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Nach Halloween, der NaNoWriMo

Halloween verbrachte ich im warmen, weichen, wohlig-kuschligen Bett.

Beim NaNoWriMo geht es darum, binnen eines Monats 50 000 Worte zu schreiben. Natürlich reizt es mich, aber seien wir realistisch: Ich hasse es Dinge tun zu „müssen“. Sobald eine Pflicht sich untermischt, verfliegt jede Lust und Laune daran und es wird nur mehr eine mühselige Arbeit, die man halt abarbeiten „muss“. Also nein, ich werde nicht wirklich daran teilnehmen.

Ich kündige lediglich mein Interesse an – aber nicht auf der offiziellen Plattform, sondern in meinem Kopf. In meinem Kopf nehme ich es mir vor, dies und jenes zu tun – und, wenn auch nicht ganz den Vorgaben entsprechend, aber auf meiner To-Do Liste, stehen noch ein paar, bereits verfasste, Kurzgeschichten, die ich demnächst einsenden möchte um mit Publikationen in Anthologien meinen Lebenslauf aufzubessern. Natürlich ist das mein ernst. Natürlich schreib ich das Zeug in meinen Lebenslauf. Ich mein, warum nicht?

Aber die Idee finde ich nach wie vor spannend, motivierend und interessant – und ich beneide bzw. bewundere die Leute, die es tatsächlich schaffen, in diesem Monat das Ziel zu erreichen. Es ist und wäre eine gute Übung. Ganz gleich wie schlecht das Outcome ist, 50 000 Worte sind 50 000 Worte. Das ist bewundernswert.

Anyway. Have fun, fellow writers!

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#awletters

Für diejenigen, denen Postcrossing zu wenig ist, gibt es jetzt #awletters – auch wenn die Aktion schon vor Monaten ins Leben gerufen wurde. Trotzdem, eine erwähnenswerte Idee.

Was zur Hölle ist Postcrossing?

Kurz gesagt: Ein digitaler und anonymer Postkarten Service. Wer gerne Postkarten erhält und verschickt kann sich dort anmelden und bekommt, je nach Wunsch (am Anfang bis zu 5 oder 6) Adressen. Nein, man kann sich nicht aussuchen wem man schreiben möchte. Dazu gibt es Profile, die etwas von sich erzählen. Zu geschätzt 89% handelt es sich um Hausfrauen oder Studentinnen. Sich Motive wünschen ist zwar ausdrücklich untersagt, trotzdem hält sich keiner daran. Die Leute wollen Katzen, Stadt bei Nacht-Ansichten, Blumen, Berge, Züge, Flugzeuge, schwarz-weiß Fotografien der Heimatstadt und so weiter. Auf die Selbstbeschreibung kann man eingehen wenn man nicht weiß, was man schreiben soll, muss es aber nicht, besitzt man ausreichend Mitteilungsbedürfnis und Phantasie. Jede Karte ist mit einer Nummer versehen, die man bei Erhalt eingibt und somit auf Profil des Absenders verwiesen wird (um sich zu bedanken). Die (wenn) digitalisierte Karte, findet sich dann in einem Album wieder. Kam die Karte beim Empfänger an (sprich, wenn dieser sie registriert hat) wird irgendwer auf der Welt, der eben eine Adresse anfordert, deine bekommen und dir eine Postkarte schicken. Die Karten kommen aus aller Welt: Deutschland, Russland, China, Taiwan, Nordamerika, Italien.

Fun Fact: Die Karten aus China kommen schneller an, als jene aus Russland. Und ja, es ist ein nettes Gefühl, leert man das Postfach und hält 6 verschiedene Postkarten von wildfremden Menschen in der Hand. Allerdings ist das ganze auch etwas Kostspielig: Karten und Briefmarken (die manche wollen) sind nicht ganz so günstig.

#awletters

Das Prinzip bei #awletters ist ähnlich – nur dass es sich hierbei um Briefe handelt, die von zwei (ausgedachten) Charakteren ergo zwei Menschen geschrieben werden, in was für einem Setting auch immer, die sich bewusst dafür entschieden haben und nicht von einem System auserwählt werden.

Wobei es natürlich auch eine Idee wäre Profile anzulegen, mit Angaben in welcher Welt man spielen/schreiben möchte (SF, Fantasy, PostApokalyptisch, Weltall, Trolle, Elfen, Erotik, Kinder, Parodie, usw.), und diese werden dann mit einem Ideenvorschlag zusammen geführt. Gerne auch via Zufallsgenerator. Wie Beispielsweise: „2045. Zombies haben deine Heimatstadt überlaufen. Findet gemeinsam einen Weg aus der Misere und versucht zusammen zu kommen um nach XY zu fliehen.“ Oder „Ihr befindet euch in einer phantastischen Welt und seid Gefangene einer Troll-Horde, die euch zu Tierfutter verarbeiten möchte. Berichtet euch von eurem Elend in Briefen, die auf dem Rücken einer Ratte (sie heißt Betzy) von Zelle zu Zelle getragen werden.“ Okay. Jetzt will ich sowas machen.

Zurück zu #awletters. Es kann romantisch, dystopisch oder historisch sein. Die Charaktere können alles sein: von Massenmördern über Liebende, Detektive und so weiter. Gut, die einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass man sich tatsächlich hinsetzen muss, Stift und Papier zur Hand nimmt, einen Brief schreibt, diesen in ein Kuvert packt, damit zur Post geht und 90 Cent, oder wie viel eine Briefmarke kostet, zahlt.

Zurück zum eigentlichen.

Die Spielregeln kopiere ich direkt vom zugehörigen Blog.

#awletters Spielregeln

  1. Finde einen Spielpartner (z.B. unter deren Artikel, in der AW Community oder auf deren FB Seite unter dem zugehörigen Livestream)
  2. Denkt euch ein Setting aus (historisch, apokalyptisch, romantisch, Piraten, Soldaten, Detektive, getrennte Liebende, etc.)
  3. Schreibt euch Briefe per Hand auf Papier (keine elektronischen oder getippten Briefe) → Kopieren, fotografieren und scannen nicht vergessen!
  4. Habt Spaß!

