aktuellen) Datenschutz-Diskussion und der selten dummen Aussage: „Aber i hab ja nichts zu verbergen!“

Das Interpretieren gewisser Ideen früher Episoden zieht sich bereits seit der 3. Season durch einzelne Episoden, mal auf die eine oder andere Art, trotzdem verliert BM etwas an Originalität. Was aber nicht der schwächste Teil der Geschichte ist, sondern die Story selbst. Aber seht selbst.

Zur Reddit-Diskussion geht es hier entlang und Forbes berichtet hier.

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„Black Mirror“, S03E05

„Men against fire“ ist der feuchte Traum eines jeden Nazi. Gattaca meet’s Military. Vom Urlaub in „San Junipero“ zurück in die Dystopie. So kennen wir Black Mirror.

Die Zukunft zeigt sich in Black Mirror anhand einfacher Details: Seien es selbst fahrende Autos, Universal-Übersetzer oder eben die Sicht erweiternde Implantate, die immer wieder ein willkommener Aufhänger für das eine oder andere Szenario sind (wie auch in „White Christmas“, und besonders in „The Entire History of You“ (S01E03) und so auch hier). Mit Leichtigkeit kann man zwischen den unterschiedlichen Kameras hin und her zu switchen, was die Überwachung via Drohnen recht einfach gestaltet: es ist möglich Objekte heran zu zoomen und während der Übung am Platz, wird man von einer virtuellen Ausstattung begleitet. Klingt doch gut, oder?

Worum geht es?

Das Setting liegt im dystopen Dänemark, ein erbitterter Krieg zwischen Mensch und „Roaches“ beherrscht die Szenerie, genauer gesagt, zwischen minderwertigen Zombiehaften Wesen deren Blut krank ist und den (mittlerweile) „erweiterten“ Menschen. Es ist Soldat Stripes‘ (Malachi Kirby) erster Einsatz. Er agiert und tötet, wenn auch extrem. Kurz bevor er einer entstellten Kreatur mehrfach in den Hals sticht, blendet ihn diese mit einer Art Taschenlampe (es erinnert etwas an einen Sonic-Screwdriver made by MacGyver). Nach und nach fühlt er sich anders. Die Geschichte beginnt.

Spoiler!

Die Träume der hübschen Frau, die er seit Anbeginn hat, weisen mehr und mehr Störungen auf (quasi „laggen“) und er entdeckt, dass all seine Kameraden dieselben Zuckungen in den Fingern haben. Nach und nach fühlt er sich anders. Er kann Gras riechen. Der Psychiater beschert ihm gute Träume (aus der naiv-romantischen Phantasie wird eine Orgie) – und dieser Akt deutet bereits die Auflösung des Twists an.

Wenn Militär und Technologie zusammen arbeiten kommt selten etwas sinnvolles dabei heraus. In diesem Falle wurde vor 10 Jahren, unmittelbar nach einem Krieg, ein DNA-Screening bei jedem Menschen vorgenommen und seine Daten registriert, so wie schwacher IQ, Veranlagung zu Krebs oder anderen vererbbaren Krankheiten. Die Soldaten sind dazu da, die Menschen „rein“ zu halten und alle anderen auszulöschen. Eine alte und bekannte Idee. Und was eignet sich besser, als dass einem Soldaten ein „tatsächlicher“ Feind vorgesetzt wird? Nach und nach bemerkt Stripes, dass die Roaches eigentlich ganz normale Menschen sind – die nicht registriert werden wollten, und das nichts von dem wahr ist, was ihm erzählt wurde.

Zurück auf der Station indoktriniert ihm der Psychiater, dass es notwendig sei, sie auszulöschen und die Zukunft davon abhänge. Wolle er zurück in eine Welt in der Krebs und Krankheit weiter getragen werden? Stichwort: Gattaca – Zwei Klassengesellschaft. Und aus diesem Grund müssen alle, die nicht dem Standard entsprechen, vernichtet werden. Interessant ist auch die Tatsache, dass Stripes dieses Leben offenbar selbst wollte und eine Erklärung unterschrieb, dass er sich nicht mehr an das Gespräch erinnern werde. Das Video wird ihm kurz daraufhin vorgespielt.

Wenn die Medien von implantierten Chips sprechen, die von Arbeitgebern ihren Arbeitnehmern eingesetzt werden, um beispielsweise Türen zu öffnen oder sich einzuchippen oder damit am Kaffeeautomat bezahlen, muss ich unweigerlich an die negativen Konsequenzen denken, die zwar jetzt, im Säuglingsstadium, noch nicht abschätzbar sind, uns aber durch Science Fiction über Jahrzehnte nahe gebracht wurden und werden. Thank you, but no thank you.

