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28. Januar 2020 · 11:08

Woche #2701: Millencolin, Punkrock und Spotify

Millencolin waren großartig. Das letzte Album („SOS“) war melodisch, die Songs prägen sich schnell ein und haben leichten Wiederkennungswert. Kurz: Ich finde das neue Album großartig und das Konzert war sehr gut.

Punkrock

Punkrock, weniger hart als Punk und durchaus für die Masse geeignet, wurde mit den Tony Hawk-Spielen Ende der 90er, Anfang 00er Jahre weitgehend bekannt. Wir kennen bekannte Vertreter aus dem Mainstream wie Avril Lavinge, Sum 41, Green Day, Blink 182 und wir haben sie alle gehört. So aber auch Millencolin, No use for a Name (RIP), Boy sets fire, Alkaline Trio, NOFX, und wie sie noch alle hießen. Und irgendwann gerieten all diese Band wieder in Vergessenheit. Und ich kann nicht mal sagen, was danach kam. Zwar hörte man Zwischendurch immer wieder was, aber nie so richtig. Und dennoch tourten die alten Bands, füllten Hallen und es ist wohl so wie in jeder Subkultur, wenn man sich nicht einmal mehr am Rande befindet: man bekommt eigentlich gar nichts mit. Selbst im Bergdorf gab es immer wieder Punkrock-Konzerte zu Zeiten als ich mir Punkrock-Konzerte wünschte, aber geglaubt hatte, es gäbe ja eh nichts. Wie man sich irren kann. Andererseits war zu dieser Zeit noch überall rauchen erlaubt und das hätte mir, bis auf ein-zwei Locations sowieso nichts gebracht.

Allerdings komme ich hier zu einer interessanten Beobachtung: Auf Punkrock-Konzerten ist nicht nur die Schlange vorm Männerklo endlos lange (bei den Damen zero; den Herren war es sichtlich peinlich, dass ich amüsiert Fotos von der Schlange gemacht hatte), sondern auch das Alter der Teilnehmer: Statistisch betrachtet, hätte ich 1-2 Leute von vor 15-20 Jahren, als ich aktiv Punkrock hörte, kennen müssen. Statistisch gesehen, gekannt habe ich natürlich niemanden. Aber ich hätte durchaus wen kennen müssen, da Ort, Alter und Band eigentlich stimmig waren.

The digital & new age of music consumation

Irgendwann las ich zu Ende der Reputation-Tour, dass Taylor Swift wohl das Ende eines Zeitalter eingeläutet hätte und dass es solche Konzerte, und den Konsum von Musik, wie man es bisher kannte, sich grundlegend ändern wird beziehungsweise geändert hat.

Und dies hat mit Spotify und diversen Streaming-Angeboten zu tun.

Man kauft sich keine CDs mehr, die ca. 17€ das Stück kostet (ausser Liebhaber und Sammler), sondern zahlt einen gewissen Beitrag an einen Streaminganbieter, welcher die Künstler entlohnt (wir wissen auch, dass Taylor Swift sich dafür einsetzte, Künstler auch während des Probemonats der Kunden zu entlohnen; man könnte ihr jetzt natürlich Gier vorwerfen, aber bedenkt man wie viele kleine Künstler sich ebenfalls auf diversen Plattformen tummeln, so muss man anerkennen, dass sie ihre Popularität für Gutes nutzt), auch wenn sich die Entlohnung auf 0,32 Cents pro Stream beschränkt. 2018 konnten Musiker in den USA bis zu 3,97 US-Dollar pro 1000 Streams verdienen.

Und dies führte sicherlich auch dazu, dass Millencolin unfassbar motiviert waren, da, ich gehe davon aus, das neue Album wirklich häufig gestreamt wurde. Dass alte Punkrocker sich dadurch ermutigen lassen und wieder auf Tour zu gehen um ausverkaufte Konzerte zu spielen (bzw. spielen zu können), könnte vielleicht darauf hindeuten, dass es, wenn die Musik stimmt, ein generelles Punkrock-Revival geben könnte. Oder aber auch nicht. Vielleicht fällt es mir auch nur deswegen auf, weil ich mich aktuell wieder am Rande dieser Subkultur bewege und informierter bin als ich es davor war.

Die Frage aller Fragen deren Antwort nicht 42 ist

Und nun die Frage, die allen begierigen Lesern auf der Zunge brennt: Hätte ich mich getraut mit meiner Taylor Swift Punkrock-Coverband als Vorband aufzutreten?

Jetzt? Nein. Da muss noch einiges geübt werden! In ein paar Monaten, sollten wir anständig proben: Dann ja! Stellt euch das vor, ich und Taylor als Vorband von Millencolin!

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Robotik – Gefahr oder Chance?

„Robotik“ – so modern der Begriff klingen mag, greift dessen Bedeutung weit in die Vergangenheit zurück. Wohl oft missverstanden und gleichgesetzt mit Killer- oder Sex-Roboter, meint dieser eigentlich den automatischen Prozess. Jenen automatischen Prozess, der besonders seit dem 19. Jahrhundert an physischer Gestalt gewann und so einiges in Gang setzte. Trotzdem hängen automatisierte Maschinen eng mit der Robotik zusammen und je nach Definitionen sind diese häufiger Teilnehmer auf dem Spielfeld technischer Möglichkeiten.

Was aber sind die Vorteile und welches die Nachteile?

Arbeitserleichterung, Abhängigkeit und Reduktion von Arbeitsplätzen

Der Pflug erleichterte die Arbeit am Feld und ersetzte die menschliche Handkraft, der Webstuhl machte den Weber per se obsolet und automatische Maschinen in Fabriken vertrieben die menschliche Arbeitskraft fast zur Gänze – eine positive und, wenn man so will, negative Entwicklung zugleich. Einerseits könnte der Mensch sich im Zuge der fortschreitenden Automatisierung anderen Dingen widmen, wie Kunst, Literatur und Bildung. Andererseits steigt die, mittlerweile verifizierte, Gefahr der Abhängigkeit. Drück einem Menschen, der nur mehr via Navi von A nach B findet eine Sternenkarte in die Hand und er täte sich sichtlich schwer, käme er überhaupt je ans Ziel.

Bereits in den 1930ern sagte der Ökonom John Maynard Keynes voraus, dass die Menschen beziehungsweise deren Arbeitskraft in naher Zukunft von „technologischer Arbeitslosigkeit“ bedroht werden würde. Auch die Reduktion von Arbeitsplätzen in diesem Zusammenhang ist nichts neues und eine kontinuierliche Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt. Zeit also, um über eine Maschinensteuer nachzudenken, das Versteuern des Ertrags der Maschinen – was aber von der einen oder anderen politischen Haltung gerne ignoriert wird.

Warum nehmen wir Abhängigkeit in Kauf? Sicherlich um die Erhaltung unseres Lebensstandards zu gewährleisten und generelle Verbesserungen für Jedermann anzustreben, während gleichzeitig die Klassen auseinander driften und nur mehr Leute in der Bubble des Kapitalismus sich das Schöne leisten können – und dort auch nur jene, die es sich tatsächlich leisten können.

Eine Entwicklung gegen oder für den Menschen?

Die Frage ist einfach zu beantworten: Pro, sofern Rahmenbedingungen konstruiert werden, die Menschen nicht mehr zur unterbezahlten Erwerbstätigkeit zwingen, und sich dafür einsetzen, dass jene die neu gewonnene Zeit nach Belieben einsetzen können und dürfen, sprich frei darüber entscheiden. Und Contra natürlich, wenn versucht wird, weiterhin und verstärkt Kapital aus menschlicher Arbeitskraft zu schlagen, die aus Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren, für einen noch geringeren Lohn zu noch schlechteren Bedingungen, zur Verfügung steht, während der Gewinn, der aus dem Ertrag der Maschinen hervorgeht, unangetastet eingeheimst wird.

Vom praktischen Nutzen her möchte man meinen, dass die Pro’s überwiegen: Wenn Drohnen über Einsatzgebiete fliegen und den Rettungskräften genaue Angaben zur Lokalisation geben können, ist das gut. Selbstverständlich wird dies aber hauptsächlich für kriegerische Zwecke verwendet, wenn dieser Zweck den jeweiligen Entwicklungen den Startschuss gab. Andererseits, blende man militärische Interventionen komplett aus, müssten wir auf die eine andere andere Innovation verzichten: Internet, Smartphones, Computer, … Erfindungsgeist und Krieg gehen Hand in Hand. Immer.

