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Auf Insta gibt es sie zu hauf (diese verpönte Selfiekultur, die Welt geht zu Grunde! Eingebildete Filter-Bitches!); Twitter verschmäht sie (und die Leute entfolgen dir. Du darfst (nein sollst!) dich zwar mögen und darfst darüber twittern, wie geil du dich heute findest, aber bitte nicht sichtbar, keine Fotos, wirklich nicht); und Facebook, ja da kommentieren die ewig gleichen, mit „Oh, du alterst auch nie!“, seit Jahren.

Das Selfie

Die Kritik, man brauche 50 Versuche bis das passende dabei sei und dann entspräche es sowieso nicht dem Original-Bild und sei eine Verfälschung der Momentaufnahme und lenke den Fokus nur auf sich selbst, man vergesse alles andere, ist durchaus berechtigt (vor allem wenn sie in eine Art Druck ausarten, ein gutes Selfie posten zu müssen).

Aber nicht viel anders, läuft es bei einem klassischen Foto-Shooting ab. Mit Fotograf und so. Von 100 Fotos sind maximal 5 dabei, die sich verwenden lassen – und ja, sie sind alle gephotoshopt. Sie sind alle gestellt. Und man investiert Zeit. Viel Zeit. Und Planung. Ich weiß das, ich habe das selbst lange Hobbymäßig betrieben.

Warum wird das eine verschmäht, das andere akzeptiert? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil klassische Shootings professioneller sind?

Das Altern

Ich habe angefangen alte Shootingfotos durch zu schauen und aus den vielen, vielen Bildern, Collagen zu machen. Dabei fiel mir auf, was ich auch mit einer Shooting-Kollegin von früher erst kürzlich besprochen hatte, wie jung wir damals waren; die Jugend war uns ins Gesicht geschrieben und so glatt und so hübsch und so Faltenlos!* Makellos war ich nie, ich hatte immer schlechte Haut und je nach Essverhalten, auch heute immer wieder mal. Aber da finde ich Photoshop okay, solange man nichts permanentes weg macht oder verändert. Zu den Falten stehe ich noch in einem ambivalenten Verhältnis, da sie auch nicht immer da sind – und je nach Müdigkeits- und/oder Trockenheitszustand der Haut mal stärker zu sehen sind, und nach einer intensiven Feuchtigkeitskur und viel Schlaf weniger.

Eine Kollegin von früher will keine Fotos mehr von sich. Sie findet sich alt und hässlich. Ich darf darauf hinweisen, dass sie immer noch toll aussieht, aber eben nicht mehr wie Anfang 20. Vor einer gewissen Zeit überlegte sie auch, ob sie nicht doch 12 000€ in ein Facelifting investieren solle, der Arzt meinte, sie sähe dann wieder aus wie Anfang 20. Botox verwendet sie seit Jahren regelmäßig (und Botox finde ich soweit okay) aber die hängenden Backen, sie findet, sie gleicht bald ihrer Mutter, und nein, das will sie nicht. Sie hat es dann, vermutlich der Seltsamheit des Arztes wegen (der ihr aus Datenschutzgründen nur ein, zwei Fotos zeigen konnte), doch gelassen.

Die Selbstliebe

„Du musst zuerst dich selbst lieben, bevors andere tun können!“ ist der beschissenste Satz, den je jemand gesagt hat. Ich glaube nicht mal, dass irgendwer diesen Satz gesagt hat, ich glaube er wurde einfach von einer gelangweilten KI erfunden und in die Welt raus gelassen, so wie die Bonsaikatzen. Nein, du darfst dich auch selbst hassen und andere können dich trotzdem lieben. Dies wollte ich nur kurz angemerkt haben, weil ich, wenn ich diesen Satz lese, immer wieder anmaßend finde.

*Amüsanterweise muss ich anmerken, dass ich mich auf aktuellen Fotos attraktiver empfinde, als auf jenen, von vor 10 Jahren. Bedeutet das, dass ich mit dem Altern klar komme? Hell, no. Es gibt Tage, da will ich wirklich nicht. Wirklich, da möchte ich Facelifting, Botox und alles was es gibt. Einen real life Filter. Aber es gibt erstaunlich viele Tage (besonders, wenn ich meine fruchtbaren Tage habe; Körper, du Bitch), an denen ich mich ausgesprochen attraktiv finde. Und das ist okay! Nein, das ist sogar super!

Das Selfie II

Und hier komme ich wieder zurück zur Selfiekultur, die vorgibt, man liebe nur ein verzerrtes Abbild seiner Selbst.

So, what?

Selbstliebe ist Selbstliebe und ganz gleich, wie und warum und durch was, und das ist vollkommen in Ordnung – deswegen, was ich eigentlich sagen will, ist: Embrace it! Macht Selfies, wenn ihr euch danach fühlt. So, what? Zeigt der Welt, wie toll ihr euch fühlt – es ist euer gutes Recht, euch toll zu fühlen. Mit, oder ohne Filter. Das ist komplett egal – denn draußen nimmt euch sowieso jeder anders wahr. Dieses richtige, eine Selbst, gibt es nicht.

Aber dir fehlt ja was, wenn du das nötig hast!

Auch eine meiner Lieblingsreaktionen. Wer bemisst die Norm dessen, ab wann man an dem Punkt ist, an dem einem „was fehlt“ oder, umgangssprachlich gesagt, an Huscher hat? Wer? Wer entscheidet das – und nein, es ist nicht der gesunde Selbstwert, denn wer entscheidet was ein gesunder Selbstwert ist?

Aber die sind alle so Narzisstisch! So Selbstverliebt!

Und ja! Das ist gut so! Meine Güte.

Denen geht es ja nur ums Äußere, was wenn die mal alt werden, dann haben sie nix mehr!