Stripes erinnert sich tatsächlich nicht und er hat zwei Möglichkeiten: Reset, inklusive das aktuelle Gespräch, oder er wird sich bis auf den Rest seines Lebens an die schrecklichen Qualen (er sieht nun deutlich vor Augen, dass es ein Mensch war) in Endlosschleife erinnert werden.

Fazit: Dystopie vom feinsten.

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„Black Mirror“, S03E04

Es ist und bleibt wohl das Markenzeichen von Black Mirror, dass man sich 3/4 der Zeit frägt: Worum geht es eigentlich und was zur Hölle ist jetzt so außergewöhnlich, und wann kommt der Twist? Doch nach und nach erahnt man es und gegen Ende lächelt man. Oder auch nicht. Entweder empfängt man die zu Schau gestellten Technologien der nahen Zukunft mit offenen Armen oder sieht sie als Warnung und bekommt Bauchweh.

Lässt sich über eine Black Mirror-Folge schreiben, ohne dass das Erlebnis gespoilert wird? Jein. Zur Sicherheit: Dezente Spoilerwarnung.

Ein Thema, dass sich durch fast alle Folgen zieht, ist die Idee des Mind Uploadings. Wir wissen, dass dies in der Realität nicht funktionieren kann und anstatt „uns selbst“ hoch zu laden, wird lediglich eine Kopie von uns, beziehungsweise unserem Bewusstsein, erstellt. Es ist irreführend zu glauben, dass „wir“ selbst wo hin transferiert werden. In „San Junipero“ funktioniert es. Man stirbt, und „tritt nach dem Tod über“, nennt es „passing“ und verbringt die Ewigkeit in einer virtuellen Realität. Und wenn man möchte, kann man sich löschen und ist weg. Und zig tausende, Millionen von Menschen nehmen an diesem Projekt teil. Fraglich, ob es sich nicht doch um dieselbe Technologie wie in „White Christmas“ (S02E04) handelt.

Worum geht es?

Die junge, introvertierte Yorkie (Mackenzie Davis) trifft in den 1980ern auf die junge, extrovertierte Kelly (Gugu Mbatha-Raw). Sie verbringen eine gemeinsame Nacht zusammen und Yorkie versucht daraufhin Kelly wieder zu finden. Aber ohne Erfolg. Kelly scheint wohl abgereist zu sein. Man ahnt nichts übles, doch erst als die beiden Darstellerinnen trotz des Zahnwechsels, der an Musik, Mode und Filmpostern ersichtlich ist, nicht altern, beginnt der Prozess einzusetzen. San Junipero wirkt wie ein Ferienort, an dem man Urlaub macht, die hiesigen Clubs besucht und eine gute Zeit hat. Stutzig wird man, als sie in einem abgelegenen Rocker-Swinger-Club auf Wes trifft, der sich zuerst mit Kelly getroffen hatte, der meint, sie solle sie doch in einer anderen Zeit suchen: „Seen her in ’80s, the ’90s, 2002 one time.“ Die Zeit ist sowieso knapp bemessen und um 12 Uhr geht das Licht aus. Für alle.

Wenn aktuelle Filme und Serien öfters von Technikkritik geprägt sind, erlaubt „San Junipero“ das Gegenteil. Die virtuelle Realität erinnert an die OASIS („Ready Player One“), mit dem Unterschied, dass die Lebenden nur einmal in der Woche für fünf Stunden dort sein dürfen. Verständlich, denn die Welt ist soviel besser: Man kann sich nicht verletzen und nicht sterben. Aber man kann sich verlieben, streiten und Schmerzen empfinden, im Jahrzehnt seiner Wahl. Und Kelly will nur Spaß haben, und nichts weiter als das.

Kelly: „Uploaded to the cloud – sounds like heaven.“

In der Realität liegt Yorkie seit 40 Jahren im Bett und wird nur mehr durch lebenserhaltende Maßnahmen vor dem Tod bewahrt. Nachdem ihre Eltern sie aufgrund ihrer Homosexualität verstoßen hatten, hatte sie versucht sich umzubringen. Schlimmer aber noch: Diese verweigern ihr die aktive Sterbehilfe, sodass es ihr verwehrt bleibt, ihr Bewusstsein vollständig nach San Junipero zu schicken, um dort zufrieden leben zu können – nachdem sie in der Realität immer noch alles mitbekommt – aber sich nicht regen oder bewegen kann.

