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Was du in deinen 30ern erreicht haben solltest

Erste und ultimative Antwort: Gar nichts.

Es geht niemanden einen Scheißdreck an, was du nach welchen Standards erreicht haben solltest. Wobei doch, wenn du geschafft hast, dir bisher nicht das Leben zu nehmen: Gratulation!

Madame (8) meinte einst: „Warum willst du mit 30 aussehen wie 20? Willst du die alte, creepy Frau in der Disco sein, die du damals mit Anfang 20 belächelt hast?“ – selbst wenn, who cares? (Okay, wenn wir ehrlich sind: Niemand will die creepy, alte Frau/(und schlimmer noch) der creepy, alte Dude sein, der in der Disco herum hampelt und sich an die jungen Mädels ran macht. Niemand. Übrigens, gehen wir nicht mehr in Discos. Wir besuchen Salsa-Abende. Oder Konzerte. Wenn überhaupt. Meistens ist es doch nur mehr Karaoke oder Kino. Wenn überhaupt. Die Couch ist auch okay. Oder das Bettchen. Mit Twitter. Vollkommen ausreichend.

Trotzdem. Was kann ich dafür, dass die Abstinenz von Alkohol und Tabak meine Haut noch nicht ganz so arg altern lassen haben, wie bei manchen anderen? Und hätte ich regelmäßig Sonnencreme verwendet, gäbe man mir sicher noch die Anfang 20. Merke: Verwendet auch tagsüber eine Creme mit mindestens LSF15! Und vergesst nicht, diese ab und an nachzutragen. Und hätte ich mich besser ernährt, mehr auf Obst und Gemüse geachtet, ginge ich sicherlich noch als 18jährige durch. Und hätte ich regelmäßig Sport betrieben, dann .. nun gut, lassen wir das.

Nachdem ich in den 1980ern geboren bin und jeder, der in den 1980ern geboren ist, dieses Jahr 30 oder darüber sein wird, muss auch ich erkennen, dass die feinen, aber kleinen Schwindeleien (die mir übrigens außerordentliche Freude bereiten) irgendwann nicht mehr ganz aufgehen werden, bestehe ich weiterhin darauf, als Mitte 20jährige durch zugehen. Irgendwann ist die Rechnerei nicht mehr spannend, sondern mühsam. Irgendwann stimmen Details nicht mehr miteinander überein und irgendwann macht einfach alles keinen Sinn mehr. In den 90ern geboren zu sein und einen Teil der Jugend ohne Internet und Handy verbracht haben? Nicht unmöglich, aber schwierig. In den 90ern geboren zu sein, und sagen können: „Ja, das waren halt die 80er! I’ve been there!“ You get the point.

Und natürlich stellt sich zeitweise die Frage, was man in seinen 30ern erreicht haben muss/sollte.

Die einen lassen sich scheiden, bei anderen ist das zweite Kind bereits unterwegs, mei nett! Das dritte auch? Ja! Aber meine Frau mag nicht so wirklich; die Jugend hat sich noch nicht ganz unter den Stirnfalten verkrochen, und man zockt gelegentlich das eine oder andere Spiel; der Job wird immer mühsamer, der Chef war auch schon netter, die Überstunden machen zu schaffen, die Bandscheiben, ja, das Kreuz auch, und ausgehen ist auch nicht mehr so wie früher, 3 Bier, dann ist genug! Mei, die Kinder, holst du sie am Freitag von der Kita? Aber Schatz, ich wollte doch.. nein, ist gut, ich verzichte gerne auf mein Leben. Ist in Ordnung. Und unter all diesem Gedöns und Getöse unterschiedlicher Aussagen diverser 30- bis 40jähriger, steht man auf weiter Flur und überlegt: „I’m a f*cking loser! Wait, but, why?“ Bis man realisiert: „It’s not me! It’s them! All of them!“

„Du kannst aber nicht ewig Kind sein!“ – „Doch kann ich.“

Es wird immer Leute geben, die dir sagen werden: „Mit 30 ist das Leben vorbei! Mit 40 musst du was erreicht haben. Da kannst du nichts mehr ändern. Da solltest du gefestigt sein!“ Und natürlich hinterlassen diese Sätze Unsicherheit sowie gewisse Fragen: Muss ich das tatsächlich? Was wenn nicht?