Diese Reaktion finde ich auch toll: Nein. Ich bin eine von denen, und ja, meine Jugend verschwindet, und ja, ich finde es schade, aber.. I care less. Irgendwann kümmert man sich weniger darum, und sicherlich sehe ich junge Frauen neidisch an, der Hintern, jop, den hätte ich gerne, aber, in 5 Jahren steht der auch nicht mehr. So what? Was ist das bitte für eine abscheuliche Neidkultur? Darf man der Jugend ihre Schönheit bitte lassen? Sie vergeht eh so schnell.

Aber beruhigt euch; solange Kapitalismus und Patriarchat, Markt, Kultur und Entertainment bestimmen, wird es ausreichend Frauen geben, die unzufrieden mit sich sind, und ich wage zu behaupten, es sind sogar 99,999999989%. Aber wir sind auf einem guten Weg, dieses Denken aus den Köpfen der Menschen zu verbannen. Ein paar 100 Jahre noch. Ich bin zuversichtlich.

Ich

Und hier nur ein Bruchteil der Selfies, die ich am Meer aufgenommen habe:

Italien, 2019

 

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Über den fehlenden Respekt unter Frauen und was Frauenmagazine damit zu tun haben

Ausschlaggebend für diesen Beitrag waren zwei Artikel – und leider wird das Thema nicht alt. Beitrag aus 2017, 2018 und auch 2019 noch aktuell.

Einmal geht es darum, wie Feminismus auch Männern hilfreich sein kann (editionf.com) – den ich allen ans Herz lege. Ein anderer Artikel kritisiert (pinkstinks.de) einen Artikel im Magazins „Inside“ der VisionMedia GmbH Gruppe. Auch diesen empfehle ich hiermit weiter. Beide Artikel wurden übrigens von Männern verfasst.

Worum geht es?

Wir alle wissen, dass viele dieser „Frauenzeitschriften“ oft Frauen- und Menschenverachtend sind. Das Magazin „Inside“, und wer auch immer für den Inhalt verantwortlich ist, liebäugelt gar sehr mit der Misogynie, wenn natürliche Orangenhaut und Falten als „Schwabbelschenkel“ und „Wabbelfalte“ oder ähnlich abwertend bezeichnet und damit quasi geworben wird.

Ja, ich verstehe den Sachverhalt: Es ist ein schlechtes Boulevard-Blatt, dass im Glaube handelt, lustige und „freche und frische“ Artikel an die Menschen zu befördern. Und trotzdem fasziniert mich die Tatsache, wie Frauen so über Frauen schreiben können. Und ja, ich verstehe, dass das Leben am Markt hart ist, die Konkurrenz böse und das Magazin nichts dafür kann, es möchte ja nur Kapital schlagen und im Rennen bleiben, und wofür werden die Stars denn so gut bezahlt, als dass man sich nicht über sie lustig machen kann? Natürlich, das Magazin „Inside“ kann per se sicherlich nichts dafür, dass es derartig Frauenverachtendende Themen publiziert.

Jetzt mag manch einer sagen: „Übertreib‘ doch mal nich“ oder „Ja nee, is ja Boulevard, was erwartest?“ Und „Wissen wir ja eh alle, is halt so. Nimmt ja eh keiner ernst.“

Lieber Leser und liebe Leserin, lasst mich eines sagen:

Das Problem, dass dadurch mitgetragen wird, wirkt viel weiter: Die Respektlosigkeit, die unter Frauen herrscht und (auch) durch solche Magazine forciert wird (Stichworte: Neid und Hohn), webt sich in den allgemeinen Kanon beziehungsweise in kollektives Bewusstsein ein, wie eine Frau zu sein hat und nährt Stereotype. Zu guter Letzt profitiert das patriarchale System davon, folgend der Kapitalismus, die Wirtschaft und sowieso wir alle (Achtung Ironie!). Eh klar, ein alter Hut. Aber das liegt am Magazin? Nein, aber es (stellvertretend für all die anderen Magazine) trägt dazu bei.

Diese Magazine vermitteln: „Du bist nicht gut genug“ weil: „Schau mal, Tyra Banks hat das auch und boah, ist die ein hässlicher Wabbel! Wie du!“

Ergo wird eine natürliche Veranlagung, die man hat oder auch nicht, beziehungsweise eine Entwicklung, die früher oder später ausnahmslos jeden treffen wird, der ein entsprechendes Alter erreicht, schlecht geredet – was dazu führt, dass entsprechende Personen sich 1) so oder so schlecht fühlen und sich 2) via Amüsement über andere Frauen in ein „besseres“ Licht zu rücken versuchen, um die männliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und weg, von der anderen.

Und dieser ganze Blödsinn mündet schlussendlich einem hoffnungslosen Neid und Konkurrenz-Gezeter, dass sich von angelerntem Verhalten und kapitalistischer Verkaufsstrategie speist. Es gilt nach wie vor: „Sei hübscher als die andere, angle dir den Mann, der dich dann umsorgt, weil dir ist es verboten Geld zu verdienen/weil ohne Mann bist du nichts Wert und eine Schande/Bürde für deine Familie, Frauen sind Feinde.“

Wo kämen wir hin, wenn keine Frau mehr Make-up und „verschönernde“ Maßnahmen verwenden wollen würde? Wo kämen wir hin, wenn alle nur mehr friedlich und freundlich miteinander umgingen und der Mann nicht mehr im Zentrum aller Überlegungen stünde? Das müsste doch seine Macht schmälern, nicht? Schon bei den minimalsten Veränderungen protestieren Männerrechtler, dass es keine „Gleichberechtigung“ sei, sondern das „Stück vom Kuchen“ einem Verlust von Privilegien nahe kommt, die bislang nur für sie gültig waren.

