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#WritingFriday: Der Brief

Thx Gina für die Erinnerung zum Writing-Friday; die Erinnerung kam allerdings vorletzten Freitag – und ja. Wirds halt die Woche veröffentlicht, who cares. Ich würde mich gerne öfters aufraffen etwas zu posten, aber mei, was solls.

„Ein Brief an dich

Oh, du lebst noch? Sehr schön. Wie sind die Temperaturen im Altenheim? Sind die Leute nett? Du wohnst doch im Altenheim, oder? Kinder hast du keine und Männer sterben im Schnitt zehn Jahre früher als Frauen. Und nachdem du dich einer 60Stunden Arbeit immer verweigert hast (wie Vater Staat es in den 20ern angeordnet hat), hat dich also die Altersarmut heimgesucht und du vegetierst halt so dahin. Hast kaum anständig zu essen, aber das haben die anderen auch nicht, gibt eh nix mehr, seit alle Containerschiffe und auch der Flugverkehr abgeschafft wurden; und seit der Boden zu trocken und ausgelaugt ist für die Saat, leben wir alle von Astronautennahrung, aber hey, immerhin steht da: Mit Fruchtzusatz! Und mei, der Klimawandel hat alles ein wenig entrückt, und die Möglichkeiten auswandern, sind aufgrund politischer Intrigen auch nicht besser geworden, also ja, was solls. Ich hoffe zumindest, du hast ein eigenes Zimmer. Immerhin sitzt deine beste Freundin, Madame (8) mit dir im gleichen Altenheim. Sie ist auch arm geworden. Wie du. Das Leben hat euch nach 50 Jahren Funkstille an diesem Ort wieder zusammen geführt. Das ist bitter. Aber immerhin habt ihr euch wieder, ist auch etwas oder?

Aber du hattest ein nettes Leben, oder? Ich hoffe, du hast das beste daraus gemacht, wenn nicht, wäre es sehr dumm von dir gewesen. Bestenfalls schreibst du einen Brief an dein junges Ich und schickst ihn in die Vergangenheit um genau das zu verhindern!

Siehe da, es hat geklappt! Du hast was aus deinem Leben gemacht und dir einen vitalen 70jährigen geschnappt und lebst gemeinsam auf einem Bauernhof mit einem Haufen Katzen, Hunde und Pferden und Schafen. Und natürlich deiner vierspännigen Ziegenbock-Kutsche! Du bist die crazy old lady, die Sonntags mit weißem Gewand und wallendem Haar ausfährt, mit geschnitztem Stab (Luis hat ihn dir zum 3jährigen geschenkt, er hat ihn selbst geschnitzt. Unglücklicherweise hat er sich dabei einen Finger abgeschnitten) auf der Seite, wie eine alte Zauberin durchs Dorf trabt. Auf der Schulter natürlich die Katze, wie es sich gehört.

Ja, diese Zukunft erhoffe ich mir eher für dich, aber seien wir realistisch, es wird erstes Szenario werden. Wenn überhaupt. Wenn die Welt nicht in X Jahren untergehen wird, verbrennen, zerbombt, überschwemmt, ausgetrocknet und die Leute sich gegenseitig für eine Packung Müsli umbringen werden. Aber vielleicht hört die Politik ja auf die Jungen, die jetzt demonstrieren und aufzeigen was Sache ist. Haha! Der war gut. Nein, bleiben wir pessimistisch. Bestenfalls schickst du nochmal einen Brief in die Vergangenheit und bittest dein Ich, auszuwandern, auf den Mars vielleicht? Der soll ja bald besiedelt werden.

Tja dann, genieße dein Leben solange es noch geht!

Grüße von einem jüngeren Ich!“


WEITERE THEMEN:
  • “Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.” Wie geht die Geschichte weiter?
  • Du kannst plötzlich fliegen. Würdest du jemandem davon erzählen? Was tust du mit dieser neuen Fähigkeit?
  • Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.
  • Was bedeutet Freundschaft für dich?
  • Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich.