Ich schrieb immer gern Briefe, nur wenn man so oder so schon via Social Media Kontakt hat, was will man sich großartig in den Briefen erzählen? Madame (8) und ich schickten uns eine Zeitlang parfümierte Briefe (man spaziere in eine Drogerie und „teste“ Parfüms). Tipp: Zuerst das Papier besprühen, trocknen lassen, und dann schreiben. Nicht umgekehrt! Tipp 2: Eine Ladung reicht, 15 sind zu viel). Einst schickte ich einen versiegelten Brief ab, mit Stempel-Siegel und so. Der Postmensch war nicht sonderlich davon begeistert und meinte, was der Blödsinn soll und ich mir das sparen sollen. Spielverderber..

Ich glaube zu wissen oder nehme zumindest an, dass sich ein oder zwei Schreib-interessierte Menschen unter meinen Lesern befinden. Dystopisches Setting, wer will?

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[#WritingFriday] Week 15

Woche 15 ist schon lange vorbei, am Freitag dem 13. im April wäre sie gewesen – ich werde es wohl nie auf die Liste schaffen, aber sei’s drum. Immerhin schaffe ich es, dem Zufall sei Dank, zumindest an einem Freitag wieder mal zu veröffentlichen.

Die verbleibenden Themen für den April sind:

Es wird nicht einfacher.

Und mich überkommt die Lust, alles unter einer speziellen Kategorie zu schreiben und die Themen in eine Art unabhängiger Geschichtenkomplex zusammen laufen zu lassen: einer alternativen Realität, in der seltsame Kreaturen Menschen infizieren, die sogleich dem Wahnsinn verfallen – oder sterben. Also ja, eine Zombie-Geschichte – was, zugegeben, nicht sonderlich originell ist, aber was solls. Immerhin hatten wir im Krankenhaus die drei Verwachsenen. Die Chefärztin musste sich schlussendlich gar nicht mehr entscheiden, da die äußeren beiden angefangen hatten, den in der Mitte aufzufressen. Sie starben alle. Die Infektion zog nach Norden weiter und konnte nach einiger Zeit, durch ein mysteriöses Mittel eingedämmt werden. Denn was gegen Karies hilft, kann auch gegen andere Infektionen behilflich sein.

Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.

„Sehr geehrter Herr Ottomar von Mayenburg,

Ich schreibe diesen Brief lange nach Ihrem Tod, denn die Vereinten Nationen sind Ihnen zu größtem Dank verpflichtet. Durch Ihre Erfindung der Zahnpasta, war es uns möglich die weitere Ausbreitung der Infektion zu lähmen und sie schlussendlich zu besiegen – auch wenn für Millionen die Hilfe zu spät kam.

Wie das, hätten Sie sich vielleicht gefragt. Es trug sich an einem gewöhnlichen Abend im Quarantäne-Quartier A-VII zu. Ein kleines Mädchen wollte ihrem Stoffbären vor dem zu Bett gehen die Zähne putzen und hatte den aufgenähten Mund, auf welchem sich offenbar Keime der Infektion befunden hatten, reichlich mit Zahnpasta eingeschmiert.

Sie selbst hatte das Glück von Natur aus immun zu sein, wie nur ganz wenige andere – weswegen sie ohne Probleme durch den Analysator gehen konnte – dieser übrigens nur eine bestehende Infektion erkennen kann, weswegen TeddyLeddy, so der Name des Bären, ebenfalls keine Reaktion zeigte – und auch die Keime auf Kleidung und Gegenständen nicht erkannt wurden, und es immer wieder zu Ausbrüchen innerhalb der, wie man annahm, sauberen Zonen kam.

Alsbald sie die Zahnpasta auftrug, fing der Stoffbär Feuer und verbrannte. Dieser seltsame Vorfall nötigte die Wissenschaftler dem Phänomen erneut und noch intensiver nachzugehen; Sie müssen wissen, es hatte nach und nach eine Art Apathie eingesetzt, da sich keine eindeutigen Lösungen fanden und die Priester, deren Predigten unsere Sünden (so auch die Wissenschaft) zur Verantwortung zogen, konnten viele renommierte Köpfe für ihre Seite gewinnen, welche daraufhin ihre Forschung einstellten und den Fakt als Gottes Gegebenes Geschenk akzeptierten.

Wie dem auch sei. Das Mädchen, welches sich leichte Verbrennungen zuzog, weinte bitterlich, dass TeddyLeddy gestorben war und wollte keinen Ersatz. Beide wurden aus Marmor gefertigt und triumphieren am Heldenplatz der Vereinten Nationen in London.

Die Mischung aus Bimssteinpulver, Calciumcarbonat, Seife, Glycerin, Kaliumchlorat und Pfefferminz-Aroma war exakt jene, die notwendig war, um die Infektion zu stoppen. Zwar konnten die meisten der Infizierten nicht mehr gerettet werden – aber wir alle, die wir am Leben sind, einarmig oder nicht, mit weniger Gliedmaßen als gedacht oder noch allen dran – sind dankbar für diesen glücklichen Zufall, der mittlerweile auch erklärt, warum sich so viele Menschen auf seltsame Weise selbst entzündet hatten. Niemand hatte Antworten darauf oder Zeit, eine Antwort zu finden.

Ein Flammenmeer, das können Sie sich denken, überflutete die Welt für kurze Zeit, Wälder mussten in Verbindung mit der chemischen Substanz der Zahnpasta niedergebrannt werden, viele Tiere und Menschen verloren ihr Leben im Zuge der „Reinigung“, wie die Priester, die mittlerweile wieder an Ansehen gewonnen hatten, es nannten. Trotzdem, war es eine lange, lange Diskussion – aber das Überleben der menschlichen Rasse und auch der anderen Geschöpfe erforderten Opfer. Mittlerweile kämpfen wir nicht mehr gegen die Infektion, sondern die Rebellion und den Glauben an, die beide übrigens nichts miteinander zu tun haben, die Medien uns drei Parteien aber immer irgendwie in Verbindung bringen wollen. Ich sage es Ihnen, wirre Zeiten sind es.

Wie dem auch sei, verehrter Herr Mayenburg – dank Ihnen hat der Planet Erde eine zweite Chance bekommen – und so auch die Menschheit.

Mit freundlichen Grüßen,

die Vereinten Nationen des Planeten Erde.“

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[#WritingFriday] Week 14

Zwei Wochen hab ichs durchgehalten Beiträge pünktlich zu verfassen und am selben Tag noch online zu stellen. Immerhin etwas. Einmal gab ich auf. Mitmachen werde ich trotzdem weiterhin, aber ohne Zeitdruck. Aktuell sind wir bei Woche 14, am 16.4, Montag.

