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Twitter’esk und ohne #, No.05

Sprach ich im letzten Beitrag davon, wovor man sich besonders hüten sollte, und zwar in die DMs gewisser Accounts zu „sliden“, ist das oftmals die einzige Möglichkeit mit gewissen Accounts oder Personen in näheren Kontakt zu treten, genauer gesagt: dem Twitter-Crush.

Das Phänomen ist nicht neu und existiert, seit es Brieffreundschaften gibt. Dieses dezente Interesse an dieser gänzlich fremden Person, die man lediglich als Autor/in origineller Buchstaben-Kombinationen kennt. Man weiß weder deren tatsächliches Alter (lässt sich aber durchaus erraten) noch deren Geschlecht (nicht immer ganz offensichtlich, wird aber auch irgendwann klar). Man hat keinen blassen Schimmer wie diese aussehen, da meist auch der Klarname verborgen ist und ordentliche Recherche somit vereitelt wird. Und trotzdem entlockt die Antwort, der Fav oder gar die private Nachricht etwas Freude, wenn nicht sogar eine Veränderung des Pulses oder Schweißausbrüche oder alles zusammen. Und wenn er/sie dann 12 Antworten gefaved hat, kann man bereits die Hochzeitsglocken aus der Ferne vernehmen. Oh mein Gott, hast du eben „wir“ gesagt? Ich finde Kopernikus für einen Buben einen hervorragenden Namen! Nein? Nun gut, Cäsar tut es auch.

Üblicherweise beginnen Menschen sich erst im privaten, ungesehenen Gespräch besser zu verstehen, bei einer E-Mail, einem privaten Chat oder eben einem Brief. Bei Twitter beginnt das ganze nicht in den DMs (wenn, dann endet es dort), sondern bei öffentlichen Tweets – und Antworten auf Tweets:

Ein User entspricht durch besonders interessante, originelle, provokative und intellektuelle Tweets gewisser Idealvorstellungen, oder Vorstellungen, von denen man gar keine Ahnung hatte, dass man sie mag – und macht somit auf sich aufmerksam. Unfreiwillig. Man beginnt zu folgen, zu antworten, tritt öffentlich in Kontakt und da es die Öffentlichkeit ist, ist es gleich; man kann sich spielend unterhalten. Ich rate nicht zum Flirt. Das ist creepy. Ich finds creepy.

Ein Twitter-Crush ist harmlos. Man zielt nicht darauf ab, die Person jemals im realen Leben zu treffen – außer natürlich es beruht auf Gegenseitigkeit und die Schwelle zur Realität wurde in den DMs schon weitgehend überschritten – und selbst dann zögert man, weil es ist immer noch Twitter. Aber keine Sorge, generell ist ein Twitter-Crush in den meisten Fällen harmlos und keine Gefahr für reale Liebschaften. Man schwärmt eben a bissl von XY, wie man von Schauspieler XY begeistert ist. Das geht vorbei. Und wenn nicht: Go for it! You got nothing to lose.

Die DMs

Gut, nehmen wir an, du, lieber Leser hast einen Twittercrush und hast dich tatsächlich dazu entschlossen, dich in die DMs zu sliden. Erstens: Gratulation zur Courage; zweitens: Warum hast du das getan? Bist du komplett wahnsinnig? Als ich sagte „Go for it“ meinte ich… genau das. Okay, du hast recht. Warum ewig aus der Ferne leiden, wenn das Objekt der Begierde doch so nah ist. Nun denn, dann machs aber richtig.

Zuvor aber noch; es gibt eine Möglichkeit sich in die DMs zu sliden, ohne aufdringlich zu wirken: Wenn etwas in einer bereits weit zurückreichenden Konversation (aka Thread) zu privat ist/wird, als dass es öffentlich gesagt werden kann, kann man in diesem Fall und zwar nur in diesem Fall, einen Tweet mit Inhalt „DM“ schreiben – und somit das Gespräch hinter verschlossene Türen führen. Wobei es sich dabei nicht zwangsläufig um einen Crush handeln muss. Das kann auch so sein. Und dann sieht man ja was passiert.

Aber jemanden anzuschreiben mit: „Hey, finde deinen Twitterstil cool ;-) Bist volle süß!“ Geht. Gar. Nicht. Absolut. Nicht. Never. Ever. Wirklich. Lass das. Wirklich.

