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„Outlander“, S03E01

Ich habe nicht vor, regelmäßig zu Outlander zu bloggen, aber die erste Folge der dritten Season verlangt ein Kommentar – denn ich ertappte mich immer wieder bei der Frage: Hasst die Autorin ihre Charaktere? Quält sie gerne? Ist das schon Sadismus? Fazit: Wer sich am Leid anderer erfreuen kann und mag, dem sei Outlander ganz nah ans Herz gelegt. In Game of Thrones sterben Charaktere? Lächerlich. In Outlander leben sie.

Achtung Spoiler.

Wie man traumatisierte und zerstörte Charaktere schafft

Jamie Fraser, auch bekannt als „Red Jamie“, der soeben seine große Liebe, die sein Kind trägt, durch die magischen Steine zurück in die Zukunft schicken musste, stirbt fast auf dem Schlachtfeld, mit dem Mann über sich, der ihn einst vergewaltigt hat – aber nur fast. Denn er lebt. Seine Freunde finden ihn und bringen ihn in Sicherheit. Diese hält aber nur kurz. Denn bald darauf finden die Engländer das bruchreife Haus. Es gilt alle, ohne Ausnahme, zu töten. Aber der Offizier ist gnädig: Die, die nicht gehen können werden auf gestellt und wie Soldaten erschossen. Nur Halunken und Streuner werden gehängt. Ein jeder darf ein Brieflein schreiben, sein Name wird notiert und die beiden Jungs im Alter von 14 dürfen gemeinsam gehen. Das ist der nette Teil.

Der freundliche Rupert, der bereits seinen besten Freund verloren hat, geht hinaus und als Jamie an die Reihe kommt – seinen Namen sagt und nur mehr tot sein will – hält der Offizier inne. Nein, dieser nicht! Dieser muss leben! Und nur deswegen, weil er dem Bruder des Offiziers (der in Season 3 noch eine Rolle spielen wird) das Leben gelassen hatte. Und wenn der gnädige Offizier ihn erschießen ließe, beflecke es die Familienehre. Aber könnte man ihn nicht unter anderem Namen erschießen? Nein. Er wird Nachhause geschickt. All seine Freunde wurden vor seinen Augen erschossen, einer nach dem anderen, und er, der sterben will, muss leben und darf nach Hause zu zurück.

In der Gegenwart sehen wir  Claire wieder, die eben mit Frank (ihrem Mann) nach Bosten gezogen ist und Jamies Kind trägt. Frank erklärt sich bereit das Kind zu akzeptieren, wenn Claire ihre Vergangenheit, und die Liebe ihres Lebens – der, wie sie annimmt, in der Schlacht zu Culloden gefallen ist – hinter sich lässt. Klingt doch okay so weit. Und wenn es keine Serie wäre, bei der wir wüssten, dass das Liebespaar früher oder später durch Zeit und Raum wieder zueinander findet, wäre es auch vollkommen in Ordnung. Niemand nähme an, sie betrüge den seit Jahrhunderten toten Jamie mit ihrem Mann. Als sie das Kind bekommt und Frank Freudentränen weint und sie beide glauben, dass alles gut wird – frägt die Schwester: „Ohhh! Woher hat sie denn das hübsche rote Haar!?“ Sadismus oder klassisches Drama? So oder so: Grausam. Es wirkt weniger grausam geschrieben, als gesehen.

Geburt in den 1940ern

Irritierend war die Geburt-Szene. Die Gegenwart spielt Ende der 1940er, zeitlich nicht weit weg von Call the Midwife, was im East End (London) der 1950er angesiedelt ist, wo das Hebammen-Wesen (mehr oder weniger) gut ausgeprägt ist. Immerhin gibt es das. Und Nonnen wie Krankenschwestern kümmern sich darum. Kümmern sich um die Schwangeren, besuchen sie und kontrollieren die Geburt.

