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Happy Zombie Jesus Day.. Or not..

Fast hätte ich es vergessen, danke Social Media! Und zur Erklärung was ein Lich tatsächlich ist, der folge dem Link.

Edit: Und nun wissen wir auch, WordPress vom Telefon aus zu bedienen funktioniert eher .. weniger.

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Ein Kommentar zur gegenwärtigen Debatte um die Verschleierung

Oftmals irritieren mich die Dinge im weiten Web mehr, als wie sie mich schockieren. Das Internet ist ein seltsamer Ort mit noch viel seltsameren Gestalten und man sollte sich nicht, insbesondere auf Social Media Portalen, über gewisse Meldungen wundern.

Denn nehmen wir die (erneut oder immer noch) aktuelle Diskussion um das Verbot der Burka in Deutschland her, oder nennen wir sie, um eine Definitionsschlacht zu vermeiden, Diskussion um die Voll-Verschleierung.

Neben den Dingen über die ich mich wundere, irritierte mich schlicht und einfach die Blindheit und die Art und Weise der Argumentation vieler Leute. Manche Kommentatoren zogen beispielsweise den fehlenden Integrationswillen heran, wenn sich eine Frau komplett bedecke, worüber man durchaus streiten kann; manche andere argumentierten damit, man solle den Frauen doch ihren Willen lassen und eine Kleiderordnung führe zurück ins Mittelalter. Oder seien es Religion oder Politik, die heran gezogen werden, denn die Burka bedeute Abgrenzung zu westlichen Werten. Sicherlich, wenn in Aleppo die vom IS befreiten Frauen ihre Gesichtsschleier wegwerfen oder sie gar verbrennen und die Männer sich ihre Bärte stutzen, kann/mag man eine gewisse Nähe darin sehen. Und wenn konservative Gruppierungen sich plötzlich Gedanken zum Burka-Verbot machen, also zur „Selbstbestimmung der Frau“ kann man es den Gegenstreitern nicht verübeln, wenn diese von einer „Scheindebatte“ sprechen, denn Politik ist nun mal Politik und hat selten was mit den Rechten der Frauen an sich zu tun.

Worum geht es denn bei einer Voll-Verschleierung im Sinne einer Burka oder einem Niqab? Um ein Mittel, die Frau als Frau verschwinden zu lassen, kurz: Um die Unterdrückung der Frauen an sich. Oder treffender, wie von der Seite Terre des Femmes formuliert: „Alle Formen des Körperschleiers und des Gesichtsschleiers, sind Ausdruck religiösen Fundamentalismus, der Missachtung und Erniedrigung der Frau und ihrer Degradierung zu einem Objekt.“

Das Kopftuch selbst lasse ich mir vielleicht noch einreden, sei es als dass sie es als religiöse Pflicht wahrnehmen; dann allerdings müsste auf Verhübschung zwecks Make-up oder Mode gänzlich verzichtet werden, wie mir eine muslimische Arbeitskollegin erzählte. Aber genau so wenig, wie ein ordentlich gläubiger Christ jeden Sonntag zur Messe eilt, verzichtet die gläubige Muslima auf Make-up. Oder sei es tatsächlich, dass ihnen die Blicke der Männer unangenehm sind. Dann wiederum leuchtete mir die Kombination mit engen Leggings nicht ein.

Aber eine Voll-Verschleierung? Wieviele Männer oder Familienclans stehen dahinter und zwingen mehr oder weniger die Frauen diese zu tragen? „Ja, fragt doch mal die Frauen selbst, was sie wollen?“Und wieviele Frauen werden sich trauen die Wahrheit sagen? „Dann sollen sich die Frauen doch weigern!“ Um dann ausgestoßen und verfolgt zu werden? Im schlimmsten Falle ermordet? Und wenn die Leute dann von „Selbstbestimmung“ sprechen, wie weit hat eine Frau in dieser Kultur wirklich selbstbestimmt Möglichkeiten bzw. Möglichkeiten zur Selbstbestimmung? Diesen Punkt scheinen alle, die behaupten, man solle nicht über die Selbstbestimmung von Frauen richten, irgendwie zu übersehen und nehmen offensichtlich unreflektiert an, in deren Kultur hätten Frauen tatsächlich ein Mitspracherecht.