Bitte lies das

Nun gut, es ist passiert. Dazu einige Anmerkungen (die eigentlich generell auf eine Chat-Konversation anzuwenden sind):

1. Verwende unter gar keinen Umständen diesen Smiley: ;-)

Auch :-) Ist creepy. Wirklich. Lass es mit den Smileys. Wirklich. Lerne, ohne Smileys zu kommunizieren.

Er wirkt creepy. Ist so. In ganz, ganz wenigen Fällen hat er seine Berechtigung, aber in den meisten Fällen ist er creepy. Wenn man sich bereits kennt, sicherlich, oder wenn eine Situation danach verlangt, aber „Hallo wie gehts ;-)“ ist creepy. Vergleichbar mit dem lästigen, creepy Typen, der dich an der Bar anspricht, dir einen Drink zahlen und dafür deine ungeteilte Aufmerksamkeit möchte – den gesamten Abend lang und trotzig wird, wenn du dich abwendest. Das männliche Ego ist so fragil, es erstaunt mich immer wieder.

Also nein, nochmal für Dudes, hier scheint mir der Aufklärungsbedarf notwendiger: Sei nicht der creepy Dude, der Frauen an der Bar belästigt, die eh schon zu verstehen geben, dass sie nicht an dir interessiert sind. Respektiere Frauen! Respektiere das Nein. Wenn sie deinen Drink nimmt ist das trotzdem keine Einladung für ein Gespräch. Erwarte kein Gespräch! Nein, auch keine Dick-Pics, niemand will deinen Schwanz sehen. Wirklich, niemand. Und schickte mir jemand ein Dick-Pic, mache ich dessen Mutter ausfindig und leite ihr die Nachricht weiter. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wirklich, das gehört sich nicht. Welcher Typ bitte denkt, dass ein Dick-Pic in welcher Situation auch immer gerechtfertigt und eine gute Idee ist? Wie kam dieses Denken zustande? Ich verstehe es nicht.

2. Versuche nicht, deine Schwärmerei auf die Realität zu übertragen.

Die DMs sind das endgültige Ziel, dass du erreichen kannst. Du kannst dich dort unterhalten, aber die Chance, dass es zu einem realen Treffen kommt, sollte in deiner Erwartungshaltung bei Null liegen. Denn einerseits wirst du fix enttäuscht werden (und es muss nicht einmal das Aussehen sein, da gibt es genug anderes) und wer möchte diesen leichten, unbeschwerten Crush schon mit der Härte und Schwere der Realität bürden? Eben, niemand. Und andererseits gehst du dieser von dir auserwählte Person mächtig auf den Geist damit – was das ganze wieder zerstört. Also im besten Falle lässt du es mit den DMs. Erfreue dich an Tweets, Favs und Antworten.

3. Flirte um Himmels Willen nicht.

Wirklich nicht. Lass es. Es nervt. Wenn eine Chance besteht, dass dein Crush vielleicht doch noch ein Interesse an dir entwickelt, dann dadurch, dass du nicht flirtest. Behandle das Gegenüber mit Respekt. Du kannst dann flirten, wenn du weißt, dass das Gegenüber genau so interessiert ist, aber dann bitte nicht mit der Keule, sondern subtiler. Wobei, eigentlich hab ich keine Ahnung. Mach wie du denkst.

4. Erwarte nicht, dass dein Twitter-Crush dir seine oder ihre Liebe offenbart, weil ihr euch ja so gut versteht. Das wird nicht passieren. Erneut: Es ist Twitter und nicht Tinder. Du darfst die sphärische Dialektik des Textes nicht durch sowas beeinträchtigen! Herrschaftszeiten! Führ dich auf!

5. Schreibe respektvoll.

Ich kann es gar nicht oft genug betonen. Sei höflich und nett, mach keine sexuellen Anspielungen und mach um Himmels Willen kein Tam Tam wenn er/sie sich mal nicht meldet. Ja hast du immer Lust und Zeit zu antworten? Nein. Und will das die Person auf Twitter? Eben.

Wie gesagt, in den meisten Fällen ist dieses Schwärmen einseitig; dein Twittercrush wird dein Interesse zwar bemerkt haben, und sich vielleicht etwas geehrt fühlen oder auch genervt sein und sich abwenden. So oder so, sieh es als das an, was es ist: Die Liebelei in einer angenehmen Sommernacht, die endet, sobald der Morgen graut.

