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Österreichs Wahlkabarett: Pensionen? Altersarmut? Anyone?

Yay, Wahlen! Wieder mal! Gefühlte 23x pro Jahr. Verzeiht mir meinen Sarkasmus, wir und besonders ich als Frau sollte(n) dankbar sein, wählen zu dürfen. Denn bis 1918 war es Frauen in Österreich untersagt, die Schweiz brauchte bis 1970, 1984 Lichtenstein und 2015 erhielten sogar Frauen in Saudi Arabien ein Wahlrecht, aber nur mit Pass – und den besitzen die wenigsten.

Anyway.

Als Sozialstaat hat Österreich, neben der Migration, die für alles Schlechte verantwortlich ist (Sarkasmus, verdammt nochmal), ein anderes wichtiges Thema: Pensionen. Genauer: Anhebung des Pensions-Alters. Dass dies in anderen Ländern Gang und gäbe ist, bedeutet jedoch nicht, dass man unreflektiert deren Strategie übernehmen muss und kann. Sowieso gibt es wichtigeres.

Denn bei dieser Diskussion wird gerne vergessen, sich Gedanken über fortschreitende Automatisierung und künstliche Intelligenz zu machen. In diesem Falle könnte man bei einer Maschinensteuer anfangen und sich entsprechende Konzepte zur Umschulung ausdenken. Fail. Sinnvoller ist es offenbar, die Arbeitslosen-Zahl anzuheben indem alte Menschen noch länger arbeiten sollen. In Österreichs Parlamenten scheint die Devise „Mehr Arbeitslose und weniger Jobs“ eine Win Win Situation zu sein. Ich verstehe das Konzept, wirklich: Mehr Arbeit, mehr Steuern, Pensionen für alle, yay! Aber die Realität wird dabei hervorragend ausgeblendet: Wer will alte Menschen im Betrieb? Niemand. Betriebe wollen junge, flexible, dynamische und verwertbare Arbeitskräfte. Aber Prinzipiell ganz gleich: Seien es 500€ Arbeitslosen oder 500€ Pension. Aber haltet ein! Wer eingezahlt hat, soll auch viel heraus bekommen. Und wer ist in diesem Falle von der Altersarmut am meisten betroffen?

Altersarmut

Frauen. Und schon kriecht die Fraktion „Aber Frauen arbeiten weniger“ oder „Sie müssen ja nicht schwanger werden“ aus ihren Höhlen. Mein Favorit bis jetzt: „Sie hätten es sich ja anders aussuchen können. Hätten sie halt die Kinderpflege aufgeteilt“. Bis in die 1960er war es Frauen kaum möglich selbst zu entscheiden. Waren sie verheiratet, hatten sie eines zu tun: Den Haushalt führen und Kinder zu gebären. Bis in die 1970er stand es einem Mann frei, den Job seiner Frau zu kündigen, wenn diese der Arbeit wegen den Haushalt vernachlässigte. 1970er!

Des weiteren war es gesellschaftliche Norm, dass die Frau daheim beim Kind und der Mann das täglich Brot verdiente (1980er) und schon posaunt der nächste: „Dann darf sich die Frau aber nicht wundern, wenn sie nichts verdient, sie hat sich ja persönlich dafür entschieden.“ Sicherlich hätte eine Frau damals – als es Norm war, beim Ehepartner mitversichert zu sein, und man davon ausging, dass der heilige Bund der Ehe ewig hält und der Mann für das finanzielle Wohl der Frau Sorge trägt – für ihr Leben selbst aufkommen können. Und manche Frauen taten das. Und wie? Schlechter bezahlt. Und selbst wenn Ehen halten, spielt sich dieser Gedanke nicht mehr. Kein Mann kann heute, wenn er nicht gerade zum oberen Prozent gehört seine Frau und Kinder ernähren. It’s too late baby, now it’s too late. Zu sagen, die Schuld läge bei den Frauen selbst, wenn diese nur Teilzeit annähmen oder beim Kind sein wollen, ist so unglaublich anmaßend, dass ich drauf und dran bin, entsprechende Beiträge zu kommentieren.

Lösungen

Aber, ich habe Lösungen: Neben einem Solidaritätsbeitrag der Reichen, die ein wenig mehr in die Kasse einzahlen und etwas weniger heraus holen, sodass Altersarmut weniger Thema ist. Des weiteren sollte man Frauen und(!) Männer, die sich Kind und Haushalt zum Beruf machen (wollen, mit einer Karenzzeit von einem Jahr für beide Elternteile), mit einem Mindestgehalt entlohnen und diese Jahre als vollwertige Pensionsjahre anrechnen. Und ja, das ist mein ernst.

Denn ob man es glaubt oder nicht, es gibt tatsächlich Menschen, die gerne Eltern wären (mich ausgeschlossen, außer mein Kind hat vier Pfoten oder sechs beziehungsweise acht Beine), dies aber aufgrund aktuellen wirtschaftlichen Lage nur schwer sein können. Und niemand spricht davon, dass die Leute 10 Jahre Zuhause bleiben sollen, aber ein-zwei-drei Jahre sollten möglich sein. So oder so, als Frau verliert man oft: Eine Frau sollte nicht übermäßig viel arbeiten („Rabenmutter“), darf aber auch nicht Zuhause bleiben („Verhätschelt das Kind“), und sie darf auch nicht gar kein Kind wollen („Egoistische Hedonistin!“). Nebenbei wäre es auch geschickt, Kinderkrippen und Betreuungsmöglichkeiten zu verdoppeln und verdreifachen, dass jene Eltern, die sich im Job verwirklichen möchten, dies auch tun können.

