Schlagwort-Archive: Internet

Gibt es ein Leben nach dem Internet?

Und ich meine damit nicht als Folge eines apokalyptischen Auslösers (ABC-Krieg, Aliens, Zombies, Viren), oder ein globales Stromnetzversagen (wobei das durchaus passieren kann) und man dann eben für ein paar Tage kein Internet mehr hat.

Nein, ich meine, aus welchen Gründen auch immer, dass die Menschheit eines Tages beschließt, das Internet nicht mehr so zu nutzen, wie sie es aktuell nutzt: Kommunikation, Shoppen, Liebe, Hass, Freizeit, und so weiter. Vielleicht sogar das Internet gar nicht mehr nutzt.

„Möchten Sie auch einen Internet-Anschluss zum Festnetz?“
„Nee Danke, bin gerne natürlich. Brauch dieses Fakenet nicht..“

Zunächst wird dieser von Medien genannte „kurzlebige“ Hype wohl von Kindern der heutigen TikTok Generation ins Leben gebracht. Vielleicht war ihnen das Tun und Handeln ihrer Eltern peinlich, vielleicht aber, erkannten sie keinen Lebenserfüllenden Sinn dahinter, vielleicht waren sie der Selbstinszenierung auch einfach nur müde. Wer weiß. Jedenfalls, spätestens die Kinder der heutigen 14jährigen TikTok Stars (also … in ca. 15 Jahren) werden diesen Lebensstil in Frage stellen.

Okay, seriously

Aber ich meine das tatsächlich ernst, denn ich kann es mir durchaus vorstellen, dass irgendwann die Leute sagen: Ja gut, das Internet verwende ich tatsächlich wenn ich auf Wikipedia was nachschauen muss; und dass Apps wie Facebook, Twitter, Insta und TikTok mit dem Wegsterben ihrer Generation verschwinden, und da einfach nichts mehr nachkommt. Stellt euch vor, in 100 Jahren ist die gesamte Bevölkerung von Facebook mit toten Accounts befüllt, die sich gegenseitig anschweigen.

Wer nutzt dann Facebook noch? Ein paar schwurblige Firmen, die immer noch finden, man müsse eine Facebook-Seite haben. Facebook wird doch jetzt schon kaum mehr sinnvoll genutzt. Vielleicht bleibt Twitter mit einer Handvoll User bestehen, um sich Tag täglich über „Das geht doch einfach nicht!!!! RÜCKTRITT SOFORT!“ aufzuregen und sich von der Bubble feiern lassen. Wobei, in vielleicht 50 – 100 Jahren wird auch Twitter Geschichte sein. Alle „sozialen Medien“ werden Geschichte sein.

RIP
Social Media
2007-2070
Represent yourself in Peace.

Aber nochmal: ich meine das tatsächlich ernst; dass vielleicht in zehn Jahren die Leute sagen: „Nee… kein Bock mehr, ne.“ Und das Internet nur mehr zur Erleichterung gewisser alltäglichen Dinge nutzen (Arzt-Termine, Shopping, evtl. Arbeit weil remote-work trotzdem toll ist), aber im Endeffekt all diese exzessive Nutzung wie beispielsweise Schulunterricht via Zoom, Remote-Meetings, und der gleichen dazu führen, dass das Internet im Freizeit-Bereich gänzlich verdrängt wird und in Vergessenheit gerät. Mark my words.

„Weißt noch, Internet?“ – „OH MEIN GOTT! WEICHE VON MIR SATAN!“

Oder

„Weißt noch, wie wir Nächte lang wach lagen und gescrollt haben.“
„Jaaa voll geil wars! Weißt du noch was gescrollt hast?
Nee.. kein blassen Schimmer mehr..“
„Ich auch nich…“

Klingt unlogisch? Ist es aber nicht.