Ein für- und wider.

Big Data sagt „Hallo!“

Wenn alles automatisiert ist, gibt es natürlich eine entsprechende Software. Firmen wären dumm, würden sie nicht das Verhalten ihrer Kunden aufzeichnen, um ihre Gerätschaften zu verbessern und anzupassen, um noch mehr Komfort und Kapital zu schaffen. Das alles ist common knowledge. Sicherlich ist das Gerät immer einsatzbereit und kann natürlich unter Umständen auch manipuliert werden. Die Aufzeichnung des gläsernen Menschen werden via Glasfaserkabel auf die Server der Zahlenden geschickt, um die Ware Mensch vollends an Partner zu verkaufen, die wiederum weiteres Kapitel aus der Ware Mensch schlagen kann. Auf einem gläsernen Bildschirm. Was glaubt ihr denn, warum alle Bildschirme in Science-Fiction-Filmen durchsichtig sind?

Langsam beginnt auch die Grenze zwischen Robotik und Automatisierung und Komfort zu verschwinden. Wenn einst physische Maschinen für Entlastung zuständig waren (oder zumindest der Idee nach es hätten sein sollen), ist es heute Software: Amazons Alexa mag zwar kein Roboter sein, die physische Aufgaben direkt abnimmt, aber sehr wohl selbstständig Einkäufe tätigt und in gewisserweise automatisiert reagiert.

„Alexa, was tust du gerade?“
„Ich lerne.“

Wirtschaftlicher Aspekt und Probleme

Aktuell sind allumfassende und kommerzielle Nutzung robotisierter Haushalte dem Massenmarkt kaum zugänglich, da die Innovationskosten das Budget der unteren Mittelklasse übersteigt und ein gewisses Bewusstsein nach Datenschutz (dank der DSVGO zwar langsam ermüdet) vorhanden ist.

Sicherlich wird es immer Leute geben, die „nichts zu verbergen haben“ und Alexa ihr Leben managen lässt, der Großteil aber, so behaupte ich, beäugt diese Entwicklung kritisch: Datenschutz und Autonomie wiegen im Moment noch stärker, als Komfort und Bequemlichkeit. Andererseits bin ich mir dessen oft nicht sicher, denn der beliebte Satz: „Sollen sie ruhig, ich hab‘ ja nichts zu verbergen!“ fällt zu häufig.

Jede technische Entwicklung ist mit dem Internet verbunden. Es mag sich für manche sympathisch anhören, wenn zu schnelles Fahren, dank integrierter Internetverbindung, automatisch sanktioniert wird, andererseits – sollten die Daten zu Versicherungen gelangen, könnten diese ihre Versicherungsnehmer höher belasten. Ein Husten während des Fahrens wird als schwerwiegende Krankheit gemeldet, die Smartwatch am Gelenk misst einen schnelleren Puls und deutet auf psychische Zerrissenheit hin, die Müdigkeit nach der Arbeit verrät Depressionen, und siehe da: Der Versicherungsnehmer steht unter massiven Druck gewisse Angebote in Anspruch zu nehmen und zahlt drauf. Und da es unfair wäre, wenn nur einer was auf den Deckel kommt, verpflichten wir also unsere Mitarbeiter einen Chip zu tragen, um sie gezielt kontrollieren und steuern zu können. Oder zumindest, ihnen laut BMI vorzuschreiben wie viel Sport sie in den Pausen machen müssen um volles Gehalt zu erhalten? Science-Fiction? Von wegen!

Aus wirtschaftlicher Sicht im Hinblick auf das Individuum ist eine Automatisierung definitiv als negativ zu bewerten.

Technischer Aspekt

Wie werden Roboter versorgt? Solar-Energie? Strom? Wie kommuniziert der Mensch mit der Maschine? Programmierer sehen sich heute bereits mit Rassismusvorwürfen konfrontiert, wenn gewisse Applikationen Gesichter von Schwarzen nicht unterscheiden können, schlicht und einfach, weil der Coder nicht daran dachte. Im Moment ist die künstliche Intelligenz noch zu wenig erforscht um autonome Roboter zu produzieren, die eigenständig handeln – auch sind menschliche Bewegungen sehr komplex was eine perfekte Nachahmung im medizinischen Bereich erschwert.

Hält man sich dann aber (und jetzt sind wir bei den Robotern von denen ich oben sprach) Kreationen von Boston Dynamics vor Augen und kombiniert diese mit etwas „Intelligenz“ (oder zumindest die Fähigkeit auf gewisse Aktionen zu reagieren) und erinnert man sich an die eine oder andere Black Mirror-Folge, so wird sich nur ein Gefühl einstellen: We are doomed.

Zusammenfassung

Seit 200 Jahren ist deutlich zu erkennen, dass Automatisierung zur Reduktion von Arbeitsplätzen führt und Arbeitslosigkeit dadurch steigt, aus welcher es dank dem Neoliberalismus keinen wirklichen Ausweg mehr gibt. Der Mensch heute ist Produkt, Arbeitskraft und Ware zugleich. Roboter wollen im Gesundheitswesen nicht eingesetzt werden, weil sie „unmenschlich“ sind, sollen aber als Kriegsroboter „unmenschlich“ Menschen töten. Auch gibt es ungeklärte Fragen hinsichtlich Recht und Hafbarkeit: Wer wird rechtlich belangt, wenn diese Roboter Fehlverhalten zeigen? Die Firma, die den Roboter verkaufte, der Hersteller, der ihn produzierte, oder der Konsument, der ihn kaufte?

Es ist und bleibt spannend.

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;

Es gibt Menschen, die hassen „;“ – und ja, ich verstehe es ja eh: Diese Unfähigkeit einen Punkt zu setzen, wenn nichts weiteres zu sagen wäre (und/oder dazu zu stehen, dass man nichts weiteres mehr zu sagen hat) oder den Satz, den Inhalt oder auch die Idee gekonnt weiter zu spinnen und mit einem „,“ zu verbinden.

; ist die einfache und billige Variante zwei Dinge miteinander zu kombinieren, ohne sich ehrliche Gedanken darüber machen zu müssen, ob diese Ideen und Dinge auch verbunden gehören.

Ja, zurecht mögen viele intelligente Menschen das Semikolon nicht, und wenn es doch Verwendung finden sollte, dann für Menschen, die am Abgrund standen oder stehen und damit an die Öffentlichkeit gehen. Der Autor entscheidet einen Satz nicht zu beenden und so entscheiden diese Menschen, ihr Leben nicht zu beenden.

Trotz all dem wird ; einfach zu gerne und zu häufig verwendet.

Ich verwende es häufig und gerne und denke mir, anders als eben kritisiert, dass diese beiden Sätze ja tatsächlich noch zusammen gehören; ich erinnere mich übrigens gerade daran, dass ich schon Mal dazu geschrieben habe, aber nicht mehr wo und wann. Seht ihr, ein perfektes Beispiel wie man dieses ; gekonnt einsetzt. Findet ihr nicht?

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RL & Internet: are we all mad here?

Im Real Life bekommt man viel weniger von schlechten Nachrichten, Trauerbekundungen und Wutmeldungen mit. Da wirkt es fast so, als existiere das alles nicht. Real Life, das neue Internet? Ein Zufluchtsort für jene, denen die (Internet) Realität (im Internet) zuviel wird!

So verbrachte (und verbringe ich hoffentlich auch desweiteren) überwiegend mehrere Stunden und Tage im realen Leben. Mit realen Menschen. Mit physischem Kontakt. Mit Gesprächen und durchaus interessanten Unterhaltungen und Tätigkeiten (wie Eislaufen!). Und dabei vergisst man all die Mühseligkeiten und Erschwernisse, wie sie im Internet zu finden sind; wie Social Media sie dir an den Kopf wirft: „Schau her! So schlecht geht es XY! Tu was! Spende!“ und wo politische Beschlüsse, Meldungen und Worte bis zum umfallen analysiert und den ewig drei gleichen Accounts wiedergekaut werden.

Und wenn die Türkei 300 Werbetweets pro Tag für tollen Badeurlaub (inklusive glücklichen Menschen) schaltet, frägt man sich unweigerlich, in welcher aller skurrilen Parallelwelten man sich eben befindet, oder ob dies wirklich die Realität ist, in welcher wir zu leben haben; und man sich dann die Frage stellt: But why? Und ob man nicht doch etwas komplett irrationales tun könnte, weils eigentlich komplett egal ist. Aber ja, I know. Für die Einzelperson wird immer alles und überall Konsequenzen haben, I know. I know.