Die Themen für den April sind:

  • Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.
  • Bei einem großen Familienfest erfährst du, dass deine Großeltern bereits seit vielen Jahren in einer offenen Beziehung leben. Schreib die Szene auf, die sich nach diesem Geständnis ergibt.
  • Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.
  • Eine Frau verwählt sich und landet bei einem fremden Mann. Unerwartet beenden sie das Gespräch aber mit einer Verabredung. Schreibe das Telefonat dazu auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: „Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie…“ beginnt.

Achtung: Kann Teile von Splatter und Gore beinhalten – ja, es geht um Zombies. Achtung, die Meinung und Humor der Protagonisten muss nicht zwangsläufig dem Humor der Verfasserin entsprechen.

Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.

Du wirst es nicht glauben, liebste Freundin, aber die Lage ist schlimmer als erwartet. Sie sind überall. Wir haben keine Möglichkeit mehr das Gebäude zu verlassen. Wir sind eingekesselt. Weißt du noch, wie ich mich gestern gefreut habe, am Puls des Lebens sein zu können und nun tanzt er Tango mit mir! Tango in der Profiliga, mit mir, die selbst beim Gehen über ihre Füße stolpert. Zack, zack. Alles muss geordnet sein, alles nach Plan verlaufen, ein Schritt nach dem anderen. Alles dokumentiert werden. Aber in Blockschrift.

Da war eine Frau, der haben sie die Leber heraus gefressen, einfach so. Ein Stück des Darms hing heraus und sie hat ihn in ihren Händen gehalten, wie ein kleines Kind, und gestreichelt. Sie war wohl vor Schock ganz apathisch und wusste nicht, was passierte. Wenig später ist sie gestorben. Ein älterer Herr wurde danach geliefert, seine Weichteile waren in drei Teile gespalten. Und Drehung! Ein hübscher Arbeitskollege witzelte noch, der Alte könne sich doch nun einer Transgender-Operation unterziehen, viel sei eh nicht mehr zu retten. Ich musste unfreiwillig lachen, wie ein Schulmädchen, aber hatte er doch recht, viel war nicht mehr zu sehen, außer etwas Blut und Hackfleisch. Auch er hat es nicht überlebt. Die Infektion hatte sich bereits im Körper ausgebreitet. Takt halten! Zeitpunkt des Todes, 14.45. Kurz darauf wurde ein Mädchen eingeliefert, die nur mehr einen Arm hatte, und ein Bein. Die Infizierten hatten sie erwischt, wir mussten, eine ganze Menge wegschneiden um ihr Leben zu retten. Aber sie wird es schaffen. Welche Musik wird beim Tango gespielt? Kann man Tango zu Kapellen-Musik tanzten? Teller zittern, Geschirr klappert. Ich habe Instrumente fallen lassen, die Chefärztin war verärgert.

Der Takt ist unnatürlich und macht mir zu schaffen. Vielleicht ist es kein Tango, sondern eine Abart davon, etwas künstlerisches, dass, was sie im Theater tanzen, um aus der Vielzahl an individuellen Produktionen heraus zu stechen. Gerade noch, dass ich Schritt halten kann. Und der nächste Patient wird geliefert, eigentlich sind es drei. Sie wurden im Keller eines Wissenschaftlers gefunden, der an ihnen herum experimentierte, bis er an den Folgen der Infektion gestorben ist. Er hat sie aufgeschnitten und danach eng zusammen geschnürt und ihre Wunden zusammen genäht, anders kann ich es mir nicht erklären. Aber warum? Es ergibt keinen Sinn. Manche verfallen dem Wahnsinn, andere sterben nur. Es ist ein erstaunliches, wenn auch erschreckendes Gebilde. Ich habe sowas noch nie gesehen. Es blutet nicht mehr. Sie sind nur mehr vage infiziert, der Wissenschaftler hatte gute Arbeit geleistet und offenbar spezielle Mittel zur Verfügung. Wir sollten diese Mittel haben. Warum hat er es nicht selbst verwendet? Mein Arbeitskollege meinte, die Polizei habe alles durchsucht, aber nichts gefunden. Die Chefärztin sagte, sie können einen retten. Wer hat ein Recht auf Leben? Der rechts außen, der linke oder der in der Mitte?

Wem ist es vergönnt, weg geschnitten und gerettet zu werden? Ich weiß es nicht, ich muss es auch nicht entscheiden. Ich muss nur dastehen und die Werkzeuge hinhalten. Dokumentieren was gemacht wird und wann wer stirbt. Und zusehen. Gelegentlich vielleicht auch etwas Blut absaugen oder infiziertes Gewebe wegschneiden, und darauf achten, dass es mich nicht berührt. Grauslig, ich sags dir. Verbringe deine letzten Tage wohl in deinem Haus, und verlasse es erst wieder wenn die Seuche weiter gezogen ist. Ich hörte, die Infizierten ziehen nach Norden, weg von hier.

Die drei sehen mich mit qualvollen Augen an. Sie reden die ganze Zeit miteinander, ihre Köpfe sind nah beinander, an Brust und Rücken zusammen gewachsen. Der in der Mitte hat es am schwersten. Ständig reden die anderen auf ihn ein, sie finden er solle sterben, schließlich könnten sie vielleicht beide überleben, wenn sie ihn in der Mitte töten. Eine Niere für dich, eine für mich. Das Herz, da wird sich schon ein zweites finden. Die Chefärztin wird entscheiden müssen was getan wird. Gut, dass ich das nicht muss.

Und was ich eben gefunden habe:

Damit wird künftig etwas gearbeitet werden. Wer weitere Vorschläge hat, bitte gerne – aber via Kontaktformular.

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[#WritingFriday] Week 13

Der letzte Freitag im März. Das letzte Thema. Und natürlich, es beginnt bereits, die Nachlässigkeit. Für die dem Thema zugehörige Woche habe ich aktuell keine adäquate Ausrede parat, aber sei’s drum, who cares. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und dergleichen sollen im realen Leben seine Krallen ausfahren, hier dürfen es Samtpfoten sein, kleine Katzentatzen, die stupsend um etwas Aufmerksamkeit bitten.

