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Feminismus und dergleichen

Woche #0802

Neues aus der Rubrik: Erlebt, gesehen, gelesen und gehört. Unser Thema heute: Dinge, die mich während des scrollens ankotzen. Getippt am 8.2.2018. Veröffentlicht ein paar Tage später.

Ganz gleich ob Vergewaltigung, Beschneidung oder Stealthing, behandelt ein Artikel das Leid ausschließlich eines Geschlechts (überwiegend Frauen), meldet sich aus dem Nichts heraus ein Mimimi-Mann und weiß alles besser. Als ob es diesen Mimimi-Mann tatsächlich interessierte, wie es männlichen Opfern ginge. Don’t read the comments. Don’t read the comments. Stop it! Aber es nützt nichts, ich scrolle weiter.

Ich weiß nicht, ob die aktuelle politische Lage in Österreich Satire ist oder real. Seit einiger Zeit bin ich mir dessen nicht mehr ganz so sicher. Erkenntnis: Twitter ist dabei nicht hilfreich. Ein Blogger stellte sich die Frage, warum denn erst jetzt protestiert werde, und nicht schon bei schwarz-rot. Vermutlich weil nationalsozialistisches Gedankengut und die Häufung diverser „Einzelfälle“ selbst für konservative Politiker zu viel ist? Who knows? Andererseits wird seit Jahrzehnten gewitzelt („Keller?“ – „Na, des andere“), wenn es Österreich wieder mal in die internationalen Medien schafft, also ja – warum erst jetzt?

Dann sah ich einen Post von einer Dame, die ausschließlich Bio-Lebensmittel kauft und davon die Schnauze voll hat: Warum könne man nicht auf mit Pestiziden verseuchte Äpfel genau das drauf schreiben, anstatt auf heimisch gezüchtete (trotzdem neben der Straße und ebenfalls behandelt aber halt „bio“) Bio drauf klatschen. Und nicht, dass ich viel mehr über Bio wüsste als der Normalverbraucher, so verstehe ich trotzdem nicht, wie sich etwas Bio nennen kann, aber nicht nachhaltig (Stichwort Palmöl) produziert wird. Warum kann Bio nicht „rundrum natürlich und nachhaltig“ bedeuten? So richtig. Nicht nur als Marketing und Werbestrategie. Sondern wirklich. Aber vermutlich spielen EU-Normen und Co eine große Rolle und so. Dinge und Regeln und Erlässe und weiß die Hölle was, die niemand wirklich zu durchschauen vermag.

Etwas später stolperte ich in einer Feminismusgruppe über ein Video von jungen Mädels, die mit einem Song gegen Heidi Klums Horrorshow protestieren. Ein Kommentar darunter: „Warum kann es nicht mehr divers sein?“ oder „Warum sind die alle hübsch und schlank?“ Seriously? Dürfen nur dicke, dunkle, entstellte – kurz gesagt nicht „Normschöne“ (offenbar die Bezeichnung für weiße und schlanke) Menschen diesem Wahnsinn widersprechen? So wirkt es nämlich, wenn ständig rumkritisiert wird.

 

Das gleiche passiert wenn man dünn ist: Wird jemand, der in den Augen anderer zu dünn ist, kritisiert, ist es nur „lieb gemeint“, eine dicke Person auf ihr Dicksein anzusprechen ist hingegen pure Häme. Schäm dich! Body-Positive wirbt ebenfalls überwiegend mit Übergewichtigen und nicht Untergewichtigen. Sicherlich, Untergewichtige laufen am Laufsteg und junge Mädchen eifern dem nach. Trotzdem, schon mal daran gedacht, dass es auch „natürlich“ dünne Menschen gibt, die sich vielleicht ausgeschlossen fühlen wenn „Dick-sein“ als Ideal (wie bei Body-Positive) zelebriert wird? Keine Sorge, ich stehe mittlerweile darüber (hat aber gedauert), trotzdem. Warum kann „Body-Positive“ nicht „Alle Körper“ bedeuten? Oder besser: Kümmert euch um was anderes, als über das Aussehen von Frauen zu diskutieren.

Zuvor war mir auch ein Artikel über Adipositas ins Auge gesprungen, laut welchem Fettleibigkeit nicht selbstverschuldet ist. Da ich weder Kenntnisse noch Erfahrungen dazu besitze, enthalte ich mich einer Meinung. Oft aber wird die Sucht nach Essen mit der Sucht nach Tabak und Alkohol gleichgesetzt. Warum nie mit Nasivin (Beitrag folgt)? Das Zeug ist genau so teuflisch und verlockend. Ich bin übrigens wieder clean.

Anyway, ein Kommentar darunter sagte: Anstatt gesundes Essen mit hohen Steuern zu belegen, genannte Bio-Produkte sind meist doppelt so teuer, könnte man diese einfach günstiger machen und die ärmere Bevölkerungsschicht, die vermehrt unter Adipositas leidet, könnte sich anständiges Essen leisten anstatt Fast Food zu kaufen. Erneut, alles eine Strategie, die wir genormt geschulte Menschen nie in der Lage sein werden, zu überblicken oder gar zu begreifen. Moment.. könnte das meine Verschwörungstheorie sein?

Soviel dazu.

Ich habe übrigens aus Lust und Laune 20€ in die Bitcoin-Bubble investiert. Der Kurs ist gefallen und ich habe 6 Cent seitdem verloren. Damn. Eben nochmal geschaut: 50 Cent dazu bekommen.

Aber hey, immerhin geht in Richtung Space etwas weiter. Congratulations Space X!

 

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1701

„Alles gute zum Geburtstag in einer Gesellschaft in der du noch immer als „Jungautorin“ rezensiert werden würdest und zu den „jungen Grünen“ gehen könntest (8).“(Madame (8))

It’s something!

Der natürliche Lauf der Dinge lässt sich nicht aufhalten. Das Altern schreitet unaufhörlich voran, ganz gleich mit wie viel Wasser und Schlaf man versucht den Prozess zu überlisten. Obst und Früchte und Gemüse isst um Elastizität und Frische der Haut zu behalten, ganz gleich wie viel direkte Sonne man meidet oder in Gedanken Sport betreibt.

Zynisch nenne ich es, wenn mir jemand „Alles Gute“ zum Altern wünscht, befinden wir uns doch in einer Kultur, die von Jugend und Schönheit dominiert wird. Und nur all zu schwer fällt der Blick in den Spiegel: Ist die Falte neu? Die war gestern noch nicht da; ist das etwa das erste Graue? Nein, das ist einfach nur sehr hell. Oder? Meine Mutter hatte die ersten Grauen mit Mitte 40, sage ich mir dann immer.

Und ja, für Frauen gestaltet sich das Altern durchaus schwieriger als für Männer. Diese sind mit 50 in ihren 30ern während Frauen in ihren 30ern bereits in den 50ern sind. Schauspielerinnen werden in diesem Alter immer seltener gecastet – und ich freue mich über jede Dame in der Hauptrolle, die über 30 ist. Ab 40 ist die Zeit dann vorbei, während der Mann erst sein Potential entdeckt. Und natürlich liegt es an uns, diese Klischees und Geschlechteridiotie aufzubrechen. Und trotz allem guten zureden und versuchen die Situation zu akzeptieren, das beste daraus zu machen – fällt es schwer sich in der Riege der Alten und Abgeschobenen einzufinden. Ganz davon abgesehen, dass die Jobmöglichkeiten für den gemeinen Bürger sich nach und nach voller Abscheu abwenden, hin zu den Jungen, den 20jährigen. Frischfleisch.