Googelt man kurz, finden sich zig Artikel, dass man auch mit 40 oder 50 sein Leben noch komplett neu ausrichten kann. Oder mit 60! Und besonders unsere Generation, von denen die wenigsten (so zumindest mein Eindruck) tatsächlich erwachsen geworden sind, nagen an der Definition von „Erwachsen-sein“. Erwachsen-sein, einst definiert als die Elterngeneration, dieses biedere, langweilige Dasein, ohne Wahnsinn durchs Leben schreiten, rationale Entscheidungen treffen, Versicherungen verstehen und ohne Angst wo anrufen zu können. Die Generation, die keine Fehler macht und sich nicht mit diesen Halbgaren Memes identifizieren mag. Erwachsen-sein, definiert durch: sein Leben im Griff zu haben und zu wissen, wohin man möchte und sich zu kennen, das Leben zu akzeptieren, weil man hat ja mit 30 bereits gefestigt sein müssen und da wäre unschicklich, jetzt noch an allem zu zweifeln!

Who are these people?

Ich hasse Fragen, die einen zwingen sich mit dem eigenen Selbst auseinander zu setzen. Das, was ich in meinen 20ern noch gern getan habe, da das Selbstbewusstsein groß und fern jeglicher Kritik stärker strahlte als Tschernobyl, geriet irgendwann immer mehr in den Hintergrund. Sicherlich, selbst in meinen 20ern war mein Selbstbewusstsein angeknackst, aber zumindest konnte man sich die Fehler schön reden. Und sicherlich, in den 30ern fällt alles auf eine gewisse Narrenfreiheit zurück, während man in den 20ern ausprobieren konnte, und nichts (von all dem, oder das wenigste zumindest) kleben blieb.

Und es stellt sich die Frage: Wer sind diese Leute? Die, die alles auf die Reihe kriegen. Wer sind sie? Und gibt es sie tatsächlich? Sind sie nicht vielleicht nur ein Mythos der Eltern-Generation, der in das Unterbewusstsein ihrer Kinder tradiert wurde und kontinuierlich wird, weil sie selbst nichts auf die Reihe brachten, um so den Schein zu wahren? So wird es sein!

Die Alten, unsere Eltern, und die Jungen, diese Digital-Natives, Generation Laptop (nicht Stand-PC, wie wir), die Streamer (und nicht alten CD-Gamer), die jungen, dynamischen Start-Up Menschen, nicht wir, die wir Schiss vor einem Anruf bei der Krankenkasse haben, um irgendwas Belangloses in Erfahrung zu bringen. Die, die hinaus ins Leben schreiten, sich optimiert selbst präsentieren und damit massiv Kohle scheffeln.

Werden wir je deren Level erreichen, oder werden wir ewig die creepy Zwischengeneration sein, die weder dies noch das ist. Wer sind wir? Und existieren wir tatsächlich? Sind wir nicht nur Einbildung unseres gekränkten Selbst, dass in die Welt geworfen wurde und in der Zerworfenheit der Generationen keinen Ausweg mehr findet?

„Du musst erwachsen sein!“

Wir sind erwachsen (glauben wir) und haben Verpflichtungen (die wir hassen) und kommen diesen nach (lol, ja genau), ohne darüber zu jammern (haha, nice try), weil jeder die gleiche Last zu tragen hat, manche sogar noch mehr. Aufgrund der etwaigen Diskriminierung bestimmter Gesellschaftsmodelle verzichte ich an dieser Stelle auf Beispiele.

Irgendwo im Zuge meiner Recherchen las ich, dass man in den 30ern erkannt hat, dass die Erwachsenen, vor denen man soviel Respekt und Ehrfurcht hatte, gar nicht soviel wissen, wie man einst glaubte. Im Gegenteil, den wohl höchsten allgemeinen Bildungsgrad haben Maturanten, Menschen zwischen 18 und 20. Die wissen über Mathematik, Biologie, Politik und Geschichte Bescheid. Danach fokussiert man sich auf Spezialgebiete, wenn überhaupt. Will ich damit sagen, dass wir zunehmend verdummen? Natürlich!

Back to the roots

Ja, fellow friends, die 30er sind angebrochen – nicht nur bei uns selbst, sondern auch in der weltpolitischen Lage scheint alles wieder dorthin zurück zu kehren, wo das Übel einst begann, von dem sich das kollektive Gedächtnis noch nicht erholt hat und die Schuld noch immer mit sich trägt (und offenbar nichts daraus gelernt hat, weil, ja.. kollektives Schuldgefühl und so, und den gleichen Fehler, am besten noch zur gleichen Zeit, noch fünfmal machen muss um daraus zu lernen.. whatever).

