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„Timeless“, S01E02

Ich wusste gar nicht, wie amüsant die Serie ist und wie sehr sie mich zum bloggen animiert. Nun, dann werde ich diesem Drang Folge leisten:

War es in der ersten Folge der Zeppelin Hindenburg, der am 6. Mai 1937 38 von 97 Menschen mit in den Tod riss, nicht aber einen Rockefeller und andere, für nord-amerikanische Geschichte wichtige Gestalten, ist es jetzt der Mord an Abraham Lincoln.

Hat sich die Lebensgeschichte der anderen auch verändert? Nur drei Reisende können sich an die Vergangenheit erinnern, sowie an ihr altes Leben. Lucy ist bestürzt über den Verbleib ihrer Schwester, die nie geboren wurde, trägt aber deren Bild bei sich, welches die Reise durch die Zeit unverändert überstanden hatte. Offenbar unterliegen Dinge, die in der Kapsel mitgenommen werden, nicht den Veränderungen, die durch Zeitreisen entstehen können – was logisch klingt. Warum wird ihnen dann nicht ab sofort ein Geschichtsbuch mitgegeben, so zur Dokumentation? Vielleicht wollen sie das auch gar nicht?

Dafür ist offenbar keine Zeit, man gibt Lucy nicht einmal eine Minute um zu trauern, denn sie müssen los. Jetzt. Und just als der Civil War beendet ist, kommen sie an. Es stellt sich die Frage, was will der zwielichtige Geselle Flynn? Die USA zerstören wie wir sie kennen? Gekleidet in Reenactment-Uniformen – man frägt sich, warum ein solches Unternehmen nicht ausreichend finanzielle Mittel für Recherche und Hardware zur Verfügung hat um adäquate Uniformen bereit zu stellen, oder diese zumindest Idiotensicher zu gestalten – wird Rufus von seinem Ur Ur Ur Opa erkannt, der ihn sogleich als Fake entlarvt. Lucy trifft derweil auf den Sohn von Präsident Lincoln, dessen Zug durch mysteriöse Hand außer Kraft gesetzt wurde und Wannabe-Eyecandy Wyatt wird in einer Schießerei verletzt.

Flynn, der dunkle Bösewicht, lässt Lucy wissen, dass nicht nur sie ihre Schwester, sondern er auch seine Familie verloren hat. Und nein, er versucht nicht Amerika zu zerstören, sondern zu retten! Und eines Tages wird sie ihm helfen, dass sei keine Drohung, sondern ihre Zukunft. Und was habe Rittenhouse damit zu tun? Nicht er, sie! Plural.

Der Zuschauer stellt sich unmittelbar die Frage: wie viel von der Vergangenheit wie wir sie kennen ist wahr? Wie viel wurde schon geändert und ist Trump das Resultat von Zeitreisenden, die irgendwas in der Vergangenheit verkackt haben? Marty, Marty! We have to go back!

Und während alle eine Aufgabe besitzen die jeweiligen und wichtigen Staatsmänner zu retten, auf welche es Flynn abgesehen hat, trifft Lucy auf den Präsidenten, und sie weiß, dass er sterben muss – auch wenn es ihr das Herz bricht. Flynn schlägt den eigentlichen Assassin, den Schauspieler John Wilkes Booth nieder und macht es selbst. Aber alles ereignet sich wie die Geschichte es bereits geschrieben hat, die Staatsmänner können gerettet werden, Rufus trifft erneut auf seine Verwandten und rät ihnen nach Norden zu gehen, nicht in den Süden.

Eigentlich ist es eine tragische Geschichte: So nah dabei zu sein und nichts tun zu können, und dann wäre da noch die fast-Romanze mit dem Sohn des Präsidenten gewesen in einer Zeit, in welcher es weder Verhütungsmittel noch ordentliche Hygiene gab. Die Geschichte änderte sich dahin gehend, dass Lincolns Mörder nun ein Unbekannter ist, und nach Juliette Shakesman – eine Schauspielerin für die sich Lucy ausgegeben hatte, die nie wieder gesehen ward und den General gerettet hatte – wurde eine High School benannt.

Die Verschwörung beginnt Gestalt anzunehmen, als Jiya (eine Mitarbeiterin), die ihr angeboten hatte, Recherche zu betreiben, heraus findet, dass Lucys Eltern sich in dieser Zeit nie getroffen hatten und somit ihre Schwester nie geboren werden konnte. Aber warum ist sie am Leben? Weil es nicht ihre Eltern sind!

Die Folge endet mit der Verlobungsfeier.

Bemerkungen

  • Zeitreiseparadoxon: Während man in der Kapsel ist oder in der Vergangenheit herum geistert, lebt man trotzdem – auch wenn der Vater deines Vaters nie geboren wurde? In diesem Falle müssten Zeitreisen eine Art Loop sein, der sich mit jedem Sprung in die Vergangenheit neu aufrollt. So gesehen machen Zeitreisen tatsächlich irgendwie, vielleicht, in irgendeiner Art Sinn? I want to go to there!
  • Erneut: Man kann also Dinge, wie ein Geschichtsbuch, wie es einst geschrieben wurde, mitnehmen, folgend den Verlauf der Geschichte ändern und man hat alles dokumentiert? Das klingt interessant und nützlich. Warum nehmen sie zu Dokumentationszwecken kein Geschichtsbuch mit? Ich verstehe diese unfassbare Fahrlässigkeit nicht. Oder wäre es eher Fahrlässig solche Dinge mitzunehmen?
  • Die Sache mit dem Zeitreisen wurde übrigens wieder einmal mit dem gerollten Blatt Papier demonstriert und man darf sich auch selbst nicht begegnen. Es gibt offenbar doch gewisse Konstanten und Regeln, die auch bei Zeitreisen nicht überschritten oder verletzt werden dürfen. Warum eigentlich? Warum darf man sich selbst nicht begegnen? Nähme man eben genannten Loop her, wäre es doch wirklich egal, begegnete man sich selbst nochmal.
  • Lustig jedoch, dass jene Menschen, die in der Zeitreise-Firma angestellt sind, es auch danach sind und genau wissen, was passiert und was zu tun ist, obwohl sich Dinge veränderten, gravierende, wie bei Lucy beispielsweise, deren Schwester nicht existiert und die Mutter nicht an Lungenkrebs erkrankt ist. Oder sind es Leute aus der Zukunft? Dann ergäbe es Sinn. Aber so?
  • Erneut: Warum werden die Uniformen nicht besser geprüft? So ein großes Unternehmen muss doch die finanziellen und menschlichen Ressourcen aufbringen können, um richtige Uniformen anfertigen zu lassen und ordentliche Recherche zu betreiben? Wie wäre es mit einer Zeitreiseserie die alles durchdenkt? Vermutlich liegt es tatsächlich an der zeitlichen Knappheit.

