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[#WritingFriday] Week 15

Woche 15 ist schon lange vorbei, am Freitag dem 13. im April wäre sie gewesen – ich werde es wohl nie auf die Liste schaffen, aber sei’s drum. Immerhin schaffe ich es, dem Zufall sei Dank, zumindest an einem Freitag wieder mal zu veröffentlichen.

Die verbleibenden Themen für den April sind:

Es wird nicht einfacher.

Und mich überkommt die Lust, alles unter einer speziellen Kategorie zu schreiben und die Themen in eine Art unabhängiger Geschichtenkomplex zusammen laufen zu lassen: einer alternativen Realität, in der seltsame Kreaturen Menschen infizieren, die sogleich dem Wahnsinn verfallen – oder sterben. Also ja, eine Zombie-Geschichte – was, zugegeben, nicht sonderlich originell ist, aber was solls. Immerhin hatten wir im Krankenhaus die drei Verwachsenen. Die Chefärztin musste sich schlussendlich gar nicht mehr entscheiden, da die äußeren beiden angefangen hatten, den in der Mitte aufzufressen. Sie starben alle. Die Infektion zog nach Norden weiter und konnte nach einiger Zeit, durch ein mysteriöses Mittel eingedämmt werden. Denn was gegen Karies hilft, kann auch gegen andere Infektionen behilflich sein.

Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.

„Sehr geehrter Herr Ottomar von Mayenburg,

Ich schreibe diesen Brief lange nach Ihrem Tod, denn die Vereinten Nationen sind Ihnen zu größtem Dank verpflichtet. Durch Ihre Erfindung der Zahnpasta, war es uns möglich die weitere Ausbreitung der Infektion zu lähmen und sie schlussendlich zu besiegen – auch wenn für Millionen die Hilfe zu spät kam.

Wie das, hätten Sie sich vielleicht gefragt. Es trug sich an einem gewöhnlichen Abend im Quarantäne-Quartier A-VII zu. Ein kleines Mädchen wollte ihrem Stoffbären vor dem zu Bett gehen die Zähne putzen und hatte den aufgenähten Mund, auf welchem sich offenbar Keime der Infektion befunden hatten, reichlich mit Zahnpasta eingeschmiert.

Sie selbst hatte das Glück von Natur aus immun zu sein, wie nur ganz wenige andere – weswegen sie ohne Probleme durch den Analysator gehen konnte – dieser übrigens nur eine bestehende Infektion erkennen kann, weswegen TeddyLeddy, so der Name des Bären, ebenfalls keine Reaktion zeigte – und auch die Keime auf Kleidung und Gegenständen nicht erkannt wurden, und es immer wieder zu Ausbrüchen innerhalb der, wie man annahm, sauberen Zonen kam.

Alsbald sie die Zahnpasta auftrug, fing der Stoffbär Feuer und verbrannte. Dieser seltsame Vorfall nötigte die Wissenschaftler dem Phänomen erneut und noch intensiver nachzugehen; Sie müssen wissen, es hatte nach und nach eine Art Apathie eingesetzt, da sich keine eindeutigen Lösungen fanden und die Priester, deren Predigten unsere Sünden (so auch die Wissenschaft) zur Verantwortung zogen, konnten viele renommierte Köpfe für ihre Seite gewinnen, welche daraufhin ihre Forschung einstellten und den Fakt als Gottes Gegebenes Geschenk akzeptierten.

Wie dem auch sei. Das Mädchen, welches sich leichte Verbrennungen zuzog, weinte bitterlich, dass TeddyLeddy gestorben war und wollte keinen Ersatz. Beide wurden aus Marmor gefertigt und triumphieren am Heldenplatz der Vereinten Nationen in London.

Die Mischung aus Bimssteinpulver, Calciumcarbonat, Seife, Glycerin, Kaliumchlorat und Pfefferminz-Aroma war exakt jene, die notwendig war, um die Infektion zu stoppen. Zwar konnten die meisten der Infizierten nicht mehr gerettet werden – aber wir alle, die wir am Leben sind, einarmig oder nicht, mit weniger Gliedmaßen als gedacht oder noch allen dran – sind dankbar für diesen glücklichen Zufall, der mittlerweile auch erklärt, warum sich so viele Menschen auf seltsame Weise selbst entzündet hatten. Niemand hatte Antworten darauf oder Zeit, eine Antwort zu finden.

