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Ein authentischer Bericht aus dem Corona-Krisengebiet

Es ist Frühling. Der 16. März 2020. Morgen soll es laut Wetterbericht 20 Grad haben. 20! Inklusive Sonne. Die Ausgangssperre wäre wesentlich einfacher zu ertragen, hätte Väterchen Frost Einzug gehalten und unsere Glieder erzittern lassen. Vermutlich, oder sogar mit ziemlicher Sicherheit, wird, sobald die Sperre in 1-2 Monaten aufgehoben wird, Schneesturm und Hagel über uns herein brechen; aber dann ist es dem Klimawandel zu verdanken, welcher des Kapitalismus‘ fleißige Diener (noch) nicht von seiner Arbeitskraft entledigt, also ist es nicht ganz so tragisch. Auf auf ihr tüchtigen Bienchen!

Zahlen und Fakten

Wir befinden uns in Österreich. In Tirol. Nicht unbedingt St. Anton oder Ischgl (dem Virenpool, welcher sich via „Aber i hob doch nit an Lift zuasperrn kennen!“ mit schuldig an der europäischen Krise gemacht hatte), sondern im Bergdorf, der Provinz Innsbruck. Innsbruck beherbergt ca. 311 000 Einwohner. Tirol ca. 751 000, und Österreich ca. 8,8 Millionen. Der Stand der aktuell Infizierten liegt bei 254. 900 ca in ganz Österreich. Soweit die Fakten.

Die Zahlen mögen (eigentlich) nicht beeindrucken: 900 Fälle auf 8 800 000 (ca. 0,01%) klingt jetzt nicht danach, als wäre es notwendig, dass die Menschen nicht einmal mehr für einen Spaziergang im Wald das Haus verlassen dürfen (die Vorschrift vermittelt allerdings, dass kürzere Spaziergänge um den Kopf frei zu kriegen, durchaus erlaubt seien solange man alleine ginge, oder zu zweit aber nur, wenn man im gemeinsamen Haushalt lebt), andererseits ist es durchaus eine Notwendigkeit, geht man davon aus, dass 1 Mensch 2-3 andere Personen anstecken kann. Und da niemand anständig getestet wird (bzw. nicht einmal bei Symptomen) bzw. die Kapazitäten überlastet sind (max 300 Testes pro Tag), darf man wohl davon ausgehen, dass die Dunkelziffer sicherlich schon im 5-stelligen Bereich angelangt ist.

Woher?

Corona ist eine Rache der Natur an der Menschheit, welche Fledermäuse verspeist und Gottes Kreaturen in kleine Käfige zusammenpfercht, diese grausamst ermordet und sie hinter her zerstückelt, um sie dann in ihre großen Mäuler hinein stopfen zu können.

Corona ist Menschen gemacht, genauer, vom Herrn Bundeskanzler Kurz selbst in Umlauf gebracht worden, um Österreichs Grenzen endgültig zu sperren: „Ich habe nicht nur die Balkanroute gesperrt, sondern auch Österreich vor diesem unglücklichen Virus beschützt und die Grenzen geschlossen!“ sagte er im Juli 2020. Zusatzeffekt: Dass nur Alte und Schwache daran zugrunde gehen, spart sich das System Pensionen. Wohin diese Gelder fließen? Sicherlich nicht in die Gehälter jener Einzelhandels-Angestellten, die aktuell ihre Gesundheit riskieren.

Corona wurde von asiatischen Zwangsarbeitern, welche illegal in italienischen Fabriken schufte(te)n, aus China mitgebracht und via Tourismus verbreitet. Südtirol wurde lange Zeit nicht als Krisengebiet eingestuft, die fleißigen Studenten kehrten schnellstmöglich in die nahe gelegene Studentenstadt zurück. Da die Uni oft, und besonders zu Beginn langweilig ist, gingen diese Skifahren und siehe da, wer ist Schuld? Wer?

Der Politiker, der Retter des Volkes

„Nein, wir werden keine Ausgangssperre verhängen!“ hieß es erst noch vor kurzem, warum auch, das gesellschaftliche Leben solle nicht leiden, wählt uns! Wir verbieten euch eure Freiheit nicht. Wählt uns! Wir schauen aufs Volk. Ja, na eh. Freiheit! Wir schreiben niemanden etwas vor! FREEDOM!

Wäre zumindest sichergestellt, dass, sollten all die Alten wegsterben und Wohnungen frei werden, diese günstig an junge Leute vermietet werden, welche im Schnitt nicht 900€ für 32m² ausgeben möchten oder gar können, dann könnte man bei diesem Geschwafel vielleicht noch ein Auge zu drücken. Dem ist aber nicht so.

Es war also ein durch und durch dummer Zug, der vielleicht auch das eine oder andere Leben auf seinem Konto verbuchen darf: Denn seien wir ehrlich, bereits ab Tag 1 hätte man eine sofortige Sperre veranlassen sollen – dass sich immer noch Menschen tummeln, die das ganze als Hysterie betrachten, bzw. sich verarscht fühlen (ein Politiker spricht vor 10 Journos auf winzigem Raume, aber man selbst solle Zusammenkünfte über 5 Personen meiden), ist natürlich verständlich (nicht, dass sie sich dennoch treffen, aber verärgert sind) und liegt in der Natur des Menschen (schlussendlich das zu tun, was man selbst gerade will, ohne Rücksicht auf andere, weil die eigene Einschätzung die Richtige ist und wenn die sagt, dass das nicht so schlimm ist und der Staat nur kontrollieren möchte, dann ist das so!). Trotzdem gilt es, zumindest ein wenig bedächtig zu sein – auch, wenn man selbst sich nicht in Gefahr befindet, weil man Jung und Gesund ist. Die Wohnungen werden nicht günstiger wenn die Alten weg sind!

Die Sperre

Dass diese Sperre vorerst lediglich nur 1 Woche gelten soll war klar. Natürlich! Wer hielte sich dann ernsthaft daran, hätte die Politik gesagt: Mindestens 2 Monate dürfen Sie Ihr Haus nicht verlassen! Ganz, ganz im ernst. Niemand. Wirklich, niemand. Dass diese Sperre sicherlich (und mindestens) auf 3-4 Wochen ausgeweitet werden wird, ist auch klar.

Hätte man anderes verkündet, wäre vermutlich Chaos ausgebrochen, das Gejaule laut und Kurz nie mehr wieder gewählt worden (auch wenn er in diesem Falle nichts dafür gekonnt hätte; Pech halt, dass genau dessen Klientel eben diese Charakterzüge aufweisen, tja.. SSKM).

Aber bei einer Woche schaffen die Leute es, mit versammelter Kraft (denn wir müssen zusammenhalten!) via Social Media (ein Hoch auf Social Media! Was täten wir nur ohne Internet! Was haben die Leute davor getan!?), sinnlose Challenges zu veranstalten (damit einem nicht langweilig wird – oh my fucking God, seriously. Wenn du eine Woche im Haus bleiben musst und nichts mit dir anzufangen weißt, dann liegt das Problem nicht an der geforderten Isolation, sondern an dir), gemeinsame Balkonkonzerte zu veranstalten („Nit, es is zu laut!“, „Ruhestörung!“, „Es ist Mittagsruhe, die alten Leut wollen schlafen!“), Lesungen für Kinder die der Schule fernbleiben müssen und nicht auf den Spielplatz dürfen via Webcam zu organisieren (nette Idee, aber interessieren tuts halt wirklich niemanden… gebt ihnen Minecraft!), und einfach im Haus zu bleiben, denn wir müssen zusammen stark sein. Was haben diese Leute getan, wenns mal 3 Wochen durch geregnet hat? Oder man krank war?

I know, I know. Mein Zynismus wird mir noch auf den Kopf fallen; konnte man sich Vor-Corona frei für die heimische Isolation entscheiden und nicht, dass man von staatlicher Obrigkeit dazu gezwungen wird jegliche sozialen Kontakte einzudämmen. I know. I know. Trotzdem. Come on, people.

Dennoch belustigt mich diese Profilierung eines jeden einzelnen auf Social Media. Waren die Leut zuerst auf der „Ach, das ist alles nur Hysterie“-Schiene, schafft man das jetzt alles gemeinsam! Es bringt mehr Klicks! Mehr Likes. Und seien wir uns ehrlich: Genau darum geht es. Genau so wie dieser Eintrag hier Klicks und vermutlich Likes bringt (und ich freue mich über jeden einzelnen)! Und ja, auch ich werde wohl wieder vermehrt Let’s Plays aufnehmen um weitere Follower zu gewinnen: „Hot Girl plays Skateboard game!“ Ich rechne in 3 Wochen mit Fame und Fortune.

Übertriebene Hysterie?