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Twitter’esk und ohne #, No.04

Ich schrieb im letzten Twitter-Beitrag: Wenn ihr euch wirklich unbeobachtet fühlen wollt: twittert.

Solltet ihr nur ein 200-Follower Account sein, interessiert sich niemand für eure Meinung, außer vielleicht die anderen 100-200-Follower Accounts (die sich gegenseitig folgen), für die sich aber auch wieder niemand interessiert und schlussendlich alles im großen, weiten Pool genannt „Uninteressant, Irrelevant und Unwichtig“ landet. Zusammengefasst unter UIU. Vor UIU-Accounts gilt es sich zu hüten, will man bei neuen, potentiellen Followern (die, die 1k überschritten haben) nicht als UIU-Account gelten. Ja, ich hab mir das eben ausgedacht, toll nicht?

Und sicherlich, jeder hat mal klein angefangen – vor zehn Jahren, als alle klein angefangen haben. Heute schaffen es nur mehr die in die Liga der Top 4000k-Accounts, die tatsächlich was drauf haben und zwar richtig – und von den richtigen Leuten retweetet werden und gefollowed und so. Ihr seht, die Sache ist wahnsinnig kompliziert; und wenn man keine Freunde hat, tja dann, wirds schwierig.

Es wundert mich immer wieder selbst, warum ich twittere. Und wer mir antwortet. Und wie. Und wenn auf die guten Tweets keine Antworten kommen, dann frägt man sich: „Was mache ich falsch?“ Und dann bekommen nichtige Retweets und einfache Mitteilungen größte Aufmerksamkeit. Es ist und bleibt ein Mysterium.

Twittern ist öffentlich

Alles ist öffentlich und für andere einsehbar. Eine private Unterhaltung auf Twitter ist keine private Unterhaltung, sondern wie das Gespräch des Nachbartisches, dem man interessiert aber möglichst unauffällig zuhört. Und manchmal beginnt man auch von dem einen oder der anderen und dessen beziehungsweise deren originellen Antworten zu schwärmen. Das Phänomen des Twitter-Crushs werden wir uns im nächsten Beitrag annehmen.

Manchmal aber passiert es doch, dass ein Fav entkommt, was dann die Gabel ist, die auf den Schuh des Nachbarn fällt. Dessen Tweet man beim scrollen aus Versehen geliked hat. Man klaubt sie dann nichtssagend auf und isst weiter. Oder es war ein „Hey, guter Einwurf!“ welchen man mit vollen Mund dem anderen Tisch zu wirft.

Besonders peinlich, wenn es sich um schon fast geheime Gespräche mit 3000 Antworten unter „Tweets und Antworten“ handelt, die man versucht, höchst unauffällig nach zu lesen, immer von der Angst begleitet (und Neugierde) ja nirgends drauf zu kommen. Im Idealfall bemerkt der- oder diejenige das gar nicht, weil sowieso zu viel passiert. Aber diese 5 Sekunden Adrenalinschub und einem Puls von 180 sind nicht zu verachten.

Möchte man aber tatsächlich ein Fav zum Ausdruck der Anerkennung und Gefallens bringen, wird es schwieriger. Entweder man klingt sich in das Gespräch ein, oder faved alle möglichen Aussagen des Gesprächs durch. Bestenfalls folgen sich die User alle gegenseitig und es sind ja eh schon Bekannte, die halt am Nachbartisch sitzen und plaudern und manchmal wirft man einen Gesprächsfetzen dazu. Dann kann es natürlich aber auch passieren, dass das Gespräch verstirbt, denn bei manchen Threads möchte man doch lieber unter sich bleiben. Deswegen gilt es zu überlegen, lausche ich weiter geheim oder trage ich etwas dazu bei?

Twitter ist, was das betrifft einzigartig. Zwar gibt es bei Facebook ebenfalls öffentliche Beiträge und Kommentare, die für jedermann einsehbar – und kommentierbar sind, wenn auch die privat-gefühlte Komponente fehlt, schon alleine durch die Übersichtlichkeit und Reihungen. Denn wer schon mal versucht hat, aus 250 000 Tweets eine spezielle Antwort wieder zu finden, der weiß, dass man zwar gesehen wird, aber in der Masse untergeht – zumal, sollte man nicht berühmt, berüchtigt, kontrovers, interessant, provokativ oder kreativ sein – schlicht und einfach nicht beachtet wird.