Ein Flammenmeer, das können Sie sich denken, überflutete die Welt für kurze Zeit, Wälder mussten in Verbindung mit der chemischen Substanz der Zahnpasta niedergebrannt werden, viele Tiere und Menschen verloren ihr Leben im Zuge der „Reinigung“, wie die Priester, die mittlerweile wieder an Ansehen gewonnen hatten, es nannten. Trotzdem, war es eine lange, lange Diskussion – aber das Überleben der menschlichen Rasse und auch der anderen Geschöpfe erforderten Opfer. Mittlerweile kämpfen wir nicht mehr gegen die Infektion, sondern die Rebellion und den Glauben an, die beide übrigens nichts miteinander zu tun haben, die Medien uns drei Parteien aber immer irgendwie in Verbindung bringen wollen. Ich sage es Ihnen, wirre Zeiten sind es.

Wie dem auch sei, verehrter Herr Mayenburg – dank Ihnen hat der Planet Erde eine zweite Chance bekommen – und so auch die Menschheit.

Mit freundlichen Grüßen,

die Vereinten Nationen des Planeten Erde.“

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[#WritingFriday] Week 14

Zwei Wochen hab ichs durchgehalten Beiträge pünktlich zu verfassen und am selben Tag noch online zu stellen. Immerhin etwas. Einmal gab ich auf. Mitmachen werde ich trotzdem weiterhin, aber ohne Zeitdruck. Aktuell sind wir bei Woche 14, am 16.4, Montag.

Die Themen für den April sind:

  • Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.
  • Bei einem großen Familienfest erfährst du, dass deine Großeltern bereits seit vielen Jahren in einer offenen Beziehung leben. Schreib die Szene auf, die sich nach diesem Geständnis ergibt.
  • Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.
  • Eine Frau verwählt sich und landet bei einem fremden Mann. Unerwartet beenden sie das Gespräch aber mit einer Verabredung. Schreibe das Telefonat dazu auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: „Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie…“ beginnt.

Achtung: Kann Teile von Splatter und Gore beinhalten – ja, es geht um Zombies. Achtung, die Meinung und Humor der Protagonisten muss nicht zwangsläufig dem Humor der Verfasserin entsprechen.

Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.

Du wirst es nicht glauben, liebste Freundin, aber die Lage ist schlimmer als erwartet. Sie sind überall. Wir haben keine Möglichkeit mehr das Gebäude zu verlassen. Wir sind eingekesselt. Weißt du noch, wie ich mich gestern gefreut habe, am Puls des Lebens sein zu können und nun tanzt er Tango mit mir! Tango in der Profiliga, mit mir, die selbst beim Gehen über ihre Füße stolpert. Zack, zack. Alles muss geordnet sein, alles nach Plan verlaufen, ein Schritt nach dem anderen. Alles dokumentiert werden. Aber in Blockschrift.

Da war eine Frau, der haben sie die Leber heraus gefressen, einfach so. Ein Stück des Darms hing heraus und sie hat ihn in ihren Händen gehalten, wie ein kleines Kind, und gestreichelt. Sie war wohl vor Schock ganz apathisch und wusste nicht, was passierte. Wenig später ist sie gestorben. Ein älterer Herr wurde danach geliefert, seine Weichteile waren in drei Teile gespalten. Und Drehung! Ein hübscher Arbeitskollege witzelte noch, der Alte könne sich doch nun einer Transgender-Operation unterziehen, viel sei eh nicht mehr zu retten. Ich musste unfreiwillig lachen, wie ein Schulmädchen, aber hatte er doch recht, viel war nicht mehr zu sehen, außer etwas Blut und Hackfleisch. Auch er hat es nicht überlebt. Die Infektion hatte sich bereits im Körper ausgebreitet. Takt halten! Zeitpunkt des Todes, 14.45. Kurz darauf wurde ein Mädchen eingeliefert, die nur mehr einen Arm hatte, und ein Bein. Die Infizierten hatten sie erwischt, wir mussten, eine ganze Menge wegschneiden um ihr Leben zu retten. Aber sie wird es schaffen. Welche Musik wird beim Tango gespielt? Kann man Tango zu Kapellen-Musik tanzten? Teller zittern, Geschirr klappert. Ich habe Instrumente fallen lassen, die Chefärztin war verärgert.