Wäre ein Verbot richtig? Ja! Denn man würde ein Zeichen setzen, dass dies in Europa nicht erwünscht ist. Verbiete man es nicht, wird eine Propaganda ermöglicht, wie Frauen zu sein hätten. Verbiete man es nicht, beginnt man Intoleranz zu tolerieren. Würde das Verbot etwas nützen? Vielleicht! Sieht man sich die Situation in Tessin (CH) an, wo die Frauen dann ihre Schleier abnehmen und sich den Gesetzen fügen, scheint dies funktioniert zu haben. Es kommt mir allerdings so vor, als leide der Deutschsprachige Raum immer noch unter den Nachwehen des zweiten Weltkrieges: jede Kritik an fremdländischen Gedanken wird sogleich als Rechtsextrem und Islamophob gewertet, als hetzender Nazi vom Dienst schlecht hin. Selbst liberale Islamgelehrte weisen auf einen ordentlichen Diskurs hin, und sprechen davon, dass der Niqab dem Islam schaden würde.

Erneut, würde das Verbot etwas nützen? Ich fürchte kaum. Es beschränkte sich dann vermutlich auf die Zahlung einer Bußsumme. Aber immerhin setzte es ein Zeichen. Der Zwang sich zu entkleiden jedoch, lädt die Diskussion emotional auf und wenn Bilder, wie aus Frankreich in der Burkini-Debatte (wenn auch nicht ganz vergleichbar), die Rundreise machen, so tut einem vor allem die Frau leid, die sich vor drei Männern ausziehen musste. Fiel jemanden schon mal auf, dass es immer Männer sind, die bestimmen was Sache ist?

Und alsbald man sich in die Debatte einklinkt, folgt die nächste Absurdität, deswegen ein kleiner Exkurs dahin:

„Aber Highheels sind doch genau so unterdrückend. Die Frau fügt sich den wollenden Blick der Männer!“ Richtig. Aber rate, mein lieber Leser, wer gab denn dem Minirock, der Seidenstrumpfhose und den Highheels den erotischen „Code“? Männer! Nicht Frauen müssen sich anders kleiden, der Mann muss aufhören Frauen zu objektifizieren, ganz gleich ob ihr Ausschnitt tief und der Rock kurz ist.

Und ziehen wir zum Vergleich die Parallele zum Thema „Vergewaltigung“ heran, denn oft heißt es: „Frauen, geht nicht nach 10 Uhr Nachts auf die Straße, sonst könntet ihr vergewaltigt werden. Zieht euch nicht sexy an!“ Wtf? Seriously? Die Frau ist also Schuld, wenn sie vergewaltigt wird? Genau das, wird mit dieser Aussage behauptet. Warum heißt es nicht: „Männer, sauft nicht und geht nach 10 Uhr nicht auf die Straße, die Chance, dass eine Frau vergewaltigt wird, sinkt dadurch.“

Es gibt derzeit eine Aktion von Männern, die das Kopftuch für ein Foto tragen, während die Frauen daneben sitzen, mit sichtbarem Haar. Das ist an sich eine lobenswerte Aktion, aber die Unterdrückung durch den gesellschaftlichen Zwang werden die Männer kaum spüren. Und natürlich dankt der Kapitalismus und hievt das Kopftuch zum Fashion Accessoire empor und alles mündet in der Diskussion: Will man Frauen vorschreiben was sie zu tragen haben? Es schließt sich der Teufelskreis.

Interessant ist auch Verbindung zum Alltagssexismus. Ich sah auf Facebook erst kürzlich eine Grafik die sinngemäß sowas sagte wie: „Wann wird über die mangelnden Rechte von Frauen diskutiert: Bei geschlechtsspezifischen Lohnunterschied, bei Alltagssexismus, bei Chancenungleichheit und: Wenn eine Frau ein Kopftuch trägt“ – letzter Teil der Grafik nahm 3/4 ein. No na nit. Während das Kopftuch als sichtbares Zeichen der Unterdrückung gewertet wird – oder eben nicht – so trifft das auf den Alltagssexismus nicht zu, aus dem einfachen Grund, weil man ihn nicht physisch sieht.

