Archiv der Kategorie: Game of Thrones

„Game of Thrones“, S08E04

Spoiler.

Ich stolperte letzthin über einen Artikel bezüglich Fan-Service und ob Game of Thrones in seiner letzten Season dem Willen der Fans nachgibt. Ja. Taten sie, was eine Horde von jammernden Fans nach sich zog.

Bis jetzt.

Jetzt kehrt die Serie dort hin zurück, wo sie begonnen hat: Die Schlacht um den Thron, den Krieg um die sieben Königreiche, Intrigen und familiäre Verstrickungen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Auch Fans der „alten“ Serie, bevor Hollywood seine Klauen im Spiel hatte, kommen wieder auf ihre Kosten. Naja fast, sie jammern immer noch.

Death Count: 2 (und ein paar Soldaten).

Die Episode begann mit einem gebührenden Abschied aller Gefallenen, die von ihren Heeresführern verbrannt werden. Es rührte zu Tränen. Ja, ich hatte feuchte Augen. Es folgt ein Fest, denn der Sieg muss gefeiert werden, die Meute motiviert bleiben – denn eine weitere Schlacht ist zu gewinnen – und markiert jeden Punkt, den Feste nun mal so an sich haben: Die biestigen Blicke der (quasi rivalisierenden (in diesem Falle politisch)) Frauen, da Frau die alleine dasitzt, trunkene Männer, die nur „ein wenig“ betrunken sind, Trinkspiele, Herzensangelegenheiten, jammernde Männer und Sex.

Verstrickungen und Verwirrungen

Hatte Daenerys Gendry Baratheon zum Lord of Storm’s End ernannt (taktisch klug), möchte dieser Arya zu seiner Frau nehmen: er sie liebe und möchte sein gesamtes Leben mit ihr verbringen! Aber Arya muss ihn enttäuschen: „I am no lady“; sie reitet mit dem Hound Richtung Abrechnung (Hello Cleganbowl! Hello Cersei!).

War die Affäre zwar nicht aus dem Nichts gegriffen und hatte ein Fundament (also nicht nur Fan-Service, aber auch), wie im letzten Beitrag geschrieben, spielen gewisse Differenzen und Lebensansichten doch eine große Rolle. Aber das muss ja nicht bedeuten, dass Arya Gendry nicht eines Nächtens besuchen kann.

“You’ll be a wonderful lord. And any lady would be lucky to have you. But I’m not a lady. I never have been. That’s not me.” – Arya Stark

Wenn wir gerade von Nacht sprechen: Dem Willen der Fans Tormund mit Brienne zu paaren, wurde nicht nachgegeben und so zog man es vor, dessen Herz für eine Nacht zu brechen, nur um ihn danach in den Norden zurück kehren zu lassen. Der Süden (also der Norden) sei kein Ort für ihn und Ghost geht mit. Jon verzichtet darauf, ihn (Ghost) ein letztes Mal zu streicheln, dafuck Jon? Du hast den Thron nicht verdient! Tormund ist sowieso das bessere Herrchen.

Brienne sollte es nicht besser ergehen: nach einigen Nächten mit Jaime (ja woll), reitet er im Morgengrauen Richtung Cersei: Er bekennt sich zu seiner Schlechtigkeit und alles was er je an Schlechtes getan habe, habe er für Cersei getan und nun, da Cersei im Begriff ist getötet zu werden (wie Bronn (oh, hey Bronn!) anmerkte, der Riverrun durch High Garden tauscht (bye Bronn!)), will er sie retten – oder selbst töten.

Cersei, die schwanger ist. Tatsächlich. Vermutlich von Jaime, was noch zum Disput mit Euron führen wird; Euron welcher Rhaegal tötet, und zwar zu Beginn und so vollkommen aus dem Nichts. Ja, ein Drache starb. Aber, es war leider abzusehen und überraschte mich nicht sonderlich, auch wenn mein Herz in Tausend Stücke zerbrochen ist. Eurons Stärke musste noch einmal demonstriert werden. Ja, er ist mächtig. Nur der Night King und Euron waren bisher in der Lage einen Drachen zu töten.

Was mich zu folgender Überlegung führte: Viserion war gegen Ende ein Untoter und hatte Daenerys, wie ihr Bruder Viserys quasi verraten. Rhaegal starb im Wasser, so wie Rhaegar von Robert Baratheon im Fluss ermordert wurde. Und Khal Drogo wurde von Daenerys erlöst. Bedeutet das, dass Daenerys ihr letztes Kind töten beziehungsweise erlösen muss?

Kurze Frage: Warum wird Drogon so nah geparkt? Euron hätte ein leichtes, ihn einfach abzuschießen. Und warum hat er das nicht getan? Er ist kein edler Ritter. Und warum hatte niemand Daenerys von den fetten Waffen erzählt? Und überhaupt, warum spricht sie den Mord ihres Vaters bei Jaimes Verhör an, aber nicht die Tatsache, dass er sie fast getötet hätte? Warum sagt Arya nicht, sie könne Cersei locker töten? Warum wurden keine ordentlichen Späher geschickt? Und warum hatte Dany Eurons Flotte vergessen? Dafuck?!? What the hell is thiz?

Queen Daenerys

Daenerys, die nicht aufgibt und das Leben Missandei’s opfert (Cersei hatte deren Flotte zerstört, Missandei gefangen genommen und im Tausch für Daenerys‘ Rückzug ihr Leben geboten) und sich für den Angriff vorbereitet. Missandeis letzte Worte waren: „Dracarys“ – was uns an den Anfang von Daenerys Weg als „Breaker of Chains“ erinnert, als sie die Sklavenhändler von Astapor verbrannte. Das Wort bedeutete „Freiheit“ für Missandei und die Unsullied. „Hölle“ für die Tyrannen.

Daenerys hat also alles Recht wütend zu sein und wahnsinnig zu werden – bedenkt man, dass sie aus dem Feuer mit drei Drachen geboren und im Denken befestigt und gestärkt wurde, für den Thron bestimmt zu sein. Dann sterben zwei ihrer Kinder, sie verliert ihre beste Freundin, ihren quasi Vater-Ersatz, die Politik treibt einen Keil in ihre Liebschaft und alles erscheint recht aussichtslos. Ich wäre verdammt wütend und hätte wohl auf der Stelle alles nieder gebrannt. Dracarys!

Ihre Berater sind dazu da, sich um den „State of Mind“ ihrer Herrscher Gedanken zu machen. Varys Priorität war und ist the Realm. Dessen Wohl liegt für ihn an erster Stelle und wenn Daenerys die Menschen von Queens Landing opfert, so weiß er – und teilt ihr mit – dass sie einen gewaltigen Fehler macht (das btw, sagt ihr Sansa davor schon), denn Daenerys, ist durchaus bereit, Menschen zu opfern, um die Tyrannei zu beenden. Varys hatte bereits unter 6 oder 7 Königen gedient, sein Ziel war immer das gleiche: Das Volk.

Aber, Daenerys liebt Jon. Und er liebt sie. Und er verzichtet auf den Thron; dass sie verwandt sind, scheint beide nicht zu stören. Sie zumindest nicht, bei den Targaryens ist es ja keine Seltenheit, er hingegen zweifelt vielleicht doch etwas? Daenerys rät ihm, das Geheimnis nicht seinen Schwestern zu sagen, denn wenn die Leute den Umstand kennen, dann interessiere es das Volk am wenigsten was er möchte, sondern dann müsse er sich dessen Willen beugen – und der Wille und die Loyalität des Nordens gehört Jon, soviel war während des Festes ersichtlich. Auch Varys erwähnt dieses Detail gegenüber Tyrion noch einmal und zeigt, was kommen wird. An dieser Stelle verweise ich nochmal auf Jenny’s Song.

Ist es im Norden üblich seine Tante zu heiraten, im Süden ist es ja einerlei, aber im Norden? Tyrion schlägt vor, sie sollten gemeinsam regieren, das würde den Norden und den Süden endgültig aneinander binden und Frieden sichern. Sansa aber misstraut Daenerys und die Stark-Kids wissen jetzt auch von Aegon Targaryen (Sansa, als Gelehrte von Littlefinger, weiß natürlich, was sie mit dieser Information zu tun hat). Jon aber will den Thron nicht, das betont er oft und häufig, und Daenerys hätte gut getan im Zuge von Gendrys Ernennung zum Lord, auch Sansa als Lady von Winterfell zu küren.

Tyrions Vorschlag klingt plausibel und vernünftig, und warum sollte nicht auch eine Frau regieren können? Varys aber macht ihn drauf aufmerksam, dass wenn es um Thronfolge geht, ein Schwanz durchaus notwendig ist, vielleicht nicht für die Herrschenden, aber für das Volk. Fuck Tradition!? Tormund, du hättest nach Süden gehen sollen.