Der Takt ist unnatürlich und macht mir zu schaffen. Vielleicht ist es kein Tango, sondern eine Abart davon, etwas künstlerisches, dass, was sie im Theater tanzen, um aus der Vielzahl an individuellen Produktionen heraus zu stechen. Gerade noch, dass ich Schritt halten kann. Und der nächste Patient wird geliefert, eigentlich sind es drei. Sie wurden im Keller eines Wissenschaftlers gefunden, der an ihnen herum experimentierte, bis er an den Folgen der Infektion gestorben ist. Er hat sie aufgeschnitten und danach eng zusammen geschnürt und ihre Wunden zusammen genäht, anders kann ich es mir nicht erklären. Aber warum? Es ergibt keinen Sinn. Manche verfallen dem Wahnsinn, andere sterben nur. Es ist ein erstaunliches, wenn auch erschreckendes Gebilde. Ich habe sowas noch nie gesehen. Es blutet nicht mehr. Sie sind nur mehr vage infiziert, der Wissenschaftler hatte gute Arbeit geleistet und offenbar spezielle Mittel zur Verfügung. Wir sollten diese Mittel haben. Warum hat er es nicht selbst verwendet? Mein Arbeitskollege meinte, die Polizei habe alles durchsucht, aber nichts gefunden. Die Chefärztin sagte, sie können einen retten. Wer hat ein Recht auf Leben? Der rechts außen, der linke oder der in der Mitte?

Wem ist es vergönnt, weg geschnitten und gerettet zu werden? Ich weiß es nicht, ich muss es auch nicht entscheiden. Ich muss nur dastehen und die Werkzeuge hinhalten. Dokumentieren was gemacht wird und wann wer stirbt. Und zusehen. Gelegentlich vielleicht auch etwas Blut absaugen oder infiziertes Gewebe wegschneiden, und darauf achten, dass es mich nicht berührt. Grauslig, ich sags dir. Verbringe deine letzten Tage wohl in deinem Haus, und verlasse es erst wieder wenn die Seuche weiter gezogen ist. Ich hörte, die Infizierten ziehen nach Norden, weg von hier.

Die drei sehen mich mit qualvollen Augen an. Sie reden die ganze Zeit miteinander, ihre Köpfe sind nah beinander, an Brust und Rücken zusammen gewachsen. Der in der Mitte hat es am schwersten. Ständig reden die anderen auf ihn ein, sie finden er solle sterben, schließlich könnten sie vielleicht beide überleben, wenn sie ihn in der Mitte töten. Eine Niere für dich, eine für mich. Das Herz, da wird sich schon ein zweites finden. Die Chefärztin wird entscheiden müssen was getan wird. Gut, dass ich das nicht muss.

Und was ich eben gefunden habe:

Damit wird künftig etwas gearbeitet werden. Wer weitere Vorschläge hat, bitte gerne – aber via Kontaktformular.

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Happy Zombie Jesus Day!

Zur Auflockerung:

Aber, man muss sich auch zu Ostern an den Kopf greifen:

„Im Netz beschweren sich zahlreiche Nutzer darüber, dass Schoko-Osterhasen „Schmunzelhasen“ heißen – das tun sie aber seit 1973.“ (derStandard.at)

Besser wohl: Im Netz beschweren sich ein paar Deppate darüber, dass der Schoko-Osterhase „Schmunzelhase“ heißt und sehen darin einen Kniefall vor dem Islam. What the heck? Nein, ernsthaft jetzt? Das ist ein Ding? Ich mein, dass die traditionelle rechte Klientel wenig Ahnung von nichts hat und Bildung feindlich gegenüber gestellt ist, ist klar, aber … wtf?