Alltagssexismus nehmen viele nicht wahr und/oder registrieren diesen nicht mal, denn ein misogyner Witz „war ja eh nur Spaß“. Chancenungleichheit nehmen ebenso wenig Leute wahr und geschlechtsspezifischer Lohnunterschied resultiert genau daraus und die Leute argumentieren auch noch absurderweise damit. Ja natürlich bekommt die Frau weniger Lohn, wenn sie von vornherein weniger Chancen hatte. Wtf world, are you mad?

Das Kopftuch aber, um in dieser Diskussion den Kreis zu schließen, die Burka sowie der Niqab, sind sichtbar und fremd und fügen sich durch den bedeckenden Aspekt nicht der westlichen patriarchalen Struktur, dass die Frau für den Mann verfügbar sein soll, jedoch aber jenem Aspekt des Patriarchalismus, dass der Mann der Frau vorschreibt was sie zu tragen habe, sei es der Blicke anderer wegen, und/oder weil er sie für sich besitzen möchte; und/oder sie es tragen „will“, eben der männlichen Blicke wegen.

Warum reißt nicht einfach mal der Mann sich am Riemen und achtet auf „seine“ Verhaltensweisen, anstatt dass (oftmals) Männer über das Wohl von Frauen diskutieren?

Und wenn die Süddeutsche Zeitung im Forum frägt ob Westliche Werte und Burka vereinbar sind, so haben es auch diese wirklich nicht verstanden, erneut:

Es geht hier insbesondere nicht einmal nur um die westlichen Werte, sondern um die Werte der Frauen die via Voll-Verschleierung begraben werden. Selbst der Westen hat diesbezüglich noch was zu lernen, was es bedeutet Frauen die exakt selben Rechte zuzugestehen wie den Männern. Es ist immer noch die Frau die Karriere zwecks Kind zurück stellt. Niemand verlangt dies beispielsweise vom Mann, zugegeben in sicher Hinsicht sind auch seine Möglichkeiten begrenzter. Es ist immer noch die Frau, die daheim beim Kind bleibt, wenn es krank ist und die Frau, die nun alles tun soll. Von Haushalt, bis Kind, bis Job und im folgenden diskriminiert wird, wenn sie nur eines der Dinge tun möchte. Möglichkeiten, Herrschaften, es geht hier besonders auch um Möglichkeiten!

Kann ein reformierter Islam helfen? Wenn der Islam – der um ca. 650 Jahre jünger ist als das Christentum und nie eine Aufklärung durchlaufen hat, und somit in vielen Dingen als rückständig gesehen wird – diese althergebrachte Haltung ablegt, so kann er das tatsächlich, sofern er sich der gleichen Aufgabe annimmt, derer man auch in Europa langsam Gewicht einräumt.

Muss man eine Kultur akzeptieren, die anderen Menschen Autonomie nimmt? Nein! Man muss und darf und soll dies nicht. Weiße privilegierte Europäer glauben, man müsse nach jahrelangem Missionieren und der damit oft einhergehenden Auslöschung des einen oder anderen Volkes, alles tolerieren nur weil es von einer anderen Kultur kommt, sei es aus Schuldgefühl oder, dass Multikulti im Neoliberalismus kapitalistisch vermarktbar wird, weil Diversität und so. Warum nimmt man nicht Leute aus dieser betroffenen Kultur und gibt ihnen mehr Sprachraum? Warum glaubt der Europäer er wisse alles besser? Der Aufklärung wegen? Man klagt den Islam der Frauenfeindlichkeit wegen an, aber reißt selbst sexistische Witze. What the hell, world?

Und ja, ich biete eine Lösung: Einzig allein Bildung, Aufklärung und vor allem die Möglichkeit(!) für betroffene Frauen ernsthafte Hilfe und Schutz in Anspruch nehmen zu können, würde vielleicht ein Umdenken bringen. Wenn diese Frauen informiert und sich dessen bewusst wären, dass es eine Möglichkeit gäbe sich aus dem System aus zu klinken ohne sich in Gefahr zu bringen, dann, so denke ich mir, könnte man vielleicht etwas erreichen. Dann könnte ein Bewusstsein geschaffen werden, ein Selbstbewusstsein, dass sie doch mehr sind als wie nur Mutter oder Ehefrau. Mehr als nur ein hübsches Gesicht unter Make-up. Dass sie aus diesem System ausbrechen dürfen, können und sogar sollen.

