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Von Dingens, #0210

Die Katze jaulte und möchte hinaus, so hatte ich sie doch vorsichtshalber eingesperrt. Aber nein, er möchte hinaus, Miau sagt er, kommt sogar in mein Zimmer, Miau sagt er, und sieht mich flehend an; der garstige Herbstwind aber sage ich, der Wind! Er weht dich weg, bis ganz nach, wer weiß wohin! Das ist egal, sagte der kleine Mauz, ich möchte hinaus und muss ganz Tirol von der Mäuseplage befreien die kommen wird. Aber zu Winters gehen doch die Mäuse in die Stadt! Entgegne ich ihm, aber nein, sie kommen aufs Land, widerspricht er, da gibt es mehr zu fressen als in der Stadt. Niemand, so habe er sich von einer Rabendame sagen lassen, verstreue mehr Brotkrumen für die Tauben, so bekämen auch die Mäuse nichts mehr und so zögen sie alle von der Stadt aufs Land. Quasi eine Stadt-Land-Flucht. Die Höfe, so habe sich Frau Rabe bevor sie Frau Maus verspeiste, sagen lassen, seien voll mit Korn und guten Dingen, die hunderte von Mäuse-Familien ganz locker durch den frostigen Winter bringen könnte, und so sagte der Mauz, muss er wohl die Mäuse aufhalten! Es könne doch nicht sein! Wenn er sich nicht mehr unter all dem Mais verstecken könne, so sollen auch nicht die Mäuse was davon bekommen.

Und so zog er von dannen. Die kleinen, weißen Pfoten wichen geschickt den fauligen Herbstblättern aus, die sich schon für den nächsten Spaziergänger bereit gelegt hatten. Wenn sie schon zum Tode verurteilt seien, und der Mensch dies als romantisch bezeichne, wessen Tod könne denn romantischer sein, als jener, der unschuldigen Blätter und ihrer dann fauligen Farbe? Zuerst habe er noch Schutz in ihrem Schatten gesucht, und dann erfreut er sich an ihrem Tod! Und so müsse der Mensch zumindest durch Schmerz, Armgebrech und vielleicht sogar mit einem Fall auf den Hinterkopf, daran erinnert werden, dass der Tod nichts schönes ist, selbst wenn er sich noch so sehr in tolle Farben kleidet, und vermutlich, so vermuten die Mäuse zumindest, vom eigentlichen ablenken möchte: dem bitteren, kalten, grauen und sicheren Tod im Winter.

Aber den Mauz kümmerte das nicht, er hatte vier Pfoten und ein hervorragendes Gespür für Gleichgewicht, ihn würde so leicht nichts aus den Pfoten werfen. Tapp tapp tapp. Nein, da war keine Maus. Tapp tapp tapp. Auch da keine Maus. Es sah wohl so aus, als gäbe es gänzlich keine Mäuse mehr. Aber wie kann das sein, Frau Rabe, mit welcher er immer Sumpfwasser zu lecken pflegte während seines morgendlichen Rundganges, hatte ihm doch davon erzählt – hatte sie ihn etwa belogen?

Plötzlich blitzten zwei dunkle Augen aus dem Gebüsch..

to be not continued..

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Von der Illusion etwas gut zu können und dieses nutzen zu müssen

„Jeder kann etwas gut! Auch du!“ Geh schleich di.

„Du kannst das so gut. Mach was draus!“ Seriously, get the f*ck off my business.

Ihr kennt diesen Spruch, oder? Leute, die meinen, dass wenn man sich nur ganz fest mit etwas beschäftigt, man es auch richtig und besonders gut könne. Du musst dich nur damit befassen! Ein wenig Talent gehört natürlich dazu, und ein Vermögen, und gewisse Fähigkeiten, und Veranlagungen und so,- aber jeder, der es wolle, schaffe es auch und sowieso, ist jeder in etwas gut!

Nein.

Schlimmer noch, Leute, die erkannt haben oder glauben zu erkennen, dass man etwas wirklich gut könne und dazu raten, doch etwas damit machen zu müssen, weil es wäre ja vergeudet und verschwendet, nicht zu Nutzen was einem gegeben wurde!

Dafuck? Nein.

Über Talente und Fähigkeiten

Da gibt es die, die besonders gut zeichnen und malen können, andere schreiben super, wiederum andere haben das Talent, ihren Körper mit Takt zu bewegen und andere singen wie Germany’s Future Dschungelcamp-Kandidat. Und sicherlich, zu einem gewissen Grad ist alles erlernbar, was es zumindest, „gut“ in den Augen anderer macht, die das eben gar nicht können – und das ist ja okay. Aber nur, weil man etwas „gut“ in den Augen derer kann, die es gar nicht können, bedeutet das nicht, dass man tatsächlich „gut“ darin ist und auch damit etwas machen kann. Kann man nicht. Nicht immer.