Anyway.

  • Filme, die zu Ostern (in Deutschland zumindest) nicht gesendet werden dürfen sind u.a. Heidi, Das Leben des Brian und Mary Poppins. Für mehr Informationen folgt bitte diesem Link und diesem.
  • Die Frage, ob es sich tatsächlich um einen Zombie handelt, beantwortet dieser Eintrag von 2017.
  • Eine Galerie mit dem wohl Besten was das Internet ausspuckt, findet sich 2016.
  • Und was es mit der Düsternis und Finsterkeit am Karfreitag auf sich hat, und wie es früher war, lässt sich hier nachlesen.

Lustigerweise hat sich am Karfreitag noch ein interessantes Bild ergeben – und ihr wisst, was ein Regenbogen bedeutet.

Auch nicht schlecht, wenn auch natürlich falsch. Die Nägel wurden nicht in die Handflächen geschlagen, sondern hinterm Handgelenk.

Gruslig:

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Politik könnte so einfach sein.. (?)

Über kurz oder lang findet sich der Kern der Wahrheit. Der Kern der Sache muss kurz gehalten werden. Kernig wird in aller kürze erzählt. Die Spanne an Wortwitzen, die sich aus dem aktuellen politischen Debakel in Österreich finden lassen, ist unendlich. Wie der eine oder andere vielleicht mitbekommen hat, steht Österreich wieder einmal politisch vor einem Dilemma: Der Vize-Kanzler sprang ab und Außenminister Kurz zieht Neuwahlen in Erwägung mit 7 Bedingungen und eigener Liste. Hofer meinte sogar, es handle sich um eine Staatskrise! Bei Verlaub, Mr-You’re-Not-President: Venezuela hat eine Staatskrise, Österreich hat ein Kasperltheater.

Und so schlug man mir die Loswahl vor, genannt Demarchie. Eine Gruppe, via Loswahl, zusammengewürfelt aus allen Schichten als Entscheidungsträger über Investitionen und Gesetze. Menschen aus dem Volk. Menschen, wie du und ich. Menschen aus dem wahren Leben. Und so wie sich das anhört, ist das gut! Und ja. Ist es! Aber die Umsetzung könnte sich etwas schwieriger gestalten als manch einer annehmen möchte – oder auch nicht; und da ich nicht anders kann, als das durchaus gute Konzept in einer Parodie zu simplifizieren, greife ich auf Klischees zurück: Die Loswahl entscheidet sich für den rechtsextremen Georg, die 6fache Mutter Barbara, den Pensionisten Gunnar, die Philosophiestudentin Annika und den Hipsterhippie Moskul.

Diese fünf Menschen, wie das Leben sie kennt, wie wir sie kennen und wie RTL und Arte sie uns seit Jahren medientauglich Nachmittags überspitzt serviert hat, werden über unterschiedliche Dinge und Themen diskutieren und darüber abstimmen.

Mindestsicherung / Bedingungsloses Grundeinkommen: Ja/Nein?

Der rechtsextreme Georg ist dagegen: ein jeder solle arbeiten, sowieso werde die Mindestsicherung beziehungsweise das Bedingungslose Grundeinkommen nur ausgenutzt. Pensionist Gunnar sieht das ähnlich, schließlich hat er fast 50 Jahre für den Staat gearbeitet und er sieht nicht ein, warum jemand fürs nichts tun bezahlt werden sollte. Mutter Barbara ist dafür. Ohne Mindestsicherung säße sie auf der Straße

„Ja hättest nit so viel gworfen!“ ruft Georg dazwischen. Barbara wurde mit 17 ungewollt schwanger, behielt das Kind, der 20jahre ältere Michael machte sich nach der Geburt aus dem Staub. Kind ja, Verantwortung nein. Die anderen kamen ebenfalls unerwartet, aber Leben ist leben. Pensionist Gunnar sieht das gelassen, seine Rosi habe schließlich 8 gesunde Buben zur Welt gebracht.