Aber darum geht es ja nicht. Es geht darum, dass, hatte man vergessen das Datum aus diversen Social Medial Kanälen zu löschen – denn zugegeben, mein Datum ist einfach großartig; erkennt jemand den Zusammenhang? – längst vergessene oder nie gekannte Gestalten aus Löchern hervor gekrochen kommen um einem alles Gute zu wünschen. Leuten, von denen man nicht wusste, dass sie überhaupt existieren. Moment, wer warst du noch gleich? Kennen wir uns? Nein, in dir sah ich wohl einen potentiellen Kunden meiner künftigen Romane und Fürsorger meines Ruhmes (einer der spärlichen Gründe, warum ich mich ab und an mir gänzlich fremden Menschen hinzufügen lasse. Manchmal ist es aber auch Sympathie). Anstatt dieser Glückwünsche, die lieblos hingefetzt werden, wünschte ich mir Geld für Reisen, oder Bitcoins! Auch wenn es nur ein einziges ist.

Da sagen die Leute: Altern mit Würde! Meistens sind es jene, die entweder beruflich erfolgreich sind oder das Alter so galant und beneidenswert durch die Welt tragen, dass man erneut verzweifelt und sie frägt: Wtf? Wie zum Teufel? Durch Akzeptanz allein? Yoga vielleicht? Eine spezielle Müsli-Mischung? Ich rede mir ein, es sind die Gene. Die Wissenschaft sagt, es sind die Gene, also muss es stimmen.

Es wäre in diesem Falle das beste, gäben wir uns gar nicht mit der Thematik ab, der Zeit an sich. Vergessen wir Zeit und zeitliche Geschwindigkeit, deren teure Sklaven wir sind und sein müssen. Vergessen wir Termine und Stunden, die den Tag so mühsam teilen und an Vergänglichkeit erinnern, dass uns alles entrinnt und dahin fließt. Vergessen wir den Druck dahinter und leben, bis wir sterben, ohne auf das Alter oder geistigen wie körperlichen Verfall zu achten. Leben wir einfach.

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„Justice League“

Der Film wurde kurzfristig noch in einen anderen Saal verlegt, hatte dadurch Verspätung – und führte dazu, dass er ohne jegliche Werbung oder Trailer begann. Und so beginne auch ich ohne große Umschweife: Er war nicht ganz so schlecht, wie ich ihn mir erwartet habe, gäbe ihm aber trotzdem kein „befriedigend“. Ein schwaches „genügend“ muss ausreichen. Vielleicht wäre er richtig schlecht gewesen, hätte man die 50 Minuten von Zack Snyders Original Cut beibehalten. Ursprünglich war der Film auf fast 3(!) Stunden geplant gewesen. But.. Why?

Anyway. Spoiler

Wtf #1: Up-Skirt-Shots

Warum gerade zu Beginn sieben Pantie-/Hintern-/Up-Skirt-Shots (ab dem dritten Mal zählte ich) von Wonder Woman zu sehen waren und danach kaum mehr, lässt sich nur auf die unterschiedlichen Leute zurück führen, die hinter der Kamera zu Gange waren, oder auch nicht. Vielleicht war der Hintern-Fetisch auch irgendwann befriedigt. Trotzdem: Eine Frau steht breitbeinig mit kurzem Rock vor einem Abhang und der Kamera fällt nichts besseres ein, als überlange Sekunden auf ihrem Höschen zu verweilen? Wtf? Seriously?

Und hier beginnt die erste Kontroverse: Natürlich macht es einen Unterschied, ob, wie im Falle von Aquaman und Superman das maskuline Ideal ästhetisch und heroisch in Szene gesetzt wird, oder ob lediglich Hintern und Dekolletee besondere Aufmerksamkeit bekommen, und das in einer Weise, die an billigem Voyeurismus kaum mehr zu übertreffen ist. The Flash durfte sich übrigens nicht entblößen und trägt sogar drei Schichten an Kleidung.

Ja, man darf Frauen erotisch inszenieren. Und ja, Frauen dürfen sich sexy und erotisch kleiden – in diesem Falle aber übertreibt der Kostüm-Designer, wenn Diana nur eines trägt: Hauteng; und die Kamera erneut überlang auf ihrem Hintern verweilt. Ich sage auch nicht, dass es zwangsläufig schlecht ist, wenn das Kostüm knapp und eng ist, soll es so sein – sofern nicht nur eine gewisse Klientel bedient beziehungsweise eine gewisse Wirkung erzielt werden möchte. Aber warum der Rock im Vergleich zu Wonder Woman gekürzt werden musste, ist und bleibt mir schleierhaft. Die Kombination – „Mann = heroisch, maskulin“ und „Frau = A** and T*ts“ – tritt leider immer wieder in Erscheinung.

Mit anderen Worten: Die Inszenierung von Wonder Woman alias Diana Prince unterliegt dem „male gaze“ und Patti Jenkins täte gut daran, sich sämtliche Rechte für Wonder Woman zu sichern. Und auch wenn Gal Gadots Performance nicht unter der Darstellung litt, gleicht ihre Rolle in Justice League mehr der einer Mutter, die auf ihre Buben aufpassen und sich nebenbei dem Gegner, Steppenwolf, die meiste Zeit alleine annehmen muss.

Ich gehe davon aus, dass das Sequel zu Wonder Woman wie gewohnt über all die anderen Filme thronen wird.

Wtf #2: Die Amazonen

Auch ich kann nur wiederholen, was bereits gesagt wurde: Warum der Kostümwechsel? Ich unterstützte die Meinung, dass Frauen (im Argument wurde angemerkt „die in einer reinen Frauengemeinschaft leben“) sich so leicht bekleidet geben dürfen wie sie wollen – aber darum geht es nicht. Es geht nicht um knappe Kostüme, sondern um Funktionalität versus, erneut, „male gaze“. Ist es also notwendig und Zielführend, dass ein Kriegervolk Bauchfrei in den Krieg zieht? Warum nicht gleich mit freiem Oberkörper und ausgebrannter Brust, wie Herodot und Homer es gerne überlieferten? Zumindest griff man, wie bereits in Wonder Woman, auf tatsächliche Athletinnen und Boxerinnen zurück. Es ergibt einfach keinen Sinn. Im Training, ja. Im Krieg? Nein.

Lesenswert übrigens dazu:

Wtf #3: Dianas erzwungener Flirt mit Batfleck

Was dachte man sich dabei? Zwischen Mimimi-Batfleck und Diana gab es null Chemie. Nada. Niet. Es wirkte erzwungen und fehl am Platz, lieblos eingeschoben um irgendwann wieder darauf zurück greifen zu können. Außerdem, warum sollte sich Diana nach Steve Trevor mit Bruce Wayne abgeben? Ich spürte Chemie zwischen the Flash und Wonder Woman und überlegte für einen Moment lang, dass es nett wäre, wenn sich Wonder Woman dem Jüngling annähme – immerhin werden Beziehungen zwischen älteren Frauen und jüngeren Männern immer noch stigmatisiert, während der kahlköpfige 60jährige zu seiner jungen Freundin beglückwünscht wird. Davon abgesehen, dass Diana bereits weit aus älter ist, als alle anderen. Ich spürte sie auch etwas zwischen Aquaman und Wonder Woman, der unter Einwirkung des Lassos für einen sympathischen Moment sorgte.

Die Kontroverse: Fast jede Interaktion, sei es mit Batfleck, der sich wie ein kleiner Schulbub verhält, the Flash, der offenbar überwältigt ist (verständlicherweise) oder Aquaman, der ihr Komplimente macht (unter Einfluss des Lassos), legt nahe, dass ein Mann (sexuell) an Diana interessiert sein muss – bis auf Cyborg, dem offenbar die notwendigen Körperteile dazu fehlen. Erneut: Es ist nicht verwerflich, eine schöne Frau zu zelebrieren, aber in diesem Falle werden viele Interaktionen von einem unnötigen Sex-Appeal begleitet.