Als all die Bilder von leergeräumten Lebensmittelgeschäften letzten Freitag (dem 13.) Twitter überfluteten, scherzte ich, man müsse sich das eigentlich alles Live anschauen, es sei eine „once in a lifetime“-Situation. Wer könne denn ehrlich sagen, er war dabei, war er doch nicht tatsächlich dabei. Und jetzt ist er wahrhaftig dabei, weil er eben nicht dabei ist. Und nein, dank meiner Faulheit (und meines Asthmas) konnte ich all den Wahnsinn nicht hautnah miterleben. Hätte ich aber gerne. Ich gehöre zur Sensationsgeilen, hechelnden Katastrophenhungrigen Meute; aber auch da wird man enttäuscht: Weder werden Fernseher gestohlen, noch Autos in Brand gesteckt. Auch wandeln keine Zombies, die Köpfe spalten und Gehirne essen. Es ist eigentlich alles ziemlich langweilig, Hollywood wird keine Freude damit haben..

Zurück zum Thema. Wer hätte zu Beginn gedacht, dass Corona derartige Auswirkungen nach sich ziehen würde? Niemand. Corona, a bissl grippig fühlt man sich, aber mehr auch nicht. Is bald vorbei. Viel Wind um nichts. Und ich kann es ja beizeiten immer noch nicht ganz glauben; da eben nicht 90 000 hinweg gerafft werden, sondern relativ wenig Leute, wirken all die (durchaus notwendigen) Maßnahmen, so unfassbar surreal. Die gemeine Hausgrippe wütet jeden Frühling und Herbst, nennt zahlreiche Todesopfer ihr Eigen, wird vernachlässigt, und dieses kleine chinesisch-italienische Corona, bekommt Sonderregelungen.

Ja na eh, die Ansteckungsgefahr ist deutlich höher, die Sterberate für alte Menschen fix. Die Übertragung ist einfach und hartnäckig, und ein jeder, auch jene die keine Symptome zeigen, könnens haben und verbreiten – ich versteh es, und ich halte mich auch daran, bis auf kleinere Spaziergänge natürlich – um den Kopf frei zu kriegen; trotz all dem wirkt diese Situation dennoch surreal. Fast Filmreif. Leben wir etwa doch nur in einer Simulation?

Zusammenfassung

Hier sind wir also.

Der erste Tag in häuslicher Isolation.

Das Leben geht weiter.

Ich werde weiter berichten.

Ein Kommentar

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„Easy A“

US-Amerikanische High-School-Filme sind sowas wie Märchen: Es wird eine Welt kreiert, die es so nicht gibt. Und nirgendwo je gegeben hat. Und nie geben wird. Und besonders abstrakt wird es, wenn sie in Kalifornien spielen.

Emma Stone streamt (2010 nannte man es noch „broadcasten“) über einen Vorfall, der eine Reihe von anderen Vorfällen (und Gerüchte) mit sich gezogen hatte. Und spricht dabei nur die Wahrheit.

Easy A ist eine Komödie mit vielen Darstellern der 90er, die längst in Vergessenheit geraten sind: Mutter Patricia Clarkson und Stanley Tucci leben zusammen gewürfelt in einer antiautoritären Patch-Work-Familie und zugegeben, zugegeben, die Witze die sich daraus abgeleitet haben, waren nett. Ja, okay, der Film hat durchaus seine Momente.

So, let’s bring it on

Emma Stone passiert also das, was jedem High School Mädchen passiert: die böse (in dem Fall hochreligiöse) Bitch (Amanda Bynes) verbreitet Gerüchte – in diesem Fall etwas, was Emma ihrer California-Klischee-Freundin als Notlüge auftischt, weil sie nicht mit deren Hippie-Eltern campen gehen wollte. Sex before Friends. Und jetzt ist sie die Schulschlampe, die ihre Jungfräulichkeit an einen Typen aus dem Community College (College für Arme) verloren hat. Der Lehrer (Thomas Hayden Church), wirkt etwas creepy, und über-bemüht, aber schlussendlich bemerkt er zumindest, dass die Gerüchte nicht wahr sind. Im Gegensatz zu seiner Frau, Lisa Kudrow, der Schulpsychologin, die Emma Stone gleich eine Handvoll Kondome aufzwingt.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell und verdreht Gerüchte reisen und wieder zurück geschleudert werden. Emma geht damit locker-lässig um, und da „Der Scharlachterote Buchstabe“ gelesen wird (aber hey, es gibt eine Verfilmung, nicht die mit Demi Moore!) klebt sie sich in weiterer Folge ein rotes A aufs Korsett.

Wegen übler Anrede sitzt sie Stunden mit dem Schulschwulen ab und es kommt zum „Gentlemens Agreement“: Er will quasi hetero sein, bis er aus dieser Hölle (aka Highschool) kommt. Es wäre eine Win Win Situation, die Leute nähmen sie wahr, wenn auch nur als Flittchen und er landet nicht mehr im Trash. Zuerst wenig begeistert, sagt sie gegen Bezahlung zu und es gibt klassischen Fake-Sex auf einer Party.

„If they already got you, give them more they can’t handle.“

Es kommt wies kommen muss. Das „Sex for Money-Rumor“ verbreitete sich sehr, sehr schnell. Und je mehr Kunden es gibt, desto mehr Gerüchte folgen. Und als ein Dude sie tatsächlich um ein Date frägt, sie aber für Geld flach legen will, bemerkt sie, dass das ganze, so lustig und lukrativ es ist, vielleicht nicht so das wahre zu sein scheint. Wo sind die Kavaliere, sie zitiert sie ironischerweise aus den John Hughes (Come on!) Filmen. Und sie spricht von den Helden der 80er, John Cusack mit der Beatbox (in Say Anything, übrigens kein John Hughes-Film), Jake aus 16 Candles (ein Film der so grandios überbewertet ist), Judd Nelson in Breakfast Club – I want my life like an 80s Movie! Mit einer Musical Nummer wie ein Ferris Buller! Aber nein, ihr Leben ist kein 80er Jahre Film…

Die Geschichte zieht sich weiter, sie sucht Rat in der Kirche: Pfarrer ist der Vater der Schulbitch, deren Freund Chlamydien hat, weil dieser mit der Schulpsychologien Lisa Kudrow, ohne Kondome, gevögelt hatte – Jemand hatte sichtlich Spaß beim schreiben, oder einen billigen Roman gelesen.

Emma Stone ist am Tiefpunkt angelangt als ihr einer, der vorgab ernstlich interessiert zu sein, 200$ vor die Nase hält. Und natürlich, wie in einem typischen Film der 80er ist der vermeintliche Good Guy in sie verliebt, und der hat sowieso nichts von dem geglaubt was die Leute sagten. Sie mag den Typen auch aber da ihre ehemalige beste Freundin in ihn verliebt ist, kann sie ihn nicht daten.

Und kurz bevor der Film auf sein endgültiges Ende zusteuert, wird es Zeit, alles klar zu stellen. Und so kommen wir zur Anfangsszene: Dem Podcast, Broadcast, Live Stream, whatever.

Fazit

Eine nette satirische Komödie, Emma Stone spielt sympathisch und überzeugend, der Soundtrack ist großartig und ja, es ist durchaus eine ironische Hommage an die Filme der 80er.

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Österreichs Wahlkabarett: Das „Sicherheitspaket“

Ein politischer Beitrag aus dem Jahr 2017:

In Österreich findet bald wieder ein ganz interessantes Ereignis statt: Die Wahl. Diesmal wird der Nationalrat gewählt und die Parteien versuchen erneut mit den skurrilsten Ideen Wählerschaft zu gewinnen. Heute auf dem Programm: Die ÖVP und das „Sicherheitspaket“.

Die Idee der heimlichen Überwachung heißt nicht „Bundestrojaner“ wie in Deutschland, sondern „Sicherheitspaket“. Neusprech lässt grüßen. „Der Computer wird nicht gehackt, er wird polizeilich ferngewartet“ schreibt ein User im Forum. Ein anderer frägt, ob man im Zuge dessen nicht alles mögliche auf das Telefon spielen könnte?

In Deutschland befindet sich seit diesem Jahr die TKÜ – die „Quellen-Telekommunikationsüberwachung“ Software im Einsatz, welche aber (aktuell) nicht auf Smartphones funktioniert. Im Jahr 2011 hatte der Chaos Computer Club (CCC) die Quellensoftware eines Trojaners durchsucht, und fand heraus, dass das Programm nicht nur umfassenden Zugriff auf die Festplatte erlaubte, sondern auch die Fernsteuerung des Computers. Danach wurde ein neues Programm entwickelt, eine Software, die lediglich den Kommunikationskanal überwachen sollte.

Im Bezug auf Österreich sagt der Chaos Computer Club Wien: „Mit der Forderung nach weiterer Handy-Überwachung durch IMSI-Catcher, Ausbau der Videoüberwachung und Einführung einer Kennzeichenerfassung können lückenlose Bewegungsprofile aller Bürgerinnen und Bürger angelegt werden. Die Relevanz dieser allumfassenden Überwachung in der Prävention von Verbrechen konnte bis jetzt keine Befürworterin der Generalüberwachung erbringen.“

Aber kein Grund zur Sorge: „Der Zugriff von der Staatsanwaltschaft angeordnet, bedarf der gerichtlichen Bewilligung und unterliegt der begleitenden Kontrolle des Rechtsschutzbeauftragten und der nachprüfenden Kontrolle des Gerichts“ heißt es. In Ordnung, aber wer sagt mir, dass Richter und Co über die technische Expertise verfügen, um die Reichweite dieser Software adäquat einschätzen zu können? Um überhaupt zu verstehen, was das bedeutet? Und wir wissen, das tun sie nicht.