Auch hat Tyrion ein wenig Angst vor Daenerys, sie scheint doch etwas ihren Verstand zu verlieren (zu recht!). Wird Jon sie retten können? Und werden sie gemeinsam regieren? Oder wird er zum Unwillen des Volkes auf den Thron verzichten, eine kurze Zeit an der Seite seiner Königin verweilen, um dann in den Norden zurück kehren, da ihre Regentschaft von Düsternis und Hass des Volkes durchzogen ist (und Einsamkeit) – und sie beide nicht mehr glücklich sind: Bis das Kind geboren wird.

Ich vermute Jaime wird die Prophezeiung erfüllen und Cersei ermorden, ich vermute auch, dass Daenerys davor erneut ihre Armee verheizen wird, bis Jaime sich in die Räumlichkeiten schleichen und Cersei töten kann. Oder Arya. Die Drachen werden tot sein. Warum greift sie nicht Nachts mit ihren Drachen an? Die Treffsicherheit der Menschen wäre deutlich geringer. Warum macht man solche Fehler?

Links, die mir über den Weg gelaufen sind

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#Not Today

„Fight like a girl“ ist keine Beleidigung mehr.

Selbst, wenn über die Jahrzehnte hinweg Frauen immer wieder mal in coolen Rollen präsentiert wurden (Sarah Conner, Ellen Ripley, Xena, Buffy und viele weitere), blieb der Eindruck, dass immer noch eine Lücke offen ist. Sicherlich gab es Merchandising und Talk und Tratsch und Co, aber irgendwie fehlte etwas. Es waren immer noch Frauen, „Für eine Frau voll cool!“ – Dann kamen Wonder Woman und Captain Marvel, die eine gewaltige Medienpräsenz mit sich brachten, manche Feministinnen zwar immer noch nicht zufrieden stellten aber immerhin little Fanbois verärgerten. Aber, es fehlte noch was.

Und dies trat am 29.4.2019 endgültig in Erscheinung. Und zwar so richtig:

A Girl as a name and her name is Arya Stark.

Gut, vielleicht pushen Medien das Ereignis unnötig in die Höhe (sagen die einen), und Fans hypen es, egal welchem Haus sie zugetan sind (Drecks Fanservice! rufen die anderen); und wenn wer auf Twitter meinte, die einen hatten den Mauerfall, die anderen #NotToday, so muss man sich doch eingestehen: Sie haben recht. Die, die das Ereignis pushen und die, die es hypen. Verdammt nochmal, sie haben recht! Und niemand hatte es kommen sehen – und dabei wäre es eigentlich offensichtlich gewesen. Auch, dass es bereits vor 3 Seasons geplant war, spricht für sich. Alles was bisher passierte, spricht dafür.

Zur Feier der Woche (auch wenn wir wissen, dass es sich um Game of Thrones handelt und der Aufbau Aryas zum raschen Fall führen kann), Aryas Kills über 8 Seasons hinweg:

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„Game of Thrones“, S08E03

The Battle of Winterfell – when winter fell in Winterfell.

Spoiler!

Die Katze weckte mich gegen 6. Zeit für Game of Thrones. Und ich muss sagen: ICH HATTE RECHT! Noch gute 10 Stunden davor, hatte ich ins Blaue hinein geraten, wer den Night King töten wird und tja Leute, ich sags ja nur ungern: Aber ich hatte Recht! Den kreischenden Aufschrei, den verstörten Blick der Katze, die noch neben mir gelegen hatte und meine Freude, kann man sich wohl bildlich vorstellen. Wir brauchen viel, viel mehr Arya Starks in unserer Welt.

What do we say to God of Death? Not today.

The Battle of Winterfell

Und es hagelt Kritiken: „So schlimm war der Night King ja jetzt eigentlich nicht, wenn ein kleines Mädel schafft den zu töten, oder?“ Und für einen Moment sah es aus, als ob Fanliebling Arya Stark ihre letzte Schlacht kämpft, aber hey, what do we say to the God of Death? Not today.

55 Nächte wurden für die Nacht der Nächte geopfert, ohne dass tatsächlich einer der wichtigen Charaktere, sein Leben hatte lassen müssen. Theon starb im heroischen Angriff gegen den Night King – der, wir wissen es, von vornherein aussichtslos war, aber immerhin dürfte Brans: „Everything you did brought you where you are now, where you belong, HOME. You’re a god man“ für einige Lacher gesorgt haben.

Beric Dondarrion hatte seine Aufgabe erfüllt und Arya gerettet (der Grund, warum the Lord of Light ihn so häufig zurück gebracht hatte), derer sich The Hound so liebevoll und väterlich annahm. Allerdings macht ihm Feuer nach wie vor zu schaffen, und als einsieht, dass die Toten nicht zu besiegen sind, weißt Beric ihn daraufhin, dass Arya dass anders sieht (die währenddessen um ihr Leben kämpft) – und das genügt, um das eigene Leben in Gefahr zu bringen und die Angst vor Feuer zu bezwingen. Er stürmt davon und rettet sie – nachdem sie ihm das Leben gerettet hatte. The murderous Tales of Arya and The Hound – HBO, I demand a Spin-Off!

Lynna Stark verabschiedet sich heroisch: die kleinste kämpft gegen den großen Riesen Wun Wun, und sticht ihm ins Auge, bevor er sie endgültig zerquetschen kann. Das Geräusch wie ihre kleinen Rippen brachen war… gruslig. Auch für die Verbliebenen der Night’s Watch war es der letzte Kampf. Dass die Dothraki gerade zu Beginn (sinnlos) verheizt wurden, mochte zwar die Größe des Spektakels aufzeigen (als all die Lichter ausgingen und nur mehr vereinzelt Pferde zurück eilten) – war jedoch taktisch wohl einer der dümmsten Strategien in der gesamten Kriegsgeschichte.

Die rote Hexe wählt den Freitod noch vor Morgengrauen, Ser Davos braucht Shireen nicht zu rächen; Ser Jorah „Friendzoned“ Mormont stirbt, aber nicht bevor er sein Leben für seine Khaleesi geben kann. Jon, der sich durch die Meute kämpft, mit dem Vorhaben den Night King zu töten (er ist viel zu weit weg), kniet hinter der Mauer und schafft es nicht zu Bran. Er ist überfordert und angesichts der Lage wären wir wohl alle überfordert, zu sehen wie das Ende naht und die letzte Chance dahin schwindet. Der zu Boden gebrachte Viserion japst Eisfeuer in alle Richtungen, Jon stellt sich ihm entgegen und schreit ihn an.

Sogar Daenerys, die absteigen muss, damit Drogon sich von all dem Ungeziefer befreien kann, tötet den einen oder anderen mit dem Schwert und just als die Lage aussichtslos und beendet erscheint – und seien wir ehrlich, die Lage war von vornherein aussichtslos – zersplittern sie. Alle. Welch epische Szene. Und die Musik! Wenn etwas noch besser ist, dann ist es die Musik!

Die bescheuerte Idee, Frauen und Kinder in die Krypta zu schließen, spielte sich tatsächlich so, wie man es sich erwartet hatte: Die toten Starks kriechen aus ihren Gräbern und metzeln das eigene Volk. Aber die wichtigen überleben: Tyrion und Sansa, Varys und Gilly. So auch Jaime und Brienne, und sie kämpften Seite an Seite gegen die Untoten. Fan-Service delivered.

Erneut, die Strategie war schwach: Die Drachen hätten gut daran getan, kontinuierlich Untote zu verbrennen, während der Rest auf den Night King hätte warten sollen. Der kam ja sowieso, und aus dem Hinterhalt diesen anzugreifen anstatt sich frontal entgegen zu stellen, wäre wohl sinnvoller gewesen.

Night King: „No one can kill me.“
Arya: „A girl is no one“

Zusammenfassung

Die nächsten drei Folgen werden sich dem Big Bad of Westeros widmen: Cersei Lannister. Und zugegeben, bis jetzt gab es eine Menge Fanservice und Szenen, die man sehen wollte. Ob sich das Blatt wendet, oder ob die Season bittersüß endet, werden wir noch sehen; und ja, es werden nicht alle zufrieden gestellt sein, aber bis jetzt bin ich zufrieden, wie die Season verlaufen ist.

Btw: „The prince/princess who was promised will bring dawn“ – Ich glaube, dass die Theorie, dass Arya Stark auf dem Thron sitzen könnte, langsam Gestalt annimmt. Es könnte sein, oder auch nicht. Wer weiß. Es wäre nett. Ich bin dafür.

Ja, es war eine gute Folge. Eine sehr gute Folge.

A Girl has a Name

Davon abgesehen und rückblickend betrachtet ergibt es auch tatsächlich Sinn – denn Arya verfügt über die idealen Voraussetzungen: Syrio Forel brachte ihr bei, lautlos zu schleichen und eins mit ihrer Waffe zu werden (was sich in der Bibliothek von Nutzen zeigte); the Hound lehrte sie dreckig zu kämpfen (was wir bereits wissen); und in Braavos lernte sie, den Tod zu respektieren: „I know Death. It got many faces.“

Es ist das eine, den Night King zu hassen (und dies brachte weder Jon noch Daenerys weiter); aber das andere, den Tod zu kennen und als einen Teil des Lebens zu behandeln und zu wissen, dass heute nicht der Tag ist – die Fähigkeiten zu besitzen, diesen tatsächlich töten zu können, ohne davor bemerkt zu werden.

