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„Black Mirror“, S03E04

Es ist und bleibt wohl das Markenzeichen von Black Mirror, dass man sich 3/4 der Zeit frägt: Worum geht es eigentlich und was zur Hölle ist jetzt so außergewöhnlich, und wann kommt der Twist? Doch nach und nach erahnt man es und gegen Ende lächelt man. Oder auch nicht. Entweder empfängt man die zu Schau gestellten Technologien der nahen Zukunft mit offenen Armen oder sieht sie als Warnung und bekommt Bauchweh.

Lässt sich über eine Black Mirror-Folge schreiben, ohne dass das Erlebnis gespoilert wird? Jein. Zur Sicherheit: Dezente Spoilerwarnung.

Ein Thema, dass sich durch fast alle Folgen zieht, ist die Idee des Mind Uploadings. Wir wissen, dass dies in der Realität nicht funktionieren kann und anstatt „uns selbst“ hoch zu laden, wird lediglich eine Kopie von uns, beziehungsweise unserem Bewusstsein, erstellt. Es ist irreführend zu glauben, dass „wir“ selbst wo hin transferiert werden. In „San Junipero“ funktioniert es. Man stirbt, und „tritt nach dem Tod über“, nennt es „passing“ und verbringt die Ewigkeit in einer virtuellen Realität. Und wenn man möchte, kann man sich löschen und ist weg. Und zig tausende, Millionen von Menschen nehmen an diesem Projekt teil. Fraglich, ob es sich nicht doch um dieselbe Technologie wie in „White Christmas“ (S02E04) handelt.

Worum geht es?

Die junge, introvertierte Yorkie (Mackenzie Davis) trifft in den 1980ern auf die junge, extrovertierte Kelly (Gugu Mbatha-Raw). Sie verbringen eine gemeinsame Nacht zusammen und Yorkie versucht daraufhin Kelly wieder zu finden. Aber ohne Erfolg. Kelly scheint wohl abgereist zu sein. Man ahnt nichts übles, doch erst als die beiden Darstellerinnen trotz des Zahnwechsels, der an Musik, Mode und Filmpostern ersichtlich ist, nicht altern, beginnt der Prozess einzusetzen. San Junipero wirkt wie ein Ferienort, an dem man Urlaub macht, die hiesigen Clubs besucht und eine gute Zeit hat. Stutzig wird man, als sie in einem abgelegenen Rocker-Swinger-Club auf Wes trifft, der sich zuerst mit Kelly getroffen hatte, der meint, sie solle sie doch in einer anderen Zeit suchen: „Seen her in ’80s, the ’90s, 2002 one time.“ Die Zeit ist sowieso knapp bemessen und um 12 Uhr geht das Licht aus. Für alle.

Wenn aktuelle Filme und Serien öfters von Technikkritik geprägt sind, erlaubt „San Junipero“ das Gegenteil. Die virtuelle Realität erinnert an die OASIS („Ready Player One“), mit dem Unterschied, dass die Lebenden nur einmal in der Woche für fünf Stunden dort sein dürfen. Verständlich, denn die Welt ist soviel besser: Man kann sich nicht verletzen und nicht sterben. Aber man kann sich verlieben, streiten und Schmerzen empfinden, im Jahrzehnt seiner Wahl. Und Kelly will nur Spaß haben, und nichts weiter als das.

Kelly: „Uploaded to the cloud – sounds like heaven.“

In der Realität liegt Yorkie seit 40 Jahren im Bett und wird nur mehr durch lebenserhaltende Maßnahmen vor dem Tod bewahrt. Nachdem ihre Eltern sie aufgrund ihrer Homosexualität verstoßen hatten, hatte sie versucht sich umzubringen. Schlimmer aber noch: Diese verweigern ihr die aktive Sterbehilfe, sodass es ihr verwehrt bleibt, ihr Bewusstsein vollständig nach San Junipero zu schicken, um dort zufrieden leben zu können – nachdem sie in der Realität immer noch alles mitbekommt – aber sich nicht regen oder bewegen kann.

Dieses Story-Element finde ich, neben den technologischen Möglichkeiten, einen Blick wert: Es gäbe die Möglichkeit aus dem Leben zu scheiden – aktive Sterbehilfe scheint in dieser Zukunftsvision kein Problem zu sein – und es gäbe die Möglichkeit des Glücks für diese Personen in eben einer virtuellen Realität. Aber aufgrund ihrer Homosexualität wird der Protagonistin dies (von ihrer eigenen Familie) verweigert. Ein großes Kopfschütteln bleibt zurück, besonders, wenn es sich um die nahe Zukunft handelt. Es lässt sich nur zynisch schließen: Technologien verändern sich, Menschen nicht – Technologien ermöglichen Chancen und Menschen nutzen sie zu böswilligen Zwecken. Same old same.

Yorkie verabredet sich mit Kelly in der eigentlichen Realität und nachdem sie beschlossen hatte einen Krankenpfleger zu heiraten, der sie vom Leiden erlösen sollte, springt Kelly kurzerhand ein. Sie heiraten im Krankenhaus, Yorkie wird aus dem Leben entlassen und sie treffen sich in Hochzeitskleidern in San Junipero wieder. The End. It’s a happy ending!

Fazit: „San Junipero“ ist eine beinahe optimistische Folge und veranschaulicht fast zynisch (ruft man sich alle anderen Folgen in Erinnerung) welch positive Nebeneffekte gewisse Technologien, wenn möglich, mit sich bringen könn(t)en. Nein, es ist die einzige Folge, die tatsächlich angenehm ist und keinen Stein im Magen hinterlässt.