Die restlichen Charaktere

Batfleck, der sich noch mehr in Selbstmitleid suhlte als zuvor (Hello Darkness my old friend…), lässt sogar noch mehr nach. Er jammert und attackiert Diana verbal. Es tut nicht einmal zur Sache, dass er alt und gebrechlich wird, denn irgendwann ist auch die Zeit für Superhelden vorbei, aber dieses Leiden und endlos zur Schau gestellte Selbstqual.

Aber gut, Batman hat es nicht leicht. Nach Nolans The Dark Knight-Trilogie (und ja, man muss es immer wieder sagen) müsste man sich a) mehr Zeit nehmen oder b) eine komplett andere Richtung einschlagen, wie hier zum Beispiel. Der Trailer zu Batman Ninja von Warner Bros. Japan wurde in Tokyo auf der Comic Con vorgestellt und überzeugt sofort:

The Flash war, wie Spiderman in Civil War, der auflockernde Faktor. Er wirkte authentisch begeistert – und ich mag es, wenn sich Charaktere (oder auch reale Menschen) für etwas begeistern können – denn dies fehlt vielen Erwachsenen oder Superhelden, die nur mehr düster und leidend sind. Barry hingegen ist fasziniert von Batman, dem Batcave und alles um sich herum. Ein willkommener Lichtblick.

Cyborg war interessant, wenn auch seine Geschichte zu kurz geriet und man dadurch weniger Anteil an seinem Verlauf nahm.

Aquaman aka Khal Drogo aka Ronon Dex ist so wie Jason Momoas Instagram: Der trinkfeste Krieger. Wasserfest und ansehnlich darf er kämpfen, männlich und derb sein, heroisch durch Luft und Wasser wirbeln, Elemente bändigen und auf einem Insekt durch ein Hochhaus surfen. Leider gerät er aber schnell wieder in Vergessenheit.

Generelle Kritik

Die Geschichte war flach und dass der bereits tote Superman zurück geholt und folgend die gesamte Welt retten musste.. Und ja, die CGI-Lippe wirkte befremdlich. Superman hätte soviel mehr an Charakter und Charme gewonnen, hätte man all seine Szenen mit Moustache geschossen.

Fans setzten sich wenig später dafür ein, die original Zack Snyder-Fassung sehen zu können; trotzdem glaube ich dass Joss Whedon der Fassung Gutes tat. Mance Rayder, Anführer der Wildlings (GOT), synchronisierte übrigens den Bösewicht.

Eindeutige Heldin des Filmes: Das kleine, russische Mädchen mit dem Insektenspray, dass ihn aber schlussendlich doch nicht verwenden durfte. Warum? Warum ließ man das Mädchen nicht einmal abdrücken? Eine verschenke Chance.

Und weil Joss Whedon seine Finger im Spiel hatte, Thx Nerdist:

Lesenswert

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Sport und Sexismus

Ich bin kein Sportfan.

Als kleines Mädchen übte ich Karate. Das war okay. Ich siegte bei einem Turnier 5:0 gegen meine garstige Cousine, die bereits ein erprobter Gelbgurt war, während ich noch den läppischen Weißen trug. Einst bekam ich Eislaufunterricht, voltigierte und nahm später Reitstunden, eh klar. Ich versuchte mich in Taekwondo, bis der Trainer sagte: „Geh Mädel, des heat koan Sinn, mach Ballett“ – und er sollte Recht behalten. Mit 19 begann ich und tanzte fortan jeden Abend die Woche mehrere Stunden, inklusive Auftritte. Ja, man kann mit 19 noch mit Ballett anfangen. Als ich in eine Stadt zog, in der die einzelne Tanzstunde 10€ pro Einheit sprich 45 Minuten kostete, wars vorbei. Ich spaziere seitdem, quäle mich ab und an Berge hoch und schwimme in öligen Gruben. Einige Jahre betätigte ich mich noch bei einem mittelalterlichen Show-Schwertkampfverein, verließ diesen dann jedoch wieder. Aktuell reite ich. Immerhin etwas.

So manche (leider nicht jede) universitäre LV-Einheit birgt wahrlich interessante Themen und Diskussionen. Eine Stunde im Kurs „Medienrealität“ befasste sich mit Sport. Ich war angewidert und gelangweilt. Doch die Referentinnen legten Wert auf die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern. Es war interessant. Daraus entstand folgender Beitrag.

Sexismus

Sport und Sexismus gehen Hand in Hand. In der Antike wurden Frauen von sportlichen Veranstaltungen ausgeschlossen – was in manchen Ländern immer noch so ist. In bestimmten Sportarten gibt es Kleidervorschriften für Frauen, vermutlich damit die Herren sich ein wenig dafür begeistern können und wenn es sich um eine traditionelle Männersportart handelt, wie Fußball, dann heißt das weibliche Pendant „Frauenfußball“. Knappe Höschen, nicht mehr als 10cm beim Beachvolleyball, Röcklein oder Kleidchen bei der Badmintonspielerin, und so weiter und so fort. So zumindest die westliche Norm.

Schnell bildeten sich Stereotype heraus: Frauen wurden hauptsächlich in ästhetischen Sportarten wie Rhythmische Sportgymnastik, Tennis oder Schwimmen medial vermittelt, in Sportarten in denen kein direkter Körperkontakt stattfindet, während Männer, die Aggressiven sind und mit Boxen, Motorradrennen oder Fußball vermarktet werden. Der Mann wird als Held stilisiert, die Frau als galant und zierlich, beweglich und feminin. Der Mann in Bewegung und bei Ausübung seiner Tätigkeit, die Frau stillstehend, oftmals nicht erkennbar wofür sie jetzt die Medaille gewonnen hat, solange sie hübsch aussieht und lächelt. Während bei Siegesehrungen Frauen devot in die Kamera blinzeln, vermittelt das emotionalen Aufbegehren der Männer ein leistungsorientiertes Bild. Beim Sport dürfen Männer Gefühle zeigen, Frauen offensichtlich nicht.

Wie in der Realität, so auch beim Sport: Hübschere Sportlerinnen sitzen am längeren Hebel – nicht jedoch ohne Kehrseite. Anna Kurnikowa brachte „Frauentennis“ zu den vordersten Fronten der Wohnzimmer. Die Surferin Silvana Lima hingegen wurde als zu „hässlich“ befunden, sodass Sponsoren sich für sie interessieren könnten, ganz gleich ihrer sportlichen Leistung.

Sexualisierung

Wenn sich attraktive Frauen, neben ihren sportlichen Errungenschaften, auch optisch verkaufen, sei es via Shootings für eine gewisse Marke oder mit sexualisierten Inhalten mehr Gewinn abschlagen, so folgt oft die böse Nachrede wie „Selbst schuld, wenn sie sich so präsentiert, dass sie nicht mehr ernst genommen wird“ oder „Die kann ja sonst nichts“ – ganz gleich ob die sportliche Leistung Top ist oder nicht. Bei Sportlerinnen steht oftmals das Privatleben im Vordergrund, oder das Kleid das sie eben trägt, die Frisur, der Körper an sich und wie sie sich fit hält. Männer werden hauptsächlich zu ihrer Leistung und dem Training befragt. Ein Leid, dass auch Schauspielerinnen zu tragen haben.

Und sicherlich – warum in aller Namen sollte man, wenn man gewisse Kleidungsvorschriften erlässt um Männer für Frauensport zu begeistern, sich hinter her beschweren, wenn Frauen die Möglichkeit ergreifen und daraus Gewinn schlagen? Sei es Modelvertrag, Werbeclip oder was auch immer hat nichts, aber auch gar nichts mit den sportlichen Leistungen zu tun. Es ist ein Zusatzverdienst.

