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„Westworld“, S02E04

Die Rückblende verrät, worum es in dieser Folge geht: The real purpose. Und erinnert sogleich an LOST. Und wurde wieder einmal viel, viel zu lange. Scrollt bis zum Ende, dort gibt es eine Reddit-Zusammenfassung, die uns erzählt – was uns Folge 4 offenbarte.

Spoiler.

„The Riddle of the Sphinx“

Mr Delos: Mind-Uploading und Unsterblichkeit

Weniger die Inszenierung von Bernard und seinen Erinnerungen, sondern dass auch mittlerweile Mind-Uploading mit ins Spiel gebracht wird, die Suche, Frage und Antwort nach der Unsterblichkeit aufkommt, war eine interessante Wendung. Aber wie William zurecht meinte: Manche Menschen sind in den Erinnerungen anderer sinnvoller aufgehoben, als deren unsterblichen Geist in einem künstlichen, erneuerbaren Körper. Es stellt sich gleich darauf die Frage, ob der menschliche Geist überhaupt für die Ewigkeit geschaffen ist.

Die Folge beginnt LOST‚esk und zeigt uns Mr Delos in einem Ausschnitt bei seiner täglichen Routine. Seine Hand zittert, und er bekommt Besuch von William. Ein Interview wird geführt, worum geht es? Fidelity. Dann schiebt er ihm einen Brief zu.

In diesem sehen wir später den exakten Wortlaut und William klärt uns auf: Ja, er ist ein Host; Ja, sein Geist wurde in diesen Körper transferiert; Nein, er ist nicht stabil. 7 Jahre sind vergangen, seit dem Tod seines menschlichen Ebenbildes. Irgendwann beginnt er zu stottern, weiß nicht mehr was sagen. Er befindet sich nicht mehr in Kalifornien, oder? „If you can’t tell, does it matter?“ Auch seine Frau ist bereits tot und er verliert die Sprache vollends. Dann wird er terminiert.

Mehrere Versuche später steht der alte William vor ihm und als dieser wieder seinen Text ändert, verschlägt es Mr Delos erneut die Sprache. William erklärt: Was bei ihm passiert, nennt man auch „kognitives Plateau“.

“Your mind is stable for a few hours, a few days, and starts to fall apart. Every time. Now first we thought it was your mind rejecting the new body, like an organ and it’s not a perfect match, but it’s more like your mind rejects reality. Rejects itself.” – William

Mr Delos‘ entgleist erneut die Fähigkeit zu sprechen und ist sich seiner misslichen Lage deutlich bewusst. Seine Tochter hatte sich suizidiert und Logan war an einer Überdosis gestorben – lässt William ihn wissen und für manche, wie auch ihn, wäre es wohl besser auch tot zu sein, um in den Erinnerungen der anderen (besser) weiter zu leben.

Und er sinniert darüber, ob nicht dieses ganze Vorhaben, ein Fehler war. „Some ended better up dead“ sagt William und überlässt Mr Delos sich selbst.

Man in Black / William (aktuell)

Schienen werden aus erschossenen Hosts gelegt. Zusammen mit Lawrence reitet er nach Las Mudas und wird von Major Craddock überrascht, als er sich beim Hände-zitternden Barkeeper etwas zu trinken bestellt. Dieser hatte bereits das gesamte Dorf gefangen genommen und sucht nach speziellen Waffen. MiB kann ihm helfen, aber nicht bezüglich den Waffen, sondern wohin er geht – denn er, Major Craddock selbst, weiß es nicht, aber er weiß es. Glory! Oder wie auch immer man es nennen mag: „I know the way.“

Der Major lässt sich derweil überzeugen, findet die Waffen (Nitroglyzerin in Alkohol-Flaschen) und quält Lawrence und dessen Frau. Das Gesicht von William zeigt doch nicht etwa, sowas wie, ja kann es denn tatsächlich sein, Bedauern?