Old but ain’t good anymore?

Es gibt nichts neues mehr im Internet: Du hast deine Persönlichkeit (und wechselst binnen Sekunden zur anderen, boring), du kennst all die Katzenbilder und Gifs und Memes (nicht zwangsläufig boring, aber wann hast du wirklich ein gutes Meme gesehen, also ein richtig, richtig gutes und originelles? Fein, Katzenvideos sind immer toll) und du liest die ewig gleichen schlechten News von korrupten Politikern, dem Klimawandel und wie wir uns alle anstrengen müssen („Geh mehr zu Fuß, steh halt früher auf!111!!!“), damit sich noch etwas ändert (tut es nicht), siehst Bilder von sterbenden Koalas und bedauerst, dass, solltest du irgendwann finanziell soweit gekommen sein, um dir einen 3 Wöchigen Australien Urlaub zu leisten, Australien vermutlich komplett verbrannt ist und es dort nichts mehr zu sehen geben wird. Daneben konsumierst du die ewig gleiche Werbung; Serien und Filme ähneln sich und bleiben einander gleich, die letzte Perle ist ewig her!

Ist das Real Life das neue Internet?

Gibt im Real Life doch mehr zu entdecken? Immerhin, kauft man keine Zeitungen und schaut man nicht fern, gibt es keine schlechten Neuigkeiten, außer die, die die Studenten am Tisch nebenan diskutieren. Aber sonst. Nada. Nichts. Klingt das nicht nach Himmel und Frieden?

Im Real Life gibt es Tiere! Man kann beispielsweise morgens Tauben auf Leitungen beobachten wie sie versuchen, auf die im Morgenstress hin und her huschenden Passanten zu scheißen. Aber okay, im Internet gibt es einen Tauben-Simulator, mit dem man das ganze Szenario vermutlich (oder mit ziemlicher Sicherheit) nachspielen kann.

Es gibt auch andere Menschen (denen man via Internet zwar entfliehen möchte), und beziehungsweise aber, wenn man sich nur ein wenig die Zeit nimmt oder auch die Muse, jemand anderen kennen lernen zu wollen, stellt sich heraus, dass diese auch interessant sind; und wann hast du letztes Mal wen online kennen gelernt und dich 6 Stunden straight unterhalten? Eben! Es ist eine Illusion zu glauben, man finde die richtige Person nur im Netz und im Real Life fast nie. Okay, sowas passiert auch nicht im Real Life besonders oft. Aber es passiert. Und auch wenn man glauben möchte, durch dieses Online-Nischenverhalten an exakt die eine Person zu kommen, so lasst es mich sagen: Auch das passiert nicht häufig. Also mir zumindest nicht.

Ich mag übertreiben, aber

Das, was im Internet einst rar war, gibt es in Überfülle. Die Einzigartigkeit gewisser 1’en und 0’en ist vorbei. Hello Capitalism!

Erinnere dich an die Anonymität früherer Chatrooms, eine ICQ-Nummer, nichts weiter. Und heute präsentierst du dein Leben auf Instagram, LinkedIn, Facebook, Twitter, Snapchat und profilierst dich mit richtigem Namen. Dein perfektes Leben (weil es ja echt so ist, ist es!) und Hey, hier bin ich! Seht mich an! Folgt mir! (Btw, ihr könnt mir auch via E-Mail folgen, ihr braucht keinen WordPress-Account…).

Wollte man früher nicht gefunden werden und hatte es vermieden, Spuren zu hinterlassen, legt man es heute darauf an, sich das perfekte Leben zusammen zu schustern (welch antiker Begriff, zu „schustern“) – oder, wenn schon nicht perfekt, dann wird zumindest das inszenierte Fehlen von Perfektion (die ebenfalls Follower abgreifen kann) beworben. Es gibt für alles eine Zielgruppe und Abnehmer. Go for it!

Diese gemütliche Nische, in der man Gleichgesinnte finden konnte, die gibt es fast („fast“, weil ich mir sicher bin, dass irgendwer mir hier widersprechen wird) nicht mehr. In der man anonym sagen konnte: „Ich mag X!“ Und jemand anderer antwortet: „Ich auch!“ In welcher, anders als heute, nur Anonymität gab! Außer man gestaltete sich eine mit Gifs überfüllte, glitzernde Homepage und wies die Leute extra darauf hin.

Dieses heimelige Gefühl eines IRC-Channels, der Tag und Nacht geöffnet war und nicht diese WhatsApp Gruppen, denen du wahllos, ja fast belanglos, hinzugefügt wirst, einfach so, weil grad lustig und sich binnen Stunden niemand mehr daran erinnert, dass da was war. Ja, ihr kennt es noch: Das persönliche und ehrliche Element in eben diesen anonymen Konversationen (oder mit anonymen Accounts), welches dem Vorgaukeln persönlicher (super mega geiler) Erlebnisse mit Klarname und einer öffentlichen Liste mit 567 „Gefällt mir“ Angaben (die abschätzen lassen (und sollen), wie jemand ist und ob sich der Kontakt überhaupt lohnt) konträr gegenüber steht. Das Internet ist durchaus das neue Real Life (ein Dorf! Wir sind bei Facebook befreundet!), sowie das Real Life zum neuen Internet verkommt (Niemand kennt mich mehr! Wer bist du?).

Exakt Schön, dass wir uns verstehen.

Are we mad?

Das Internet ist das neue Real Life und das Real Life das neue Internet.

Sicherlich lässt sich im Real Life nicht einfach eine neue Identität schaffen, aber verweigerst du dich Social Media, hinterlässt es den Eindruck (zumindest für andere), als wärst du jemand komplett anderer, oder zumindest jemand, den man nicht zu glauben kennt, was meist der Fall ist, dank gewisser Angaben (und Profilierung) und dergleichen. Und sicherlich ist das Real Life nicht mit der konstruierten, geschaffenen digitalen Welt zu vergleichen. Hier gibt es lästige Verpflichtungen, die tatsächlich schwerwiegende Konsequenzen haben können. Wobei auch Verstöße im Netz ebenfalls schwerwiegende Konsequenzen haben kann. Der (zumindest in unserer Erinnerung) freie und rechtlose, anarchische Raum der frühen späten 90’er und 00’er Jahre ist schon lange passé. Und natürlich wird mich gleich jemand darauf hinweisen, dass es den nie gegeben hat und wenn, in den späten 80’ern sein Ende fand und diese Person dabei war. Im DOS. Am Commodore. Okay, X-Gen, I get it.

Alles was einst Besonders war, ist Mainstream und trägt oft mehr Bedeutung (da mehr Verbreitung und Sichtbarkeit!), als manche Handlungen im Real Life es je täten oder getan hätten. Schaut euch zum Beispiel Liebesbeziehungen an: Da gibt es auf Social Media einen Eintrag von vor 3 bis 4 oder 6 Jahren und hätte man dies im Real Life wohl nie in Erfahrung gebracht, zermalmt man sich jetzt den Kopf über die Bedeutung dessen. Und dabei war das vor X Jahren! Ich meine, wie wahnsinnig ist das? Und obwohl man sich den rationalen Fakten bewusst ist, wirkt der Umstand viel gewaltiger. Ist so. Ihr habt das alle schon erlebt. Social Media is a bitch. Und weiter, warum postet sie dieses Meme in ihre Story? Will sie mir damit was sagen? Will sie auf etwas hindeuten? Warum? Und wenn das andere sehen?! Und warum liked er gerade diesen Beitrag? Was hat das zu bedeuten? Und warum? Und warum dies? Und warum jenes? Yes, we’ve all been there. Auch du, lieber Leser. Auch du. Und da wir alle um diesen Umstand wissen, macht es das zumindest ein wenig leichter. Und wem es immer noch schwer fällt: Selbstironie hilft. Wirklich.

Oder wann habt ihr das letzte Mal eure Telefonnummer zwecks einem Telefonat und nicht für WhatsApp hergegeben? Ihr seht was ich meine: Diese frankenstein’sche Symbiose zwischen Real Life und Internet ist eigentlich das schlimmste von allem und widerspricht den zwischen den Zeilen zu lesenden Thesen dieses Beitrages!

