Schlagwort-Archive: ÖVP

Causa #Dönmez, vom Wochenende

Einzelfälle und Ausnahmen, is ja nit so gmeint. War lei Spaß. Mei, jetzt sei halt nit so.

Ich hatte es gestern ja zuerst gar nicht überrissen was wieder vorgefallen war. Ich folge ja entweder nur linken oder liberalen Politikern/Usern (die zwar kommentieren aber nicht ganz so häufig den eigentlichen Vorfall retweeten, und wenn, dann nur die gut-kommentierten Antworten darauf) und Blödelaccounts wie Car Crash, Only in Russia, Hold my Beer und Oh Shit und dergleichen, was übrigens ein ziemlich bizarrer Mix in der Timeline (der Begriff verwirrt mich immer noch, weil ich ständig an Zeitreisen denken muss) hinterlässt.

Gestern jedenfalls trug sich folgendes zu.

Kurz zuvor postete der Herr folgendes:

Der Herr entschuldigt sich also nur „Aufgrund der ausgelösten Diskussion“? Und nicht, weil er dieser Frau (der deutschen Staatssekretärin Chebli) öffentlich unterstellte, sie hätte sich nur hochgeblasen – nicht einmal hochgeschlafen?

Zu Erinnerung, Österreich hat noch immer den Vorsitz im Rat der Europäischen Union inne – bis zum Jahresende übrigens. Befänden wir uns zu Zeiten von (Hausnummer) Krieg und Frieden, könnte man dies durchaus auch als diplomatischen Fehltritt werten, worauf wegen Beleidigung einer fremden Staatsfrau der Krieg erklärt werden könnte. Aber hey. So barbarisch wollen wir auch wieder nicht sein. Belassen wirs bei einem „Tschuldigung“ und legen den Fall unter „Einzelfälle“ ab. Und heiraten.

Alles, aber auch alles an dem Tweet macht es nicht besser, sondern schlimmer: Er entschuldigt sich, weiter, nicht am Inhaltlichen an sich, sondern weil es andere Leute verletzt hat? Seriously? Mit dieser Antwort hat er sich noch mehr ins Aus geschossen, weil so alles, aber auch alles daran falsch ist. Alles.

Könnte natürlich auch reines Ablenkungsmanöver sein:

Wie:

Sicherlich, liebe Leser, es ist ja der „Schmäh“ der Stammtischwähler, der alten, weißen, männlichen Raunzer, die dann mit dem Generationenwechsel einfach so abgelöst werden. Guess what, it’s not just them.

Sein Fehlverhalten argumentiert er mit Schwäche. Sexismus ist kein Moment der Schwäche. Ein Moment der Schwäche ist es, mich nicht aufrappeln zu können, das richtige zu sagen oder zu tun, wenns gerade gefordert wird. Sexismus ist kein Moment der Schwäche. Und dass es nicht nur ein Ausrutscher war, beweist uns folgender Tweet:

Schau, nochmal ganz langsam und für Anfänger: Dein Frauenbild ist exakt das gleiche wie jenes der extremen Muslimen, über du dich so gerne hinweg stellst. Das ist eben das große, fette Problem, dass viele der treuen türkis/schwarz/blau Wähler nicht sehen möchten, wollen oder gar können – oder ist es tatsächlich in Ordnung, wenn inländische Männer Frauen belästigen, weil, sind ja ihre Frauen. Aber legt wer Hand an, der eine dunklerer Hautfarbe hat als Luigi von der Pizzeria nebenan, oder gar Luigi selbst, wohoo…

Ich sagte schon zur Beginn der Flüchtlingskrise (erneut, ein ungutes Wort), dass dies die perfekte Gelegenheit wäre, auch das Verhalten und Benehmen der hiesigen Herrschaften genauer zu betrachten. Aber naaa.. is lei Spaß, was hom ma glacht.

Und zu guter Letzt:

Werbeanzeigen

3 Kommentare

Eingeordnet unter /fem-mode on, Medien, Wtf Politik?

150€ für 60h/w!

Achtung, irreführender Headliner! Entspricht (noch) nicht der Realität! Vorsicht!

Aber es wäre doch eine Idee, nicht? Man stelle sich vor, das Pensionssystem kann von Grund auf reformiert werden: In zehn Jahren gibt es nur mehr private Kassen, die sich der gemeine Arbeiter nicht leisten kann und aufgrund Mangelernährung und Überarbeitung früher stirbt. Und wenn er doch noch lebt, kracht er 70jährig mit 150km/h in eine Mauer. Win Win für alle! Naja, fast. Wen interessieren Volksbefragungen und der Wille des Volkes. Ernsthaft, gewöhnt euch eure illusorische Haltung ab.