Die Software, die es ermöglicht Daten eines jeden Smartphones abzulesen, soll ab August 2019 einsatzbereit sein. Bis zum 21. August hatten Bürgerinitiativen, Organisationen und Interessenvertreter Zeit, sich dieses genauer anzusehen. Die Resultate und verärgerten E-Mails wurden vom Bundesministerium jedoch blockiert. Wtf? Die Antwort: Aus Kapazitätsgründen könne man die E-Mails nicht beantworten. Ahja.

Seriously?

In Österreich ist man einerseits per Gesetz dazu verpflichtet, für Sicherheit zu sorgen – Türen verschließen und so, und nun soll dem Dieb Tür und Tor geöffnet werden? Mit anderen Worten: Man kauft sich eine Sicherheitslücke (von wem auch immer, und wer auch immer diese an wen auch immer sonst noch verkauft), bewahrt sich eine Sicherheitslücke im Betriebssystem (weder Hersteller noch Nutzer werden gewarnt) – denn diese ist für das aufspielen des Trojaners notwendig und nennt das dann „Sicherheit“? Dies muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Nun kauft sich der Staat seine Lücke, um bei Verdacht, den jeweiligen Verdächtigen ausspionieren zu können. Aufgepasst, bei „Verdacht“ und gefährdet damit Millionen andere. Hallo? Sinn und Vernunft? Liegen die Jahrhunderte der Rationalität und Verstand soweit zurück? Kant dreht sich kreischend im Grabe um. Und während der nächtlichen Recherche hatte ich das Gefühl eine „Dystopie Wolke“ hänge über uns, die an manchen Stellen undicht ist und immer wieder kleine Tropfen Dystopische-Zukunftsvision auf uns herab träufelt. Bis wir eines Tages aufwachen und uns tatsächlich in „1984“ befinden und uns fragen: Wie war das möglich?

Technisch scheint das ganze etwas schwierig zu werden – denn es sollten ja nicht nur Android-Systeme überwacht werden, sondern auch Apple, Windows Phone, Windows selbst und Linux mit seinen unzähligen Distributionen, die fast mit täglichen Updates ihre User peinigen. Für all diese Systeme wird eine entsprechende Software benötigt, regelmäßige Updates und vielleicht dieses oder jenes Feature, dass die eine oder andere Verschlüsselung außer Kraft setzt. Ich wage mir gar nicht auszudenken, was das an Steuergelder verschlingen wird. Und, technische Möglichkeiten, die unser guter Staat, und ich wette zu 100% nicht in der Lage ist zu durchschauen und/oder gewährleisten.

Was sind die Alternativen? Wir alle wissen: Je mehr Dinge, desto unübersichtlicher. Was bedeutet das richterliche Bescheide aus „Joa, wird scho passen“ bestehen und im Worst-Case jeden Bürger zum Verdächtigen macht. Was also tun? Ich stelle die Frage bewusst, ohne eine Antwort darauf zu haben – hätte aber gerne eine.

Aber! Vor der Wahl wird es nichts mehr.

Quellen:

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Klimawandel, hell yeah!

Mit diesem Text wollte ich mich für den 1. Preis des Niederösterreichischen Journalisten Wettbewerbes bewerben. Leider hatte ich das Datum verwechselt. Es wäre der 21.5. gewesen, anstatt der 25.5.2019. Ah, das ist bitter. Ich bewerbe mich hiermit um den Publikums-Preis. Sollten Sie keinen haben, schaffen Sie einen!

Die Teilnahmebedingungen sehen voraus, dass man entweder unter 30 ist oder eine maximal 5-jährige Berufserfahrung vorweisen kann. Da ich diesen Blog, der als journalistisches Medium gilt, seit 2011 führe aber seit 2016 regelmäßig befülle (was dann 3 Jahre sind), sehe ich diese Anforderung als bestätigt.

Die Ausschreibung sieht vor, positive Aspekte des Klimawandels zu nennen:

Monatelange Dürre, Schädlinge befallen die Wälder, dann gehen wieder Teile des Landes in Schneemassen unter und Unwetter richten Schäden an – der Klimawandel wird auch in Niederösterreich immer spürbarer. Klimawandel, das heißt aber auch: Zitronen und Melonen wachsen bei uns, neue Weinsorten werden gebraucht und im Energiebereich werden alternative Wege gesucht. Der Tourismus sieht neue Chancen und viele sprechen davon, dass die Zukunft „Green Jobs“ gehören wird. Ist also der Klimawandel ausschließlich Bedrohung oder entsteht dadurch auch Neues, Kreatives, Innovatives? Wir suchen Beiträge, die sich mit Beispielen dazu beschäftigen: „Klimawandel – nur zum Fürchten?“.“


Klimawandel, hell yeah!

Jeder Wandel brachte Neues hervor; und jedes Massensterben schuf Möglichkeiten für bisher unbekanntes Leben. Das Sterben der Dinosaurier machte dem Menschen Platz in der Geschichte. Und diese Geschichte ist noch nicht vorbei. Sie fängt erst an.

Die Deutschen, ein freundliches Volk

Seit 1993 stieg der Meeresspiegel weltweit um durchschnittliche drei Millimeter pro Jahr. Das bedeutet, dass er bis zum Jahre 2100 um gute 1,70 Meter steigen wird. Aber das sind nur Berechnungen, denn seien wir realistisch: Die Auswirkungen, die unseren Planeten betreffen werden, entwickeln sich drastischer als angenommen. Folgen wir dem bereits eingeschlagenen Weg wie bisher, könnte der Meeresspiegel im Jahr 2100 bis zu 60(!) Meter steigen. Die Niederlande in der Nordsee wären versunken, genauso Dänemark und große Teile Norddeutschlands.

Aber neben all den schrecklichen Szenarien vergessen wir eines: Meeresklima macht Menschen freundlich. Die salzige Luft lässt Körper und Geist gesunden, Lungenkrankheiten werden zur Legende und das Krankheitsrisiko sinkt enorm.

Schauen wir uns Italiener und Spanier an, die quasi von Meer umgeben sind. Sind das etwa keine freundlichen, offenen Leute, die das Gemeinsame und Gesellige zelebrieren? Da beschwert sich abends niemand, dass es zu laut ist, oder die Kinder noch nicht im Bett. Alles ist lockerer und leichter. Wer will das nicht?

Der schrecklichen Engstirnigkeit und dem Ordnungswahn der Deutschen, den grauen und griesgrämigen Gesichtern, wäre ein Ende gesetzt. Sie wären frohen Lebensmutes, kümmerten sich nicht darum ob die Kinder jetzt noch um 11 draußen spielen und Pünktlichkeit? Wer braucht das schon! Und man würde sagen, die Deutschen, so ein freundliches Volk!

Florierender Tourismus im eigenen Land

Berlin liegt unter Wasser. Und wer braucht schon Berlin? Dortmund entwickelt sich zur florierenden Küstenstadt und Aachen gilt als Strandparadies schlechthin. Metropolen wie London oder Venedig lägen ebenso unter Wasser wie New York, Bangladesch oder das Amazonas-Becken. Und dies hat einen gewaltigen Vorteil.

Sehen wir uns an, wohin die ganzen Fern- und Kurzreisen übers Wochenende führen. Richtig, in die großen und historisch populären Städte. Wer unternimmt nicht gerne einen Kurztrip über die Feiertage nach New York oder Berlin? Statt 12 Stunden via Zug und 300€ leichter, fliegt der Urlauber schnell in einer Stunde in die Bundeshauptstadt und das für schlappe 40€.  Lägen diese gern besuchten Städte unter Wasser und wären nicht mehr zugänglich, der Flugverkehr würde sich um mindestens die Hälfte halbieren. Der CO2 Ausstoß verringere sich und das wiederum käme der Luft zu gute.

Strandnixen und Wassermänner wären nicht mehr gezwungen ewige Reisen mit dem Auto anzutreten, das Meer liegt ja bereits vor der Haustür. Elektro- und Solarbetriebene Shuttles bringen Sonnenanbeter und Familien stündlich zum Strand.

Auch der Bergtourismus erlebt einen ungeahnten Aufschwung und jeder radelt Sonntags mit dem Ebike auf den höchsten Gipfel. Die Menschen werden durch die Gefahren, die der Klimawandel mit bringt, aufmerksamer. Sie lernen, wieder mit der Natur zu leben und werden bezüglich dem Umgang mit Tieren sensibler. Massentierhaltungen gehören bald der Vergangenheit an, sowie Stallhaltung für Weidetiere. Die Kühe auf der Alm erfreuen sich der menschlichen Gesellschaft, anstatt sie zu fürchten.

Wein aus Südengland und österreichische Bananen

Hat sich die Gesellschaft nicht mittlerweile Satt getrunken von französischen und italienischen Weinen? Jahrhunderte lang derselbe Geschmack, dieselben Marken. Öde wirds langsam, nicht? Fad sogar. Wird es nicht langsam Zeit für etwas neues? Der Klimawandel ermöglicht das. Und zwar im Süden Englands. Eisweine aus Grönland folgen.