„Aber dann soll sie sich nicht ausziehen, wenn sie ernst genommen werden will“ – dieser Meinung bin ich als Feministin nicht, sofern man nicht annimmt, sich auszuziehen wäre eine Stärke. Doch die Gesellschaft funktioniert anders und alles Weibliche, das sich plakativ präsentiert, verliert an Gesamtwert. Seriously, wtf? Hauptsache irgendwer schreibt vor, wie sich Frauen zu verhalten haben.

Inszenierung, I

Gut. Lassen wir die Damen die „sich selbst reinreiten“-„Argumentation“ beiseite und schauen wir uns die Tatsache aus anderer Perspektive an. Wie vermarktet man, beispielsweise, Frauenfußball?

In dem man sie auf ein Feld setzt, ein paar Turnübungen absolvieren lässt und in Slow Motion die tägliche Schminkroutine zeigt, die sagen soll: Wir können beides: Hübsch sein UND Fußball spielen. Mit Augenzwinkern. Denn in einer aufgeklärten Gesellschaft gibt es Sexismus doch gar nicht mehr und „a bissl Spaß derf scho sein“.

Im Vergleich dazu die Männer, ein Spot von 2010. Heroisch, stark und unabhängig.

Inszenierung, II

Und da war noch dieses Video:

Viele Menschen finden nichts verwerfliches daran: Man erkenne ja keine Frau und es sei ja nur eine Waschmaschine, sie verstünden nicht, was jetzt so verwerflich daran sein soll. Jeder muss waschen. Und Trotzdem: Es wird vermittelt, dass es den Frauen zwar erlaubt wird zu spielen, aber dann bitte sollen sie sich wieder auf ihre traditionellen und weiblichen Fertigkeiten fokussieren. Es folgte ein Shitstorm und eine dezent veränderte Version des Videos, die den Herren beim Bügeln zeigte. Und erneut: Dadurch, dass der Mann, die oft immer noch als „Frauenarbeit“ verstandene Tätigkeit macht, wird es nicht besser.

Folgend die Neufassung:

Trotzdem: Deswegen ist Feminismus wichtig.

Nicht nur um mit gewissen Strukturen zu brechen, sondern auch um Missstände aufzuzeigen und sei es „nur“ der Inszenierung wegen, die ein weiteres traditionelles Bild der Frau im Sport zeigt und vielleicht dazu beiträgt, dass „Frauensport“ nicht ernst genommen wird, ja ihn gerade als lächerlich macht. Oder an den Seitenrand stellt und eben als „Frauensport“ bezeichnet und somit abgesondert wird, als ob es etwas spezielles ist und etwas, dass man besonders bezeichnen müsste. Als ob man nicht einfach „Fußball“ sagen könnte, und dann: „Wer spielt?“ – „Damen“ oder statt nur „Fußball“ auch ein „Herren“ oder „Damen“ davor setzen.

Sicherlich könnte man das alles mit einem „Ist ja nicht so schlimm“-Augenzwinkern abtun, als Humor und Satire, doch dabei sollte nicht vergessen werden, dass Sexismus existiert. Existierte er nicht, wäre es vollkommen in Ordnung traditionelle Muster via Satire zur verharmlosen, aber das ist nicht der Fall.

Achtet darauf, wie Frauen im Sportfernsehen, bei Veranstaltungen und in der Berichterstattung inszeniert werden und vergleicht sie mit der Berichterstattung über Männer.

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Brienne of Tarth: Ausnahmeerscheinung, Heldin, Vorbild

Neben Daenerys, Cersei oder Arya, die einen überwiegenden Anteil in Artikeln, Essays oder Kritiken beherrschen, gibt es einen Charakter, der oft vernachlässigt und weniger beachtet wird: Brienne of Tarth. Ein Beitrag zur Ehre einer Kriegerin.

„We can’t defend the North if only half the population is fighting.“
– Lady Lyanna Mormont, „Dragonstone“

Immer wieder gab und gibt es vereinzelt historische Berichte über kriegerische Frauen. Homer widmete den Amazonen in Vorderasien ein paar Sätze, während die nordischen Schildmaiden häufiger in der Literatur zu finden sind, etwa in der Hervarar-Saga und in der Gesta Danorum, der Geschichte Dänemarks.

Dass überwiegend Männer in den Krieg zogen, galt lange Zeit als allgemein akzeptiertes Faktum. Dass es nur Männer waren, ist allerdings nachweislich falsch. Vor einiger Zeit veröffentlichten Forscher der Universität Stockholm im American Journal of Physical Anthropology, dass es sich bei einem reichlich bestatteten Wikinger-Krieger in Schweden von 1878 in Wahrheit um eine Kriegerin handelte.

Dank christlicher Lehre, genereller Auffassung und Geschichtsschreibung, gingen Forscher davon aus, dass es ein Mann war. Erst durch eine DNS-Analyse ließ sich dieser Irrtum bereinigen. Die Annahme legt also nahe, dass es mehr Kriegerinnen gab, als man denkt. In der Geschichte – und in der Popkultur. Und dies bringt uns zu Brienne of Tarth.

ASOIAF und Game of Thrones

Brienne wird als hässliche Frau in die Welt von Westeros eingeführt. Sie ist das einzige überlebende Kind von Selwyn Tarth, Lord of Evenfall und Tarth. Ihre Geschwister sterben im Kindesalter. Sie beschreibt sich selbst in A Feast for Crows als „the only child the gods let [my father] keep. The freakish one, one not fit to be son or daughter.“ Man begegnet ihr mit Missgunst und Hohn. Septa Roella sagte ihr einst, dass die Komplimente, die Männer ihr machen, Lügen seien. Wenn sie die Wahrheit wissen wolle, müsse sie nur morgens nur in den Spiegel schauen. Man verachtet und belächelt sie.

Ihr Vater beginnt früh, eine passende Partie für Brienne zu suchen, aber vergebens. Als sie 16 ist, trifft sie auf Humfrey Wagstaff, der einwilligt, sie zu heiraten, wenn sie sich nach der Hochzeit auch ordentlich weiblich verhält. Brienne stimmt zu, aber nur wenn er sie im Kampf besiegt. Needless to say: Sie bricht ihm drei Knochen und gewinnt das Duell. In Game of Thrones tritt sie in der zweiten Season auf, im Zweikampf gegen Ser Loras Tyrell, um sich nach ihrem Sieg in den Dienst von Renly Baratheon und der Kingsguard zu stellen.

Eine Heldenreise

Briennes Heldenreise startet mit Ablehnung und offensichtlicher Andersartigkeit. Sie erfüllt männliche Helden-Attribute wie physische Stärke, Kampfesmut und Tapferkeit und besitzt eine hochgewachsene Statur, wie die Clegane Brüder. Sie verkörpert ritterliche Ideale wie Ehre und Loyalität und weigert sich, ohne Grund zu töten. Sie ist selbstlos und beschützt die Schwächeren.

Dennoch trägt sie das Laster mancher Frauen in Westeros: Sie ist zu wenig Mann, um ein Ritter zu sein, aber auch zu wenig Frau, um in traditionelle Rollen zu schlüpfen. Sie ist weder ausreichend passiv, als dass Männer sie ihrer Weiblichkeit wegen respektieren könnten, besitzt aber auch nicht die biologische Notwendigkeit um als „Mann“ zu gelten, und ist somit für manche nicht mehr als ein Witz.

