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„13 Reasons Why“ und warum ich die Serie jedem ans Herz lege

Erinnert ihr euch an die Grundschule, an die unfairen Lehrer (damals war Pädagogik noch „der Lehrer hat immer Recht“) und die grausamen Mitschüler? Als (verwöhntes) Einzelkind war ich natürlich Zielscheibe Nummer 1 jeglichen Mobbings, was schon im Kindergarten startete: durch die Kinder, deren Eltern und Aufsichtskräfte. Und natürlich war ich selbst daran schuld, dass sagten zumindest die Aufsichtskräfte, die Eltern der Kinder und auch die Kinder selbst.

Es folgt ein persönlicher Bericht über Mobbing und warum ich die Beschäftigung mit der Serie 13 Reasons Why und den angesprochenen Themen für wichtig halte.

Aus dem Nähkästchen erzählt

So war ich beispielsweise daran schuld, wenn die Buben aus der 2. blaue Flecken von meinem (damals herrlich schweren) Schlüsselbund trugen, den ich aus einfacher Notwehr nach ihnen geworfen, oder sie damit geschlagen hatte. Begrapschen war damals (Anfang/Mitte 1990er) noch „Ach, der mag dich doch nur“ – und dieser Meinung war ich nicht. Ich fühlte mich bedrängt und wehrte mich. Und auch die Lehrer waren damals nicht besser: Wenn ein Kind gemobbt wurde, war es selbst oder die Eltern daran schuld und musste büßen. So zwang mich die Turnlehrerin in der 2. Klasse Hauptschule nach der Turnstunde, welche immer die letzte Stunde war, Duschen zu gehen, auch wenn ich nur knapp 100 Meter von der Schule entfernt wohnte. Dass ich damals bereits meine Tage hatte und die anderen Mädchen mich (u.a. deswegen) auslachten, war ihr vollkommen bewusst. Heute wäre diese Lehrkraft (hoffentlich) ohne Frist entlassen worden. Die Geschichte erinnert etwas an Carrie, ich weiß – und auch wenn mir öfters Stifte geklaut wurden und ich nicht selten in Schlägereien geriet, mein Name mit Hänseleien an der Tafel stand, die Lehrer mir die Schuld gaben wenn irgendwas nicht passte, und ich oftmals heulend heim eilte, wurde ich jedoch nie mit Blut überschüttet. It’s something!

Was ich damit sagen will: Mobbing ist und war schon immer real. Entweder trifft es das dicke Kind, das hässliche Kind, das Einzelkind, das türkische Kind, und so weiter – und alle, wirklich alle leiden darunter. Und nicht nur als Kinder, sondern auch als Erwachsener. Aber schauen wir in die Gegenwart.

Damals und Heute

Wenn ich in der Schule gemobbt wurde, hatte ich immer noch mein Zimmer, in dem ich alles beiseiteschieben oder auf mein Fahrrad steigen und durch die Gegend fahren konnte. Ich las meine Bücher, malte, schaute Fernsehen und hörte Musik und alles war (bis zum nächsten Schultag) in bester Ordnung. Vermutlich hielt mich auch das von extremeren Maßnahmen wie Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum oder wer weiß was alles, ab.

Heute sieht die Sache anders aus: Cyber-Mobbing. Der Ausschluss aus (Social-Media) Gruppen, das Versenden von peinlichen Fotos in entsprechenden Gruppen, Hass-Kommentare und so weiter sind der Alltag vieler Jugendlicher und ich fragte mich schon immer, wie diejenigen, die gemobbed werden, heute damit umgehen? Kann man damit umgehen? Reicht es, alle Systeme zu deaktivieren? Wie fühlen sich die Betroffenen, wenn jedes Geräusch an die Qualen erinnert? Ich konnte mir damals sagen: „Nur mehr wenige Jahre, dann ist es vorbei und ich muss diese Trottel nie wieder sehen“ – in einer vernetzten Welt wie heute, scheint mir das fast unmöglich zu sein. Außer man schafft den Ausstieg, irgendwie. Vermutlich wird es irgendwann Social-Media-Selbsthilfe-Gruppen geben, die einem helfen sich von sämtlichen sozialen Netzwerken zu distanzieren und ein analoges Leben zu leben. Vermutlich gibt es das schon.