Und wäre es nicht nett, unter Olivenhainen in Paris zu schlendern? Die anhaltende Hitze und gelegentliche Dürren ermöglichen den Anbau von Zitronen und Mandarinen in Europa; Österreich wäre nicht nur mehr auf dem Papier eine Bananenrepublik! Diese Entwicklung käme der Umwelt zu gute, verzichtet man auf Flugzeuge und Containerschiffe. Mittels weniger Schiffsverkehr lässt das Fischsterben nach, so auch die Verschmutzung der Meere. An den Polarkappen bilden sich Korallenriffe, das Meer beginnt sich zu erholen. Neue Fischarten werden entdeckt. Zu guter Letzt wird der Kapitalismus in die Knie gezwungen und eine kollektive Zufriedenheit stellt sich ein.

Green Cities und kulturelle Vielfalt

Tropische Sommer schaffen Notwendigkeit, Städte zu begrünen. Auf den Dächern sprießen Blumenbeete, unzählige Bäume werden gepflanzt und urbane Gärten sind an jeder Ecke gern gesehen. Die Fassaden sind grün und erinnern erinnern ans Paradies. Die Städter lernen, mit der Natur im Einklang zu leben und entwickeln die Fähigkeit sich auf Veränderungen positiv einzustellen und das beste daraus zu machen.

Die Begrünung der Städte bringt auch mehr Arbeit: Gärnter und Floristen werden zu den beliebtesten Jobs, die Tätigkeit im Freien, im Warmen und Grünen schürt das Glücksgefühl. Ein jedes Hochhaus besitzt seinen eigenen Garten und die Gemeinschaft wechselt sich in Nachbarschaftlicher Zusammenarbeit ab.

Und es gibt ausreichend Zeit dafür: Die durch Überflutung der Küstenländer angestoßene Flüchtlingsbewegung lassen Dörfer und Städte einerseits kulturell diverser werden (exotische Küchen werden noch beliebter!) andererseits folgt der Ruf nach Arbeit. Die Regierung entscheidet sich dafür, die Arbeitszeit zu halbieren – bei gleichem Lohn. Die Arbeitslosenrate sinkt fast auf Null. Neben ihrer eigentlichen Tätigkeit, gehen die meisten Menschen nun auch noch einer Gemeinnütziger Arbeit nach, was den Pflegebereich deutlich aufwertet und die Steuern erleichtert.

Alle leben gesünder

Nicht nur die salzige Meeresluft macht die Leute gesünder, sondern auch frische Luft und eine angenehme Beschäftigung in der reinen und guten Natur. Nicht zu vergessen, halbierte Arbeitszeiten und ein Ausbleiben kapitalistischer Zwänge, die das Genießen des eigenen Lebens erst wieder möglich machen. Die Gemütlichkeit, die mit der Wärme mitschwingt, lässt sie den einstigen, alltäglichen Stress vergessen und der Mensch besinnt sich wieder auf das, was wichtig ist: Die Zeit, die gegeben wurde, zu nutzen.

Im Jahre 2100 wird es kaum mehr Krankheitsfälle geben, außer kleinere Schnittverletzungen, die durch Unachtsamkeit beim garteln passieren. Krankenkassen, die sich lediglich um den Inhalt der Geldtasche des Kranken sorgen, werden abgeschafft. Die sanfte Hitze sorgt nicht nur für angenehme Gemüter, sondern auch für weniger Unfälle: Das Fehlen von Wintern und Schnee lässt Skiunfälle gänzlich verschwinden, sowie frostige Straßen, auf denen die Leute ausrutschen können. Es gibt keine Lawinengefahren mehr und auch keine jährlichen Überschwemmungen. Auch sinken die Heizkosten und das Wohnen wird gänzlich günstiger.

Die Menschheit wird zunehmend gesünder und der fatale Wunsch, Menschen künstlich verbessern zu wollen, gerät in den Hintergrund und schließlich in Vergessenheit. Die Wissenschaft konzentriert sich wieder auf das wirklich wichtige: Die Erkundung des Weltalls. 2032 fliegt eine bemannte Mission zum Mars, welcher 2103 kolonisiert wird.

Fazit

Mögen Klimaschützer den Teufel an die Wand malen; der Klimawandel, so schrecklich die Medien seine Fratze zeichnen, wird das Gute hervor bringen – die Natur wieder im Einklang mit ihren Kindern, den Menschen und Tieren, leben und ihnen alle Möglichkeiten schenken, die sie zu einem guten Leben brauchen.

Überstehen wir die aktuellen Katastrophen, erwartet uns eine blühende und strahlende Zukunft!

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Twitter’esk und ohne #, No.05

Sprach ich im letzten Beitrag davon, wovor man sich besonders hüten sollte, und zwar in die DMs gewisser Accounts zu „sliden“, ist das oftmals die einzige Möglichkeit mit gewissen Accounts oder Personen in näheren Kontakt zu treten, genauer gesagt: dem Twitter-Crush.

Das Phänomen ist nicht neu und existiert, seit es Brieffreundschaften gibt. Dieses dezente Interesse an dieser gänzlich fremden Person, die man lediglich als Autor/in origineller Buchstaben-Kombinationen kennt. Man weiß weder deren tatsächliches Alter (lässt sich aber durchaus erraten) noch deren Geschlecht (nicht immer ganz offensichtlich, wird aber auch irgendwann klar). Man hat keinen blassen Schimmer wie diese aussehen, da meist auch der Klarname verborgen ist und ordentliche Recherche somit vereitelt wird. Und trotzdem entlockt die Antwort, der Fav oder gar die private Nachricht etwas Freude, wenn nicht sogar eine Veränderung des Pulses oder Schweißausbrüche oder alles zusammen. Und wenn er/sie dann 12 Antworten gefaved hat, kann man bereits die Hochzeitsglocken aus der Ferne vernehmen. Oh mein Gott, hast du eben „wir“ gesagt? Ich finde Kopernikus für einen Buben einen hervorragenden Namen! Nein? Nun gut, Cäsar tut es auch.

Üblicherweise beginnen Menschen sich erst im privaten, ungesehenen Gespräch besser zu verstehen, bei einer E-Mail, einem privaten Chat oder eben einem Brief. Bei Twitter beginnt das ganze nicht in den DMs (wenn, dann endet es dort), sondern bei öffentlichen Tweets – und Antworten auf Tweets:

Ein User entspricht durch besonders interessante, originelle, provokative und intellektuelle Tweets gewisser Idealvorstellungen, oder Vorstellungen, von denen man gar keine Ahnung hatte, dass man sie mag – und macht somit auf sich aufmerksam. Unfreiwillig. Man beginnt zu folgen, zu antworten, tritt öffentlich in Kontakt und da es die Öffentlichkeit ist, ist es gleich; man kann sich spielend unterhalten. Ich rate nicht zum Flirt. Das ist creepy. Ich finds creepy.

Ein Twitter-Crush ist harmlos. Man zielt nicht darauf ab, die Person jemals im realen Leben zu treffen – außer natürlich es beruht auf Gegenseitigkeit und die Schwelle zur Realität wurde in den DMs schon weitgehend überschritten – und selbst dann zögert man, weil es ist immer noch Twitter. Aber keine Sorge, generell ist ein Twitter-Crush in den meisten Fällen harmlos und keine Gefahr für reale Liebschaften. Man schwärmt eben a bissl von XY, wie man von Schauspieler XY begeistert ist. Das geht vorbei. Und wenn nicht: Go for it! You got nothing to lose.

Die DMs

Gut, nehmen wir an, du, lieber Leser hast einen Twittercrush und hast dich tatsächlich dazu entschlossen, dich in die DMs zu sliden. Erstens: Gratulation zur Courage; zweitens: Warum hast du das getan? Bist du komplett wahnsinnig? Als ich sagte „Go for it“ meinte ich… genau das. Okay, du hast recht. Warum ewig aus der Ferne leiden, wenn das Objekt der Begierde doch so nah ist. Nun denn, dann machs aber richtig.

Zuvor aber noch; es gibt eine Möglichkeit sich in die DMs zu sliden, ohne aufdringlich zu wirken: Wenn etwas in einer bereits weit zurückreichenden Konversation (aka Thread) zu privat ist/wird, als dass es öffentlich gesagt werden kann, kann man in diesem Fall und zwar nur in diesem Fall, einen Tweet mit Inhalt „DM“ schreiben – und somit das Gespräch hinter verschlossene Türen führen. Wobei es sich dabei nicht zwangsläufig um einen Crush handeln muss. Das kann auch so sein. Und dann sieht man ja was passiert.

Aber jemanden anzuschreiben mit: „Hey, finde deinen Twitterstil cool ;-) Bist volle süß!“ Geht. Gar. Nicht. Absolut. Nicht. Never. Ever. Wirklich. Lass das. Wirklich.