Das Argument, sich im eigenen Körper wohler zu fühlen, wenn man sich ungeschönte und authentische Bilder von sonst perfekt inszenierten Celebrities ansieht, lasse ich nur insofern gelten, sodass einem bewusst wird, dass diese Leute ebenfalls nur normale Menschen sind – und im Gegensatz zu Hochglanz-Photoshop Cover etwas Realismus in die ganze Sache einfließen lassen. Aber hier beißt das „Wie“ wild um sich und giert nach Aufmerksamkeit und Verkaufszahlen. Sinnvoller wäre es, weniger Photoshop und Damen aller Körpergrößen zu zeigen, ohne Kommentar. Ohne extra darauf hin zuweisen. Ohne es auf einer Meta-Ebene noch einmal zu diskutieren.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, spitzfindig gesagt: Dem jeweiligen Schönheitsideal, am Winkel, der jeweiligen Bildauflösung und Inszenierung, am Licht und der Position selbst. Also ja, man vergleicht seine wabbligen Schenkel mit denen von Schauspielerinnen oder der Frau vom Nachbarn, kaschiert jede Falte und leugnet das Alter.

Fazit

Das „Ungenügen der eigenen Person“ und die Jagd nach dem „Mann“ stützt die patriarchale Idee und wird durch Kauf diverser Produkte gestärkt. Über Photoshop Cover und explizites Casting schöner Frauen in Film und Fernsehen bis hin zum Hashtag #nomakeup, aber mit zig Filter, schmeichelnder Position und entsprechendem Lichteinfall ist alles mit dabei.

Es gilt daher, den ersten Gedanken zu akzeptieren, wenn wir neidisch sind auf die tolleren Brüste oder den hübscheren Hintern und den zweiten zu lenken, zu hinterfragen – und sich bewusst zu werden, woher dieser kommt und vielleicht sogar, wenn möglich, sich mit der eigenen Imperfektion anzufreunden.

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„Pirates of the Caribbean 5: Salazar’s Revenge“

Review vom Mai 2018.

Wenn die Kritiken sagen, dass der 5. Teil der Reihe solide sei und damit eine Saga abschließe und eine neue beginne, so stimme ich dem zu. Ein Abenteuer, getragen auf den Schultern der beiden jüngeren Schauspieler; Jack Sparrow und Co. fungieren als Beiwerk – auch wenn Jack Sparrow mehr sein möchte, so sind seine Tage gezählt.

/fem-mode on

Ich mochte den ersten Film, und mochte Keira Knightley – besonders im zweiten und dritten Teil – auch wenn sie lediglich Wills Love-Interest sein durfte und auch wenn sie selbstständig handelte –  geschah alles was sie tat im Bezug auf Will – was sich auch im 5. Teil nicht ändert. Aber immerhin: Sie ist dabei und die Szene, weswegen die Produktion für wenige Tage nach London reiste, ist nett. Sie fallen sich in die Arme und die Geschichte um Elizabeth und Will erhält ihr Ende (Anmerkung 2019: nachdem sie 10 Jahre auf ihn warten musste (ihr erinnert euch, das Herz und er kann nur alle 10 Jahre an Land weil verflucht und so), weil ja eh, das ist das was Frauen tun, 10 Jahre auf einen Mann warten. Nein, das ist nicht romantisch, das ist Bullshit.)

Der 5. Teil erfährt eine Entwicklung und zeigt bereits die Einflüsse moderner Zeiten: Carina ist gelehrte Astronomin und Uhrologin. Ihr Charakter besitzt eine eigene Geschichte, die ohne dem Zutun eines Love-Interest auf eigenen Beinen stehen kann. Ihr männlicher Gegenpart ist der Sohn von Will und Elizabeth – wie sollte es auch anders sein, der auf der Suche nach dem legendären Jack Sparrow ist. Als er Jack dann sieht ist er sichtlich enttäuscht. Wir auch, wir auch..

Unnötige Elemente

Teil 4 musste ich nach 20 Minuten abbrechen, da mir Johnny Depps Herumgefichtel so unglaublich auf die Nerven ging und ich keinen Nutzen darin sah, den Film weiter zu schauen. Dies änderte sich auch im bisher letzten Teil nicht, und ich kam gegen Ende zum Schluss, dass der Film auch ohne Jack Sparrow funktioniert hätte – wenn nicht sogar besser. Sicherlich fehlten der Komik sehr überdeutlich zu zwinkernde Szenen wie – Jack Sparrow reitet auf einem Haus durch die Stadt und der geknackte Safe ist gegen Ende leer – aber dafür klaubt das Volk die Stücke zusammen – oder dergleichen. Ja, man hätte darauf verzichten können, aber das gehört halt dazu. Meine Güte.

Nette Elemente

Die Black Pearl und die sehnsuchtsvollen und melancholischen Blicken ihrer einstigen Kapitäne, dem vom Fluch befreite und zu Fleisch gewordene Barbossa – der die neu gewonnenen Sinne reichlich auskostet und Jack Sparrow. Sie braucht Wasser! rief Barbossa, als das Schiff am Festland nicht größer als ein hübsches Miniatur-Schiff wird und Jack Sparrow sichtlich enttäuscht und verwirrt ist. Auch nett ist, dass die beiden ehemaligen englischen Soldaten mittlerweile Piraten sind. So finden auch sie ihren Platz in der Geschichte und damit ein Ende. Nein, der 5. Teil der Saga ist tatsächlich ein guter Schluss.

Fazit

Warum war die Reihe so erfolgreich? Es ist wohl die gesamte Kino-Zeremonie die Filme besser wirken lässt, als wie sie tatsächlich sind. Eine breite Leinwand, episch laute Musik und Dunkelheit. Insofern sollten sämtliche Kritiker Filme nicht mehr nur via Leinwand begutachten, sondern auf einem Notebook, noch besser, einem 12″ Tablett – und viele der Filme, die hoch gelobt werden, fallen vermutlich tiefer.

