Schlagwort-Archive: Schreibübung

Föhnsturm, Nebel und Sonne

Täglich, so grüßt der Regenbogen, heute bereits zum zweiten Male, von der anderen Seite des Horizontes, erstreckt er sich über Land und Tal, bis hin zum nächsten Berge, um ja sicher zu gehen, dass das lästige Volk den Topf mit Gold nicht erreichen kann. Denn was würden diese Leute mit soviel Gold machen? Für sinnlose Dinge ausgeben und ihr Leben weg werfen, den Kapitalismus stürzen und die Welt in eine sozialere und gerechtere gestalten wollen. Nein, das ginge auf gar keinen Fall, wer würde sich dann noch darüber freuen? Na eben!

Das Wetter hingegen weiß nicht so recht was es tun soll: Stürmt es früh morgens, 200km/h, verwüstet Gärten, Balkone und Pflanzen, tröpfeln kleine Regenschauer über den Tag verteilt über die Länder. Gegen Abend folgt etwas Nebel, der allerdings so schnell dahin zieht, dass man dessen kaltes Händchen nur kurz spürt, kurz eingehüllt wird von Nässe und Feuchtigkeit, bis diese gänzlich wieder sich aufgelöst hat; ähnlich der Sorgen der Menschen, wenn etwas anderes, nichtigeres ihre Aufmerksamkeit erhascht und sie von dem ablenkt, wovon sie sich sowieso ablenken wollten.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Just about Life, Kreatives, So sei es

Von Dingens und dem kleinen Covid #0710

Dort kommt was Dunkles. Regen. Sturm. Gewitter. Aliens. Die Zombies aus ihren Schiffen werfen. Welche Alienlarven in Menschenkörper spucken. Aliens, die ihre Wirte essen. Die Wirte, die wieder zu Zombies werden.

Der Herbst bringt für wahr schreckliche Geschöpfe mit sich. So versinkt das Tal in nebliger Düsternis, während die Wälder sich besten Sonnenscheins erfreuen. So versinken die Menschen in Trübsal und Trauer, ein Therapeut buchte so eben seinen dritten Urlaub auf den Malediven, soviel Geld! Hätte er sich nie zu träumen gewagt, lasst den Nebel hier! Behaltet die Trauer, Trauer ist gut für den Menschen und dient zur Verarbeitung! Seid Traurig! Wie kann man das vermarkten? Da gabs doch mal was. Ach nein, das war für Jugendliche. Wie nennen wir es bei Erwachsenen? Ja, hmm.. egal! Behaltet sie hier!

Ich brauche Urlaub, ruft der Therapeut aus seinem Fenster und wirft die Hände in die Höh; der kleine Covid aber sitzt traurig auf der Bank. Seine Auslandsreise war zwar nicht gescheitert, aber auch nicht als Erfolg verlaufen, und so hatte er sich für eine Sitzung gemeldet. Er fühlte sich leer und antriebslos. Was hatte er falsch gemacht?

Was ist denn los, fragte der glückliche Therapeut, der bereits mit sich haderte, welche Bücher er denn nun mit auf Urlaub nehmen sollte. Auf keinen Fall Thomas Bernhard, nein, diese Art von Realität brauche er nicht. Vielleicht Cohleo, Choulia, Choeloaro? Nein, ihm fiel der Name nicht mehr ein. Dieser lästige Hipsterautor aller 21jährigen Intellektuellen denen Hesse zu langweilig geworden war. Das ist dünnes Eis, auf das du dich begibst, ruft der kleine Covid und reibt sich die Hände. Ihm ist kalt.

Aber du hast doch schon alle Herren und Weiber Länder heimgesucht, was möchtest du noch? Du hast doch das weiße Haus besucht, möchtest du nicht in die Politik gehen? Nein, sagte der kleine Covid, er möchte lieber direkten Kontakt und nicht so hinter dem Rücken armer Leut alles auspinseln und aushänseln was nur ginge, nein, das kann er moralisch nicht vertreten. Das ist doch nicht in Ordnung! ruft er, gänzlich bedrückt der österreichischen, politischen Zustände wegen. Das ist doch nicht in Ordnung! Und sowieso, machen sie es mir zu leicht. Was glauben sie denn, dass ich so ein läppischer Grippevirus bin? Nein, abschließen sollen sie alles. So ist das doch langweilig wenn sich alle darbieten und gerade nach mir rufen. Mich ja auch einladen, auf ihre Hochzeiten, wen interessiert das? Heiraten! Pah! Als junger Virus möchte ich noch etwas erreichen und mich anstrengend! Was soll denn das!