Philosophin Annika ist ebenfalls dafür: Ein jeder solle die Freiheit haben zu entscheiden, was er tun und wie er arbeiten möchte und dürfe nicht durch die Leistungsmaschinerie verbraucht werden. Hipsterhippie Moskul weist darauf hin, dass zusätzlich zur 30h Woche, einerseits ausreichend Zeit für die Freizeit bliebe, was glücklichere Menschen bedeute, und andererseits auch zum Konsum, denn der bewusste Österreicher kauft dann mit dem Geld, über das er nicht zweimal nachdenken muss, beim heimischen Bauern ein, der zwar teurer aber dafür qualitativer ist – und bringt somit die heimische Wirtschaft in Aufschwung. Philosophin Annika stimmt dem zu. Passt. Beschlossen. 1500 Netto (statt Brutto) für alle.

Öffentliche Krankenhäuser sollen Abtreibungen anbieten: Ja/Nein

Barbara ist dagegen. Mord! Auch Georg ist dagegen, schließlich ist es die Pflicht einer Frau zu gebären. Annika weißt darauf hin, dass manche Frauen nicht gebären wollen und Georg beschimpft sie als verblendete Feministintussi die von Alice Schwarzer „gebrainwashed“ wurde. Schlimmer noch, es sei eine Intrige der Grünen, die heimlich mit dem Islam zusammen arbeiten, um den weißen Mann auszulöschen! Georg redet sich in Rage und klopft auf den Tisch. Gunnar ist auch dagegen. Kinder seien das Gold der Erde. Immerhin hat seine Rosi 8 gesunde Buben auf die Welt gebracht. Er schwelgt in Erinnerungen.

Hipster Moskul spricht sich wie Annika für die Wahl zur Abtreibung aus, denn ein jeder solle selbst bestimmen können, ob und wann er Kinder haben möchte. Beide plädieren für bessere Aufklärung und Gratisverhütung, Frauen wie Männer. Damit beschlossen: Keine Abtreibung an öffentlichen Spitälern. Derzeit ist die Lage so, dass der Abbruch innerhalb der ersten drei Monate straffrei ist. In Tirol und Vorarlberg bieten nur Privatärzte einen Abbruch an.

Gleiche Entlohnung bei gleicher Beschäftigung unabhängig vom Geschlecht: Ja/Nein?

Georg ist dagegen, er ist der Meinung Frauen seien körperlich schwächer, und fallen häufiger wegen Menstruationsbeschwerden aus und könnten schwanger werden, deswegen sollen sie sich erst beweisen und sowieso weniger verdienen. Annika ist empört. So auch Gunnar. Seine Rosi hatte mehr Holz gehackt als er. Außerdem habe sie ihn ständig mit dem Nudelholz verdroschen wenn er betrunken heim kam. Die gute alte Zeit. Er ist für gleiche Entlohnung. Auch Barbara stimmt dafür, fürchtet aber, dass Frauen, die dann mehr verdienen, keine Kinder mehr in die Welt setzen und die Welt dann traurig wird. Sie fürchtet auch, dass die Kinder dann darunter leiden. Annika versichert ihr: durch den beschlossenen Mindestlohn ist es möglich geworden, dass abwechselnd Vater oder Mutter daheim bleiben können, und jeder die Möglichkeit hat, sich zu entscheiden. Sie stimmt dafür. Währenddessen stillt sie Cosimos, Georg schaut angewidert zu. Frauensachen gehören nicht in die Öffentlichkeit, sagt er. Auch Moskul stimmt dafür, immerhin ist er Feminist. Damit beschlossen: Gleiche Entlohnung, unabhängig der Geschlechter.

Kopftuchverbot: Ja/Nein?