Nichts desto trotz ist es öffentlich.

Die DMs

An dieser Stelle möchte ich ein fettes „Warning“ und „Danger!“ sowie ein „Do not enter!“ Schild vor die Augen des Lesers halten.

Diese Direct Messages alias Privat Nachrichten sind gefährlich. Sind sie zwar privat und zugehörig zu jeder öffentlichen Plattform, können sie aber schnell zu privat sein, sprich, zu real. Twitter ist ein surreales und abstruses Phänomen. Es gibt zwar kurze Profile, aber bei vielen Usern ist nicht erkenntlich, wer oder was sie sind. Anders als bei Facebook, wo es zwar auch möglich ist, Fake-Accounts sich zu beschaffen, aber damit wohl eher selten Freunde, Verwandte, Schulkameraden und dergleichen hinzufügt, um in Kontakt zu bleiben. Facebook ist realer. Twitter bleibt in der sphärischen Dialektik des Textes (welcher in heutigen Zeiten im Internet sowieso als seltsam geahndet wird).

Personen beziehungsweise Accounts, die häufig miteinander auf Twitter verkehren, und in dieser abstrusen und surrealen Welt gerne Ansichten und Favs teilen, möchten dies nicht unbedingt an die Schwelle zur Realität tragen. Private Nachrichten, so wissen wir, sind oft ernster, realer und eben privater, als irgendwelche übertriebenen und histrionischen Tweets. Sie kratzen an der Schale zum Real Life. Sie haben den Fuß bereits im Türrahmen. Denn wie weit ist ein „Ach, gib mir doch deinen Facebook-Account!“ oder gar ein „Treffen wir uns mal?“ entfernt? Eben, nicht weit. Und das will der gemeine Twitter-User nicht.

Und das, liebe Freunde, denen euch Twitter ein gar seltsames Phänomen erscheint, interessiert die Twitter-User oftmals nicht, oder es bereitet ihnen Angst. Who knows. Vielleicht täusche ich mich aber auch nur und Twitter ist eine weitere Dating-Plattform für Leute, die des Lesens mächtig sind. Who knows? Ich mutmaße hier nur rum.

Man darf sich in Erinnerung behalten: DMs könnten das empfindliche Twitter-Paradoxon, öffentlich aber doch ungesehen sein können, in Mitleidenschaft ziehen. Und so sollte man sich gut überlegen, in welche DMs man „sliden“ möchte und welche man besser in Ruhe lässt.

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Twitter’esk und ohne #, No.03

Ein weiteres Merkmal von Twitter scheint das Thema „Free-Tv“ zu sein. Viele Twitter-User finden sich wöchentlich zusammen, um quasi gemeinsam eine Sendung im Free-Tv anzusehen. Dabei interagieren sie oft nur via Likes und Retweets, selten aber, dass sich eine Diskussion über das Gesehene in den Kommentaren ergibt – wie auch, immerhin läuft die Sendung derweil weiter, und es gelingt höchstens, dass man am zweiten Bildschirm etwas twittert. Es bleibt keine Zeit, sich auch noch darüber zu unterhalten. Sind Tweets die Selfies von Twitter?

Sie schauen 3Sat, ORF und arte; manchmal auch Pro 7 oder finden sich zu einer bestimmten Sendung zusammen. Darin besteht für manche übrigens auch der Reiz von Free-Tv-Sendungen. So meinte jemand: „Ich würde so doofe Serien niemals streamen (sprich: aktiv abrufen), sie müssen mich verführen, indem sie einfach gesendet werden – das ist der Reiz des klassischen Fernsehens.“ Es ist übrigens fast unmöglich, auf Twitter etwas wieder zu finden, wenn man nicht bereit ist, mindestens 15 Minuten seiner Zeit mit scrollen zu verbringen..