Und wenn mir einer sagt „Sie können ja!“ Dann wundere ich ernsthaft mich über dessen Geisteszustand: Warum gibt es nicht mehr Berichte von muslimischen Frauen aus islamischen Staaten? Warum lesen wir nicht ständig Reportagen oder Kommentare oder Interviews? Weil diese Frauen in Angst leben. Man braucht nur die simple Biographie von Sabatina James lesen um das Ausmaß zu erahnen. Vielleicht haben wir uns aber nur daran gewöhnt, wie an die verhungernden afrikanischen Kinder. Ja, es gibt sie immer noch! Kümmert es irgendwen? Nein, es betrifft uns ja nicht. Verdammte Wohlfühlgesellschaft.

Es muss sich also etwas in der Grundhaltung gegenüber Frauen ändern. Generell. Solange sie entweder als Objekt zur Unterdrückung, als Eigentum oder als Objekt zur Sexualisierung gesehen werden, wird sich nichts ändern. Da ändert kein Gesetz der Welt etwas dagegen. Und dieser Appell richtet sich an Frauen, wie an Männer gleichzeitig.

Links (Auswahl):

Ein Kommentar

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Ein Sammelsurium an (feministischen) Gedanken im Jahr 2016

Inspiriert von Gesprächen mit meiner feministischen Muse.

Der Fall GinaLisa und der Hass gegen eine weibliche Fußballkommentatorin sind nur wenige Beispiele zeigen, dass es auch in Europa „nicht besser“ ist. Ganz zu schweigen von den US of f. A.

„Frauenhass“ ist ein Grenz – und Zeit überschreitendes Phänomen. Feminismus kann, soll und muss als Befreiung aller Frauen von „patriarchaler Gewalt“ verstanden, und darf nicht nur als „Wohlfühlprogramm“ gesehen werden, demnach alles okay ist, solange sich Frauen nicht unwohl fühlen. Wenn Beyonce sich als Feministin berufen fühlt und damit den Verkauf ankurbelt, sich aber gleichzeitig lasziv in die Kamera räkelt, trägt dies keine politische Botschaft in sich. Sie enthebt sich lediglich der Verantwortung, durch klare Werte vielleicht unangenehm aufzufallen und sich Kritik auszusetzen. Feminismus dient nicht dazu, von Männern sexy und cool gefunden zu werden. Männer können den Feminismus unterstützen, ihn jedoch zu sexualisieren läuft in die Gegenrichtung.

Ebenso gehört Kapitalismuskritik dazu, um etwa aufzuzeigen wie absurd es ist zu glauben, es sei ein Zeichen feministischer Selbstbestimmung Produkte zu kaufen, die einen schöner machen sollen und es dann als feministisch einzuordnen, in Annahme man tue es ja um seiner Selbst willen. Gleichzeitig aber wird man darauf gedrillt „hübsch“ zu sein und die Katze beißt sich selbst in den Schwanz. Nimmt man sich aus dem System heraus, fällt man womöglich negativ auf, was wiederum unangenehme Konsequenzen für weitere Aspekte des Lebens nach sich ziehen kann.

Und anstatt Flüchtende als Chance zu sehen, den Kulturübergreifenden Frauenhass zu thematisieren, wird ein Grabenkampf unter Feministinnen abgehalten, bei dem sich diverse Seiten gegenseitig diffamieren. Im gleichem Zug wird von recht traditionellen politischen Gruppierungen der Feminismus für ihre Zwecke instrumentalisiert, der „böse schwarze Mann“ und die „arme weiße Frau, die selbstbestimmt sein soll“ – gleichzeitig wird mit einer nackten Frau geworben, während zwei Seiten weiter im Parteibuch steht, die von Gott zugesprochene Rollenverteilung darf nicht aufgehoben werden. Same same, but different?

In der aktuellen Diskussion legt man besonderen Wert auf sekundäre Dinge, wie das Binnen-I. Einerseits soll dafür Bewusstsein geschaffen werden, andererseits bleibt eine negative Konnotation zurück. Ganz abgesehen von banalen Dingen, dass es auf den Lesefluß störend wirkt, lenkt es von den eigentlichen Problemen ab: Gleichberechtigung und Gleichbehandlung, gleiche Entlohnung und Chancengleichheit. Gäbe es eine einheitliche Entlohnung, die lediglich auf Qualifizierungen achtet, wäre es auch den Vätern möglich, die Mutter zu entlasten und anständige Karenzzeit zu nehmen. Somit könnten gewisse traditionelle Strukturen aufgebrochen werden.