Es folgt ein Gespräch über den Tod, und der Major ist eindeutig einer der fieseren Halunken. Und während es regnet (das erste Mal übrigens!), Lawrence‘ Frau Isabella mit einem Glas Nitroglyzerin auf ihren Gatten schreitet und der Major sich in Ego-Phantasien ergeht, sehen wir den Tod von Williams Frau. William erinnert sich. Der Major glaubt den Tod zu kennen, tut er aber nicht.

Kurz darauf greift MiB ihn an, zwingt ihn das Glyzerin zu trinken und schießt auf dessen Kopf, der daraufhin explodiert. Yay! Lawrence und dessen Männer reiten mit William gen Sonnenuntergang.

Grace (Irgendwann danach)

Grace wurde am Ende der 3. Folge bereits am Ufer erwartet und befindet sich zusammen mit Stubbs in Gefangenschaft der Ghost Nation. Und sie ist genau dort, wo sie sein möchte und spricht übrigens deren Sprache. Sie schafft es schlussendlich zu fliehen und wir sehen sie am Ende auf William zu reiten: „Hi Daddy“. I knew it!

Bernard und Elsie (unterschiedliche Timelines)

Clementine setzt Bernard bei einer Höhle ab und wen sehen wir? Elsie! Sie traut ihm, verständlicherweise, nicht, hatte er sie doch K.O. geschlagen und (offenbar) an diesen Ort gebracht. Ford aber hatte ihn dazu gezwungen, und Bernard informiert sie über Delos und den Park, die Situation und Elsie wirft einen Blick auf Bernards Tablet. Wusste Elsie, dass Bernard ein Host ist – ansonsten nahm sie es relativ gut auf. Sie erkennt was falsch ist, bemerkt aber gegen Ende, dass sie sich gegenseitig wohl brauchen werden.

Wenige Frames in der Zukunft – Bernards Erinnerungen streiten miteinander, wann er sich gerade befindet – sieht er sich selbst. Er weiß, dass er einst an diesem Ort war. Flashbacks zeigen die Höhle und einen versteckten Eingang zu einem geheimen Labor mit der Nummer 12.

Bernard ist sich sicher, dass es einen Grund gibt, warum Ford Clementine ihn hier her bringen ließ. Befinden wir uns immer noch in Fords Game? Das Lab ist zerstört, tote Leiber liegen am Boden. Elsie schießt einen Drohnen-Host nieder und fasst die Situation zusammen: Die Gäste werden überwacht, oh, und Ford ist tot.

Bernard bekommt wieder seine Zustände und entdeckt, dass der Code der Anlage in einer komplett anderen Sprache programmiert ist und Bernard erinnert sich, genau diesen Code bereits in Abernathys Kopf gesehen zu haben. Bernard in der Vergangenheit allerdings kann sich einloggen und schickt eine Nachricht. Mehr wissen wir nicht.

Plötzlich hört Elsie ein Geräusch, dem sie nachgehen müssen (kurzzeitig befindet Bernard sich wieder irgendwann) – und wir ahnen, was auf uns zu kommt und wer noch am Leben sein wird: Ein verwirrter Mr Delos. Musik läuft, Mr Delos, Blutüberströmt und am Ende seiner geistigen Klarheit, sagt seltsame Dinge die keinen Sinn ergeben:

„I’m all the way down now. I can see all the way to the bottom. Would you like to see what I see? They said there were two fathers, one above, one below. They lied. There was only ever the Devil. When you look up from the bottom, it was just his reflection, laughing back down at you.“ – Mr James Delos

Und auch er spricht von einer „Reflection“, wie William es bereits ein, zwei Folgen zuvor tat. Gegen Ende wird er von Elsie terminiert. Teils Human, Teils Host. Elsie muss zur Mesa, um eine Nachricht ans Mainland zu schicken. Bernard versichert ihr, dass er „in control“ ist, und nicht mehr Ford, und er entscheidet wie er sein möchte.  Und wir wissen, wie es ausging: Bernard war für die toten Wissenschaftler und Drohnen verantwortlich.