Und trotz allem ist sie naiv. Wie Sansa glaubt sie die Geschichten von Ehre, Mut und Tapferkeit. Sie verliebt sich in Renly Baratheon, der ihr nach dem Duell den ersten Tanz widmet, und auch an Jaime Lannister, mit dem sie gemeinsam in Gefangenschaft der Boltons landet, findet sie (unerwiderten) Gefallen. Ironischerweise, denn Jaime, der ein gänzlich anderes Verständnis vom ritterlichen Ideal in Westeros hat, sieht neben Ehre und Mut auch die Realität, mit der gebrochene Schwüre und moralische Konflikte einhergehen, die Brienne versucht auszublenden. Interessant, dass es gegen Ende sie ist, die Jaime dazu rät, Loyalität für „the greater good“ aufzugeben. Passend dazu ist auch, dass der Wildling Tormund, aufgewachsen in einer freien Gesellschaft, Gefallen an ihr findet und sich unsterblich in verliebt.

Mit Brienne wird ein Erzählstrang eingebracht, in dem Frauen sich offen und gegenseitig unterstützen. Sie schwört Catelyn Stark Treue und verspricht, ihre Töchter zu beschützen. Ihre Heldenreise bringt sie ferner zur „schönen Maid in Not“, aber nicht um sie zu heiraten, sondern um sie zu ihrer Mutter zurückzubringen – weil sie sich für das Wohl der anderen interessiert. Es ist eine seltene Geschichte, in der alle drei Frauen, Mutter, Tochter und Kriegerin, gleich viel Wertschätzung erfahren. Brienne verurteilt die Welt nicht wie sie ist, aber sie benutzt ihre Stärke und ihren Respekt um anderen Frauen zu helfen.

Ausnahmeerscheinungen

Bekanntlich wird die Geschichte von den Siegern geschrieben. Genauso wie übrigens auch Game of Thrones von einem Mann geschrieben und erzählt wird. Und auch wenn diese Kenntnis der Wikinger-Kriegerin nicht alles von heute auf morgen verändern wird, so werden doch verfestigte Strukturen aufgebrochen und die Möglichkeit von hochrangigen Krieger-Frauen eingeräumt, die Anerkennung wie Ansehen besaßen. Und so schickt es sich auch für die mediale Inszenierung an, kriegerische Frauen nicht mehr als Ausnahme sondern als Norm zu inszenieren.

Brienne of Tarth folgt der Tradition der kriegerischen Ausnahme-Erscheinung. In einer patriarchalen Welt lebt sie das (männliche) ritterliche Ideal, tritt in Unisex-Rüstung auf und gilt als eine der besten Kriegerinnen in ganz Westeros. Das aber macht sie nicht weniger wichtig, im Gegenteil. Solange Kriegerinnen nicht zur Norm gehören, müssen eben einzelne Heldinnen wie Jyn Erso, Jessica Jones oder auch Brienne of Tarth an dieser Kruste arbeiten um sie zu brechen.

Als eine Frau von 1,98cm stellt sie auch für jene ein Vorbild da, die sich in den gängigen Schönheitsidealen nicht repräsentiert sehen: für jene, die „zu groß gewachsen“ sind, oder jene, die von der Gesellschaft als für „zu dick“ empfunden werden. Oder einfach jene, die beim Cosplay mal in eine andere Haut schlüpfen möchten als üblich.

Quellen:

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„Ready Player One“, Trailer

Wann: März 2018

Ja, der Film wird sich deutlich von der Buchvorlage entfernen, und ja, man wird zugunsten der Action auf einige Passagen verzichten wollen. Bin ich zufrieden mit der Wahl, dass Steven Spielberg Regie führen wird? Ich weiß es nicht. Spielberg mag eine Ikone der 80er und 90er sein und ich mochte seine Filme als Kind, hatte aber besonders bei den letzten Produktionen das Gefühl, dass das gewisse etwas fehlt. Ich hätte lieber James Gunn, oder jemand gänzlich Unbekannten im Sessel gesehen. Leider wirkt es auch, als wolle man den 80er Jahre Hype noch ein wenig ausschlachten und Ready Player One bietet sich dafür hervorragend an, auch wenn das Buch bereits 2011 veröffentlicht wurde, kurz vor dem Hype.

Vermutlich steht in diesem Falle nicht die Suche nach den Easter Eggs im Vordergrund, sondern der Kampf gegen die IOI. Man muss sich also im Klaren sein, dass Film und Buch hier absolut als separat zu betrachten sind.

Warum überhaupt ein Film und keine Serie?

Vermutlich, weil man den best möglichen Gewinn daraus schlagen möchte und das Publikum der Nerd/Geek-Kultur treue und gute Konsumenten von Kinotickets und Merchandising sind? Was allerdings auch bei einer Serie gegeben wäre, bei der man Fans wöchentlich, wie bei Westworld oder LOST auf EasterEgg Suche schicken hätte können, vielleicht sogar mit Leaderboard und einem Preis am Ende, mit Browser-Games und so weiter. In einer Serie hätte man, selbst bei 10 Folgen, zu je einer Stunde oder länger, sämtliche Quests mitnehmen können.

Wahl der Schauspieler

Was die Wahl der Schauspieler betrifft, gibt es wohl eine zweifache Absicherung: Einerseits soll auch die jüngere Generation angesprochen werden, weswegen man Wade nicht als pickligen, etwas dicken und später haarlosen Nerd zeigen will, andererseits möchte man sich versichern, dass Frauen (die in der Vorlage wohl (mehr oder weniger) zu kurz kommen und durchaus mit einem sexuellen Auge betrachtet werden) ausreichend Screentime bekommen – was ja auch gut ist.

Akzeptiere ich die Änderung für mehr Repräsentation? Ja. Fraglich, ob die Änderung bewusst war – und wie viel Screentime sie schlussendlich tatsächlich bekommt – und wie. Soviele Fragen und noch so wenig Antworten und soviel Spekulation.

Akzeptiere ich die Änderung, dass aus einem molligen Mädel eine schlanke Frau gemacht wird? Sollte kein Thema sein – ist es aber. Bewegt man sich in gewissen Social Media Fan-Gruppen, wird der Umstand, dass Art3mis hübsch und schlank ist, oftmals massiv kritisiert. Die Frage ob zurecht oder unrecht stellt sich nicht, bedächte man, dass es nicht nur um die Erscheinung von Frauen geht; da aber Hollywood aktuell noch immer von schlanken Idealen dominiert wird, darf man einen kritischen Blick in Richtung Vermarktung werfen, die, wie ich mir vorstellen kann, einen Backlash nach sich ziehen und eine Lücke für nicht dem Ideal entsprechenden Schauspielerinnen öffnen könnte, oder der Eyecandy-Faktor überwiegt. So oder so, we will see.

Hilfreiche Links

Sonstiges

James Hallidays Todesanzeige

Artikel über James Halliday von Stefanie Steinbrenner (!)

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„The Handmaid’s Tale“ und warum die Thematik wichtiger denn je ist

Wenn ich lese, habe ich immer einen Stift zur Hand. Manche Stellen muss man kommentieren. In „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood finden sich häufig drei kleine Buchstaben: wtf. Wenn im Buch die Langeweile und Eintönigkeit zur Geltung kommen, sind es in der Serie die Grausamkeiten, die oft angedeutet, aber nicht direkt zur Schau gestellt werden. Und das ist gut so. Aber all jene Grausamkeiten die nüchtern gezeigt oder mit Leichtigkeit erahnt werden können, sind nichts unbekanntes. Irgendwo, irgendwann, war alles schon einmal da.

Dass Religion ein nicht unwesentlicher Teil in der ganzen Misere spielt, wundert nicht. In jeder Gesellschaft, in der eine monotheistische Religion einen hohen Stellenwert einnimmt, leidet am Ende die Frau. Sei es, dass sie ein „unfertiger Mann“ sei (Thomas von Aquin) oder lediglich dazu dient, Kinder zu werfen wie Haus und Herd zu hüten (generelle Annahme).