DIE REGELN:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spaß und versucht voneinander zu lernen
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[#WritingFriday] Week 13

Der letzte Freitag im März. Das letzte Thema. Und natürlich, es beginnt bereits, die Nachlässigkeit. Für die dem Thema zugehörige Woche habe ich aktuell keine adäquate Ausrede parat, aber sei’s drum, who cares. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und dergleichen sollen im realen Leben seine Krallen ausfahren, hier dürfen es Samtpfoten sein, kleine Katzentatzen, die stupsend um etwas Aufmerksamkeit bitten.

Und da ich vom Obdachlosen Abstand halte, wird es wohl etwas persönlicheres, wobei ich dieses Thema doch etwas abändern muss – immerhin sollte ich mir dabei nicht die Haare raufen, wer nun der oder die Auserwählte sein soll, deren Antlitz ich in Worte fasse, bestenfalls mit ganz vielen Adjektiven und Schachtelsätzen.

Ich habe bei solchen Themen, bei welchen etwas Geliebtes zu beschreiben ist oder man generell versuchen soll, gewisse Gefühle zu erzeugen, immer die Befürchtung, dass es leicht in Kitsch und Klischee abdriften kann und man genau so gut, eine beliebige Seite eines Fünf-Groschen Romans abtippen könnte. Sicherlich wäre es eine gute Übung, es nicht in eine Art „50 Shades of Wtf“ verkommen zu lassen, trotzdem ein schwieriges Unterfangen.

Beschreibe Gesicht und Gestik eines Menschen, den du liebst.

Beschreibe Gesicht und Gestik einer beliebigen Kreatur.

Flauschige Nase. Große Augen. Scharfe Krallen.

„5, setzen. Failed.“

Man könnte also gerade darin den Zweck der Übung sehen, Gesicht und Gestik zu beschreiben aber dabei auf Adjektive zu verzichten, denn Adjektive, so wissen wir, sind böse.

Aus den „scharfen Krallen“ werden „Krallen, die Mäuseleiber mit Leichtigkeit zerfetzen“. Aus der „flauschigen Nase“ wird „eine Nase, deren Samtheit an Cashmere erinnert“ – auch wenn ich keine Ahnung habe, wie sich Cashmere anfühlt. Und aus „große Augen“ werden „Augen, aus denen Hohn und Belustigung kriecht“. Oder so. Davon abgesehen, dass „Samtheit“ kein Wort ist, dass es so im sprachlichen Gebrauch gibt, aber hey – es ist das Internet und mein Blog, ich kann und darf soviele Worte zusammen stückeln wie ich will.

Und das bringt mich wieder einmal zur Frage, warum keine Adjektive? Zieht man Google zu Rate, gibt es meistens folgende drei Aussagen und Anmerkungen:

„Adjektive verraten den Narziss im Autor. »Schaut her«, ruft er dem Leser mit jedem dieser Wörtchen zu, »wie wunderschön ich schreiben und beschreiben kann!« Und drängt sich vor seinen Text. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass wir ihn von der hinteren Umschlagklappe seines Buchs selbstgefällig grinsen sehen.“ (Quelle)

Aber:

„Andererseits sind Adjektive genauso ein Bestandteil der Sprache wie Verben und Substantive. Also müssen Adjektive eine bestimmte Funktion haben.“ […] Adjektive sind Wörter, die etwas beschreiben und Eigenschaften zuordnen, also die Frage nach dem Wie beantworten. Allerdings bleiben Adjektive dabei oft recht allgemein, beschreiben etwas also nicht unbedingt konkret. […] Dies liegt daran, dass Adjektive oft nicht so bewusst wahrgenommen werden, weil sie eben nur beschreibende Beiwörter sind, die in einem Atemzug mit dem Hauptwort genannt werden.“ (Quelle)

Oder:

„Zunächst sollten sie gar nicht auf Adjektive achten. […] Erst im zweiten Schritt lohnt es sich, den Gebrauch von Adjektiven kritisch zu hinterfragen. Gibt es ein treffenderes Wort, das im Kopf des Lesers eine genauere Vorstellung hervorruft? Auch ein schlechtes Adjektiv kann sinnvoll sein, wenn beispielsweise der Klang des Satzes davon profitiert. Ein Adjektiv kann an einer Stelle richtig sein und an einer anderen falsch.“ (Quelle)

Gut. Im Prinzip wissen wir das ja alles. Und nein, ich versuche nicht mich durch Abschweifungen vor der eigentlichen (und freiwilligen) Aufgabe zu drücken. Sowas würde ich nie im Leben tun – denn in diesem Falle, gebe ich einfach auf.

Und es ist in Ordnung aufzugeben. Man muss Dinge (sei es Freizeit oder ernstes Leben) nicht mit aller Gewalt durchdrücken.

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[#WritingFriday] Week 12

Der 3. Freitag und wir befinden uns in der 12. Woche. Fast, denn es ist bereits Woche 13.

Der Grund war folgender: Als ich Freitag-Abend die Geschichte Korrekturlesen wollte, gabs Abendessen. Danach war nichts mehr mit denken, lesen oder schreiben, sondern ich hatte mich sogleich mit einer wohligen Fülle ins Bett verkrochen und schlief bald selig ein. Samstag und Sonntag verbrachte ich den gesamten Tag im Stall, immerhin fühlte es sich wie Frühling an. Montag und Dienstag überfiel mich eine grauslige Demotivation, dass ich mir dachte, ich könnts eigentlich auch gleich lassen. Mittwoch Abend, endlich Zeit! Fast, denn ich wollte mir Pacific Rim: Uprising (10 von 10 Punkten!) ansehen und danach wars wieder zu spät. Meine Ausrede für Donnerstag? Ich hatte es zwar geschafft I, Tonya um 1700 zu verpassen, aber die Zeit zum Abendessen mit trödeln, scrollen, erzählen und telefonieren verbracht.

Ich hatte mein Schreibpensum für die letzte Woche bereits erfüllt und eine Asimov’sche Kurzgeschichte begonnen und diese auch gleich zu Ende geführt, wollte mich aber dennoch dieser Schreibübung annehmen. Ich mag regelmäßige Schreibübungen, es braucht nicht perfekt sein. Hauptsache man schreibt.

Erneut: Geschrieben wurde sie tatsächlich letzten Freitag. Veröffentlicht in Woche 13.

„Gerne möchte ich von euch wissen, wie kommt ihr mit dem Schreiben so zu Recht? Sprudeln die Ideen zu den Schreibthemen sofort oder sitzt ihr länger an euren Texten?“ (readbooksandfallinlove.com)

Unterschiedlich. Bei der Idee mit der Buchmesse war es einfach, die Lügnerin brauchte etwas – aber da ich Discovery-Schreiberling bin, floss der Rest schlussendlich, wie er fließen wollte. Ich war mir nur nicht so ganz sicher, ob Maja tatsächlich eine Mörderin sein soll, fand die Richtung dann aber in Ordnung.

Die noch ausstehenden Themen wären:

Und sie sind schwierig.

Niemand von uns weiß, wie sich Obdachlose tatsächlich fühlen, wenn sie betrunken Passanten auf der Straße anrempeln oder nach Geld für (vermutlich) Alkohol bitten. Wir gehen ihnen aus dem Weg und fühlen uns belästigt. Und genau da finde ich es schwierig, aus dieser Perspektive zu schreiben. Sicherlich, ein Schreiberling soll und darf alles schreiben, dafür ist Fiktion da – trotzdem. Man könnte durch die Augen eines Obdachlosen zwar seinen philanthropischen oder misanthropischen Zügen nachgehen, dennoch hoffe ich im Monat April auf etwas … leicht bekömmlichere Themen.