Und da ich vom Obdachlosen Abstand halte, wird es wohl etwas persönlicheres, wobei ich dieses Thema doch etwas abändern muss – immerhin sollte ich mir dabei nicht die Haare raufen, wer nun der oder die Auserwählte sein soll, deren Antlitz ich in Worte fasse, bestenfalls mit ganz vielen Adjektiven und Schachtelsätzen.

Ich habe bei solchen Themen, bei welchen etwas Geliebtes zu beschreiben ist oder man generell versuchen soll, gewisse Gefühle zu erzeugen, immer die Befürchtung, dass es leicht in Kitsch und Klischee abdriften kann und man genau so gut, eine beliebige Seite eines Fünf-Groschen Romans abtippen könnte. Sicherlich wäre es eine gute Übung, es nicht in eine Art „50 Shades of Wtf“ verkommen zu lassen, trotzdem ein schwieriges Unterfangen.

Beschreibe Gesicht und Gestik eines Menschen, den du liebst.

Beschreibe Gesicht und Gestik einer beliebigen Kreatur.

Flauschige Nase. Große Augen. Scharfe Krallen.

„5, setzen. Failed.“

Man könnte also gerade darin den Zweck der Übung sehen, Gesicht und Gestik zu beschreiben aber dabei auf Adjektive zu verzichten, denn Adjektive, so wissen wir, sind böse.

Aus den „scharfen Krallen“ werden „Krallen, die Mäuseleiber mit Leichtigkeit zerfetzen“. Aus der „flauschigen Nase“ wird „eine Nase, deren Samtheit an Cashmere erinnert“ – auch wenn ich keine Ahnung habe, wie sich Cashmere anfühlt. Und aus „große Augen“ werden „Augen, aus denen Hohn und Belustigung kriecht“. Oder so. Davon abgesehen, dass „Samtheit“ kein Wort ist, dass es so im sprachlichen Gebrauch gibt, aber hey – es ist das Internet und mein Blog, ich kann und darf soviele Worte zusammen stückeln wie ich will.

Und das bringt mich wieder einmal zur Frage, warum keine Adjektive? Zieht man Google zu Rate, gibt es meistens folgende drei Aussagen und Anmerkungen:

„Adjektive verraten den Narziss im Autor. »Schaut her«, ruft er dem Leser mit jedem dieser Wörtchen zu, »wie wunderschön ich schreiben und beschreiben kann!« Und drängt sich vor seinen Text. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass wir ihn von der hinteren Umschlagklappe seines Buchs selbstgefällig grinsen sehen.“ (Quelle)

Aber:

„Andererseits sind Adjektive genauso ein Bestandteil der Sprache wie Verben und Substantive. Also müssen Adjektive eine bestimmte Funktion haben.“ […] Adjektive sind Wörter, die etwas beschreiben und Eigenschaften zuordnen, also die Frage nach dem Wie beantworten. Allerdings bleiben Adjektive dabei oft recht allgemein, beschreiben etwas also nicht unbedingt konkret. […] Dies liegt daran, dass Adjektive oft nicht so bewusst wahrgenommen werden, weil sie eben nur beschreibende Beiwörter sind, die in einem Atemzug mit dem Hauptwort genannt werden.“ (Quelle)

Oder:

„Zunächst sollten sie gar nicht auf Adjektive achten. […] Erst im zweiten Schritt lohnt es sich, den Gebrauch von Adjektiven kritisch zu hinterfragen. Gibt es ein treffenderes Wort, das im Kopf des Lesers eine genauere Vorstellung hervorruft? Auch ein schlechtes Adjektiv kann sinnvoll sein, wenn beispielsweise der Klang des Satzes davon profitiert. Ein Adjektiv kann an einer Stelle richtig sein und an einer anderen falsch.“ (Quelle)

Gut. Im Prinzip wissen wir das ja alles. Und nein, ich versuche nicht mich durch Abschweifungen vor der eigentlichen (und freiwilligen) Aufgabe zu drücken. Sowas würde ich nie im Leben tun – denn in diesem Falle, gebe ich einfach auf.

Und es ist in Ordnung aufzugeben. Man muss Dinge (sei es Freizeit oder ernstes Leben) nicht mit aller Gewalt durchdrücken.

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[#WritingFriday] Week 12

Der 3. Freitag und wir befinden uns in der 12. Woche. Fast, denn es ist bereits Woche 13.

Der Grund war folgender: Als ich Freitag-Abend die Geschichte Korrekturlesen wollte, gabs Abendessen. Danach war nichts mehr mit denken, lesen oder schreiben, sondern ich hatte mich sogleich mit einer wohligen Fülle ins Bett verkrochen und schlief bald selig ein. Samstag und Sonntag verbrachte ich den gesamten Tag im Stall, immerhin fühlte es sich wie Frühling an. Montag und Dienstag überfiel mich eine grauslige Demotivation, dass ich mir dachte, ich könnts eigentlich auch gleich lassen. Mittwoch Abend, endlich Zeit! Fast, denn ich wollte mir Pacific Rim: Uprising (10 von 10 Punkten!) ansehen und danach wars wieder zu spät. Meine Ausrede für Donnerstag? Ich hatte es zwar geschafft I, Tonya um 1700 zu verpassen, aber die Zeit zum Abendessen mit trödeln, scrollen, erzählen und telefonieren verbracht.

Ich hatte mein Schreibpensum für die letzte Woche bereits erfüllt und eine Asimov’sche Kurzgeschichte begonnen und diese auch gleich zu Ende geführt, wollte mich aber dennoch dieser Schreibübung annehmen. Ich mag regelmäßige Schreibübungen, es braucht nicht perfekt sein. Hauptsache man schreibt.

Erneut: Geschrieben wurde sie tatsächlich letzten Freitag. Veröffentlicht in Woche 13.

„Gerne möchte ich von euch wissen, wie kommt ihr mit dem Schreiben so zu Recht? Sprudeln die Ideen zu den Schreibthemen sofort oder sitzt ihr länger an euren Texten?“ (readbooksandfallinlove.com)

Unterschiedlich. Bei der Idee mit der Buchmesse war es einfach, die Lügnerin brauchte etwas – aber da ich Discovery-Schreiberling bin, floss der Rest schlussendlich, wie er fließen wollte. Ich war mir nur nicht so ganz sicher, ob Maja tatsächlich eine Mörderin sein soll, fand die Richtung dann aber in Ordnung.

Die noch ausstehenden Themen wären:

Und sie sind schwierig.