Und hier vielleicht noch etwas nützliches:

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„Timeless“, S01E01

Während ich kränklich dahin vegetiere (das erste Mal seit langem wieder mal), sprang mir bei einem Streifzug durch Netflix eine Serie ins Auge, die ich zunächst hämisch und desinteressiert in Punkten zerreißen wollte, um gegen Ende der ersten Folge zu bemerken: Okay, sie könnte tatsächlich interessanter sein als gedacht. Auch wenn Logik-Fehler ein dominierendes Element darstellen.

Die Rede ist von Timeless. Eine Serie über Zeitreisen. Ausgestrahlt von NBC und produziert von Sony, startete die erste Season bereits 2016 und durchlebte 2017 ein ähnliches Drama wie The Expanse aktuell. NBC kündigte den Vertrag, nur um drei Tage später grünes Licht für zehn weitere Episoden zu geben. Ob eine dritte Season das Licht der Welt erblicken darf, darüber weiß man noch nichts.

Timeless wirkt im ersten Moment wie eine Art amerikanischer Doctor Who-Verschnitt. Die Zeitreisekapsel ist keine Notrufzelle der 60er, sondern eine Kugel, die mich an Wheatley (Portal 2) und das Geringe aus Contact erinnerte.

Die Hauptdarstellerin Abigail Spencer (Geb. 1981) ist sympathisch und vor allem schlagfertig geschrieben, denn zu Beginn stellt sie die richtige Frage: Warum würde jemand sowas wie eine Zeitmaschine erschaffen, wenn dadurch die Zukunft verändert werden könnte? Ja, warum eigentlich? Diesen Umstand erfährt sie bereits in der ersten Folge am eigenen Leib, als sie in der alternativen Welt nicht mehr single, sondern verlobt und ihre Mutter nicht an Lungenkrebs erkrankt ist, während ihre Schwester nie geboren wurde.

Wer sind die Protagonisten?

Lucy Preston ist Historikerin, eine gute offenbar, denn sie wird auserwählt zu konsultieren und begleiten – und weiß sie vieles. Was zwar etwas unrealistisch ist, da Historiker meistens ihre eigene Periode beherrschen, ein Teilgebiet davon und einen wirklich minimalen Zeitabschnitt besonders gut, aber nicht die gesamte Weltgeschichte auswendig kennen. Oder doch?

Der männliche Counterpart ist mühsam: Ein Soldat, der Befehle verweigerte um eine Journalistin zu retten, die exakt wie seine verstorbene Frau aussieht, die er ebenfalls nicht retten konnte. Seine Aufgabe ist es, den Bösewicht, der das Mutterschiff gestohlen sowie den Projektleiter gekidnappt hatte, zur Strecke zu bringen. Ich notierte mir: „handsome beauty cupcake wannabe eyecandy“ – da entscheide ich mich eher für den Gegenspieler: Flynn. Ein dunkler Zeitgenosse der Lucy kennt, ihr Notizbuch bei sich hat und sie vor den Menschen warnt, mit und für die sie arbeitet und ihr rät, deren Motivationen zu hinterfragen, warum gerade sie auserwählt wurde. Und da wäre noch Rufus, Afroamerikaner und Pilot der Zeitkapsel, der die beiden Neuankömmlinge ausspionieren soll.

Soweit so gut.

Bemerkungen:

  • Study History and you might get choosen for time travel!
  • We can’t change anything, nicht einmal hübsche Journalistinnen am Leben lassen.
  • Sent a black man back in history? Warum? Weil sich anhand dessen Rassismus durch alle Zeiten aufzeigen lässt, beziehungsweise ein weiteres Konflikt-Potential zur Verfügung hat. Allerdings gefiel mir die Doctor’sche Variante via Bill besser.
  • Und jetzt wissen wir auch, wozu die lästigen, zwickenden Bügel in modernen BH da sind: Um Schlösser zu knacken. Ich hätte in diesem Falle Pech gehabt: meine BHs sind Bügellos, auch trage ich keine Haarnadeln. Wäre ich die Auserwählte gewesen, hätte der Ausbruch nicht funktioniert.
  • Kümmert sich eigentlich wer um die Sicherheitsvorkehrungen – auch wenn es ein Notfall ist? Sie trägt einen modernen BH, er bringt eine moderne Waffe mit. Ich meine… das ist grob fahrlässig und könnte den Lauf der Geschichte noch drastischer verändern, als deren Auftauchen und Eingriff es sowieso schon täte! Seriously..

Fazit: Ich kann die Absetzung durchaus nachvollziehen, trotzdem muss man der Serie ein gewisses Unterhaltungspotential zugestehen, die auf eine Antwort nach der Frage drängt: Was sind die Motivationen des Bösewichts? Warum? Und sind Fahrlässigkeit und verantwortungsloses Handeln Teil der Geschichte? Ergibt am Ende doch alles Sinn?

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„The End of the fxxxing World“ vs. „Everything sucks“

Während Everything sucks krampfhaft versucht den nie dagewesenen Glanz der 90er Jahre in Bild und Ton zu fassen, aber dabei nur ein wirres Konglomerat der 1990er zusammen stückelt, wirkt The End of the fxxxing World (wohl eher) unfreiwillig wie ein 90er Jahre Teenager-Epos, dass sich neben seinem herrlich schwarzen und britischen Humor, auch durch die vollständige Abstinenz moderner Technologien auszeichnet. Keine Smartphones, kein Internet, alte Autos und längst vergessene Telefonzellen. Mir gefällts.