13 Reasons Why

13 Reasons Why greift dieses und noch viele andere, wichtige Themen wie Slut-Shaming und Rape-Culture auf und thematisiert auch die Hilflosigkeit von Erwachsenen und Lehrern. Es braucht, wenn wir uns an eine spezielle Szene erinnern, in dem wir bemerkten, dass auch der Schulpädagoge an seine Grenzen gelangt war, spezielle Skills. Und selbst ich griff mir an den Kopf und dachte mir: „Sowas kann man doch nicht sagen?!“

Worum geht es?

Hannah Baker nimmt sich das Leben. Und das wird in aller unromantischen und desillusionierenden Art und Weise gezeigt. Sie sitzt im Bad und schneidet sich die Pulsadern auf. Ohne Musik. Dass manche Eltern und Medien das Unbehagen verspürten, ihre Kinder könnten dem Werther-Effekte erliegen (benannt nach Goethes „Die jungen Leiden des Werthers“, nach dessen Lektüre zahlreiche junge Menschen Werther folgten und sich das Leben nahmen) kann ich irgendwo am Rande, aber im Endeffekt nicht wirklich nachvollziehen. Es zeigt viel mehr, dass sich die Situation nicht einschätzen lässt. Ein glückliches Kind kann innerlich todtraurig sein und niemand bemerkt es, bis zu dessen Beerdigung. Auch hier gilt: Reden! Aber welcher Jugendliche redet schon gerne mit seinen „Alten“ über Probleme?

Und somit halte ich eine Beschäftigung, eine öffentliche Diskussion mit all den angesprochenen Themen für sehr wichtig und denke/hoffe, dass 13 Reasons Why, wenn auch nur zu einem kleinen Teil, zu deren Enttabuisierung beitragen kann, indem Rape-Culture und Suizid, Slut-Shaming und Mobbing offen besprochen werden. Interessant ist jedoch, dass immer erst das visuelle Medium attackiert wird: Die Romanverlage wird, soweit meine Recherchen, bereits seit Jahren in der Schule gelesen.

/Spoiler on

Hannah nimmt vor ihrem Suizid 13 Kassetten-Seiten auf, um jene, die sie in irgendeiner Weise dazu gebracht hatten, davon auch wissen zu lassen. Einer nach dem anderen erhält die Box mit Kassetten und hört sie durch. Manche auch zweimal. Und jeder, der die Kassetten bereits gehört hat, weiß wer die nächsten und die vorhergegangenen sind. Es sind 13 Leute, darunter auch der schüchterne Clay – der aber gar nicht auf den Kassetten sein sollte. Und hier könnte man Kritik an der Serie selbst aussetzen: Dass es um ein Mädchen geht, dass sich das Leben genommen, aber der nette Bub im Zentrum steht, bei dem man sich ständig frägt: „Aber was machte er nur, dass schlimmer ist wie Vergewaltigung und Mord?“ Die Antwort: Gar nichts.

Wobei diese Kritik entkräftet werden kann, wenn man in der dritten Folge bemerkt, dass es nicht mehr nur um Hannah geht, sondern auch um Alex, Courtney, Jessica und all die anderen. Es geht um die Gruppe Jugendlicher selbst, die sich durch dieses Ereignis miteinander auseinandersetzen müssen. Bis auf Tyler – der wird nach wie vor ausgeschlossen, denn niemand mag einen Stalker.

Nähere Betrachtungen

Ich picke mir nur wenige heraus, die mir besonders ins Auge stachen.

