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„Stranger Things“, Season 1

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Wenn der Hype um Mitternacht aus allen Ecken kriecht und die lustigen Medien flüsternd auf Stranger Things hinweisen, und nur flüsternd, denn man ist sich noch nicht ganz so sicher, was man davon halten soll, dann folgt man diesem Ruf und legt sich nach acht Folgen um 3 Uhr früh schlafen. Um halb 8 wird man durch lautes Gerede geweckt, da die Nachbarskinder ein totes Schaf auf der Wiese hinterm Haus gefunden haben. So der Stand vor ein-zwei Wochen. Dank gilt jenen, die mich darauf hinwiesen, das Flüstern der Medien wäre fast überhört worden.

Stranger Things erinnerte, wie so viele, auch mich an Explorers (1985), teilweise und erst nach etwas Recherche an Die Goonies (1985), vor allem aber an Stand by Me (1986) oder auch E.T. (1982). Vieles war nur allzu deutlich an Steven Spielberg, Steven King und auch John Carpenter angelehnt. Ich vermutete etwas Twin Peaks (1990) wie Nightmare on Elm Street (1894) und auch Poltergeist (1982) dahinter. Es finden sich zahlreiche Verweise zur Popkultur der 1980er wie Filmposter zu The Thing (1982) oder The Evil Dead (1981), Star Wars Referenzen oder Dungeons and Dragons zeigen. Ich fand es nach einigen Folgen sehr spannend darauf zu achten.

Alles was in den 1980ern und 1990ern an Rang und Namen besaß, lässt sich auf irgendeiner Weise, irgendwo in Stranger Things finden. Es erinnert an Kinder, die die Welt in ihre eigene Hand nehmen und komme was wolle, sich dem stellen. Diesen Kindern konnten weder Eltern, noch das Gesetz etwas anhaben. Stranger Things erzählt eine Geschichte in einer wenigen strikten Welt, die durch ein klar gezeichnetes Tor in eine fremde Dimension führt. Es wurde nichts erklärt. Die Dingen lagen wie sie gefallen waren und so blieben sie auch. ‚The Upside-Down‘ war mystisch und einfach, gruslig und gespenstisch und vor allem: Authentisch. Es wirkte echt, obwohl keine logische Erklärung gegeben war. Und diese wurde auch, ganz im Sinne der 1980er, nicht benötigt. Es war eine Zeit fern von hyper recherchierten wissenschaftlichen Erklärungen und endlosen Foren-Diskussionen über korrekte Darstellung. Es war eine Zeit, die sich eher um das Erzählen von Geschichten bemühte als wie um wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit. Sie war einfach da und besonders dieser Fakt, war neben dem Fehlen moderner Technologien, wirklich entspannend. Das Fernbleiben von Erklärung und Technologie erlaubte dieser Geschichte ein Stück tiefer zu folgen ohne sich ernsthafte Gedanken um den Wahrheitsgehalt machen zu müssen. Man durfte sich faszinieren lassen, ohne hinterher als einfältig bezeichnet zu werden. Ob diese Art der Erzählung auch für andere Geschichten funktioniert, sei dahin gestellt. Es war jedenfalls eine dankbare Abwechslung zum alltäglichen technischen Overkill.

Aber ich wiederhole nur das, was Medien mittlerweile zur Gänze wiederkäuen. Und auch wenn das 80er Jahre Feeling nicht ganz zu 100% aufkommen will, der originale Trash der 1980er hätte in diesem Werkstück nichts verloren gehabt.

Und natürlich darf in dieser Hommage Winona Ryder nicht fehlen. Wer erinnert sich nicht gerne an Veronica aus Heathers (1989) oder an Reality Bites (1994), Beeltejuice (1988) oder auch Edward mit den Scherenhänden (1990) – um nur einige wenige (aber meine Favoriten) zu nennen. Winona war großartig! So wie sich Marisa Tomei („Hot Aunt May“ in Spiderman Homecoming, 2017) das gewisse Etwas über die Jahre bewahren konnte, so auch Winona Ryder. Während viele Schauspieler dieses im Laufe ihrer Karriere einbüßen und in gewisse graue Abbilder ihres vergangenen Selbst fallen, so heben sich nur ganz wenige davon ab und bewahren sich diesen einzigartigen Charme. Ich jedenfalls war begeistert von Winona.

Fazit: Eine sehr gelungene Abwechslung zum aktuellen Serienangebot.

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Ein Kommentar

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„The Hateful 8“

Erster Eindruck und Review – nach einem Glas Wasser mit müden Augen verfasst. Etwas Spoiler!

Der 8. Film von Quentin Tarantino. The Hateful 8. Der 8. Film. The Hateful 8. Der..

Lag es an der Uhrzeit – der Film startete um 22:00 und mir war die sagenhafte Länge von 2 Stunden und 40 Minuten bewusst – oder lag es am Film selbst? Dass einerseits meine Begleitung zu der Rechten öfters einnickte und ich beim mir unbekannten Mitte 40-Italiener zu meiner Linken, hin und wieder ein kleines Nickerchen wahrnahm. Ist es die Jugend der 90’er doch mittlerweile gewohnt, sich zu dieser noch seligen Stunde bereits an Morpheus‘ behaarte Brust zu kuscheln.