Auswahl Nummer 3 ist schon sehr persönlich, fast zu persönlich und trotzdem gibt es nächste Woche die Wahl zwischen dem Obdachlosen oder dem Beschreiben eines geliebten Menschen.

Zur Auswahl Nummer 5: Ich habe nie ein erstes Auto besessen, aber wenn es eines gewesen wäre, dann wohl ein VW-Käfer. Wie Herbie. Es folgt eine Liebeserklärung, an das Auto, dass ich nie mein eigenen nennen durfte und vermutlich auch nie werde.

Schreibe eine Liebeserklärung an dein erstes Fahrrad / Auto.

Als ich dich am Straßenrand stehen sah, mit dem Schild: „Verschenke die Karre, die ist wahnsinnig!“ – musste ich dich mitnehmen. Ein hübscher VW-Käfer warst du, weiß und perfekt. Ich besaß noch keinen Führerschein und holte dieses Verfehlen eilig nach, während du in der Garage eines Bekannten ruhtest. Ich lernte, und hämmerte mir die sinnlosen Fragen ins Hirn. Mein Bekannter kümmerte sich derweil um dich; er hatte in deine hübschen Augen gesehen und dich sofort in seine Obhut genommen. Du wurdest entrostet, geputzt, lackiert und ich bat ihn auch, dir die Nummer 53 aufzukleben. Du freutest dich wie ein kleines Kind, denn nach kurzer Zeit keuchtest du nicht mehr, sondern schnurrtest. Zumindest glaubte ich das aus deinem kleinen Automobilherzen heraus zu hören.

Um deine Reparatur und die Ersatzteile die du wolltest (denn du warst ein sehr wählerisches Automobil) zu bezahlen, tanzte ich in der hiesigen Stammkneipe, jeden Freitag zwischen zehn und zwei Uhr Nachts. Die Betrunkenen steckten mir Biergetaufte Scheine in den Ausschnitt und grölten Obszönitäten. Aber das war mir gleich, denn ich sah uns schon auf dem Weg nach Italien, das Fenster offen und mit dem Wind um die Wette rasend; am Strand schlafend und wenn Einbrecher und Räuber kämen, würdest du sie töten und ihren Tod so aussehen lassen, als wäre es ihre eigene Schuld gewesen. Und tatsächlich, eines Nachts hatte sich jemand zu dir geschlichen, deine Tür aufgebrochen und wurde mit dem Kopf zwischen Tür und Rahmen gefunden. Du musstest sie wohl so oft zugeschlagen haben, bis sein Kopf fast von seinem Hals getrennt war. Die Polizei konnte sich den Vorfall nicht erklären und entschied sich, die ganze Angelegenheit in Vergessenheit zu geraten zu lassen.

Ich liebte dich schon jetzt, auch wenn du nur in der Garage standest. Jeden Tag war ich bei dir, las dir Geschichten vor und erzählte dir von meinen Träumen. Und manchmal war mir, als reagiertest du auf meine Worte. Nur ein klein wenig, aber doch merklich.

Nach wenigen Wochen Arbeit warst du fertig. Mein Bekannter begleitete uns auf dem Weg zum Meer, dass ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Es war die erste Fahrt überhaupt. Und binnen weniger Stunden sollten wir Salzwasser von unserer Haut kratzen. Sollten im Sand liegen und den Sonnenuntergang genießen.

Wir waren kaum zwei Stunden auf Weg, da wurdest du plötzlich langsamer. Und langsamer. Und langsamer. Und wir wussten keinen Rat, denn nichts ließ zu wünschen übrig. Alles war in bester Ordnung. Sogar Musik aus deinem Baujahr hatte ich dir mitgebracht. Du bliebst einfach stehen, am Rand einer Landstraße. Weinstöcke säumten den Weg. Und es war heiß. Wir setzten uns in den Schatten und warteten. Plötzlich bog das rote Cabrio, dass uns vor einer Stunde überholt hatte, um die Ecke. Wie aus dem Nichts sprang dein Motor an.

