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„Wynonna Earp“, Season 1 und 2

Eine gute Serie ist wie ein gutes Buch. Wenn sie vorbei ist, herrscht nur mehr gähnende Leere und man frägt sich, was man denn nun mit seinem Leben anfangen soll. Man sitzt da, verlassen und einsam und alles hat keinen Sinn mehr. Trotzdem gibt es einen Hoffnungsschimmer: Aktuell wird an Season 3 gedreht und die Beteiligten halten Fans und Interessierte über den Dreh am Laufenden.

‚Buffy‘-esque

Wynnona Earp erinnert tatsächlich in vielen Belangen an Buffy: Beide sind von höheren Mächten dazu auserwählt, Dämonen zu töten („In every Generation.. there is a chosen one“) und besitzen die notwendigen Fähigkeiten dazu. Beide haben unsterbliche Love-Interests, die unter einer Art Fluch stehen und beiden steht der „geeky Sidekick“ zur Seite. Buffy, als auch Wynnona Earp, sind amüsante Supernatural-Horror-Komödien, die es aber im entsprechenden Moment nicht versäumen, ernst zu werden ohne dabei unstimmig zu werden.

Wynnona Earp basiert auf dem 1996 erschienen und gleichnamigen Comic von Beau Smith, der u.a. auch schon für Wolverine geschrieben hatte und in einem Cameo in der Folge „Forever Mine Nevermind“ auftritt. Fürs TV adaptiert wurde die Serie von Emily Andras, die u.a. für Lost Girl und die dritte wie vierte Season von Killjoys verantwortlich ist. Die Reihenfolge der Comics wäre: „Wynonna Earp: Homecoming“, „Wynonna Earp: Legends“, und „Wynonna Earp Season Zero #1“ (co-authored with Tim Rozon (Doc Holliday) and drawn by Angel Hernandez). Mittlerweile ist auch Doc Holliday-Darsteller Tim Rozon mit an den Comics beteiligt.

„When I first created Wynonna Earp in the mid-1990s, it was right in the middle of the “Good Girl/Bad Girl” trend in comics. At Image Comics, where Wynonna Earp was being published, this trend was running rampant. I created Wynonna Earp to be much like her ancestor, Wyatt Earp, who was known for his cool composure, suffer no fools attitude. She was to have a sense of humor, but when it comes to doing her job, she was dead serious.“ (Beau Smith)

Während Comic-Wynnona näher bei den 40 ist, ist sie in der Serie 27 und wird von der fast 10 Jahre älteren Melanie Scrofano gespielt.

Worum geht es?

Mit 27 tritt Wynnona, mehr oder weniger unfreiwillig, das Erbe des Earp-Curses an und schickt mit „Peacemaker“, einem old-fashion Revolver, der einst ihrem Ur-ur-Opa Wyatt Earp gehörte, die wiederauferstandenen Dämonen, Revenants genannt, erneut in die Hölle zurück, bis sich alle 77 dort befinden und der Fluch gebrochen werden kann. Ihr zur Seite steht Xavier Dolls, Agent der Black-Badge Division, einer Einrichtung die sich auf Dämonen spezialisiert hat, sowie ihre kluge und überaus positive und sympathische Schwester Waverly und der attraktive, sowie unsterbliche Revolverheld Doc Holliday.

Die etwas andere Superheldin (Spoiler für Season 2)

Wynnona ist die erste und über einen längeren Zeitraum hinweg schwangere Superheldin, da Melanie Scrofano zu diesem Zeitpunkt selbst schwanger war. Und trotz der Schwangerschaft, die ihr tatsächlich Angst macht und verunsichert, bleibt sie die harte Superheldin, die sich prügelt und ins Gewirr stürzt, und, so schwer es ihr fällt, auf übermäßigen Konsum von Alkohol verzichten muss. Sie kämpft und lässt sich weder vom Vater des Kindes noch sonst wem drein reden. Wynnona zeigt, dass Schwangere nicht mit Samthandschuhen angefasst werden müssen, sondern mitten im Geschehen mitmischen können.

