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Dinge, die im Mai’18 von Interesse waren: Rauchverbot und Chinas Punktesystem

Spannend! Was man alles findet, wenn man anfängt auszumisten.


Weil es wie die Faust aufs Auge passt:

In Österreich macht sich die Gesundheitsministerin Sorgen um das Wohl der Wirte, denn Österreich sei ein Gastfreundliches Land, mit einer langen touristischen Tradition. Nehme man die Gastfreundschaft (Anm: das Rauchen in geschlossenen Räumen) den Wirten weg, dann stehe übles bevor. Ahja. Ok.

[Tja, Bitch! Mittlerweile ist seit dem 1. November Rauchverbot und das bedeutet, dass jetzt sämtliche Lokale Konkurs anmelden müssen, weil natürlich niemand mehr wohin gehen mag, wenn er nicht rauchen darf. Insofern wird sich die gesamte kleinbürgerliche Spießkultur in die eigenen vier Wände verlagern. Ich finde wir versäumen dadurch nichts.]

Aber fast genialer finde ich folgenden Artikel, erschienen heute bei heise.de mit dem Titel: „China schafft digitales Punktesystem für den „besseren“ Menschen“ und wenn man diesen liest, so bemerkt man, dass die Idee 1:1 von Black Mirror, Season 3, Episode 1 geklaut ist. Sicherlich ist es schon etwas länger bekannt, zumindest ein Gemurmel darüber, aber all die Informationen in konzentrierter und kompetent niedergeschriebener Form zu lesen: Holla!

Früher sagte man noch „Da gibts eine Simpsons/South Park-Folge dazu!“ Heute sagt man: „Da gibts eine Black Mirror-Folge dazu!“ Ich weiß nicht, ob mich diese Entwicklung amüsieren oder verunsichern soll.

Aus dem Artikel:

„Der Zentralcomputer sammelt Daten von 50 Behörden. Er vergibt Pluspunkte für gewolltes Verhalten. Und er zieht Punkte ab, wenn Menschen irgendwie abweichen und gegen Regeln verstoßen.“

Genauer:

„1000 Punkte. Stufe A. Das bedeutet: Er ist ein „guter Bürger“, hat sich nichts zuschulden kommen lassen.“

Und:

„Yu Ganqing hat nicht gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. Er zahlt seine Rechnungen. Politisch ist er nicht aufgefallen. So muss er auch nicht fürchten, im Punktesystem nach unten zu rutschen.“

Eine sehr kluge Entwicklung, nachdem in China eine lebenslange Diktatur angestrebt wird. Jegliches Verhalten eines jeden Bürgers wird aufgezeichnet!

Natürlich würde ich, regierte ich diktatorisch über ein so großes Land, politischen Störenfriede gleich ausschalten, und nicht einmal mit Gefängnis, nein. Nimm ihnen einfach alle Punkte! Denn wer im Punktesystem fällt, kann beruflich nicht aufsteigen, zahlt mehr Miete und Heizkosten und wird von allen gemieden und stirbt an durchdringender Einsamkeit. Ist das nicht großartig!? Wozu Gefängnisse, wenn Punkte auf einem Papier und des Menschen abgründiger Hass anderen Gegenüber dies übernehmen können?

Aber die Idee und Umsetzung findet in China Anklang, da die Leute ermutigt werden, „Gutes“ zu tun. Die Eltern regelmäßig zu besuchen, deren Arztrechnungen zu übernehmen oder einfach bei einem Zebrastreifen anzuhalten.

“ „Wer betrunken Auto fährt, fällt direkt auf Stufe C“, sagt Direktor He. Das sind 600 bis 859 Punkte. Darunter gibt es nur noch Stufe D. So jemand findet schwerer Jobs und wird nicht befördert.“

Nur der, der tugendhaft ist, soll ein gutes Leben führen. Sprich der, der seine Rechnungen bezahlt und sich politisch nicht äußert. Na eh. So gesehen habens die in China sogar besser; denn in Österreich wird trotz aller Gutheit und Güte dem Bürger das Mindestes nach und nach gekürzt. Dort kann man sich zumindest anstrengen und wird dafür honoriert! Was passiert, wenn man sich in Österreich anstrengt? Die die arbeiten, dürften ja nicht die Dummen sein! Sinds halt doch, nur anders verpackt: Ihr seids eh dumm, aber die anderen, die halt bis 12 Schlafen und deren Kinder sich selbst das Brot schmieren müssen, na eh, blöd seids, dass ihr aufsteht in der Früh, weil haben tuts ihr davon nix.