Sucht der eine Zuflucht im Netz vor der weitreichenden Tragik des Real Lifes, den ewig lästigen Verpflichtungen oder zumindest ein wenig Friede und Ruhe, wird sie ihm erschwert; denn selbst im Internet wird er mit ausreichend Facetten des Real Lifes konfrontiert die dessen Anonymität zu Nichte machen; und seien es nur zielgerichtete Werbeeinschaltungen. Und versucht sich wer komplett aus dem digitalen Wahnsinn auszuklicken, nun, für den schauts noch schlechter aus.

Ich stelle erneut die Frage, leben wir in der skurrilsten aller Welten? Und wenn ja, warum verhalten wir uns dann so? Let’s get mad!

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Der Autor und dessen Tod

Die Diskussion wer sich wann „Autor“ oder „Schriftsteller“ nennen darf, ist so alt wie das Genre der Selfpublisher selbst. Ab wie vielen verkauften Exemplaren bin ich Autor? Bin ich Autor wenn ich Bücher schreibe, aber nichts verkaufe? Und bin ich Autor wenn ich nur für mich schreibe und Posthum Freunde meine Notizen veröffentlichen? Bin ich Autor, wenn ich in einer kleinen Dachwohnung meine Geschichten auf zerknittertem Papier festhalte und das lose Leben eines Bohemiens lebe?

Unzählige Literatur- und Autorenblogs stellten sich bereits diese Frage, aber beantworten kann sie keiner so genau.

Michel Foucault, französischer Philosoph und Schriftsteller, hat dazu eigene Ansichten und schrieb in seinem 1969 veröffentlichten Büchlein „Was ist ein Autor?“ folgendes:

Der Autor sei nicht mehr nur physisch konkret präsent, sondern eine bloße Funktion des Diskurses. Pierre Bourdieu klingt sich ein und sagt, dass die Autorenschaft zwischen den Feldern der Kommunikation (Rezeption) und des gesamten Diskurses (dem darüber reden) organisiert wird. Ausnahmen gibt es immer: Diese Funktion wird natürlich nicht erfüllt, wenn es sich um Bürokratie oder amtliche Akte handelt.

Gibt es den Autor überhaupt noch?

Der Tod des Autors

Foucault stellt nicht die Autorenschaft in Frage, sondern zeigt sie in ihrer Wirkung auf. Er verabschiedet sich von der Auffassung der „individuellen Persönlichkeit“ und lässt das „Universalgenie“ hinter sich. Er bricht den Autor als bloße Funktion der Namensverwendung hinab und definiert ihn als „Kommunikations-regulierendes Element“.

So sei der Dichter Homer historisch kaum zu fassen: War es ein einzelner Mann? Oder ein Kollektiv. Ähnlich sieht es auch Bourdieu und spricht davon, dass der Name wirkt, welcher ein Werk autorisiert beziehungsweise zu einem Werk macht. Nach Bourdieu ist der Autor ebenfalls nur ein Konstrukt.  Und Roland Bartes geht soweit und sagt, dass der Autor an sich stirbt und der Leser geboren wird. Der Autor wird unwichtig.

Der Wert eines Werkes resultiert nicht aus seiner Einzigartigkeit, sondern aus der Seltenheit des Produzenten. Es käme darauf an, sich einen Namen zu machen und bestimmte Wertschätzungen zugewiesen zu bekommen. JK Rowling mag sich bei Kinder- und Jugendliteratur als Unschlagbar erweisen, den Kriminalroman nehmen ihr die Kritiker trotzdem nicht ab.

Wie kommt der Autor zum Name?

Eine breite Leserschaft, Medien, Influencer, Werbung, Politik, Skandale. Alles was man sich nur vorstellen kann, was zu Gerede führt. Besonders aber Institutionen, die Macht besitzen (wie große Verlage und Zeitungen) und die zu neuen, quasi, Machtverhältnissen beitragen können, und festlegen welcher Autor als Bestseller-Autor gilt. Der Autor kann noch so spannend schreiben oder eine interessante Idee haben, den Zeitgeist treffen oder umwerfend sein; der Verlag ist es schlussendlich, der diesem einen Platz zuweist. Siehe erneut JK Rowling welche von 19 Verlagen abgewiesen wurde. Mit Aufkommen der Selfpublisher vor allem auch via Amazon gelingt es einigen Wenigen zu Ruhm zu gelangen, diese aber bleiben nach wie vor die Ausnahme; und da beginnt ein neuer Diskurs, welcher die Wichtigkeit von Verlagen (trotz Marketing, Werbung, gewisse Vorgaben und dergleichen) in Frage stellen; auch wenn ein „in einem richtigen Verlag“ publiziertes Buch immer noch mehr Wert besitzt, als derjenige, der seine Kurzgeschichte via Amazon raus schmeißt.

Trotzdem bleibt: Der Autor beteiligt sich bei einem Gesellschaftsspiel und stellt dessen Regeln nicht in Frage. Er kann sie gar nicht in Frage stellen, will er nicht auf Ruhm und Reichtum und auch Reichweite verzichten. Er kann mitspielen und den Wünschen seiner Zielgruppe und Lesern gerecht werden, als Selfpublisher oder sich den Vorgaben eines Verlages unterwerfen.

Nachlese

  • Pierre Bourdieu: Soziologische Fragen. Frankfurt/Main 1993.
  • Pierre Bourdieu: Die Regeln der Kunst. Frankfurt/Main 1999.
  • Michel Foucault: Was ist ein Autor? oO. 1969.

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„The Divergent“ Series

Sonntag Nachmittag. 3 Filme. Jeweils 2h bis 2,5h. Und richtig schlecht sollen sie auch sein! Wäre eigentlich perfektes Trash-Kino gewesen. Denn ja, solche Filme muss man sich im Kino anschauen. Dafür ist Kino gemacht!

Es darf sich wirklich niemand mehr über „Danger Zone“ lustig machen, welches 3x gespielt wurde, wenn „Run Boy Run“ (in Abwandlungen) sicherlich über 4x zum Einsatz kam. Zugegeben, das Lied ist gut und eignet sich hervorragend für postapokalyptische Teeniefilme. Mittlerweile aber habe ich es in 3 Filmen/Serien gehört.

The Divergent (2014)

Das postapokalyptische Chicago sieht nett aus: zerfallene Bauten (man hätte sie eigentlich abreißen können) und Wildnis; und es gibt 5 Stände/Klassen welche anhand der Kleidung erkennbar sind: die glücklichen Bauern in Orange und Erdfarben im Hippiestyle, Rechtsgelehrte tragen modisches Schwarz und Weiß (die übrigens immer die Wahrheit sprechen), kluge Wissenschaftler im noblen Blau, Soldaten tragen Militarystyle in Schwarz und Rot (sie sind überdies brave und fearless and free – springen aus fahrenden Zügen und so, Leben am Limit und so), die Helferlein und Selbstlosen, unsichtbar in Grau gekleidet, und dann gibt es noch die Obdachlosen, die Fraktionslosen.

Die Hauptdarstellerin: Ein junges Mädel, welches besonders und special ist (sie ist ein Divergent – was sehr selten ist) und Ashley Judd! Dank Weinstein-Asshole (sie verweigerte sich und bekam keine Rollen mehr) sah man sie nie mehr im TV, bis jetzt. Dann gibt es Revolutionen, weil das Volk sich langsam wehrt und ja, die Geschichte plätschert dahin.

Nach dem Test, der bereits die Richtung vorgeben soll, dürfen sich die Jugendlichen dennoch aussuchen, wohin sie wollen; trotzdem soll man (eigentlich) dahin, wohin man gehört (bzw. die Eltern gehören), denn das sei wichtig (und wechseln kann man nicht): Der Sohn der grauen Leute und Bruder von Beatrice wählt Ravenclaw, die Klugen; und sie die Soldaten und Krieger (weil sie ja cool sind). Aber hier muss man sich erst beweisen: Auf und von fahrenden Zügen und ins Nichts springen; und wenn man sich weigert beziehungsweise zu ängstlich ist, ist man Fraktionslos (oder tot). Hier gibt es auch gemischte Schlafzimmer und Gruppenduschen. Aber es ist nicht so super: Jene, die sich für die Soldiers entschieden haben, werden separat trainiert (nicht mit jenen, deren Eltern bereits in dieser Kaste waren) und jener Kandidat oder Kandidatin, der oder die schlechteste ist, wird ausgestoßen (aka Fraktionslos). Also nix mit heile Welt und super: hier herrscht bitterer Wettbewerb. Die Jugendlichen haben gewählt, aber jetzt wählen sie, die Fraktion selbst, wer bei ihnen sein darf.