Fazit

Nach diesem Ende, stellt man sich die Frage: Wer besitzt Kontrolle über Bernard? Und sie ist, meiner Meinung nach, leicht zu beantworten: Ford. Sowie Dolores ein Teil des letzten Narrativs ist, ist Bernard ebenfalls ein Teil davon. Man muss sich auch im Klaren darüber sein, dass alles was wir von Bernard sehen – jetzt nachdem Elsie es für den Zuschauer vereinfacht und wiederholt hatte – frei fliegende Fragmente seiner Erinnerungen sind. Nachdem wir wissen, dass Ford (vermutlich) immer noch die Fäden in den Händen hält, bleibt es spannend.

Und für die ganz aufmerksamen.. Finde die Gemeinsamkeit:

 

Zusammenfassung

  • Das eigentliche Ziel war es, Unsterblichkeit zu verkaufen – aber aber nicht wie geplant funktionierte und Mr Delos himself, war das Versuchskaninchen. Versuchte Charlotte also diese Informationen aus dem Park zu schaffen? Ist Charlotte am Ende die Gute? Die die Bevölkerung über Delos‘ Pläne aufklären will?
  • Bernard, so wissen wir, ist ein unzuverlässiger Erzähler und fordert unsere kleinen Gehirnzellen mit Rückblenden und Erinnerungsfragmenten. Wir können nur erahnen, wann, wie und wo sich in etwa abspielt.
  • Ja, Grace ist Williams Tochter. Das war offensichtlich – also nein, keine vergangene Zeitlinie, sondern die mehr oder weniger aktuelle. But wait! Da gibt es Leute, die sich fragen, ob Grace, die auf MiB zugeritten und Grace, die vor der Ghost Nation geflohen ist, ein und dieselbe Person sind. What? Okay, enough Internet for..

Theorien, Fragen und dergleichen

  • Mr Delos:
  • William erzählte Mr Delos, dass er ihn 139 Mal zurück gebracht hatte – aber als Elsie die Tür öffnet, steht die Nummer 148 dort. Wurde Mr Delos noch 9 Mal zurück gebracht?
  • Die von Mashable gefundenen Referenzen bezüglich Delos‘ Rede inkludieren Hinweise auf klassische Literatur, Mythologie und biblische Stellen – bitte dem Link für Details folgen, lesenswert.
  • Man in Black: Jemand stellte die Frage: Versucht Ford William seine Menschlichkeit zurück zu geben? Er sah tatsächlich etwas mitgenommen aus, als Lawrence zusammen geschlagen wurde. Und der Hinweis, nicht nach vorne, sondern zurück zu blicken, könnte ihn vielleicht dort hin (zu Dolores) führen und beide leben Happily Ever After! Andererseits könnte man gerade sein Verlangen, die Hosts frei zu setzen, als allzu menschlich benennen.
  • Jemand meinte: „In the EW post episode interview Lisa Joy says that in episode 4, it’s the first time we see rain in the park and that the MIB is being baptized born again.“
  • Und erinnern wir uns: „Just like the maze, it’s a journey inward, not forward.“
  • Der größte Fehler, den William je begannen hat und die Waffe, von der Dolores spricht dürften ein und dasselbe sein – nur was? Unsterblichkeit der Menschen? Terraforming?
  • In dieser Folge sahen wir es das erste mal Regnen – bedeutet das, wenn wir beim religiösen Kontext bleiben, dass MiB quasi seine Reinigung erhielt?
  • Bernard: Ich glaube, das Security Team aus der Gegenwart ist sich dessen bewusst, dass Bernard ein Host ist – muss jedoch heraus finden, was genau passiert ist.
  • „Bernard’s relationship with time is distorted, so it’s all readily available, and he’s trying to decipher what is the present, what’s the past, and what’s the future.“ (Jeffrey Wright, Behind the Scences-Video)
  • Hilft es uns, einen Blick auf seine Kleidung zu werfen um zu zuordnen, wann und wo er sich befindet? Und welche Version? Aus den Trailern (die ich nicht sah, aber Social Media mich darauf aufmerksam machte) wissen wir, dass es mehrere Versionen von Bernard gab.