Bitte lies das

Nun gut, es ist passiert. Dazu einige Anmerkungen (die eigentlich generell auf eine Chat-Konversation anzuwenden sind):

1. Verwende unter gar keinen Umständen diesen Smiley: ;-)

Auch :-) Ist creepy. Wirklich. Lass es mit den Smileys. Wirklich. Lerne, ohne Smileys zu kommunizieren.

Er wirkt creepy. Ist so. In ganz, ganz wenigen Fällen hat er seine Berechtigung, aber in den meisten Fällen ist er creepy. Wenn man sich bereits kennt, sicherlich, oder wenn eine Situation danach verlangt, aber „Hallo wie gehts ;-)“ ist creepy. Vergleichbar mit dem lästigen, creepy Typen, der dich an der Bar anspricht, dir einen Drink zahlen und dafür deine ungeteilte Aufmerksamkeit möchte – den gesamten Abend lang und trotzig wird, wenn du dich abwendest. Das männliche Ego ist so fragil, es erstaunt mich immer wieder.

Also nein, nochmal für Dudes, hier scheint mir der Aufklärungsbedarf notwendiger: Sei nicht der creepy Dude, der Frauen an der Bar belästigt, die eh schon zu verstehen geben, dass sie nicht an dir interessiert sind. Respektiere Frauen! Respektiere das Nein. Wenn sie deinen Drink nimmt ist das trotzdem keine Einladung für ein Gespräch. Erwarte kein Gespräch! Nein, auch keine Dick-Pics, niemand will deinen Schwanz sehen. Wirklich, niemand. Und schickte mir jemand ein Dick-Pic, mache ich dessen Mutter ausfindig und leite ihr die Nachricht weiter. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wirklich, das gehört sich nicht. Welcher Typ bitte denkt, dass ein Dick-Pic in welcher Situation auch immer gerechtfertigt und eine gute Idee ist? Wie kam dieses Denken zustande? Ich verstehe es nicht.

2. Versuche nicht, deine Schwärmerei auf die Realität zu übertragen.

Die DMs sind das endgültige Ziel, dass du erreichen kannst. Du kannst dich dort unterhalten, aber die Chance, dass es zu einem realen Treffen kommt, sollte in deiner Erwartungshaltung bei Null liegen. Denn einerseits wirst du fix enttäuscht werden (und es muss nicht einmal das Aussehen sein, da gibt es genug anderes) und wer möchte diesen leichten, unbeschwerten Crush schon mit der Härte und Schwere der Realität bürden? Eben, niemand. Und andererseits gehst du dieser von dir auserwählte Person mächtig auf den Geist damit – was das ganze wieder zerstört. Also im besten Falle lässt du es mit den DMs. Erfreue dich an Tweets, Favs und Antworten.

3. Flirte um Himmels Willen nicht.

Wirklich nicht. Lass es. Es nervt. Wenn eine Chance besteht, dass dein Crush vielleicht doch noch ein Interesse an dir entwickelt, dann dadurch, dass du nicht flirtest. Behandle das Gegenüber mit Respekt. Du kannst dann flirten, wenn du weißt, dass das Gegenüber genau so interessiert ist, aber dann bitte nicht mit der Keule, sondern subtiler. Wobei, eigentlich hab ich keine Ahnung. Mach wie du denkst.

4. Erwarte nicht, dass dein Twitter-Crush dir seine oder ihre Liebe offenbart, weil ihr euch ja so gut versteht. Das wird nicht passieren. Erneut: Es ist Twitter und nicht Tinder. Du darfst die sphärische Dialektik des Textes nicht durch sowas beeinträchtigen! Herrschaftszeiten! Führ dich auf!

5. Schreibe respektvoll.

Ich kann es gar nicht oft genug betonen. Sei höflich und nett, mach keine sexuellen Anspielungen und mach um Himmels Willen kein Tam Tam wenn er/sie sich mal nicht meldet. Ja hast du immer Lust und Zeit zu antworten? Nein. Und will das die Person auf Twitter? Eben.

Wie gesagt, in den meisten Fällen ist dieses Schwärmen einseitig; dein Twittercrush wird dein Interesse zwar bemerkt haben, und sich vielleicht etwas geehrt fühlen oder auch genervt sein und sich abwenden. So oder so, sieh es als das an, was es ist: Die Liebelei in einer angenehmen Sommernacht, die endet, sobald der Morgen graut.

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Twitter’esk und ohne #, No.04

Ich schrieb im letzten Twitter-Beitrag: Wenn ihr euch wirklich unbeobachtet fühlen wollt: twittert.

Solltet ihr nur ein 200-Follower Account sein, interessiert sich niemand für eure Meinung, außer vielleicht die anderen 100-200-Follower Accounts (die sich gegenseitig folgen), für die sich aber auch wieder niemand interessiert und schlussendlich alles im großen, weiten Pool genannt „Uninteressant, Irrelevant und Unwichtig“ landet. Zusammengefasst unter UIU. Vor UIU-Accounts gilt es sich zu hüten, will man bei neuen, potentiellen Followern (die, die 1k überschritten haben) nicht als UIU-Account gelten. Ja, ich hab mir das eben ausgedacht, toll nicht?

Und sicherlich, jeder hat mal klein angefangen – vor zehn Jahren, als alle klein angefangen haben. Heute schaffen es nur mehr die in die Liga der Top 4000k-Accounts, die tatsächlich was drauf haben und zwar richtig – und von den richtigen Leuten retweetet werden und gefollowed und so. Ihr seht, die Sache ist wahnsinnig kompliziert; und wenn man keine Freunde hat, tja dann, wirds schwierig.

Es wundert mich immer wieder selbst, warum ich twittere. Und wer mir antwortet. Und wie. Und wenn auf die guten Tweets keine Antworten kommen, dann frägt man sich: „Was mache ich falsch?“ Und dann bekommen nichtige Retweets und einfache Mitteilungen größte Aufmerksamkeit. Es ist und bleibt ein Mysterium.

Twittern ist öffentlich

Alles ist öffentlich und für andere einsehbar. Eine private Unterhaltung auf Twitter ist keine private Unterhaltung, sondern wie das Gespräch des Nachbartisches, dem man interessiert aber möglichst unauffällig zuhört. Und manchmal beginnt man auch von dem einen oder der anderen und dessen beziehungsweise deren originellen Antworten zu schwärmen. Das Phänomen des Twitter-Crushs werden wir uns im nächsten Beitrag annehmen.

Manchmal aber passiert es doch, dass ein Fav entkommt, was dann die Gabel ist, die auf den Schuh des Nachbarn fällt. Dessen Tweet man beim scrollen aus Versehen geliked hat. Man klaubt sie dann nichtssagend auf und isst weiter. Oder es war ein „Hey, guter Einwurf!“ welchen man mit vollen Mund dem anderen Tisch zu wirft.

Besonders peinlich, wenn es sich um schon fast geheime Gespräche mit 3000 Antworten unter „Tweets und Antworten“ handelt, die man versucht, höchst unauffällig nach zu lesen, immer von der Angst begleitet (und Neugierde) ja nirgends drauf zu kommen. Im Idealfall bemerkt der- oder diejenige das gar nicht, weil sowieso zu viel passiert. Aber diese 5 Sekunden Adrenalinschub und einem Puls von 180 sind nicht zu verachten.

Möchte man aber tatsächlich ein Fav zum Ausdruck der Anerkennung und Gefallens bringen, wird es schwieriger. Entweder man klingt sich in das Gespräch ein, oder faved alle möglichen Aussagen des Gesprächs durch. Bestenfalls folgen sich die User alle gegenseitig und es sind ja eh schon Bekannte, die halt am Nachbartisch sitzen und plaudern und manchmal wirft man einen Gesprächsfetzen dazu. Dann kann es natürlich aber auch passieren, dass das Gespräch verstirbt, denn bei manchen Threads möchte man doch lieber unter sich bleiben. Deswegen gilt es zu überlegen, lausche ich weiter geheim oder trage ich etwas dazu bei?

Twitter ist, was das betrifft einzigartig. Zwar gibt es bei Facebook ebenfalls öffentliche Beiträge und Kommentare, die für jedermann einsehbar – und kommentierbar sind, wenn auch die privat-gefühlte Komponente fehlt, schon alleine durch die Übersichtlichkeit und Reihungen. Denn wer schon mal versucht hat, aus 250 000 Tweets eine spezielle Antwort wieder zu finden, der weiß, dass man zwar gesehen wird, aber in der Masse untergeht – zumal, sollte man nicht berühmt, berüchtigt, kontrovers, interessant, provokativ oder kreativ sein – schlicht und einfach nicht beachtet wird.

Nichts desto trotz ist es öffentlich.

Die DMs

An dieser Stelle möchte ich ein fettes „Warning“ und „Danger!“ sowie ein „Do not enter!“ Schild vor die Augen des Lesers halten.