Sicherlich lassen sich die beiden Serien nur bedingt miteinander vergleichen: die grundlegende Stimmung unterscheidet sich gewaltig (schwarzhumorig und düster vs. gewollt lustig und bunt) so auch der Cast. Sind es bei The End of the fxxxing World nur zwei Teenager, versucht Everything sucks auf eine Mehrzahl junger Protagonisten und deren Eltern einzugehen – was aber vielleicht die einzige Stärke der Letztgenannten ist. Und nicht zuletzt, die angesetzte Zeit: 1990er vs. 2010er.

The End of the fxxxing World

Gleich in der ersten Szene wird das Smartphone auf die hinteren Plätze verwiesen. Alyssa erhält eine Nachricht von ihrer Freundin die ihr gegenüber sitzt, steht auf und wirft ihr Smartphone demonstrativ auf den Boden. Sie tritt nochmal drauf und entschließt sich, neue Freunde zu suchen: Ihr Auserwählter: Der seltsame James. James, der glaubt ein Psychopath zu sein, weil er nichts fühlt und schon allerhand Lebewesen auf dem Gewissen hat. James, der das Gefühl hat, dass es nun doch Zeit wird, für etwas größeres. Sein Opfer: Alyssa.

Anhand der Beschreibung bei Netflix hätte mich die Serie wohl noch weitere Monate nicht interessiert. Sie las sich banal (Mädchen ist in einen Jungen verliebt, der sie töten will) und konfus. Erst die positive Reaktion Madame (8)s, ließ mich neugierig werden. Und bereits ab der ersten Folge war ich verliebt. Verliebt in die beiden Charaktere, verliebt in den düsteren, morbiden Ton der Serie, die genau meinen Geschmack traf.

The End of the fxxxing World erinnert an Bonnie und Clyde, erinnert an Teenanger, die einfach keine Lust mehr haben und ihr eigenes Ding machen, verzichtet auf moderne Technologien und besinnt sich wieder auf das, was wichtig ist: Zwischenmenschliche Kommunikation, Nähe und Reflexion.

Everything sucks

Everything sucks wäre gerne eine leicht bekömmliche Serie über Teenies im Jahre 1996 und schmeißt alles, was irgendwie mit den 90ern zu tun hatte, ziel- und wahllos ins Geschehen. Zugleich nerven die Kids, besonders Luke, der eine (vermutlich) unbeabsichtigte aber durchaus gelungene Hommage an Dawson Leery ist. Wir kennen Dawson, den Film-Freak (so auch Luke) aus Dawson’s Creek und hassten ihn. Wir hassten sein Jammern und sein ständiges Mimimi. Alles was Dawson tat und sagte, passierte aus Egoismus heraus. So auch bei Luke. Immer geht es um ihn, was er für Kate tut, damit er mit ihr zusammen sein kann. Er versucht sie ständig davon zu überzeugen, wie toll es doch sei, wenn sie sich für ihn entscheidet – und ignoriert aber dabei komplett ihre Gefühle und Meinung. Im Gegenteil, er wird sogar wütend, wenn sie sagt, was sie denkt.

Lediglich Kate und die eigene Empathie den Eltern gegenüber motivieren die Serie bis zum Ende zu schauen. Madame (8) gab allerdings nach 5 Folgen auf. Dass wir Sympathie mit den Eltern empfinden, hat nichts damit zu tun, dass wir erwachsen sind und Arielles Vater Recht geben würden, wenn dieser sagt: „Aber du kennst ihn doch nicht!“ – „Daddy, ich bin kein Kind mehr!“ Und wir: „Doch, bist du!“ Sondern, dass diese Charaktere, im Gegensatz zu den nervigen Teenies, allen voran Luke, gefolgt vom Drama-Club, authentisch und ehrlich sind – auch wenn sie sich zeitenweise genau so dämlich aufführen.

Wenn etwas wirklich seltsam ist, so ist es der Drama-Club: Motivierte, engagierte und extrovertierte Schüler, die Szenen in der Cafeteria zum Besten geben und über die, die Film- und Musikgeschichte der 90er beliebig drüber gestülpt werden kann. Emaline erinnert zunächst an Courtney Love, kurz darauf an Gwen Stefanie und in der nächsten Folge trägt sie Converse. Sicherlich Humorvoll gemeint und vielleicht auch eine Hommage an gewisse mediale Fixpunkte und trotzdem fehlt etwas, denn es bleibt ein „Okay…“ zurück und kein „Omg! Weißt noch! Wie cool!“ Nein.

Fazit

Ja, die Easter-Egg-Kultur hat längst ihren Zenit erreicht. Nicht jede Szene hat es nötig, an irgendwas von früher erinnern zu müssen. Everything sucks erweckt den Eindruck, auf Zwang und Teufel komm raus zeigen zu wollen, wie toll es doch war. Und wie anders. Vielleicht war es in Nordamerika so, aber ich bezweifle das. Die medialen 1990er, die gezeigt werden, driften viel zu schnell in Klischees ab und beinahe könnte die Serie als Satire durchgehen, was aber durch die ehrlichen und ernsten Momente leider vereitelt wird.

Während Everything sucks eine nervige Teenie-Serie mit Dawson-Charakter ist, wurde mit The End of the fxxxing World hingegen ein Meisterwerk geschaffen, dass man sich gerne auch ein zweites Mal ansieht. Ich glaube, ich habe das Ende noch immer nicht verkraftet.

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„GLOW“, Season 1

Als man mich vor drei oder vier Monaten fragte, ob ich bereits GLOW gesehen hätte, verneinte ich. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine Serie über Frauenwrestling mit grellen Kostümen (denn das zeigte das Vorschaubild) tatsächlich sehenswert sein könnte. Was war ich naiv und dumm und einfältig und ignorant.