I mag nimma da wohnen.

Irgendwie erinnert mich die Situation an das Armen/Geflüchteten-Bashing, dass sich in Österreich abspielt. Generell sind alle Armen und jene ohne Erwerbstätigkeit Sozialschmarotzer und wollen sich „durchschummeln“. Dass dieses Verhalten sich im Gesundheitssystem nieder schlägt, ist vorprogrammiert. Kein Wunder, dass die Kassen zusammen gelegt werden wollen und Leistungen gekürzt werden.

Immerhin haben wir bald tolle Polizeipferde!

[Anmerkung: Die es gerade mal ein Jahr gegeben hatte und Millionen von Euros gefressen haben. Haha!]

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What the heck, Österreich?

„Vor einigen Wochen hatte die Gesundheitsministerin (FPÖ) das von der Vorgängerregierung beschlossene Rauchverbot in der Gastronomie, das mit 1. Mai in Kraft treten hätte sollen, noch als „grausliches Gesetz“ bezeichnet, mit dem den Wirten die „Gastfreundschaft“ verboten würde.“ (derStandard.at)

Satire, die es so nur in Österreich geben kann und Kabarettisten beinahe um ihren Beruf bringt. Eine Gesundheitsministerin sorgt sich um die Gastfreundschaft. Und ein Arzt mischt kräftig mit. Wtf?

Kurzfassung: Das Rauchverbot wurde heute außer Kraft gesetzt.

In all den anderen Ländern funktioniert es. Im kühlen Irland, als auch im warmen Italien. Ganz gleich wo. Sogar Tschechien bringt es fertig. Nur Österreich geht Schritt für Schritt (sofern der VfGH nicht rettend einspringt) zurück ins letzte Jahrhundert. Nicht mehr lange, dann gibts ein Reboot der 1930er.

„[…] Hartinger-Klein spulte dort in etwas mehr als einer Minute zwei Argumente für die Novelle ab: Mit dem Gesetz würde schließlich der Jugendschutz verbessert (an unter 18-Jährige dürfen etwa keine Zigaretten mehr verkauft werden) – und Raucher seien Suchtkranke, diese dürften nicht ausgegrenzt werden.“ (derStandard.at)

Jetzt ernsthaft? Weil Suchtkranke ausgeschlossen werden, wenn sie 5 Minuten zum Suchtgenuss nach draußen gehen müssen. Wtf? Ist das deren tatsächlich ernst? Sind das alles Schauspieler?

Hauptsache aber, die FPÖ stellt sich und ihre Klientel wiedermal als Opfer dar. Die armen Raucher, na geh. Sind se eh schon Suchtkrank und dann werden se ausgschlossen. Na wirklich. Immer diese links linken Nichtraucher.

Und was ist mit all den Lungenkranken, Asthmatikern und Leuten, deren ihre Gesundheit lieb ist, und die dadurch nicht in Raucherlokale gehen können/möchten, um nicht durch Passivrauch noch mehr geschädigt zu werden? „Aber die Abgase!“ – richtig, die sind genau so ein Problem, auch der Feinstaub, ein massives Problem sogar.

Dennoch, diese werden etwa nicht ausgeschlossen? Natürlich nicht! Und fühlten sich Raucher ausgeschlossen, als das Rauchen in Flugzeug, Zug und Büro verboten wurde? Fühlte man sich in seiner Freiheit eingeschränkt, als in den 1980ern die Verpflichtung zum Sicherheitsgurt kam? Vermutlich, denn der Mensch ist ein „Mag i nit/Will i nit“-Tier und muss zu allem erst mal unüberlegt „Nein“ sagen, bevor es nachdenkt und vielleicht drauf kommt, dass das ein oder andere doch Sinn macht.

Aber: „Kann sich jo jeder entscheidn wo er hin gehn mag!“ Ja, kann man – die Raucher müssen gequält des einzigen Nichtrauchers wegen im Nichtraucherbereich sitzen und töten mit Blicken: „Es näxte mal geh ma aber Raucherbereich!“ – „Definitiv… nicht.“

Ich hoffe sehr, die FPÖ konstruiert sich damit ihren eigenen Untergang. Und zwar wirklich. Aber vermutlich braucht es nur eine weitere Flüchtlingskrise und der „böse Auslender!!!“ löst den „militanten Nichtraucher!“ ab, der seinerseits wieder vom „selbstverschuldeten Armen/Schmarotzer“ ersetzt wird.

Österreich, what the heck?

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