Während sie in der ersten Season die klassische Antiheldin und Jessicas (Jones) Schwester sein könnte, entwickelt sie sich während der zweiten Season deutlich weiter, auch wenn die Grundzüge dieselben bleiben. Generell gewinnt die zweite Season durch Jeremy, einem Laborant der Black-Bagde Division und durch Zufall ins Team gerät, an komödiantischem Einschlag, ohne dabei zu übertreiben.

Glücklicherweise stehen die Frauen von Wynnona Earp auf eigenen Beinen. Romanzen werden zwar angeteasert und auch vollzogen, sind aber nie Hauptteil der Geschichte und spielen sich dezent am Rande ab. Wynnona entwickelt sich ohne dem Zutun eines Mannes, sondern von ganz alleine – und besteht darauf.

Interessant ist auch, mit wie wenig Aufregung die unkonventionelle Familien- und Liebesgeschichte gehalten wird: Zwar hatte Wynnona das Kind mit Doc Holliday gezeugt, ist aber jedoch nicht mit ihm zusammen. Während es zwischen ihr und Dolls doch (und meiner Meinung nach forcierte) Spannungen gab, denen ebenfalls nachgegeben wurde, enden diese nicht gleich in einer happily ever after-Beziehung. Und das ist ein großes Plus: Wynnona steht für sich alleine, ohne Beziehung, ohne Mann. Und auch die zunächst rivalisierenden Männer werden gegen Ende Freunde.

Sisters und #Wayhaught

Wenn es bei vielen Stellen wirklich komödiantische und beinahe trashige Momente gibt, verpasst die Serie jedoch nicht, ernste und tatsächliche Gefühle zu zeigen, wenn es um die Beziehung der beiden Schwestern geht. Und auch die romantische Entwicklung zwischen Waverly und Officer Nicole Haught ist eines, wenn sogar nicht das ehrlichste Element in der gesamten Serie. Wenn die Chemie zwischen Wynnona und Dolls unstimmig wirkt, so zündet sie zwischen Waverly und Nicole sofort. Die Beziehung ist weder erzwungen, noch künstlich erzeugt, sondern entwickelt sich besonders authentisch und eben, ehrlich.

Kritik

Wynnona Earp ist eine Serie über Frauen, physisch starke wie intelligente Frauen. Über Schwesternliebe und Zusammenhalt. Auch wenn es die eine oder andere romantische Szene gibt, bleibt es bei einer Szene. Kein übertriebenes emotionales Nachspiel welches in irrationale Taten mündet, kein unnötiges Gerede – es gibt schließlich wichtigeres: Dämonen zurück in die Hölle zu jagen.

Nachdem ich die zweite Season an einem Wochenende verschlungen hatte, überkam mich eine Leere und ich fürchtete (und fürchte) nie mehr ein ähnliches Äquivalent zu finden, wie ich es damals bei Buffy fühlte. Natürlich wirkt die Serie an manchen Stellen unstimmig, hier und da füllen Logiklöcher andere Leerräume aber alles in allem, ist es eine Serie, von der man noch viel, viel mehr sehen möchte.

Fazit: 10 von 10 Peacemakers, 10 von 10 Doc Hollidays und 10 von 10 Wayhaughts!

Quellen, Links

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1996: Buffy (as we know it) begins!

Wir erinnern uns, dass die Serie Buffy The Vampire Slayer einen Vorgänger Film namens Buffy – Der Vampir-Killer hatte. Der Film ist so trashig wie der Titel selbst – auch wenn er mittlerweile Kultstatus genießt. Das Meisterwerk erschien 1992 und machte die Welt für diesen Piloten bereit, bevor die Serie 1997 startete:

Man muss sich dabei in Erinnerung rufen, dass die Anfänge von Buffy in einer Zeit stattfanden, bevor jeder Haushalt einen Internetanschluss besaß. Der Pilot startete, bevor das Produzieren von zusammenhängenden Folgen und hoch qualitativen Serien in Mode kam. Selbst Tony Soprano debütierte erst 1999 und The Wire folgte um 2002.