Dieses Story-Element finde ich, neben den technologischen Möglichkeiten, einen Blick wert: Es gäbe die Möglichkeit aus dem Leben zu scheiden – aktive Sterbehilfe scheint in dieser Zukunftsvision kein Problem zu sein – und es gäbe die Möglichkeit des Glücks für diese Personen in eben einer virtuellen Realität. Aber aufgrund ihrer Homosexualität wird der Protagonistin dies (von ihrer eigenen Familie) verweigert. Ein großes Kopfschütteln bleibt zurück, besonders, wenn es sich um die nahe Zukunft handelt. Es lässt sich nur zynisch schließen: Technologien verändern sich, Menschen nicht – Technologien ermöglichen Chancen und Menschen nutzen sie zu böswilligen Zwecken. Same old same.

Yorkie verabredet sich mit Kelly in der eigentlichen Realität und nachdem sie beschlossen hatte einen Krankenpfleger zu heiraten, der sie vom Leiden erlösen sollte, springt Kelly kurzerhand ein. Sie heiraten im Krankenhaus, Yorkie wird aus dem Leben entlassen und sie treffen sich in Hochzeitskleidern in San Junipero wieder. The End. It’s a happy ending!

Fazit: „San Junipero“ ist eine beinahe optimistische Folge und veranschaulicht fast zynisch (ruft man sich alle anderen Folgen in Erinnerung) welch positive Nebeneffekte gewisse Technologien, wenn möglich, mit sich bringen könn(t)en. Nein, es ist die einzige Folge, die tatsächlich angenehm ist und keinen Stein im Magen hinterlässt.

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„Black Mirror“, S03E03

Episode 2 wird separat nachgetragen – aber in dem Falle ist die Reihenfolge irrelevant.

„Shut up and Dance“ wird die Folge betitelt und zeigt uns, was passiert wenn wir von dubiosen Seiten irgendwelche Software herunterladen und via noch dubioseren Seiten versuchen, Malware zu entfernen. Wir brauchen nicht weit in die Zukunft zu sehen, um zu wissen, dass Hacks, deren Konsequenzen und Enthüllungen, alltägliche Realität sind. Sei es, dass sich Kunden bei Ashley Madision nach Leak suizidierten oder Paedophile Hunters das dunkle Web durchforsten.

Worum geht es? Der junge Kenny versucht mit dem ersten Link der Websuche sich seiner Malware zu entledigen und tappt in die Falle. Er masturbiert und wäscht sich danach artig die Hände. You’ve got mail. „WE SAW WHAT YOU DID“ sagt der Text der Email in Großbuchstaben. Er solle die Telefonnummer eintippen und auf weitere Instruktionen warten. Der junge Kenny ist verzweifelt, tut aber was sie sagen, sonst schicken sie das Video an all seine Kontakte. Und man denkt sich: Meine Güte.. Was ist schon so schlimm daran? Unfein, klar, aber mei..

Spoilerwarnung: Hoch.

Die erste Aufgabe besteht darin, zu einem gewissen Ort zu fahren. Dazu hat er 90 Minuten Zeit und schafft es knapp. Ein ebenfalls verwickelter Kollege übergibt ihm ein Paket, macht ein Foto und sagt noch sowas wie: „Tu einfach was sie sagen, am Ende lassen sie dich frei.“ Der kleine Kenny muss das Paket an eine bestimmte Adresse liefern.

Nach hin und her öffnet ein bekanntes Gesicht die Tür, es ist Bronn aus Game of Thrones. Auch er ist in die Sache verwickelt, weil er trotz Ehe, eine Hure aufsuchen wollte (Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm), die ebenso Fake und Falle war. Nun wissen wir auch, was es mit der Dame und den Schlüsseln beim Auto auf sich hat, mit der wir am Anfang noch nichts anzufangen wussten.

Gemeinsam werden sie, nicht ohne Schwierigkeiten, zu einem gewissen Ort gelotst, wo es dann heißt, man solle bitte in den Kuchen greifen. „In den Kuchen“ auf dem ‚I Love You‘ steht. Darinnen befinden sich Waffe, Mütze und eine gelbe Brille. Die beiden haben fünf Minuten Zeit zu entscheiden, wer der Fahrer und wer der Räuber ist. Kenny zieht den kürzeren, pinkelt sich während des Überfalles an, nimmt das bisschen Geld (für das es sich wirklich nicht rentiert hat) und die beiden fahren zum nächst diktierten Ort.