Und trotz dessen sind wir mittlerweile die Alten, fern ab von den jungen Influencer und smarten Start-Up-Gründern, die ihre Mitzwanziger richtig geil fetzen lassen. Könnten wir auch, aber wir sind die Generation in between. Weder Digital-Native, noch Digital-Immigrant. Verloren in der Zeit.

Wie will man also von uns erwarten, dass wir jemals erwachsen werden, gemessen an den Standards der Elterngeneration vor uns, deren Ideale nicht mehr anstrebbar sind, beziehungsweise sein wollen und auch nicht angestrebt werden können, weil es schlicht und einfach nicht mehr möglich ist (aus allerlei Gründen)? Und wir auch nicht wissen, wie sich die Nachfolge Generation verhält, wenn diese erwachsen ist – derer wir auch kein Vorbild sein können; wenn überhaupt nur als Karikatur dienlich sind, die sie lässig beiseite schieben, weil sie soviel toller sind und soviel mehr erreicht haben als wir, vor allem, weil sie viel mehr Möglichkeiten und das besonders wichtige, die Jugend dafür besitzen!

Tja, ihr lieben Leute, die in den 1980ern geboren sind:

Wir sind die seltsamen Between’ers, die schrägen Alten, die Generation, die nicht erwachsen werden will (oder kann!). Generation XYZ Whatever. Generation „I don’t give a fuck und jeder sagt mir, was ich zu tun habe und ich mag eigentlich nur am Strand liegen und meine Ruhe haben“, Generation „Schleich di mit deiner deppaten Erwartungshaltung; geh, mach ein Bild für Instagram für dein Start-Up für Wasserflaschen für Armlose“, Generation „Geh mir nit auf die Eierstöcke!“ und zu guter Letzt: Generation „I don’t give a fuck.“ Oder so.

Anyway, was ich damit sagen will, falls sich jemand angesprochen fühlt und am gelebten Leben zweifelt, wenn die Erwartungshaltung anderer regelmäßig an die Tür klopft, in die Timeline gespült und unter die Nase gerieben wird:

Du musst gar nichts erreicht haben.

Und viel wichtiger: Don’t give a fuck.

Wenn du in deinen 30ern noch ein Studium anfangen willst, who cares. Wenn du auf 26m2 lebst und glücklich damit bist, so what? Und wenn du einfach nur faul sein und schlafen willst, do it!

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Woche #3001

Es ist noch immer Winterszeit im Bergdorf, Nebel kommt und geht, die Sonne bleibt, Schnee wird zu Matsch und dann wieder zu Eis. Da ich durch meine Reitbeteiligung (kurz: RB) öfters Zeit im Freien verbringe, nehme ich die Unterschiede natürlich viel intensiver wahr. Erst gestern war es gegen Mittag warm und friedlich, die Pferde dösten in der Box und ich beobachtete eine der Schwangeren beim wegschlafen, bis sie durch ihren zurückfallenden Kopf selbst wieder aufschreckte. Gegen drei war es allerdings wieder eisig kalt und meine Finger froren. Erfolg im Misserfolg: Beinahe alle Schafe, auch die jungen, lassen sich mittlerweile streicheln und kraulen (zu Beginn nur zwei) und drängeln sich nun gegenseitig weg, sodass es fast schon mühsam ist, jedem die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken.

Dass ich kein Menschen-Mensch bin, dürfte dem Leser meiner Texte wohl bekannt sein. Dass sich dies auch bis in die Onlinewelt zieht, war mir zwar in gewissem Ausmaß bekannt, wurde mir aber anhand einer mittlerweile amüsanten Diskussion in aller Deutlichkeit (wieder mal) bewusst. Nein, ich bin offenbar kein Gruppenmensch. Anyway, es gibt eben Menschen, die über ein gewisses Herdenverständnis verfügen und sich dementsprechend unterordnen können, und manche eben nicht. Trotzdem finde ich Gruppendynamiken immer wieder spannend, einerseits auch weil offensichtlich wird, wie wenig Diversität und Vielfalt eigentlich erwünscht ist, und auch nur dann, wenn es den Kanon nicht verletzt oder die Hierarchie bedingungslos akzeptiert wird. Im großen Stil ist das natürlich in der Politik zu beobachten: Ein homogenes Dorf am Land will keine Geflüchteten. Städter sind für Migration und Integration, sprich Diversität, generell offener. Führte man der Vergleich weiter, hinkt er natürlich, trotz dem sind in einer größeren Gruppe auch unterschiedlichere Leute zu finden, während eingeschworene Teams nur ganz, ganz selten einen Neuling aufnehmen, der sich dann zuerst beweisen muss, und hebt er seine Stimme zu schnell, sagt etwas, was den Meistern nicht gefällt, sinkt er tief in der Gunst aller Beteiligten. So zumindest meine Erfahrungen.