Aktuell wird es in Nordamerika und manchen Ländern Europas, Frauen immer schwieriger gemacht an Verhütungsmittel zu gelangen oder Abtreibungen vornehmen zu lassen – oder sich gar darüber öffentlich zu informieren. Manche Länder verbieten Abtreibung komplett, außer das Leben der Mutter ist in Gefahr. Immer und immer wieder findet man „Glanzstücke“ solch konservativer Ausbrüche. Und manche Irren sind tatsächlich der Meinung, ein Kind, dass aus der Vergewaltigung durch den eigenen Vater entstand, ebenfalls Gottes Geschenk ist. Ich verstünde Abtreibungsgegner/Recht auf Leben-Verfechter, wenn es ihnen tatsächlich um das Leben des Kindes ginge, und sie sich um bessere Bedingungen in Waisenhäusern, ein sinnvolles Adoptionsrecht (schnelleres Verfahren, auch für Homosexuelle) und kostenlose Verhütungsmittel, Frauengesundheit und vor allem aber für Aufklärungsarbeit einsetzen würden. Was aber nicht der Fall ist, denn alsbald das Kind auf der Welt ist, interessiert sich niemand mehr dafür. Dies lässt zu Recht annehmen, dass es den meisten Institutionen nicht um das Leben an sich, sondern um die Fremdbestimmung des weiblichen Körpers geht.

June: „They should have never given us uniforms if they didn’t want us to be an army.“

So auch in The Handmaid’s Tale. Fruchtbare Frauen werden einmal im Monat im Beisein der sterilen Frauen, mit ihrem Kopf in deren Schoß liegend, von den (ebenfalls oftmals sterilen) Männern vergewaltigt. Zuvor aber wird aus der Bibel gelesen, die diesen Akt rechtfertigen soll. Alsbald das Kind da ist, werden sie zu einem anderen Ehepaar gebracht. Um ihnen jegliche Identität zu nehmen, bekommen sie immer einen neuen Namen. „Offred“, „Ofdaniels“, „Ofsteven“ und so weiter, was soviel bedeutet wie „of Fred“ – „die Fred zugehörige“. Es wird ihnen verboten zu lesen und der einzige Weg nach draußen ist der tägliche Einkauf zu zweit. Fast unmöglich ist es, private Gespräche zu führen oder das „davor“ zu thematisieren, denn jeder könnte ein „Auge“, ein Spion, sein.

Margaret Atwood meinte zwar, dass wenn jemand die Zukunft so detailliert vorhersehen könnte, sie sicherlich niemals so eintreffen werde, aber es reicht schon, wenn man nicht hinhört. Zuerst werden die Kreditkarten gesperrt, folgend verlieren Frauen ihre Jobs und auch jene Frauen, die an der Schaffung des neuen Systems beteiligt waren, werden ihren Pflichten entledigt. Wenn folgend der Umstand der Kinderlosigkeit beziehungsweise der Kindersterblichkeit mit einspielt könnte dieses Szenario durchaus Realität werden.

Die Thematik ist heute wichtiger denn je.

Gerade mit Einbruch konservativer Kräfte in Europa, Nordamerika und seit den 1970ern auch in arabischen Ländern, sollte man die Augen offen halten und für seine Rechte kämpfen. Wenn Rechte von Frauen beschnitten werden oder Ableger von Instituten wie Planned Parenthood aufgrund Förderungsentzug geschlossen werden müssen, sollte man aufmerksam werden. Wenn sich auch nur eine politische Partei damit rühmt, dass die Frau das Herzstück der Familie ist und der Zugang zu Betreuungsstellen für Kinder erschwert wird, gilt es wachsam zu sein. Ein jeder, ganz gleich ob es sie oder ihn direkt betrifft, sollte sich dafür einsetzen, dass all diese makaberen Gedankenspiele solche bleiben.

Wir sind noch lange nicht in einer Idealgesellschaft angekommen, in der Frauen den Männern gleichgestellt sind. Bis in die 1970er durfte in Deutschland der Ehemann seiner Frau den Job kündigen, wenn diese sich nicht angemessen um den Haushalt kümmerte. Wenn politische Parteien Themen wie Verbote für Vollverschleierung ansprechen, sich aber gleichzeitig einen Dreck um Alleinerzieherinnen scheren, sollte das ebenfalls zu denken geben.

Es gilt aufmerksam zu sein, denn in einem politisch konservativen Worst Case, würde man Frauen nicht nur das Selbstbestimmungsrecht (über ihren Körper, Bildungsweg, Tätigkeit) nehmen, sondern auch nur jenen Förderungen zu Teil werden lassen, die sich der neuen Gesellschaft anpassen. The Handmaid’s Tale zeigt neben einer dystopischen Perspektive in wenigen Szenen, was passieren kann, wenn wir nicht aufpassen.

Fazit: Ein muss!

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Österreichs Wahlkabarett: Pensionen? Altersarmut? Anyone?

Yay, Wahlen! Wieder mal! Gefühlte 23x pro Jahr. Verzeiht mir meinen Sarkasmus, wir und besonders ich als Frau sollte(n) dankbar sein, wählen zu dürfen. Denn bis 1918 war es Frauen in Österreich untersagt, die Schweiz brauchte bis 1970, 1984 Lichtenstein und 2015 erhielten sogar Frauen in Saudi Arabien ein Wahlrecht, aber nur mit Pass – und den besitzen die wenigsten.

Anyway.

Als Sozialstaat hat Österreich, neben der Migration, die für alles Schlechte verantwortlich ist (Sarkasmus, verdammt nochmal), ein anderes wichtiges Thema: Pensionen. Genauer: Anhebung des Pensions-Alters. Dass dies in anderen Ländern Gang und gäbe ist, bedeutet jedoch nicht, dass man unreflektiert deren Strategie übernehmen muss und kann. Sowieso gibt es wichtigeres.

Denn bei dieser Diskussion wird gerne vergessen, sich Gedanken über fortschreitende Automatisierung und künstliche Intelligenz zu machen. In diesem Falle könnte man bei einer Maschinensteuer anfangen und sich entsprechende Konzepte zur Umschulung ausdenken. Fail. Sinnvoller ist es offenbar, die Arbeitslosen-Zahl anzuheben indem alte Menschen noch länger arbeiten sollen. In Österreichs Parlamenten scheint die Devise „Mehr Arbeitslose und weniger Jobs“ eine Win Win Situation zu sein. Ich verstehe das Konzept, wirklich: Mehr Arbeit, mehr Steuern, Pensionen für alle, yay! Aber die Realität wird dabei hervorragend ausgeblendet: Wer will alte Menschen im Betrieb? Niemand. Betriebe wollen junge, flexible, dynamische und verwertbare Arbeitskräfte. Aber Prinzipiell ganz gleich: Seien es 500€ Arbeitslosen oder 500€ Pension. Aber haltet ein! Wer eingezahlt hat, soll auch viel heraus bekommen. Und wer ist in diesem Falle von der Altersarmut am meisten betroffen?

Altersarmut

Frauen. Und schon kriecht die Fraktion „Aber Frauen arbeiten weniger“ oder „Sie müssen ja nicht schwanger werden“ aus ihren Höhlen. Mein Favorit bis jetzt: „Sie hätten es sich ja anders aussuchen können. Hätten sie halt die Kinderpflege aufgeteilt“. Bis in die 1960er war es Frauen kaum möglich selbst zu entscheiden. Waren sie verheiratet, hatten sie eines zu tun: Den Haushalt führen und Kinder zu gebären. Bis in die 1970er stand es einem Mann frei, den Job seiner Frau zu kündigen, wenn diese der Arbeit wegen den Haushalt vernachlässigte. 1970er!