Konklusio

Natürlich landen (vermehrt) Frauen in Altersarmut, wenn es
a) bis vor kurzem gar nicht möglich/gern gesehen war, dass Frauen sich einer Arbeit annahmen,
b) Betreuungsplätze einerseits genauso stigmatisiert sind („Rabenmutter“) und zweitens erst gar nicht zur Verfügung stehen und
c) alte Menschen sowieso keinen Job mehr finden. Wer will eine 55jährige einstellen, die womöglich schon diverse Gebrechen hat?

Und dann glaubt man allen ernstes, eine Arbeitszeitverlängerung(!) sei zielführend. Damit alte Arbeitslose also noch länger „arbeitslos“ sind? Aber ganz gleich, ob Pension oder Mindestsicherung oder vermutlich in naher Zukunft HarzIV, sofern Betriebe, Firmen und Wirtschaft florieren ist alles in Ordnung.

Vielleicht sollte man sich vom Gedanken des Sozialstaates verabschieden oder adäquate Lösungen suchen. Habe ich welche? Hell yeah! Bedingungsloses Grundeinkommen, eins. Wie bezahlen? Den einen oder anderen politischen Klogriff unterlassen und Bildung fördern, damit auch damit umgegangen werden kann, zweitens. Drittens, Politikern eine umfassende Ausbildung in Geschichte, Philosophie, Wirtschaft, Umwelt, Geographie, Informatik (!) und Sozialwesen absolvieren zu lassen, dazu mindestens drei Praktika in verschiedenen Berufen wie Pflegeberufe oder Gesundheitswesen. Wie bezahlen? Gar nicht. Es ist eine Voraussetzung um überhaupt in der Politik tätig sein zu dürfen.

Quellen und Links:

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#Bpwahl16: die Anfechtung nach der Anfechtung

Wir nähern uns der Zielgeraden. Das Kopf an Kopf Rennen mit den United States of f*cking America geht um den Sieg in Sachen Peinlichkeiten in die letzte Runde. Während es Atombombentests in Nordkorea gibt, Terror und Klimawandel ernstzunehmende Themen sind, dominiert in Österreich das #Uhugate. Es tropft der Neid eines jeden Kabarettisten von seiner krausen Stirn.

Aber war es nicht ersichtlich, das etwas, dass mit einem Löwen in Bayern und Männern in braunen Uniformen begonnen hatte, nur so weiter gehen konnte?

Es betrifft also die Verschiebung der Wiederholungs-Wahl, der Stichtag des 11.11 um 11:00 wäre ideal, um mit gebührendem Ernst zur Urne zu schreiten und die Demokratie für Tod und Begraben zu erklären. Denn wozu via Briefwahl 900 000 Bürger wählen lassen, wenn es auch ohne ginge, so die Verlierer-Partei.

Die Wahl wird also am 4. Dezember wiederholt. Freuen wir uns auf eine Wahlkabine, die nach Lebkuchen und Zimt duftet, ein Punsch davor, den Glühwein danach; die Welt wird uns beneiden, oder belächeln. Und wenn Österreich brav gewählt hat, bekommen wir am 6. einen alten Mann mit Bart oder den jungen mit Stock. Nicht der kühnste Witzbold hätte sich je ausmalen können, dass Klebstoff einmal eine ernst zunehmende Demokratie Diskussion auslösen würde.

Es zieht sich die Frage durch die Medien, ob der Vorfall als „technisches Problem“ abgetan werden kann, wie der Vizekanzler dies nennen mag. Und sicherlich, es ist zwar möglich, dass Menschen in den Weltraum geschickt werden, aber Wahlkarten zu produzieren, die halten, bringt die Technik offensichtlich an ihre Grenzen. Dass das ganze Schlamperei war, daran denke nur der Ho(h)nig züchtende Imker, wenn er wieder einmal die Politik bitterlich versüßt. In diesem Falle gilt eben typisch Österreichisch: „Werd scho irgendwia halten.“ Um ein Kuvert gut zuzukleben müsste man halt doch Spiderman sein und somit liegt es an der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft die österreichische Demokratie zu retten, noch bevor GRRM den nächsten Game of Thrones Band veröffentlicht.

Aber man muss dem ganzen was zu Gute halten: Es entstanden die Zeiten überdauernde Running Gags, unfassbare Vollidioten haben sich dem Verfassungsgerichtshof als solche geoutet, Geschichten wurden geschrieben, die noch den Kindeskindern erzählt werden können und die FPÖ bot Politikkabarett vom Feinsten. Man soll nicht unbescheiden sein, diese Odyssee hat einiges zu bieten. Ob es sich lohnt die defekten Wahlkarten auf Ebay zu verkaufen, so als ein Stück „österreichischen Kulturguts?“

Das Unwort des Jahres muss lauten:
„Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung“

Danke Standard-Newsticker-Forum für die herrliche Unterhaltung, Muse und Anleihen für diesen Beitrag:
Bundespräsidentenwahl wird auf 4. Dezember verschoben, am 12.9.2016

Das Ausland sagt dazu:

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