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Auf Insta gibt es sie zu hauf (diese verpönte Selfiekultur, die Welt geht zu Grunde! Eingebildete Filter-Bitches!); Twitter verschmäht sie (und die Leute entfolgen dir. Du darfst (nein sollst!) dich zwar mögen und darfst darüber twittern, wie geil du dich heute findest, aber bitte nicht sichtbar, keine Fotos, wirklich nicht); und Facebook, ja da kommentieren die ewig gleichen, mit „Oh, du alterst auch nie!“, seit Jahren.

Das Selfie

Die Kritik, man brauche 50 Versuche bis das passende dabei sei und dann entspräche es sowieso nicht dem Original-Bild und sei eine Verfälschung der Momentaufnahme und lenke den Fokus nur auf sich selbst, man vergesse alles andere, ist durchaus berechtigt (vor allem wenn sie in eine Art Druck ausarten, ein gutes Selfie posten zu müssen).

Aber nicht viel anders, läuft es bei einem klassischen Foto-Shooting ab. Mit Fotograf und so. Von 100 Fotos sind maximal 5 dabei, die sich verwenden lassen – und ja, sie sind alle gephotoshopt. Sie sind alle gestellt. Und man investiert Zeit. Viel Zeit. Und Planung. Ich weiß das, ich habe das selbst lange Hobbymäßig betrieben.

Warum wird das eine verschmäht, das andere akzeptiert? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil klassische Shootings professioneller sind?

Das Altern

Ich habe angefangen alte Shootingfotos durch zu schauen und aus den vielen, vielen Bildern, Collagen zu machen. Dabei fiel mir auf, was ich auch mit einer Shooting-Kollegin von früher erst kürzlich besprochen hatte, wie jung wir damals waren; die Jugend war uns ins Gesicht geschrieben und so glatt und so hübsch und so Faltenlos!* Makellos war ich nie, ich hatte immer schlechte Haut und je nach Essverhalten, auch heute immer wieder mal. Aber da finde ich Photoshop okay, solange man nichts permanentes weg macht oder verändert. Zu den Falten stehe ich noch in einem ambivalenten Verhältnis, da sie auch nicht immer da sind – und je nach Müdigkeits- und/oder Trockenheitszustand der Haut mal stärker zu sehen sind, und nach einer intensiven Feuchtigkeitskur und viel Schlaf weniger.

Eine Kollegin von früher will keine Fotos mehr von sich. Sie findet sich alt und hässlich. Ich darf darauf hinweisen, dass sie immer noch toll aussieht, aber eben nicht mehr wie Anfang 20. Vor einer gewissen Zeit überlegte sie auch, ob sie nicht doch 12 000€ in ein Facelifting investieren solle, der Arzt meinte, sie sähe dann wieder aus wie Anfang 20. Botox verwendet sie seit Jahren regelmäßig (und Botox finde ich soweit okay) aber die hängenden Backen, sie findet, sie gleicht bald ihrer Mutter, und nein, das will sie nicht. Sie hat es dann, vermutlich der Seltsamheit des Arztes wegen (der ihr aus Datenschutzgründen nur ein, zwei Fotos zeigen konnte), doch gelassen.

Die Selbstliebe

„Du musst zuerst dich selbst lieben, bevors andere tun können!“ ist der beschissenste Satz, den je jemand gesagt hat. Ich glaube nicht mal, dass irgendwer diesen Satz gesagt hat, ich glaube er wurde einfach von einer gelangweilten KI erfunden und in die Welt gelassen, so wie die Bonsaikatzen. Nein, du darfst dich auch selbst hassen und andere können dich trotzdem lieben. Dies wollte ich nur kurz angemerkt haben, weil ich, wenn ich diesen Satz lese, immer wieder anmaßend finde.

*Amüsanterweise muss ich anmerken, dass ich mich auf aktuellen Fotos attraktiver empfinde, als auf jenen, von vor 10 Jahren. Bedeutet das, dass ich mit dem Altern klar komme? Hell, no. Es gibt Tage, da will ich wirklich nicht. Wirklich, da möchte ich Facelifting, Botox und alles was es gibt. Einen real life Filter. Aber es gibt erstaunlich viele Tage (besonders, wenn ich meine fruchtbaren Tage habe; Körper, du Bitch), an denen ich mich ausgesprochen attraktiv finde. Und das ist okay! Nein, das ist sogar super!

Das Selfie II

Und hier komme ich wieder zurück zur Selfiekultur, die vorgibt, man liebe nur ein verzerrtes Abbild seiner Selbst.

So, what?

Selbstliebe ist Selbstliebe und ganz gleich, wie und warum und durch was, und das ist vollkommen in Ordnung – deswegen, was ich eigentlich sagen will, ist: Embrace it! Macht Selfies, wenn ihr euch danach fühlt. So, what? Zeigt der Welt, wie toll ihr euch fühlt – es ist euer gutes Recht, euch toll zu fühlen. Mit, oder ohne Filter. Das ist komplett egal – denn draußen nimmt euch sowieso jeder anders wahr. Dieses richtige, eine Selbst, gibt es nicht.