Und es gibt eine Verschwörung! Denn sie werden bald bemerken, dass sie, Beatrice, nicht hier her gehört und herausfinden, dass sie eine Gefahr darstellt! Und wenn jemand nicht in eine Kategorie passt, sondern in alle, ist man nicht kontrollierbar und somit gefährlich! Ich finde diesen Kontext in einem Jugendbuch durchaus nett und gelungen. Seid was ihr sein möchtet, ihr müsst euch nicht in diese vorgegebene und strukturierte Welt einfügen, weil dann seid ihr im System und kommt nicht mehr heraus. Versucht dem zu entkommen, indem ihr alles seid, auch wenns gefährlich ist.

Also kämpft sie ganz fest dafür, dass sie eine von ihnen wird. Aber es gibt jemanden, der ihr hilft; nämlich ihr further Loveinterest aka Boyfriend. Er zeigt ihr, wie sie die Tests richtig meistern kann (nämlich Tools benützen, was auch gar nicht so dumm ist), denn so wie sie, macht das keiner und das würde sie auffliegen lassen.

Kate Winslet jagt übrigens Divergents, und als eine von den Intelligenten, steht sie kurz vor der Machtübernahme (weil „human nature“ für alles Übel verantwortlich ist, Emotionen und so), und die Selbstlosen (die aktuell Macht haben) nicht so das wahre seien, und das finden auch die anderen. Und was eignet sich besser, als eine, guess what? Soldatenarmee! Die einen liefern die Chemie, die anderen Subjekte, und siehe da, die willenlose Soldatenarmee marschiert bereits. Und es gab nochmal einen Divergent! Aber der wird gleich umgebracht als er aus der Reihe tanzt (literally). Und während der Terror-Aktion, die deren Machtübernahme sichern soll, entdeckt sie Beatrice; denn bei Divergents wirkt die Brainwash-Chemie nicht und Boyfriend war zu klug. Let’s get started!

In den letzten 20 Minuten muss sie einen Freund töten, ihre Mutter (die sie eben erst gerettet hatte) stirbt (und später auch ihr Vater) und sie müssen die Festung der Soldiers zurück erobern. Gegen Ende rettet sie ihren Loveinterest und sie fliehen. Und ich finde das wirklich super, so billig und oberflächlich der Film sein mag, hat die Story rückblickend durchaus einige Pluspunkte.

Wieso dachte ich immer, es ging in dem Film um virtuelle Realität und zerbrechende Spiegel und eine Aussenwelt, die ganz anders ist, als einem gesagt wurde?

Insurgent (2015)

Der Kampf der Fraktionen verschärft sich, und die wahren Feinde sind, laut Kate Winslet: Die Divergents. Sie sind für den Massenmord an den Selbstlosen (nein, sind sie nicht, Kate wars) verantwortlich! Sie sind das wahre Übel!

Tris findet mit ihren Freunden derweil Zuflucht im Wald; und lebt (eher weniger als mehr) friedlich und so halb zufrieden im Happy und alles Super-Hippie Earth Camp (sie haben Pferde!); und es gibt eine Kapsel mit einer Message von den Gründern der Gesellschaft, aber nur ein Divergent kanns öffnen.

Nachdem die Soldiers sie im Camp ausfindig gemacht haben und sie erneut fliehen müssen, raufen sich die letzten drei (Tris, Boyfriend und ihr Bruder) mit Fraktionslosen Banditen. Es stellt sich schnell heraus, dass diese bereits nach Boyfriend gesucht haben. Ohne Umwege werden sie in den Untergrund chauffiert, welcher einer Rüstungsfabrik gleicht (alles schreit nach Krieg). Der Widerstand formiert sich blendend und wird von Boyfriends Mutter angeführt (die ihren eigenen Tod fakte um ihrem gewalttätigen Mann (Leader der Selbstlosen übrigens) zu entkommen, aber ihren Sohn dort ließ (this is getting wtf..)). Aber sie will eine Armee, eine Allianz (aha, daher weht der Wind) und ebenfalls Kate töten.

Auf der Suche nach den anderen in Candor (wo die Rechtsschaffenden sind), werden sie festgenommen und vor Gericht gestellt (weil man glaubt, dass sie die Bösen sind), inklusive Wahrheitsserum. Es gibt übrigens recht viele Divergents, die Kate für die Box tötet. Also so selten scheint dies doch nicht zu sein. Was übrigens wieder eine super Message ist: Nicht nur einer, sondern jeder hat was besonderes!

Und nachdem Kate unbedingt Tris braucht, weil sie zu 100% Divergent ist, gibts den nächsten Überfall mit Dingens-Tech, die die Leute bewusstlos machen, ausser Divergents. Aber Boyfriend rettet sie, bevor sie mitgenommen werden kann. Und er gibt den Preptalk: It’s time to fight back. Now it’s war! Und natürlich lassen sich die Leute mit dem Dingens-Tech kontrollieren – und wenn man sie rauszupft, dann zerstört es den Host. Die bösen können also beliebig viele Menschen töten. Der zweite Teil ist schon ein wenig too much.

Aber es nützt nichts und Tris muss gehen und sich der bösen Frau stellen; sie geht allein. Aber die Bösen haben quasi (weil er freiwillig dort ist) ihren Bruder und so spielt sie mit. Via Sim lassen sich vier der fünf Blöcke entschließen. Auch Boyfriend ist mittlerweile eingesperrt, in der Sim bricht die ganze Welt zusammen; sie „stirbt“ und alle vier Blöcke sind wieder geschlossen. Aber natürlich ist sie nicht tot und der Überläufer (einer ihrer alten Kameraden) war zumindest eine Hilfe (nachdem sie ihn in der Sim leben lassen hatte). Jetzt müssen sie nur mehr die Box holen, und nachdem ihre Mutter dafür gestorben ist, öffnet sie es gleich vor Ort; ohne Kampf; und siehe da:

Spoiler.

Ihre Stadt ist ein Experiment von draußen! Fraktionen wurden geschaffen um den Frieden zu sichern, mit der Hoffnung, dass sich welche weiter entwickeln (diese Logik ist mir nicht ganz verständlich); Divergents sind der wahre Grund für diese Experimente; denn die sind wichtig für Menschheit! Und die Menschen warten mit Hoffnung hinter der Mauer (zumindest vor 200 Jahren). Too much.

Warum glaubte ich, dass sie in diesem Teil hinter die Mauern schauen und draufkommen, dass alles anders ist als gedacht? Aber es war ja eh fast so.

Allegiant (2016)

Das ist das Problem, wenn man einen Zweiteiler macht und der erste Teil so scheiße ist, dass der zweite nur mehr als TV-Film hätte produziert werden will und der Cast und die Mitarbeiter zurecht, angepisst sind. Wenn, dann dreht man alles in einem. Wie bitter ist es also, einen Film zu beginnen, der Abschluss einer Trilogie und nie das Ende erfahren zu können? (Ausser man liest die Bücher).

Die Menschen machen sich also auf den Weg nach draußen. Oder auch nicht, denn plötzlich werden sie aufgehalten und niemand geht hinaus. Ich finde es auch erstaunlich, dass die Liebesbeziehung der Hauptakteure über drei Filme hinweg, ohne dass Drama oder Dreieck dazwischen kam, durchhält.

Und nein, man geht nicht hinaus, solange man nicht die Absichten, der Menschen von draußen kennt, die diese Fraktionen erschaffen haben. Ja aber, die Menschen kontrollieren das! Was bringt es ihnen, wenn sie nicht raus gehen, sie haben eh keine Chance? Wenn die Leute von draussen sie vernichten wollen, was wollen die Leute dann ausrichten? Na eh könnten die Leute mittlerweile tot sein.. 200 Jahre sind eine lang Zeit. Und Mauern sind auch dazu da, Gefahren abzuwenden. Aber es gibt keine Fraktionen mehr und Tris sollte eigentlich bei den Führern sitzen, die jeden einzelnen vors Gericht stellen und schon schreit der Mob nach Rache und Blut. Es ist alles ein wenig chaotisch.