Georg haut den Tisch: „Islamistenpack! Terroristen! Alle!“ Und stimmt für ein Verschleierungsverbot. Philosophin Annika weißt darauf hin, dass das Thema komplex ist. Sie fügt bei, dass bevor man überhaupt über so etwas abstimme, sich bewusst sein soll, dass viele Frauen in vielen Ländern gezwungen werden, das Kopftuch zu tragen. Religionsfreiheit sei in Ordnung, aber man müsse die Gesamtsituation im Auge behalten. Sie stimmt gegen ein Hidschab-Verbot, aber wenn, dann für ein Burka-Verbot. Georg, der rechtsextreme Feminist, pflichtet ihr frei. Niemand darf unsere Frauen unterdrücken! Barbara sagt, sie fühle sich bedroht und findet, Frauen werde die Freiheit genommen. Sie stimmt für ein Verbot. Annika gibt ihr recht, dass das Kopftuch auch für häusliche Gewalt und politische Zwecke instrumentalisiert werde. Moskul hakt sich ein: Gegen ein Verbot, solle jeder tragen was er will! Gunnar blickt verträumt. Er erinnert sich an seine 20 Jahre ältere Geliebte Hildegard, die umwerfend im Kopftuch aussah. Zu seiner Zeit, so erzählt er, hat man das Kopftuch getragen, weil man sich nicht so oft die Haare waschen konnte, schwierige Zeiten warens. Er hat ihr dann eines aus Seide gekauft, und sie sah umwerfend aus. Als es zur eigentlichen Abstimmung kommt, stimmen Georg und Barbara dafür, und Annika, aber erst nach zögern, wie Moskul dagegen. Gunnar starb derweil am Herzinfarkt. Die Erektion, die er durch die Erinnerung an seine frühere Geliebte bekommen hatte, war zuviel für sein schwaches Herz. Er lächelt.

Die Angst geht um sich: Wer wird der 5. im Bunde? Wer wird gewählt? Russische Hacker werden engagiert um die Wahl zu sabotieren, die Lose werden gefälscht und das Papier löst sich auf. #papergate wird zum Wort des Jahres gewählt. Österreich versinkt derweil in Chaos und man liebäugelt mit der Monarchie in Großbritannien. So ein nettes Königspaar, na so lieab, na so nett, schean gell? Man überlegt die Wiedereinführung der Monarchie. Die letzten verbliebenen und untergetauchten Habsburger melden sich. Nach und nach kriechen auch andere stigmatisierte Adelsträger aus ihren Höhlen. 200 Jahre später: Kaisertum Österreich! Und da Österreich gänzlich dem Königswahn verfallen war, verschlief es auch das erwachen der fliegenden, menschenfressenden Katzen! 300 Jahre später: Es gibt kaum mehr Menschen, da sie alle von fliegenden Katzen gefressen wurden.

Versteht mich nicht falsch, ich finde die Idee großartig per Los die Entscheidungsträger wählen zu lassen, aber vermutlich käme genau so wenig dabei heraus, wie jetzt. Oder auch nicht? Vielleicht sollte man es auf einen Versuch ankommen lassen?

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Vom Wahnsinn und Irrsinn der Symboldebatte

Wäre Jesus doch nur ertränkt worden! Gegen Aquarien kann ja wohl kaum wer etwas haben.

Doch da traten sie auf, die die sagten, das Aquarium müsse weg. Die Fischbesitzer empörten sich und beharrten auf freie Fischzucht. Gut, aber wenn, dann nur mehr Guppys, und keine Barsche, sagten die einen; keinen Hering, aber dafür mehr „Fensterputzer“, sagten die anderen. Doch der Fischereiverband stellte sich dagegen, die Psychologen pflichteten bei: Ein Aquarium wirke beruhigend, es muss bleiben. Für Aquarien im öffentlichen Raum! Was ist mit all den Zahnarztpraxen, dürfen da etwa auch keine Aquarien mehr stehen? Die Leute kommen nie wieder, so weiß man doch, dass Fische beruhigend wirken. Schau, der Fensterputzer, kleine Luise, der ist genau so tapfer wie du, dem wurden auch schon drei Zähne gezogen. Alles halb so wild.