Vielleicht führt diese gezwungene, digitale Notwendigkeit tatsächlich dazu, dass sich die einen oder anderen davon abwenden, abkehren, und in 50 Jahren, in 20 Jahren fragen: „Wie bescheuert bist denn du, warum nutzt du das noch, das braucht doch keiner.“ Und wenn wir uns Fakten und Medien, Medienrealität und Medienkonsum anschauen, dann liegt es auf der Hand, dass irgendwann eine Generation kommt und sagt: „Geh heast, i kenn mi nimma aus, lass uns wieder ordentlich publizieren, mit Fakten und so und Kontrolle.“ Und von sich aus, soziale Medien gar nicht mehr nützen will, weil alles was gepostet wird eh irgendwo nur Fake ist, und keiner eigentlich mehr Lust drauf hat, egal wie kreativ der Fake ist.

Ich sage der Trend geht nicht Richtung Ready Player One, er geht Richtung, weg vom Netz. Richtung, Internet wenn notwendig, mit easy Hand-wisch Bedienung aber der Rest, der gesamte Rest, wird sich wieder ins real life verlegen. Denn man möchte, die Freiheiten, die man in gewissen Situationen wie einer ewig andauernden Pandemie, hat, sinnvoll nutzen. Weg vom Handy. Weg vom Fake. Der Flugreisen-Urlaub, der jedem nur mehr einmal pro Jahr zusteht (wegen Klimawandel), will nicht mit Inszenierung vergeudet werden, sondern mit Erleben.

Und so weiter.

Klingt nicht mehr so abwegig oder?

Und ich geb euch noch eines: Festnetztelefone. Sie werden wieder kommen. Durch Remote-Work, Home Office und genereller ständiger Erreichbarkeit wird man es leid, ständig erreichbar zu sein. Remote-Work wird sich auch weiterhin durchsetzen, da die Pandemie kein Ende finden wird, nicht in absehbarer Zeit; aber diese ständige Erreichbarkeit, unternimmt man einem Spaziergang oder gönnt man sich eine Pause, wenn das Telefon klingelt, „Du.. Herbert-Kevin, hast du mal Zeit, ich brauche dringend..“, Nein. Ende. Erneut: Man will das irgendwann nicht mehr. Festnetztelefone werden in spätestens 10 Jahren wieder en vouge.

Mark

my

words,

Mark.

5 Kommentare

Eingeordnet unter Just about Life, Kulturelles, Medien

Corona Virus Memes

Hinterlasse einen Kommentar

28. Januar 2020 · 11:08

RL & Internet: are we all mad here?

Im Real Life bekommt man viel weniger von schlechten Nachrichten, Trauerbekundungen und Wutmeldungen mit. Da wirkt es fast so, als existiere das alles nicht. Real Life, das neue Internet? Ein Zufluchtsort für jene, denen die (Internet) Realität (im Internet) zuviel wird!

So verbrachte (und verbringe ich hoffentlich auch desweiteren) überwiegend mehrere Stunden und Tage im realen Leben. Mit realen Menschen. Mit physischem Kontakt. Mit Gesprächen und durchaus interessanten Unterhaltungen und Tätigkeiten (wie Eislaufen!). Und dabei vergisst man all die Mühseligkeiten und Erschwernisse, wie sie im Internet zu finden sind; wie Social Media sie dir an den Kopf wirft: „Schau her! So schlecht geht es XY! Tu was! Spende!“ und wo politische Beschlüsse, Meldungen und Worte bis zum umfallen analysiert und den ewig drei gleichen Accounts wiedergekaut werden.

Und wenn die Türkei 300 Werbetweets pro Tag für tollen Badeurlaub (inklusive glücklichen Menschen) schaltet, frägt man sich unweigerlich, in welcher aller skurrilen Parallelwelten man sich eben befindet, oder ob dies wirklich die Realität ist, in welcher wir zu leben haben; und man sich dann die Frage stellt: But why? Und ob man nicht doch etwas komplett irrationales tun könnte, weils eigentlich komplett egal ist. Aber ja, I know. Für die Einzelperson wird immer alles und überall Konsequenzen haben, I know. I know.