Sicherlich, man kann es erlernen: Wie das schreiben. Wir sollen aktive Verben und keine passive verwenden, wenige Adjektive und beschreibend schreiben, nicht erzählend. Eh klar. Und dann gibt es die Leute, die nicht lernen müssen, wie man fesselnd schreibt, die, die wissen, wie man eine Geschichte richtig gut zu Papier bringt. Und natürlich kann ich Tanzschritte und Bewegungen lernen – werde aber nur Mittelmaß sein, weil mir das Talent fehlt. Und das ist okay!

Das Mittelmaß ist okay!

Wisst ihr was? Es ist vollkommen in Ordnung! Man darf auch Mittelmaß sein. Auch wenn man etwas „besser“ kann als manche andere und trotzdem weiß, dass man nicht „gut“ ist, auch wenn die Aussagen anderer was anderes sagen, dann bedeutet das nicht, dass man damit was machen muss! Als Hobby ist es auch vollkommen okay und man kann sich viel leichter daran erfreuen? Denn wie heißt es: Mach nie zu deinem Beruf, was du liebst. Ich liebte Geschichte und Philosophie. Nach dem Studium. Not so much anymore. True Story.

Ich sage immer: Es muss auch Menschen der Mittelklasse geben, der Mittelmäßigkeit, die, die halt nicht auffallen, die, die gewisse Dinge können, aber eben nicht ausreichend um richtig „gut“ darin zu sein, oder es gar für Ruhm und Reichtum verwerten zu können. Und das ist okay!

„Nur der Fleiß machts!“

Oh, fuck off you stupid little c*nt! (Frei nach Sandor Cleagane)

Man kann sich auch fragen: Was ist denn „gut“ und an und mit welchem Maßstab messen wir „gut“?

Dann wird ein anderer sagen: Aber mit Fleiß kann man gut werden! Ja, einer aus einer Million vielleicht. Diese Leistungs- und Fleißgesellschaft geht mir so dermaßen auf die Eierstöcke; wer Menschen nur anhand ihres Fleißes misst, misst mit dem Maße des Kapitalismus – wollen wir das? Willst du das? Deine Talente mit kapitalistischen Farben anstreichen, nur damit wer anderer das große Stück des Kuchens bekommt? Willst du das? Eben, nein, das willst du nicht! The cake is a lie!

Lass es liegen!

Und selbst wenn wir in etwas „nur“ gut sind, selbst wenn wir tatsächlich etwas können, also so richtig, bedeutet das nicht, dass wir es Nutzen müssen. Wir können und dürfen unser Talent auch liegen lassen, wenn uns nicht der Sinn danach steht. Sicherlich ists schade, sagen manche. Mach was daraus! Die anderen. Aber ganz im ernst, why? Wir könnens auch als Hobby behalten. Is eh viel g’scheiter.

Dieses dahin pushen, dass jeder in etwas „gut“ sei, und selbst wenn dem dann so ist – dazu nötigen, es bitte auch anständig zu verwerten und was daraus zu machen; dieses vehemente Nahelegen, mit etwas Übung und Fleiß und Disziplin könne man Großes erreichen! Echt nit.

Ich hasse es, wenn Leute das tun.

Ich weiß, ihr meint es gut

Ja, sie meinen es gut. Ja, sie wollen mir Komplimente machen, und ja, ich singe vielleicht „besser“ als der durchschnittliche Karaoke-Sänger, und zeichne vielleicht besser als jemand, der nur Strichmandeln kann, und schreibe vielleicht auch ganz adäquat, aber lasst mich damit in Ruhe, dass ich das alles Nutzen sollen und was daraus machen. Es nervt!

Zu sagen, ich soll dies und jenes nutzen, erlegt mir die Mühseligkeit auf, mich um noch mehr in meinem Leben kümmern zu müssen. Ihr steht nicht da und sagt, „Du, I hilf da, gib mir X und Y“, nein ihr meint es nett und gut und nehmt mir vielleicht sogar einen Teil der Arbeit ab, wie Korrektur lesen oder applaudieren, aber mehr kommt da nicht, weil wozu? Ihr bekommt ja auch nichts dafür raus. Seht ihr. Ich verstehe euer Anliegen, wirklich! Und ich danke für die Komplimente, und trotzdem…

Wir, die in euren Augen ja etwas „gut“ können, sollen uns darum kümmern. So funktioniert das nicht. Nicht bei allen.

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