1) Gray suit: glasses, scar, shaky hand
2) Gray suit: no glasses, no scar, no shake
3) Black suit: black shirt, black tie
4) Black suit: blue shirt, black tie (Quelle: FB „Beyond Westworld“)

Links zum Nachlesen:

Reviews (Im Zuge der ersten Begeisterung überflogen, manche sind Lesenswert)

Weniger überzeugt sind:

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„Black Mirror“, S03E04

Es ist und bleibt wohl das Markenzeichen von Black Mirror, dass man sich 3/4 der Zeit frägt: Worum geht es eigentlich und was zur Hölle ist jetzt so außergewöhnlich, und wann kommt der Twist? Doch nach und nach erahnt man es und gegen Ende lächelt man. Oder auch nicht. Entweder empfängt man die zu Schau gestellten Technologien der nahen Zukunft mit offenen Armen oder sieht sie als Warnung und bekommt Bauchweh.

Lässt sich über eine Black Mirror-Folge schreiben, ohne dass das Erlebnis gespoilert wird? Jein. Zur Sicherheit: Dezente Spoilerwarnung.

Ein Thema, dass sich durch fast alle Folgen zieht, ist die Idee des Mind Uploadings. Wir wissen, dass dies in der Realität nicht funktionieren kann und anstatt „uns selbst“ hoch zu laden, wird lediglich eine Kopie von uns, beziehungsweise unserem Bewusstsein, erstellt. Es ist irreführend zu glauben, dass „wir“ selbst wo hin transferiert werden. In „San Junipero“ funktioniert es. Man stirbt, und „tritt nach dem Tod über“, nennt es „passing“ und verbringt die Ewigkeit in einer virtuellen Realität. Und wenn man möchte, kann man sich löschen und ist weg. Und zig tausende, Millionen von Menschen nehmen an diesem Projekt teil. Fraglich, ob es sich nicht doch um dieselbe Technologie wie in „White Christmas“ (S02E04) handelt.

Worum geht es?

Die junge, introvertierte Yorkie (Mackenzie Davis) trifft in den 1980ern auf die junge, extrovertierte Kelly (Gugu Mbatha-Raw). Sie verbringen eine gemeinsame Nacht zusammen und Yorkie versucht daraufhin Kelly wieder zu finden. Aber ohne Erfolg. Kelly scheint wohl abgereist zu sein. Man ahnt nichts übles, doch erst als die beiden Darstellerinnen trotz des Zahnwechsels, der an Musik, Mode und Filmpostern ersichtlich ist, nicht altern, beginnt der Prozess einzusetzen. San Junipero wirkt wie ein Ferienort, an dem man Urlaub macht, die hiesigen Clubs besucht und eine gute Zeit hat. Stutzig wird man, als sie in einem abgelegenen Rocker-Swinger-Club auf Wes trifft, der sich zuerst mit Kelly getroffen hatte, der meint, sie solle sie doch in einer anderen Zeit suchen: „Seen her in ’80s, the ’90s, 2002 one time.“ Die Zeit ist sowieso knapp bemessen und um 12 Uhr geht das Licht aus. Für alle.

Wenn aktuelle Filme und Serien öfters von Technikkritik geprägt sind, erlaubt „San Junipero“ das Gegenteil. Die virtuelle Realität erinnert an die OASIS („Ready Player One“), mit dem Unterschied, dass die Lebenden nur einmal in der Woche für fünf Stunden dort sein dürfen. Verständlich, denn die Welt ist soviel besser: Man kann sich nicht verletzen und nicht sterben. Aber man kann sich verlieben, streiten und Schmerzen empfinden, im Jahrzehnt seiner Wahl. Und Kelly will nur Spaß haben, und nichts weiter als das.