Man kommt nicht ganz an politischen Beiträgen vorbei.

Im Urlaub war es mir jeden Morgen aufs neue ein herrliches Vergnügen durch Twitter zu scrollen, während ich am Strand den Wellen lauschte, das Glitzern der Sonne auf der Oberfläche bewunderte (dabei immer wieder an Ghibli-Filme denken musste, folgend auch diverse Stücke immer wieder laut nebenbei laufen ließ), mich unterm Schirm verkroch und ein Zucker-Milch-Kaffee-Gemisch schlürfte. Ich verfasste (vermutlich) unqualifizierte Antworten zu irgendwelchen Themen und es war ein Teil meiner Entspannung. Warum? Es war so weit weg! Es war wie ein interaktives Spiel, dass ich starten und beenden konnte, wann immer ich mochte – zumindest fühlte es sich so an. Nichts, dass mich in dem Moment wirklich berührte. Die Realität lag irgendwo fern am Rande des Meeres am anderen Ufer, in einem kleinen Land, welches den Wunsch hegt, wieder ins 19. Jahrhundert zurück zu kehren und fleißig an der Umsetzung arbeitet. Tu felix Austria nube. Als Jane Austen und Brontee-Liebhaberin müsste mich das eigentlich freuen – tut es aber nicht.

Die Aussage der österreichischen „Sozial- und Gesundheits“-Ministerin, dass 150€ locker zum Leben reichen, wenn die Miete übernommen wird, fand ihren Weg natürlich auch zu mir. Stimmt. Handy- und Internetkosten, öffentliche Verkehrsmittel, Kleidung, Hygiene, Arzt und Nahrung lassen sich locker damit finanzieren. Easy. Man kann ja auch täglich bei der Obdachlosen-Kantine speisen und Kleidung aus Bedürftigen-Zentren holen: Alles kein Problem. Lebt sich super damit! Kino und gesellschaftliche Veranstaltungen, wozu? Gibt ja Social Media! Aber eh, war ja nur für die dunkelhäutigen Zuwanderer gemeint, ganz gleich welchen Status er gerade hat. Dumm nur, dass lediglich Asylwerber aus der Mindestsicherung heraus fallen (der Rest bekommt sie und da dürfen keine Unterscheidungen bzgl. Hautfarbe gemacht werden. Nein!? Doch! Oh.. So an Dreck). Und diese bekommen (neben Unterkunft und Verpflegung) aktuell ein Taschengeld von 40€. Ob unter all dem Hass doch ein gutes, warmes Herz steckt? Oder liegt es an der fehlenden politischen Bildung, die mit 2 Minuten Google aufgeholt wäre? Wir werden es nie erfahren..

Internet, so meine ich, ist ein Grundrecht, wie der Besitz eines Fernsehers zwecks Recht auf Information. Ergo, müsste man die Internetkosten ebenfalls übernehmen. Auch fraglich, ob die Wohnkosten mit oder ohne Strom/Heizung berechnet werden. Winter is coming!

Folgt man dem Trend, werden sicherlich auch mehr Kinder gezeugt, denn für Verhütung muss jeder selbst und besonders die Frau aufkommen („Abtreibungen pfui Spinne, wer tötet denn kleine Kinder! Stopft die Bauernkatzen in den Sack und ab in die Tonne! Na kastrieren geht nit, is unnatürlich!“), und somit wird auch der illegalen Einwanderung Einhalt geboten, wenn die gute, heimische Frau wieder 6-8 Kinder wirft und erneut: Pensionssystem. Dank gestrichenen finanziellen Mitteln für Frauenhäuser und Initiativen (die meisten Mordfälle resultieren aus Beziehungsstreits, aber der heilige Bund der Ehe steht natürlich über der Sicherheit von Frauen (Moment.. Religion und Staat sind aber noch getrennt, oder? Planen die bereits eine österreichische Sharia? What? Hm? War was?), erhöhter Müttersterblichkeit (an Krankenhäusern und vor allem bei Hebammen wird ebenfalls gespart) – haben wir wenige alte, aber viele neue junge Menschen, die im Glauben aufwachsen, es ist okay 60 Stunden die Woche für einen Mindestlohn zu arbeiten, immerhin ist Freizeit kein Grundrecht. Kontakt zu Freunden und Familie gibt es nur mehr über soziale Medien. Immerhin sind es „soziale“ Medien. Wers dann doch noch schafft sich aufzuraffen, ins Beisel zu schleppen und 3 Bier konsumiert (Aber nur 3!), bekommt einen „Wirtschaftsbonus“ von 20€ im Monat. Macht keinen Sinn? Is wurscht. Tut der Rest auch nicht.