Fazit: Unterhaltend. 4 von 5 Black Pearls, 3 von 4 Glitzer-Dinger und 5 von 5 geweckte Meer-Sehnsucht.

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/fem-mode on: Fragen an die Welt zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Ist es nicht verantwortungslos, dass eine Brustabtastung 20€ und eine Ultraschalluntersuchung 40€ kostet (Recherche), Globuli aber von der Krankenkasse übernommen werden?

Und ist es nicht auch irgendwo unfair, dass Menstruationsartikel mit einer Luxussteuer belegt werden, als ob man es sich aussuchen könnte? Sicherlich gibt es Kosten- und Umweltfreundlichere Alternativen als wie Binden und Tampons, trotzdem geht es ums Prinzip.

Warum spricht niemand (oder wenn nur selten) über #RegrettingMotherhood? Es ist nicht selbstverständlich, dass jede Frau, die sich für ein Kind entscheidet, hinter her in Glück zerfließt. Selbst über Postpartale Depressionen wird häufig geschwiegen und betroffene Frauen stigmatisiert.

Warum müssen alte, weiße Männer über Frauengesundheit, Frauenrechte und deren Bedürfnisse entscheiden? Warum kann ein solches Komitee nicht aus 100% Frauen bestehen? Wie wäre es, wenn ein Kabinett über Männergesundheit sich nur aus Frauen zusammen setzen würde? Lächerlich, oder?

Warum wird im Jahr 2017 eine Frau angeklagt, weil sie öffentlich über den Schwangerschaftsabbruch informiert (im Klartext: Ein Kontaktformular anbietet für weitere Informationen) und warum kommt die Diskussion nicht ohne Worte wie „Kindsmord“ aus? Warum kann über ein Thema, dass so wichtig ist und alle mögliche Aufklärung und Nüchternheit benötigt, nur emotional sprechen? Wer hat etwas davon, wenn er über den weiblichen Körper fremdbestimmt?

Warum also spricht man über Frauen als seien sie Menschen zweiter Klasse? „Aber die Frauen! Die müssen ja auch erhört werden! Geh hört, die Frauen! Die armen Frauen!“ Zugegeben, das Thema ist schwierig, aber wer sich etwas mehr damit beschäftigt, wird den einen oder anderen Gedanken schon mal gehabt haben.

Warum werden Männer aus der Verantwortung genommen, wenn sich eine Frau leicht bekleidet zeigt und stattdessen sie zur Keuschheit ermahnt? Spricht, warum ist es die Schuld der Frau, wenn sie belästigt wird? „Hatte zu wenig an“ oder „Der Ausschnitt war zu tief“ sind keine Rechtfertigung. Ist es das Ziel der Männerschaft als triebgesteuerte Versager wahrgenommen zu werden, die ihr Genital beim Anblick bloßer Brüste nicht unter Kontrolle halten können?

Warum müssen Brüste noch immer sexualisiert werden? Warum können Männer problemlos oben ohne spazieren gehen, wenn an vielen Stränden es Frauen sogar verboten ist, oben ohne zu liegen?

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Eine freundliche, aber bestimmte Bitte an männliche Autoren

Wenn ein weiblicher Charakter in eurer Geschichte nur dazu dient hübsch zu sein, dem Helden die Hand zu halten und sonst nix kann und/oder Leute nur in Gefahr bringt durch Klischeefrau-Handlungen, verzichtet drauf. Lasst sie weg. Es nervt nur. Wirklich.

Ich wünsche mir durchaus und immer wieder den Tod gewisser Charaktere in Büchern, entweder weil sie mich nur mehr nerven und ich die Seiten am liebsten rausreißen würde, die Handlung ungut bremsen, oder einfach, weil sie es verdient hätten. Aber wenn ein Charakter den Tod verdient, besser, man ihre Erlösung wünscht, weil der Autor sie als Klischeefrau wirklich schlecht, und zwar so richtig schlecht, geschrieben hat, dann ist das schon sehr bitter.

Und ja, ich traue es männlichen Autoren durchaus zu, einen weiblichen Charakter so zu schreiben, dass sie auch für Leserinnen Sinn gibt, man gerne ihre Geschichte liest und mit empfindet – und nicht nur ein Augenrollen hervor ruft. Ich möchte auf Neil Gaiman, Terry Pratchett und das Autorengespann James S. Corey hinweisen, die allesamt Männer sind, und es allesamt schaffen, gute weibliche Charaktere zu schreiben, ohne dass ihnen ihr Schwanz dazwischen funkt.

Und verzichtet auf ausläufige Beschreibungen ihres Aussehens; niemanden interessiert es wie wohl geformt der Leib ist, oder wie die Laken sich geschmeidig um die Kurven schmiegen. Niemanden. Lasst weibliche Charaktere durch kluge Handlungen und Äußerungen hervor treten. Ohne, dass sie einem Mann dabei dienen, oder dass diese Handlung nur durch einen Mann ermöglicht wird, weil er so gnädig ist und ihr die Chance dazu gibt. God dammit!

Und verzichtet darauf, die so heroische Handlung in einer Erwähnung abzuspeisen, schreibt sie! Bringt sie in die Geschichte ein! Das kann nicht so schwer sein, und wenn doch, dann mach ichs euch einfach; da ich nämlich, behaupte ich, die Lösung zu jedem Problem parat habe:

Schreibt einen richtig coolen Charakter – und gebt diesem erst gegen Ende ein Geschlecht, via Würfel. Zufallsgenerator. Einer Dartscheibe. Was auch immer. Und nein, ihr fügt hinter her nicht noch die passenden Attribute hinzu. Das ist unnötig. Lasst das. Ich hasse sowas. Wirklich.

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#Not Today

„Fight like a girl“ ist keine Beleidigung mehr.