Ein interessanter Ansatz also: Verführung via Passivität. In einer Zeit des Überangebotes mit Streaming-Diensten, die allzeit bereit und immer verfügbar sind (solange im Angebot, aber für den Moment scheinen sie, als sei es für immer), ist es offenbar tatsächlich der Reiz des Vergänglichen (die Sendung wird zu einer bestimmten Zeit auf einem bestimmten Sender ausgestrahlt), wenn nicht auch gewisse Erinnerungen an die bittersüße Vergangenheit – an eine Zeit, in der man noch nicht so viele Entscheidungen selbst treffen musste. Lethargie vor Autonomie?

Zurück zum eigentlichen: Twitter und Free-Tv. Ich stelle mir dann abwechselnd zwei Szenen vor:

Einerseits Menschen, die daheim auf ihrer Couch sitzen, das Telefon in der Hand haben und über das gesehene twittern. Mit dem Telefon! Wie solle er denn die Tweet-Frequenz aufrecht erhalten, wenn er am Telefon tippte – meinte einst jemand auf meine Frage. Nein, diesen Tweet finde ich nicht mehr.. es würde mich wohl Stunden kosten, so lange ist das her.

Meist ist es, in meiner Vorstellung eine tolle Wohnung, geschmackvoll eingerichtet, eine angenehme Couch steht neben der Heizung und ich stelle mir vor, man finde sich dort ein (Free-Tv ’n Chill) und die Person sagt: „Wart kurz, ich muss das schnell twittern.“ Es drängt sich die Frage in den Raum, was diese Person noch alles twittern würde – folgend würde ich das Profil stalken und vielleicht ebenfalls anfangen zu twittern. Und dann säßen wir beide da, das Telefon in der Hand habend und über das gesehene und gelesene twittern, sich gegenseitig antworten, und nichts mehr von dem mitbekommen, was im Free-Tv läuft. Twitter ’n Chill?

Und andererseits stelle ich mir alle Twitter-User, die über ein bestimmtes Tv-Thema twittern, in einem großen Raum vor, auf einer Couch sitzend, die ab und an auf den Bildschirm schauen und derweil ihre Eindrücke ins Telefon tippen. Viele Gesichter, die abwechselnd vom Schein des Telefons oder des Fernsehers bestrahlt werden. Manchmal weicht die Vorstellung ab und sie sprechen auch miteinander, aber nicht viel. Es sind dann ganz unterschiedliche Personen, die ganz anders aussehen, als wie man sie sich vorstellt. Aber generell twittern sie.

Und ich wundere mich immer: Wie zum Teufel machen die das? Schon wenn ich Notizen bei Serien mache, muss ich aufpassen, dass ich nichts verpasse. Und bei Twitter muss der Spruch sitzen, die Rechtschreibung (sollte) korrekt (sein) und das ganze sehr schnell passieren. Binnen in Sekunden, sonst geht der Witz verloren. Und dann ist da der Zuschauer, der binnen dieser Sekunde seinen Browser aktualisieren muss, um den Witz zu sehen und zu verstehen, und überhaupt! Wie machen das die Leute? Und andererseits, warum? Wobei, letzteres lässt sich einfach beantworten: Twitter ist eine Social-Media Plattform, eine weitere Möglichkeit der Selbstdarstellung und wer zu hässlich oder eitel für Selfies auf Instagram ist, der twittert. Oder so.

Das letzte mal als ich einer Free-Tv Sendung beiwohnte, war es The Bachelorette mit Madame (8) und es war einmal. Und es war schrecklich. Und ich tweetete darüber. Und niemanden hats interessiert. Niemanden! Viel spannender als die Sendung an sich, fand ich die Werbeeinschaltungen. Wer denkt sich sowas aus? Und wie viel verdienen die Leute dabei? Und warum sind sie so dumm? Und warum hat die Werbestrategie oft nichts mit dem Produkt zu tun? Haben die alle kein Marketing studiert? Sogar ich weiß mehr als mancher dieser Werbefutzi scheint mir.

Doch, einen Retweet gab es. Von einem Account, der wahllos Tweets retweetet. Meine lieben Leser, wenn ihr euch wirklich unbeachtet fühlen wollt.. twittert.