Wenn der Pilot zu Buffy also etwas „trashig“ anmutet oder gar ein „Wie konnte das damals in Serie gehen?“ heraus lockt – muss man lediglich etwas Geduld und Durchhaltevermögen besitzen, denn gegen Ende schimmert bereits der Charme durch, weswegen wir die Serie lieb(t)en.

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Die 5 BESTEN am DONNERSTAG / FREITAG #44

Ein schwieriges Thema heute:

5 Serien die nicht alt werden

Ich versuchte zuerst das Spektrum einzugrenzen und nur Serien zu nennen, die nicht einer nostalgischen Verblendung unterliegen –  wie Serien, die ich seinerzeit innig geliebt habe und immer noch liebe weil ich sie damals geliebt habe und somit heute immer noch liebe. Damit fielen allerdings Buffy, Akte X und Twin Peaks weg. So auch TOS. Und Stargate. Und noch vieles mehr. Ich gab dieses Vorhaben also auf.

Die nächste Strategie, war mir zu überlegen: Was kann ich heute noch anschauen, ohne mir an den Kopf greifen zu müssen? Nur weil mich Breaking Bad wirklich beeindruckte, bedeutet das nicht, dass.. Nein, bei Breaking Bad ist die Sache eindeutig. Breaking Bad wird auch in 20 Jahren noch gut aussehen.

Welche Serien sind also „gut“ gealtert?

1. The IT Crowd – „Have you tried turning it off and on again?“ Schon alleine der ganzen (einem oft selbst bekannten) Witze wegen.
2. The Happy Treefriends – Ich erspare dem freundlichen Leser das bemerkenswerte und erinnerungswürdige Intro und verweise auf die süßen, kleinen und glücklichen Baumfreunde.
3. Twin Peaks – war damals schon schräg – bleibt auch heute schräg, aber interessant. Vor allem das Intro, dass ich irgendwann spätnachts auf einem Camping-Platz aus weiter Ferne erlauschte: Eine surreale und fast schon gespenstische Erfahrung..
4. The X-Files – kann man sich auch heute immer noch anschauen, ohne sich an den Kopf greifen zu müssen. Solide Geschichten, solide Leistung, solides Team, solides Thema.
5. Buffy – kann man sich Buffy heute noch anschauen, ohne peinlich berührt zu sein? Natürlich! Viele Serien, die einen eindeutigen Bezug zur zeitgenössischen Kultur haben, laufen Gefahr, dass sie 20 Jahre später einfach nur mehr seltsam wirken. Meine nostalgische Verblendung verbietet mir ein schlechtes Wort über Buffy zu verlieren, aber als ich mir zum Jubiläum zwei Folgen ansah, gab es doch einige Momente.. Nichts desto trotz würde ich die Serie jederzeit von vorne nochmal anfangen.

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Welcome to the Hellmouth!

“In every generation there is a chosen one. She alone will stand against the vampires the demons and the forces of darkness. She is the slayer.”

Fast 20 Jahre ist es her, dass Buffy das erste mal über die Scheibe flimmerte. 1997 in den USA und 1998 auf ProSieben. Ich war nicht von Anfang an dabei, und ich weiß gar nicht mehr, wer oder welches Medium mich damals informierte, dass man die VHS aus Großbritannien bestellen und dadurch ein halbes Jahr vor der deutschen Ausstrahlung in den Genuss kommen konnte – und zwar am Stück. War es schon das Internet? Who knows. Ich besitze die VHS Boxen immer noch.

Angeregt durch zahlreiche Beiträge auf Social Media sah ich mir die ersten beiden Episoden an. Die erste Reaktion war, neben einem heimeligen Nostalgie-Feeling, zugegeben, etwas Belustigung: Buffy wirkt mittlerweile wirklich sehr trashig, aber auch sympathisch oder anders gesagt: Trash mit Charme. Ebenfalls auffallend war, das fortgeschrittene Alter der 16-jährigen High School Schüler, was aber in den 1990ern üblich war, dass Anfang bis Mitte 20 Jährige dafür gecastet wurden. Ich wunderte mich über die Kürze von Buffys Rock, was mich folgend daran erinnerte, dass Sarah Michelle Gellar ursprünglich für die Rolle der Cordelia vorgesprochen hatte und umgekehrt. Charisma Carpetender als Buffy? Dann erinnerte ich mich daran, dass ich Angel nie zu Ende geschaut hatte und erinnerte mich noch an ganz viele andere Dinge.