Selbst, wenn über die Jahrzehnte hinweg Frauen immer wieder mal in coolen Rollen präsentiert wurden (Sarah Conner, Ellen Ripley, Xena, Buffy und viele weitere), blieb der Eindruck, dass immer noch eine Lücke offen ist. Sicherlich gab es Merchandising und Talk und Tratsch und Co, aber irgendwie fehlte etwas. Es waren immer noch Frauen, „Für eine Frau voll cool!“ – Dann kamen Wonder Woman und Captain Marvel, die eine gewaltige Medienpräsenz mit sich brachten, manche Feministinnen zwar immer noch nicht zufrieden stellten aber immerhin little Fanbois verärgerten. Aber, es fehlte noch was.

Und dies trat am 29.4.2019 endgültig in Erscheinung. Und zwar so richtig:

A Girl as a name and her name is Arya Stark.

Gut, vielleicht pushen Medien das Ereignis unnötig in die Höhe (sagen die einen), und Fans hypen es, egal welchem Haus sie zugetan sind (Drecks Fanservice! rufen die anderen); und wenn wer auf Twitter meinte, die einen hatten den Mauerfall, die anderen #NotToday, so muss man sich doch eingestehen: Sie haben recht. Die, die das Ereignis pushen und die, die es hypen. Verdammt nochmal, sie haben recht! Und niemand hatte es kommen sehen – und dabei wäre es eigentlich offensichtlich gewesen. Auch, dass es bereits vor 3 Seasons geplant war, spricht für sich. Alles was bisher passierte, spricht dafür.

Zur Feier der Woche (auch wenn wir wissen, dass es sich um Game of Thrones handelt und der Aufbau Aryas zum raschen Fall führen kann), Aryas Kills über 8 Seasons hinweg:

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„Godless“, Season 1

„You said people come here to change their lives. I imagined a story where I didn’t have to be the damsel.“ (Dolores, Westworld)

Godless macht, auch dem Genre Unerfahrene, den Anschein eines klassischen Westerns: the good Guy (der tatsächlich Goode heißt, blond und „decent“) ist auf der Suche nach dem bad Guy (älter, mit Bart, stoisch auf dem Pferd sitzend), zähmt Pferde ohne Gewalt und wird zwischendurch in wilde Schießereien verwickelt. Mysteriöse Indianer kreuzen die Wege der Protagonisten und sprechen in Rätsel. Dem Klischee widersetzt sich das in diesem Genre üblichen Frauenbild:

Die Frauen in Godless sind keine Damsels, die gerettet werden müssen oder einen Mann brauchen um sich zu erhalten. Sie sind selbstständig, selbstbewusst, sicher im Umgang mit der Waffe und zögern nicht, diese auch einzusetzen.

Mary Agnes McNue und Alice Fletcher

Als ein Minenunglück den Frauen von La Belle die Männer entreißt, werden sie unabhängig.

Allen voran Mary Agnes McNue (bekannt aus The Walking Dead und Nurse Jackie). Sie trägt Hosen, spricht was sie denkt und kümmert sich um die weniger weiblichen Tätigkeiten; aber auch um den Hilfssheriff (GoT-Darsteller Thomas Brodie-Sangster mit köstlichem Akzent) Whitney Winn. Sie ist zufrieden wie es ist und in einer lesbischen Beziehung mit der Bordell-Besitzerin.

Ein Geschäftsmann, der in Kenntnis darüber gesetzt wird, dass die Mine nach wie vor Silber abwirft, kann die notwendigen Männer zum Schutz der Stadt organisieren, wenn sie ihm die Mine für 20 000 verkaufen. Mary Agnes ist dagegen. Sie beharrt auf Unabhängigkeit und macht deutlich klar, dass es keine Männer braucht. Doch die Frauen, von denen sich manche nach einem Mann sehnen, nehmen das Angebot via Abstimmung an.

Bill: „You’re not maternal no more.“
Maggie: „Maternal?“
Bill: „Well, yeah.“
Maggie: „I love my husband, may he rest in peace, and I love [Bill’s kids] Willie and Trudy, too. But I’m done with the notion that the bliss of me and my sisters is to be found in childbearing and caregiving.“

Alice Fletcher ist die zweite weibliche Hauptrolle, die mit der Mutter (die jagende Indianermama! Spin-Off! Spin-Off!) und dem Sohn (der Angst vor Pferden hat) ihres verstorbenen Mannes gezwungenermaßen auf einer Farm mit vielen Pferden lebt, aber lieber zurück nach Boston gehen möchte. Wie es die Dynamik will, schießt sie Roy Goode an und holt ihn später aus dem Gefängnis, damit er ihre Pferde „bricht“, welche sie dann den Damen in La Belle verkaufen kann, um mit dem Erlös wieder nach Boston zu können. Sie kehrt gegen Ende tatsächlich wieder zurück, entscheidet sich gegen den Mann und verfolgt ihren ursprünglichen Plan. Die Love-Story wird lediglich angedeutet.

Kritik

Für Frauen gibt es in traditionellen Western vier Rollen zu füllen: das Damsel in Distress, die gerettet werden muss; die Hure; das Opfer, das gerächt werden soll und die Mutter. In Godless werden zwar sowohl Huren als auch Mütter präsentiert, aber keine der Frauen braucht gerächt oder gerettet zu werden.

Trotzdem gibt es Kritik und besonders von feministischer Seite – die ich teilweise nachvollziehen kann, sie aber auch für etwas übertrieben halte:

1. Kritik: Trailer vs. Serie

Kritisiert wird, dass Godless mit einem „female-driven“ Plot warb, aber die meisten Dialoge den gehandicapten Männern (einer blind, der andere einarmig) gab und die Story eigentlich nicht viel, mit dem was der Trailer versprach, zu tun hat – davon abgesehen, dass der Trailer ein einziger Spoiler ist.