Diese Direct Messages alias Privat Nachrichten sind gefährlich. Sind sie zwar privat und zugehörig zu jeder öffentlichen Plattform, können sie aber schnell zu privat sein, sprich, zu real. Twitter ist ein surreales und abstruses Phänomen. Es gibt zwar kurze Profile, aber bei vielen Usern ist nicht erkenntlich, wer oder was sie sind. Anders als bei Facebook, wo es zwar auch möglich ist, Fake-Accounts sich zu beschaffen, aber damit wohl eher selten Freunde, Verwandte, Schulkameraden und dergleichen hinzufügt, um in Kontakt zu bleiben. Facebook ist realer. Twitter bleibt in der sphärischen Dialektik des Textes (welcher in heutigen Zeiten im Internet sowieso als seltsam geahndet wird).

Personen beziehungsweise Accounts, die häufig miteinander auf Twitter verkehren, und in dieser abstrusen und surrealen Welt gerne Ansichten und Favs teilen, möchten dies nicht unbedingt an die Schwelle zur Realität tragen. Private Nachrichten, so wissen wir, sind oft ernster, realer und eben privater, als irgendwelche übertriebenen und histrionischen Tweets. Sie kratzen an der Schale zum Real Life. Sie haben den Fuß bereits im Türrahmen. Denn wie weit ist ein „Ach, gib mir doch deinen Facebook-Account!“ oder gar ein „Treffen wir uns mal?“ entfernt? Eben, nicht weit. Und das will der gemeine Twitter-User nicht.

Und das, liebe Freunde, denen euch Twitter ein gar seltsames Phänomen erscheint, interessiert die Twitter-User oftmals nicht, oder es bereitet ihnen Angst. Who knows. Vielleicht täusche ich mich aber auch nur und Twitter ist eine weitere Dating-Plattform für Leute, die des Lesens mächtig sind. Who knows? Ich mutmaße hier nur rum.

Man darf sich in Erinnerung behalten: DMs könnten das empfindliche Twitter-Paradoxon, öffentlich aber doch ungesehen sein können, in Mitleidenschaft ziehen. Und so sollte man sich gut überlegen, in welche DMs man „sliden“ möchte und welche man besser in Ruhe lässt.

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Was du in deinen 30ern erreicht haben solltest

Erste und ultimative Antwort: Gar nichts.

Es geht niemanden einen Scheißdreck an, was du nach welchen Standards erreicht haben solltest. Wobei doch, wenn du geschafft hast, dir bisher nicht das Leben zu nehmen: Gratulation!

Madame (8) meinte einst: „Warum willst du mit 30 aussehen wie 20? Willst du die alte, creepy Frau in der Disco sein, die du damals mit Anfang 20 belächelt hast?“ – selbst wenn, who cares? (Okay, wenn wir ehrlich sind: Niemand will die creepy, alte Frau/(und schlimmer noch) der creepy, alte Dude sein, der in der Disco herum hampelt und sich an die jungen Mädels ran macht. Niemand. Übrigens, gehen wir nicht mehr in Discos. Wir besuchen Salsa-Abende. Oder Konzerte. Wenn überhaupt. Meistens ist es doch nur mehr Karaoke oder Kino. Wenn überhaupt. Die Couch ist auch okay. Oder das Bettchen. Mit Twitter. Vollkommen ausreichend.

Trotzdem. Was kann ich dafür, dass die Abstinenz von Alkohol und Tabak meine Haut noch nicht ganz so arg altern lassen haben, wie bei manchen anderen? Und hätte ich regelmäßig Sonnencreme verwendet, gäbe man mir sicher noch die Anfang 20. Merke: Verwendet auch tagsüber eine Creme mit mindestens LSF15! Und vergesst nicht, diese ab und an nachzutragen. Und hätte ich mich besser ernährt, mehr auf Obst und Gemüse geachtet, ginge ich sicherlich noch als 18jährige durch. Und hätte ich regelmäßig Sport betrieben, dann .. nun gut, lassen wir das.

Nachdem ich in den 1980ern geboren bin und jeder, der in den 1980ern geboren ist, dieses Jahr 30 oder darüber sein wird, muss auch ich erkennen, dass die feinen, aber kleinen Schwindeleien (die mir übrigens außerordentliche Freude bereiten) irgendwann nicht mehr ganz aufgehen werden, bestehe ich weiterhin darauf, als Mitte 20jährige durch zugehen. Irgendwann ist die Rechnerei nicht mehr spannend, sondern mühsam. Irgendwann stimmen Details nicht mehr miteinander überein und irgendwann macht einfach alles keinen Sinn mehr. In den 90ern geboren zu sein und einen Teil der Jugend ohne Internet und Handy verbracht haben? Nicht unmöglich, aber schwierig. In den 90ern geboren zu sein, und sagen können: „Ja, das waren halt die 80er! I’ve been there!“ You get the point.

Und natürlich stellt sich zeitweise die Frage, was man in seinen 30ern erreicht haben muss/sollte.

Die einen lassen sich scheiden, bei anderen ist das zweite Kind bereits unterwegs, mei nett! Das dritte auch? Ja! Aber meine Frau mag nicht so wirklich; die Jugend hat sich noch nicht ganz unter den Stirnfalten verkrochen, und man zockt gelegentlich das eine oder andere Spiel; der Job wird immer mühsamer, der Chef war auch schon netter, die Überstunden machen zu schaffen, die Bandscheiben, ja, das Kreuz auch, und ausgehen ist auch nicht mehr so wie früher, 3 Bier, dann ist genug! Mei, die Kinder, holst du sie am Freitag von der Kita? Aber Schatz, ich wollte doch.. nein, ist gut, ich verzichte gerne auf mein Leben. Ist in Ordnung. Und unter all diesem Gedöns und Getöse unterschiedlicher Aussagen diverser 30- bis 40jähriger, steht man auf weiter Flur und überlegt: „I’m a f*cking loser! Wait, but, why?“ Bis man realisiert: „It’s not me! It’s them! All of them!“

„Du kannst aber nicht ewig Kind sein!“ – „Doch kann ich.“

Es wird immer Leute geben, die dir sagen werden: „Mit 30 ist das Leben vorbei! Mit 40 musst du was erreicht haben. Da kannst du nichts mehr ändern. Da solltest du gefestigt sein!“ Und natürlich hinterlassen diese Sätze Unsicherheit sowie gewisse Fragen: Muss ich das tatsächlich? Was wenn nicht?

Googelt man kurz, finden sich zig Artikel, dass man auch mit 40 oder 50 sein Leben noch komplett neu ausrichten kann. Oder mit 60! Und besonders unsere Generation, von denen die wenigsten (so zumindest mein Eindruck) tatsächlich erwachsen geworden sind, nagen an der Definition von „Erwachsen-sein“. Erwachsen-sein, einst definiert als die Elterngeneration, dieses biedere, langweilige Dasein, ohne Wahnsinn durchs Leben schreiten, rationale Entscheidungen treffen, Versicherungen verstehen und ohne Angst wo anrufen zu können. Die Generation, die keine Fehler macht und sich nicht mit diesen Halbgaren Memes identifizieren mag. Erwachsen-sein, definiert durch: sein Leben im Griff zu haben und zu wissen, wohin man möchte und sich zu kennen, das Leben zu akzeptieren, weil man hat ja mit 30 bereits gefestigt sein müssen und da wäre unschicklich, jetzt noch an allem zu zweifeln!

Who are these people?

Ich hasse Fragen, die einen zwingen sich mit dem eigenen Selbst auseinander zu setzen. Das, was ich in meinen 20ern noch gern getan habe, da das Selbstbewusstsein groß und fern jeglicher Kritik stärker strahlte als Tschernobyl, geriet irgendwann immer mehr in den Hintergrund. Sicherlich, selbst in meinen 20ern war mein Selbstbewusstsein angeknackst, aber zumindest konnte man sich die Fehler schön reden. Und sicherlich, in den 30ern fällt alles auf eine gewisse Narrenfreiheit zurück, während man in den 20ern ausprobieren konnte, und nichts (von all dem, oder das wenigste zumindest) kleben blieb.

Und es stellt sich die Frage: Wer sind diese Leute? Die, die alles auf die Reihe kriegen. Wer sind sie? Und gibt es sie tatsächlich? Sind sie nicht vielleicht nur ein Mythos der Eltern-Generation, der in das Unterbewusstsein ihrer Kinder tradiert wurde und kontinuierlich wird, weil sie selbst nichts auf die Reihe brachten, um so den Schein zu wahren? So wird es sein!

Die Alten, unsere Eltern, und die Jungen, diese Digital-Natives, Generation Laptop (nicht Stand-PC, wie wir), die Streamer (und nicht alten CD-Gamer), die jungen, dynamischen Start-Up Menschen, nicht wir, die wir Schiss vor einem Anruf bei der Krankenkasse haben, um irgendwas Belangloses in Erfahrung zu bringen. Die, die hinaus ins Leben schreiten, sich optimiert selbst präsentieren und damit massiv Kohle scheffeln.

Werden wir je deren Level erreichen, oder werden wir ewig die creepy Zwischengeneration sein, die weder dies noch das ist. Wer sind wir? Und existieren wir tatsächlich? Sind wir nicht nur Einbildung unseres gekränkten Selbst, dass in die Welt geworfen wurde und in der Zerworfenheit der Generationen keinen Ausweg mehr findet?