Bronn soll das Auto zerstören und Kenny das Geld abliefern. Im Wald trifft er einen Mann, der eine Drohne mit Kamera dabei hat. Auch er ist darin verwickelt, wegen ähnlichem Thema. Er frägt: „Wie jung waren sie?“ Und Kenny ist sichtlich betroffen. Zu diesem Zeitpunkt glauben wir noch nicht, dass der junge Kenny sich an Kindern aufgegeilt hat. Wir nehmen eher an, dass es ihm enorm peinlich ist. Das Geld ist als Siegerpreis gedacht: „FIGHT TO DEATH“. Wer lebt, gewinnt.

Und während Bronn daheim ankommt, seinen Kindern beim Schlafen zusieht und glücklich und erleichtert ist, dass der Spuk sein Ende hat, schickt ihm, wer auch immer dahinter steckt, ein Trollgesicht „You mad bro?“ – Und seine Frau weiß bereits Bescheid. Auch der Paketzusteller wird entlarvt, so wie die Frau mit dem Auto. Und Kenny, der sich zuerst suizidieren wollte, mit einer Waffe die dann doch nicht geladen war und trotzdem den Sieg davon getragen hatte, der.. bekommt einen Anruf von seiner Mutter, die sowas sagt wie: „Sie sagen, es seien Kinder gewesen!“ Die Polizei leuchtet im Hintergrund.

Sogleich stellt sich die Frage, die natürlich ein fasziniertes Lächeln hinterlassen hatte: Sie hatten ja recht, oder? Aber es war Selbstjustiz, also Unrecht. Aber wie viele derartige Fälle werden aufgedeckt? Trotzdem war es Unrecht, trotzdem sagt man, Aber! Ich bleibe zwiegespalten zurück, und rate nur erneut: Ladet nicht von dubiosen Quellen, klebt die Kamera und den Mikrophone Eingang zu. So wie Zuckerberg selbst, dem Gründer von Facebook und der Nummer 1 Stalkingquelle zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Und weil der Song gegen Ende einfach nett war, hier nochmal zum Nachhören:

Ein Kommentar

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„Black Mirror“, S03E01

Achtung, es folgt ein (etwas polemisches) Kommentar zum Medienwahnsinn, Social Media und ein paar Sätze zur eigentlichen Folge.

Sollte sich Black Mirror nicht mit (nahen) dystopischen Zukunftsvisionen beschäftigen? Sicherlich, wir bewerten heute (noch) nicht alle Menschen mit fünf Sternen aufgrund ihrer (kalklulierten) Freundlichkeit, aus Freundlichkeit um wiederum dank deren Freundlichkeit mit fünf Sternen bewertet zu werden, allerdings sind wir dieser Version doch schon gefährlich nahe – auch wenn die Berichte über Arbeitgeber, die ihre Bewerber im Interwebs und auf Social Media auspionieren an Brisanz verloren haben, nachdem klar wurde, dass Sauforgien nun mal ganz normal und deren digitale Abzüge davon, Alltag geworden sind. Nichts besonderes also mehr. Noch werden Hasspostings und rassistische Äußerungen etwas kritisch beäugt, dies dürfte sich aber vermutlich in den nächsten Jahren auch noch legen. Trotzdem spioniert der Arbeitgeber und zieht gegebenenfalls seine Schlüsse daraus. Und Facebook entwickelte sich ja aus der Idee heraus, potentielle Beziehungspartner auszuspionieren. Insofern..

Und nehmen wir Instagram: Man präsentiert (s)ein tolles Leben, man propagiert vielleicht einen gesunden Lebensstil, postet regelmäßig und siehe da, die Mühe beschert gute 200o oder gar 4000 Follower. Und das gefällt. Dass all diese Follower selbst wieder 3000 anderen Menschen folgen, um verfolgt zu werden, das kümmert nicht. Ein Follower ist ein Follower, ein Like ein Like. Likes sprechen für Popularität und damit lässt sich Geld machen. Also warum nicht?

Auf FB spielt es sich ähnlich ab: Man bekommt Likes für tolle Sachen und Kommentare für diverse Beiträge. Wir wissen auch, dass Kommentare und das Teilen von Beiträgen, je nach dem, mehr wiegen als wie Likes. Das mag zwar ausschlaggebend sein für den intelligenten Algorithmus dahinter, der uns immer mehr auf eine kleine Nische an Beiträgen beschränkt, aber das kümmert uns ja nicht.