Arya Stark,
First of her Name,
Revenger of the Red Wedding,
Slayer of White Walkers,
Killer of the Night King,
Saviour of the seven Kingdoms
and Queen of Westeros.

 

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„Game of Thrones“, S08E01 & S08E02

Spoiler

Enjoy it, while it lasts, cause it will be over soon. 4 Episoden sind übrig, die White Walker marschieren bereits gen Süden, „good“ sagt Cersei. Welcome to Game of Thrones‘ Final Season. Damit möge das wöchentliche Warten und Spekulieren beginnen.

Zwei Folgen, die an Fanservice nichts vermissen lassen – die zusammenbringen, wer zusammen gehört, mit Ausblick auf eventuelle Abschiede und künftige Komplikationen: Daenerys weiß jetzt, dass Jon ein Anrecht auf den Thron hat (und sie verwandt sind, aber das scheint beide weniger zu kümmern); die Frage ist: wird er der Liebe Willen darauf verzichten, wie Jenny’s Song andeutet?

Zwar wurden beide Folgen via „Es passiert ja nix!“ kritisiert, aber oh boy, es passiert soviel! Alles was über Seasons hinweg gesagt werden muss, wird gesagt. Alles was über Seasons hinweg erwartet wird, wird bestätigt! Alle, die sich über die Seasons hinweg getroffen, aus den Augen verloren, sich bekämpft haben und wieder sahen, wird aufgearbeitet. Wie können die Leute bitte sagen, „es passiert ja nix“, nur weil niemand stirbt?

Und ich hätte wirklich nicht gedacht, dass sies tatsächlich durchziehen, but oh boy, they did it. Wie sagte Sophie Turner in einer Insta-Story: „In honor of Easter, I guess Game of Thrones wanted the storyline to have a little Easter bunny hop hop hoppin’ into that pussy. And that’s the tea.“ Und ganz ehrlich, das macht die Sache noch besser!

Spoiler!

Let the feast begin

Der Anfang der ersten Folge der 8. Season erinnert stark an die erste Folge der 1. Season (so wie es ganz, ganz viele andere Parallelen zur ersten Season gibt):

Ein kleiner Bub läuft durch die Menge und sucht einen Platz, von wo er das Geschehen am besten beobachten kann: Die Ankunft von Jon Snow und seiner Targaryen-Queen. Arya lächelt den Buben an. In Season 1 war sie das neugierige Kind, welches die Ankunft von Robert Baratheon und Cersei Lannister beobachtete. Ein übrigens interessanter Zug, Arya die Einreise von Daenerys, Jon, The Hound und Gendry beobachten zu lassen: Es markiert ihren Vorteil und ihre Überlegenheit. Es deutet an, dass sie mehr als nur eine Nebenrolle spielen wird.

Die Parallelen erstrecken sich weiter: über ihren Flirt mit Gendry, sowie die innige Zusammenkunft mit Jon. Aber sie ist erwachsen geworden, und mittlerweile auf Sansa’s Seite, was bedeutet, auf der Seite ihrer Familie: The lone wolf dies, the pack survives.

Arya Stark

Arya könnte allerdings noch Sympathie für Daenerys entwickeln : Als sie in der 2. Season bei Tywin Lannister diente und dieser immer wieder vom War of the Five Kings sprach und wie Aegon Targaryen sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hatte. Aber Arya korrigiert ihn und lässt wissen, dass es nicht nur Aegon war, der die sieben Königreiche eroberte, seine zwei Schwestern Visenya und Rhaenys ritten (auf eigenen Drachen) mit ihm: „Visenya rode Vhagar,“ sagte sie, „Visenya Targaryen was a great warrior. She had a Valyrian steel sword she called Dark Sister.“ Visenya war Aryas Heldin und nun tritt die nächste Targaryen-Queen in ihr Leben. Vielleicht gewinnt dieser Aspekt noch an Relevanz, vielleicht aber auch nicht. Auch der Blick, als sie die Drachen sieht, schaut vielversprechend aus. Aber, the lone wolf dies, the pack survives..

Apropos Arya: Jap, They did it. Und, auch wenn es bereits durch Anmerkungen geteased wurde, glaubte ich nicht, dass sies wirklich durchziehen. Für viele ist (beziehungsweise war) Arya Stark eben noch das kleine Mädchen, und die häufige Google-Suche nach Maisie Williams Alter bestätigt das. Mir hats gefallen – und ich hoffte schon seit Season 3 auf ein Wiedersehen. Davon abgesehen basiert ihr Zusammenfinden auf einem guten Fundament (bis einer halt stirbt), denn Spannungen gab es bereits seit Beginn. Ja, ihr wisst welche Szene ich meine. Die Szene, genau. Exakt die Szene.

„I have a Son, you have a daughter.“ – Robert Baratheon (1. Season).

Dass The Hound für Arya gekämpft hatte und sichtlich enttäuscht war, als sie ihn halb sterbend zurück gelassen hatte, rührt. Wir wussten ja, dass Brienne und The Hound sich als eine Art Ersatzeltern sahen, aber sie wissen auch, dass Arya erwachsen geworden ist – und auf sich alleine aufpassen kann. Trotzdem führen die beiden eine nette, aber verkorkste-Vater-Tochter-Beziehung; und sie sprechen sich quasi aus, alles ist okay.

Ser Brienne of Tarth

Eine der wohl rührensten Momente in der 2. Folge: Lady Brienne of Tarth, die von Jaime zum Knight of the Seven Kingdoms ernannt wird und Tormund, der sie feiert („fuck tradition!“). Das Zusammenkommnis derjenigen, die sämtliche Schlachten überlebt und sich bei Feuer und Gesellschaft die letzte Ruhe gönnen; die alle, zu irgendeinem Punkt gegen die Starks gewettert hatten, um jetzt als Verbündete gegen einen gemeinsamen Feind zu kämpfen. Es hätte nicht besser sein können. Und ja, es fühlte sich wie ein Abschied an. Man fürchtet, dass die Hälfte den Morgen nicht wieder sehen wird.

Sansa Stark

Und da wäre noch Sansa, die Tyrions Intelligenz in Frage stellt, weil er Cersei Glauben schenkte. Erneut wird Sansas Realismus und Klugheit vor Augen geführt und niemand kann mehr sagen, sie sei ein lästiges Gör das von nichts wisse.

Und eigentlich stellt sie Tyrions Expertise nicht in Frage, sondern weist ihn darauf hin, dass er wohl doch nicht so clever ist, wie sie immer angenommen hatte. Es ist keine Frage, es ist eine Beobachtung und sie äußert diese als Tatsache. Sie behauptet sich auch gegen Daenerys und tritt für einen unabhängigen Norden ein. Was wird nach der Schlacht sein? Die Freundschaft endet, so schnell sie sich hätte weiter entfalten können: Über die gemeinsame Liebe zu Jon und dem Überleben, treten Territorialansprüche und Unabhängigkeit. Und dabei ist Daenerys, eigentlich, keine schlechte Herrscherin, wenn wir uns erinnern, wie viele Menschen sie aus der Sklaverei befreite.

Zusammenfassung

In der ersten Folge wird jeder mit jedem vereint, auf dessen Zusammenkunft wir so lange hofften – und man nimmt sich ausreichend Zeit dafür, und auch die Abfolge der Treffen ergibt Sinn. Das eine führt zum anderen und dort steht der nächste bereit. Gespräche und Andeutungen vertiefen sich in der zweiten Folge, fast alle verlassen einander im Guten. Fast alle.

Denn gegen Ende der ersten Folge wird offenbart (Sam erzählt es Jon), was wir wussten, aber alle anderen nicht:

Jon alias Aegon Targaryen, rechtmäßiger Herrscher, der das ganze gar nicht wahrhaben will und sicherlich einen Keil in die Beziehung zu Dany treibt, was Varys bereits zynisch kommen sah: Die Unbeschwertheit der Jugend, die nicht weiß, das alles irgendwann enden wird. Als Jon Daenerys dies mitteilt, ist sie nicht sonderlich erfreut – aber es ist zu spät, denn der Tod steht vor den Toren.

Btw.. I’ll just leave that here..

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Westerosworld

Gefunden auf Nerdist:

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„Game of Thrones“, predictions vor S08E01

For all we know – das Ende muss so gestaltet sein, dass ein jeder „halbwegs“ damit zufrieden ist und man kann es nicht jedem recht machen. Vor allem nicht der engstirnigen, fanatischen Fangemeinde, deren einzige Wahrheit ihre Wahrheit ist.