Denn das Problem beginnt bereits in der Kinderstube wo Mädchen Puppen und Schminke bekommen und Buben nicht weinen sollen, „kein Mädchen“ sein dürfen. Bereits vor der Geburt wird die Chancengleichheit beeinträchtigt. Daher sind starke Frauenfiguren wie beispielsweise Rey aus Star Was  ein Schritt in die Richtung Mädchen zu verklickern: Du kannst beides sein, Prinzessin UND Kriegerin und Buben zu lehren: Starke Frauen sind in Ordnung. Dass Disney dem entgegen wirkt und es weit weniger Rey-Material gibt, da Buben nicht mit einer Puppe spielen wollen, besiegelt die Sache für sich.

Um auf die Flüchtenden zurück zu kommen: Dass Frauenrechte in muslimisch geprägten Staaten unter den Standards von Jenen in Österreich sind heißt weder, der in Österreich sei hoch genug, noch sich unreflektierter wie falscher Toleranz hinzugeben. In westlichen Länder ist die Demokratie ein Wert an sich ist, der nicht in Frage gestellt werden darf. Wenn das Kopftuch vorgeschrieben wird ist dies nicht vereinbar mit der Selbstbestimmung und Autonomie. Genauso dumm wäre es, das indische Kastensystem integrieren zu wollen, da es nicht mit der Selbstbestimmung eines jeden Menschen einher geht. In diesem Fall beträfe es auch Männer. Shit happens.

Wenn Frauen einer französischen Universität glauben, sie täten mit dem „Kopftuchtag“ den muslimischen Frauen etwas „gutes“, indem sie sich mit der Religion solidarisieren, ist dies schlicht und einfach falsch. Iranische Frauen kämpfen ihren eigenen Krieg und bitten westliche Frauen ausdrücklich darum, das Kopftuch nicht zu tragen.

Dass aber auch High-Heels bei manchen Feministinnen als Zeichen der Unterdrückung gesehen werden, da sie aus dem Grund tun, dem Mann zu gefallen und sich objektifizieren, bekam erst kürzlich durch die Aussage von Kit Harrington wieder Gewicht, der sich objektifiziert fühlte, weil er bei einem Shooting sein Hemd ausziehen hätte sollen. Der Aufschrei eines „weißen, europäischen Mannes“ im Bezug auf Objektifzierung ist nicht mit der Objektifzierung von Frauen gleichzusetzen. Aber sicherlich, Sexismus funktioniert in beide Richtungen.

Den Sexismus, den Schauspielerinnen täglich erleben, die oft nur aufgrund ihres Äußeres gecastet werden, lässt die Frage zu: Wo soll man mit Systemänderungen anfangen? Es beginnt alleine schon damit, dass Frauen weit weniger verdienen und ersetzt werden, wenn sie nicht „sexy“ genug sind. Die Rollenauswahl ist dementsprechend gelegt. Üble Nachrede, sie habe sich hoch geschlafen sind sie erfolgreich, bleibt Männern oftmals erspart. Und wenn, wird es als heroische Tat gesehen. Frauen über 40 haben fast keine Chance mehr auf vernünftige Rollen, außer man trägt einen berühmten Namen. Männer hingegen haben kein Haltbarkeitsdatum im Film. Selbst alternde Hunks können danach in eine andere „Kategorie“ wechseln. Sind sie „fett“, können sie sich maximal in einer Komödie etablieren – wobei dort die meisten Witze auf ihre Kosten gehen (Freier Auszug aus Moviepilot.de, Punkt 3).

Wenn Frauen ihre Körper zeigen, muss das nicht zwangsläufig etwas mit Selbstbestimmtheit zu tun haben, sondern kann Teil einer patriarchalen Struktur sein, dass Frauen primär über ihre Körper Selbstbewusstsein erlangen, was wiederum gut ins neoliberale System passt. Wenn Frauen also glauben, es wäre eine Stärke der Frau, sich auszuziehen, und demzufolge im Glauben handeln ein Alphatier zu sein, in dem sie etwas tun, dass sie ja selbst wollen, könnte man schließen, sie folgen nur dem System. Wie ein Witzbold meinte: Der Sieg der Männer über den Feminismus manifestierte sich darin, dass Poledance nun ein anerkannter und ordentlicher Sport ist. Sicherlich, Poledance kann sehr ästhetisch sein.