Kurz um und zusammenfassend: Free-Tv ist ein wesentlicher Bestandteil von Twitter. Und es macht Sinn: Müsste man sich zum streamen verabreden, was via Tweets sehr mühsam ist (denn ein „slide“ in die „Dms“ (direct messages) wäre quasi die Second Base und so weit will man ja wirklich nicht gehen..), käme man nicht voran. Einfacher (und verlockender) ist es, sich gemeinsam und doch unabhängig eine Free-Tv Sendung anzusehen und wenn man Glück hat, sich sogar danach noch darüber unterhalten – bis vier Uhr morgens. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Thread irgendwann stirbt, oder, noch wahrscheinlicher, dass man gänzlich unbeobachtet bleibt..

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Woche #0802

Neues aus der Rubrik: Erlebt, gesehen, gelesen und gehört. Unser Thema heute: Dinge, die mich während des scrollens ankotzen. Getippt am 8.2.2018. Veröffentlicht ein paar Tage später.

Ganz gleich ob Vergewaltigung, Beschneidung oder Stealthing, behandelt ein Artikel das Leid ausschließlich eines Geschlechts (überwiegend Frauen), meldet sich aus dem Nichts heraus ein Mimimi-Mann und weiß alles besser. Als ob es diesen Mimimi-Mann tatsächlich interessierte, wie es männlichen Opfern ginge. Don’t read the comments. Don’t read the comments. Stop it! Aber es nützt nichts, ich scrolle weiter.

Ich weiß nicht, ob die aktuelle politische Lage in Österreich Satire ist oder real. Seit einiger Zeit bin ich mir dessen nicht mehr ganz so sicher. Erkenntnis: Twitter ist dabei nicht hilfreich. Ein Blogger stellte sich die Frage, warum denn erst jetzt protestiert werde, und nicht schon bei schwarz-rot. Vermutlich weil nationalsozialistisches Gedankengut und die Häufung diverser „Einzelfälle“ selbst für konservative Politiker zu viel ist? Who knows? Andererseits wird seit Jahrzehnten gewitzelt („Keller?“ – „Na, des andere“), wenn es Österreich wieder mal in die internationalen Medien schafft, also ja – warum erst jetzt?

Dann sah ich einen Post von einer Dame, die ausschließlich Bio-Lebensmittel kauft und davon die Schnauze voll hat: Warum könne man nicht auf mit Pestiziden verseuchte Äpfel genau das drauf schreiben, anstatt auf heimisch gezüchtete (trotzdem neben der Straße und ebenfalls behandelt aber halt „bio“) Bio drauf klatschen. Und nicht, dass ich viel mehr über Bio wüsste als der Normalverbraucher, so verstehe ich trotzdem nicht, wie sich etwas Bio nennen kann, aber nicht nachhaltig (Stichwort Palmöl) produziert wird. Warum kann Bio nicht „rundrum natürlich und nachhaltig“ bedeuten? So richtig. Nicht nur als Marketing und Werbestrategie. Sondern wirklich. Aber vermutlich spielen EU-Normen und Co eine große Rolle und so. Dinge und Regeln und Erlässe und weiß die Hölle was, die niemand wirklich zu durchschauen vermag.

Etwas später stolperte ich in einer Feminismusgruppe über ein Video von jungen Mädels, die mit einem Song gegen Heidi Klums Horrorshow protestieren. Ein Kommentar darunter: „Warum kann es nicht mehr divers sein?“ oder „Warum sind die alle hübsch und schlank?“ Seriously? Dürfen nur dicke, dunkle, entstellte – kurz gesagt nicht „Normschöne“ (offenbar die Bezeichnung für weiße und schlanke) Menschen diesem Wahnsinn widersprechen? So wirkt es nämlich, wenn ständig rumkritisiert wird.

 

Das gleiche passiert wenn man dünn ist: Wird jemand, der in den Augen anderer zu dünn ist, kritisiert, ist es nur „lieb gemeint“, eine dicke Person auf ihr Dicksein anzusprechen ist hingegen pure Häme. Schäm dich! Body-Positive wirbt ebenfalls überwiegend mit Übergewichtigen und nicht Untergewichtigen. Sicherlich, Untergewichtige laufen am Laufsteg und junge Mädchen eifern dem nach. Trotzdem, schon mal daran gedacht, dass es auch „natürlich“ dünne Menschen gibt, die sich vielleicht ausgeschlossen fühlen wenn „Dick-sein“ als Ideal (wie bei Body-Positive) zelebriert wird? Keine Sorge, ich stehe mittlerweile darüber (hat aber gedauert), trotzdem. Warum kann „Body-Positive“ nicht „Alle Körper“ bedeuten? Oder besser: Kümmert euch um was anderes, als über das Aussehen von Frauen zu diskutieren.