Und somit gebe ich meine Prognosen ab, die, wie mir erscheinen – am wahrscheinlichsten sind:

In Anlehnung an die Azor Ahai-Theorie wird Daenerys vermutlich durch die Hand Jons den Heldentod for the greater good sterben müssen. Auch die Drachen werden ihr Leben lassen, vernichten aber davor noch einen Großteil von White Walkern – wenn sie nicht den Night King selbst sehr, sehr arg in Mitleidenschaft ziehen. Aber! Das Kind von Daenerys und Jon wird leben. Bleibt die Frage, ob Daenerys für „Lightbringer“, siehe Theorie, geopfert wird oder, dass das Kind leben kann (Kindbett, Prophezeiung, usw.). Da bereits zwei Kinder in der Serie geopfert wurden (Daenerys Sohn für Khal Drogo und die kleine Shireen), gehe ich nicht davon aus, dass noch ein weiteres Kind sterben muss, oder? Aber who knows. Das sind alles nur Mutmaßungen ohne Hand und Fuß.

Der Kampf gegen die Lannisters ist zu verachten, er ist nonsense und selbst wenn Cersei nach Winterfell marschiert, wird der Winter sie bereits ausgehungert haben. Fakt ist auch, dass Kings Landing vernichtet werden wird. Und zwar ziemlich schnell. Simple as that.

Fix überleben werden: Arya (weil sie einfach cool ist) und The Hound (er hat schon zu viele Tode hinter sich, warum sollte er jetzt sterben beziehungsweise Frieden finden?), was aber nicht im Zusammenhang stehen muss. Ich gehe auch nicht davon aus, dass Arya und Gendry noch gepaart werden, auch wenn die Fans (und ich), das natürlich gerne sähen. Ebenfalls überleben wird die kleine Lyanna Mormont.

In Anlehnung an die Prophezeiung („valonqar“ alias der „kleine Bruder“), vor welcher Cersei so viel Angst hat: Ja, sie wird sich bewahrheiten, aber nicht Tyrion wird sie töten, sondern Jaime. Auch Sansa wird sterben, aber vermutlich auch nur, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war. Es ist durchaus möglich, dass Jaime den Heldentod sterben wird – so aber auch bei Brienne, deren Tod sehr ritterlich und ehrenvoll sein wird, im Kampf gegen den Night King oder so. Ihre letzten Worte gelten Jaime, eh klar.

Wer, wen nicht Tyrion würde die kollektive Fangemeinde auf dem Thron (zumindest) akzeptieren? Eben. Säße Daenerys am Ende auf dem Thron, sähe sich HBO gezwungen erhebliche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, da angry white boys das Gebäude stürmen und lauthals protestieren würden. Säße Jon auf dem Thron, wäre das einfach lächerlich und zu Klischeehaft – auch wenn die Reihe „A Song of Ice and Fire“ heißt und eigentlich Jon damit gemeint ist, auch wenn sich die Serie um Daenerys und Jon gleichermaßen drehte. Also, nein. Ich gehe davon aus, dass es entweder Tyrion sein wird (der in Wahrheit übrigens ein Targaryen ist) oder niemand, und das große Reich splittert sich in kleinere, unabhängige Königreiche auf.

Ich glaube damit Recht zu haben, weil es das harmloseste Ende wäre. Es wäre nicht aufregend und ein ok-Abschluss. Es wäre nichts tragisches und all diese Tode und Geschehnisse ließen sich auf Prophezeiungen und Legenden zurück führen, wodurch die Mystik erhalten bliebe. Erneut, alles nur halbgare Überlegungen und zwei-drei Stunden auf Reddit würden meine Meinung sicherlich schnell enden, aber – ich glaube dennoch Recht zu besitzen.

Wir werden sehen…

Fun fact übrigens:

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„Game of Thrones“ RecapRap Season 1-6

Eben gefunden. Credits: RecapRaps

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Cersei Lannister: Villain, Anti-Hero, Heroine

Auch wenn 2019 und das Ende von Game of Thrones noch in weiter Ferne liegen, bedeutet das nicht, dass es nichts zu erzählen gäbe. Erst gegen Ende der 7. Season dachte ich mir: Cersei ist eigentlich ziemlich cool – wenn sie die Möglichkeit dazu hat. Und anstatt sie zu verschmähen, zu hassen oder Lena Headey auf Conventions zu meiden, sollte man einen Blick tiefer in ihre Geschichte und auf ihren Charakter werfen. Cersei mag sich als Gegenspielerin einen Namen gemacht haben – aber wenn man genau hinblickt, erkennt man eine Anti-Heldin, wenn nicht sogar eine Heldin.

Achtung, dieser Artikel enthält Spoiler für Season 7 und behandelt Film-Cersei.

“I don’t play her as a villain. I just play a woman who is a survivor and will do exactly what a man would do — which is, you know, murder somebody when you’re in a war.” – Lena Headey

Warum mögen wir Anti-Helden?

Warum findet Walter White (Breaking Bad) Anklang? Weil er cool ist? Sicherlich auch. Auf seinem Weg vom Krebspatienten zum Drogendealer, der lediglich seine Familie beschützen will, verzeiht man ihm vieles: Er lügt, bringt andere in Gefahr und wird kriminell, während seine Frau Frau Skyler für die selbe Intention und dahin gehendem Verhalten, aber ohne sich und ihre Familie unnötiger Gefahr auszusetzen oder das Gesetz zu brechen, verurteilt wird. Im Gegenteil, sie ist die Spielverderberin, ähnlich wie Carmela Soprano.

Warum funktioniert es bei Jessica Jones oder Wynonna Earp? Liegt es an den männlichen Stereotypen, die beide aufweisen wie Hang zum Alkoholismus, derbe Sprache und physische Stärke, die wir mit Anti-Helden verbinden und dadurch auch Frauen in der Rolle akzeptieren? Liegt es tatsächlich an der Geschlechter-Dualität und starren Rollen-Verteilung?

Dieser Vergleich lässt sich in gewisser Weise auch auf Arya und Daenerys übertragen. Wenn Arya einen Familienmord an der Frey-Familie verübt, freut sich der Zuschauer wie ein Kind zu Weihnachten. Röstet Daenerys hingegen die gesamte Lannister-Armee, wird sie für wahnsinnig erklärt – denn wir sympathisieren mittlerweile mit Jamie Lannister. Und wenn Cersei strategisch taktiert, um sich ihren Feinden zu entledigen, sei es auch mal in dem sie ein gesamtes Gebäude explodieren lässt, folgt ein Shit-Storm sondergleichen. Warum? Erlauben wir Frauen mit traditionelle Rollen nicht (ohne dem Attribut der Femme-Fatale, Jugend oder allgütigen Mutter-Figur) Macht zu besitzen?

Oder liegt es daran, dass wir mit Drachen und der jungen hübschen Khaleesi und den Stark-Kids eher sympathisieren, als mit den Lannisters, den von Beginn an inszenierten Gegenspielern. Vermutlich tragen mit Lust gebrochene Tabus wie Inzest und die deutlich zur Schau gestellte Arroganz der Lannisters mit dazu bei, dass man sie nicht mag. Vielleicht liegt es auch an der Jugend der Stark Kids und auch Daenerys, während Cersei an die „nörgelnde Mutter“ Schwieger-/Mutter erinnert, die bereits ihren Platz und Rolle gefunden haben soll, und durch ihr Ausbrechen aus diesem System unser gewohntes Bild über den Haufen wirft – und uns somit in eine verzwickte Lage bringt.

Natürlich lassen sich diese Fragen nicht exakt beantworten, aber ich möchte versuchen einen Denkanstoß zu geben, warum Cersei kein Bösewicht, sondern eine Anti-Heldin ist, und vielleicht, unter gewisser Betrachtung, nicht nur zur Heldin, sondern fast schon zur feministischen Ikone wird.

Was unterscheidet Helden von Anti-Helden?

Der Anti-Held ist der Gegenpart zum Helden. In der Literaturwissenschaft ist der Anti-Held eine passive, resignative oder generell eigenschaftslose Person, die nicht in der Lage ist Entwicklungen aktiv zu beeinflussen und den Einflüssen der Umwelt ausgesetzt ist. Ein Held hingegen ist eine strahlende Figur und glich lange Zeit dem antiken Vorbild der Unfehlbarkeit, bis er im 18. Jahrhundert auch Fehler haben durfte und diese mittlerweile überwinden darf, um seine Heldenreise zu vollenden. Heute ist der filmische Anti-Held jemand, der nicht in die vom Autor geschaffenen Strukturen passt, Schwierigkeiten damit hat und außerhalb der Norm agiert und reagiert. Seine Geschichte zeigt dessen Unvermögen in der bestehenden Umwelt auf, mit der er sich nicht identifizieren kann. Er selbst hat Fehler und Schwächen. Häufig weist er selbstzerstörerische Eigenschaften auf (schlechte Ernährung, übermäßiger Alkoholkonsum, Drogen) und legt sie auch nicht unbedingt ab. Er lebt damit.