Männer hingegen, die sich beziehungsweise ihren Körper als mächtig, selbstbewusst und cool präsentieren wirken lächerlich und selbstverliebt. Frauen hingegen werden oft durch die Augen von Männer gesehen und danach beurteilt. Der oft in den Medien parodierte und tatsächlich existierende Neid unter den Frauen ist das beste Beispiel dafür, und macht die Sache nicht besser. Sestra!

Wenn also einerseits, der (sehr wohl gerechtfertigte) Aufschrei eines Mannes bezüglich Objektifzierung, mehr Aufmerksamkeit erzielt, als wenn eine Frau es anspräche, dies aber aufgrund anderer Voraussetzungen nicht verglichen werden kann, und andererseits der Aufschrei eines Mannes belustigt wird, weil eben nicht vergleichbar, so mündet es dann nicht in einer gewissen Ambivalenz? Während Frauen ihr Unbehagen aus universellen Positionen aussprechen, da sie, ganz gleich in welcher Gesellschaft und in welcher Zeit, überwiegend Benachteiligung erfuhren, äußert ein Mann das Empfinden individuell, ohne eine politisch gesellschaftliche Komponente mitzutragen und Frauen deswegen nur mehr belächelt werden, weil ihre Belange zu „mühsam“ sind? Eine Änderung des kollektiven Verhaltensmusters wäre sicherlich aufwendig, insbesondere wenn eine Seite glaubt, sie verliere dabei. Und eben genau deswegen muss der „Wohlfühl-Feminismus“ scheitern, nachdem alles in Ordnung sein soll, solange niemand verletzt wird. Er bleibt inhaltslos. Dieser doppelte Standard äußert sich weitergehend darin, dass man als Frau einerseits zwar selbst entscheiden kann, wie man sich kleidet und präsentiert, einem jedoch unterstellt wird, man täte es nur der männlichen Aufmerksamkeit wegen, andererseits bleiben kaum andere Möglichkeiten, denn Unterlassung führe erneut zu einem Zwang (es eben nicht zu tun) und eventuellen zu negativen Konsequenzen, wenn man nicht in gewissen Belangen am System partizipiert.

Wtf?

 

Auswahl an Übersicht der Links:

Ein Kommentar

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Happy Zombie Jesus Day!

Jesus starb am Kreuz. Also ist Jesus tot.
Jesus erhob sich aus seinem Grab.
Tote, die wieder auferstehen nennt man „Untote“
„Untote“ werden laut Popkultur auch „Zombies“ gerufen.
Konklusion: Jesus = Zombie.

 

Siehe auch:

Happy Zombie Jesus Day!
Wikipedia Ostern
Wikipedia Zombie

Eventuell nützlich: Der Zombie Survival Guide von Max Brooks. Wer sich lieber an das englische Original hält, der klicke bitte hier.

 

Folgend reichlich via Google gefunden und im besten Sinne gestohlene Impressionen diverser und mir gänzlich unbekannten Menschen.

Hf.

 

 

 

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„Le tout nouveau Testament“ zu deutsch: „Das brandneue Testament“

Und am 7. Tag ruhte der Herr.

Unmittelbarer Eindruck folgt. Spoiler! Ich wiederhole: Massive SPOILER! Erst NACH dem Film lesen. Lesen auf EIGENE Gefahr! Ich habe gewarnt.

Gott, der Griesgram, lebt in Brüssel. Hasse deinen Nächsten, wie dich selbst. Alles was schief geht, wurde von ihm kreiert. Das Marmeladebrot, welches auf die Marmelade-Seite fällt – ausser, die Marmelade wurde auf der anderen Seite gestrichen, dann fällt es auf die andere Seite. Und Flugzeugabstürze. Und wenn man erst grad in die Badewanne steigt, läutet das Telefon. Und dergleichen. Er ist schuld, an allem was schief gehen kann oder wird.