Wer also immer noch zögert und sich nicht sicher ist, den kann ich beruhigen: Diese fünf Stunden sind gut investiert. Um sich für GLOW zu begeistern, muss man kein Interesse für Wrestling aufbringen, denn die Hauptakteure tuns genau so wenig. Und genau so wenig steht Wrestling im Zentrum der Serie, sondern bietet lediglich einen, wenn auch etwas ungewöhnlichen Rahmen für zwischenmenschliche Beziehungen, Satire, Kritik und Amüsement.

Worum geht es?

Im Mittelpunkt steht mit Ruth eine erfolglose Schauspielerin, die immer dann einem Produzenten vorgeschlagen wird, wenn dieser nach einer starken, unabhängigen Frau sucht, nur um ihm bewusst zu machen, dass er das eigentlich nicht will. Schon die ersten Dialoge sind bissig, aber nicht aufdringlich.

Ruth landet schlussendlich bei einem Casting für eine Frauenwrestling-TV Aufzeichnung. Der Regisseur mit Schnauzer mag sie nicht und möchte eigentlich nur seine Postapokalyptischen Trash-Horrorfilme drehen (Willkommen im letzten Jahrzehnt der ordentlichen B-Movies!). Als Ruths beste Freundin Debbie, die den anderen Darstellerinnen bereits aus dem TV bekannt ist, wütend auftaucht die kurze Affäre ihres Mannes mit Ruth flog auf) und sie sich im Ring ein Gefecht abliefern, ist er Feuer und Flamme für die blonde Heroine und sieht bereits Good versus Evil, Blond vs. Brünette im Ring. USA vs. Soviet Union. Kapitalismus vs. Kommunismus! Freiheit vs. Zwangsarbeit!

Kritik und Spoiler

Die Serie spielt im Jahre 1985 – was in diesem Falle aber dank Mode und vor allem der Sportbekleidung wegen für einen zusätzlichen Fun- und WTF-Faktor sorgt. Und nicht nur dass, auch die politische Weltlage lässt sich hervorragend integrieren, ohne jedoch die Story selbst unter deren Schatten zu begraben. Sie lässt sich nutzen, um Rassismus anzusprechen und andererseits die wahnwitzigen Mittel zur Effekthascherei im Showbiz zu verdeutlichen, ohne aber dabei auf Humor zu verzichten.

Die Macher, die u.a. für Orange is the new Black tätig sind, dokumentieren in gewohnter Manier neben realistischen Frauenkörpern, die unangenehmeren oder die sonst in den Medien tabuisierten Nebenaspekte des Frauendaseins, ohne aber besonders Gewicht darauf zu legen, sie ins Lächerliche zu ziehen oder den Anlass für einen derben Witz zu nutzen. Sie sind da. Es wird darüber geredet. That’s it. Wie im realen Leben.

Im Wrestling-Team angekommen, werden die jeweiligen Typen als extrem inszenierte Stereotype verkauft – was in der aktuellen Filmwelt nach wie vor Norm ist und die Frage bzw. den Disput zwischen Sichtbarkeit via Typecasting und stereotyper Darstellung aufwirft und nicht eindeutig beantwortet werden kann.

So wird die indisch-amerikanische Medizinstudentin zu „Beirut“, eine Terroristin und bekommt (unglücklicherweise, denn zeitgleich spielt sich das Geiseldrama von Beirut ab) den entsprechenden Blacklash. Eine gewichtige Afroamerikanerin wird zur „Welfare-Queen“ (Fun Fact: Kia Stevens ist tatsächlich Wrestlerin („Amazing Kong“)) und dient damit zur Personifikation der Rassenhetze zur Reagan-Ära. Die britische Rhonda wird „Britannica“, die klügste Frau der Welt und Vietnamesin Jenny wird zu „Fortune Cookie“. Zwar greift man sich immer wieder über die Dreistigkeit an den Kopf, erkennt aber auch die Kritik und Satire dahinter, die sich immer wieder ergänzen und muss, zugegeben, im Nachhinein lächeln.

Ein Plus gibt es auch für Frauensolidarität. Als Rhonda bemerkt, dass eine der jüngeren in den Regisseur verliebt ist (kennt sie doch all seine Filme und ist interessiert mit ihm zu sprechen) und er Rhonda frägt, was er denn nun tun solle, sagt sie: Sei nett. Gib ihr Aufmerksamkeit. Ebenso wird die zerbrochene Freundschaft zwischen Ruth und Debbie thematisiert, die sich zwar sehr wohl „anbitchen“, aber im entscheidenden Moment miteinander arbeiten. Auch dem „Kampf um den Mann“ interessiert niemanden, denn nachdem die Affäre beendet ist, zieht sich Ruth zurück; niemand streitet sich um den Regisseur oder den Produzenten und auch der Vater von Carmen, der selbst Wrestler ist, steht seiner Tochter gegen Ende doch unterstützend zur Seite.

„It’s a show about finding your voice and not letting yourself be put in a box, and it’s worth noting that GLOW, which isn’t quite a comedy and isn’t exactly a drama, has unconventional episodic running times of between 29 and 35 minutes. Trim to conform to traditional comedy running time and characters suffer.“ (hollywoodreporter.com)

Fazit: Definitiv Sehenswert!

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„Taboo“, Season 1

Wenn Schauspielern eine gewisse Rolle liegt, oder sie diese gerne spielen und sie die Möglichkeit bekommen, eine Serie mit zu produzieren und maßgeblich an der Story beteiligt sind, dann kommt im Normalfall das heraus, was man sich erwartet: Tom Hardy als unerschrockener Anti-Held auf Rachefeldzug im 19. Jahrhundert.

James Keziah Delaney, Hauptakteur mit klingendem Name, scheint – zumindest so meine Empfindung – eine Mischung aus Mr. Heathcliff (Wuthering Heights), John Fitzgerald (The Revenant) und Edmond Dantes (Der Graf von Monte Christo) zu sein. Er ist ein gebrochener Mann mit Hang zur Mystik und verantwortlich für ein Unglück, dass ihn nach wie vor verfolgt. Offenbar sieht er die Toten und kann, dank seines Aufenthaltes in Afrika (man erfährt nicht viel darüber) auch die eine oder andere Fernwirkung erzielen.