Einfacher gesagt, wenn sich der Held mit Unfehlbarkeit und kleineren Fehlern brüstet und diese gegen Ende überwindet, muss der Anti-Held mit diesen leben und wird sie kaum überwinden. Und eigentlich ist die Bezeichnung „Anti-Held“ nicht einmal so griffig, denn genau in dieser Auseinandersetzung mit der geschaffenen, suboptimalen Umwelt, in der sich der Charakter befindet, wird er zum Helden. In dem er sie meistert oder auch nur akzeptiert und nicht daran zu Grunde geht.

Vielleicht interessanter:

Anti-Heldinnen

Anti-Helden und besonders Anti-Heldinnen sind nicht der Preis, der am Ende des Zieles wartet. Anti-Heldinnen sind selten, wenn überhaupt Love-Interest, viel mehr aber Protagonist. Sie lassen eine allgemeine „likeablility“ vermissen und stellen weder Hure noch Heilige dar. Viel wichtiger: Es ist ihnen egal, ob sie gemocht werden, von der Audienz, dem männlichen Counterpart oder anderen Charakteren. Anti-Heldinnen unterliegen gewissen Charaktereigenschaften, die bei männlichen Charakteren nie so wirklich negativ ins Blickgeld fallen. Sicherlich wird übermäßiger Alkohol-Konsum mittlerweile generell als negativ bewertet, trotzdem fällt dieser bei Frauen eher ins Gewicht als bei Männern.

Anti-Heldinnen weigern sich flach und klischeehaft gehalten zu werden, weigern sich Zwecken zu dienen, die eigentlich keine sind. Sie sind ungern dazu da, die Geschichte des Helden voran zu treiben, sondern agieren um ihrer selbst willen. Sie erinnern den Zuschauer schmerzhaft daran, dass traditionelle Rollen und verhärtete Denkweisen aufgebrochen werden müssen. Typische Anti-Heldinnen in Westeros sind Arya Stark (deren Motiv Rache ist), Brienne of Tarth (für welche Gerechtigkeit mehr wiegt als alles andere), Yara Greyjoy (die in, für ihr Geschlecht, untypischen Strukturen lebt und dementsprechend agiert) und in gewisser Weise auch Daenerys Targaryen, die weder Hure noch Heilige ist, ein konkretes Ziel verfolgt (den Thron) aber keine traditionell männlichen Attribute zur Schau stellt (und ebenfalls ins Kreuzfeuer gerät). Und: Cersei Lannister.

Cersei Lannister und Westeros

Die Welt von Westeros ist patriarchal geprägt. Cersei wuchs in einem männlichen Umfeld auf und beobachtete den Spielraum der Akteure, ohne Möglichkeit selbst daran Teil zu nehmen, und dies lediglich aufgrund ihres Geschlechtes. Sie lernte, ohne aber das Wissen je selbst anwenden zu können beziehungsweise zu dürfen. Wie viele junge Mädchen war sie in Rhaegar Targaryen verliebt und wurde in eine arrangierte (und unter anderem gewaltvolle) Ehe mit Robert Baratheon gezwungen, der eigentlich eine andere Frau (Lyanna Stark) liebte.

“When we were young, Jaime and I, we looked so much alike even our father couldn’t tell us apart. l could never understand why they treated us differently. Jaime was taught to fight with sword and lance and mace, and l was taught to smile and sing and please. He was heir to Casterly Rock, and l was sold to some stranger like a horse to be ridden whenever he desired.” – Cersei Lannister, „Blackwater“

Ihr Bruder Jaime lebt quasi das alternative Leben von Cersei. Ein Leben, dass sie hätte haben können, wäre sie als Mann geboren worden. Und beide haben eine ähnliche Reise: Beide waren arrogante Kinder und beide erleiden Blöße: Cersei verliert beim Walk of Shame eines ihrer femininen Attribute aufgrund ihrer Affäre mit Jaime und Jaime verliert als Swordsman und Ritter seine Hand. Während Jaime aber nach Hilfe sucht, verschließt sich Cersei und versucht energischer als zuvor, ihre Macht zurück zu holen – koste es was es wolle. Und dies macht sie, in meinen Augen, fast zu einer feministischen Ikone: Sie nimmt ihr Leben selbst in die Hand, auch wenn das bedeutet andere zu verletzen. Sie tut, was getan werden muss, um das eigene Überleben zu sichern.

Cersei Lannister: Anti-Heldin

Cerseis Ambitionen und Motivation isolieren sie vom traditionell weiblichen Charakter, der zu Beginn von Game of Thrones üblich war. Nach dem Tod ihres Vaters musste sie handeln, um ihre Macht auszubauen. Sie fordert den Zuschauer heraus, stereotype Geschlechterrollen neu zu hinterfragen. Nicht mehr ist sie die Frau, die still daneben sitzt, sondern jene, die trotz ihrer weiblichen Präsenz, Wort und Initiative ergreift. Wenn Arya, Brienne und Yara sich dem Männerbild anpassen, mag Cerseis Verhalten verwirren – denn man kennt es in dieser Welt nicht anders. Sie schneidet sich nicht die Haare ab und trägt auch keine Hosen, um akzeptiert zu werden.

Hätte Cersei sich ihrem Vater oder ihrem Bruder untergeordnet, wäre sie gemocht worden. Oder zumindest hätten wir Mitleid mit ihr gehabt. Aber darauf legte sie nie Wert. Es ist ihr reichlich egal, ob das Volk sie hasst. Sie beweist immer wieder Klugheit und versucht sich in Schlüsselpositionen zu manövrieren, sei es, dass sie sich mit zwielichtigen religiösen Fanatikern einlässt (deren Machenschaften sie leider aus Arroganz nicht kommen sieht) oder bestimmte Morde in Auftrag gibt. Und welche anderen Mittel bleiben ihr zwecks Machterhalt als Frau in Westeros sonst übrig?

Selbst ihre Beziehung zu Jaime kann als eine Art Rebellionsakt gesehen werden, um wieder Kontrolle über ihren Körper zurück zu erlangen, die ihr durch die Ehe, als Gegenstand für Sex und Kinder, genommen wurde. Wenn gute Frauen, gebrochene Männer retten, so bleibt die gebrochene Frau sich selbst überlassen. Kein guter Mann versucht sie zu retten. Sie verliert ihre Tugend und wird zur Hexe, die verstoßen im Wald leben muss. Als Anti-Heldin ist sie nicht diejenige, die gerettet werden kann – aber auch nicht gerettet werden will. Und gegen Ende ist es Cersei, die auf dem Thron sitzt und alles in ihrer Macht stehende tut, um diese Position zu halten.

Von wiederholenden Vergewaltigungen (nicht nur durch ihren Ehemann, sondern auch Bruder) bis hin zum Walk of Shame (als Strafe für ihre Beziehung zu Jamie), waren es Männer, die ihr am nächsten standen und diese Taten vollzogen. Ihr Vorgehen gegen Margery und die Vernichtung der Sept of Baelor speisen sich aus dem Verlust von politischer Macht, was wieder zu einer marginalisierten Position geführt hätte und hat. Nach dem Walk of Shame wird sie von politischen Entscheidungen exkludiert und muss mit den anderen Frauen auf der Seite sitzen.

Cerseis Motivation ihre Familie zu beschützen und den Namen ihres Hauses zu bewahren, ihr Durchhaltevermögen und Konsequenz, um jene Macht zu behalten in deren Besitz sie nun ist, lassen sie, in meinen Augen, zur Heldin werden.

Cersei Lannister: Heldin

„You should have taken the realm for yourself. Jaime told me about the day King’s Landing fell. He was sitting in the Iron Throne and you made him give it up. All you needed to do was climb the steps yourself. Such a sad mistake. … When you play the game of thrones, you win or you die — there is no middle ground.“ – Cersei Lannister, „You win or you die“

Alles was sie tat, leitet sich daraus ab. Sie kennt das Spiel um den Thron, sie weiß wie Macht funktioniert und taktiert. Sie steht zu ihren Motivationen und schert sich einen Dreck darum, ob ihre Handlungen und die Weise sie zu erreichen, verwerflich sind. Sie lebt es und will es und handelt dementsprechend. Cersei entschuldigt sich nicht ständig für die Dinge die sie tut. Im Gegenteil, sie steht dazu. Auch das lässt sie zur Heldin werden. Vielleicht sogar zu einer feministischen Ikone, einem Vorbild, dem wir vielleicht etwas mehr Beachtung schenken sollten.

Ihre Liebe zu ihren Kindern und die Art wie sie sie beschützte, ließ sie in den Augen der Zuschauer menschlich werden. Und in gewisser Weise zeigt man Verständnis, wenn sie die Macht, die sie bisher nur aus der Ferne beobachten konnte und deren Unterlegene sie war, nicht mehr aufgeben möchte.