Alex

Die Geschichte beginnt damit, dass Justin (der Basketballer mit drogensüchtiger Mutter und Meth-Freund) Hannah ausführt und ein Foto von ihr auf der Rutsche macht, dass Bryce (Sportler, Liebling aller und Sohn reicher Eltern) an alle in der Schule versendet. Slut-Shaming Deluxe – was allerdings auch nicht aufhört, als Alex (Sein Vater ist Polizist und Waffenfanatiker, den Alex immer mit Sir anspricht) eine Liste veröffentlicht, in dem er Hannah und Jessica (Die Chearleaderin, Ex von Alex und Freundin von Justin) gegenüber stellt.

Alex ist schlussendlich auch derjenige, der dafür ist, dass die Tapes veröffentlicht werden – weil, warum nicht? Er ist dafür, dass Bryce seinen Taten entsprechend bestraft werden sollte: „Wanna know what’s worse than being a rapist? Hiding behind one. Fucking justifying a fucking rapist, that’s worse.“

Und er fasst die Gruppe hervorragend zusammen: Tyler, der Stalker, den niemand mag. Ryan (der schwule Poet) sei ein arrogantes Arschloch und Zach (einer der Sportler) ein warmherziger Idiot. Sherry (die Chearleaderin) ist dafür verantwortlich, dass der nette Sportler, dem Clay Nachhilfe gab (Klischees ohne Ende), bei einem Unfall ums Leben kam, in Alex Worten: „Got a kid killed“ – Und da wäre Courtney, die halt lesbisch ist und Marcus (der Hannah mit samt seiner Clique ausführte, nachdem er sie eine Stunde warten ließ und sie dann begrapschte), der nur auf seinen Ruf achte – und Alex. Er war einfach nur ein Loser, der Leuten wie Justin und Bryce (den coolen Sportlern) gefallen wollte. Alex reflektiert offen und will Gerechtigkeit.

Und ja, wir alle haben Alex vergessen – der ebenfalls zu suizidalen Gedanken neigte und es gegen Ende ebenfalls durchzieht.

Courtney

So ist es fast ein wenig ironisch, dass Courtney, die zwei homosexuelle Väter hat, selbst lesbisch ist. Aber nach all dem, was sie an Hass und Mobbing an ihren Vätern miterlebte, möchte sie ihnen das nicht (nochmal) antun. Clay frägt natürlich in jener Szene, sie befinden sich bei Hannahs Grab: Ob ihr das, was die Menschen denken, wichtiger sei, als Hannahs Leben? Wir erinnern uns an das Foto, dass Tyler von beiden geschossen hatte, als sie sich (nach einer Menge Alkohol) küssten. Schlussendlich entschuldigt sich Courtney am Grab von Hannah, bleibt ihr aber trotzdem immer noch feindselig gegenüber, worauf sie Ryan (der schwule Poet) immer wieder bissig hinweist. Sie ist mit der Version, wie Hannah die Geschichte geschildert hatte, nicht einverstanden.

Trotzdem darf man ihren Fall nicht klein reden – auch sie leidet unter gesellschaftlichen Standards.

Clay

Man muss sagen, dass Clay die besten Lines hat. Als er eine Gruppe von Austauschstudenten durch die heiligen Hallen der Bildung führen sollte, erwähnt er in sarkastischem Tonfall, dass diese Poster – die auf Suizid und Hilfe hinweisen – nur da hängen, weil sich ein Mädchen umgebracht hat. Und warum? Weil man sie scheiße behandelt hat. Er spricht die Feindseligkeiten an, die jeder ignoriert, und alle seien doch so nett – bis man sich umbringt.

So auch zum Schulpädagogen Mr Porter:

„She walked out of school went home and put some things in order. She returned her uniform to the Crestmont where I worked with her. She didn’t say anything. She dropped it on the counter and walked away. She dropped a package off with a friend, then took another to the post office. Then she went back home, put on some old clothes, she went into the bathroom, filled the tub, opened the box of razor blades she took from her parents‘ store that morning. She got into the tub still with her clothes on, slit her wrists and bled to death. And she died alone. And you could have stopped it and I could have. Justin Foley could have and a dozen other people, at least, but we didn’t.“

Die Anderen

Die Haltung der Schule ist ebenso interessant: Sie sagt, es gäbe kein Mobbing und doch sind die Wände der Toiletten voll beschmiert mit Hassmeldungen und Grässlichkeiten. In jeder Schule passiert Mobbing. Das sich die Eltern von Hannah mit 200 000$ abfinden sollen, ist mehr Hohn als Gerechtigkeit.