Old but ain’t good anymore?

Es gibt nichts neues mehr im Internet: Du hast deine Persönlichkeit (und wechselst binnen Sekunden zur anderen, boring), du kennst all die Katzenbilder und Gifs und Memes (nicht zwangsläufig boring, aber wann hast du wirklich ein gutes Meme gesehen, also ein richtig, richtig gutes und originelles? Fein, Katzenvideos sind immer toll) und du liest die ewig gleichen schlechten News von korrupten Politikern, dem Klimawandel und wie wir uns alle anstrengen müssen („Geh mehr zu Fuß, steh halt früher auf!111!!!“), damit sich noch etwas ändert (tut es nicht), siehst Bilder von sterbenden Koalas und bedauerst, dass, solltest du irgendwann finanziell soweit gekommen sein, um dir einen 3 Wöchigen Australien Urlaub zu leisten, Australien vermutlich komplett verbrannt ist und es dort nichts mehr zu sehen geben wird. Daneben konsumierst du die ewig gleiche Werbung; Serien und Filme ähneln sich und bleiben einander gleich, die letzte Perle ist ewig her!

Ist das Real Life das neue Internet?

Gibt im Real Life doch mehr zu entdecken? Immerhin, kauft man keine Zeitungen und schaut man nicht fern, gibt es keine schlechten Neuigkeiten, außer die, die die Studenten am Tisch nebenan diskutieren. Aber sonst. Nada. Nichts. Klingt das nicht nach Himmel und Frieden?

Im Real Life gibt es Tiere! Man kann beispielsweise morgens Tauben auf Leitungen beobachten wie sie versuchen, auf die im Morgenstress hin und her huschenden Passanten zu scheißen. Aber okay, im Internet gibt es einen Tauben-Simulator, mit dem man das ganze Szenario vermutlich (oder mit ziemlicher Sicherheit) nachspielen kann.

Es gibt auch andere Menschen (denen man via Internet zwar entfliehen möchte), und beziehungsweise aber, wenn man sich nur ein wenig die Zeit nimmt oder auch die Muse, jemand anderen kennen lernen zu wollen, stellt sich heraus, dass diese auch interessant sind; und wann hast du letztes Mal wen online kennen gelernt und dich 6 Stunden straight unterhalten? Eben! Es ist eine Illusion zu glauben, man finde die richtige Person nur im Netz und im Real Life fast nie. Okay, sowas passiert auch nicht im Real Life besonders oft. Aber es passiert. Und auch wenn man glauben möchte, durch dieses Online-Nischenverhalten an exakt die eine Person zu kommen, so lasst es mich sagen: Auch das passiert nicht häufig. Also mir zumindest nicht.

Ich mag übertreiben, aber

Das, was im Internet einst rar war, gibt es in Überfülle. Die Einzigartigkeit gewisser 1’en und 0’en ist vorbei. Hello Capitalism!

Erinnere dich an die Anonymität früherer Chatrooms, eine ICQ-Nummer, nichts weiter. Und heute präsentierst du dein Leben auf Instagram, LinkedIn, Facebook, Twitter, Snapchat und profilierst dich mit richtigem Namen. Dein perfektes Leben (weil es ja echt so ist, ist es!) und Hey, hier bin ich! Seht mich an! Folgt mir! (Btw, ihr könnt mir auch via E-Mail folgen, ihr braucht keinen WordPress-Account…).

Wollte man früher nicht gefunden werden und hatte es vermieden, Spuren zu hinterlassen, legt man es heute darauf an, sich das perfekte Leben zusammen zu schustern (welch antiker Begriff, zu „schustern“) – oder, wenn schon nicht perfekt, dann wird zumindest das inszenierte Fehlen von Perfektion (die ebenfalls Follower abgreifen kann) beworben. Es gibt für alles eine Zielgruppe und Abnehmer. Go for it!