Ich wusste es. Ich hatte es geahnt. Du hattest dich verliebt. Zugegeben, sie war eine Schönheit. Der Fahrer des Wagens, ein alter Sammler, begutachtete dich und fragte uns, was wir vor hätten und ich antwortete in schlechtem italienisch: „Bis ans Meer fahren!“ – „Mamamia! Das ist doch kein Auto um 500 Kilometer weit zu fahren!“ rief er. Er griff sich an den Kopf und streichelte dich sanft. Dann sah er mich mit gequältem Blick an: Man müsse es doch hegen und pflegen, besonders dieses alte und spezielle Modell. Und nur an besonderen Tagen darf es raus! Aber ich protestierte: „Herbie ist ein Rennauto! Ein Abenteuerauto!“ – „Mamamia!“ rief der alte Italiener erneut und bot mir an Ort und Stelle soviel Geld, wie ich noch nie gesehen hatte. Aber, du warst mein erstes Auto! Ich erzählte von meiner Odyssee und unseren Träumen, und er versprach mir, wann immer ich wollte, könne ich dich besuchen und eine kleine Runde fahren, denn immerhin hatte ich mich gut um dich gekümmert.

Aber konnte ich dich gehen lassen? Mit einem Fremden? Doch du hattest mich schon fast vergessen. Deine Scheinwerfer strahlten in allen Farben, das rote Cabrio stellte sich dicht neben dich. Eure Scheibenwischer wippten gemeinsam im Takt. Niemand stellte sich die Frage, warum sie das taten. Auch der alte Sammler nicht. Und da wusste ich, es war ok. Du hattest mich ein Stück weit meinen Traum leben lassen und nun war es Zeit, dich gehen zu lassen.

Kapitel 1

Fünf Jahre später standest du vor meiner Tür, allein. Der Sammler war gestorben und all seine besonderen und speziellen Autos in Gefahr zur Schrott gepresst zu werden.

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[#WritingFriday] Week 11

Der nächste Freitag kehrt ein und neigt sich dem Ende zu, Woche 11 in diesem Falle. Nach dem das Thema „Postkarte auf der Frankfurter-Buchmesse im Jahre 2075“ behandelt wurde, stehen noch 4 weitere, interessante und sicher nicht ganz so leichte Themen zur Auswahl:

Diesen Freitag also:

Schreibe den Anfang einer Geschichte, die mit dem Satz beginnt: Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte.

Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte. „Man“ vielleicht nicht. Aber ich. Und ich ahnte es schon eine ganze Weile.

Ihre Geschichten waren zu souverän und durchdacht, als dass sie sich tatsächlich in der Realität so abgespielt hätten können. Sie wusste zu viel. Ihre Lügen waren bis auf das kleinste Detail ausgearbeitet und niemanden war aufgefallen, dass das gesamte Konstrukt zu perfekt war. Außer mir. Denn woher nahm sie all die Details, wenn nicht aus ihrem eigenen Spinnrad? Die wirkliche Welt lässt Lücken offen und schwarze Löcher zurück; wirft Fragen auf, deren Antworten immer anders sind und an die sich das Gedächtnis zwar irgendwie erinnern mag, aber mit jeder Erzählung erneut vom Original weiter entfremdet werden. Ich hatte zu Beginn gescherzt, dass sie ihre Anekdoten hervorragend gedichtet habe und eigentlich gut Geld damit verdienen könne, denn Phantasie hatte sie, sowie ein gewisses logisches Verständnis. Lisa, eine gemeinsame Bekannte, hatte mich bös angeschaut und gemeint, ich solle nicht so gemein sein, immerhin kann Maja ja nichts für ihr photographisches Gedächtnis. Ich solle das doch mal von ihrer Seite her sehen, die Arme müsse sich ja ständig und an alles deutlichst erinnern!