Interessant finde ich auch die Tatsache, wie hilflos alle beteiligten Eltern und auch der Schulpädagoge dargestellt werden und das ist gut so: Erwachsene haben nicht immer alle Antworten und Lösungen parat. Erwachsene scheitern genau so, nur wird diese Tatsache auch in unserer Gesellschaft eher totgeschwiegen, als zur Kenntnis genommen und akzeptiert, dass es halt passiert. Der Schulpsychologe beispielsweise frägt Hannah, ob sie Nein gesagt habe – Hannah verneint und er fragt sie, ob sie sich gewehrt habe – Hannah verneint und er meint, ob sie es dann nicht vielleicht doch auch wollte?

Diese Szene vermittelt so vieles: Erstens braucht es gewisse Skills um mit solchen Fällen um zu gehen; zweitens ist diese Art der Argumentation so unfassbar falsch, Stichwort Victim Blaming. Und drittens zeigt sie wie hilflos er selbst ist, und dass die Ausbildung bei Pädagogen sich vielleicht weniger um zahlreiche Buntstifte und Karteikärtchen, sondern mehr um essentielle Dinge wie all jene kümmern sollten, die in der Serie angesprochen werden.

Und da wäre noch Hannah

Vieles hätte verhindert werden können, wenn Hannah sich bewusst gewesen wäre, was wirklich passiert. Mehrfach war sie sexuellen Handlungen ausgeliefert, für die sie nicht ihre Zustimmung gegeben hatte. Sie hatte sich verlassen gefühlt und einsam. Alex und Jessica waren in ihren Augen zunächst Verräter, da aus drei nun doch wieder zwei geworden waren, und so sehr sie sich mit anderen anfreunden wollte, der „Schlampen-Ruf“ hing ihr nach.

Und selbst Clay, so dachte sie, müsse abgestoßen von ihr sein. Sie macht sich selbst für all das verantwortlich, empfand sich als Last für alle anderen und man wünschte sich immer wieder während der Serie: Es war ein Witz und sie taucht lachend auf. Bis Tony (der schwule, katholische Lateinamerikaner mit Mustang, und Ex von Ryan) Clay erzählte, wie er das ganze beobachtet hatte. Hannah ist tot.

Fazit

Man hätte Hannah sagen müssen, es sei nicht ihre Schuld, das gesamte System ist daran schuld: Das, was die Gesellschaft akzeptiert und vor allem verschweigt. Man hätte sie dabei unterstützen sollen zu verarbeiten, was sie beobachtete und was ihr selbst passiert ist.

Sexuelle Belästigung, passiert – aber da sie unangenehm und viele wissen vermutlich auch nicht, wie sie damit umgehen sollen, werden Klagen beiseite geschoben („Gibt‘s bei uns nicht“) und verharmlost („Mei, is ja nur a Kompliment“) beziehungsweise die Diskussion in eine komplett andere Richtung gelenkt („Vielleicht war der Rock zu kurz?“). Vergewaltigungen, passieren – und werden stigmatisiert in dem aller Welt das Gesicht des Opfers gezeigt werden muss und dahingehend verhöhnt, dass „es ja manche Frauen mit Absicht machen, um an Geld zu kommen“. Und auch Mobbing passiert. Nicht nur in der Schule, auch in der Arbeitswelt und im Umfeld. Um sich dessen bewusst zu werden, müssen die Dinge thematisiert werden, diskutiert und reflektiert. Es muss ein Bewusstsein darüber entstehen, „wie sich wohl der andere fühlen mag“ und was einfache Sprüche auslösen können.