Taboo schlägt, neben einer gewissen Nähe zu Frontier, auch eine ähnliche Richtung wie der Roman von Alexandre Dumas ein. Quasi aus dem Nichts heraus, aber von Albträumen geplagt (wir erfahren, warum und wieso), kehrt er (mehr oder weniger) vermögend um 1814 nach England zurück um Rache zu nehmen. Im Mittelpunkt seines Feldzuges steht Sir Stuart Strange (gespielt von Jonathan Pryce, auch bekannt als High Sparrow), Chairman der East India Company und Hüter des einen oder anderen Geheimnisses. Daneben gibt es eine unglückliche Liebschaft und doch, wenn man so will, Gerechtigkeit. Denn Delaney ist zwar hart, aber fair und gerecht. Seht selbst warum.

Soviel zur Spoilerfreien Einführung.

Frauendarstellung, Spoiler

Als Mittel zum Zweck dient seine Halbschwester/ehemalige Freundin Zilpha Geary, mit welcher er einen unehelichen Sohn gezeugt hatte (irgendwas muss ja der Namensgebung „Taboo“ gerecht werden) und welche mittlerweile verheiratet ist. Zu Beginn wird klar, die Gefühle die beide füreinander hegen sind zwar stark aber verdammt. Via Voodoozauber bringt Delaney sie eines Nachts zur sexuellen Erregung, woraufhin ihr Mann sie von einem Exorzisten „heilen“ lässt, sprich sexueller Belästigung und psychischer Folter aussetzt. Zilpha tötet daraufhin ihren Mann und sucht Schutz bei Delaney, der sie zwar liebt, aber nicht mit nach Amerika nehmen kann. Er beseitigt die Leiche und sie bekommt ein paar Diamanten. Kurz gesagt, der Love-Interest, verantwortlich für Inzest, etwas Tragik und einen Bastard und die sich gegen Ende suizidiert um zu Gott zu finden. Wait, what? Der Sinn dieser Rolle entschließt sich mir nicht ganz, außer um des tragischen und Tabubrechenden Elementes vielleicht?

Etwas positiver bleibt die Frau seines verstorbenen Vaters, Lorna Bow, in Erinnerung. Sie beansprucht das Haus für sich, wird aber nach und nach seine Gehilfin. Natürlich entwickelt sie ein gewisses Interesse welches unerwidert bleibt, wird aber auch zu einem wichtigen Pfeiler – in seinen, so glaubt man, durchdachten Plänen oder zumindest wird sie miteinbezogen und darf, gemeinsam mit ein paar Huren, mit nach Amerika. Unfortunately, wird sie auf dem Weg angeschossen. Ich fände es schade, wenn sie in der zweiten Season nicht mehr dabei sein sollte.

Generelle Darstellung? Taboo dreht sich eben um die Rache eines Mannes, da haben Frauen wenig Platz, und die Geschichte will auch nicht von den Frauen erzählen. Es gibt da noch seine Mutter, die sein Vater aus Amerika mitgebracht (=gekauft), die geistig krank war und sein Vater sie deswegen ins Irrenheim gebracht hatte. Sie taucht wiederkehrend in Delaneys Visionen und Träumen auf.

Kritik

Immer wieder wundert man sich, wie das eine in das andere greifen kann und ob alles geplant ist, was vor sich geht. Denn irgendwie muss es so sein; Delaney muss alles durchdacht haben oder zumindest sehr kreativ sein, um Missgeschicke so einzufädeln, dass sie gegen Ende zu seinem Vorteil ausgespielt werden können. Er muss ungeheures Wissen von Zeitpunkt, Ort und Menschen besitzen. Und da schwächelt die Serie, denn nichts bringt Delaney aus seiner Ruhe oder in unkontrollierte Rage. Nur seine Albträume bezeugen den inneren Kampf, den er stetig mit sich trägt. Und klassisch, konstanter Alkoholmissbrauch.

Trotzdem: Auf der einen Seite steht der trunkene Rächer, der sich prügelt und mordet und Frauen droht, auf der anderen Seite gehen seine Pläne auf, er ist gerecht und zum Schluss nimmt er jene, die ihm Loyal zur Seite standen, mit nach Amerika. Was sich zwar nicht widerspricht, aber in der Darstellung, wie Tom Hardy Delaney spielt, auch nicht wirklich zusammen passt. Es wirkt unstimmig und gestaltet sich somit schwierig, dem Charakter zu folgen oder ihn in greifbare Nähe zu rücken.

Die Geschichte wurde um einen Charakter gesponnen, der einerseits eindeutig „dirty“ ist, aber auf der anderen Seite fair, also irgendwo auch „clean“ präsentiert wird; sich aber nicht so gibt und dadurch vermutlich zusammen mit Tom Hardys Inszenierung ungreifbar, unstimmig und oft auch unrealistisch wirkt. Vielleicht sind es die Missgeschicke, die zwischendurch passieren – und auf die Delaney immer eine Antwort parat hat. Who knows. Ich jedenfalls hatte meine Schwierigkeiten und noch fehlen mir die passenden Worte.

Kaum wieder zu erkennen ist Mark Gatiss als Prince Regent. Neben Tom Hardy mit seltsamen Hut, darf Tom Hollander für Amüsement sorgen (überwiegend aus dem Theater bekannt, aber man erinnert sich an Mr. Collins aus Pride and Prejudice).

Aktuell wird eben an der zweiten Season geschrieben.

Für Interessierte

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Netflix‘ „Bright“

„Ich hätte Lust auf eine Serie“ dachte ich mir und drückte auf play. Etwas nach der Mitte bemerkte auch ich: Ahhh! Das ist gar keine Serie, das ist ein Film! Und ich bin mir nicht sicher, ob ich enttäuscht oder froh darüber war.

Netflix und der Fall des Kinos?