Diese gemütliche Nische, in der man Gleichgesinnte finden konnte, die gibt es fast („fast“, weil ich mir sicher bin, dass irgendwer mir hier widersprechen wird) nicht mehr. In der man anonym sagen konnte: „Ich mag X!“ Und jemand anderer antwortet: „Ich auch!“ In welcher, anders als heute, nur Anonymität gab! Außer man gestaltete sich eine mit Gifs überfüllte, glitzernde Homepage und wies die Leute extra darauf hin.

Dieses heimelige Gefühl eines IRC-Channels, der Tag und Nacht geöffnet war und nicht diese WhatsApp Gruppen, denen du wahllos, ja fast belanglos, hinzugefügt wirst, einfach so, weil grad lustig und sich binnen Stunden niemand mehr daran erinnert, dass da was war. Ja, ihr kennt es noch: Das persönliche und ehrliche Element in eben diesen anonymen Konversationen (oder mit anonymen Accounts), welches dem Vorgaukeln persönlicher (super mega geiler) Erlebnisse mit Klarname und einer öffentlichen Liste mit 567 „Gefällt mir“ Angaben (die abschätzen lassen (und sollen), wie jemand ist und ob sich der Kontakt überhaupt lohnt) konträr gegenüber steht. Das Internet ist durchaus das neue Real Life (ein Dorf! Wir sind bei Facebook befreundet!), sowie das Real Life zum neuen Internet verkommt (Niemand kennt mich mehr! Wer bist du?).

Exakt Schön, dass wir uns verstehen.

Are we mad?

Das Internet ist das neue Real Life und das Real Life das neue Internet.

Sicherlich lässt sich im Real Life nicht einfach eine neue Identität schaffen, aber verweigerst du dich Social Media, hinterlässt es den Eindruck (zumindest für andere), als wärst du jemand komplett anderer, oder zumindest jemand, den man nicht zu glauben kennt, was meist der Fall ist, dank gewisser Angaben (und Profilierung) und dergleichen. Und sicherlich ist das Real Life nicht mit der konstruierten, geschaffenen digitalen Welt zu vergleichen. Hier gibt es lästige Verpflichtungen, die tatsächlich schwerwiegende Konsequenzen haben können. Wobei auch Verstöße im Netz ebenfalls schwerwiegende Konsequenzen haben kann. Der (zumindest in unserer Erinnerung) freie und rechtlose, anarchische Raum der frühen späten 90’er und 00’er Jahre ist schon lange passé. Und natürlich wird mich gleich jemand darauf hinweisen, dass es den nie gegeben hat und wenn, in den späten 80’ern sein Ende fand und diese Person dabei war. Im DOS. Am Commodore. Okay, X-Gen, I get it.

Alles was einst Besonders war, ist Mainstream und trägt oft mehr Bedeutung (da mehr Verbreitung und Sichtbarkeit!), als manche Handlungen im Real Life es je täten oder getan hätten. Schaut euch zum Beispiel Liebesbeziehungen an: Da gibt es auf Social Media einen Eintrag von vor 3 bis 4 oder 6 Jahren und hätte man dies im Real Life wohl nie in Erfahrung gebracht, zermalmt man sich jetzt den Kopf über die Bedeutung dessen. Und dabei war das vor X Jahren! Ich meine, wie wahnsinnig ist das? Und obwohl man sich den rationalen Fakten bewusst ist, wirkt der Umstand viel gewaltiger. Ist so. Ihr habt das alle schon erlebt. Social Media is a bitch. Und weiter, warum postet sie dieses Meme in ihre Story? Will sie mir damit was sagen? Will sie auf etwas hindeuten? Warum? Und wenn das andere sehen?! Und warum liked er gerade diesen Beitrag? Was hat das zu bedeuten? Und warum? Und warum dies? Und warum jenes? Yes, we’ve all been there. Auch du, lieber Leser. Auch du. Und da wir alle um diesen Umstand wissen, macht es das zumindest ein wenig leichter. Und wem es immer noch schwer fällt: Selbstironie hilft. Wirklich.