Aber kleiner Covid! tröstete der Therapeut ihn, die Stunde war bald vorbei, alles wird gut! Der Leistungsdruck, du musst dich dem nicht aussetzen, nimms gemütlich, mach mal Pause, du musst es nur wollen! Aber schau, ich muss los, ich kann dich nicht weiter trösten, du wirst sicherlich Hilfe finden! Frag doch deine Schwester, Corona, sie ist immer so freudig und offen! So ein glückliches Mädchen. Sei mehr wie sie!

Der kleine Covid verließ traurig das Ordinationszimmer, wo bereits im Parterre die kleine Influenza wartete, sie war sehr schwach und blass, blass wie eine seltene Blume, fand Covid, blass wie die edle Gestalt hübscher Damen aus dem 19. Jahrhundert, blass wie.. oh nein, sie blickt her!

Influenza hatte seit je her einen gewissen Hass auf Covid, seit er das erste Mal nach Europa gekommen und ihr die Frühlingsgrippe weg genommen hatte. War sie es doch immer, die im Herbst und Winter die Leute nieder metzelte, sich in die Nasen und Bronchien und Lungen schlich. Und dann kommt da dieser chinesische Ausländer daher und nimmt ihr alles weg. Weg soll er! Was soll das! Und dann veranstalten die Leute auch noch so ein Trara darum, Lockdown! Shutdown!

HäNdeWaScHenN rEiChT aUs sagten sie, AuFpaSsEn! Aber nein, er bekommt volles Programm. Meine Fresse, aufpassen, die können mich mal, was soll denn das! Innerlich brodelte die kleine, blasse Influenza. Ja ja, sollen sie nur einen Impfstoff finden, ich kann mich zumindest weiter entwickeln aber dieser kleine Covid wird bald Geschichte sein! Vielleicht sollte ich den Wissenschaftlern helfen! Ja, das ist eine hervorragende Idee! dachte sie sich und kicherte in sich hinein.

Influenza blickte Covid mit hämischen Blicken und einem teuflischen Grinsen an. Aber der kleine Covid dachte gar nicht daran, dass sie ihn hassen könnte! wie denn auch? Sie waren beides Viren! Beide dazu geboren gleiches zu tun! Und so hübsch war sie! So blass. Und edel! Wie Marmor. Wie Porzellan! Oh, sie lächelt ihn an! Nicht hinschauen!

Ja, der kleine Covid hatte sich verliebt.

To be not continued…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Just about Life, Kreatives, Kurzgeschichten

Von Dingens, #0210

Die Katze jaulte und möchte hinaus, so hatte ich sie doch vorsichtshalber eingesperrt. Aber nein, er möchte hinaus, Miau sagt er, kommt sogar in mein Zimmer, Miau sagt er, und sieht mich flehend an; der garstige Herbstwind aber sage ich, der Wind! Er weht dich weg, bis ganz nach, wer weiß wohin! Das ist egal, sagte der kleine Mauz, ich möchte hinaus und muss ganz Tirol von der Mäuseplage befreien die kommen wird. Aber zu Winters gehen doch die Mäuse in die Stadt! Entgegne ich ihm, aber nein, sie kommen aufs Land, widerspricht er, da gibt es mehr zu fressen als in der Stadt. Niemand, so habe er sich von einer Rabendame sagen lassen, verstreue mehr Brotkrumen für die Tauben, so bekämen auch die Mäuse nichts mehr und so zögen sie alle von der Stadt aufs Land. Quasi eine Stadt-Land-Flucht. Die Höfe, so habe sich Frau Rabe bevor sie Frau Maus verspeiste, sagen lassen, seien voll mit Korn und guten Dingen, die hunderte von Mäuse-Familien ganz locker durch den frostigen Winter bringen könnte, und so sagte der Mauz, muss er wohl die Mäuse aufhalten! Es könne doch nicht sein! Wenn er sich nicht mehr unter all dem Mais verstecken könne, so sollen auch nicht die Mäuse was davon bekommen.

Und so zog er von dannen. Die kleinen, weißen Pfoten wichen geschickt den fauligen Herbstblättern aus, die sich schon für den nächsten Spaziergänger bereit gelegt hatten. Wenn sie schon zum Tode verurteilt seien, und der Mensch dies als romantisch bezeichne, wessen Tod könne denn romantischer sein, als jener, der unschuldigen Blätter und ihrer dann fauligen Farbe? Zuerst habe er noch Schutz in ihrem Schatten gesucht, und dann erfreut er sich an ihrem Tod! Und so müsse der Mensch zumindest durch Schmerz, Armgebrech und vielleicht sogar mit einem Fall auf den Hinterkopf, daran erinnert werden, dass der Tod nichts schönes ist, selbst wenn er sich noch so sehr in tolle Farben kleidet, und vermutlich, so vermuten die Mäuse zumindest, vom eigentlichen ablenken möchte: dem bitteren, kalten, grauen und sicheren Tod im Winter.