Aber dir fehlt ja was, wenn du das nötig hast!

Auch eine meiner Lieblingsreaktionen. Wer bemisst die Norm dessen, ab wann man an dem Punkt ist, an dem einem „was fehlt“ oder, umgangssprachlich gesagt, an Huscher hat? Wer? Wer entscheidet das – und nein, es ist nicht der gesunde Selbstwert, denn wer entscheidet was ein gesunder Selbstwert ist?

Aber die sind alle so Narzisstisch! So Selbstverliebt!

Und ja! Das ist gut so! Meine Güte.

Denen geht es ja nur ums Äußere, was wenn die mal alt werden, dann haben sie nix mehr!

Diese Reaktion finde ich auch toll: Nein. Ich bin eine von denen, und ja, meine Jugend verschwindet, und ja, ich finde es schade, aber.. I care less. Irgendwann kümmert man sich weniger darum, und sicherlich sehe ich junge Frauen neidisch an, der Hintern, jop, den hätte ich gerne, aber, in 5 Jahren steht der auch nicht mehr. So what? Was ist das bitte für eine abscheuliche Neidkultur? Darf man der Jugend ihre Schönheit bitte lassen? Sie vergeht eh so schnell.

Aber beruhigt euch; solange Kapitalismus und Patriarchat, Markt, Kultur und Entertainment bestimmen, wird es ausreichend Frauen geben, die unzufrieden mit sich sind, und ich wage zu behaupten, es sind sogar 99,999999989%. Aber wir sind auf einem guten Weg, dieses Denken aus den Köpfen der Menschen zu verbannen. Ein paar 100 Jahre noch. Ich bin zuversichtlich.

Ich

Und hier nur ein Bruchteil der Selfies, die ich am Meer aufgenommen habe:

Italien, 2019

 

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Woche #2911: Ade Schreibschrift, Hallo Morse!

Auf Social Media fragte einst jemand, wie man dazu stünde, dass die „Schnürlischrift“ abgeschafft wird. Die Rede ist von der „Schreibschrift“ oder auch „Schönschrift“ genannt. Zuerst in Finnland durchgesetzt, dann in der Schweiz und jetzt auch für Österreich geplant.

Mein erster Impuls war, dass ich es schade finde. Bis 1970 stand die Kurrent-Schrift noch auf dem Schulplan – und ich selbst lernte diese im Geschichtsstudium und mochte sie sehr. Man fühlte sich wie ein Schatzgräber, wenn man auf Flohmärkten in der Feldpost aus dem zweiten Weltkrieg stöberte und diese verstohlen las. Als schriebe man, sofern man des Kurrents-Schreibens mächtig war, in einer Geheimschrift aus längst vergessener Tage! Im Moment versuche ich mir den Morsecode beizubringen. Wenn die Welt untergeht, kann ich zumindest mit Pensionisten und Veteranen in Kontakt treten.

Ich glaube allerdings mich erinnern zu können, dass ich zu Schulzeiten einen negativen Bezug zur Schreibschrift hatte, aber vermutlich deswegen weil es mit aller Kraft gefordert wurde. Ellenlanges abschreiben von der Tafel mit Füllfeder in der rechten Hand, die mit drei Fingern umkrallt werden musste, nicht zwei, sondern drei. Blaue Tinte. Rotes Heft für Deutsch, Blaues für Mathe. Mit grün mussten die Ergebnisse unterstrichen werden, doppelt.

Übrigens witzig – Österreich macht den nächsten Schritt zurück und will in den Volksschulen wieder die Noten-Bewertung einführen, nachdem erfolgreich statt „Deutsch: Gut“ – „Deutsch: Kann gut lesen, aber bei der Rechtschreibung etwas Probleme“ eingeführt und umgesetzt wurde. Vielleicht sollte man auch den Schäm-dich-Hut und In-die-Ecke stellen wieder Mode werden lassen oder Schläge auf die Hand.

Sinn oder Unsinn?

Über Sinn und Unsinn der Schreibschrift kann man natürlich diskutieren. Aber eine gute Übung ist es allemal Kringel und Schnürli und Schlaufen zu malen, und ich selbst schriebe gerne wieder mit einer schönen Schreibschrift, denn das Gekrakel, dass durch die mittlerweile so veränderte Blockschrift heraus kommt, kann niemand mehr entziffern und am allerwenigsten ich. Ich fände es aber nett, auch wieder die Kurrent-Schrift einzuführen und Steno-Kurse anzubieten. Steno-Kurse können für das spätere Studium wichtig sein, wenn man Kurse gemeinsam mit älteren Herr- und Damenschaften besucht und diese nach der Mitschrift frägt.

Anyway.