Immer wieder bedient Netflix seine Kunden mit Eigenproduktionen, mittlerweile auch filmischer Natur. Erst kürzlich scrollte ich über einen Artikel, der sich fragte, ob Netflix den Kinos nicht den Film stehle. Meine Meinung? Bitte! Sofern Netflix nicht von Apple gekauft wird.

Denn 16€ für ein IMAX-Ticket sind wahrlich übertrieben, auch der 3€ Aufschlag bei 3D ist nicht notwendig – zumal 3D nicht notwendig ist. Nur ganz, ganz selten wirkt der Effekt wie er sollte, meistens ist er kaum bemerkbar und dann wieder absolut störend. Des weiteren haben Regisseure und Produzenten freie Hand und David Ayer (Suicide Squad), der Mann hinter Bright, konnte und durfte diesen so machen, wie er wollte.

Was der Artikel kritisierte war u.a. die Strategie von Netflix, dass nur mehr dann Filme in die Kinos kämen, sofern diese finanzielle Gewinne abwerfen, und andernfalls bei Netflix abrufbar sind. An sich kein Problem. Auch wird angesprochen, dass sich Netflix jene Filme heraus picke, die es auf der großen Leinwand schwer hätten und nur einem speziellen Publikum zugänglich wären. Okay, und weiter? Natürlich verlieren dabei Regisseure, die ihre Filme gerne auf der Leinwand sähen und jene, die gerne ins Kino gehen. Die Alternative war bisher, dass der Film gleich als VHS, DVD oder Blu-Ray erschienen ist. Der Unterschied zu Netflix bei Amazon liegt darin, dass die Filme zuerst im Kino zu sehen sind, und dann erst via Streaming. Auch eine Möglichkeit. Wir werden sehen, wie es sich weiter entwickelt.

Kurz: So wie ich das sehe, werden kreative, kritische und kompliziertere Filme auf Netflix zu finden sein, während das Kino weiterhin den Blockbustern zur Verfügung steht, die man sich manchmal doch gerne ansieht.

Es bleibt interessant. Aber nun zu neuen Kategorie: High-Urban-Fantasy.

Worum geht es?

Elfen, Feen, Orks und Menschen tummeln im 21. Jahrhundert. Anstatt, dass Schwarze diskriminiert werden, sind es Orks, während die hellhäutigen Elfen privilegiert und in Reichtum leben. Dazwischen befindet sich Cop Will Smith (Bad boys, bad boys what ya gonna do.. what ya gonna do when they come for you) und dessen Partner, ein Quoten-Ork – der auch tatsächlich als Quoten-Ork seinen Dienst absitzen darf.

Die Geschichte beginnt, als sie Zeuge eines seltsamen Spektakels werden und eine junge Elfin ihnen quasi in die Hände fällt und gerettet werden soll – sowie das Artefakt, dass nur die, man erahnt es gleich, ohne Schaden berühren können, die ebenfalls „bright“ sind. Der Film kennt keine Pause und alsbald verwickeln sich Smith und sein orkischer Partner in eine Fucht- und Verfolgungsjagd. Noomi Rapace (Mittlerweile bekannt aus Prometheus und What happened to Monday) die böse Elfin mit Kontaktlinsen, ist hinter dem Artefakt her und der Rest ist Geschichte.

Eindruck

Nachdem ich geglaubt hatte, der Film sei eine Serie und verwundert war, dass bis zur Mitte des Filmes/der ersten Folge schon fast alles erklärt wurde, blieb ein zwiegespaltener Eindruck. Auf der einen Seite fand ich den Umgang mit Klischees beziehungsweise die Idee interessant – auch wenn diese unkreativ und rassistisch umgesetzt wurden (weiß/privilegiert = Elfen, dunkel/arm/Vorstadt = Orks), andererseits war mir der Vergleich zu platt. Die Welt ist zu einfach und die Position der Menschen ergibt keinen Sinn: Elfen aber auch Orks sind traditionell stärker als Menschen, aber die Menschen sind davon offenbar nicht betroffen.

Fazit: Zu guter Letzt waren es einfach zuviele Klischees und eine fehlende Kreativität – welche zwar, für High Fantasy gerechtfertigt sind, aber trotzdem etwas ermüden und in einer modernen, urbanen Umgebung etwas lächerlich wirken.

Kritik

Die Weltbekannten Kritiker sind auch nicht begeistert:

Indiewire.com:

„There’s boring, there’s bad, and then there’s Bright, a movie so profoundly awful that Republicans will probably try to pass it into law over Christmas break.“

„Bright is essentially Training Day meets The Lord of the Rings, but much dumber than that sounds.“

„The film’s lazy refusal to explore its conceit any deeper than that is truly staggering, but director David Ayer is only willing to make so much room for the heightened genre elements, lest any of that nerd stuff infringe on his well-documented infatuation with (or fetish for?) the LAPD.“

Rollingstone.com:

„Welcome to L.A.P.D. of the Rings.

„The problem with setting a familiar story in a foreign universe is that you have to establish the parameters of said universe or risk losing your audience. That’s world-building 101, folks. Bright does not care about that. Bright’s attitude is closer to „fuck you for not somehow keeping up with our cool shit“ before doing a lot of push-ups.“

„This is what it looks like when good ideas go bad. A sequel, naturally, has already been greenlit. Go orc yourself, Hollywood.“

Collider.com:

Bright is a movie that spends far too much time explaining itself—and, often, re-explaining itself—that the actual story, when we finally get to it, is not much more than empty gunshots and blood splatter with a faerie tale twist. Which is a shame, because the plot is actually a simple bit of fun buried beneath a heavy dose of explanation.“

„Unfortunately, there are just too many uncomfortably glaring issues to make that appeal worthwhile. For one, Landis’ script is not great to its female characters. The women here are either housewives, mute killing machines, or strippers. Leilah’s sister Tikka (Lucy Fry) is, essentially, the third part of Ward and Jakoby’s protagonist team.“

Und, wo er recht hat, hat er recht: „Faeries get caught in your bird feeder. Impeccably-dressed elves live uptown in their ivory towers. A dragon casually flies over the Los Angeles skyline. There’s also a brief appearance by a centaur LAPD officer who, quite frankly, I’m more interested in than any of the main characters.“

David Ayer reagiert darauf gelassen:

https://twitter.com/DavidAyerMovies/status/943714973003288577?ref_src=twsrc%5Etfw&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.kino.de%2Ffilm%2Fbright-2017%2Fnews%2Fkritik-an-bright-netflix-bislang-teuerster-film-wird-in-stuecke-gerissen-180102%2F

Ein Kommentar

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„Star Trek: Discovery“, S01E01 und S01E02

Keine Kritik, nur ein paar Gedanken.