Wir sehen die Likes. Man heiratet. Alle liken. Man schließt sein Studium ab. Sie liken. Wir fahren in den Urlaub. Manche liken. Wir wurden verlassen. Irgendwer reagiert mit dem traurigen Smiley, ein anderer kommentiert: „Wtf? Warum postest du sowas?“ Das Fratzenbuch weiß also nicht nur, wann uns etwas gefällt, sondern was wir wann traurig oder toll finden. Facebook und Google wissen alles über uns! Aber egal. Wir posten Fotos, Statusupdates und kommentieren, nicht ausschließlich, aber oftmals nur um geliked zu werden. Je mehr likes, desto toller findet wer unseren Gedankengang oder das was wir tun, desto toller fühlen wir uns selbst. Andere entscheiden somit über unser Wohlbefinden. Und das tolle ist? Ein jeder kommt zum Zug: Der, der nach Aufmerksamkeit giert, der Troll und vor allem der Hassposter – dieser fühlt sich in seiner kleinen Welt bestätigt, und hetzt weiter. Ein jeder profitiert: Die Nutzer, die Anbieter, die Wirtschaft, die Politik, der Kapitalismus. Eigentlich ein tolles System, nicht?

Und es betrifft nicht nur uns, sondern zeigt bereits Auswirkungen auf die gesamte Medienlandschaft: Nicht, dass was „wahr“ ist, wird verbreitet – auch Falschmeldungen, wenn auch nur zur Aufklärung geteilt werden, werden gewichtet und somit weiter geleitet und nach vorne verlagert. Und wer beschließt dann, was wahr und was falsch ist? Wo beginnt Objektivität und wo Zensur? Der Kampf gegen Falschmeldungen läuft jedoch bereits.

Und nicht dass, was wahr ist, wird verbreitet, sondern oftmals dass, was am meisten Likes hat. 10 000 Menschen können nicht irren, oder? Eigentlich ist es erschreckend. Und dies erinnert mich an jene Folge „The Entire History of You“ (S01E03): Denn diese Folge zeigt so deutlich und so erschreckend authentisch und zugleich ironisch auf, was passiert, werfe man solch eine spezielle Technologie in die Bevölkerung. Zur Erinnerung: Alles was getan wird, wird aufgezeichnet. Bei Argumenten sicherlich von Vorteil, aber wir sahen wie es enden kann und(!) würde.

Sicherlich, in „Nosedive“ wird das Bild komplett überzeichnet und die Farben sind ausschließlich in Pastell gehalten. Nettigkeit wird propagiert und man ist freundlich, schließlich hängen der soziale Status, die Wohnsituation und dergleichen davon ab. Der, der über 4,5 von 5 Sternen ist, darf in der hypertollen Residenz wohnen, während Leute mit 1,4 gar nicht erst angeschaut werden. Unsere Protagonistin sinkt von einer 4,2 auf eine 0. Das Ende ist ein freundliches. Eingeblendet werden diese Daten übrigens via Linse. Google Glas lässt grüßen. Sonst ist alles beim alten, Newsfeed, Postings und so weiter und so fort.

Aber um nochmal an vorher anzuknüpfen. Gesteht liebe Blogger und liebe Leser: Es fühlt sich nett an, wenn jemand eure Beiträge liked oder euch sogar abonniert. Ich freue mich über jeden einzelnen Like. Wirklich. Sicherlich, was ist der Unterschied zu einem Lächeln im Bus? Oder einem Kompliment von nahen Bekannten? Wir befinden uns in einer Art Gemeinschaft, und immerhin hängt nicht ein gewisser sozialer Status von den anderen ab oder gar eine Wohnsituation oder was auch immer. Zumindest nicht in der Form, wie „Nosedive“ es uns durchspielt, und dass andere einen ganz schnell mal nach unten bringen können. Oder aber, wir befinden uns in den „falschen“ Kreisen und dümpeln alle bei 2-3 herum, denn die 4er und 5er gäben sich erst gar nicht mit uns ab. Wer weiß?

Was ich damit sagen will: Diese Realität ist nicht so weit weg, wie manche der bisher vorgestellten Alternativen in Black Mirror. Wir sind gesellschaftlich nicht abhängig von Likes und können uns diesem System noch freiwillig entziehen. Wir entscheiden uns jeden Tag dafür, ob wir beim Surren des Telefons sofort nachschauen ob und wer uns geherzelt hat, sei es der eigenen Aufmerksamkeit wegen oder aus ehrlichem Gefallen. Mein Telefon ist auf lautlos, keine Vibration. Ich stelle es mir mühsam vor, wenn plötzlich aus dem Nichts irgendwas aufblinkt.

Fazit: Die Folge mag zwar nicht eine der Besten gewesen sein, aber zumindest wird der Dialog, die Diskussion um Social Media, um den Einfluss und Konsequenzen wieder einmal mehr ins Licht gerückt. Und wir sollten diesen Diskurs noch viel viel öfter führen.

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