Aber den Mauz kümmerte das nicht, er hatte vier Pfoten und ein hervorragendes Gespür für Gleichgewicht, ihn würde so leicht nichts aus den Pfoten werfen. Tapp tapp tapp. Nein, da war keine Maus. Tapp tapp tapp. Auch da keine Maus. Es sah wohl so aus, als gäbe es gänzlich keine Mäuse mehr. Aber wie kann das sein, Frau Rabe, mit welcher er immer Sumpfwasser zu lecken pflegte während seines morgendlichen Rundganges, hatte ihm doch davon erzählt – hatte sie ihn etwa belogen?

Plötzlich blitzten zwei dunkle Augen aus dem Gebüsch..

to be not continued..

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge mit Katzen!, Gobbolino, Just about Life, Kreatives, Kurzgeschichten

So aus dem Dings erzählt, #3009

Wintereinbruch im September. Wer konnte ahnen, dass der Streuner anfängt pünktlich zu Sonnenuntergang zurück zu kehren. Allerdings zieht er es mittlerweile vor, die erlegte Frühstücksmaus nicht mehr mir zu bringen, sondern sie selbst zu verspeisen. Dann sitzt er jeden Morgen im hohen Gras und wartet ab, bis seine Beute hinaus zur Arbeit schleicht, um die kleinen hungrigen Mäusemäuler zu stopfen. Und so werden sie verhungern müssen, wenn Mutter Maus, Mrs. Brisby, nicht mit ein paar Maiskörnern zurück kehrt. Aber immerhin gibt es ja noch die Ratten von Nimh, die sich um die kleinen Mäusekinder kümmern, und dem armen Kater hier und da Flöhe aufs Fell setzen, sodass er ganz grässlich geplagt wird und keine Zeit mehr hat, oder die Nerven, der armen Mäusefamilie hinter her zu jagen.

Auf 1000 Meter hat es bereits Schnee und dieser bleibt liegen. Die nächsten 9 Monate, gefühlt winterlich, bitterlich kalt und von Dunkelheit durchflutet, werden dem Menschen noch tief im Nacken sitzen, sollte der Lockdown, der Shutdown, das einsperren artiger Bürger, tatsächlich zu Stande kommen. Aber nein, erst wenn die Kapazitäten überlastet seien, dann! Und nur dann, zöge man es in Erwägung, die Schulen und Hallen und Häuser zu schließen, die Menschen einzusperren, zu pferchen, wie Mastschweine – um sie rechtzeitig, die bereits lechzen und gieren, wenn die Zahlen fallen, dem Wintertourismus aussetzen zu können, um Tourismus, die Wirtschaft und Wählerschaft, die heilige Dreifaltigkeit Österreichs, zu huldigen, zu heilen und daher zu kriechen, ganz gleich, die Kranken, die waren ja schon krank. Ganz gleich, wären sie halt daheim geblieben. Ganz gleich, wir haben an die Eigenverantwortung appelliert, sind ja alles erwachsene Leut! Ganz gleich! Wir haben alles richtig gemacht!

Es ist übrigens Ende September, worauf ein vielleicht angenehmer, herbstlich-warmer Oktober folgen mag, oder auch nicht, das Wetter unberechenbar, mag nie Folge leisten, was die Leut‘ vorher sagten. Mal schön, mal garstig, aber nie, was angesagt ist. Tja.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Just about Life, Kreatives

[#WritingFriday] Week 25

Thx Gina für die Erinnerung zum Writing-Friday; die Erinnerung kam allerdings vorletzten Freitag – und ja. Wirds halt die Woche veröffentlicht, who cares. Ich würde mich gerne öfters aufraffen etwas zu posten, aber mei, was solls.