Zurück zum Vorfall:

Meine Theorie ist ja folgende: Durch unqualifizierte Aussagen schafft sich die konservative Partei gleich zwei Vorteile: Einerseits säbelt sie eine „böse Hexe ab, die gegen die Interessen des Volkes handelt. Verbrennt sie!“ und sichert sich somit Wählerschaft („Mir sein fürs Volk da!“) und kann gleichzeitig als Beispiel für „Frauen hobn nix in da Politik verloren. Da hobts 300€ im Jahr mehr wenn es in da Küche bleibts. Geil, ha?“ herangezogen werden – womit sie die „Familien“-Ministerin gleich mit rausschmeißen, um den Punkt zu unterstreichen. Win Win!

Das Volk ist zufrieden, die Politik geht gewohnte Wege – statt Erbschaftssteuer wird im Falle des Falls komplett enteignet und alle sind happy, weil der böse „Auslender!“ auch eins auf die Fresse kriegt. Yay!

*

Aber wisst ihr was wirklich traurig ist? Folgendes:

 

2 Kommentare

Eingeordnet unter Kulturelles, Medien, Wtf Politik?

Ehe für alle ab 2019!

Nachdem Österreich bei der letzten Wahl eindeutig einen Schritt rückwärts gegangen ist, gelang es dem VfGH endlich, die Ehe für alle einzuführen, anstatt nur die „eingetragene Partnerschaft“ – und das gilt es zu feiern, oder zumindest medial festzuhalten.

Der Gerichtshof begründet diesen Schritt mit dem Diskriminierungsverbot des Gleichheitsgrundsatzes. Ab 1. Jänner 2019 wird es also auch Gleichgeschlechtlichen Paaren möglich sein, zu heiraten.

Also wen kümmert es, welches Geschlecht der Partner hat? Sicherlich mag der eine oder andere Vorlieben haben und das eine oder andere Geschlecht gänzlich ausschließen, aber im Endeffekt sind es nur Menschen. Wenn ich mich verliebe, verliebe ich mich in den Menschen und nicht (nur) in seine Hülle, die ganz gleich welches Geschlecht haben mag. Und ich verstehe nicht, wie irgendjemand ernsthaft sagen kann: „Des isch krank!“ oder „Das ist falsch!“ Warum glaubt die konservative Elite der Welt, dass eine romantische Gemeinschaft nur aus Mann und Frau bestehen soll? Auch im Tierreich wurden schon homosexuelle Interaktionen und Beziehungen gesichtet.

Dazu Anwalt Helmut Graupner auf seiner Facebook-Seite:

Natürlich gibt es auch Kritik aus den üblichen Reihen:

Wiener Kardinal Christoph Schönborn (im oben verlinkten STANDARD-Beitrag): „Es ist beunruhigend, dass sogar die Verfassungsrichter den Blick verloren haben für die besondere Natur der Ehe als Verbindung von Mann und Frau.“ Dass eine staatlich und eine kirchlich geschlossene Ehe zwei unterschiedliche Dinge sind, mag der Herr Kardinal auch weiterhin getrost ignorieren. Des weiteren zeigt er sich „zuversichtlich, dass sich langfristig die Einsicht in die Schöpfungsordnung wieder durchsetzen wird.“ What? Ein Grund mehr also, sich im 21. Jahrhundert von sämtlichen religiösen Instituten zu distanzieren.

Dazu musste ich an folgendes denken, auch wenn die Faust das Auge knapp verfehlt:

Schwarz/Türkis akzeptiert die Entscheidung: „Höchstgerichtliche Urteile sind stets zu akzeptieren und nehmen wir zur Kenntnis.“

Die FPÖ hingegen reagiert nicht anders als erwartet: „Dieses Instrument wird der Türöffner in Richtung einer Entwicklung sein, an deren Ende mit der sogenannten Ehe für alle, vulgo ‚Homo-Ehe‘, Ungleiches gleich behandelt wird. Jetzt ist es so weit.“ Richtig, jetzt ist es soweit – jetzt geht die Welt unter. Die vier Reiter der Apokalypse werden die Erde verwüsten, Heuschrecken Kinder fressen und sowieso, alles wird zugrunde gehen! Not.

So oder so: Ich freue mich :)

11 Kommentare

Eingeordnet unter Kulturelles, Medien, So sei es