Cersei sitzt gegen Ende der 6. Season auf dem Thron. Sie agierte strategisch und handelte den Umständen entsprechend; verfolgte das, was sie von Männern wie ihrem Vater, ihrem Mann und anderen lernte und wandte es zielführend an. Cersei ist nicht verrückt, sondern politisch – was sich zwar nicht ausschließen muss, aber lediglich zu behaupten, sie sei wahnsinnig, tut ihr Unrecht.

Cersei tut, was sie tun muss, um ihre Macht zu halten. Cersei tut, was sie tun muss, um zu überleben. Abgesehen von all diesen Aspekten, wäre es einfältig und naiv Cersei als wahnsinnig, verrückt oder böse abzustempeln, sondern als ambitioniert, klug und durchsetzungsfähig.

Unglücklicherweise stellt sich Cersei in Season 7, die generell die Martin‘sche Feder vermissen lässt, gegen alle Vernunft und kann zurecht als etwas ignorant bezeichnet werden. Aber ginge man davon aus, dass die Welt nicht von Zombies bedroht werden würde..

Konklusio

Eine lieblose Zwangsehe, Vergewaltigungen, Tod ihrer Kinder, der Walk of Shame und Belustigung über ihre Romanze zu Jaime – trotz alledem ist sie die erste Frau in Westeros, die tatsächliche Macht in den ihren Händen hält. Kann man Cersei wirklich für ihre Taten verurteilen? Kann man sie dafür verurteilen, dass sie versucht alles mögliche zu tun, um nicht wieder in ihre alte Stellung zurück zu fallen? Erneut: Aryas Familienmord und Daenerys Feldzug unterscheiden sich nur marginal von Cerseis Handlungen.

Kann man Cerseis Selbsterhaltungswillen wirklich für „böse“ empfinden? Wenn man sich ihre Taten in einem größeren Zusammenhang, als nur im aktuellen Kampf um den Thron betrachtet, kann sie durchaus als Heldin gelten.

Dass Cersei auf den ersten Blick unsympathisch wirkt und einen Rattenschwanz an negativen Kritiken mit sich zieht, liegt sicher auch daran, dass es in den ersten drei Büchern keine Erzählung aus Cerseis Perspektive gibt. Es ist leichter, jemanden als „böse“ zu sehen, wenn man ihn immer nur durch die Augen von Sansa oder Tyrion sieht. Ihr erster Auftritt folgt in „A Feast for Crows“. Auch trägt dazu bei, dass sie bereits in Season 1 mit unsympathischen Tendenzen (Inzucht, Arroganz, usw.) auftritt, und die Gewalt, die sie erfahren hatte, durch wenige Sätze quasi belanglos (weil es eben so ist) und bereitwillig akzeptiert wird. Man sieht es nicht, es war schon immer so, also kann es nicht so schlimm sein oder? Erst als Sansa Stark, die zu Beginn als verzogene Göre auch nicht gerade beliebt ist, von Ramsey vergewaltigt wird, folgt der Ruf die Serie zu boykottieren.

Cerseis Entscheidung für Gewalt und das Niederbrennen ihrer Feinde ist ein Akt der Vergeltung als wie auch der Selbsterhaltung. Erneut, sie tut, was notwendig ist.

Aber nicht nur Cersei unterliegt diesen beiden Zügen, auch Jon Snow, Arya Stark und Daenerys, selbst Tyrion wenden diese an, und werden dafür gelobt und bejubelt. Dass man Cersei nicht als gleichwertig akzeptiert, liegt wohl auch am unglücklichen Zustand, dass sie jene unterstützt, die wir hassen und die Gegenspielerin jener ist, die wir lieben. Aber abgesehen aller emotionalen Sympathien tut Cersei nur das, was sie muss: Überleben.

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Brienne of Tarth: Ausnahmeerscheinung, Heldin, Vorbild

Neben Daenerys, Cersei oder Arya, die einen überwiegenden Anteil in Artikeln, Essays oder Kritiken beherrschen, gibt es einen Charakter, der oft vernachlässigt und weniger beachtet wird: Brienne of Tarth. Ein Beitrag zur Ehre einer Kriegerin.

„We can’t defend the North if only half the population is fighting.“
– Lady Lyanna Mormont, „Dragonstone“

Immer wieder gab und gibt es vereinzelt historische Berichte über kriegerische Frauen. Homer widmete den Amazonen in Vorderasien ein paar Sätze, während die nordischen Schildmaiden häufiger in der Literatur zu finden sind, etwa in der Hervarar-Saga und in der Gesta Danorum, der Geschichte Dänemarks.

Dass überwiegend Männer in den Krieg zogen, galt lange Zeit als allgemein akzeptiertes Faktum. Dass es nur Männer waren, ist allerdings nachweislich falsch. Vor einiger Zeit veröffentlichten Forscher der Universität Stockholm im American Journal of Physical Anthropology, dass es sich bei einem reichlich bestatteten Wikinger-Krieger in Schweden von 1878 in Wahrheit um eine Kriegerin handelte.

Dank christlicher Lehre, genereller Auffassung und Geschichtsschreibung, gingen Forscher davon aus, dass es ein Mann war. Erst durch eine DNS-Analyse ließ sich dieser Irrtum bereinigen. Die Annahme legt also nahe, dass es mehr Kriegerinnen gab, als man denkt. In der Geschichte – und in der Popkultur. Und dies bringt uns zu Brienne of Tarth.

ASOIAF und Game of Thrones

Brienne wird als hässliche Frau in die Welt von Westeros eingeführt. Sie ist das einzige überlebende Kind von Selwyn Tarth, Lord of Evenfall und Tarth. Ihre Geschwister sterben im Kindesalter. Sie beschreibt sich selbst in A Feast for Crows als „the only child the gods let [my father] keep. The freakish one, one not fit to be son or daughter.“ Man begegnet ihr mit Missgunst und Hohn. Septa Roella sagte ihr einst, dass die Komplimente, die Männer ihr machen, Lügen seien. Wenn sie die Wahrheit wissen wolle, müsse sie nur morgens nur in den Spiegel schauen. Man verachtet und belächelt sie.

Ihr Vater beginnt früh, eine passende Partie für Brienne zu suchen, aber vergebens. Als sie 16 ist, trifft sie auf Humfrey Wagstaff, der einwilligt, sie zu heiraten, wenn sie sich nach der Hochzeit auch ordentlich weiblich verhält. Brienne stimmt zu, aber nur wenn er sie im Kampf besiegt. Needless to say: Sie bricht ihm drei Knochen und gewinnt das Duell. In Game of Thrones tritt sie in der zweiten Season auf, im Zweikampf gegen Ser Loras Tyrell, um sich nach ihrem Sieg in den Dienst von Renly Baratheon und der Kingsguard zu stellen.

Eine Heldenreise

Briennes Heldenreise startet mit Ablehnung und offensichtlicher Andersartigkeit. Sie erfüllt männliche Helden-Attribute wie physische Stärke, Kampfesmut und Tapferkeit und besitzt eine hochgewachsene Statur, wie die Clegane Brüder. Sie verkörpert ritterliche Ideale wie Ehre und Loyalität und weigert sich, ohne Grund zu töten. Sie ist selbstlos und beschützt die Schwächeren.

Dennoch trägt sie das Laster mancher Frauen in Westeros: Sie ist zu wenig Mann, um ein Ritter zu sein, aber auch zu wenig Frau, um in traditionelle Rollen zu schlüpfen. Sie ist weder ausreichend passiv, als dass Männer sie ihrer Weiblichkeit wegen respektieren könnten, besitzt aber auch nicht die biologische Notwendigkeit um als „Mann“ zu gelten, und ist somit für manche nicht mehr als ein Witz.

Und trotz allem ist sie naiv. Wie Sansa glaubt sie die Geschichten von Ehre, Mut und Tapferkeit. Sie verliebt sich in Renly Baratheon, der ihr nach dem Duell den ersten Tanz widmet, und auch an Jaime Lannister, mit dem sie gemeinsam in Gefangenschaft der Boltons landet, findet sie (unerwiderten) Gefallen. Ironischerweise, denn Jaime, der ein gänzlich anderes Verständnis vom ritterlichen Ideal in Westeros hat, sieht neben Ehre und Mut auch die Realität, mit der gebrochene Schwüre und moralische Konflikte einhergehen, die Brienne versucht auszublenden. Interessant, dass es gegen Ende sie ist, die Jaime dazu rät, Loyalität für „the greater good“ aufzugeben. Passend dazu ist auch, dass der Wildling Tormund, aufgewachsen in einer freien Gesellschaft, Gefallen an ihr findet und sich unsterblich in verliebt.

Mit Brienne wird ein Erzählstrang eingebracht, in dem Frauen sich offen und gegenseitig unterstützen. Sie schwört Catelyn Stark Treue und verspricht, ihre Töchter zu beschützen. Ihre Heldenreise bringt sie ferner zur „schönen Maid in Not“, aber nicht um sie zu heiraten, sondern um sie zu ihrer Mutter zurückzubringen – weil sie sich für das Wohl der anderen interessiert. Es ist eine seltene Geschichte, in der alle drei Frauen, Mutter, Tochter und Kriegerin, gleich viel Wertschätzung erfahren. Brienne verurteilt die Welt nicht wie sie ist, aber sie benutzt ihre Stärke und ihren Respekt um anderen Frauen zu helfen.