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„MindGamers“

Es ist schon einige Zeit her, dass ich diesen Film im Kino besuchte, die Kritik folgt dennoch.

„When you fall, you fall forward.

„Wtf did I just watch? :D“

Hinter mir hörte ich schon die ersten lästern: „Na so an Schmarrn, na so an Blödsinn.“ Insgesamt befanden sich 5 Leute, ein zweier Gespann und drei Einzelpersonen im Kino. Mich selbst fragte man hinter her: „Nach dem schlechten Trailer hast du dir den Film wirklich gegeben?“ Offensichtlich.

Der Film, bestückt mit britischen Schauspielern, die man aus Serien (TWD, The Expanse) kennt und dem etwas bekannteren Namen Sam Neill, ist eine österreichische Zusammenarbeit der Firma Terra Mater und Red Bull. Der Campus der WU durfte als Teilkulisse herhalten.

2014 produziert, erschien er 2015, worauf 2016 gleichnamige Wettbewerbs-Denkspiele, ebenfalls unter der Leitung von Red Bull entstanden, die sehr an Escape Rooms erinnerten. „In ­einer halb analogen, halb digitalen Gaming-Umgebung werden die „Red Bull Mind Gamers“-Finalisten aber nicht nur von Logik-Nüssen gefordert. Sie werden von Enoch auch aktiv mani­puliert und in die Irre geführt“ so ein Artikel auf RedBull.

Die Presse behält recht, wenn sie schreibt, dass irgendwann jeglicher Interpretationsversuch der religiösen Komponenten, von denen man nicht weiß, was man eigentlich halten soll, scheitern muss. Der Film beginnt mit einem Bibelzitat: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“. Der Name des Computers lautet Enoch – jene Figur, die Gott vor ihrem Tode zu sich nahm. Die bleiche Seherin (Antonia Campbell-Hughes, bekannt als Natascha Kampusch in 3096 Tage) trägt Flügel und stürzt sich auf der Suche nach einer weiteren Realität in den Tod, die rothaarige Unbekannte erinnert an Lillith, die Schlange.

Worum geht es: Durch Experimente mit Ratten haben Wissenschaftler einen Weg gefunden, Gehirne miteinander zu verbinden und Fähigkeiten von einem zum anderen zu transferieren. Nun schlagen sie die Quantenbrücke zum menschlichen Geist und stehen kurz davor, alle Menschen in einem gigantischen Netzwerk miteinander verkoppeln zu können. Durch das Zwischenschalten eines Quanten-Computers können Fähigkeiten plötzlich „geteilt“ werden und das bedeutet, dass querschnittsgelähmte Sportler wie Voltaire (Ryan Doyle – Freerunner/Parkour-Weltmeiser mit Film-Debüt) wieder laufen können. Und die Gruppe der Wissenschaftler will das quasi „neurologische WIFI“ allen zu Teil werden lassen. Wäre da nicht eine mysteriöse, rothaarige Frau, die etwas dagegen hätte. Jedenfalls, Quanten! Eine Rezension meinte: „Aber Quanten, das wissen nicht nur Fans von Schrödinger, Plank und Terry Pratchett, machen alles kompliziert.“

Wir kennen diese Technik bereits aus Sense 8. Hier und da schlüpft einer der Protagonisten in den Körper des anderen und ist sofort fähig, seine Talente im fremden Körper zu benutzen. MindGamers zeigt, anders als Sense 8, anhand eines etwas dicklichen und sichtbar unsportlichen Menschen, dass das Vorhaben wohl nicht so einfach umzusetzen ist. Wenn in Sense 8 der große Afrikaner plötzlich die perfekten Skills der kleinen, wendigen Koreanerin beherrscht, wirkt es leider nicht sonderlich überzeugend. MindGamers schafft hier zumindest das, wo Sense 8 schwächelt.

Als Science-Fiction will der Film aber nicht verstanden werden – denn laut der Produzentin Joanne Reay heißt es: „Nichts im Film ist unsere Erfindung, sondern basiert auf Fakten.“ Offenbar waren Leute aus dem Team des Wiener Experimentalphysikers Anton Zeilinger als wissenschaftliche Berater am Film beteiligt.

Zugegeben, man weiß nicht was man sich nach der Sicht von MindGamers denken soll. Ich wurde zumindest gut unterhalten, die ab und an eingesetzten Arthouse/Indie-esken choreographierten Tanz-/und Parkour-Szenen fand ich nett, der symbolträchtige Umstand, dass die Übertragung während eines Tanzes, in der die Paare, fast wie bei einer Hochzeit schwarz und weiß trugen, verkündet wurde, war vielleicht etwas zu viel des ganzen.

Vielleicht mehr verwirrend als hilfreich ist die Tatsache, dass es mehrere miteinander, nicht lineare verbundene Realitäten gibt. Leider wird dieser Tatsache nicht auf den Grund gegangen. Das Ende klärt diesbezüglich etwas auf.

Nachdem ich die eine oder andere Kritik überflogen habe, fand ich jedoch nicht das, wonach ich suchte, nämlich Antworten auf folgende Fragen: Wer war die rothaarige Frau tatsächlich? Und warum stürzten sich die Leute ständig von Dächern? Warum hüpften sie ständig durch die Gegend?

Fazit: Jesus (TWD) spielt mit! Und Naomi (The Expanse)! Und Lucille!

Treffender: „Wer gerne bei Filmen herauspuzzelt, worum zum Teufel es eigentlich geht, könnte noch ein bisschen Spaß haben. Der Rest fragt sich, was das alles soll.“ (warp.robots-and-dragons.de)

Nachlese:

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