„Du musst erwachsen sein!“

Wir sind erwachsen (glauben wir) und haben Verpflichtungen (die wir hassen) und kommen diesen nach (lol, ja genau), ohne darüber zu jammern (haha, nice try), weil jeder die gleiche Last zu tragen hat, manche sogar noch mehr. Aufgrund der etwaigen Diskriminierung bestimmter Gesellschaftsmodelle verzichte ich an dieser Stelle auf Beispiele.

Irgendwo im Zuge meiner Recherchen las ich, dass man in den 30ern erkannt hat, dass die Erwachsenen, vor denen man soviel Respekt und Ehrfurcht hatte, gar nicht soviel wissen, wie man einst glaubte. Im Gegenteil, den wohl höchsten allgemeinen Bildungsgrad haben Maturanten, Menschen zwischen 18 und 20. Die wissen über Mathematik, Biologie, Politik und Geschichte Bescheid. Danach fokussiert man sich auf Spezialgebiete, wenn überhaupt. Will ich damit sagen, dass wir zunehmend verdummen? Natürlich!

Back to the roots

Ja, fellow friends, die 30er sind angebrochen – nicht nur bei uns selbst, sondern auch in der weltpolitischen Lage scheint alles wieder dorthin zurück zu kehren, wo das Übel einst begann, von dem sich das kollektive Gedächtnis noch nicht erholt hat und die Schuld noch immer mit sich trägt (und offenbar nichts daraus gelernt hat, weil, ja.. kollektives Schuldgefühl und so, und den gleichen Fehler, am besten noch zur gleichen Zeit, noch fünfmal machen muss um daraus zu lernen.. whatever).

Und trotz dessen sind wir mittlerweile die Alten, fern ab von den jungen Influencer und smarten Start-Up-Gründern, die ihre Mitzwanziger richtig geil fetzen lassen. Könnten wir auch, aber wir sind die Generation in between. Weder Digital-Native, noch Digital-Immigrant. Verloren in der Zeit.

Wie will man also von uns erwarten, dass wir jemals erwachsen werden, gemessen an den Standards der Elterngeneration vor uns, deren Ideale nicht mehr anstrebbar sind, beziehungsweise sein wollen und auch nicht angestrebt werden können, weil es schlicht und einfach nicht mehr möglich ist (aus allerlei Gründen)? Und wir auch nicht wissen, wie sich die Nachfolge Generation verhält, wenn diese erwachsen ist – derer wir auch kein Vorbild sein können; wenn überhaupt nur als Karikatur dienlich sind, die sie lässig beiseite schieben, weil sie soviel toller sind und soviel mehr erreicht haben als wir, vor allem, weil sie viel mehr Möglichkeiten und das besonders wichtige, die Jugend dafür besitzen!

Tja, ihr lieben Leute, die in den 1980ern geboren sind:

Wir sind die seltsamen Between’ers, die schrägen Alten, die Generation, die nicht erwachsen werden will (oder kann!). Generation XYZ Whatever. Generation „I don’t give a fuck und jeder sagt mir, was ich zu tun habe und ich mag eigentlich nur am Strand liegen und meine Ruhe haben“, Generation „Schleich di mit deiner deppaten Erwartungshaltung; geh, mach ein Bild für Instagram für dein Start-Up für Wasserflaschen für Armlose“, Generation „Geh mir nit auf die Eierstöcke!“ und zu guter Letzt: Generation „I don’t give a fuck.“ Oder so.

Anyway, was ich damit sagen will, falls sich jemand angesprochen fühlt und am gelebten Leben zweifelt, wenn die Erwartungshaltung anderer regelmäßig an die Tür klopft, in die Timeline gespült und unter die Nase gerieben wird:

Du musst gar nichts erreicht haben.

Und viel wichtiger: Don’t give a fuck.

Wenn du in deinen 30ern noch ein Studium anfangen willst, who cares. Wenn du auf 26m2 lebst und glücklich damit bist, so what? Und wenn du einfach nur faul sein und schlafen willst, do it!

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Let’s fun things up! #2019 #Hashtag

Ich glaube, 2019 einen Perspektivenwechsel zu machen.

Anstatt zu überlegen und konsequent alles schlüssig sehen zu wollen und danach zu handeln, werde ich jene Antwort und Reaktion wählen, die am wenigsten Sinn ergibt. Bestenfalls eine Antwort wählen, oder noch besser, aus dem heiteren Himmel heraus eine Reaktion liefern, die nicht einmal mit dem Thema etwas zu tun hat, aber eben als Antwort auf dieses jeweilige Thema.

Gut, bei der wohl überlegten Antwort, die am wenigsten Sinn ergibt, könnte man mir passiv-aggressive Tendenzen nachsagen, bei der Impulsreaktion hingegen, die irgendwas ist, aber nicht das, was man sich erwartet, und auch nichts mit dem Thema zu tun hat, könnte es sich um ein fortschreitendes Stadium von Verstandesverlust handeln.

Auch okay.

Und warum das ganze? Weils eigentlich egal ist was man macht. Die Dinge werden weder besser, noch wirklich schlechter dadurch. Sicherlich, je nach Beispiel, lässt sich dieser Satz widerlegen und rufen: „Tu das nicht! Dein Leben! Nein! Wirf es nicht weg!“ – Und nein, ich habe nicht vor, mich in den Freitod zu stürzen oder sonst etwas zu machen, wo die Konsequenzen mit meiner Bequemlichkeit interferieren könnten. Wirklich nicht.

Ich rede nur von diesem kleinen Stück Wahnsinn, dass man sich zurück holen muss. Und damit rationalisiere ich meinen Vorsatz, der eigentlich nicht rationalisiert werden möchte und beende diesen Beitrag. Ihr wisst, was ich meine, oder?

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Twitter’esk und ohne #, No.03

Ein weiteres Merkmal von Twitter scheint das Thema „Free-Tv“ zu sein. Viele Twitter-User finden sich wöchentlich zusammen, um quasi gemeinsam eine Sendung im Free-Tv anzusehen. Dabei interagieren sie oft nur via Likes und Retweets, selten aber, dass sich eine Diskussion über das Gesehene in den Kommentaren ergibt – wie auch, immerhin läuft die Sendung derweil weiter, und es gelingt höchstens, dass man am zweiten Bildschirm etwas twittert. Es bleibt keine Zeit, sich auch noch darüber zu unterhalten. Sind Tweets die Selfies von Twitter?

Sie schauen 3Sat, ORF und arte; manchmal auch Pro 7 oder finden sich zu einer bestimmten Sendung zusammen. Darin besteht für manche übrigens auch der Reiz von Free-Tv-Sendungen. So meinte jemand: „Ich würde so doofe Serien niemals streamen (sprich: aktiv abrufen), sie müssen mich verführen, indem sie einfach gesendet werden – das ist der Reiz des klassischen Fernsehens.“ Es ist übrigens fast unmöglich, auf Twitter etwas wieder zu finden, wenn man nicht bereit ist, mindestens 15 Minuten seiner Zeit mit scrollen zu verbringen..

Ein interessanter Ansatz also: Verführung via Passivität. In einer Zeit des Überangebotes mit Streaming-Diensten, die allzeit bereit und immer verfügbar sind (solange im Angebot, aber für den Moment scheinen sie, als sei es für immer), ist es offenbar tatsächlich der Reiz des Vergänglichen (die Sendung wird zu einer bestimmten Zeit auf einem bestimmten Sender ausgestrahlt), wenn nicht auch gewisse Erinnerungen an die bittersüße Vergangenheit – an eine Zeit, in der man noch nicht so viele Entscheidungen selbst treffen musste. Lethargie vor Autonomie?

Zurück zum eigentlichen: Twitter und Free-Tv. Ich stelle mir dann abwechselnd zwei Szenen vor:

Einerseits Menschen, die daheim auf ihrer Couch sitzen, das Telefon in der Hand haben und über das gesehene twittern. Mit dem Telefon! Wie solle er denn die Tweet-Frequenz aufrecht erhalten, wenn er am Telefon tippte – meinte einst jemand auf meine Frage. Nein, diesen Tweet finde ich nicht mehr.. es würde mich wohl Stunden kosten, so lange ist das her.

Meist ist es, in meiner Vorstellung eine tolle Wohnung, geschmackvoll eingerichtet, eine angenehme Couch steht neben der Heizung und ich stelle mir vor, man finde sich dort ein (Free-Tv ’n Chill) und die Person sagt: „Wart kurz, ich muss das schnell twittern.“ Es drängt sich die Frage in den Raum, was diese Person noch alles twittern würde – folgend würde ich das Profil stalken und vielleicht ebenfalls anfangen zu twittern. Und dann säßen wir beide da, das Telefon in der Hand habend und über das gesehene und gelesene twittern, sich gegenseitig antworten, und nichts mehr von dem mitbekommen, was im Free-Tv läuft. Twitter ’n Chill?