Aber darüber war sich Showrunner Scott Frank (Logan) im klaren: „People are saying, ‚Won’t that [Trailer] be good for the marketing of it?'“ (…) „And it makes me a little uncomfortable, because I feel like it cheapens what’s happening now …and it also makes you look at this story in slightly different terms.“

In diesem Falle ist das Marketing zu verurteilen aber nicht die Serie selbst.

2. Kritik: Background Stories

Wie auch manche andere, fragte auch ich mich: Warum sich die Rückblenden der Frauen nur auf das Mienenunglück bezieht und nicht über ihre generelle Geschichte, denn vom ersten Moment an bin ich mehr an Alice und Mary Agnes und vor allem der Indianermama und deren Geschichten interessiert, die nur am Rande aufgegriffen werden, um das eine oder andere im Bezug auf die Geschichte selbst klar zu stellen. In diesem Sinne gibt es zwar starke, unabhängige Frauen – die sich in einer Serie über den good guy und den bad guy befinden und nicht darüber hinaus erzählt werden. Und das ist schade.

Man kommt auch in den Verdacht, Schöpfer der Serie, Scott Frank, möchte sich via Fem-Train etwas Ruhm sicherstellen indem starke Frauen (zumindest) präsentiert werden. Aber wie ich sage: Besser eine Repräsentation als keine. Stellt sich die Frage, ob es sich eine Serie oder ein Film heute noch leisten darf, Frauen wie vor 20 oder 30 Jahren zu inszenieren ohne Angst vor einem Shitstorm oder finanziellem Verlust haben zu müssen, und ob eine gezwungene Repräsentation nicht mehr Schaden anrichtet, als dass sie hilft. Meine Antwort wäre dazu: Auch eine kleine Repräsentation ändert Dinge. Manchmal, so scheint mir, wollen wir zuviel auf einmal.

3. Kritik: La Belle & Showdown

Auch beim Showdown sind es Frauen gegen Männer und sie sind gut. Sie treffen, sie schießen, sie beweisen Stärke und Solidarität untereinander als sich Alice dem Trupp anschließt. Und das ist wichtig! Ich ziehe eine kleine Szene mit Frauen-Solidarität jeder starken aber zickenden Frauen-Szene vor.

Kritik dahin gehend: Es sind Roy Goode und Lawman McNue (Bruder von Agnes) die den Tag retten und den bad Guy, Frank, in die Flucht schlagen (beziehungsweise dort die Story wieder aufgegriffen wird).

Fazit

Ich verstehe die Kritik, dass, dank des unglücklichen Trailers und Werbestrategie von einer feministischen Serie ausgegangen wird und man enttäuscht wurde, allerdings frage ich mich, was man erwartet? Ich finde nach wie vor, dass, in Anbetracht dessen in welcher Zeit und welchem Genre die Serie spielt, den Frauen eine gehörige Portion Macht verliehen wird. Moderne Feministinnen scheinen mir manchmal etwas überkritisch zu sein und tendieren dahin, die kleinen Erfolge zu übersehen.

Davon abgesehen, dass die Serie nicht als feministisch inszeniert wurde: Scott Frank dazu: “I wasn’t interested in making a giant feminist statement,” […] “I don’t know that I have the right to. What I really wanted to do was focus on characters who never get their stories told, women chief among them. My favorite theme is identity and people being stuck in lives they never planned on living. Most of the characters in this story fit that.”

Etwas schwach war vielleicht auch der Abgang von Frank Griffin. Roy Goode bleibt, trotz zahlreicher Rückblenden nicht sonderlich greifbar und somit unfassbar langweilig. Erneut, man gerät in Verdacht zu glauben, dass Produzenten und Showrunner sich am Fem-Train beteiligen und mitverdienen möchten und die Story um La Belle nur als mittelmäßiger Träger für die klassische Westerntragödie herhält.

Trotzdem mochte ich die Serie wie die Charaktere. Aber zugegeben: Eine vielleicht verpasste Chance.

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Causa #Dönmez, vom Wochenende

Einzelfälle und Ausnahmen, is ja nit so gmeint. War lei Spaß. Mei, jetzt sei halt nit so.

Ich hatte es gestern ja zuerst gar nicht überrissen was wieder vorgefallen war. Ich folge ja entweder nur linken oder liberalen Politikern/Usern (die zwar kommentieren aber nicht ganz so häufig den eigentlichen Vorfall retweeten, und wenn, dann nur die gut-kommentierten Antworten darauf) und Blödelaccounts wie Car Crash, Only in Russia, Hold my Beer und Oh Shit und dergleichen, was übrigens ein ziemlich bizarrer Mix in der Timeline (der Begriff verwirrt mich immer noch, weil ich ständig an Zeitreisen denken muss) hinterlässt.

Gestern jedenfalls trug sich folgendes zu.

Kurz zuvor postete der Herr folgendes:

Der Herr entschuldigt sich also nur „Aufgrund der ausgelösten Diskussion“? Und nicht, weil er dieser Frau (der deutschen Staatssekretärin Chebli) öffentlich unterstellte, sie hätte sich nur hochgeblasen – nicht einmal hochgeschlafen?

Zu Erinnerung, Österreich hat noch immer den Vorsitz im Rat der Europäischen Union inne – bis zum Jahresende übrigens. Befänden wir uns zu Zeiten von (Hausnummer) Krieg und Frieden, könnte man dies durchaus auch als diplomatischen Fehltritt werten, worauf wegen Beleidigung einer fremden Staatsfrau der Krieg erklärt werden könnte. Aber hey. So barbarisch wollen wir auch wieder nicht sein. Belassen wirs bei einem „Tschuldigung“ und legen den Fall unter „Einzelfälle“ ab. Und heiraten.

Alles, aber auch alles an dem Tweet macht es nicht besser, sondern schlimmer: Er entschuldigt sich, weiter, nicht am Inhaltlichen an sich, sondern weil es andere Leute verletzt hat? Seriously? Mit dieser Antwort hat er sich noch mehr ins Aus geschossen, weil so alles, aber auch alles daran falsch ist. Alles.