Die Antwort auf meine Frage, wie denn der Film so sei, meinte man: „Ein Tarantino eben“. Und ich dachte mir: In Ordnung, genial-witzig originelle, aber doch dem Alltag gestohlene Dialoge, eine gute Portion detaillierte Gewalt, mit etwas Splatter versüßt. Hm. Ja. Okay. Ja, doch. Schon etwas. Eigentlich ja.

Aber Herrschaften! Wir befinden uns im Wilden Westen, und wenn einer noch Erinnerungen an die in Kindheitstagen ausgestrahlten Indianer-Filme besitzt, die man gespannt unter dem Couch-Zelt verfolgte, dann wird man eine gewisse Ähnlichkeit feststellen können. Same same bei unseren geliebten Italo-Western Helden. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, trifft Tarantino natürlich genau ins Schwarze. Er beherrscht sein Handwerk wie die Dialektik und besitzt das notwendige Feingefühl, diese (die Dialektik) gekonnt abzubilden. Wobei der Stil des typischen Western-Genres in Django Unchaind besser eingefangen wurde. mMn.

Allerdings scheint mir, dass diese „würzige“ Tarantino Mischung über die Jahre hinweg dezent an Aroma verlor. Was in den 90ern „cool“ war und ein fast jeder diverse Dialoge auswendig zitieren konnte (Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Four Rooms und/oder Jackie Brown), kam zur Jahrtausendwende etwas an „Drive“ abhanden, oder zitiert heute jemand aus Inglourious Bastards oder Django Unchained (eher, aber doch eher weniger..)?

Vermutlich liegt es auch am aktuellen Überangebot, welches bis in die Poren kriecht und erfolgreich verhindert, einen aktuellen Film 2x oder 7x oder 13x anzusehen, geschweige davon Zeit, Motivation und Energie aufbringen könnte, belanglose Dialoge durch zuhören und immer wieder schauen, auswendig zu lernen.. Aber fragt mich nicht warum. Ich könnte spekulieren und vergleichen und erneut spekulieren und analysieren, aber hier spricht lediglich mein Gefühl.

Etwas zum Film selbst: Ich mag Mr. Orange. Ich fand ihn immer irgendwie nett und auch attraktiv, wobei mein Teenage-Crush dann doch Mr. Pink war. Atombomben Nein! Atombomben Nein! Mr. Blonde war ebenfalls mit von der Partie. Nett. Tarantino behält sich wie Tim Burton seine wiederkehrenden Darsteller. Nett. Ich mag es, alte Freunde im neuen Gewand wieder zu sehen. Nett. Kurz: Am Cast kann man nichts aussetzen. Ein paar Natur-Aufnahmen schafften es in den Film. Ich fror. Es war kalt. Die war Geschichte breit gezogen und in einer halben Stunde erzählt. Doch die amüsante, britische Darstellung eines sichtlich gealterten Mr. Orange lockerten auf. Vergnügt folgte ich seiner Darstellung. Gern hätte ich mehr davon gesehen. Warum schaffte er es nie auf die A-List?

Erneut: Die Szenen waren lang. Aber spricht man von Tarantino stehen ausgefeilte Dialoge; einzelne, perfekte Szenen und die Hommage an das jeweilige Genre im Vordergrund; und nicht zwangsläufig eine sich an Handlungen orientierende Story. Werte Leserschaft, wir haben es hier mit einem Herren zu tun, der sich der Schnelllebigkeit entgegen stellt und sich Zeit lässt. Vielleicht etwas zu viel. Aber das ist Tarantino.

Also hätte die Überlänge sein müssen? Hätte sie? Zugegeben, da ich davon wusste, nahm ich die „Überlänge“ nicht so deutlich wahr. Kurz vor Ende dachte ich mir: Gut.. nochmal eine Stunde. Aber ja, es war.. langwierig, die hasserfüllten Acht zogen ihre Geschichte in die Länge. Es war teilweise wirklich mühsam, war es der Länge oder der Uhrzeit wegen. Man sollte in diesem Sinne wohl immer unter den gleichen Bedingungen einen Film zu sich führen: Gleiches Essen davor, gleiche Uhrzeit, gleiches Getränk – eben ähnliche Bedingungen schaffen.. dann könnte man in der Tat vergleichen und wahrhaftig in bester Manier abschätzen.

Die Frauen wie immer in der Minderzahl und dem Tode geweiht. Was wäre ich vor Freude in die Luft gesprungen, hätte Frau Zahnlos und mit Channing Tatums Hirn am Kopf doch noch den lebendigen Sieg davon getragen. Zugegeben, ich kenne den Herrn dessen Hirn an Frau Zahnlos klebte, lediglich aus einem Pastellfarbenen Liebesfilm, sowie aus This is the End.. Und da sind sie wieder, die Bilder..

Fazit: Jo.. ein Tarantino nach der Jahrtausendwende eben, aber immerhin noch ein Tarantino. Der letzte vielleicht. Der letzte Tarantino. Vielleicht.

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