Ein Kommentar

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R.I.P Samsung Galaxy S5 (2015-2017)

Für manche ist es ein lebloses Gerät, ein Gebrauchsgegenstand, ein Objekt. Ein Handy oder Smartphone. Etwas, dass man kaputt machen oder umtauschen kann. Etwas, dass am Hintern klebt und das Leben bestimmt.

Aber für mich war mein Telefon mein Begleiter, ein Freund und Kumpane. Mein Fotograph und Musikant. Mein Spielgefährte! Auf Reisen begleitete es mich, machte die schönsten Fotos und spielte Musik. Es mühte sich ab, sodass ich mich an Ingress und Pokémon erfreuen und ärgern konnte. Ich brachte es unzählige Male in Gefahr oder anders gesagt: Wir erlebten die tollsten Abenteuer zusammen: Bei Sonnenuntergang im Wasser, im Schnee und Regen und in der Sonne. Es überlebte die Hitze am Strand und die Kälte in den Bergen. Und wie viele Male fiel es mir zu Boden und wie viele Male hatte es einen Kratzer oder Sprung im Display? Oft und niemals! Ein treuer Freund. Bis es starb. Vor wenigen Tagen. Es rührte sich nicht mehr. Kein Trick half. Und so begrabe ich es für immer. Mein Telefon.

Noch bin ich nicht bereit es in die Kiste, oder besser gesagt, in sein Massengrab zu verfrachten wo es Seite an Seite mit ausgedienten Telefonen und MP3-Playern liegen kann. Ja, ich habe sie fast alle noch, bis auf die ersten zwei, glaube ich.

Welches sein Nachfolger sein wird, steht noch offen. Ein Samsung? Ein HTC? Sony? LG? Eines ist klar, es wird kein IPhone werden. Wichtig sind Kamera- und Musikfunktion, sowie Pokémon und Ingress. Aber besonders die Kamera ist wichtig.

Derweil bin ich abgeschnitten von der digitalen Welt. Verlasse ich den PC, kann mich niemand mehr erreichen und das Gefühl ist wirklich großartig. Ich vermisse mein Telefon (und die Kamerafunktion), aber keinesfalls vermisse ich die ständige Verfüg- und Erreichbarkeit, auch wenn Ton und Vibration, sowie sonstige Benachrichtigungsmodi immer ausgeschaltet und/oder deaktiviert waren. Ich entscheide, ob ich kommunizieren möchte oder nicht. Nicht der Anrufer (bei Unbekannter Nummer nehme ich generell nicht ab, wer weiß wer da dran sein könnte..), nicht das Piepsen einer SMS oder das Aufblinken am Display, dass jeden in den Wahnsinn treibt. Mich zumindest haben diese Geräusche immer so sehr verschreckt, dass ich sie – primär also nicht der Verfügbarkeit wegen ausgeschaltet habe, sondern weil mich aus dem Nichts auftauchende Geräusche komplett aus der Ruhe gerissen haben. Es gibt nur ein Geräusch, dass ich bedingungslos akzeptiere: Die Ankunft der TARDIS.

Und ja natürlich blickt man ab und an, manchmal mehr, manchmal weniger drauf, ob sich nicht doch jemand gemeldet hat, ob nicht doch ein Bild auf Instagram oder ein Blogbeitrag geliked wurde, aber diese vollkommene Abwesenheit jeglicher digitaler Knechtschaft hat befreiendes. Ich verlasse meinen PC und habe weder Uhrzeit noch Informationen über die Welt. Ich bewege mich quasi zu 100% analog, ohne einer digitalen Schnittstelle. Ich überlege, ob ich tatsächlich all die kommunikativen und sozialen Apps beim nächsten sofort gleich deaktivieren soll.

Und doch leidet Social-Media darunter. Wenn ich abends im Bett, auf der Toilette oder während der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln WordPress-Blogs überflogen und Beiträge geliked oder Instagram durchforstet habe, mich über 9Gag amüsierte und über Facebook ärgerte, bleibt das mittlerweile fast auf der Strecke.