Doch alsbald das Verbot gesprochen wurde, und alle Aquarien aus dem öffentlichen Raum entfernt wurden, weigerten sich die Leute zum Zahnarzt zu gehen und fielen in einen schmerzlichen Wahnzustand. Die Wirtschaft kam zum erliegen. Die Verdächtigen und Täter, die Unschuldigen und Opfer wurden im Gerichtssaal unruhig und attackierten Anwälte und Richter. Nichts, was die Reizüberflutung zügelte. Kein Fisch, auf den das Auge gerichtet, der Gedanke geheftet werden konnte. Die Kinder in der Schule hockten nervös auf ihren Sesseln, nagten an den Nägeln und wurden unfähig sich Wort und Zahl zu merken. Kein glucksendes Wasser, dass das Lernen angenehmer macht, die Konzentration bündelt und zum besseren Lernen verhilft.

Zehn Jahre später wird die Welt von fliegenden Katzen bevölkert, die sich durch das neue Tierschutzgesetz, dass der Bauer die Katze nicht mehr kastrieren braucht und durch den Überbestand an Fischen eifrigst vermehrt hatten. Durch all die Antibiotika und Chemikalien im Wasser, in den Fischen und Plastikflaschen die reichlich auf dem Wasser schaukelten, wuchsen ihnen Flügel und sie begannen die Menschen anzugreifen. Hundert Jahre später gab es nur mehr wenige Menschen, die mit aller Müh und Not versuchten die fliegenden Ungeheuer, die nun dreimal so groß waren wie sie, in den Griff zu bekommen. Vergebens. Dreihundert Jahre später: Die fliegenden Katzen hatten den letzten Menschen aufgefressen und regierten friedlich auf der Erde. Und was sagte man dann? Oder hätte man gesagt, wäre noch jemand am Leben gewesen: Hätten wir doch nur das Aquarium stehen lassen! Oder auch nicht. Keine Aquarien, keine Menschen.

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Was ich damit sagen will: Die aktuelle Debatte über religiöse Symbole im öffentlichen Raum ist lächerlich, aber wieder einmal so typisch für Österreich. Soll ma? Soll ma nit? Ja zum einen, Nein zum anderen. Zum Glück veröffentlicht Trumpi Trump jeden Tag aufs neueste eine Schreckensmeldung, die von unserer Mimimi-Kultur gänzlich ablenkt. Schöne neue Welt, not.

Aber im ernst: Alle Staaten, die auf eine strikte Trennung zwischen Staat und Kirche Wert legen (Ja, bitte!) sollten entweder alle religiösen Symbole aus dem öffentlichen Raum entfernen – oder alle religiösen Symbole an die Wand heften. Begonnen mit Cthulhu, dem fliegenden Spagettimonster, dem Kreuz sowie den Halbmond, den Davidstern, sowie ein Pentagramm und natürlich ein Bildnis für jede Gottheit aller möglichen Religionen, mögen es 5 oder 5000 sein.

Hier nochmal: Flauschige fliegende Katze, auf deren Speiseplan Mensch steht.

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„Le tout nouveau Testament“ zu deutsch: „Das brandneue Testament“

Und am 7. Tag ruhte der Herr.

Unmittelbarer Eindruck folgt. Spoiler! Ich wiederhole: Massive SPOILER! Erst NACH dem Film lesen. Lesen auf EIGENE Gefahr! Ich habe gewarnt.

Gott, der Griesgram, lebt in Brüssel. Hasse deinen Nächsten, wie dich selbst. Alles was schief geht, wurde von ihm kreiert. Das Marmeladebrot, welches auf die Marmelade-Seite fällt – ausser, die Marmelade wurde auf der anderen Seite gestrichen, dann fällt es auf die andere Seite. Und Flugzeugabstürze. Und wenn man erst grad in die Badewanne steigt, läutet das Telefon. Und dergleichen. Er ist schuld, an allem was schief gehen kann oder wird.

Gott hasst sich, verbietet seiner Frau (Ebenfalls Göttin) den Mund. Sie stickt und sammelt Baseball-Karten. Er hasst Baseball. JC, ihr ältester Sohn ging von zuhause fort, Gott hat nur Verachtung für ihn übrig und Ea, die junge Tochter, wird öfters mit dem Gürtel zurecht gewiesen. Gott ist ein garstiger, böser, alter Mann mit dickem Bauch im kartierten Schlafmantel und ausgeleierten Unterhemd. Vom PC aus, in einem Raum voller Akten, genießt er es Unheil anzurichten, Kriege in seinem Namen anzuzetteln und so weiter.