Oder wann habt ihr das letzte Mal eure Telefonnummer zwecks einem Telefonat und nicht für WhatsApp hergegeben? Ihr seht was ich meine: Diese frankenstein’sche Symbiose zwischen Real Life und Internet ist eigentlich das schlimmste von allem und widerspricht den zwischen den Zeilen zu lesenden Thesen dieses Beitrages!

Sucht der eine Zuflucht im Netz vor der weitreichenden Tragik des Real Lifes, den ewig lästigen Verpflichtungen oder zumindest ein wenig Friede und Ruhe, wird sie ihm erschwert; denn selbst im Internet wird er mit ausreichend Facetten des Real Lifes konfrontiert die dessen Anonymität zu Nichte machen; und seien es nur zielgerichtete Werbeeinschaltungen. Und versucht sich wer komplett aus dem digitalen Wahnsinn auszuklicken, nun, für den schauts noch schlechter aus.

Ich stelle erneut die Frage, leben wir in der skurrilsten aller Welten? Und wenn ja, warum verhalten wir uns dann so? Let’s get mad!

2 Kommentare

Eingeordnet unter Kreatives, Kulturelles, Medien, So sei es

Smiley, Emoticon, Emoji und so

Dieser Eintrag entstand aus einer kurzen Google-Recherche, die mich wieder einmal etwas Ahnungsloser als zuvor zurück ließ. Das Gefühl allerdings, diesen Umstand akzeptieren zu müssen, stellte sich schnell ein.

See no evil, hear no evil, speak no evil – Smiley

Ich rätselte (und rätsle nach wie vor) über eine lange, lange Zeit – warum Menschen diesen Smiley verwenden und dachte mir von der Logik her, dass „Ich sehe nichts“ wohl die offensichtlichste Bedeutung hat. „Ich sehe nichts“ im Sinne von, „Will ich nicht sehen!“

Google berichtet mir folgendes:

„[wird in] zwei Situationen verwendet. Zum einen wenn man sich für etwas schämt und sich deshalb die Augen zuhält und zum anderen als „Facepalm“.“ (Quelle)

„Viele reagieren mit diesem Äffchen auch auf ein Kompliment,“ (Quelle)

Allerdings stimmt dann oft der Text, der davor oder dahinter steht nicht mehr dazu – und ich denke mir: Warum willst du das nicht sehen? Und warum schämst du dich dafür? Eine Bekannte sagte mir aber auch, es bedeute auch ein „Nooooiiiin!“, ein Äquivalent zu „Naaa, nit wirklich!“ oder „Nein, dass darf nicht wahr sein!“-Ausruf.

Einerseits ist es natürlich interessant, dass ein einziger Smiley/eine Grafik für zig unterschiedliche Situationen verwendet werden kann, als gäbe es nicht ein anderes Modell, auf das ausgewichen werden kann. Andererseits ist es verwirrend, und ich stehe immer wieder vor dieser Verwirrung, was mir der Texter nun mitteilen möchte. Nein. Ich verstehe diesen Smiley noch immer nicht. Ich hoffe diese Erscheinung nimmt bald ein Ende, so wie die Rage-Memes ihr Ende fanden.

Zusammenfassend:

  • „Ich seh nichts.“
  • „Ich will das nicht sehen.“
  • „Facepalm.“
  • „Ich schäme mich.“

Braucht man überhaupt viele Smileys?

Mittlerweile wird so gut wie möglich politisch korrekt gehandelt und jeder Smiley ist in jeder Hautfarbe, mit jedem religiösen Motiv und weiß der Himmel was noch vorhanden, um jedes Grüpplein an Individuen zufrieden zu stellen beziehungsweise zu repräsentieren. Sinn und Zweck erschließen sich aus der Sichtbarkeit und dem Bewusstsein der Problematik des vorherrschenden „weißen Mannes“, sodass nun auch Fußballerinnen und Bauarbeiterinnen unter den Smileys zu finden sind. Sie sind also da. Und sie werden verwendet.