Und andererseits stelle ich mir alle Twitter-User, die über ein bestimmtes Tv-Thema twittern, in einem großen Raum vor, auf einer Couch sitzend, die ab und an auf den Bildschirm schauen und derweil ihre Eindrücke ins Telefon tippen. Viele Gesichter, die abwechselnd vom Schein des Telefons oder des Fernsehers bestrahlt werden. Manchmal weicht die Vorstellung ab und sie sprechen auch miteinander, aber nicht viel. Es sind dann ganz unterschiedliche Personen, die ganz anders aussehen, als wie man sie sich vorstellt. Aber generell twittern sie.

Und ich wundere mich immer: Wie zum Teufel machen die das? Schon wenn ich Notizen bei Serien mache, muss ich aufpassen, dass ich nichts verpasse. Und bei Twitter muss der Spruch sitzen, die Rechtschreibung (sollte) korrekt (sein) und das ganze sehr schnell passieren. Binnen in Sekunden, sonst geht der Witz verloren. Und dann ist da der Zuschauer, der binnen dieser Sekunde seinen Browser aktualisieren muss, um den Witz zu sehen und zu verstehen, und überhaupt! Wie machen das die Leute? Und andererseits, warum? Wobei, letzteres lässt sich einfach beantworten: Twitter ist eine Social-Media Plattform, eine weitere Möglichkeit der Selbstdarstellung und wer zu hässlich oder eitel für Selfies auf Instagram ist, der twittert. Oder so.

Das letzte mal als ich einer Free-Tv Sendung beiwohnte, war es The Bachelorette mit Madame (8) und es war einmal. Und es war schrecklich. Und ich tweetete darüber. Und niemanden hats interessiert. Niemanden! Viel spannender als die Sendung an sich, fand ich die Werbeeinschaltungen. Wer denkt sich sowas aus? Und wie viel verdienen die Leute dabei? Und warum sind sie so dumm? Und warum hat die Werbestrategie oft nichts mit dem Produkt zu tun? Haben die alle kein Marketing studiert? Sogar ich weiß mehr als mancher dieser Werbefutzi scheint mir.

Doch, einen Retweet gab es. Von einem Account, der wahllos Tweets retweetet. Meine lieben Leser, wenn ihr euch wirklich unbeachtet fühlen wollt.. twittert.

Kurz um und zusammenfassend: Free-Tv ist ein wesentlicher Bestandteil von Twitter. Und es macht Sinn: Müsste man sich zum streamen verabreden, was via Tweets sehr mühsam ist (denn ein „slide“ in die „Dms“ (direct messages) wäre quasi die Second Base und so weit will man ja wirklich nicht gehen..), käme man nicht voran. Einfacher (und verlockender) ist es, sich gemeinsam und doch unabhängig eine Free-Tv Sendung anzusehen und wenn man Glück hat, sich sogar danach noch darüber unterhalten – bis vier Uhr morgens. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Thread irgendwann stirbt, oder, noch wahrscheinlicher, dass man gänzlich unbeobachtet bleibt..

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150€ für 60h/w!

Achtung, irreführender Headliner! Entspricht (noch) nicht der Realität! Vorsicht!

Aber es wäre doch eine Idee, nicht? Man stelle sich vor, das Pensionssystem kann von Grund auf reformiert werden: In zehn Jahren gibt es nur mehr private Kassen, die sich der gemeine Arbeiter nicht leisten kann und aufgrund Mangelernährung und Überarbeitung früher stirbt. Und wenn er doch noch lebt, kracht er 70jährig mit 150km/h in eine Mauer. Win Win für alle! Naja, fast. Wen interessieren Volksbefragungen und der Wille des Volkes. Ernsthaft, gewöhnt euch eure illusorische Haltung ab.

Man kommt nicht ganz an politischen Beiträgen vorbei.

Im Urlaub war es mir jeden Morgen aufs neue ein herrliches Vergnügen durch Twitter zu scrollen, während ich am Strand den Wellen lauschte, das Glitzern der Sonne auf der Oberfläche bewunderte (dabei immer wieder an Ghibli-Filme denken musste, folgend auch diverse Stücke immer wieder laut nebenbei laufen ließ), mich unterm Schirm verkroch und ein Zucker-Milch-Kaffee-Gemisch schlürfte. Ich verfasste (vermutlich) unqualifizierte Antworten zu irgendwelchen Themen und es war ein Teil meiner Entspannung. Warum? Es war so weit weg! Es war wie ein interaktives Spiel, dass ich starten und beenden konnte, wann immer ich mochte – zumindest fühlte es sich so an. Nichts, dass mich in dem Moment wirklich berührte. Die Realität lag irgendwo fern am Rande des Meeres am anderen Ufer, in einem kleinen Land, welches den Wunsch hegt, wieder ins 19. Jahrhundert zurück zu kehren und fleißig an der Umsetzung arbeitet. Tu felix Austria nube. Als Jane Austen und Brontee-Liebhaberin müsste mich das eigentlich freuen – tut es aber nicht.

Die Aussage der österreichischen „Sozial- und Gesundheits“-Ministerin, dass 150€ locker zum Leben reichen, wenn die Miete übernommen wird, fand ihren Weg natürlich auch zu mir. Stimmt. Handy- und Internetkosten, öffentliche Verkehrsmittel, Kleidung, Hygiene, Arzt und Nahrung lassen sich locker damit finanzieren. Easy. Man kann ja auch täglich bei der Obdachlosen-Kantine speisen und Kleidung aus Bedürftigen-Zentren holen: Alles kein Problem. Lebt sich super damit! Kino und gesellschaftliche Veranstaltungen, wozu? Gibt ja Social Media! Aber eh, war ja nur für die dunkelhäutigen Zuwanderer gemeint, ganz gleich welchen Status er gerade hat. Dumm nur, dass lediglich Asylwerber aus der Mindestsicherung heraus fallen (der Rest bekommt sie und da dürfen keine Unterscheidungen bzgl. Hautfarbe gemacht werden. Nein!? Doch! Oh.. So an Dreck). Und diese bekommen (neben Unterkunft und Verpflegung) aktuell ein Taschengeld von 40€. Ob unter all dem Hass doch ein gutes, warmes Herz steckt? Oder liegt es an der fehlenden politischen Bildung, die mit 2 Minuten Google aufgeholt wäre? Wir werden es nie erfahren..

Internet, so meine ich, ist ein Grundrecht, wie der Besitz eines Fernsehers zwecks Recht auf Information. Ergo, müsste man die Internetkosten ebenfalls übernehmen. Auch fraglich, ob die Wohnkosten mit oder ohne Strom/Heizung berechnet werden. Winter is coming!

Folgt man dem Trend, werden sicherlich auch mehr Kinder gezeugt, denn für Verhütung muss jeder selbst und besonders die Frau aufkommen („Abtreibungen pfui Spinne, wer tötet denn kleine Kinder! Stopft die Bauernkatzen in den Sack und ab in die Tonne! Na kastrieren geht nit, is unnatürlich!“), und somit wird auch der illegalen Einwanderung Einhalt geboten, wenn die gute, heimische Frau wieder 6-8 Kinder wirft und erneut: Pensionssystem. Dank gestrichenen finanziellen Mitteln für Frauenhäuser und Initiativen (die meisten Mordfälle resultieren aus Beziehungsstreits, aber der heilige Bund der Ehe steht natürlich über der Sicherheit von Frauen (Moment.. Religion und Staat sind aber noch getrennt, oder? Planen die bereits eine österreichische Sharia? What? Hm? War was?), erhöhter Müttersterblichkeit (an Krankenhäusern und vor allem bei Hebammen wird ebenfalls gespart) – haben wir wenige alte, aber viele neue junge Menschen, die im Glauben aufwachsen, es ist okay 60 Stunden die Woche für einen Mindestlohn zu arbeiten, immerhin ist Freizeit kein Grundrecht. Kontakt zu Freunden und Familie gibt es nur mehr über soziale Medien. Immerhin sind es „soziale“ Medien. Wers dann doch noch schafft sich aufzuraffen, ins Beisel zu schleppen und 3 Bier konsumiert (Aber nur 3!), bekommt einen „Wirtschaftsbonus“ von 20€ im Monat. Macht keinen Sinn? Is wurscht. Tut der Rest auch nicht.

Zurück zum Vorfall:

Meine Theorie ist ja folgende: Durch unqualifizierte Aussagen schafft sich die konservative Partei gleich zwei Vorteile: Einerseits säbelt sie eine „böse Hexe ab, die gegen die Interessen des Volkes handelt. Verbrennt sie!“ und sichert sich somit Wählerschaft („Mir sein fürs Volk da!“) und kann gleichzeitig als Beispiel für „Frauen hobn nix in da Politik verloren. Da hobts 300€ im Jahr mehr wenn es in da Küche bleibts. Geil, ha?“ herangezogen werden – womit sie die „Familien“-Ministerin gleich mit rausschmeißen, um den Punkt zu unterstreichen. Win Win!

Das Volk ist zufrieden, die Politik geht gewohnte Wege – statt Erbschaftssteuer wird im Falle des Falls komplett enteignet und alle sind happy, weil der böse „Auslender!“ auch eins auf die Fresse kriegt. Yay!

*

Aber wisst ihr was wirklich traurig ist? Folgendes:

 

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