Des weiteren war es gesellschaftliche Norm, dass die Frau daheim beim Kind und der Mann das täglich Brot verdiente (1980er) und schon posaunt der nächste: „Dann darf sich die Frau aber nicht wundern, wenn sie nichts verdient, sie hat sich ja persönlich dafür entschieden.“ Sicherlich hätte eine Frau damals – als es Norm war, beim Ehepartner mitversichert zu sein, und man davon ausging, dass der heilige Bund der Ehe ewig hält und der Mann für das finanzielle Wohl der Frau Sorge trägt – für ihr Leben selbst aufkommen können. Und manche Frauen taten das. Und wie? Schlechter bezahlt. Und selbst wenn Ehen halten, spielt sich dieser Gedanke nicht mehr. Kein Mann kann heute, wenn er nicht gerade zum oberen Prozent gehört seine Frau und Kinder ernähren. It’s too late baby, now it’s too late. Zu sagen, die Schuld läge bei den Frauen selbst, wenn diese nur Teilzeit annähmen oder beim Kind sein wollen, ist so unglaublich anmaßend, dass ich drauf und dran bin, entsprechende Beiträge zu kommentieren.

Lösungen

Aber, ich habe Lösungen: Neben einem Solidaritätsbeitrag der Reichen, die ein wenig mehr in die Kasse einzahlen und etwas weniger heraus holen, sodass Altersarmut weniger Thema ist. Des weiteren sollte man Frauen und(!) Männer, die sich Kind und Haushalt zum Beruf machen (wollen, mit einer Karenzzeit von einem Jahr für beide Elternteile), mit einem Mindestgehalt entlohnen und diese Jahre als vollwertige Pensionsjahre anrechnen. Und ja, das ist mein ernst.

Denn ob man es glaubt oder nicht, es gibt tatsächlich Menschen, die gerne Eltern wären (mich ausgeschlossen, außer mein Kind hat vier Pfoten oder sechs beziehungsweise acht Beine), dies aber aufgrund aktuellen wirtschaftlichen Lage nur schwer sein können. Und niemand spricht davon, dass die Leute 10 Jahre Zuhause bleiben sollen, aber ein-zwei-drei Jahre sollten möglich sein. So oder so, als Frau verliert man oft: Eine Frau sollte nicht übermäßig viel arbeiten („Rabenmutter“), darf aber auch nicht Zuhause bleiben („Verhätschelt das Kind“), und sie darf auch nicht gar kein Kind wollen („Egoistische Hedonistin!“). Nebenbei wäre es auch geschickt, Kinderkrippen und Betreuungsmöglichkeiten zu verdoppeln und verdreifachen, dass jene Eltern, die sich im Job verwirklichen möchten, dies auch tun können.

Konklusio

Natürlich landen (vermehrt) Frauen in Altersarmut, wenn es
a) bis vor kurzem gar nicht möglich/gern gesehen war, dass Frauen sich einer Arbeit annahmen,
b) Betreuungsplätze einerseits genauso stigmatisiert sind („Rabenmutter“) und zweitens erst gar nicht zur Verfügung stehen und
c) alte Menschen sowieso keinen Job mehr finden. Wer will eine 55jährige einstellen, die womöglich schon diverse Gebrechen hat?

Und dann glaubt man allen ernstes, eine Arbeitszeitverlängerung(!) sei zielführend. Damit alte Arbeitslose also noch länger „arbeitslos“ sind? Aber ganz gleich, ob Pension oder Mindestsicherung oder vermutlich in naher Zukunft HarzIV, sofern Betriebe, Firmen und Wirtschaft florieren ist alles in Ordnung.

Vielleicht sollte man sich vom Gedanken des Sozialstaates verabschieden oder adäquate Lösungen suchen. Habe ich welche? Hell yeah! Bedingungsloses Grundeinkommen, eins. Wie bezahlen? Den einen oder anderen politischen Klogriff unterlassen und Bildung fördern, damit auch damit umgegangen werden kann, zweitens. Drittens, Politikern eine umfassende Ausbildung in Geschichte, Philosophie, Wirtschaft, Umwelt, Geographie, Informatik (!) und Sozialwesen absolvieren zu lassen, dazu mindestens drei Praktika in verschiedenen Berufen wie Pflegeberufe oder Gesundheitswesen. Wie bezahlen? Gar nicht. Es ist eine Voraussetzung um überhaupt in der Politik tätig sein zu dürfen.

Quellen und Links:

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The Adorkable Misogyny Of „The Big Bang Theory“

Fazit: Sehenswert!

Viele der negativen Verhaltensweisen, die im Video als Beispiel heran gezogen werden, sind uns nicht als solche bewusst. Selbst ich wuchs mit allgemein akzeptierten und romantisch-verklärten (Stalker-)Vorstellungen auf, wie etwa: „Oh, er stellt ihr, während sie schläft, einen Weihnachtsbaum im Zimmer auf, wie aufmerksam!“ (Untamed Heart, 1993) oder „Oh, er droht Suizid an, wenn sie nicht mit ihm ausgeht, wie nett!“ (The Notebook, 1996). Und auch ich musste lernen, dass diese Vorgehensweisen nicht romantisch, sondern gefährlich sind – auch wenn Medien, Filme, Bücher, Fernsehen und weiß der Teufel was, es uns anders verkaufen möchten. Hier noch weitere Film-Beispiele.

„Nerds sind cool!“

The Big Bang Theory fiel und fällt, wenn überhaupt, nur unter jene Kritik, dass Nerds – wenn auch sichtbarer, und in ein „cooles“ Zentrum gerückt (Nerds waren/sind plötzlich cool) – immer noch „lächerlich“ gemacht werden und dem Kanon der Trottel-Inszenierung folgen – auch wenn sie hoch intelligente Physiker sind und mit einer Reihe, für den Normalverbraucher, unverständlicher Begriffe um sich werfen. Im täglichen Leben wird trotzdem über „Nerds“ gelästert und sich auf ihre Kosten amüsiert – außer vielleicht sie sind erfolgreich, gesellschaftstauglich und ansehnlich. Nicht zu vergessen, dass TBBT eine Comedy-Sendung sein will, die sich selbst nicht all zu ernst nehmen mag und teilweise auch gezielt selbstironisch mit seinen Inhalten umgeht und deren Handhabung so in gewissem Maße legitimiert.

Auch ich mochte die Serie zu Beginn, vor allem der wissenschaftlichen und geek’schen Aspekte wegen, bis diese mehr und mehr in der Hintergrund gerieten und ich irgendwann bei Season 6 oder so ausstieg, da der Fokus nur mehr auf Liebes-Drama als wie auf Wissenschaft und Popkultur gerichtet war. Also fern ab einer feministischen Sichtweise – denn damals hatte ich noch nicht ganz das Bewusstsein dafür und Madame (8) hatte noch viel Arbeit vor sich. Sicherlich fiel mir auf, dass die einzige (blonde) Frau das Dummchen ist und die Sendung generell kein gutes Licht auf Frauen wirft – nahm es aber, wie vieles andere, einfach hin. Ein feministisches Bewusstsein kann (und soll auch) nicht erzwungen werden, es entwickelt sich. Manchmal kommt es urplötzlich, manchmal schleichend.

The Adorkable Misogyny Of „The Big Bang Theory“

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„Valerian and the City of a Thousand Planets“

Mein erster Gedanke, während und nach dem Film war: „Was für eine sexistisch, rassistische Scheiße.“

Sexistische, rassistische Scheiße

Ist es wirklich notwendig, dass über die ganze Geschichte hindurch bis ins 28. Jahrhundert es immer weiße Männer sind, die den Fremdlingen die Hand reichen? Kann man an dieser Stelle schon von Kritik sprechen? Satire? Parodie? Einen Seitenhieb? Ist die Comic-Vorlage dafür verantwortlich? War es ein Augenzwinkern, allerdings mit einem sehr weinenden Auge und einem lachenden, so dümmlich lachend, wie die klatschende Kreatur, die dem Vielfraß-König Caras Kopf servierte? Lasst mich die Umgebung in Erinnerung rufen: Eine interstellare Millionenmetropole im Jahre 2740 mit über 17 Millionen Einwohner aller nur erdenklichen Arten, Farben und Formen, die ihr gesamtes Wissen miteinander geteilt haben und es sind weiße, männliche Homo Sapiens an der Spitze? Hallo?