Aber ja; Tris, ihr Bruder, der Überläufer, Boyfriend, die freundliche Tattoolady (für die nach der Supply Lieferung keine Verwendung mehr da ist und stirbt) und Christina (Zoe Kravitz) machen sich auf den Weg zur Mauer. Das ist der Film mit der Mauer! Wo sie die Mauer hinauf laufen! Und dem dahinter! Endlich! Der Mob hat mittlerweile die Kontrolle übernommen und richtet selbst. Menschen halt. Gib ihnen etwas Freiheit und sie beißen dir den Arm ab.

Dahinter ist alles ziemlich rot und kaputt; radioaktiv vermutlich auch und es regnet roter Regen; auch der Himmel ist rot. Irgendwo liegt eine Raumstation am Boden. Dann werden sie (wieder mal) von den eigenen Leuten verfolgt, die Gegend ist immer noch Wasteland. Plötzlich aber tut sich was und dahinter sind Menschen. Sie haben auf sie gewartet. Alles ist toxisch, die Zukunft ist doch etwas mehr SF und mit Tech. Die Welt ist tatsächlich zu Grunde gegangen. Bis auf ein-zwei grüne Flecken.

So erfahren wir auch gleich allen Übels Grund: 21. Jahrhundert, Gattaca und menschlicher Optimierungszwang – was, welch Wunder, man hätte es ja nicht ahnen können! fast die Menschheit zerstörte! Und die, die sich entwickelt haben (das heißt zurück entwickelt), sind „pure“ (nicht mehr enhanced, daher, nicht mehr genetisch modifiziert), daher „divergent“ und somit die Zukunft. Sie sind Reality-Stars! Seit 200 Jahren wurden sie studiert. Privatsphäre gibt es dort keine; das ganze wirkt schon etwas creepy. Die Message: Verstellt euch nicht! Zurück zur Natur! Macht euch nicht künstlich besser, ihr seid super so wie ihr seid!

Aber jetzt kommts: Manche genetisch enhancente (aka Erweiterte, in der Debatte aber spricht man von „Enhancement“), wie ihr Bruder und Boyfriend, sind genetisch „kaputt“; es gibt halt überall Nebenwirkungen: Will man zuviel Intelligenz, geht die Emotion verloren und so weiter. Diese steckt man in friedliche Gesellschaften, wie in Chicago (ihrem Zuhause) und über die Zeit hinweg, regeneriert sich das wieder – wie bei ihr. Sie ist genetic pure und alle anderen sind genetisch damaged. Alle. Ausser sie.

Das wird betont, deswegen betone ich das auch nochmal. Und wenn man versteht, was sie machte, dann kann man vielleicht den kaputten helfen. Ich finde diese Wende recht lustig; dass jene die kaputten sind, die sich zuvor verbesserten. Eigentlich müssten Hippies und Naturefreaks diese Filme bzw. Buchreihe lieben.

Und dann gibt es noch das Council, draußen in der realen Welt, die alles regieren und Entscheidungen treffen und ihre wahre Mutter wurde in „the fringe“ (im toxischen Wasteland) geboren und dort hin gebracht, zu diesem Experiment. Tris schaut in ihre Gedanken; die Soldiers sind die guten (und da gabs Böse). Und weil ihre Mutter mit und dann nach Chicago ging, hatte sie die Box dabei und unterm Haus vergraben.

Der Typ (ein deutlich älterer Jeff Daniels) will sie replizieren. Die anderen (Boyfriend und Co) müssen derweil Chiacgo beobachten aka überwachen aka direkt vor Ort sein. Virtual Reality, hi there. Und ihr Boyfriend sowie Christina werden wieder für das eingesetzt was sie können: Soldier sein. Kurz um: Sie werden beschäftigt, mit dem, was ihnen Spaß macht.

Aber wenn ihre Mutter von außen und sie pure ist, wozu braucht man dann die Stadt? Ja, na eh, es ergibt teilweise nicht so viel Sinn oder ich verstehe die tiefere Botschaft nicht.

In der Experiment-Stadt gibt es ja die Auseinandersetzungen weil es keine Fraktionen mehr gibt: Aber die Allegants (die eine Seite) wollen auf Fraktionssystem zurück greifen; weil es Friede sicherte. Der Bürgerkrieg geht weiter und Rocketlady wollte Frieden – Boyfriends Mommy jedoch nicht. Aber die interessantere Frage ist: was tun sie in „the Fringe“ außer Leute retten? Boyfriend wills heraus finden, nachdem Tris kaum mehr Zeit für ihn hat. Draußen lebt man 25-30 Jahre; in diesen Zeltstädten im toxischen Wasteland, wo Kinder gestohlen werden. Richtig, denn plötzlich erinnern sie sich nicht mehr an ihre Namen. I see what you did there.

In Chicago staut sich der nächste Krieg und Boyfriend will Tris mit nachhause nehmen; aber sie entscheidet sich für das Treffen mit denjenigen, die entscheiden. Er soll nach Chicago gebracht werden, landet aber im Nirgendwo mit jemanden, der ihm freundlich gesinnt ist (übrigens auch Pure, sie ist also nicht die einzige). Die Stadt, in welche Tris gebracht wird, ist sehr schön und futuristisch. Und Jeff Daniels, der so freundlich war, wartet nur auf seine Gelder, damit er sein Projekt (Chicago) weiter führen kann – er hätte schon längst eingreifen können. Aber immerhin bringt er die Fraktionen zurück, in Form vom Überläufer (der eine Typ da, der mit ihnen geflohen ist) der etwas mitbringt und zwar: Mindcontroll via Brainwash und C-Waffen – to restart all over again.

So, das Ende:

Tris fliegt also zurück, und sie hätte auch Verbündete in der Stadt. Mit super deluxe War-Tech mit Drohnen schaffen sies auch. Aber das Serum ist bereits in der Vorbereitung. Überläufer schießt Boyfriends Mum an, die die Stadt eigentlich nur retten wollte (ja na eh, wollen sie alle) und das Gas wird auf die Stadt entlassen. Sie versuchen die Situation noch zu entschärfen; Jeff Daniels arbeitet gegen sie. Aber sie ist klüger und zerstört den Hauptcomputer. Dann reißen die Wall nieder (die Wall, die ganz draußen ist, die Tarnmauer) und klären die Bevölkerung auf. Happy End.

Und hier beginnt wohl der vierte Teil, den wir nie sehen werden – allerdings, so nach diesem Beitrag, sei das Ende der Filmreihe durchaus gelungener, als jenes der Buchreihe.

Tjo.

Es war eine durchaus unterhaltsame Filmreihe für einen Sonntag Nachmittag; man hätte sich die Filme auch im Kino anschauen können, unterhaltsame Nobrainer mit einer etwas seltsamen Logik aber einer, im Grunde, guten Botschaft: Sei du selbst, veränder dich nicht und vermeide, dich ins System zu integrieren und wenn, schaffe dein eigenes, fern von althergebrachten Strukturen.

Ein Kommentar

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Me

Auf Insta gibt es sie zu hauf (diese verpönte Selfiekultur, die Welt geht zu Grunde! Eingebildete Filter-Bitches!); Twitter verschmäht sie (und die Leute entfolgen dir. Du darfst (nein sollst!) dich zwar mögen und darfst darüber twittern, wie geil du dich heute findest, aber bitte nicht sichtbar, keine Fotos, wirklich nicht); und Facebook, ja da kommentieren die ewig gleichen, mit „Oh, du alterst auch nie!“, seit Jahren.

Das Selfie

Die Kritik, man brauche 50 Versuche bis das passende dabei sei und dann entspräche es sowieso nicht dem Original-Bild und sei eine Verfälschung der Momentaufnahme und lenke den Fokus nur auf sich selbst, man vergesse alles andere, ist durchaus berechtigt (vor allem wenn sie in eine Art Druck ausarten, ein gutes Selfie posten zu müssen).

Aber nicht viel anders, läuft es bei einem klassischen Foto-Shooting ab. Mit Fotograf und so. Von 100 Fotos sind maximal 5 dabei, die sich verwenden lassen – und ja, sie sind alle gephotoshopt. Sie sind alle gestellt. Und man investiert Zeit. Viel Zeit. Und Planung. Ich weiß das, ich habe das selbst lange Hobbymäßig betrieben.

Warum wird das eine verschmäht, das andere akzeptiert? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil klassische Shootings professioneller sind?