„Ein Brief an dich

Oh, du lebst noch? Sehr schön. Wie sind die Temperaturen im Altenheim? Sind die Leute nett? Du wohnst doch im Altenheim, oder? Kinder hast du keine und Männer sterben im Schnitt zehn Jahre früher als Frauen. Und nachdem du dich einer 60 Stunden Arbeit immer verweigert hast (wie Vater Staat es in den 20ern angeordnet hat), hat dich also die Altersarmut heimgesucht und du vegetierst halt so dahin. Hast kaum anständig zu essen, aber das haben die anderen auch nicht, gibt eh nix mehr, seit alle Containerschiffe und auch der Flugverkehr abgeschafft wurden; und seit der Boden zu trocken und ausgelaugt ist für die Saat, leben wir alle von Astronautennahrung, aber hey, immerhin steht da: Mit Fruchtzusatz! Und mei, der Klimawandel hat alles ein wenig entrückt, und die Möglichkeiten auswandern, sind aufgrund politischer Intrigen auch nicht besser geworden, also ja, was solls. Ich hoffe zumindest, du hast ein eigenes Zimmer. Immerhin sitzt deine beste Freundin, Madame (8) mit dir im gleichen Altenheim. Sie ist auch arm geworden. Wie du. Das Leben hat euch nach 50 Jahren Funkstille an diesem Ort wieder zusammen geführt. Das ist bitter. Aber immerhin habt ihr euch wieder, ist auch etwas oder?

Aber du hattest ein nettes Leben, oder? Ich hoffe, du hast das beste daraus gemacht, wenn nicht, wäre es sehr dumm von dir gewesen. Bestenfalls schreibst du einen Brief an dein junges Ich und schickst ihn in die Vergangenheit um genau das zu verhindern!

Siehe da, es hat geklappt! Du hast was aus deinem Leben gemacht und dir einen vitalen 70jährigen geschnappt und lebst gemeinsam auf einem Bauernhof mit einem Haufen Katzen, Hunde und Pferden und Schafen. Und natürlich deiner vierspännigen Ziegenbock-Kutsche! Du bist die crazy old lady, die Sonntags mit weißem Gewand und wallendem Haar ausfährt, mit geschnitztem Stab (Luis hat ihn dir zum 3jährigen geschenkt, er hat ihn selbst geschnitzt. Unglücklicherweise hat er sich dabei einen Finger abgeschnitten) auf der Seite, wie eine alte Zauberin durchs Dorf trabt. Auf der Schulter natürlich die Katze, wie es sich gehört.

Ja, diese Zukunft erhoffe ich mir eher für dich, aber seien wir realistisch, es wird erstes Szenario werden. Wenn überhaupt. Wenn die Welt nicht in X Jahren untergehen wird, verbrennen, zerbombt, überschwemmt, ausgetrocknet und die Leute sich gegenseitig für eine Packung Müsli umbringen werden. Aber vielleicht hört die Politik ja auf die Jungen, die jetzt demonstrieren und aufzeigen was Sache ist. Haha! Der war gut. Nein, bleiben wir pessimistisch. Bestenfalls schickst du nochmal einen Brief in die Vergangenheit und bittest dein Ich, auszuwandern, auf den Mars vielleicht? Der soll ja bald besiedelt werden.

Tja dann, genieße dein Leben solange es noch geht!

Grüße von einem jüngeren Ich!“


WEITERE THEMEN:
  • “Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.” Wie geht die Geschichte weiter?
  • Du kannst plötzlich fliegen. Würdest du jemandem davon erzählen? Was tust du mit dieser neuen Fähigkeit?
  • Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.
  • Was bedeutet Freundschaft für dich?
  • Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich.

DIE REGELN:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spaß und versucht voneinander zu lernen

2 Kommentare

Eingeordnet unter Kreatives, Kurzgeschichten

[#WritingFriday] Week 13

Der letzte Freitag im März. Das letzte Thema. Und natürlich, es beginnt bereits, die Nachlässigkeit. Für die dem Thema zugehörige Woche habe ich aktuell keine adäquate Ausrede parat, aber sei’s drum, who cares. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und dergleichen sollen im realen Leben seine Krallen ausfahren, hier dürfen es Samtpfoten sein, kleine Katzentatzen, die stupsend um etwas Aufmerksamkeit bitten.

Und da ich vom Obdachlosen Abstand halte, wird es wohl etwas persönlicheres, wobei ich dieses Thema doch etwas abändern muss – immerhin sollte ich mir dabei nicht die Haare raufen, wer nun der oder die Auserwählte sein soll, deren Antlitz ich in Worte fasse, bestenfalls mit ganz vielen Adjektiven und Schachtelsätzen.

Ich habe bei solchen Themen, bei welchen etwas Geliebtes zu beschreiben ist oder man generell versuchen soll, gewisse Gefühle zu erzeugen, immer die Befürchtung, dass es leicht in Kitsch und Klischee abdriften kann und man genau so gut, eine beliebige Seite eines Fünf-Groschen Romans abtippen könnte. Sicherlich wäre es eine gute Übung, es nicht in eine Art „50 Shades of Wtf“ verkommen zu lassen, trotzdem ein schwieriges Unterfangen.