Niemand von uns weiß, wie sich Obdachlose tatsächlich fühlen, wenn sie betrunken Passanten auf der Straße anrempeln oder nach Geld für (vermutlich) Alkohol bitten. Wir gehen ihnen aus dem Weg und fühlen uns belästigt. Und genau da finde ich es schwierig, aus dieser Perspektive zu schreiben. Sicherlich, ein Schreiberling soll und darf alles schreiben, dafür ist Fiktion da – trotzdem. Man könnte durch die Augen eines Obdachlosen zwar seinen philanthropischen oder misanthropischen Zügen nachgehen, dennoch hoffe ich im Monat April auf etwas … leicht bekömmlichere Themen.

Auswahl Nummer 3 ist schon sehr persönlich, fast zu persönlich und trotzdem gibt es nächste Woche die Wahl zwischen dem Obdachlosen oder dem Beschreiben eines geliebten Menschen.

Zur Auswahl Nummer 5: Ich habe nie ein erstes Auto besessen, aber wenn es eines gewesen wäre, dann wohl ein VW-Käfer. Wie Herbie. Es folgt eine Liebeserklärung, an das Auto, dass ich nie mein eigenen nennen durfte und vermutlich auch nie werde.

Schreibe eine Liebeserklärung an dein erstes Fahrrad / Auto.

Als ich dich am Straßenrand stehen sah, mit dem Schild: „Verschenke die Karre, die ist wahnsinnig!“ – musste ich dich mitnehmen. Ein hübscher VW-Käfer warst du, weiß und perfekt. Ich besaß noch keinen Führerschein und holte dieses Verfehlen eilig nach, während du in der Garage eines Bekannten ruhtest. Ich lernte, und hämmerte mir die sinnlosen Fragen ins Hirn. Mein Bekannter kümmerte sich derweil um dich; er hatte in deine hübschen Augen gesehen und dich sofort in seine Obhut genommen. Du wurdest entrostet, geputzt, lackiert und ich bat ihn auch, dir die Nummer 53 aufzukleben. Du freutest dich wie ein kleines Kind, denn nach kurzer Zeit keuchtest du nicht mehr, sondern schnurrtest. Zumindest glaubte ich das aus deinem kleinen Automobilherzen heraus zu hören.

Um deine Reparatur und die Ersatzteile die du wolltest (denn du warst ein sehr wählerisches Automobil) zu bezahlen, tanzte ich in der hiesigen Stammkneipe, jeden Freitag zwischen zehn und zwei Uhr Nachts. Die Betrunkenen steckten mir Biergetaufte Scheine in den Ausschnitt und grölten Obszönitäten. Aber das war mir gleich, denn ich sah uns schon auf dem Weg nach Italien, das Fenster offen und mit dem Wind um die Wette rasend; am Strand schlafend und wenn Einbrecher und Räuber kämen, würdest du sie töten und ihren Tod so aussehen lassen, als wäre es ihre eigene Schuld gewesen. Und tatsächlich, eines Nachts hatte sich jemand zu dir geschlichen, deine Tür aufgebrochen und wurde mit dem Kopf zwischen Tür und Rahmen gefunden. Du musstest sie wohl so oft zugeschlagen haben, bis sein Kopf fast von seinem Hals getrennt war. Die Polizei konnte sich den Vorfall nicht erklären und entschied sich, die ganze Angelegenheit in Vergessenheit zu geraten zu lassen.

Ich liebte dich schon jetzt, auch wenn du nur in der Garage standest. Jeden Tag war ich bei dir, las dir Geschichten vor und erzählte dir von meinen Träumen. Und manchmal war mir, als reagiertest du auf meine Worte. Nur ein klein wenig, aber doch merklich.

Nach wenigen Wochen Arbeit warst du fertig. Mein Bekannter begleitete uns auf dem Weg zum Meer, dass ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Es war die erste Fahrt überhaupt. Und binnen weniger Stunden sollten wir Salzwasser von unserer Haut kratzen. Sollten im Sand liegen und den Sonnenuntergang genießen.

Wir waren kaum zwei Stunden auf Weg, da wurdest du plötzlich langsamer. Und langsamer. Und langsamer. Und wir wussten keinen Rat, denn nichts ließ zu wünschen übrig. Alles war in bester Ordnung. Sogar Musik aus deinem Baujahr hatte ich dir mitgebracht. Du bliebst einfach stehen, am Rand einer Landstraße. Weinstöcke säumten den Weg. Und es war heiß. Wir setzten uns in den Schatten und warteten. Plötzlich bog das rote Cabrio, dass uns vor einer Stunde überholt hatte, um die Ecke. Wie aus dem Nichts sprang dein Motor an.

Ich wusste es. Ich hatte es geahnt. Du hattest dich verliebt. Zugegeben, sie war eine Schönheit. Der Fahrer des Wagens, ein alter Sammler, begutachtete dich und fragte uns, was wir vor hätten und ich antwortete in schlechtem italienisch: „Bis ans Meer fahren!“ – „Mamamia! Das ist doch kein Auto um 500 Kilometer weit zu fahren!“ rief er. Er griff sich an den Kopf und streichelte dich sanft. Dann sah er mich mit gequältem Blick an: Man müsse es doch hegen und pflegen, besonders dieses alte und spezielle Modell. Und nur an besonderen Tagen darf es raus! Aber ich protestierte: „Herbie ist ein Rennauto! Ein Abenteuerauto!“ – „Mamamia!“ rief der alte Italiener erneut und bot mir an Ort und Stelle soviel Geld, wie ich noch nie gesehen hatte. Aber, du warst mein erstes Auto! Ich erzählte von meiner Odyssee und unseren Träumen, und er versprach mir, wann immer ich wollte, könne ich dich besuchen und eine kleine Runde fahren, denn immerhin hatte ich mich gut um dich gekümmert.

Aber konnte ich dich gehen lassen? Mit einem Fremden? Doch du hattest mich schon fast vergessen. Deine Scheinwerfer strahlten in allen Farben, das rote Cabrio stellte sich dicht neben dich. Eure Scheibenwischer wippten gemeinsam im Takt. Niemand stellte sich die Frage, warum sie das taten. Auch der alte Sammler nicht. Und da wusste ich, es war ok. Du hattest mich ein Stück weit meinen Traum leben lassen und nun war es Zeit, dich gehen zu lassen.

