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„Dunkirk“

Es ist ein Nolan-Film. Ein guter und sich von der Masse abhebender Film. Spontan fallen mir nur zwei Filme ein, die sich ebenfalls von der breiten Masse der Kriegsfilme loslösen: Der schmale Grat und Apocalypse Now. Alle drei sprechen überwiegend mit Bildern und weniger mit Worten. Dialoge werden nur dann eingebracht, wenn sie einen gewissen Nutzen beziehungsweise einen gewissen Informationsgehalt haben und nicht der Trivialität oder simplen Erklärungsnot wegen. Die Handlung wird durch eine aneinander Reihung von Bildern voran getrieben und oftmals wirkt es, als hätten diese Filme keine Handlung an sich, sondern zeichnen einen Moment nach dem anderen auf, veranschaulichen durch Bilder, ohne aber selbst eine Wertung vorzunehmen.

Nolan, der auf altbewährtes legt, tritt wieder mit Tom Hard aka „hardest working eyes in Hollywood“ und Cillian Murphy auf. Die Musik liefert Hans Zimmer, dezent und ohne sich in den Vordergrund zu drängen oder die Szenen gar zu emotionalisieren. Die Musik ist zwar da, aber unbemerkt. Nolan ist wieder einmal ein Meisterwerk gelungen.

Was passierte bei Dunkirk?

Zu deutsch auf Wikipedia unter die „Schlacht von Dünkirchen“ und „Operation Dynamo“ zu finden. Auch wenn man Wikipedia nicht zitieren sollte, nehme ich die allgemeinen Informationen dennoch heraus und fasse kurz zusammen: Die Schlacht von Dünkirchen fand gegen Ende Mai, Anfang Juni während des Westfeldzuges 1940 an der nordfranzösischen Küste statt. Die Einnahme durch die deutsche Wehrmacht erfolgte am 4. Juni. Der Name der Evakuierung lautete Operation Dynamo. Es ist verständlich warum sich Nolan für „Dunkirk“ anstatt den eigentlichen Codenamen entschieden hatte. Die Rettungsaktion, unter anderem auch mit zivilen Booten, war die bis dahin größte der Weltgeschichte. Insgesamt konnten ca. 340 000 britische wie französische Soldaten nach England gebracht werden, wobei das gesamte Material gegen Ende den Deutschen in die Hände fiel. Wenige Wochen später startete die „Schlacht um Frankreich“ („Fall Rot“ und viele der französischen Soldaten, die aus Dünkirchen gerettet wurden, mussten wieder zum Kampf nach Frankreich zurückkehren und gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Wie und warum zeichnet sich Dunkirk aus?

Es sind namenlose Soldaten, die man beobachtet. Trotz jegliches Fehlen einer Einführung sowie Aufbau einer Handlung hoffen wir, dass der Soldat, der uns in der ersten Szene begegnet, es auch (lebendig) bis zur letzten schaffen wird. Es sind Kriegspiloten und Zurückgelassene am Strand, die hoffnungsvoll auf einen Platz am rettenden Tanker warten; Ertrinkende, die sich eben noch in Sicherheit wogen und durch Torpedos alsbald um ihr Leben ringen müssen. Es ist offensichtlich, dass der Verbündete des Soldaten dem wir folgen Franzose ist, und beide kämpfen ums Überleben: Sei es, dass sie sich als Krankenträger ausgeben oder mit Absicht ins Wasser tauchen um als Gestrandete auf das nächste Boot zu kommen. Währenddessen begleitet man einen englischen Vater und dessen Sohn und einen ihnen bekannten Jungen, wie sie zur Schlacht segeln und versuchen zu helfen. Es ist tatsächlich sinnvoller, kleinere Zivilistenboote und Freizeitschiffe ins Gefecht zu schicken als fette Tanker, die ein einfacheres Ziel sind und durch ihr Volumen eher zum Massengrab umfunktioniert werden können, als kleine und wendige Schiffe.

Interessant ist auch das Fehlen expliziter Gewalt. Zwar ist die Bedrohung nahe, aber nicht direkt. Man spürt sie, sieht sie aber nicht – und anstatt (vielleicht auch der zusätzlichen Einnahmen wegen) Wert auf Blut triefende und zerfetzte Leiber zu legen, lässt die Kälte des Krieges alleine schon durch die Farbgebung den Zuschauer erschauern. Es benötigt keinen sichtbaren Feind mit Gesicht, Name und Stimme, der einem wüste Beschimpfungen entgegen schreit. Die Ungewissheit wann und aus welcher Richtung, aber die Gewissheit, dass etwas passieren wird, ist vollkommen ausreichend. Ein weiteres und Nolan-typisches Merkmal sind die unterschiedlichen Zeitlinien, die erst gegen Ende harmonisch und Stück für Stück zusammen geführt werden, bis sie mit der Rettung der Soldaten in einen Strang überlaufen. Der Film endet mit Jubel und einer Todesanzeige in einer lokalen Zeitschrift.

Fazit: Sehenswert.

Recherche und Links:

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