Beschreibe Gesicht und Gestik eines Menschen, den du liebst.

Beschreibe Gesicht und Gestik einer beliebigen Kreatur.

Flauschige Nase. Große Augen. Scharfe Krallen.

„5, setzen. Failed.“

Man könnte also gerade darin den Zweck der Übung sehen, Gesicht und Gestik zu beschreiben aber dabei auf Adjektive zu verzichten, denn Adjektive, so wissen wir, sind böse.

Aus den „scharfen Krallen“ werden „Krallen, die Mäuseleiber mit Leichtigkeit zerfetzen“. Aus der „flauschigen Nase“ wird „eine Nase, deren Samtheit an Cashmere erinnert“ – auch wenn ich keine Ahnung habe, wie sich Cashmere anfühlt. Und aus „große Augen“ werden „Augen, aus denen Hohn und Belustigung kriecht“. Oder so. Davon abgesehen, dass „Samtheit“ kein Wort ist, dass es so im sprachlichen Gebrauch gibt, aber hey – es ist das Internet und mein Blog, ich kann und darf soviele Worte zusammen stückeln wie ich will.

Und das bringt mich wieder einmal zur Frage, warum keine Adjektive? Zieht man Google zu Rate, gibt es meistens folgende drei Aussagen und Anmerkungen:

„Adjektive verraten den Narziss im Autor. »Schaut her«, ruft er dem Leser mit jedem dieser Wörtchen zu, »wie wunderschön ich schreiben und beschreiben kann!« Und drängt sich vor seinen Text. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass wir ihn von der hinteren Umschlagklappe seines Buchs selbstgefällig grinsen sehen.“ (Quelle)

Aber:

„Andererseits sind Adjektive genauso ein Bestandteil der Sprache wie Verben und Substantive. Also müssen Adjektive eine bestimmte Funktion haben.“ […] Adjektive sind Wörter, die etwas beschreiben und Eigenschaften zuordnen, also die Frage nach dem Wie beantworten. Allerdings bleiben Adjektive dabei oft recht allgemein, beschreiben etwas also nicht unbedingt konkret. […] Dies liegt daran, dass Adjektive oft nicht so bewusst wahrgenommen werden, weil sie eben nur beschreibende Beiwörter sind, die in einem Atemzug mit dem Hauptwort genannt werden.“ (Quelle)

Oder:

„Zunächst sollten sie gar nicht auf Adjektive achten. […] Erst im zweiten Schritt lohnt es sich, den Gebrauch von Adjektiven kritisch zu hinterfragen. Gibt es ein treffenderes Wort, das im Kopf des Lesers eine genauere Vorstellung hervorruft? Auch ein schlechtes Adjektiv kann sinnvoll sein, wenn beispielsweise der Klang des Satzes davon profitiert. Ein Adjektiv kann an einer Stelle richtig sein und an einer anderen falsch.“ (Quelle)

Gut. Im Prinzip wissen wir das ja alles. Und nein, ich versuche nicht mich durch Abschweifungen vor der eigentlichen (und freiwilligen) Aufgabe zu drücken. Sowas würde ich nie im Leben tun – denn in diesem Falle, gebe ich einfach auf.

Und es ist in Ordnung aufzugeben. Man muss Dinge (sei es Freizeit oder ernstes Leben) nicht mit aller Gewalt durchdrücken.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Kreatives

[#WritingFriday] Week 12

Der 3. Freitag und wir befinden uns in der 12. Woche. Fast, denn es ist bereits Woche 13.

Der Grund war folgender: Als ich Freitag-Abend die Geschichte Korrekturlesen wollte, gabs Abendessen. Danach war nichts mehr mit denken, lesen oder schreiben, sondern ich hatte mich sogleich mit einer wohligen Fülle ins Bett verkrochen und schlief bald selig ein. Samstag und Sonntag verbrachte ich den gesamten Tag im Stall, immerhin fühlte es sich wie Frühling an. Montag und Dienstag überfiel mich eine grauslige Demotivation, dass ich mir dachte, ich könnts eigentlich auch gleich lassen. Mittwoch Abend, endlich Zeit! Fast, denn ich wollte mir Pacific Rim: Uprising (10 von 10 Punkten!) ansehen und danach wars wieder zu spät. Meine Ausrede für Donnerstag? Ich hatte es zwar geschafft I, Tonya um 1700 zu verpassen, aber die Zeit zum Abendessen mit trödeln, scrollen, erzählen und telefonieren verbracht.