Kapitel 1

Fünf Jahre später standest du vor meiner Tür, allein. Der Sammler war gestorben und all seine besonderen und speziellen Autos in Gefahr zur Schrott gepresst zu werden.

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[#WritingFriday] Week 11

Der nächste Freitag kehrt ein und neigt sich dem Ende zu, Woche 11 in diesem Falle. Nach dem das Thema „Postkarte auf der Frankfurter-Buchmesse im Jahre 2075“ behandelt wurde, stehen noch 4 weitere, interessante und sicher nicht ganz so leichte Themen zur Auswahl:

Diesen Freitag also:

Schreibe den Anfang einer Geschichte, die mit dem Satz beginnt: Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte.

Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte. „Man“ vielleicht nicht. Aber ich. Und ich ahnte es schon eine ganze Weile.

Ihre Geschichten waren zu souverän und durchdacht, als dass sie sich tatsächlich in der Realität so abgespielt hätten können. Sie wusste zu viel. Ihre Lügen waren bis auf das kleinste Detail ausgearbeitet und niemanden war aufgefallen, dass das gesamte Konstrukt zu perfekt war. Außer mir. Denn woher nahm sie all die Details, wenn nicht aus ihrem eigenen Spinnrad? Die wirkliche Welt lässt Lücken offen und schwarze Löcher zurück; wirft Fragen auf, deren Antworten immer anders sind und an die sich das Gedächtnis zwar irgendwie erinnern mag, aber mit jeder Erzählung erneut vom Original weiter entfremdet werden. Ich hatte zu Beginn gescherzt, dass sie ihre Anekdoten hervorragend gedichtet habe und eigentlich gut Geld damit verdienen könne, denn Phantasie hatte sie, sowie ein gewisses logisches Verständnis. Lisa, eine gemeinsame Bekannte, hatte mich bös angeschaut und gemeint, ich solle nicht so gemein sein, immerhin kann Maja ja nichts für ihr photographisches Gedächtnis. Ich solle das doch mal von ihrer Seite her sehen, die Arme müsse sich ja ständig und an alles deutlichst erinnern!

Interessant wurde die Sache allerdings erst, als Lisa verschwand und Maja ihr kreiertes Glashaus mit allerhand Bilder ausschmückte, die einfach nicht zusammen passten. So war Lisa Tags zuvor um genau 9 Uhr bei Maja Zuhause gewesen; sie hatten sich Heimatfilme angesehen, einen von 1945, der kurz nach dem Krieg entstanden war und Lisa hatte gemeint, so Maja, dass sie gerne eines dieser Kleider tragen würde. Bestenfalls ein grünes mit einer Brosche. Gegen 9:05 verließ das Haus und nahm den Bus um 9:07. Offenbar hatte sie noch Linie Z erwischt, erzählte uns Maja, und war mit zwei, drei Mal umsteigen direkt vor ihrer Haustüre ankommen. Sicherlich, diese Daten kann jeder recherchieren. Mit einem Fehler: Es gibt keine Linie Z.

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[#WritingFriday] Week 10

Dank der Reiterei und Zockerei komme ich so überhaupt nicht mehr zum Schreiben, und das wurmt mich gewaltig. Wirklich. Ich sollte mich dringend hinsetzen und an Zig Sachen weiterarbeiten oder zumindest, etwas schreiben. Aber meist falle ich am Abend gegen 9 recht schläfrig ins Bett oder versuche mich bis zehn wachzuhalten.

Um so dankbarer bin ich, diese Aktion von Bücherblog – Read books and fall in love gefunden zu haben. Die Regeln sind dieselben wie überall: Jeden Freitag soll zu einem vorgegebenen Thema eine kleine Geschichte oder ein Gedicht verfasst werden. Die Reihenfolge der Themen ist frei wählbar.

Diesen Freitag:

Ferdinand Friedrich läuft im Jahr 2073 über die Frankfurter Buchmesse und schreibt von dort seiner Frau Martha eine Postkarte.

/open PPad
/make Postcard; choose „epic“; send to LM

Liebste,

Ich schreibe diese Zeilen in Eile. Alles wurde beschlagnahmt. Alles was wir zum Tausch nach Frankfurt gebracht haben, wurde konfisziert und die Veranstalter abgeführt. Ich kam mit einer Strafe davon. Vergehen gegen das Umweltgesetz nach §75a. „Papierbücher sind verboten!“ hat er mich angefahren, der Polizist, und wie grimmig er geschaut hat. Aber sie sind doch schon gedruckt, hab ich gesagt. Ganz gleich. Verboten! „Umweltsünder! Umweltsünder! Umweltsünder!“ Gerade hat sich der Mob eingefunden um zu protestieren. Ein kalter Keller war es, erleuchtet nur durch Kerzenlicht. Warum Kerzen, hat jemand gefragt, da könnts ja anfangen zu brennen. Wie kommt jemand dazu, diese Frage zu stellen? Dann kann er ja gleich einen öffentlichen Bücherstand machen. Oder sich mit einem Stapel zur Polizei gehen. Alte Werke habe ich gesehen, sicher 300 Jahre alt, und welche, die nach 2055 gedruckt wurden. Man müsste meinen, die Leute seien solidarisch und tauschen Werk gegen Werk. Nichts da. Ein Buch, das nach der Zensur gedruckt wurde, kannst du nicht mit zwei oder drei aus 1855 tauschen. Umgekehrt schmeißen sie dir die alten Dinger hinter her für eines von danach. Wen interessieren alte Bücher, hat einer gefragt. Ist eh schon alles bekannt. Kann man ja überall abrufen. Interessant sind doch die richtig Verbotenen! Stell dir vor wie einfältig. So oft habe ich mir an den Kopf gegriffen. So oft. Nicht der Inhalt, sondern das Jahr zählt! Liebste, ich muss gestehen, ich mag nicht mehr auf dieser Welt sein, in der ich kein Buch in der Hand halten darf, in der es den Leuten nur um das Drumherum geht. Gerne pflanze ich die Bäume auch selbst, schöpfe das Papier mit eigener Hand ab und bedrucke es. Wie dem auch sei, Montag-früh werde ich wieder bei dir sein.

Dein FF

/encrypt Postcard

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Von langbeinigen Mardern und anderen Dieben

Ein Tier scharrte. Das muss wohl der Zeitpunkt gewesen sein, an dem ich aufwachte.