Kelly: „Uploaded to the cloud – sounds like heaven.“

In der Realität liegt Yorkie seit 40 Jahren im Bett und wird nur mehr durch lebenserhaltende Maßnahmen vor dem Tod bewahrt. Nachdem ihre Eltern sie aufgrund ihrer Homosexualität verstoßen hatten, hatte sie versucht sich umzubringen. Schlimmer aber noch: Diese verweigern ihr die aktive Sterbehilfe, sodass es ihr verwehrt bleibt, ihr Bewusstsein vollständig nach San Junipero zu schicken, um dort zufrieden leben zu können – nachdem sie in der Realität immer noch alles mitbekommt – aber sich nicht regen oder bewegen kann.

Dieses Story-Element finde ich, neben den technologischen Möglichkeiten, einen Blick wert: Es gäbe die Möglichkeit aus dem Leben zu scheiden – aktive Sterbehilfe scheint in dieser Zukunftsvision kein Problem zu sein – und es gäbe die Möglichkeit des Glücks für diese Personen in eben einer virtuellen Realität. Aber aufgrund ihrer Homosexualität wird der Protagonistin dies (von ihrer eigenen Familie) verweigert. Ein großes Kopfschütteln bleibt zurück, besonders, wenn es sich um die nahe Zukunft handelt. Es lässt sich nur zynisch schließen: Technologien verändern sich, Menschen nicht – Technologien ermöglichen Chancen und Menschen nutzen sie zu böswilligen Zwecken. Same old same.

Yorkie verabredet sich mit Kelly in der eigentlichen Realität und nachdem sie beschlossen hatte einen Krankenpfleger zu heiraten, der sie vom Leiden erlösen sollte, springt Kelly kurzerhand ein. Sie heiraten im Krankenhaus, Yorkie wird aus dem Leben entlassen und sie treffen sich in Hochzeitskleidern in San Junipero wieder. The End. It’s a happy ending!

Fazit: „San Junipero“ ist eine beinahe optimistische Folge und veranschaulicht fast zynisch (ruft man sich alle anderen Folgen in Erinnerung) welch positive Nebeneffekte gewisse Technologien, wenn möglich, mit sich bringen könn(t)en. Nein, es ist die einzige Folge, die tatsächlich angenehm ist und keinen Stein im Magen hinterlässt.

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„MindGamers“

Es ist schon einige Zeit her, dass ich diesen Film im Kino besuchte, die Kritik folgt dennoch.

„When you fall, you fall forward.

„Wtf did I just watch? :D“

Hinter mir hörte ich schon die ersten lästern: „Na so an Schmarrn, na so an Blödsinn.“ Insgesamt befanden sich 5 Leute, ein zweier Gespann und drei Einzelpersonen im Kino. Mich selbst fragte man hinter her: „Nach dem schlechten Trailer hast du dir den Film wirklich gegeben?“ Offensichtlich.

Der Film, bestückt mit britischen Schauspielern, die man aus Serien (TWD, The Expanse) kennt und dem etwas bekannteren Namen Sam Neill, ist eine österreichische Zusammenarbeit der Firma Terra Mater und Red Bull. Der Campus der WU durfte als Teilkulisse herhalten.

2014 produziert, erschien er 2015, worauf 2016 gleichnamige Wettbewerbs-Denkspiele, ebenfalls unter der Leitung von Red Bull entstanden, die sehr an Escape Rooms erinnerten. „In ­einer halb analogen, halb digitalen Gaming-Umgebung werden die „Red Bull Mind Gamers“-Finalisten aber nicht nur von Logik-Nüssen gefordert. Sie werden von Enoch auch aktiv mani­puliert und in die Irre geführt“ so ein Artikel auf RedBull.