Ich hatte mein Schreibpensum für die letzte Woche bereits erfüllt und eine Asimov’sche Kurzgeschichte begonnen und diese auch gleich zu Ende geführt, wollte mich aber dennoch dieser Schreibübung annehmen. Ich mag regelmäßige Schreibübungen, es braucht nicht perfekt sein. Hauptsache man schreibt.

Erneut: Geschrieben wurde sie tatsächlich letzten Freitag. Veröffentlicht in Woche 13.

„Gerne möchte ich von euch wissen, wie kommt ihr mit dem Schreiben so zu Recht? Sprudeln die Ideen zu den Schreibthemen sofort oder sitzt ihr länger an euren Texten?“ (readbooksandfallinlove.com)

Unterschiedlich. Bei der Idee mit der Buchmesse war es einfach, die Lügnerin brauchte etwas – aber da ich Discovery-Schreiberling bin, floss der Rest schlussendlich, wie er fließen wollte. Ich war mir nur nicht so ganz sicher, ob Maja tatsächlich eine Mörderin sein soll, fand die Richtung dann aber in Ordnung.

Die noch ausstehenden Themen wären:

Und sie sind schwierig.

Niemand von uns weiß, wie sich Obdachlose tatsächlich fühlen, wenn sie betrunken Passanten auf der Straße anrempeln oder nach Geld für (vermutlich) Alkohol bitten. Wir gehen ihnen aus dem Weg und fühlen uns belästigt. Und genau da finde ich es schwierig, aus dieser Perspektive zu schreiben. Sicherlich, ein Schreiberling soll und darf alles schreiben, dafür ist Fiktion da – trotzdem. Man könnte durch die Augen eines Obdachlosen zwar seinen philanthropischen oder misanthropischen Zügen nachgehen, dennoch hoffe ich im Monat April auf etwas … leicht bekömmlichere Themen.

Auswahl Nummer 3 ist schon sehr persönlich, fast zu persönlich und trotzdem gibt es nächste Woche die Wahl zwischen dem Obdachlosen oder dem Beschreiben eines geliebten Menschen.

Zur Auswahl Nummer 5: Ich habe nie ein erstes Auto besessen, aber wenn es eines gewesen wäre, dann wohl ein VW-Käfer. Wie Herbie. Es folgt eine Liebeserklärung, an das Auto, dass ich nie mein eigenen nennen durfte und vermutlich auch nie werde.

Schreibe eine Liebeserklärung an dein erstes Fahrrad / Auto.

Als ich dich am Straßenrand stehen sah, mit dem Schild: „Verschenke die Karre, die ist wahnsinnig!“ – musste ich dich mitnehmen. Ein hübscher VW-Käfer warst du, weiß und perfekt. Ich besaß noch keinen Führerschein und holte dieses Verfehlen eilig nach, während du in der Garage eines Bekannten ruhtest. Ich lernte, und hämmerte mir die sinnlosen Fragen ins Hirn. Mein Bekannter kümmerte sich derweil um dich; er hatte in deine hübschen Augen gesehen und dich sofort in seine Obhut genommen. Du wurdest entrostet, geputzt, lackiert und ich bat ihn auch, dir die Nummer 53 aufzukleben. Du freutest dich wie ein kleines Kind, denn nach kurzer Zeit keuchtest du nicht mehr, sondern schnurrtest. Zumindest glaubte ich das aus deinem kleinen Automobilherzen heraus zu hören.

Um deine Reparatur und die Ersatzteile die du wolltest (denn du warst ein sehr wählerisches Automobil) zu bezahlen, tanzte ich in der hiesigen Stammkneipe, jeden Freitag zwischen zehn und zwei Uhr Nachts. Die Betrunkenen steckten mir Biergetaufte Scheine in den Ausschnitt und grölten Obszönitäten. Aber das war mir gleich, denn ich sah uns schon auf dem Weg nach Italien, das Fenster offen und mit dem Wind um die Wette rasend; am Strand schlafend und wenn Einbrecher und Räuber kämen, würdest du sie töten und ihren Tod so aussehen lassen, als wäre es ihre eigene Schuld gewesen. Und tatsächlich, eines Nachts hatte sich jemand zu dir geschlichen, deine Tür aufgebrochen und wurde mit dem Kopf zwischen Tür und Rahmen gefunden. Du musstest sie wohl so oft zugeschlagen haben, bis sein Kopf fast von seinem Hals getrennt war. Die Polizei konnte sich den Vorfall nicht erklären und entschied sich, die ganze Angelegenheit in Vergessenheit zu geraten zu lassen.

Ich liebte dich schon jetzt, auch wenn du nur in der Garage standest. Jeden Tag war ich bei dir, las dir Geschichten vor und erzählte dir von meinen Träumen. Und manchmal war mir, als reagiertest du auf meine Worte. Nur ein klein wenig, aber doch merklich.