Zuvor war mir auch ein Artikel über Adipositas ins Auge gesprungen, laut welchem Fettleibigkeit nicht selbstverschuldet ist. Da ich weder Kenntnisse noch Erfahrungen dazu besitze, enthalte ich mich einer Meinung. Oft aber wird die Sucht nach Essen mit der Sucht nach Tabak und Alkohol gleichgesetzt. Warum nie mit Nasivin (Beitrag folgt)? Das Zeug ist genau so teuflisch und verlockend. Ich bin übrigens wieder clean.

Anyway, ein Kommentar darunter sagte: Anstatt gesundes Essen mit hohen Steuern zu belegen, genannte Bio-Produkte sind meist doppelt so teuer, könnte man diese einfach günstiger machen und die ärmere Bevölkerungsschicht, die vermehrt unter Adipositas leidet, könnte sich anständiges Essen leisten anstatt Fast Food zu kaufen. Erneut, alles eine Strategie, die wir genormt geschulte Menschen nie in der Lage sein werden, zu überblicken oder gar zu begreifen. Moment.. könnte das meine Verschwörungstheorie sein?

Soviel dazu.

Ich habe übrigens aus Lust und Laune 20€ in die Bitcoin-Bubble investiert. Der Kurs ist gefallen und ich habe 6 Cent seitdem verloren. Damn. Eben nochmal geschaut: 50 Cent dazu bekommen.

Aber hey, immerhin geht in Richtung Space etwas weiter. Congratulations Space X!

 

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R.I.P Samsung Galaxy S5 (2015-2017)

Für manche ist es ein lebloses Gerät, ein Gebrauchsgegenstand, ein Objekt. Ein Handy oder Smartphone. Etwas, dass man kaputt machen oder umtauschen kann. Etwas, dass am Hintern klebt und das Leben bestimmt.

Aber für mich war mein Telefon mein Begleiter, ein Freund und Kumpane. Mein Fotograph und Musikant. Mein Spielgefährte! Auf Reisen begleitete es mich, machte die schönsten Fotos und spielte Musik. Es mühte sich ab, sodass ich mich an Ingress und Pokémon erfreuen und ärgern konnte. Ich brachte es unzählige Male in Gefahr oder anders gesagt: Wir erlebten die tollsten Abenteuer zusammen: Bei Sonnenuntergang im Wasser, im Schnee und Regen und in der Sonne. Es überlebte die Hitze am Strand und die Kälte in den Bergen. Und wie viele Male fiel es mir zu Boden und wie viele Male hatte es einen Kratzer oder Sprung im Display? Oft und niemals! Ein treuer Freund. Bis es starb. Vor wenigen Tagen. Es rührte sich nicht mehr. Kein Trick half. Und so begrabe ich es für immer. Mein Telefon.

Noch bin ich nicht bereit es in die Kiste, oder besser gesagt, in sein Massengrab zu verfrachten wo es Seite an Seite mit ausgedienten Telefonen und MP3-Playern liegen kann. Ja, ich habe sie fast alle noch, bis auf die ersten zwei, glaube ich.

Welches sein Nachfolger sein wird, steht noch offen. Ein Samsung? Ein HTC? Sony? LG? Eines ist klar, es wird kein IPhone werden. Wichtig sind Kamera- und Musikfunktion, sowie Pokémon und Ingress. Aber besonders die Kamera ist wichtig.

Derweil bin ich abgeschnitten von der digitalen Welt. Verlasse ich den PC, kann mich niemand mehr erreichen und das Gefühl ist wirklich großartig. Ich vermisse mein Telefon (und die Kamerafunktion), aber keinesfalls vermisse ich die ständige Verfüg- und Erreichbarkeit, auch wenn Ton und Vibration, sowie sonstige Benachrichtigungsmodi immer ausgeschaltet und/oder deaktiviert waren. Ich entscheide, ob ich kommunizieren möchte oder nicht. Nicht der Anrufer (bei Unbekannter Nummer nehme ich generell nicht ab, wer weiß wer da dran sein könnte..), nicht das Piepsen einer SMS oder das Aufblinken am Display, dass jeden in den Wahnsinn treibt. Mich zumindest haben diese Geräusche immer so sehr verschreckt, dass ich sie – primär also nicht der Verfügbarkeit wegen ausgeschaltet habe, sondern weil mich aus dem Nichts auftauchende Geräusche komplett aus der Ruhe gerissen haben. Es gibt nur ein Geräusch, dass ich bedingungslos akzeptiere: Die Ankunft der TARDIS.