Und durch die aktuelle Unmöglichkeit, Geschehnisse sofort zu teilen – denn sie sind erst mit Heimkommen und via Sitz an den Rechner für andere verfügbar – entsteht etwas, dass man fast vergessen hat: Diese Momente gehören nur einem selbst. Das schwimmen bei Regen oder die Babyluchse im Alpenzoo. Kein Telefon, dass davon ablenkt und sogleich in die Welt hinaus verfrachtet, nein, die Momente gehören einem ganz allein.

Und trotzdem werde ich mir ein neues Telefon anschaffen und vermutlich dem alten Wahn verfallen, viel zu oft drauf blicken, sinnlos Apps hin und her wischen und zig Tausende Fotos machen. Oder auch nicht, wer weiß?

PS: Sobald ich den alten Zettel mit der Garantie finde, werde ich den Leser wissen lassen, wie viele Tage mir „geschenkt“ wurden. Ich habe die paranoide Ahnung, dass es zeitlich mit Ablauf der Garantie zusammen fallen könnte..

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Woche #1406

Folgende Absätze beziehen sich nicht aufeinander, und können unabhängig voneinander gelesen werden.

Heute ist der 165. Tag des gregorianischen Kalenders, somit bleiben noch 200 Tage bis zum Jahresende. Es bleibt noch ausreichend Zeit für großartige Taten! 1962 wurde an diesem Tag  in Paris die Europäische Weltraumforschungsorganisation (ESRO) gegründet, die ausschließlich friedlichen Zwecken dienen soll. 1965 machte sich die NASA-Raumsonde Mariner 5  auf den Weg zur Venus. 1975 präsentierte die australische Regierung die Idee, Eisberge aus der Antarktis zur Bewässerung der australischen Wüsten zu nutzen. Im gleichen Jahr startete die Sonde Venera Mission der Sowjetunion Venera 10 und erreichte am 25. Oktober 1975 die Venus. Der Lander arbeitete sogar 63 Minuten lang auf der Planetenoberfläche. Danke, Wikipedia.

Ich entschuldige mich, dass Film- und Serienkritiken derweil nur so spärlich eintreffen, der Juni entwickelt sich zu einem Magengeschwür. Nun, nicht der Juni selbst, der gnädig und warm zu mir ist und mir die Möglichkeit einräumt, mich im örtlichen Baggersee und dem (noch) kühlen Nass treiben zu lassen. Aber all jenes, was anfällt und an meiner Unachtsamkeit lag, mich früher darum zu kümmern, weil: Man hat ja noch Zeit. Oder: Was soll denn dazwischen kommen? Und schlussendlich häuft sich der Berg an To Do’s und Abgabe-/ und anderen Terminen und Deadlines und so weiter. Von anderen lästigen Dingen ganz abgesehen.

Ich frage mich, wie man sich als LV-Leiter fühlen muss, die (vermutlich) laut Lehrplan gewünschten Referate und Präsentationen halten lassen zu müssen (in diesem Falle geblockt) und dabei festzustellen, dass fast alle der Anwesenden in ihre Laptops, Telefone und Unterlagen starren und sich nur ganz wenige auf das eigentliche Thema konzentrieren. Zur Verteidigung mancher anderer, sie arbeiten fleißig an anderen universitären Dingen. Warum arbeite ich nicht an meiner MA-Arbeit und bereite das Referat für nächste Woche vor? Zu viele Stimmen, zu wenig Konzentration – plus neige ich dazu während der Recherche Geräusche von mir zu geben, wie Fauch- oder Knurrgeräusche, rhetorische Fragen an mich selbst gerichtet oder tatsächliche Fragen und Aussagen, ebenfalls an mich selbst gerichtet. Manchmal sing-summe ich Taylor Swift dabei oder meine Mimik nimmt Überhand, gefolgt einem „Wtf?“ oder „Ohja!“ und die sofortige Infragestellung meines eben gefassten Gedankens. Und so weiter. Aber ich lausche und notiere was der Herr LV-Leiter sagt.