Gleichzeitig gibt es lediglich in einer führenden Position einen Schwarzen, aber keine Frauen oder Aliens. Einzig allein ein Asiate gerät ins Blickfeld der Kamera, aber auch nur um das zu tun, worin er gut ist: Die Technik reparieren. Dass die höher entwickelten und friedlichen Pastellfarbenen Muschel-Insel Bewohner weiß, hochgewachsen und dünn sind, während die gewitzten, aber auch primitiven drei „Tauben-Enten-Aliens“ oder die grob gewachsenen Vielfraße, Erdfarben sind – kann entweder als Übersensibilität meinerseits gewertet oder der westlich-kulturellen Auffassung zugeschrieben werden, dass weiße, helle Farben Reinheit symbolisieren und Erdfarben eben Schutz und Unreinheit, Primitivität und Wildheit. War es einfach nur Unaufmerksamkeit? Aber auf dieses Problem wies ich einst bei Star Trek TNG hin. Es kann aber auch einfach nur Zufall sein. Immerhin hatte sich James Cameron in Avatar entschlossen, die überlegende Rasse blau zu gestalten.

Und ist es wirklich notwendig, dass Frauen nur hübsches Beiwerk sind? Immer noch? Ist es das? Rihannas Zweck besteht allein darin halbnackt eine (zugegeben ästhetische) Show zu liefern und sich dann für den Helden aufzuopfern, während Cara die meiste Zeit in luftigen Kleidchen herum läuft und gegen Ende das tut, was jede gute Frau tun soll – den Antrag des Hauptdarstellers, dem sie kurz zuvor noch einen sehr klugen Monolog geliefert hatte, anzunehmen. Sie ist Beiwerk. Und auch wenn sie eine Waffe in der Hand hält, ist sie Beiwerk. Niemand sagt etwas dagegen, wenn Frauen Sexy sind, aber in diesem Falle ist wieder einmal pure Reduzierung darauf.

Auch interessant ist, dass der Mythos, der „armen aber glücklichen Fischer“ und dessen karge Realitäten wieder einmal mit idyllischer Wunschromantik ersetzt werden und Glück und Frieden propagieren. Ein kleines Stück Technikkritik? Seit den 1920ern scheint sich nichts verändert zu haben. Zur Erinnerung: die neapolitanische Filmemacherin Elvira Notari hatte für die in die USA emigrierten Italiener, idyllische Heimatfilme produziert und so kräftig am Mythos des „armen aber glücklichen Fischers“ mitgeschraubt.

Und nein, auch nicht die gewaltige Bilderflut, die Welten und die gesamte CGI-Operette hilft nicht über diesen Faux-Pas hinweg.

CGI – ein gehyptes Übel

CGI und ich werden keine Freunde mehr. Warum wirken Horrorfilme aus den 1980ern? Warum gruselte man sich bei Nightmare on Elm Street und Freitag der 13., Es, Omen und Alien? Sogar Der Blob macht eine bessere Figur, von Chucky und der Fliege ganz zu schweigen. Warum? Weil sie einfach sind. Hand gemachte Puppen, die tatsächliches Kunstblut speien, jagen 100x mehr einen Schrecken über den Rücken als zerfetzte, zuckende CGI Leichen. Warum wirkte Humans, auch wenn die Methoden teilweise extrem billig waren? Eben deswegen. Warum hinterlässt The Expanse Eindruck? Weil es „billiger“ (gemacht) ist und somit authentischer. Es wirkt. Es hinterlässt einfach etwas. Ideen, Emotionen, Herzblut, Schweiß und Tränen! All dieser digitale Wahnsinn bei Avatar und Herr der Ringe und auch Valerian, so beeindruckend er für sich selbst genommen sein mag (und ist!), und man den Künstlern, die das auf die Leinwand brachten, applaudieren will, wirkt (auf mich) oftmals nicht. Es lässt mich kalt und ringt mir ein dezentes Lächeln ab, aber keine Emotion. Ein anerkennendes Staunen, was alles möglich ist, aber kein Gefühl an das ich mich erinnere.

Einzig allein die Stadt hätte ich gerne – ohne 3D – gesehen. Die Stadt, das Gebilde und die Ideen dahinter hätten mehr verlangt als wie eine verschwommene Kamerafahrt bei der man Kopfweh bekam. Zuviele CGI-Details und 3D beißen sich. Ja, sie waren schön, die Landschaft, auch Pastell-Island. Und ich, ich ginge die Stadt gerne in einem Walking-Simulator ab, gerne auch mit einer VR-Brille.

Was war noch:

Die alternative Dimension, die nur via VR erreicht werden kann. Seitenhieb, der Comicvorlage entnommen oder Ideenlosigkeit? Die Zeit arbeitete gegen Luc Besson. Was in den 1960ern vielleicht noch revolutionär war, und auch in den 1990ern funktionieren hätte können, tut es heute nicht mehr. Die Charaktere wirkten flach und besonders der Versuch den Hauptdarsteller in eine Art Bruce Willis zu verwandeln, misslingt kläglich. Er wirkt unsympathisch, arrogant und schon in der ersten Szene frägt man sich: Warum? Aber vielleicht war ich durch die hervorragende schauspielerische Leistung des jungen Mannes in Dunkirk noch geblendet.

Btw, bei Doctor Who floriert im 28. Jahrhundert das Erd-Imperium und es herrscht starker Luftverkehr im All. London gibt es nicht mehr, sondern an Stelle dessen ist der gesamte Süden Englands zu einer gewaltigen Stadt verschmolzen namens Central City.

Abschließend

Als Vorlage diente das Comic „Valérian et Laureline“ von 1967. Der 6. Band „Botschafter der Schatten“ diente als lose Vorlage, 22 Bände wurden mit den Texten von Pierre Christin und Zeichnungen von Jean-Claude Mézières geschaffen.

Der Film war eine Herzensangelegenheit von Luc Besson, der sich Jahrzehnte damit befasst und das Budget von 200 Millionen fast allein geliefert hatte. Vermutlich liegt darin der Fehler des Filmes: Nicht umsonst wird in der ersten LV eines jeden Studiums davor gewarnt Arbeiten über Dinge zu schreiben, die einem Nahe liegen. Warum? Weil man die Distanz verliert – was zwar nicht ganz auf einen Film umgemünzt werden kann, aber verbunden mit den „Jahrzehnten“ die währenddessen verstrichen sind und die ins unermessliche gewachsenen Möglichkeiten, Visionen exakt so um zu setzen, haben wohl dazu beigetragen, dass Luc Besson sich wohl in seinem eigenen Werk irgendwie verloren hatte. Hatte der Film mehr als 2 700 Spezialeffekte waren es bei The fifth Element nur 188.

Fazit: Der Lichtblick, das putzige Tierchen als letztes seiner Art – was durch die Einzigartigkeit speziell und hervorgehoben werden hätte sollen, wirkt leider nur grausam: Und wenn das Tierchen stirbt, sind auch die Pastell-Muschel-Insel Bewohner (erneut) zum Tode verurteilt. Ahja, wer hat sie beim ersten Mal zerstört? Der weiße Mann. Selbstironie und/oder tatsächliche Anklage?

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