Ansonsten verkrieche ich mich hinter unzähligen Serien (wie Wynnona Earp, Frontier, die dritte Season von Misfits, The Marvelous Mrs Maisel) und versuche zu meinen Blog am laufen zu halten. Bald gibt es Fortsetzungen von The Handmaid’s Tale und Gotham und The Expanse und Star Trek: DSC. Das Kino zeigt sich aktuell von seiner weniger interessanten Seite.

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Woche #2911: Ade Schreibschrift, Hallo Morse!

Auf Social Media fragte einst jemand, wie man dazu stünde, dass die „Schnürlischrift“ abgeschafft wird. Die Rede ist von der „Schreibschrift“ oder auch „Schönschrift“ genannt. Zuerst in Finnland durchgesetzt, dann in der Schweiz und jetzt auch für Österreich geplant.

Mein erster Impuls war, dass ich es schade finde. Bis 1970 stand die Kurrent-Schrift noch auf dem Schulplan – und ich selbst lernte diese im Geschichtsstudium und mochte sie sehr. Man fühlte sich wie ein Schatzgräber, wenn man auf Flohmärkten in der Feldpost aus dem zweiten Weltkrieg stöberte und diese verstohlen las. Als schriebe man, sofern man des Kurrents-Schreibens mächtig war, in einer Geheimschrift aus längst vergessener Tage! Im Moment versuche ich mir den Morsecode beizubringen. Wenn die Welt untergeht, kann ich zumindest mit Pensionisten und Veteranen in Kontakt treten.

Ich glaube allerdings mich erinnern zu können, dass ich zu Schulzeiten einen negativen Bezug zur Schreibschrift hatte, aber vermutlich deswegen weil es mit aller Kraft gefordert wurde. Ellenlanges abschreiben von der Tafel mit Füllfeder in der rechten Hand, die mit drei Fingern umkrallt werden musste, nicht zwei, sondern drei. Blaue Tinte. Rotes Heft für Deutsch, Blaues für Mathe. Mit grün mussten die Ergebnisse unterstrichen werden, doppelt.

Übrigens witzig – Österreich macht den nächsten Schritt zurück und will in den Volksschulen wieder die Noten-Bewertung einführen, nachdem erfolgreich statt „Deutsch: Gut“ – „Deutsch: Kann gut lesen, aber bei der Rechtschreibung etwas Probleme“ eingeführt und umgesetzt wurde. Vielleicht sollte man auch den Schäm-dich-Hut und In-die-Ecke stellen wieder Mode werden lassen oder Schläge auf die Hand.

Sinn oder Unsinn?

Über Sinn und Unsinn der Schreibschrift kann man natürlich diskutieren. Aber eine gute Übung ist es allemal Kringel und Schnürli und Schlaufen zu malen, und ich selbst schriebe gerne wieder mit einer schönen Schreibschrift, denn das Gekrakel, dass durch die mittlerweile so veränderte Blockschrift heraus kommt, kann niemand mehr entziffern und am allerwenigsten ich. Ich fände es aber nett, auch wieder die Kurrent-Schrift einzuführen und Steno-Kurse anzubieten. Steno-Kurse können für das spätere Studium wichtig sein, wenn man Kurse gemeinsam mit älteren Herr- und Damenschaften besucht und diese nach der Mitschrift frägt.

Anyway.

Der Fragensteller Wilhelm Amann antwortete darauf: „Ich finde es schlecht, da meiner Meinung nach die Schreibschrift zur Persönlichkeitsbildung beiträgt. Nicht nur das, wenn wir nur noch tippen, dann verlieren wir den haptischen Bezug zu unseren Texten. Jeder weiß, dass man beim „aufschreiben“ Sachen besser gelernt werden. Auch finde ich, dass man mit der Schreibschrift schneller Aufzeichnungen machen kann als mit der Blockschrift, da man nach jedem Buchstaben absetzen muss. Alleine der Gedanke, dass keiner mehr meine Briefe oder Aufzeichnungen lesen kann wenn ich mal alt bin lässt mir einen Schauder über den Rücken laufen.“

An das Beispiel, dass man via Schreibschrift schneller ist als via Blockbuchstaben dachte ich auch, nur habe ich keinen verlässlichen Vergleich mehr – und auch, dass man via händischem Schreiben sich die Dinge eher merkt, ist etwas dran – zumindest geht es mir so. Übrigens bemerke ich, wie sehr Worte, Rechtschreibung und Satzbildung in den Fingern verankert ist. Während ich den Morsecode schreibe, muss ich aktiv überlegen welcher Buchstabe auf den anderen folgt.