Ich kann mir nicht erklären, warum die meisten Kritiker und Konsumenten die Serie so schrecklich finden – zugegeben, ich habe nicht aktiv recherchiert, sondern nur via scrollen und hören-sagen-drüber lesen irgendwo mitbekommen, dass DSC ganz fürchterlich sein soll und Roddenberry sich im Grabe umdrehen wolle.

Madame (8) und ich fanden die ersten zwei Folgen nett. Wir fanden sie sogar richtig gut. Die bemängelnswerten Effekte konnten ganz klar als eine Hommage an TOS gedeutet werden, sowie die Lense Flairs ganz klar auf JJ Abrams Konto gingen. Dass zwei Frauen in den Hauptrollen besetzt sind/waren, fanden wir ebenfalls sehr gut. Dass man dafür eine afro-amerikanische und asiatische Schauspielerin wählte, die beide im TV etabliert sind, mag zwar wie ein Zugeständnis an SJWs wirken (damit auch der „Diversity“ gedient ist) – muss es aber nicht. Warum? Weil es gute Schauspielerinnen sind! Und ganz ehrlich, was ist so schlimm an Diversity? Ich mag es schon gar nicht mehr aussprechen, weil es mir zu dämlich wird, weil ich es toll finde. Ich bin begeistert davon, dass die beiden Hauptdarstellerinnen nicht weiß sind.

Ich verstehe aber auch, warum manche der Kritiker sagen, DSC beiße sich mit Roddenberrys Vision einer friedlichen Erkundung des Weltraumes, wenn Sonequa Martin-Green alias 1st Commander Michael Burnham aufgrund ihrer quasi vulkanischer Ausbildung und Korrespondenz die Klingonen angreifen möchte, um das Leben der gesamten Crew zu retten. Denn Vulkanier machen nie denselben Fehler zweimal. Als eines ihrer Schiffe zerstört wurde, taten sie das, was notwendig war: Sie griffen die Klingonen an und verschafften sich Respekt in dem sie in deren Sprache „Hey! How are you!“ sagten.

Aber Captain Philippa Georgiou alias Michelle Yeoh ist dagegen, was am Ende ihren (vermutlichen?) Tod bedeuten soll. Commander Burnham wird für ihre Missachtung der Befehle vor Gericht gestellt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Wo genau wird jetzt Roddenberrys Vision massakriert? Und warum glaubt jeder am besten zu wissen was Gene Roddenberry wollte? Vielleicht hätte ihm die Serie gefallen, who knows?

Man könnte natürlich einwerfen, dass Star Trek nur mehr Effektspielerei ist, einfältige Geschichten präsentiert und die Gender-Race Debatte auf ganz neue Podeste stellt um ja keinem Rassismus oder Sexismus Vorwurf zu unterliegen. Was hätte man sich als „Hardcore to death Star Trek“-Fan denn erwartet? Eine Kopie von TOS? TOS sollte nach der zweiten Season abgesetzt werden. Als TNG auf den Markt kam, wurde genau so gelästert, es sei kein Star Trek mehr und unterscheide sich zu sehr vom Original. Dasselbe Mimimi gab es bei DS9 und Voyager. So auch jetzt. Und wird es auch beim nächsten Ableger geben und beim nächsten und nächsten, bis die Leute kapieren was Star Trek ist: Ein Spiegel seiner Zeit, eine Momentaufnahme und Reflexion.

Und genau das ist es, was ich (öfters wiederholend) meine, wenn ich sage, dass Fans Pest und Cholera für eine Serie sind. Zu einem gewissen Teil für den Hype und den Erfolg verantwortlich, entwickelt sich immer ein toxisches Verhältnis, dass nicht nur andere Fans abschreckt, sondern auch Produzenten und Filmschaffende in die Enge treibt. Sollen wir den Forderungen nachgehen oder „Fans“ verlieren? Vermutlich sind es sogar „Fans“, die schlimmer sind als jedes Studio, dass ebenfalls seine eigenen Vorstellungen hat. Fazit: „Fans“ wissen alles besser. „Fans“ akzeptieren keine Änderungen und sind in ihren (oftmals verblendeten) Erinnerungen an die Serie, wie sie doch einst war (oder gewesen sein soll), festgefahren.

Seid froh, dass wir aktuell eine richtige und eine quasi Star Trek Serie (The Orville, dazu komme ich noch) haben, die Filmwelt Science Fiction entdeckt und nach Comics daraus Profit zu schließen versucht. Immerhin bekommt man so den Content, den man sich über Jahre gewünscht hat. Dass die Filmwelt so aussieht wie sie aussieht heute ist, ist ein Zeitobjekt und Schuld daran sind wir: Die Konsumenten. Wir rennen ins Kino, wir kaufen Blu-Rays und DVDs, wir unterstützen diese Art des Films. Auch ich. Wir dürfen uns also nicht beschweren, wenn aus einer klugen Science-Fiction Vorlage Pop-Corn-Kino gemacht wird. Immerhin gibt es dadurch schöne Raumschiffe und, wie auch in DSC, wirklich bezaubernde Bilder.