Öfters finden sich Marder und andere Nager auf dem Dachboden ein. Manchmal werden sie vertrieben, manchmal dürfen sie bleiben, sofern sie sich nicht bemerkbar machen. Als ich dann meine Augen öffnete, sah ich, wie der Marder auf seinen langen, pelzigen Hinterbeinen stand und den Kühlschrank öffnete. Seine Zähne waren spitz und lang und der Körper groß. Er bemerkte meinen Blick und fauchte bestialisch. Hektisch schloss ich die Glastür zu meinem Zimmer, und beobachtete aus dem Fenster die anderen, hochgewachsenen und fauchenden Marder, die um das Haus herum streunten, aber sich irgendwann in den Wald zurück zogen.

Wenig später tauchten kleinere Varianten eines Paraceratheriums auf, schnelle – bei Angriff aber aggressive nashornartige Lasttiere, die seit sicher 22 Millionen Jahren ausgestorben sind. Sie stahlen Socken und andere Kleidungsstücke, aber ich konnte sie daran hindern, damit abzuhauen. Schnell hastete ich ihnen hinter her und riss ihnen die Stofffetzen aus dem Maul. Ich achtete nicht weiter auf die Tür, die offen stand und weitere Diebe sich derweil an den Gegenständen im Haus zu schaffen machten. Sie eilten mit Kugelschreibern und Blöcken davon. Aber auch sie konnte ich einholen und die Beute an ihren rechtmäßigen Platz, meinen Schreibtisch, zurück verfrachten.

Es stellte sich heraus, dass die Diebe freundlich waren und die gesichtslose Person neben mir, sich bereits mit ihnen verbrüdert hatte. Wir wurden auf eine Party eingeladen, passierten einen blauen Pool, dessen Wasser warm, aber von Glas abgeschirmt war und landeten schlussendlich bei der Zusammenkunft. Die Diebe waren attraktiv und in der Ferne entdeckte ich viele Orte, die ich während meines Aufenthalts noch besuchen wollte, wie drei verschiedene Burgen, die allesamt rauchten, in Pastellfarben gehalten waren und jeweils im Sonnenlicht standen. Als ich meiner Begleitung dies mitteilen wollte, war sie nicht mehr da.

Wo war sie? Wohin sollte ich gehen? Die Diebe wiesen mir den Weg; den, den ich gekommen sei, es sei doch so einfach den Weg zurück zu finden, warum fände ich diesen denn nicht. Vorbei am Restaurant, einfach nur die Straße hinunter. Ich huschte hinab, am Pool vorbei, das Wasser war noch immer warm, ich testete es mit der linken Hand und fand mich im Restaurant wieder. Dort setzte ich mich nieder. Der Inhaber sagte, ich dürfe dort nur bis drei bleiben, dann werde geschlossen.

Als ich aufbrach, war es bereits Nacht. Ein langer Weg breitete sich vor mir aus, ein dunkler Weg, ohne Licht und auf beiden Seiten mit hohen Gräsern gesäumt. Ich hörte sie im Wind rascheln und rannte, ich konnte tatsächlich laufen, wurde dann aber immer langsamer und merkte, wie ich abdriftete. Ich war im Gras, und erinnerte mich daran, dass es eine Art Gras war, die die Lungen lähmten und Menschen ersticken ließen. Ich erinnerte mich, dass man ruhig bleiben soll und langsam atmen, aber da war es bereits zu spät.

Ein Tier scharrte.

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Es gibt keine Schreibblockaden

Wie fast jeder von uns, schreibe auch ich an einem Roman oder zwei, an Kurzgeschichten und veröffentlichte unter Pseudonym, zwar erst einmal – aber immerhin. Jemand befand meinen Text für gut – oder, wie manch einer höhnte, die Einsendungen waren knapp. Wie dem auch sei: Auch ich schreibe, wie wir alle – denn wir bloggen. Auch bloggen ist schreiben.

Ein Thema, welches mir auf Social Media und diversen Blogs immer wieder begegnet ist: Die Schreibblockade.

Schreiber jener Blogeinträge, die dieses Thema behandeln, beginnen meist mit „Ich sitze an meinem Tisch, tippe einen Satz und lösche ihn“ – manchmal direkt, manchmal umschrieben, ab und an regnet es, manchmal auch nicht, die Finger sind kalt oder auch nicht und die Klagenden werden oft sehr kreativ – und dann wird darüber philosophiert und reflektiert, warum man unter einer Schreibblockade leidet und ich denke mir: But.. you’re already writing! Und klicke den Beitrag weg. Nein, da können sie noch so toll geschrieben sein, mit Worten gefüllt, die ich nachschlagen muss und schön klingen und von Goethe selbst stammen, es interessiert mich nicht warum jemand darüber schreibt, dass er nicht schreiben kann, wenn er im Zuge dessen ja schreibt.

Auch bloggen ist schreiben – auch wenn es nichts zum Roman beiträgt, den man beenden möchte. Auch eine Kurzgeschichte verfassen, ist schreiben. Den Monolog eines Haupt- oder Nebencharakters zu Papier bringen, ist schreiben. Den Nebencharakter interviewen, was er getan hätte, wenn XY nicht in sein Leben getreten wäre, ist schreiben. Eine Schreibübung zu machen, ist schreiben.

1. Ein Autor, der vom Schreiben leben will, hat keine Schreibblockade

Warum? Weil er dann nicht davon leben könnte.

Die Idee der Schreibblockade hat natürlich auch einen romantischen Unterton. Der Autor oder die Autorin, die mit einer Tasse Kaffee am Vormittag am Tisch sitzen oder Abends mit einem Glas Wein und denen keine Zeile einfallen will. Sie klagen und jammern – anstatt tatsächlich etwas zu tun. Und manch einer ist uns bekannt: er nennt sich Hank Moody (Californication) und vögelt sich derweil durch ganz Hollywood. Thank you, but no thank you.

James Gunn erklärte es in einem Facebook-Post folgendermaßen:

„My inclination is to wait until I am in the mood. But I know, as a professional writer, my feelings are irrelevant. So I’ll write anyway. It is my belief that „writer’s block“ is often the inability to accept that writers write because we must, not because we feel like it, or even because we like what we do. We merely put pen to paper or fingertips to keys, and go.“

In den Kommentaren antwortet er: „It doesn’t matter if I’m motivated or not. That’s not my business. My business is to write. So I do it.