Nach wenigen Wochen Arbeit warst du fertig. Mein Bekannter begleitete uns auf dem Weg zum Meer, dass ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Es war die erste Fahrt überhaupt. Und binnen weniger Stunden sollten wir Salzwasser von unserer Haut kratzen. Sollten im Sand liegen und den Sonnenuntergang genießen.

Wir waren kaum zwei Stunden auf Weg, da wurdest du plötzlich langsamer. Und langsamer. Und langsamer. Und wir wussten keinen Rat, denn nichts ließ zu wünschen übrig. Alles war in bester Ordnung. Sogar Musik aus deinem Baujahr hatte ich dir mitgebracht. Du bliebst einfach stehen, am Rand einer Landstraße. Weinstöcke säumten den Weg. Und es war heiß. Wir setzten uns in den Schatten und warteten. Plötzlich bog das rote Cabrio, dass uns vor einer Stunde überholt hatte, um die Ecke. Wie aus dem Nichts sprang dein Motor an.

Ich wusste es. Ich hatte es geahnt. Du hattest dich verliebt. Zugegeben, sie war eine Schönheit. Der Fahrer des Wagens, ein alter Sammler, begutachtete dich und fragte uns, was wir vor hätten und ich antwortete in schlechtem italienisch: „Bis ans Meer fahren!“ – „Mamamia! Das ist doch kein Auto um 500 Kilometer weit zu fahren!“ rief er. Er griff sich an den Kopf und streichelte dich sanft. Dann sah er mich mit gequältem Blick an: Man müsse es doch hegen und pflegen, besonders dieses alte und spezielle Modell. Und nur an besonderen Tagen darf es raus! Aber ich protestierte: „Herbie ist ein Rennauto! Ein Abenteuerauto!“ – „Mamamia!“ rief der alte Italiener erneut und bot mir an Ort und Stelle soviel Geld, wie ich noch nie gesehen hatte. Aber, du warst mein erstes Auto! Ich erzählte von meiner Odyssee und unseren Träumen, und er versprach mir, wann immer ich wollte, könne ich dich besuchen und eine kleine Runde fahren, denn immerhin hatte ich mich gut um dich gekümmert.

Aber konnte ich dich gehen lassen? Mit einem Fremden? Doch du hattest mich schon fast vergessen. Deine Scheinwerfer strahlten in allen Farben, das rote Cabrio stellte sich dicht neben dich. Eure Scheibenwischer wippten gemeinsam im Takt. Niemand stellte sich die Frage, warum sie das taten. Auch der alte Sammler nicht. Und da wusste ich, es war ok. Du hattest mich ein Stück weit meinen Traum leben lassen und nun war es Zeit, dich gehen zu lassen.

Kapitel 1

Fünf Jahre später standest du vor meiner Tür, allein. Der Sammler war gestorben und all seine besonderen und speziellen Autos in Gefahr zur Schrott gepresst zu werden.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Kreatives, Kurzgeschichten

[#WritingFriday] Week 11

Der nächste Freitag kehrt ein und neigt sich dem Ende zu, Woche 11 in diesem Falle. Nach dem das Thema „Postkarte auf der Frankfurter-Buchmesse im Jahre 2075“ behandelt wurde, stehen noch 4 weitere, interessante und sicher nicht ganz so leichte Themen zur Auswahl:

Diesen Freitag also:

Schreibe den Anfang einer Geschichte, die mit dem Satz beginnt: Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte.

Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte. „Man“ vielleicht nicht. Aber ich. Und ich ahnte es schon eine ganze Weile.

Ihre Geschichten waren zu souverän und durchdacht, als dass sie sich tatsächlich in der Realität so abgespielt hätten können. Sie wusste zu viel. Ihre Lügen waren bis auf das kleinste Detail ausgearbeitet und niemanden war aufgefallen, dass das gesamte Konstrukt zu perfekt war. Außer mir. Denn woher nahm sie all die Details, wenn nicht aus ihrem eigenen Spinnrad? Die wirkliche Welt lässt Lücken offen und schwarze Löcher zurück; wirft Fragen auf, deren Antworten immer anders sind und an die sich das Gedächtnis zwar irgendwie erinnern mag, aber mit jeder Erzählung erneut vom Original weiter entfremdet werden. Ich hatte zu Beginn gescherzt, dass sie ihre Anekdoten hervorragend gedichtet habe und eigentlich gut Geld damit verdienen könne, denn Phantasie hatte sie, sowie ein gewisses logisches Verständnis. Lisa, eine gemeinsame Bekannte, hatte mich bös angeschaut und gemeint, ich solle nicht so gemein sein, immerhin kann Maja ja nichts für ihr photographisches Gedächtnis. Ich solle das doch mal von ihrer Seite her sehen, die Arme müsse sich ja ständig und an alles deutlichst erinnern!