Das Altern

Ich habe angefangen alte Shootingfotos durch zu schauen und aus den vielen, vielen Bildern, Collagen zu machen. Dabei fiel mir auf, was ich auch mit einer Shooting-Kollegin von früher erst kürzlich besprochen hatte, wie jung wir damals waren; die Jugend war uns ins Gesicht geschrieben und so glatt und so hübsch und so Faltenlos!* Makellos war ich nie, ich hatte immer schlechte Haut und je nach Essverhalten, auch heute immer wieder mal. Aber da finde ich Photoshop okay, solange man nichts permanentes weg macht oder verändert. Zu den Falten stehe ich noch in einem ambivalenten Verhältnis, da sie auch nicht immer da sind – und je nach Müdigkeits- und/oder Trockenheitszustand der Haut mal stärker zu sehen sind, und nach einer intensiven Feuchtigkeitskur und viel Schlaf weniger.

Eine Kollegin von früher will keine Fotos mehr von sich. Sie findet sich alt und hässlich. Ich darf darauf hinweisen, dass sie immer noch toll aussieht, aber eben nicht mehr wie Anfang 20. Vor einer gewissen Zeit überlegte sie auch, ob sie nicht doch 12 000€ in ein Facelifting investieren solle, der Arzt meinte, sie sähe dann wieder aus wie Anfang 20. Botox verwendet sie seit Jahren regelmäßig (und Botox finde ich soweit okay) aber die hängenden Backen, sie findet, sie gleicht bald ihrer Mutter, und nein, das will sie nicht. Sie hat es dann, vermutlich der Seltsamheit des Arztes wegen (der ihr aus Datenschutzgründen nur ein, zwei Fotos zeigen konnte), doch gelassen.

Die Selbstliebe

„Du musst zuerst dich selbst lieben, bevors andere tun können!“ ist der beschissenste Satz, den je jemand gesagt hat. Ich glaube nicht mal, dass irgendwer diesen Satz gesagt hat, ich glaube er wurde einfach von einer gelangweilten KI erfunden und in die Welt gelassen, so wie die Bonsaikatzen. Nein, du darfst dich auch selbst hassen und andere können dich trotzdem lieben. Dies wollte ich nur kurz angemerkt haben, weil ich, wenn ich diesen Satz lese, immer wieder anmaßend finde.

*Amüsanterweise muss ich anmerken, dass ich mich auf aktuellen Fotos attraktiver empfinde, als auf jenen, von vor 10 Jahren. Bedeutet das, dass ich mit dem Altern klar komme? Hell, no. Es gibt Tage, da will ich wirklich nicht. Wirklich, da möchte ich Facelifting, Botox und alles was es gibt. Einen real life Filter. Aber es gibt erstaunlich viele Tage (besonders, wenn ich meine fruchtbaren Tage habe; Körper, du Bitch), an denen ich mich ausgesprochen attraktiv finde. Und das ist okay! Nein, das ist sogar super!

Das Selfie II

Und hier komme ich wieder zurück zur Selfiekultur, die vorgibt, man liebe nur ein verzerrtes Abbild seiner Selbst.

So, what?

Selbstliebe ist Selbstliebe und ganz gleich, wie und warum und durch was, und das ist vollkommen in Ordnung – deswegen, was ich eigentlich sagen will, ist: Embrace it! Macht Selfies, wenn ihr euch danach fühlt. So, what? Zeigt der Welt, wie toll ihr euch fühlt – es ist euer gutes Recht, euch toll zu fühlen. Mit, oder ohne Filter. Das ist komplett egal – denn draußen nimmt euch sowieso jeder anders wahr. Dieses richtige, eine Selbst, gibt es nicht.

Aber dir fehlt ja was, wenn du das nötig hast!

Auch eine meiner Lieblingsreaktionen. Wer bemisst die Norm dessen, ab wann man an dem Punkt ist, an dem einem „was fehlt“ oder, umgangssprachlich gesagt, an Huscher hat? Wer? Wer entscheidet das – und nein, es ist nicht der gesunde Selbstwert, denn wer entscheidet was ein gesunder Selbstwert ist?

Aber die sind alle so Narzisstisch! So Selbstverliebt!

Und ja! Das ist gut so! Meine Güte.

Denen geht es ja nur ums Äußere, was wenn die mal alt werden, dann haben sie nix mehr!

Diese Reaktion finde ich auch toll: Nein. Ich bin eine von denen, und ja, meine Jugend verschwindet, und ja, ich finde es schade, aber.. I care less. Irgendwann kümmert man sich weniger darum, und sicherlich sehe ich junge Frauen neidisch an, der Hintern, jop, den hätte ich gerne, aber, in 5 Jahren steht der auch nicht mehr. So what? Was ist das bitte für eine abscheuliche Neidkultur? Darf man der Jugend ihre Schönheit bitte lassen? Sie vergeht eh so schnell.

Aber beruhigt euch; solange Kapitalismus und Patriarchat, Markt, Kultur und Entertainment bestimmen, wird es ausreichend Frauen geben, die unzufrieden mit sich sind, und ich wage zu behaupten, es sind sogar 99,999999989%. Aber wir sind auf einem guten Weg, dieses Denken aus den Köpfen der Menschen zu verbannen. Ein paar 100 Jahre noch. Ich bin zuversichtlich.

Ich

Und hier nur ein Bruchteil der Selfies, die ich am Meer aufgenommen habe:

Italien, 2019

 

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Über den fehlenden Respekt unter Frauen und was Frauenmagazine damit zu tun haben

Ausschlaggebend für diesen Beitrag waren zwei Artikel – und leider wird das Thema nicht alt. Beitrag aus 2017, 2018 und auch 2019 noch aktuell.

Einmal geht es darum, wie Feminismus auch Männern hilfreich sein kann (editionf.com) – den ich allen ans Herz lege. Ein anderer Artikel kritisiert (pinkstinks.de) einen Artikel im Magazins „Inside“ der VisionMedia GmbH Gruppe. Auch diesen empfehle ich hiermit weiter. Beide Artikel wurden übrigens von Männern verfasst.

Worum geht es?

Wir alle wissen, dass viele dieser „Frauenzeitschriften“ oft Frauen- und Menschenverachtend sind. Das Magazin „Inside“, und wer auch immer für den Inhalt verantwortlich ist, liebäugelt gar sehr mit der Misogynie, wenn natürliche Orangenhaut und Falten als „Schwabbelschenkel“ und „Wabbelfalte“ oder ähnlich abwertend bezeichnet und damit quasi geworben wird.

Ja, ich verstehe den Sachverhalt: Es ist ein schlechtes Boulevard-Blatt, dass im Glaube handelt, lustige und „freche und frische“ Artikel an die Menschen zu befördern. Und trotzdem fasziniert mich die Tatsache, wie Frauen so über Frauen schreiben können. Und ja, ich verstehe, dass das Leben am Markt hart ist, die Konkurrenz böse und das Magazin nichts dafür kann, es möchte ja nur Kapital schlagen und im Rennen bleiben, und wofür werden die Stars denn so gut bezahlt, als dass man sich nicht über sie lustig machen kann? Natürlich, das Magazin „Inside“ kann per se sicherlich nichts dafür, dass es derartig Frauenverachtendende Themen publiziert.

Jetzt mag manch einer sagen: „Übertreib‘ doch mal nich“ oder „Ja nee, is ja Boulevard, was erwartest?“ Und „Wissen wir ja eh alle, is halt so. Nimmt ja eh keiner ernst.“

Lieber Leser und liebe Leserin, lasst mich eines sagen:

Das Problem, dass dadurch mitgetragen wird, wirkt viel weiter: Die Respektlosigkeit, die unter Frauen herrscht und (auch) durch solche Magazine forciert wird (Stichworte: Neid und Hohn), webt sich in den allgemeinen Kanon beziehungsweise in kollektives Bewusstsein ein, wie eine Frau zu sein hat und nährt Stereotype. Zu guter Letzt profitiert das patriarchale System davon, folgend der Kapitalismus, die Wirtschaft und sowieso wir alle (Achtung Ironie!). Eh klar, ein alter Hut. Aber das liegt am Magazin? Nein, aber es (stellvertretend für all die anderen Magazine) trägt dazu bei.

Diese Magazine vermitteln: „Du bist nicht gut genug“ weil: „Schau mal, Tyra Banks hat das auch und boah, ist die ein hässlicher Wabbel! Wie du!“

Ergo wird eine natürliche Veranlagung, die man hat oder auch nicht, beziehungsweise eine Entwicklung, die früher oder später ausnahmslos jeden treffen wird, der ein entsprechendes Alter erreicht, schlecht geredet – was dazu führt, dass entsprechende Personen sich 1) so oder so schlecht fühlen und sich 2) via Amüsement über andere Frauen in ein „besseres“ Licht zu rücken versuchen, um die männliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und weg, von der anderen.