Gott hasst sich, verbietet seiner Frau (Ebenfalls Göttin) den Mund. Sie stickt und sammelt Baseball-Karten. Er hasst Baseball. JC, ihr ältester Sohn ging von zuhause fort, Gott hat nur Verachtung für ihn übrig und Ea, die junge Tochter, wird öfters mit dem Gürtel zurecht gewiesen. Gott ist ein garstiger, böser, alter Mann mit dickem Bauch im kartierten Schlafmantel und ausgeleierten Unterhemd. Vom PC aus, in einem Raum voller Akten, genießt er es Unheil anzurichten, Kriege in seinem Namen anzuzetteln und so weiter.

Eines Tages beschließt Ea sich an ihrem Vater zu rächen. Sie will die Welt besser machen. Aber sie zielt auf Rache ab. JC, die Jesus-Statue in ihrem Zimmer, rät ihr zu 6 Apostel, das ergebe zusammen mit seinen 12, 18 – die Zahl eines Baseballteams. Sie will ihr eigenes Testament schreiben und die Apostel von sich berichten lassen. Zuvor sendet sie alle Sterbedaten an die Menschen, die diese via Smartphone erhalten: „Sie haben X Jahre, X Monate, X Tage, X Stunden, X Minuten und X Sekunden zu leben.“ Sie sperrt den Computer ihres Vaters und gelangt durch die Waschmaschine zur Erde, ins Paradies.

Bald trifft sie auf einen Sandler, der ihr Schreiberling wird und die Story beginnt.

So. Eine etwas längere Einleitung zu einem genialen Film. Aber ich bin nicht überrascht, der zynische/ironische Amelie-Verschnitt in bester französischer/belgischer Manier erzählt, regt an mehr sehen zu wollen. Sechs Apostel gibt es. Bei Nummer vier dachte mir: Nur noch 2! Oh Nein! Ich würde gerne noch mehr Geschichten sehen. Ja fast war ich traurig, dass es bald ein Ende haben würde. Jedoch schafft der Film in der Art der Fortführung der Geschichte, die Wende zu einem – es ist ok, dass es zu Ende geht. Nicht, weil der Film schlechter wurde – aber weil man doch gespannt ist: Was kommt danach? Nach dem Tod kommt übrigens nichts.

Es wird wahrlich ALLES umgedreht. Und von Sodomie (der Gorilla!) bis über Transgender (Der Bub er ein Mädchen sein wollte) ist alles mit dabei: Gott wird in der Kirche von einem Priester verdroschen, den er mit Absicht aufs äußerste reizte und Jesus grinst dabei vom Kreuz. Herrlich. Besser hätte man es nicht schreiben können. Natürlich mit einem Augenzwinkern. Gott wird gegen Ende übrigens nach Usbekistan zum Waschmaschinen-Bau abgeschoben, da ihm die Papiere fehlen.

Und natürlich gibt es eine einfache Botschaft: Lebe! Verleihe/Verkaufe deine Lebensspanne nicht einem beschissenen Unternehmen, zu dem du demotiviert hingehst und es halb depressiv wieder verlässt. Tu das, was dir Freude bereitet! Reise! Synchronisiere einen Porno, wenn dir danach ist!

Denn nähmen wir an, wir wüssten, wann wir sterben – was würden wir tun? Manche würden ihr Leben weiterleben wie bisher, manche würden Reisen gehen. Ich würde Reisen gehen. Sicherlich, je nach Zeitspanne. Ob man nur mehr 4 Monate oder 40 Jahre unter den Lebenden verweilt, trägt zur Entscheidung bei. Und wenn das Todesdatum vorherbestimmt ist, lässt es sich auch öfters aus einem Flugzeug springen, ohne dabei in den Tod zu stürzen. Ein satirischer Anriss zur aktuellen Medienkultur.

Erneut: Ich fand den Film großartig, frisch und ironisch. Europäer halt. Dem Mädel prognostiziere ich eine große Karriere, sofern sie sich einen g’scheiten Agenten sucht, der ihr gute Rollen verschafft.

Fazit: Wenn man die Frau gleich von vorne alles machen ließe, wäre der Himmel bunter, man könnte unter Wasser mit Fischen an der Leine spazieren gehen und es gäbe keine Schwerkraft! Man könnte die globale Erwärmung genießen, ohne dass Flora und Fauna darunter leiden würden. Welch satirische Anekdote! Dass die Göttin als stereotype Frau gezeigt wird, häuslich und auf die schönen Dinge bedarft, wird in diesem Kontext, mit einem wohlwollenden Lächeln gerne hingenommen. /Fem-Mode off

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