— .. .- ..- !

Was hält die Bloggergemeinde davon? Mochtet ihr die Schreibschrift? Beherrscht sie noch wer? Findet ihr die Abschaffung sinnvoll? Würde gern wer das Morsealphabet fließend sprechen/schreiben/tippen/bedienen können? Und braucht ihr jemanden zum üben? Oder Steno? Mag sich wer Briefe in Kurrentschrift schicken und sucht einen Brieffreund? Auch wenn die Post in manchen Gegenden aktuell Probleme hat und sicherlich froh ist um jeden Brief, der nicht geschickt wird – und schon gar nicht mit Siegel oder parfümiert. Und dabei habe ich mir erst vor kurzem in New York einen Katzen-Siegel-Stempel gekauft..

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Ein Text über die Höflichkeit, oder so

 Hö̱f·lich·keit, Substantiv [die]
1. das Höflich sein
„jemanden mit besonderer Höflichkeit begrüßen“
2. Kompliment.
„Zu Beginn wurden nur Höflichkeiten ausgetauscht.“

Und Wikipedia teilt mir mit: „Die Höflichkeit oder Zivilisiertheit ist eine Tugend, deren Folge eine rücksichtsvolle Verhaltensweise ist, die den Respekt vor dem Gegenüber zum Ausdruck bringen soll. Ihr Gegenteil ist die Grobheit oder Barbarei. Sozial gehört sie zu den Sitten, soziologisch zu den sozialen Normen. Das Wort hat sich aus dem Begriff „höfisch“ entwickelt, das die Lebensart am frühneuzeitlichen Hof bezeichnete.“

Und je nach Kultur, Zeit, Region und Erziehung bedeutet „Höflichkeit“ immer etwas anderes. Es gilt also, sich die sozialen und sittlichen Normen anderer Völker und Länder, die Do and Don’ts einzuprägen und auf ein gutes Miteinander zu hoffen. Aber bleiben wir im Westen. Bleiben wir im deutschsprachigen Raum. Und bleiben wir am Land.

Und bitte versteht mich nicht falsch, ein höfliches und freundliches Verhalten wird von aller- und Jedermann geschätzt und erleichtert die geflogene Konversation ganz allgemein. Man sagt „Bitte“ und „Danke“ und bringt eben jene wohlwollende Attribute zum Ausdruck, seien sie mit ernst gesprochen oder einfach nur verbal hingeworfen, hier: Friss sie. Man begegnet einander mit Respekt und Demut, auch wenn sich dahinter Zorn und Wut verbergen. Respekt und Demut, Ruhe und Frieden.

Und doch hat sich in so mancher Götterländer die Sitte, der, ja ich möchte meinen, die Form einer „übertriebenen“ Höflichkeit eingebürgert. Wie das? Kann man denn übertrieben höflich sein? Und warum unter Apostroph? Höflichkeit ist doch immer gut? Was meint sie jetzt?

Lasst mich anhand zweier Beispiele veranschaulichen, was mir auf der Seele kriecht; das räudige Biest, sitz!

Beispiel 1: Etwas weniger geeignet, aber ok:

A: „Darf ich ein Stück vom Kuchen haben?“
B: „Aber freilich! Hier bitte!“
A: „Darf ich noch ein Stück vom Kuchen haben?“
B: „Aber natürlich, Nimm! Schmecken solls.“
– Und der Kuchen schmeckt mir immer noch.
A: „Darf ich vielleicht noch ein Stück haben?“
– Gut, in meinem Falle soll das spindeldürre Mädel doch essen.
B: „Aber freilich!“
A: „Darf ich noch eines haben?“
– Verdammt, der Kuchen ist so richtig, richtig gut! Und so geht es weiter.