Könnte natürlich auch reines Ablenkungsmanöver sein:

Wie:

Sicherlich, liebe Leser, es ist ja der „Schmäh“ der Stammtischwähler, der alten, weißen, männlichen Raunzer, die dann mit dem Generationenwechsel einfach so abgelöst werden. Guess what, it’s not just them.

Sein Fehlverhalten argumentiert er mit Schwäche. Sexismus ist kein Moment der Schwäche. Ein Moment der Schwäche ist es, mich nicht aufrappeln zu können, das richtige zu sagen oder zu tun, wenns gerade gefordert wird. Sexismus ist kein Moment der Schwäche. Und dass es nicht nur ein Ausrutscher war, beweist uns folgender Tweet:

Schau, nochmal ganz langsam und für Anfänger: Dein Frauenbild ist exakt das gleiche wie jenes der extremen Muslimen, über du dich so gerne hinweg stellst. Das ist eben das große, fette Problem, dass viele der treuen türkis/schwarz/blau Wähler nicht sehen möchten, wollen oder gar können – oder ist es tatsächlich in Ordnung, wenn inländische Männer Frauen belästigen, weil, sind ja ihre Frauen. Aber legt wer Hand an, der eine dunklerer Hautfarbe hat als Luigi von der Pizzeria nebenan, oder gar Luigi selbst, wohoo…

Ich sagte schon zur Beginn der Flüchtlingskrise (erneut, ein ungutes Wort), dass dies die perfekte Gelegenheit wäre, auch das Verhalten und Benehmen der hiesigen Herrschaften genauer zu betrachten. Aber naaa.. is lei Spaß, was hom ma glacht.

Und zu guter Letzt:

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But, why?

Zig neue Beiträge angefangen und nichts wird veröffentlicht. Warum? Warum muss man ich alles Zehn-Hundert-Trilliarden Mal durchlesen, bevor ich sage: Jo, passt. Warum?

Woher kommt diese Selbstkritik und dieser Perfektionismus, wobei man doch ganz genau weiß, dass es sinnlos ist. Warum? Es ist Freizeit und trotzdem. Trotzdem macht man sich Mühe, recherchiert und fasst alles in tolle Worte und ist zufrieden und Yay. Aber nein, der glückliche Yay-Moment kommt erst gar nicht zustande, da nach den tollen Worten die „I lass es mal ruhen“-Zeit kommt, die durchaus… Jahre betragen kann. Mein LOST-Review liegt immer noch rum, der lobende Beitrag zu Enderal (der kostenlose Skyrim-Mod) genau so. Sie liegen halt da. Und dann schreibt man was neues. Und was neues. Und noch was neueres. Und irgendwann. Irgendwann sieht man sich gezwungen alles auf einmal zu veröffentlichen. Auch wenns noch so out of date ist. Jop, that’s me. Welcome to my world.

Und wie schaffen es die Leute, überhaupt etwas fertig zu machen? Gibt es dafür einen Namen, wenn man Dinge anfängt und wieder sein lässt? Ich diagnostizierte mir einst selbst ADHS, allerdings meinte ein befreundeter Arzt, dies sei eine Modekrankheit und vermutlich ists was ganz anderes. Und eigentlich habe ich keine Ahnung, weil ich nach der Intensiv-Recherche nicht mehr weiter gesucht habe.

James Gunn, der in Ungnade Gefallene und vermutlich wirklich nicht zurückkehrende GotG-Regisseur, meinte einst: Mach es fertig. Wenn du was anfängst, mach es fertig. Und dann mach was neues. Isaac Asimov gibt gegenteiligen Rat: Wenn man wo feststeckt, beginnt man mit etwas neuem. Asimov schrieb über 500 Kurzgeschichten, Gunn produzierte die wohl besten Marvel Filme überhaupt. Sie haben beide Recht. Recherchiert die Quellen dieses Absatzes bitte selbst.

Übrigens, dem einzigen, dem ich zutraue GotG halbwegs sehenswert umzusetzen ist Taika Waititi (verantwortlich für den letzten Thor). Aber eigentlich bin ich davon überzeugt, dass GotG ohne James Gunn nichts wird. Und nein, es war nicht der Tweets wegen – Disney wusste von den Tweets laaaange bevor rechte Idioten sie wieder ausgegraben haben, weil Gunn (wiederholend und diesmal massiv) Trump kritisierte. That’s it. Wer glaubt, Disney hätte nichts davon gewusst (es gab bereits 2012 einen Vorfall und Gunn entschuldigte sich dafür), und es toll findet, dass nun auch James Gunn im Zuge von #metoo dank seiner Vergangenheit beruflich krepieren soll, dann seis halt so.

Gäbe es die alten IRC-Chatprotokolle noch, wie viele von uns würden heil davon kommen? Keine Rechtfertigung. Und es muss nicht einmal böse Absicht gewesen sein, denn wir wussten es nicht besser. Unwissenheit schützt nicht vor Verurteilung, wissen wir auch. Dank Twitter bemerke ich erst jetzt, was eigentlich alles Rassismus ist. Verdammt viel. Napster war auch mal cool, mittlerweile ist es uncool illegal Musik zu laden. Die Sicht auf Dinge ändert sich. Irgendwann sind auch die Toten-Baby-Witze nicht mehr lustig. Und bei näherer Betrachtung sind sie es auch gar nicht. Anyway.

Dass Vorfälle via #metoo aufgedeckt und sichtbar gemacht werden, war längst überfällig. Denn ich fragte mich schon damals, was aus Asia Argento geworden ist (Girl Crush und so) oder Ashley Judd – warum man sie nie wieder gesehen hat, sie war gut. Jetzt weiß man was passiert ist.