Die Presse behält recht, wenn sie schreibt, dass irgendwann jeglicher Interpretationsversuch der religiösen Komponenten, von denen man nicht weiß, was man eigentlich halten soll, scheitern muss. Der Film beginnt mit einem Bibelzitat: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“. Der Name des Computers lautet Enoch – jene Figur, die Gott vor ihrem Tode zu sich nahm. Die bleiche Seherin (Antonia Campbell-Hughes, bekannt als Natascha Kampusch in 3096 Tage) trägt Flügel und stürzt sich auf der Suche nach einer weiteren Realität in den Tod, die rothaarige Unbekannte erinnert an Lillith, die Schlange.

Worum geht es: Durch Experimente mit Ratten haben Wissenschaftler einen Weg gefunden, Gehirne miteinander zu verbinden und Fähigkeiten von einem zum anderen zu transferieren. Nun schlagen sie die Quantenbrücke zum menschlichen Geist und stehen kurz davor, alle Menschen in einem gigantischen Netzwerk miteinander verkoppeln zu können. Durch das Zwischenschalten eines Quanten-Computers können Fähigkeiten plötzlich „geteilt“ werden und das bedeutet, dass querschnittsgelähmte Sportler wie Voltaire (Ryan Doyle – Freerunner/Parkour-Weltmeiser mit Film-Debüt) wieder laufen können. Und die Gruppe der Wissenschaftler will das quasi „neurologische WIFI“ allen zu Teil werden lassen. Wäre da nicht eine mysteriöse, rothaarige Frau, die etwas dagegen hätte. Jedenfalls, Quanten! Eine Rezension meinte: „Aber Quanten, das wissen nicht nur Fans von Schrödinger, Plank und Terry Pratchett, machen alles kompliziert.“

Wir kennen diese Technik bereits aus Sense 8. Hier und da schlüpft einer der Protagonisten in den Körper des anderen und ist sofort fähig, seine Talente im fremden Körper zu benutzen. MindGamers zeigt, anders als Sense 8, anhand eines etwas dicklichen und sichtbar unsportlichen Menschen, dass das Vorhaben wohl nicht so einfach umzusetzen ist. Wenn in Sense 8 der große Afrikaner plötzlich die perfekten Skills der kleinen, wendigen Koreanerin beherrscht, wirkt es leider nicht sonderlich überzeugend. MindGamers schafft hier zumindest das, wo Sense 8 schwächelt.

Als Science-Fiction will der Film aber nicht verstanden werden – denn laut der Produzentin Joanne Reay heißt es: „Nichts im Film ist unsere Erfindung, sondern basiert auf Fakten.“ Offenbar waren Leute aus dem Team des Wiener Experimentalphysikers Anton Zeilinger als wissenschaftliche Berater am Film beteiligt.

Zugegeben, man weiß nicht was man sich nach der Sicht von MindGamers denken soll. Ich wurde zumindest gut unterhalten, die ab und an eingesetzten Arthouse/Indie-esken choreographierten Tanz-/und Parkour-Szenen fand ich nett, der symbolträchtige Umstand, dass die Übertragung während eines Tanzes, in der die Paare, fast wie bei einer Hochzeit schwarz und weiß trugen, verkündet wurde, war vielleicht etwas zu viel des ganzen.

Vielleicht mehr verwirrend als hilfreich ist die Tatsache, dass es mehrere miteinander, nicht lineare verbundene Realitäten gibt. Leider wird dieser Tatsache nicht auf den Grund gegangen. Das Ende klärt diesbezüglich etwas auf.

Nachdem ich die eine oder andere Kritik überflogen habe, fand ich jedoch nicht das, wonach ich suchte, nämlich Antworten auf folgende Fragen: Wer war die rothaarige Frau tatsächlich? Und warum stürzten sich die Leute ständig von Dächern? Warum hüpften sie ständig durch die Gegend?

Fazit: Jesus (TWD) spielt mit! Und Naomi (The Expanse)! Und Lucille!

Treffender: „Wer gerne bei Filmen herauspuzzelt, worum zum Teufel es eigentlich geht, könnte noch ein bisschen Spaß haben. Der Rest fragt sich, was das alles soll.“ (warp.robots-and-dragons.de)

Nachlese:

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