Frage an die Leserschaft? Ist es unhöflich von A den gesamten Kuchen alleine zu verspeisen? Hierzu fehlen uns folgende Angaben: Wieviel Kuchen gibt es und wieviele Leute wollen noch ein Stück Kuchen. Im äußersten Fall könnte man mir Gier und im besten höchstes Lob an den Bäcker, die Bäckerin attestieren.

Beispiel 2: Etwas deutlicher:

Es sitzt eine Familie am Tisch: Mutter, Vater, zwei Kinder und Ich. Die Mutter hat Kuchen gebacken. Jeder bekommt ein Stück. Gegen Ende liegen nur mehr drei Stück Kuchen am Tisch:

A: „Darf ich noch ein Stück haben?“
– Die Mutter ist hoch erfreut und reicht mir ein gutes Stück Kuchen. Der Vater schnappt sich das nächste und grinst zufrieden. Nachdem ich den Anfang gemacht und den Bann des Schweigens gebrochen hatte, konnte er ohne Probleme und ohne unter den Verdacht zu fallen, gierig zu sein, zugreifen.
– Ich blicke auf das letzte Stück. Der Kuchen war wirklich verdammt gut. Marzipan mit Kokos und feinster Füllung. Ich starre das Kuchenstück an. Dann überwinde ich mich. Aber wie beginnt man in solch einer Situation?
A (1): „Möchte dieses Stück Kuchen noch jemand?“
– Ich biete es an, bringe aber gleichzeitig durch meine Frage zum Ausdruck, dass ich es möchte/gerne hätte.
A (2): „Darf ich das letzte Kuchenstück haben?“
– Ganz schlecht. Ganz, ganz schlecht. Niemand, dem höfliche Manieren beigebracht wurden, kann jetzt noch sagen: „Nein, das geht nicht, weil..“. Nein. Damit bringe ich nämlich die Leute in eine missliche Lage, sie müssen mir quasi das letzte Stück überlassen, denn es gelte wohl als unhöflich, mir das dritte Teil zu verweigern, schließlich bin ich Gast. Wir gehen also mit Option 1.
– Die Runde schweigt, die Mutter sagt:
B: „Bitte gern, Nimm ruhig.“
A: „Wirklich?“
B: „Ja, wenn es dir geschmeckt hat, dann nimm es.“ (3)
A: „Wirklich, ich möchte es nur, wenn es sonst niemand mehr mag.“
– Was eine glatte Lüge ist, ich würde töten für dieses saftige und perfekte Kuchenstück.
B: „Ja nimm!“ Und vielleicht folgt noch: „Es freut mich, dass es dir schmeckt“
– Die Blicke am Tisch ignoriert man. Welche Blicke? Es gibt nur mich und das letzte Kuchenstück. Saftig und Füllig.
A: „Ist es wirklich in Ordnung?“
B: „Natürlich!“
– Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich es mir nehme, nach 3 – wenn nicht sogar 4 – 5x nachfragen. Ich nehme es und esse es. Ich bin zufrieden, gesättigt und bedanke mich zig Tausend mal. Alsbald A und C das Haus verlassen..

C: „Spinnst du komplett? Was ist mit dir bitte falsch?!“ Werde ich angeschrien.
A: „Warum?“
C: „Du hattest schon zwei, und nahmst dir einfach das dritte?“
A: „Ich habe extra mehrmals gefragt?“
C: „Es war sehr unhöflich von dir zu fragen, du hattest schon zwei. Du hättest nicht fragen dürfen!“
A: „Warum? Niemand wollte es mehr.“
C: „Vielleicht wollte es meine Mutter?“
A: „Warum hat sie es dann nicht gegessen?“
C: „Weil sie höflich ist, im Gegensatz zu dir!“
A: „Dann hätte sie das sagen können!“
C: „Nein, sie ist höflich. Sowas tut man nicht!“
A: „Wtf?“
– Person C ist sehr verärgert und spricht den ganzen Abend nicht mehr mit Person A, mit mir.

Nach einer wahren Begebenheit.

Der aufmerksame Beobachter wird Option 3 bemerkt haben. Um diesem Missgeschick aus dem Weg zu gehen, greife ich beim ersten Nachfragen zu und stelle provokant die Frage: „Das war doch nicht unhöflich, oder?“ Womit ich allerdings diejenigen Personen wieder in die Richtung einer einzig, möglichen Antwort dränge, aber ihnen den Diskurs anbiete – und mein Tun rechtfertigen kann, wenn notwendig. Ich meine es ist Kuchen! Guter Kuchen! Marzipan-Kokos-Kuchen mit cremiger Füllung..

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