In Outlander hingegen wird Claire in einen sterilen Raum gebracht, betäubt und das Kind offenbar ohne ihre Zustimmung via Kaiserschnitt entbunden. Der Arzt richtete sich vorwiegend an Frank und niemand erklärte ihr, was als nächstes passieren würde. Die Art der Darstellung darf wohl auf das „moderne“ und „neue“ der USA hindeuten, das Fremde und einen Gegensatz skizzieren, wenn Claire es vorzieht am Kaminfeuer zu kochen, anstatt am Gasherd, der sowieso die Hälfte der Zeit nicht zu funktionieren scheint.

Fazit: Eine interessante Folge.

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„Tulip Fever“

Spoilerwarnung.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zum Entschluss, dass sich der Film wohl als (wohl unfreiwilliger) pointierter Moralapostel verstehen mag – anstatt, wie angenommen und damit beworben, romantisches Kostüm-Drama. Der betrogene Mann überlässt Hab und Gut der Magd, die mit dem Fischer zusammen einen Bastard zeugte, und die betrügende Frau landet schlussendlich wieder da, wo sie ursprünglich her kam: Im Kloster.

Die Tulpenwette- und Handel mit diesen, passiert lediglich nebenbei um zwei Hauptcharakteren zum tiefem Fall zu verhelfen. Die interessante Komponente des Filmes, Blumen als Investment und welche Rolle Klöster dabei spielten, bleibt weitgehend verborgen. Der eine wird bestohlen, wird (zurecht) wütend und muss zur Navy, der andere gewinnt zwar, ist aber so dämlich und vertraut einem süffigem Freund die teuren Knollen an, der sie schlussendlich frisst.

Was sich wie Satire, oder dem Klapptext eines billigen Romans liest, wird dramatisch-leidenschaftlich sowie dramatisch-leidend inszeniert und eine jede neue Handhabe der Geschehnisse bringt noch mehr Unheil mit sich. Ich komme also zur Überzeugung, dass es keine Satire sein kann, aber auch keine Liebes-Geschichte. Was dann? Wohl am ehesten ein klassisches Melodram.

Worum geht es?

Die hübsche Alicia Vikander ist mit Christopher Walz (einem zunächst narzisstischen, dann empathischen Mann) verheiratet. Im Kloster als Waise aufgewachsen, heiratet sie – vermag es aber nicht, ihm Kinder zu gebären. Man weiß zu Beginn nicht ganz so genau: Hasst sie ihn? Fühlt sie sich vergewaltigt? Mag sie ihn überhaupt? Nach und nach bemerkt man, sie fühlt sich schuldig – da es doch im 17. Jahrhundert des Weibes Pflicht ist, dem Mann Erben zu schenken, vor allem, wenn er sie aus der Armut rettete – und zugegeben, mit dem Gedanken spielt, sie wieder dort hin zurück zu bringen. Ist sie also nur ängstlich? Man weiß es nicht.

Brenzlig wird die Sache, als der junge Künstler Dean DeHaan engagiert wird um ein Portrait zu malen. Das eine führt zum anderen und sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre, inklusive Sex ohne Nachthemd. Die Geschichte wird von der Magd erzählt, die ihrerseits eine Liebelei mit einem Fischverkäufer hat, der sie, und jetzt wird es richtig brenzlig, auch schwängert.

Um nicht aufzufallen gibt der von Alicia Vikander gespielte Charakter vor, selbst schwanger zu sein und spannt einen Arzt mit ein, der vermutlich keiner ist und sich lieber an Frauen vergeht. Christopher Walz ist überglücklich – nur anfassen darf er sie nicht. Das ganze läuft besser als erwartet und sogar ihr Plan, bei der Geburt zu sterben, geht auf. Dummerweise rechnete sie nicht mit den unausweichlichen Schuldgefühlen. Denn als sie das Gespräch ihres Mannes mit dem Arzt belauscht, dieser solle doch das Leben seiner jungen Frau retten und dafür das Kind sterben lassen – setzen sie so richtig ein. Und das beste: Erst kurz davor hatte der alte Mann ihr gebeichtet, dass er damals den Herrgott angefleht hatte, doch seine Frau zu nehmen aber das Kind leben lassen möge. Wtf? Dachte ich mir auch.