Eines Tages beschließt Ea sich an ihrem Vater zu rächen. Sie will die Welt besser machen. Aber sie zielt auf Rache ab. JC, die Jesus-Statue in ihrem Zimmer, rät ihr zu 6 Apostel, das ergebe zusammen mit seinen 12, 18 – die Zahl eines Baseballteams. Sie will ihr eigenes Testament schreiben und die Apostel von sich berichten lassen. Zuvor sendet sie alle Sterbedaten an die Menschen, die diese via Smartphone erhalten: „Sie haben X Jahre, X Monate, X Tage, X Stunden, X Minuten und X Sekunden zu leben.“ Sie sperrt den Computer ihres Vaters und gelangt durch die Waschmaschine zur Erde, ins Paradies.

Bald trifft sie auf einen Sandler, der ihr Schreiberling wird und die Story beginnt.

So. Eine etwas längere Einleitung zu einem genialen Film. Aber ich bin nicht überrascht, der zynische/ironische Amelie-Verschnitt in bester französischer/belgischer Manier erzählt, regt an mehr sehen zu wollen. Sechs Apostel gibt es. Bei Nummer vier dachte mir: Nur noch 2! Oh Nein! Ich würde gerne noch mehr Geschichten sehen. Ja fast war ich traurig, dass es bald ein Ende haben würde. Jedoch schafft der Film in der Art der Fortführung der Geschichte, die Wende zu einem – es ist ok, dass es zu Ende geht. Nicht, weil der Film schlechter wurde – aber weil man doch gespannt ist: Was kommt danach? Nach dem Tod kommt übrigens nichts.

Es wird wahrlich ALLES umgedreht. Und von Sodomie (der Gorilla!) bis über Transgender (Der Bub er ein Mädchen sein wollte) ist alles mit dabei: Gott wird in der Kirche von einem Priester verdroschen, den er mit Absicht aufs äußerste reizte und Jesus grinst dabei vom Kreuz. Herrlich. Besser hätte man es nicht schreiben können. Natürlich mit einem Augenzwinkern. Gott wird gegen Ende übrigens nach Usbekistan zum Waschmaschinen-Bau abgeschoben, da ihm die Papiere fehlen.

Und natürlich gibt es eine einfache Botschaft: Lebe! Verleihe/Verkaufe deine Lebensspanne nicht einem beschissenen Unternehmen, zu dem du demotiviert hingehst und es halb depressiv wieder verlässt. Tu das, was dir Freude bereitet! Reise! Synchronisiere einen Porno, wenn dir danach ist!

Denn nähmen wir an, wir wüssten, wann wir sterben – was würden wir tun? Manche würden ihr Leben weiterleben wie bisher, manche würden Reisen gehen. Ich würde Reisen gehen. Sicherlich, je nach Zeitspanne. Ob man nur mehr 4 Monate oder 40 Jahre unter den Lebenden verweilt, trägt zur Entscheidung bei. Und wenn das Todesdatum vorherbestimmt ist, lässt es sich auch öfters aus einem Flugzeug springen, ohne dabei in den Tod zu stürzen. Ein satirischer Anriss zur aktuellen Medienkultur.

Erneut: Ich fand den Film großartig, frisch und ironisch. Europäer halt. Dem Mädel prognostiziere ich eine große Karriere, sofern sie sich einen g’scheiten Agenten sucht, der ihr gute Rollen verschafft.

Fazit: Wenn man die Frau gleich von vorne alles machen ließe, wäre der Himmel bunter, man könnte unter Wasser mit Fischen an der Leine spazieren gehen und es gäbe keine Schwerkraft! Man könnte die globale Erwärmung genießen, ohne dass Flora und Fauna darunter leiden würden. Welch satirische Anekdote! Dass die Göttin als stereotype Frau gezeigt wird, häuslich und auf die schönen Dinge bedarft, wird in diesem Kontext, mit einem wohlwollenden Lächeln gerne hingenommen. /Fem-Mode off

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