Ausnahmeerscheinungen

Bekanntlich wird die Geschichte von den Siegern geschrieben. Genauso wie übrigens auch Game of Thrones von einem Mann geschrieben und erzählt wird. Und auch wenn diese Kenntnis der Wikinger-Kriegerin nicht alles von heute auf morgen verändern wird, so werden doch verfestigte Strukturen aufgebrochen und die Möglichkeit von hochrangigen Krieger-Frauen eingeräumt, die Anerkennung wie Ansehen besaßen. Und so schickt es sich auch für die mediale Inszenierung an, kriegerische Frauen nicht mehr als Ausnahme sondern als Norm zu inszenieren.

Brienne of Tarth folgt der Tradition der kriegerischen Ausnahme-Erscheinung. In einer patriarchalen Welt lebt sie das (männliche) ritterliche Ideal, tritt in Unisex-Rüstung auf und gilt als eine der besten Kriegerinnen in ganz Westeros. Das aber macht sie nicht weniger wichtig, im Gegenteil. Solange Kriegerinnen nicht zur Norm gehören, müssen eben einzelne Heldinnen wie Jyn Erso, Jessica Jones oder auch Brienne of Tarth an dieser Kruste arbeiten um sie zu brechen.

Als eine Frau von 1,98cm stellt sie auch für jene ein Vorbild da, die sich in den gängigen Schönheitsidealen nicht repräsentiert sehen: für jene, die „zu groß gewachsen“ sind, oder jene, die von der Gesellschaft als für „zu dick“ empfunden werden. Oder einfach jene, die beim Cosplay mal in eine andere Haut schlüpfen möchten als üblich.

Quellen:

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#GoT-Theorie: Wer zum Teufel ist der Azor Ahai?

Setzt euch Tee auf, oder kocht Kaffee – oder stellt euch Gin oder Whisky bereit: Es wird lang.

Das Ende der 7. Season von Game of Thrones hat uns bereits vor Monaten erreicht, die Fortsetzung folgt nicht vor Herbst 2018 – was aber nicht bedeutet, dass es nicht noch ausreichend Stoff zur Debatte gäbe, denn Winter is here.

So viele Theorien, so viele Ideen – wer denn nun tatsächlich der Auserwählte sein sollte. Und als Historikerin tue ich das, was ich gelernt habe: Ich suche nach dem Original – und folge den Hinweisen. Natürlich muss nichts von dem, was ich mir zusammen stückelte richtig sein. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen begraben und ist am Ende etwas ganz anderes, oder tut nichts zur Sache, weil es immer noch eine Legende ist, etwas, dass Leute sich erzählen und das nicht zwangsläufig stimmen muss. Außerdem werden Film und Buch vermischt – glaube aber, dass gewisse Stellen der Bücher uns Aufschluss geben können.

Die Prophezeiung:

In den antiken Büchern (A Clash of Kings„, Chapter 10) steht geschrieben:

„There will come a day after a long summer when the stars bleed and the cold breath of darkness falls heavy on the world. In this dread hour a warrior shall draw from the fire a burning sword. And that sword shall be Lightbringer, the Red Sword of Heroes, and he who clasps it shall be Azor Ahai come again, and the darkness shall flee before him.“

Und:

“When the red star bleeds and the darkness gathers, Azor Ahai shall be born again amidst smoke and salt to wake dragons out of stone.”

Und Thoros erzählt in einem Special Feature auf der Blu-Ray zu Season 3:

„According to prophecy, our champion will be reborn to wake dragons from stone and reforge the great sword Lightbringer that defeated the darkness those thousands of years ago. If the old tales are true, a terrible weapon forged with a loving wife’s heart. Part of me thinks man was well rid of it, but great power requires great sacrifice. That much at least the Lord of Light is clear on.“

Ser Davos erzählt, dass der Azor Ahai zwei Schwerter machte und beide zersprangen. Dann aber machte er das dritte Schwert:

„Great was his woe and great was his sorrow then, for he knew what he must do. A hundred days and a hundred nights he labored on the third blade, and as it glowed white-hot in the sacred fires, he summoned his wife. ‚Nissa Nissa,‘ he said to her, for that was her name, ‚bare your breast, and know that I love you best of all that is in this world.‘ She did this thing, why I cannot say, and Azor Ahai thrust the smoking sword through her living heart. It is said that her cry of anguish and ecstasy left a crack across the face of the moon, but her blood and her soul and her strength and her courage all went into the steel. Such is the tale of the forging of Lightbringer, the Red Sword of Heroes.“

Man muss in diesem Falle vorsichtig sein – Bücher und Serie gehen zwar nicht ganz konform, schätze aber nicht, dass sich die Prophezeiung ändert: In den Büchern sagt die „wood witch“, dass „the Prince who was promised“ aus der Linie von Aerys II und Rhaella geboren wird: Daenerys Eltern.

Aber in „Dance with Dragons“ sagt Melissandre:

“I pray for a glimpse of Azor Ahai, and R’hllor shows me only Snow.”

Quelle

“When the red star bleeds and the darkness gathers, Azor Ahai shall be born again amidst smoke and salt to wake dragons out of stone.”

Sehen wir uns das ganze genauer an:

When the red star bleeds

In Season 2 sah man einen Kometen, dessen roter Schweif aussah, als ob er blutete. Osha sagte in der ersten Folge, der zweiten Season dazu: „Stars don’t fall for men. But the comet means one thing, boy. Dragons.“

Trifft auf Daenerys, die aus dem Feuer wieder geboren ist, und zwar genau zu dieser Zeit.

Aber auch auf Jon, wenn man die Prophezeiung nicht wortwörtlich nimmt: Als Bran in Season 6 in die Vergangenheit reist, sehen wir die Geburt von Jon Snow. In diesem Falle aber wäre der „bleeding star“ so ausgelegt, dass es das Schwert von Arthur Dayne ist, ein Ritter von Starfall, dessen Siegel ein Komet ist und dessen so Schwert, so heißt es, aus einem Meteoriten gemacht wurde. Und genau dieses Schwert lehnt während Jons Geburt am Bett.

„and the darkness gathers“

Was vermutlich auf den langen Winter hindeuten darf.

„Azor Ahai shall be born again amidst smoke and salt

Trifft laut dieser Theorie auf Daenerys und Jon zu, sofern man etwas ausholt und Jons Wiedergeburt mit Rauch und Salz in Verbindung bringen kann. Melissandre wirft eine abgeschnittene Locke von Jon ins Feuer – es raucht. Salt könnte auf das Salz von Ollys Tränen hindeuten, der seinen Lord Commander gemeinsam mit den anderen hinrichtetet. Es könnte aber auch die Wall sein, die salzig ist. So oder so.

„to wake dragons out of stone.

Dieser Teil der Prophezeiung träfe nur auf Daenerys zu – aber nicht, wenn das Schwert eine reales wäre. Ich überflog auch einst eine andere Theorie in der dieser Teil auch auf Jon zugetroffen wäre, aber in sehr sehr sehr abstrakter Form.

Quelle

„There will come a day after a long summer when the stars bleed and the cold breath of darkness falls heavy on the world. In this dread hour a warrior shall draw from the fire a burning sword. And that sword shall be Lightbringer, the Red Sword of Heroes, and he who clasps it shall be Azor Ahai come again, and the darkness shall flee before him.“

and the cold breath of darkness falls heavy on the world“

Winter is coming.

„a warrior shall draw from the fire a burning sword

Diese Textzeile ergibt mit dem, was Thoros sagte, mehr Sinn:

„If the old tales are true, a terrible weapon forged with a loving wife’s heart.“

So auch bei Ser Davos:

„and Azor Ahai thrust the smoking sword through her living heart. It is said that her cry of anguish and ecstasy left a crack across the face of the moon, but her blood and her soul and her strength and her courage all went into the steel.

Wenn ich das richtig interpretiere, rammt man ein brennendes Schwert in das Herz der geliebten Person und damit bildet sich der „Lightbringer“.