Interessant wurde die Sache allerdings erst, als Lisa verschwand und Maja ihr kreiertes Glashaus mit allerhand Bilder ausschmückte, die einfach nicht zusammen passten. So war Lisa Tags zuvor um genau 9 Uhr bei Maja Zuhause gewesen; sie hatten sich Heimatfilme angesehen, einen von 1945, der kurz nach dem Krieg entstanden war und Lisa hatte gemeint, so Maja, dass sie gerne eines dieser Kleider tragen würde. Bestenfalls ein grünes mit einer Brosche. Gegen 9:05 verließ das Haus und nahm den Bus um 9:07. Offenbar hatte sie noch Linie Z erwischt, erzählte uns Maja, und war mit zwei, drei Mal umsteigen direkt vor ihrer Haustüre ankommen. Sicherlich, diese Daten kann jeder recherchieren. Mit einem Fehler: Es gibt keine Linie Z.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Kreatives, Kurzgeschichten

[#WritingFriday] Week 10

Dank der Reiterei und Zockerei komme ich so überhaupt nicht mehr zum Schreiben, und das wurmt mich gewaltig. Wirklich. Ich sollte mich dringend hinsetzen und an Zig Sachen weiterarbeiten oder zumindest, etwas schreiben. Aber meist falle ich am Abend gegen 9 recht schläfrig ins Bett oder versuche mich bis zehn wachzuhalten.

Um so dankbarer bin ich, diese Aktion von Bücherblog – Read books and fall in love gefunden zu haben. Die Regeln sind dieselben wie überall: Jeden Freitag soll zu einem vorgegebenen Thema eine kleine Geschichte oder ein Gedicht verfasst werden. Die Reihenfolge der Themen ist frei wählbar.

Diesen Freitag:

Ferdinand Friedrich läuft im Jahr 2073 über die Frankfurter Buchmesse und schreibt von dort seiner Frau Martha eine Postkarte.

/open PPad
/make Postcard; choose „epic“; send to LM

Liebste,

Ich schreibe diese Zeilen in Eile. Alles wurde beschlagnahmt. Alles was wir zum Tausch nach Frankfurt gebracht haben, wurde konfisziert und die Veranstalter abgeführt. Ich kam mit einer Strafe davon. Vergehen gegen das Umweltgesetz nach §75a. „Papierbücher sind verboten!“ hat er mich angefahren, der Polizist, und wie grimmig er geschaut hat. Aber sie sind doch schon gedruckt, hab ich gesagt. Ganz gleich. Verboten! „Umweltsünder! Umweltsünder! Umweltsünder!“ Gerade hat sich der Mob eingefunden um zu protestieren. Ein kalter Keller war es, erleuchtet nur durch Kerzenlicht. Warum Kerzen, hat jemand gefragt, da könnts ja anfangen zu brennen. Wie kommt jemand dazu, diese Frage zu stellen? Dann kann er ja gleich einen öffentlichen Bücherstand machen. Oder sich mit einem Stapel zur Polizei gehen. Alte Werke habe ich gesehen, sicher 300 Jahre alt, und welche, die nach 2055 gedruckt wurden. Man müsste meinen, die Leute seien solidarisch und tauschen Werk gegen Werk. Nichts da. Ein Buch, das nach der Zensur gedruckt wurde, kannst du nicht mit zwei oder drei aus 1855 tauschen. Umgekehrt schmeißen sie dir die alten Dinger hinter her für eines von danach. Wen interessieren alte Bücher, hat einer gefragt. Ist eh schon alles bekannt. Kann man ja überall abrufen. Interessant sind doch die richtig Verbotenen! Stell dir vor wie einfältig. So oft habe ich mir an den Kopf gegriffen. So oft. Nicht der Inhalt, sondern das Jahr zählt! Liebste, ich muss gestehen, ich mag nicht mehr auf dieser Welt sein, in der ich kein Buch in der Hand halten darf, in der es den Leuten nur um das Drumherum geht. Gerne pflanze ich die Bäume auch selbst, schöpfe das Papier mit eigener Hand ab und bedrucke es. Wie dem auch sei, Montag-früh werde ich wieder bei dir sein.

Dein FF

/encrypt Postcard

6 Kommentare

Eingeordnet unter Kreatives, Kurzgeschichten