Als Semi-Stalkerin, die ab und an in öffentlichen Verkehrsmitteln auf den einen oder anderen Bildschirm gückselt (anm.: „schaut“, „späht“), fällt mir besonders die inflationäre Verwendung von Smileys bei Namen, in Textnachrichten oder als Inhalt auf.

Warum auch nicht? Es hat ja durchaus seine Vorteile, gewisse Menschen mit ein paar Zeichen und Bildern zu belegen und kategorisieren. Auch ich habe mittlerweile ein paar Smileys hinzugefügt. Meine Kino-Freundin beispielsweise, die sich vor einer Szene ekelte in der Zehen abgeschnitten wurden, hat neben ihren Namen nun eine Schere und Füße stehen.

Soviel wie notwendig

Madame (8) und ich überlegten einst, wie viele Smileys man tatsächlich braucht. Und seien wir uns ehrlich, als Mensch sollte man in der Lage sein, Gefühle und Stimmungen via Text zu transportieren. Ohne Smileys. Denn Smileys können einen einfältig wirken lassen, dumm, als ob man der deutschen Sprache nicht mächtig ist – was in Nachrichten und besonders Kurz-Nachrichten eigentlich relativ wurscht ist.

So verwendet Madame (8) gerne den Kotz-Smiley, wenn sie etwas eklig findet, wie Hundewelpen, die gerade gesäugt werden. Ich verwende sie in Massen, wenn ich lästig sein und Leuten auf den Wecker gehen will. Wir schicken uns Herzen zu allerlei Anlässen und wenn ich wieder einmal raunze, wie alt ich doch schon bin, schickt sie mir die tanzende Oma auf Skype. Auch der Tränen-Smiley fällt häufig, vor allem wenn man beim Gegenüber ein schlechtes Gewissen hervorrufen möchte. Die Regenwolke gefällt uns besonders gut; und wenn wir daran denken schicken wir sie uns häufig, vor allem um den anderen aufzuheitern.

Wir dachten, in unsrer ersten Überlegung, dass :), ;) und :( ausreichend sein müssten, um unsere gegenwärtige Stimmung zu unterstreichen. Aber was ist mit :p? Gut. Lassen wirs drei optimistische sein: :), ;) und :D sowie drei pessimistische wie :(, :/, :'( und :p. Auch hilfreich können :o für Verwunderung und o_O für Unverständnis sein. Wir sehen, sie summieren sich schnell.

Doch die häufigsten sind  wohl ^^ – das Lächeln, :D – Belustigung und :p und :(. :'(.

Interessanterweise startete die Diskussion sehr kritisch darüber, ob Smileys und Emoticons überhaupt notwendig sind und führte am Ende dazu, dass wir gestehen mussten, dass manche der angebotenen Smileys, in diesem Falle via Skype, doch ganz nett sind: Der tanzende Pinguin, das kotzende Gesicht, die bereits genannte Regenwolke, zusammen mit dem Regenbogen, einem laufendem Einhorn, einem tanzenden Brathähnchen und so weiter.

Madame (8) bemerkte damals, dass Emojis auf Skype recht sexistisch sind, da „weiblich konnotierte“ Tätigkeiten wie Yoga und Tanzen nur bei Frauen zu finden seien, sowie Männer bei „männlichen“ Sportarten. Mittlerweile gibts auch Frauen bei „männlichen“ Sportarten, aber der Wissenschaftler ist, aktuell, immer noch nur männlich.

Anway: Es gibt auch mittlerweile „vegane“ Smileys, so wurde das Ei auf dem Salat einfach unter den Salat geschoben. What the… aber warum nicht? Für jede Subkultur und jedes Grüppchen ihre eigene Sprache. Allerdings sah ich noch nie einen Chem-Trail-Smiley. Zugegeben, ich habe noch nie so wirklich darauf geachtet.

PS: Smileys gabs offiziell erst ab dem 19. September 1982, Erfinder war Scott Fahlman von der Carnegie Mellon University.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Just about Life, Kulturelles, Medien