Sie lässt sich in einen Sarg einnageln und wird via Gondel über den Fluss gebracht. In einem Zimmer wartet sie auf den Künstler, der sich im Tulpengeschäft eine Menge Geld zusammen geklaubt hatte, sodass sie sich absetzen können. Aber soweit kommt es nicht. Der unfreiwillige Moralapostel wäre keiner, wenn der hintergangene Mann (es gibt Anzeichen, dass er sie selbst betrog), nicht doch noch von all dem erfahren würde. Der Fischverkäufer hatte einst geglaubt, seine Magd sei zum Künstler ins Apartment geschlichen, dabei war es die Mistress in ihrem Gewand! Oh mein Gott! Und das Kind, dass der Alte liebevoll im Arm gehalten und geglaubt hatte, es wäre seines, ist es gar nicht! Welch Tragik!

Der Künstler findet den Mantel, den die von Schuld zerfressene Alicia Vikander in den Fluss geworfen hatte, und glaubt seine Geliebte sei tot. Der Mann überschreibt Hab und Gut auf die Magd, rät zur Hochzeit und das Haus mit Leben zu füllen. Was auch passiert. Er selbst reist nach Indien und wird dort glücklich, ebenfalls mit einer Familie. 8 Jahre später sehen wir den Künstler, wie er in einer Kirche malen soll, nicht ganz ohne das Zutun einer gewissen Nonne, und dort erblickt er seine ehemalige Geliebte. Sie lächeln sich zu. The End.

What?

Weitere Gedanken

Die Szenerie ist von Gott, Glauben und Schuld geprägt. Die Motivationen der Charaktere funktionieren bedingt – und da es bis auf wenige Ausnahmen, alles tolle Schauspieler sind, fragte ich mich, warum eben nur bedingt. Vermutlich war Christopher Walz unterfordert und Alicias Vikanders Rehblick mag ihre Gefühle nicht eindeutig zuordnen. Genau so neben der Rolle liegt Dean DeHaan. Die einzige die wirkt, ist Holliday Grainger. Sie ist in ihrer Rolle als glückliche, später verzweifelte Magd authentisch.

Judi Dench ist das Highlight des Filmes: Als schlagfertige Nonne, die im Tulpengeschäft kräftig mitmischt, den Mädchen Bildung näher bringt und für ihr Wohl sorgt, verprügelt sie nebenbei, begleitet von Wach-Gänsen zwei Einbrecher. Ich hätte lieber einen Film über Judi Dench als berechnende und hinterlistige Tulpenkönigin gesehen.

Fazit: Leider funktioniert weder die Szenerie, noch wird dem Zuschauer ernsthaftes Mitgefühl heraus gelockt. Die Kamera rast von einem Ort zum anderen Ort und dass, obwohl die Kulissen tatsächlich sehr real wirken, bleibt keine Zeit Details einzufangen, bleibt keine Zeit sich Zeit zu nehmen. Übrigens sind Tulpen giftig und der Verzehr kann zu Bauchschmerzen, Durchfall und Krämpfen führen.

Recherche

  • Die Tulpen-Spekulation Hollands im 17. Jahrhundert ist das erste dokumentierte Spekulationsgeschäft der Geschichte, der erste Börsencrash 1637.
  • Tulpen wurde im 16. Jahrhundert erstmal aus der Türkei importiert.
  • Ebenfalls sagt mir Google, dass der Film seit 2000 in Planung war, 2014 gedreht wurde und schon letzten Sommer hätte in den Kinos anlaufen müssen. Bissiger Zusatz: Wenn man sich den Film ansähe, wisse man warum der Start dreimal verschoben wurde. Es fiel also nicht nur mir negativ auf.

Kritiken (und Quellen)

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