Und Steven King sagt dazu:

„The causes are even more varied. In my experience, I’ve found that writer’s block often is this: the excuse not to write. That may sound harsh, but I’m speaking for myself here, not pointing the finger at anyone else. Sure, we all get stuck sometimes. I’ve had my share of big, gaping plot holes to hurdle. I’ve also experienced creative funk (not the kind of funk that’s rockin’) when I had absolutely no motivation to work. It’s miserable. But often what we blame on writer’s block is nothing more than a lack of tenacity – not being willing to stick with it and write through the block. That said, when I get stuck, it’s usually because I don’t know what happens next.“

2. Es gibt keine Schreibblockade, es gibt nur den eigenen Stolz

Und James Gunns bester Tipp: „Write SHIT“ und „Finish it“:

„I always answer essentially the same way: I don’t believe in writer’s block. When I feel creatively inhibited or I feel like my writing sucks, I just continue to write. I allow myself to WRITE SHIT for hours, or even days. And, eventually, after writing enough shit, the good stuff starts to emerge. What separates the pros from the amateurs is that we write despite what we feel. It’s not letting our emotions dictate our actions (which is a good rule of thumb for relationships as well!)“

Deswegen: Erlaubt euch selbst Scheiße zu schreiben. Alles was am Papier ist, kann entweder weggeworfen, der Katze zum Spielen gegeben oder verbessert werden. Aber es ist da. Ein Schreiberling, der bei einer Schreibblockade tatsächlich nichts schreibt, hat danach nichts, gerät außer Übung und verliert das Ziel außer Augen, fühlt sich für den Beruf unzureichend und lässt es ganz. Dabei muss man nur das tun, was man gerne tut, ganz gleich ob man 100erte Klischees bedient und schlecht ist und niemand lesen will. Geschrieben ist geschrieben.

2.5. Schreibt an etwas, egal was, nur schreibt!

Ein anderer Tipp, der sich zwar mit jenem von James Gunn („Finish it!“) beißt, aber nicht minder interessant ist, kommt von Isaac Asimov, der Zeit seines Lebens über hunderte von Kurzgeschichten verfasste. Manch Autor ist der Meinung, mit Kurzgeschichten verbrenne man seinen Namen und verschwende Potential. Mag sein, aber eine vollendete Kurzgeschichte zwischen 10 000 und 20 000 Zeichen, die locker an einem Abend aus den Fingern läuft, ganz gleich wie schlecht, ist trotzdem geschrieben und schafft ein gutes Gefühl etwas geleistet zu haben. Auch das ist wichtig. Sogar ein einzelner Blogbeitrag kann das. Wertet euch nicht ab!

Isaac Asimov schreibt, dass wenn eine Geschichte nicht funktioniert, man sich an die nächste setzen solle oder ein neues Thema beginnen:

„Frequently, when I am at work on a science-fiction novel (the hardest to do of all the different things I write), I find myself heartily sick of it and unable to write another word. But I don’t let that drive me crazy. I don’t stare at blank sheets of paper… Instead, I simply leave the novel and go on to any of the dozen other projects that are on tap. I write an editorial, or an essay, or a short story, or work on one of my nonfiction books.“

3. Finde heraus, was für eine Art Typ Schreiberling du bist

Brandon Sanderson erklärt in seinen YouTube Lectures (gefunden bei Mario Zakall), die Unterscheidung zwischen „discovery writer“ und „outliner“. Der Blick lohnt sich tatsächlich.

„discovery writers“ sind jene, die „on the go“ schreiben, sprich, während sie schreiben entwickelt sich die Geschichte. Der erste Draft, die „flow-fassung“, die erste Version des Buches ist nicht das Endresultat. Dieses wird danach bearbeitet, Logiklöcher werden gefüllt und Dinge erklärt, die es zu erklären gilt. „outliners“ hingegen plotten ihre Geschichte und schreiben dann.

Achtung, schreibt man die Geschichte „on the go“ und beginnt zwischendurch immer wieder am Plot zu feilen – oder gar eine ganze Welt zu erschaffen, Karten zu zeichnen und sich genötigt fühlen alles erklären und argumentieren zu müssen, kann es durchaus dazu führen, dass man keine Lust mehr hat die Geschichte zu erzählen – und glaubt, eine Schreibblockade zu haben, weil man nicht mehr „kann“ oder „will“, „nichts einfällt“ oder die „Story scheiße“ ist, oder weil die Geschichte schlicht und einfach schon erzählt ist. Da gilt es: Weiterschreiben. Für „outliner“ habe ich leider keine Tipps, aber es gibt unterschiedliche Methoden, Google hilft.

Auch ich komme immer wieder an den Punkt, sehe diesen Zustand aber nicht als Schreibblockade, sondern weiß, dass meine Erwartungen an die Geschichte zu hoch sind, ich mit dem Endresultat nicht zufrieden sein werde oder ich bereits zu viel davon erzählt habe und keine Notwendigkeit mehr sehe, die Geschichte zu beenden. Erneut (und ich sage das auch immer wieder zu mir): Es handelt sich um den ersten(!) Versuch und dieser darf schlecht sein. Und wenn man ein Jahr später drauf schaut, ist es gar nicht so schlecht wie man während des Schreibens meinte.

Und da lässt sich der Bogen zu allem Übel, dem eigenen Stolz, wieder zu schließen:

Je mehr wir übers Schreiben lernen, je mehr wir schreiben, desto besser werden wir – und desto kritischer. Wir lesen die Texte anderer in Schreibgruppen und lernen mehr und mehr, was uns gefällt oder auch nicht. Und sich dann hinzusetzen und wortwörtlich Scheiße zu schreiben liegt uns gar nicht. Die Zeit ist knapp bemessen, wir wollen publizieren und verschicken. Und wer will sich mit schlechten Dingen aufhalten? Aber manchmal ist es notwendig.

Und da heißt es eben: Schreiben. Auch wenn es scheiße ist. Bloggt, schreibt eine Kurzgeschichte und das wichtigste: Ignoriert alle Tipps die das Internet ausspuckt. Sie sind Wegweiser, aber kein Garant, dass es für den Einzelnen funktioniert.

Wenn es also ums schreiben geht, und soweit ich dazu in der Lage bin Empfehlungen zu vergeben, empfehle ich Frau Schreibseele und diese Vorlesung:

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