Dass dadurch der Blick auf eigene Privilegien zur Reflexion zwingt und somit die eigene Sicht sich ändert – auch das musste sein. Und das ist gut so. Nur so schaffen wir klare Veränderungen und Verbesserungen. Und ja, viele müssen jetzt halt für die Ausnutzung ihrer Privilegien büßen, aber provokante (und dumme) Tweets damit gleich zu setzen? Und da scheiden sich die Meinungen: Die einen sagen Ja, die anderen Nein. Madame (8) findet es gut, dass er rausgeworfen wurde – ich finde es schade, weil er gut war. Aber ich hätte wohl wie Madame (8) reagiert, hätte ich seine Filme (auch die davor) nicht gemocht. Aber ich mochte sie. Insofern darf ich mir eigentlich keine Aussage zu diesem Thema erlauben. Shit happens.

Back to Topic: Es gibt ein paar Gründe, die das bloggen (und leider auch das Schreiben) aktuell tatsächlich erschweren.

1. Hitze

Es war heiß. Und ich ziehe Hitze immer der Kälte vor. Immer. Auch schwüle Hitze – auch wenn mich schwüle Hitze ins Nichtstun verleitet; ins Dahin vegetieren versinken lässt, und darauf warten, dass ein Gewitter einbricht und der nächste Tag frisch und warm beginnt, mir zu lächelt und sagt: Komm! Wir gehen schwimmen! In die grüne, warme Grütze, für die du eine Saisonskarte gelöst hast! Komm! Schnell! Vielleicht ist auch Barry die Schildkröte, wieder mal da. Eile!

Jede Bewegung hinterlässt fiebrigen Schweiß, man will sich nicht bewegen, man mag nur liegen. Man mag nicht mal was anschauen, weil es ist ja so gutes Wetter und wir müssen das nützen, denn bald ist wieder Winter und es ist kalt und grauslig, und dann verkriecht man sich doch nur in der Wohnung, weils einfach zu hart ist. Vor 10 Jahren, easy. Vor 20, geh komm, nochmal 10 Grad drauf. Aber jetzt? Nein. Jetzt schlägt mich die Hitze nieder, 1:0.

2. Twitter

Jop. Das Prokrastinieren hat seinen Höhepunkt bei Twitter erreicht. Und gelegentlich 9Gag. Und gelegentlich Instagram. Manchmal spiele ich noch „2048“ (thank me later). Und ja, ich habe sogar einen Beitrag zu Twitter anfangen und ihn nicht einmal vervollständigt. Oder doch? Wenn ja, dann schmeiße ich ihn heute noch raus. Ohne wenn und aber. Einmal drüber lesen, vielleicht ein zweites mal in der Vorschau.

Oh Gott. Es ist sogar noch schlimmer, ich habe noch einen zweiten angefangen. What the heck?

3. Viren und Bazillen

Vermutlich aber eher Viren.

Die letzte Woche verbrachte ich tatsächlich nur im Bett. Leidend. Kränkelnd. Krank. Keine Pferde, aber Hamlet dafür (die fotogene Katze, auf die ich aufpassen durfte), mit etwas Fieber. Ca. 38,1 Grad. Ich schrieb Madame (8): „Was wenn ich sterbe?“ Und meinte kurz daraufhin, dass man das vermutlich nicht öffentlich schreiben dürfte (gemeint ist Twitter), weil dann von irgendwo her ein Krebskranker käme und antwortete: „Ja, passiert mir in drei Wochen.“ So wie mir ein twitterliches Faux-Pas passiert ist und ich meinte, als jemand die Frage stellte, ob sie ihre kaputten Organe spenden solle, dass ich es mir gern selbst aussuchen würde, wem ich sie gäbe und sie sicherlich keinen Drogensüchtigen und Alkoholikern gäbe, immerhin ist meine Leber in gutem Zustand. Und sie antwortete: Siehst, ich bin Alkoholikerin. Stille. Unwohlsein. Aber woher hätte ich das wissen sollen? Ich entschuldigte mich für meine Äußerung und hätte sie, wohl getätigt, aber in gemäßigtere Worte gefasst. Und ja, in Österreich ist man automatisch Organspender. Wenn ich also morgen sterbe, könnte es durchaus sein, dass ein Nazi meine Organe bekommt. Ich hoffe, sie begehen dann langsam und qualvoll Suizid. Oder so: Last Christmas, I gave you my heart, but the very next day, your body rejected the transplant and you died.

Gut. Ich sah mir ein, zwei Pferde-Filme an, die dann weniger Pferdefilm waren und eher meh – und entdeckte eine Perle.

Ich fragte mich, warum ich bisher noch nicht darauf gestoßen bin. Oftmals drüber gescrollt, aber nie wirklich beachtet, weil „girl“ und Teenager und so. Und es wirkte auch Trashig. Außerdem.. DC. Aber wirklich, Supergirl ist großartig. Und sie kritisiert die Namensgebung sofort. Warum „girl“, wenn es doch Super“man“ heißt. Sollte sie nicht Super“woman“ heißen? Daraufhin ihre toughe Chefin, gespielt von Ally McBeal: „And what do you think is so bad about ‘girl’? I’m a girl. And your boss. And powerful and rich and hot and smart. So if you perceive Supergirl as anything less than excellent, isn’t the problem you?“ Ja, auch darüber lässt sich streiten und wir wissen auch, warum die Bezeichnung „girl“ für erwachsene Frauen, was Kara definitiv ist, suboptimal ist – trotzdem.

Die Serie ist feministisch (aber nicht mit der Keule, sondern fließend), schlagfertig und Melissa Beniost ist unfassbar sympathisch. Man mag sie sofort. Wie Clara. Ich vermisse Clara.

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Hear Her: Leading Lady Parts

Gestern auf Twitter gefunden und für absolut teilenswert befunden. Seht selbst.

Achtung, Spoiler!

 

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