Weitere Notizen

# Ich finde es nach wie vor seltsam, dass die Serie 10 Jahre vor TOS, und nicht in der Kelvin Zeitlinie spielen soll. Damit werden der Storyline Möglichkeiten beraubt und auch Inszenierung, Technik an Bord, Uniformen und Verhalten sind nicht mehr ganz so stimmig. Aber vielleicht muss man DSC einfach als eigenständige Serie betrachten und kein Prequel. TOS würde heute nicht mehr funktionieren. Es funktionierte auch damals nur knapp. Und wenn man nicht gerade mit TOS in der Kinderstube bekannt gemacht wurde und mit seltsam geformten Steinen, Farben und Musik kindliche Erinnerungen verbindet, kann ich es sogar nachvollziehen, wenn man heute den Kopf schüttelt. Selbst TNG hat seine seltsamen Momente, die man nur dann zu schätzen, oder auch zu wundern weiß (Zitat: „Wie konnten wir das gut finden?“ – „Wir waren Kinder…“), wenn man damit aufgewachsen ist.

# Ein Mansplainendes Alien… aber wirklich bei jeder Gelegenheit.

# Sonequa Martin-Green tat gut daran The Walking Dead für Star Trek zu verlassen. Ihr Charakter wirkt interessant.

# Und ja, die Klingonen sehen schrecklich aus. Das Feuer an Bord ließ sie sogleich noch primitiver wirken und wie Madame (8) richtig erkannte, konnten wir uns an keine weißen Klingonen erinnern.

# Unweigerlich erinnerte die erste Szene an Star Wars. Nicht die Fußstapfen, aus denen in weiter Entfernung ein erkennbares großes „We are here“ getreten wurde, sondern die Kleidung. Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht leugnen. Aber vielleicht sind diese Stoffwickeleien für diverse Wüstenplaneten einfach nur praktisch.

Fazit: Wenn Pseudo-Fans und Möchtegern-Kritiker, die alles bemängeln müssen was sich älteren Kults annimmt, die Serie nicht komplett zerstören, dann freue ich mich auf ein baldiges fortbestehen. 15 Folgen, mit einer Pause ab Mitte November. Why?

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„Stranger Things“, Season 1

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Wenn der Hype um Mitternacht aus allen Ecken kriecht und die lustigen Medien flüsternd auf Stranger Things hinweisen, und nur flüsternd, denn man ist sich noch nicht ganz so sicher, was man davon halten soll, dann folgt man diesem Ruf und legt sich nach acht Folgen um 3 Uhr früh schlafen. Um halb 8 wird man durch lautes Gerede geweckt, da die Nachbarskinder ein totes Schaf auf der Wiese hinterm Haus gefunden haben. So der Stand vor ein-zwei Wochen. Dank gilt jenen, die mich darauf hinwiesen, das Flüstern der Medien wäre fast überhört worden.

Stranger Things erinnerte, wie so viele, auch mich an Explorers (1985), teilweise und erst nach etwas Recherche an Die Goonies (1985), vor allem aber an Stand by Me (1986) oder auch E.T. (1982). Vieles war nur allzu deutlich an Steven Spielberg, Steven King und auch John Carpenter angelehnt. Ich vermutete etwas Twin Peaks (1990) wie Nightmare on Elm Street (1894) und auch Poltergeist (1982) dahinter. Es finden sich zahlreiche Verweise zur Popkultur der 1980er wie Filmposter zu The Thing (1982) oder The Evil Dead (1981), Star Wars Referenzen oder Dungeons and Dragons zeigen. Ich fand es nach einigen Folgen sehr spannend darauf zu achten.

Alles was in den 1980ern und 1990ern an Rang und Namen besaß, lässt sich auf irgendeiner Weise, irgendwo in Stranger Things finden. Es erinnert an Kinder, die die Welt in ihre eigene Hand nehmen und komme was wolle, sich dem stellen. Diesen Kindern konnten weder Eltern, noch das Gesetz etwas anhaben. Stranger Things erzählt eine Geschichte in einer wenigen strikten Welt, die durch ein klar gezeichnetes Tor in eine fremde Dimension führt. Es wurde nichts erklärt. Die Dingen lagen wie sie gefallen waren und so blieben sie auch. ‚The Upside-Down‘ war mystisch und einfach, gruslig und gespenstisch und vor allem: Authentisch. Es wirkte echt, obwohl keine logische Erklärung gegeben war. Und diese wurde auch, ganz im Sinne der 1980er, nicht benötigt. Es war eine Zeit fern von hyper recherchierten wissenschaftlichen Erklärungen und endlosen Foren-Diskussionen über korrekte Darstellung. Es war eine Zeit, die sich eher um das Erzählen von Geschichten bemühte als wie um wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit. Sie war einfach da und besonders dieser Fakt, war neben dem Fehlen moderner Technologien, wirklich entspannend. Das Fernbleiben von Erklärung und Technologie erlaubte dieser Geschichte ein Stück tiefer zu folgen ohne sich ernsthafte Gedanken um den Wahrheitsgehalt machen zu müssen. Man durfte sich faszinieren lassen, ohne hinterher als einfältig bezeichnet zu werden. Ob diese Art der Erzählung auch für andere Geschichten funktioniert, sei dahin gestellt. Es war jedenfalls eine dankbare Abwechslung zum alltäglichen technischen Overkill.

Aber ich wiederhole nur das, was Medien mittlerweile zur Gänze wiederkäuen. Und auch wenn das 80er Jahre Feeling nicht ganz zu 100% aufkommen will, der originale Trash der 1980er hätte in diesem Werkstück nichts verloren gehabt.

Und natürlich darf in dieser Hommage Winona Ryder nicht fehlen. Wer erinnert sich nicht gerne an Veronica aus Heathers (1989) oder an Reality Bites (1994), Beeltejuice (1988) oder auch Edward mit den Scherenhänden (1990) – um nur einige wenige (aber meine Favoriten) zu nennen. Winona war großartig! So wie sich Marisa Tomei („Hot Aunt May“ in Spiderman Homecoming, 2017) das gewisse Etwas über die Jahre bewahren konnte, so auch Winona Ryder. Während viele Schauspieler dieses im Laufe ihrer Karriere einbüßen und in gewisse graue Abbilder ihres vergangenen Selbst fallen, so heben sich nur ganz wenige davon ab und bewahren sich diesen einzigartigen Charme. Ich jedenfalls war begeistert von Winona.

Fazit: Eine sehr gelungene Abwechslung zum aktuellen Serienangebot.

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