Und weil mich mein Email-Account gerade benachrichtigt: Die Petition, dass Nygmobblepot in Season 4 Kanon werden soll, erreichte 1000 Unterschriften. Nett. Nein, ich rief sie nicht ins Leben, aber ich setzte meine Unterschrift darunter. Aber wäre es dann noch Gotham, wenn manche der Protagonisten tatsächlich Liebe und Zuneigung fänden, ohne dass sogleich Chaos und Ungunst über sie herein bräche? Nicht mal in Orange is the new Black ist es ihnen vergönnt auf Dauer glücklich zu sein. Ich mag den Konjunktiv II.

Nachdem ich 2-3 Wochen versuchte allen Wonder Woman Spoilern aus dem Weg zu gehen, wird es heute Abend endlich soweit sein. Trotzdem fürchte ich fast, dass meine dank dem Hype gepushte Erwartungshaltung, vielleicht doch nicht ganz erfüllt werden wird? Wer denkt sich so unterschiedliche Startzeiten aus? Social Media, Leute! Und dann wundert man sich, warum Onlinegut geraubt wird. Und ich sah eben nach: Das Kino ist fast voll. Immerhin ist die zweite Sicht bereits geplant und reserviert.

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Die Woche um den #0206, Bestandsaufnahme

Wenn der tägliche Feed mit Lobpreisungen zu Wonder Woman überschwemmt wird und man selbst noch bis zum 15. Juni warten muss, finde ich das nicht toll. Wenn die schwarz-konservative Partei in Österreich gedenkt Hartz IV einzuführen so nach dem Motto: „Hey.. die Studie sagt wir sparen uns eine Milliarde aber die Armut wird massiv steigen“ und jemand mit „Passt, mach ma“ antwortet, greife ich mir an den Kopf, wie bei der Meldung Trumps, die USA steige aus dem Klimavertrag aus. Immerhin zeigen sich einige Bürgermeister vernünftig und setzen die Ziele weiterhin um, die für Nicaragura zu wenig hoch waren, weswegen sie neben Syrien, die sich im Krieg befanden und -finden, die einzigen sind, die nicht dabei sind.

Aber vielleicht verstehen wir Trump nur falsch und er präsentiert uns ein viel strengeres Abkommen. Vielleicht zeigt uns Trump absichtlich und vollkommen altruistisch den Teufel, sodass die Menschheit sich gegen ihn verschwört und in Zusammenarbeit die Erde rettet! Aber eher unwahrscheinlich. In diesem Zuge möchte ich auf die Aktion „Superheroes against plastic“ aufmerksam machen. Es wird gebeten sich lediglich 5 Minuten Zeit zu nehmen um am Strand Müll zu klauben, und das Ergebnis auf Instagram zu präsentieren (@superheroes.against.plastic). Es ist Sommer, partizipiert. Und wenn wir dabei sind, vergesst nicht reichlich After-Sun-Creme zu verwenden. Sonnencreme ist gut. After Sun ist besser.

Auch gut zu wissen, dass der 2. Juni der 153. Tag des gregorianischen Kalenders ist, womit 212 Tage bis zum Jahresende bleiben. 1966 gelingt den Amerikanern an diesem Tag mit Surveyor 1 die erste weiche Mondlandung und Java in Indonesien fordert 1994 ein Erdbeben der Stärke 7,8 277 Menschenleben.

Das Wetter ist abends kühl und regnerisch, tagsüber aber ausreichend warm für Kleid und kurze Hosen. Das vorletzte Semester neigt sich dem Ende zu, mein Arbeitskollege bestellte sich einen Ventilator (nachdem der nebenanliegende Serverraum zugemauert wurde, darf auch ich feine 26 Grad genießen) und ich hasse die Tatsache, dass ich zwei Wochen auf Wonder Woman warten muss. Warum? Warum?

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