Der Fragensteller Wilhelm Amann antwortete darauf: „Ich finde es schlecht, da meiner Meinung nach die Schreibschrift zur Persönlichkeitsbildung beiträgt. Nicht nur das, wenn wir nur noch tippen, dann verlieren wir den haptischen Bezug zu unseren Texten. Jeder weiß, dass man beim „aufschreiben“ Sachen besser gelernt werden. Auch finde ich, dass man mit der Schreibschrift schneller Aufzeichnungen machen kann als mit der Blockschrift, da man nach jedem Buchstaben absetzen muss. Alleine der Gedanke, dass keiner mehr meine Briefe oder Aufzeichnungen lesen kann wenn ich mal alt bin lässt mir einen Schauder über den Rücken laufen.“

An das Beispiel, dass man via Schreibschrift schneller ist als via Blockbuchstaben dachte ich auch, nur habe ich keinen verlässlichen Vergleich mehr – und auch, dass man via händischem Schreiben sich die Dinge eher merkt, ist etwas dran – zumindest geht es mir so. Übrigens bemerke ich, wie sehr Worte, Rechtschreibung und Satzbildung in den Fingern verankert ist. Während ich den Morsecode schreibe, muss ich aktiv überlegen welcher Buchstabe auf den anderen folgt.

— .. .- ..- !

Was hält die Bloggergemeinde davon? Mochtet ihr die Schreibschrift? Beherrscht sie noch wer? Findet ihr die Abschaffung sinnvoll? Würde gern wer das Morsealphabet fließend sprechen/schreiben/tippen/bedienen können? Und braucht ihr jemanden zum üben? Oder Steno? Mag sich wer Briefe in Kurrentschrift schicken und sucht einen Brieffreund? Auch wenn die Post in manchen Gegenden aktuell Probleme hat und sicherlich froh ist um jeden Brief, der nicht geschickt wird – und schon gar nicht mit Siegel oder parfümiert. Und dabei habe ich mir erst vor kurzem in New York einen Katzen-Siegel-Stempel gekauft..

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The Adorkable Misogyny Of „The Big Bang Theory“

Fazit: Sehenswert!

Viele der negativen Verhaltensweisen, die im Video als Beispiel heran gezogen werden, sind uns nicht als solche bewusst. Selbst ich wuchs mit allgemein akzeptierten und romantisch-verklärten (Stalker-)Vorstellungen auf, wie etwa: „Oh, er stellt ihr, während sie schläft, einen Weihnachtsbaum im Zimmer auf, wie aufmerksam!“ (Untamed Heart, 1993) oder „Oh, er droht Suizid an, wenn sie nicht mit ihm ausgeht, wie nett!“ (The Notebook, 1996). Und auch ich musste lernen, dass diese Vorgehensweisen nicht romantisch, sondern gefährlich sind – auch wenn Medien, Filme, Bücher, Fernsehen und weiß der Teufel was, es uns anders verkaufen möchten. Hier noch weitere Film-Beispiele.

„Nerds sind cool!“

The Big Bang Theory fiel und fällt, wenn überhaupt, nur unter jene Kritik, dass Nerds – wenn auch sichtbarer, und in ein „cooles“ Zentrum gerückt (Nerds waren/sind plötzlich cool) – immer noch „lächerlich“ gemacht werden und dem Kanon der Trottel-Inszenierung folgen – auch wenn sie hoch intelligente Physiker sind und mit einer Reihe, für den Normalverbraucher, unverständlicher Begriffe um sich werfen. Im täglichen Leben wird trotzdem über „Nerds“ gelästert und sich auf ihre Kosten amüsiert – außer vielleicht sie sind erfolgreich, gesellschaftstauglich und ansehnlich. Nicht zu vergessen, dass TBBT eine Comedy-Sendung sein will, die sich selbst nicht all zu ernst nehmen mag und teilweise auch gezielt selbstironisch mit seinen Inhalten umgeht und deren Handhabung so in gewissem Maße legitimiert.

Auch ich mochte die Serie zu Beginn, vor allem der wissenschaftlichen und geek’schen Aspekte wegen, bis diese mehr und mehr in der Hintergrund gerieten und ich irgendwann bei Season 6 oder so ausstieg, da der Fokus nur mehr auf Liebes-Drama als wie auf Wissenschaft und Popkultur gerichtet war. Also fern ab einer feministischen Sichtweise – denn damals hatte ich noch nicht ganz das Bewusstsein dafür und Madame (8) hatte noch viel Arbeit vor sich. Sicherlich fiel mir auf, dass die einzige (blonde) Frau das Dummchen ist und die Sendung generell kein gutes Licht auf Frauen wirft – nahm es aber, wie vieles andere, einfach hin. Ein feministisches Bewusstsein kann (und soll auch) nicht erzwungen werden, es entwickelt sich. Manchmal kommt es urplötzlich, manchmal schleichend.

The Adorkable Misogyny Of „The Big Bang Theory“

Investiert diese 20 Minuten eures Lebens.

 

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