  • Es müssten sich also Daenerys und Jon verlieben und der eine den anderen dann töten.
  • Träfe es auf Daenerys zu, deren Liebe zu ihren Kindern größer ist als zu ihren Liebhabern (und wenn man dabei bleibt dass Khal Drogo ihre große Liebe war), müsste sie Rhaegal oder Drogon töten.
  • Sollte es Jon sein, wenn wir davon ausgehen, dass Ygritte seine große Liebe war, bliebe diesem nichts anderes übrig, als seine Schwestern zu töten. Dieser Teil der Prophezeiung trifft eigentlich nur auf Jaime zu.
    • Vielleicht in diesem Zusammenhang interessant: Wenn Cersei und Jaime Targaryns sind und Tyrion der einzige „richtige“ Lannisters, weswegen sein Vater ihn so sehr hasst, da die perfekten Kinder nicht die seinen sind, und, noch viel wichtiger, hat Jaime gute Chancen auf den Titel. Folgende Theorie (klickt auf den Link für das gesamte Wunderwerk) besagt: „Jaime and Cersei are Targaryeans, bastards of the Mad King. This why Tywin hated The King enough to betray him during the rebellion. Jaime is the hero Azor Ahai who along with Jon and Daenerys will fight the White Walkers. Jaime will kill Cersei. Jaime will also kill Tyrion. Jaime might possibly kill Brienne. Jaime’s characterization is that he constantly saves others and in the process he loses a great deal. He will fight and be pivotal in defeating the White Walkers and history will remember him as just a man who killed his king, his family, his lover, his queen, and died with no children or any legacy at all.“
    • Aber: Tyrion ist (vermutlich) ebenfalls ein Targaryen.

Zugegeben, die Jaime-Theorie hat noch ein wenig Aufarbeitungs-Arbeit vor sich. Da fehlen noch ein, zwei Details, aber niemand sagt, dass es sich um lediglich eine Person handeln muss.

Wir wissen, dass Rhaegar von den Prophezeiungen besessen war. In den Büchern sagte er (in einer Vision von Daenerys) zu Elia Martell, als diese Aegon hoch hielt:

„He is the Prince That Was Promised, and his is the song of ice and fire.“

Und da ihm dieser „Fehler“ wohl bewusst war, ehelichte er Lyanna Stark. Und da er ein hübscher Mann war, war es wohl ein leichtes, die kriegerische Lyanna für sich zu gewinnen, denn wir wissen, sie ging freiwillig mit ihm.

Was für Jon spräche:

Jon ist also beides: Feuer und Eis. Er wurde unter einem quasi „blutenden Stern“ geboren, wiedergeboren in Rauch und Salz (wenn man seine Zurückholung ganz weit ausdehnen möchte). Wenn jemand eine Waffe (sofern es eine Waffe ist) trägt, dann wohl eher Jon als Daenerys. In diesem Falle, müsste er jemand Geliebtes töten – allerdings fehlen die „Drachen aus Stein“ – aber auch dazu gibt es eine Theorie.

In den Büchern spricht die „Wood Witch“ davon, dass der Versprochene aus der Linie von Aerys und Rhaella stammt. Und es gibt noch weitere Hinweise darauf, einerseits, dass Jon von einem brennenden Schwert träumt, oder die Night’s Watch wählt, in dem er sie vor einem Überfall der Wildinge rettet und dabei Ygritte, seine Geliebte, opfert. Dies ginge sogar einher mit der „Night’s Watch = Lightbringer“ Theorie einher. Unten mehr.

Auch Melissandre hat dazu ein Wort:

“I pray for a glimpse of Azor Ahai, and R’hllor shows me only Snow.”

Aber der Rest der Prophezeiung geht nicht auf. Es liegt also nahe: könnte es deren Sohn sein? Außerdem käme eine Ehe auch deswegen in Frage um Süden und Norden miteinander zu verbinden, und Daenerys diesen Umstand sehr wohl in Betracht gezogen hätte. Wäre da nicht ein Haken: Daenerys kann offensichtlich keine Kinder mehr bekommen (zumindest in der Serie, die Bücher sind wieder ein ganz anderes Thema).

Was für Daenerys spräche:

Daenerys ist lediglich Feuer, und könnte daher nicht der lang ersehnte Retter sein.

Sie ist in Dragonstone (Salz) geboren und wurde aus Feuer (Rauch) wiedergeboren. Aber sofern der Lightbringer ein reales Schwert ist, fällt dieser Teil weg, allerdings erweckt sie die Drachen.

Der „Prince who was promissed“, deutet laut Missandei nicht nur auf einen Prinzen, sondern auch eine Prinzessin hin. So auch Maester Aemon in „A Feast for Crows“, Chapter 35:

  • „No one ever looked for a girl.. It was a prince that was promised, not a princess. Rhaegar I thought … the smoke was from the fire that devoured Summerhall on the day of his birth, the salt from the tears shed for those who died. He shared my belief when he was young, but later he became persuaded that it was his own son who fulfilled the prophecy, for a comet had been seen above King’s Landing on the night Aegon was conceived, and Rhaegar Targaryen was certain the bleeding star had to be a comet.“
  • „What fools we were, who thought ourselves so wise! The error crept in from the translation. Dragons are neither male nor female, Barth saw the truth of that, but now one and now the other, as changeable as flame. The language misled us all for a thousand years.“
  • „Daenerys is the one, born amidst salt and smoke. The dragons prove it.“

In den Büchern spricht die „Wood Witch“ davon, dass der Versprochene aus der Linie von Aerys und Rhaella stammt.

Resultat: Auf niemanden trifft die Prophezeiung komplett zu.

Nochmal zusammenfassend was der Azor Ahai erfüllen sollte:

  • „A bleeding star will signal their coming.“ →  Jon, Daenerys
  • „They will be reborn among salt and smoke.“ → Daenerys
  • „They will wield a fiery weapon (possibly called Lightbringer)“ → Jon eher.
  • „The weapon’s creation will require the sacrifice of their loved one.“ → Jaime (Cersei) oder Daenerys (Drogon) oder Jon (wen auch immer).
  • „They will wake „stone dragons.“ → Daenerys.
  • „And they must be born from the bloodline of Rhaella and Aerys Targaryen.“ → Daenerys und Jon, und Jaime(?).

Was aber, wenn sie es beide sind?

Die Geschichte von Game of Thrones könnte darauf hinaus laufen, dass der nächste Azor Ahai erneut einen Friedenspakt schließt. Und laut NerdSoup wäre dieser jene Jon Snow, der die Brücke zwischen den White Walkern (als Lyannas Sohn jemanden der um Trillionen Ecken mit den White Walkern verwandt ist) und den Menschen von Westeros (Als Sohn von Rhaegar Targaryen) bildet. Und im Zuge dessen, müsste er Daenerys opfern.

Und nach einer anderen Theorie, stünde Daenerys als White Walker neu auf und besiegle somit den Pakt.

Abschluss: Wer oder was ist der „Lightbringer“?

Wer auch immer der Azor Ahai sein mag, auch interessant ist die Frage: Wer oder was ist der „Lightbringer“?

Wenn Daenerys der Azor Ahai ist, braucht sie trotzdem einen Lightbringer. Eine Theorie sagt, dass Jon der „Lightbringer“ ist: Indem Rhaegar Jon mit Lyanna gezeugte hatte und sie bei der Geburt starb – formte sich indes der Lightbringer. Die Theorie funktioniert dann, wenn man annimmt, dass Rhaegar bereits der Azor Ahai war: Geboren in Dorn, welches später ein großes Feuer überrannt wurde, Jon war der dritte Anlauf (er hatte bereits zwei Kinder mit Elia Martell) und schlussendlich opferte Lyanna sozusagen. Dies fiele dann auch mit dem Schwur der Night’s Watch zusammen: „I’m the sword in the darkness.“

Wenn Jon der Azor Ahai ist, dann könnte es einerseits ein tatsächliches Schwert sein – in dem er Daenerys opfert, oder wen auch immer, oder was ganz anderes, wie die Night’s Watch. Der Schwur lautet:

„Night gathers, and now my watch begins. It shall not end until my death. I shall take no wife, hold no lands, father no children. I shall wear no crowns and win no glory. I shall live and die at my post. I am the sword in the darkness. I am the watcher on the walls. I am the fire that burns against the cold, the light that brings the dawn, the horn that wakes the sleepers, the shield that guards the realms of men. I pledge my life and honor to the Night’s Watch, for this night and all the nights to come.“

So sagt er auch in „A Dance with Dragons“:

„I looked at that book Maester Aemon left me. The Jade Compendium. The pages that told of Azor Ahai. Lightbringer was his sword. Tempered with his wife’s blood if Votar can be believed. Thereafter Lightbringer was never cold to the touch, but warm as Nissa Nissa had been warm. In battle the blade burned fiery hot. Once Azor Ahai fought a monster. When he thrust the sword through the belly of the beast, its blood began to boil. Smoke and steam poured from its mouth, its eyes melted and dribbled down its cheeks, and its body burst into flame.“ […] „A sword that makes its own heat …“

Gut. Wir haben eine Menge Informationen, wie man das eine oder das andere verstehen möchte.

„a warrior shall draw from the fire a burning sword

Wird Gendry den „Lightbringer“ schmieden? Gendry ist, soweit wir informiert sind, der einzige der Valyrischen Stahl bearbeiten kann. Soweit so gut. Auch Berick trägt ein brennendes Schwert mit sich. In diesem Falle, gehen wir davon aus, dass „brenndendes Schwert“ Wort wörtlich verstanden werden soll. Würden Jon oder Daenerys sich mit dem Schwert erstechen müssen, dass Gendry machte?

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