Interessant wurde die Sache allerdings erst, als Lisa verschwand und Maja ihr kreiertes Glashaus mit allerhand Bilder ausschmückte, die einfach nicht zusammen passten. So war Lisa Tags zuvor um genau 9 Uhr bei Maja Zuhause gewesen; sie hatten sich Heimatfilme angesehen, einen von 1945, der kurz nach dem Krieg entstanden war und Lisa hatte gemeint, so Maja, dass sie gerne eines dieser Kleider tragen würde. Bestenfalls ein grünes mit einer Brosche. Gegen 9:05 verließ das Haus und nahm den Bus um 9:07. Offenbar hatte sie noch Linie Z erwischt, erzählte uns Maja, und war mit zwei, drei Mal umsteigen direkt vor ihrer Haustüre ankommen. Sicherlich, diese Daten kann jeder recherchieren. Mit einem Fehler: Es gibt keine Linie Z.

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[#WritingFriday] Week 10

Dank der Reiterei und Zockerei komme ich so überhaupt nicht mehr zum Schreiben, und das wurmt mich gewaltig. Wirklich. Ich sollte mich dringend hinsetzen und an Zig Sachen weiterarbeiten oder zumindest, etwas schreiben. Aber meist falle ich am Abend gegen 9 recht schläfrig ins Bett oder versuche mich bis zehn wachzuhalten.

Um so dankbarer bin ich, diese Aktion von Bücherblog – Read books and fall in love gefunden zu haben. Die Regeln sind dieselben wie überall: Jeden Freitag soll zu einem vorgegebenen Thema eine kleine Geschichte oder ein Gedicht verfasst werden. Die Reihenfolge der Themen ist frei wählbar.

Diesen Freitag:

Ferdinand Friedrich läuft im Jahr 2073 über die Frankfurter Buchmesse und schreibt von dort seiner Frau Martha eine Postkarte.

/open PPad
/make Postcard; choose „epic“; send to LM

Liebste,

Ich schreibe diese Zeilen in Eile. Alles wurde beschlagnahmt. Alles was wir zum Tausch nach Frankfurt gebracht haben, wurde konfisziert und die Veranstalter abgeführt. Ich kam mit einer Strafe davon. Vergehen gegen das Umweltgesetz nach §75a. „Papierbücher sind verboten!“ hat er mich angefahren, der Polizist, und wie grimmig er geschaut hat. Aber sie sind doch schon gedruckt, hab ich gesagt. Ganz gleich. Verboten! „Umweltsünder! Umweltsünder! Umweltsünder!“ Gerade hat sich der Mob eingefunden um zu protestieren. Ein kalter Keller war es, erleuchtet nur durch Kerzenlicht. Warum Kerzen, hat jemand gefragt, da könnts ja anfangen zu brennen. Wie kommt jemand dazu, diese Frage zu stellen? Dann kann er ja gleich einen öffentlichen Bücherstand machen. Oder sich mit einem Stapel zur Polizei gehen. Alte Werke habe ich gesehen, sicher 300 Jahre alt, und welche, die nach 2055 gedruckt wurden. Man müsste meinen, die Leute seien solidarisch und tauschen Werk gegen Werk. Nichts da. Ein Buch, das nach der Zensur gedruckt wurde, kannst du nicht mit zwei oder drei aus 1855 tauschen. Umgekehrt schmeißen sie dir die alten Dinger hinter her für eines von danach. Wen interessieren alte Bücher, hat einer gefragt. Ist eh schon alles bekannt. Kann man ja überall abrufen. Interessant sind doch die richtig Verbotenen! Stell dir vor wie einfältig. So oft habe ich mir an den Kopf gegriffen. So oft. Nicht der Inhalt, sondern das Jahr zählt! Liebste, ich muss gestehen, ich mag nicht mehr auf dieser Welt sein, in der ich kein Buch in der Hand halten darf, in der es den Leuten nur um das Drumherum geht. Gerne pflanze ich die Bäume auch selbst, schöpfe das Papier mit eigener Hand ab und bedrucke es. Wie dem auch sei, Montag-früh werde ich wieder bei dir sein.

Dein FF

/encrypt Postcard

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