Wie denke ich über ein Revival?

Puh. Nerdist hat gute Gründe geliefert, wie und warum ein Revival funktionieren könnte, Sarah Michelle Gellar spricht sich dagegen aus, und auch Joss Whedon hat nachvollziehbare Bedenken (selber Link).

“I have always believed that what was so unique about the show was the use of horrors of those formative years. With high school and college as a backdrop, we were able to address racism, identity, bullying, guilt, death, first love and heartbreak using the demons as metaphors for the demons we all experience. I am not sure how that translates into adulthood, although I am sure it could. The burden of saving the world a lot always weighed heavily on her, so for her sake, I hope she is somewhere on a beautiful beach located far away from any Hellmouth.”

Ich erwähnte schon bei der Zusammenfassung von Jessica Jones, dass ich fast in Ms Jones die neue „Buffy“ sehe. Nimm eine Handvoll Dämonen, gibt Jessica einen Pflock und man hätte eine erwachsene und düstere Version von Buffy. Meiner Meinung nach könnte es (das Konzept) funktionieren, aber nicht unter der Marke „Buffy“ – und wenn, dann müsste es ein deutlicher Schnitt zu den ersten 7 Seasons geben. Davon abgesehen, wurde die Geschichte in Comicform weitergeführt, die ich jedoch, zu meiner Schande, nie gelesen habe.

Was war meine Lieblingsseason?

Die 5. und 6. Season, eindeutig. Season 2 und 3 empfand ich als typische Klischee-Vampir-Geschichten, auch wenn Spike mit dabei war. Nein, Spike ist nicht nett – auch wenn er britischen Charme und die Coolness besitzt. Spike ist nicht der Typ Mann, mit dem man sich abgeben sollte. James Marsters dazu:

„Spike was evil, and I think a lot of people forgot about that. Joss was constantly trying to remind the audience, “Look, guys, I know he’s charming, but he’s evil.” He’s a bad boyfriend. It would be bad to date a guy like this. And I think he wanted to reinforce that in the most dramatic way imaginable. And also give Spike a really good reason to try to reform and try to become better and try to get a soul. Joss doesn’t do anything with half measures. He goes all the way with things. And I’m glad he does.“ (themarysue.com)

Season 4 drehte sich um das Leben am College Campus, wie wir es alle (fast) kennen. Es gab Riley, den Tutor und einen „kastrierten“ Spike, der zur Belustigung und als Buffys künftiger Love-Interest diente. Wir lernen daraus, dass die Universität, ebenso wie die Highschool, der Kreißsaal des Grauens und des Bösen und the forces of darkness ist. Möchte man also überleben, empfiehlt es sich von Sex und Bildung Abstand zu halten. In der 5. tritt plötzlich Buffys Schwester auf, the „Key“ und Buffy.. Nunja. Wir wissen, was am Ende der 5. Season passiert.

In der 6. Season, ohne die 5. Season zu spoilern, gibt eine Musical-Folge, die, meiner Meinung nach, mit Abstand eines der besten Musicals ist, dass je gedreht wurde. Ich kann mich nicht entscheiden, welchen Clip ich präsentieren soll.. aber nachdem ich diesen Song schon den ganzen Tag als Ohrwurm habe und fleißig im Büro singsumme, möchte ich meine Leserschaft daran teilhaben lassen:

Fazit: Buffy ist und bleibt für mich eine der besten Serien, die je produziert wurde. Zwar mit gewissen Schwächen und Höhepunkten, Trashelementen, Klischee-Vampiren sowie interessanten Special Effects, Universitätskursen und feministischen Botschaften.

10 von 10 Holzpflöcke, 10 von 10 kämpfenden Buffys, 10 von 10 Faiths, 10 von 10 Buffy-Spike-Ships und 10 von 10 Once more with Feeling’s!

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