Und dieser ganze Blödsinn mündet schlussendlich einem hoffnungslosen Neid und Konkurrenz-Gezeter, dass sich von angelerntem Verhalten und kapitalistischer Verkaufsstrategie speist. Es gilt nach wie vor: „Sei hübscher als die andere, angle dir den Mann, der dich dann umsorgt, weil dir ist es verboten Geld zu verdienen/weil ohne Mann bist du nichts Wert und eine Schande/Bürde für deine Familie, Frauen sind Feinde.“

Wo kämen wir hin, wenn keine Frau mehr Make-up und „verschönernde“ Maßnahmen verwenden wollen würde? Wo kämen wir hin, wenn alle nur mehr friedlich und freundlich miteinander umgingen und der Mann nicht mehr im Zentrum aller Überlegungen stünde? Das müsste doch seine Macht schmälern, nicht? Schon bei den minimalsten Veränderungen protestieren Männerrechtler, dass es keine „Gleichberechtigung“ sei, sondern das „Stück vom Kuchen“ einem Verlust von Privilegien nahe kommt, die bislang nur für sie gültig waren.

Das Argument, sich im eigenen Körper wohler zu fühlen, wenn man sich ungeschönte und authentische Bilder von sonst perfekt inszenierten Celebrities ansieht, lasse ich nur insofern gelten, sodass einem bewusst wird, dass diese Leute ebenfalls nur normale Menschen sind – und im Gegensatz zu Hochglanz-Photoshop Cover etwas Realismus in die ganze Sache einfließen lassen. Aber hier beißt das „Wie“ wild um sich und giert nach Aufmerksamkeit und Verkaufszahlen. Sinnvoller wäre es, weniger Photoshop und Damen aller Körpergrößen zu zeigen, ohne Kommentar. Ohne extra darauf hin zuweisen. Ohne es auf einer Meta-Ebene noch einmal zu diskutieren.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, spitzfindig gesagt: Dem jeweiligen Schönheitsideal, am Winkel, der jeweiligen Bildauflösung und Inszenierung, am Licht und der Position selbst. Also ja, man vergleicht seine wabbligen Schenkel mit denen von Schauspielerinnen oder der Frau vom Nachbarn, kaschiert jede Falte und leugnet das Alter.

Fazit

Das „Ungenügen der eigenen Person“ und die Jagd nach dem „Mann“ stützt die patriarchale Idee und wird durch Kauf diverser Produkte gestärkt. Über Photoshop Cover und explizites Casting schöner Frauen in Film und Fernsehen bis hin zum Hashtag #nomakeup, aber mit zig Filter, schmeichelnder Position und entsprechendem Lichteinfall ist alles mit dabei.

Es gilt daher, den ersten Gedanken zu akzeptieren, wenn wir neidisch sind auf die tolleren Brüste oder den hübscheren Hintern und den zweiten zu lenken, zu hinterfragen – und sich bewusst zu werden, woher dieser kommt und vielleicht sogar, wenn möglich, sich mit der eigenen Imperfektion anzufreunden.

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Dinge, die im Mai’18 von Interesse waren: Rauchverbot und Chinas Punktesystem

Spannend! Was man alles findet, wenn man anfängt auszumisten.


Weil es wie die Faust aufs Auge passt:

In Österreich macht sich die Gesundheitsministerin Sorgen um das Wohl der Wirte, denn Österreich sei ein Gastfreundliches Land, mit einer langen touristischen Tradition. Nehme man die Gastfreundschaft (Anm: das Rauchen in geschlossenen Räumen) den Wirten weg, dann stehe übles bevor. Ahja. Ok.

[Tja, Bitch! Mittlerweile ist seit dem 1. November Rauchverbot und das bedeutet, dass jetzt sämtliche Lokale Konkurs anmelden müssen, weil natürlich niemand mehr wohin gehen mag, wenn er nicht rauchen darf. Insofern wird sich die gesamte kleinbürgerliche Spießkultur in die eigenen vier Wände verlagern. Ich finde wir versäumen dadurch nichts.]

Aber fast genialer finde ich folgenden Artikel, erschienen heute bei heise.de mit dem Titel: „China schafft digitales Punktesystem für den „besseren“ Menschen“ und wenn man diesen liest, so bemerkt man, dass die Idee 1:1 von Black Mirror, Season 3, Episode 1 geklaut ist. Sicherlich ist es schon etwas länger bekannt, zumindest ein Gemurmel darüber, aber all die Informationen in konzentrierter und kompetent niedergeschriebener Form zu lesen: Holla!

Früher sagte man noch „Da gibts eine Simpsons/South Park-Folge dazu!“ Heute sagt man: „Da gibts eine Black Mirror-Folge dazu!“ Ich weiß nicht, ob mich diese Entwicklung amüsieren oder verunsichern soll.

Aus dem Artikel:

„Der Zentralcomputer sammelt Daten von 50 Behörden. Er vergibt Pluspunkte für gewolltes Verhalten. Und er zieht Punkte ab, wenn Menschen irgendwie abweichen und gegen Regeln verstoßen.“

Genauer:

„1000 Punkte. Stufe A. Das bedeutet: Er ist ein „guter Bürger“, hat sich nichts zuschulden kommen lassen.“

Und:

„Yu Ganqing hat nicht gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. Er zahlt seine Rechnungen. Politisch ist er nicht aufgefallen. So muss er auch nicht fürchten, im Punktesystem nach unten zu rutschen.“

Eine sehr kluge Entwicklung, nachdem in China eine lebenslange Diktatur angestrebt wird. Jegliches Verhalten eines jeden Bürgers wird aufgezeichnet!

Natürlich würde ich, regierte ich diktatorisch über ein so großes Land, politischen Störenfriede gleich ausschalten, und nicht einmal mit Gefängnis, nein. Nimm ihnen einfach alle Punkte! Denn wer im Punktesystem fällt, kann beruflich nicht aufsteigen, zahlt mehr Miete und Heizkosten und wird von allen gemieden und stirbt an durchdringender Einsamkeit. Ist das nicht großartig!? Wozu Gefängnisse, wenn Punkte auf einem Papier und des Menschen abgründiger Hass anderen Gegenüber dies übernehmen können?

Aber die Idee und Umsetzung findet in China Anklang, da die Leute ermutigt werden, „Gutes“ zu tun. Die Eltern regelmäßig zu besuchen, deren Arztrechnungen zu übernehmen oder einfach bei einem Zebrastreifen anzuhalten.

“ „Wer betrunken Auto fährt, fällt direkt auf Stufe C“, sagt Direktor He. Das sind 600 bis 859 Punkte. Darunter gibt es nur noch Stufe D. So jemand findet schwerer Jobs und wird nicht befördert.“

Nur der, der tugendhaft ist, soll ein gutes Leben führen. Sprich der, der seine Rechnungen bezahlt und sich politisch nicht äußert. Na eh. So gesehen habens die in China sogar besser; denn in Österreich wird trotz aller Gutheit und Güte dem Bürger das Mindestes nach und nach gekürzt. Dort kann man sich zumindest anstrengen und wird dafür honoriert! Was passiert, wenn man sich in Österreich anstrengt? Die die arbeiten, dürften ja nicht die Dummen sein! Sinds halt doch, nur anders verpackt: Ihr seids eh dumm, aber die anderen, die halt bis 12 Schlafen und deren Kinder sich selbst das Brot schmieren müssen, na eh, blöd seids, dass ihr aufsteht in der Früh, weil haben tuts ihr davon nix.

I mag nimma da wohnen.

Irgendwie erinnert mich die Situation an das Armen/Geflüchteten-Bashing, dass sich in Österreich abspielt. Generell sind alle Armen und jene ohne Erwerbstätigkeit Sozialschmarotzer und wollen sich „durchschummeln“. Dass dieses Verhalten sich im Gesundheitssystem nieder schlägt, ist vorprogrammiert. Kein Wunder, dass die Kassen zusammen gelegt werden wollen und Leistungen gekürzt werden.

Immerhin haben wir bald tolle Polizeipferde!

[Anmerkung: Die es gerade mal ein Jahr gegeben hatte und Millionen von Euros gefressen haben. Haha!]

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