Und ja natürlich blickt man ab und an, manchmal mehr, manchmal weniger drauf, ob sich nicht doch jemand gemeldet hat, ob nicht doch ein Bild auf Instagram oder ein Blogbeitrag geliked wurde, aber diese vollkommene Abwesenheit jeglicher digitaler Knechtschaft hat befreiendes. Ich verlasse meinen PC und habe weder Uhrzeit noch Informationen über die Welt. Ich bewege mich quasi zu 100% analog, ohne einer digitalen Schnittstelle. Ich überlege, ob ich tatsächlich all die kommunikativen und sozialen Apps beim nächsten sofort gleich deaktivieren soll.

Und doch leidet Social-Media darunter. Wenn ich abends im Bett, auf der Toilette oder während der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln WordPress-Blogs überflogen und Beiträge geliked oder Instagram durchforstet habe, mich über 9Gag amüsierte und über Facebook ärgerte, bleibt das mittlerweile fast auf der Strecke.

Und durch die aktuelle Unmöglichkeit, Geschehnisse sofort zu teilen – denn sie sind erst mit Heimkommen und via Sitz an den Rechner für andere verfügbar – entsteht etwas, dass man fast vergessen hat: Diese Momente gehören nur einem selbst. Das schwimmen bei Regen oder die Babyluchse im Alpenzoo. Kein Telefon, dass davon ablenkt und sogleich in die Welt hinaus verfrachtet, nein, die Momente gehören einem ganz allein.

Und trotzdem werde ich mir ein neues Telefon anschaffen und vermutlich dem alten Wahn verfallen, viel zu oft drauf blicken, sinnlos Apps hin und her wischen und zig Tausende Fotos machen. Oder auch nicht, wer weiß?

PS: Sobald ich den alten Zettel mit der Garantie finde, werde ich den Leser wissen lassen, wie viele Tage mir „geschenkt“ wurden. Ich habe die paranoide Ahnung, dass es zeitlich mit Ablauf der Garantie zusammen fallen könnte..

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„Black Mirror“, S03E01

Achtung, es folgt ein (etwas polemisches) Kommentar zum Medienwahnsinn, Social Media und ein paar Sätze zur eigentlichen Folge.

Sollte sich Black Mirror nicht mit (nahen) dystopischen Zukunftsvisionen beschäftigen? Sicherlich, wir bewerten heute (noch) nicht alle Menschen mit fünf Sternen aufgrund ihrer (kalklulierten) Freundlichkeit, aus Freundlichkeit um wiederum dank deren Freundlichkeit mit fünf Sternen bewertet zu werden, allerdings sind wir dieser Version doch schon gefährlich nahe – auch wenn die Berichte über Arbeitgeber, die ihre Bewerber im Interwebs und auf Social Media auspionieren an Brisanz verloren haben, nachdem klar wurde, dass Sauforgien nun mal ganz normal und deren digitale Abzüge davon, Alltag geworden sind. Nichts besonderes also mehr. Noch werden Hasspostings und rassistische Äußerungen etwas kritisch beäugt, dies dürfte sich aber vermutlich in den nächsten Jahren auch noch legen. Trotzdem spioniert der Arbeitgeber und zieht gegebenenfalls seine Schlüsse daraus. Und Facebook entwickelte sich ja aus der Idee heraus, potentielle Beziehungspartner auszuspionieren. Insofern..

Und nehmen wir Instagram: Man präsentiert (s)ein tolles Leben, man propagiert vielleicht einen gesunden Lebensstil, postet regelmäßig und siehe da, die Mühe beschert gute 200o oder gar 4000 Follower. Und das gefällt. Dass all diese Follower selbst wieder 3000 anderen Menschen folgen, um verfolgt zu werden, das kümmert nicht. Ein Follower ist ein Follower, ein Like ein Like. Likes sprechen für Popularität und damit lässt sich Geld machen. Also warum nicht?

Auf FB spielt es sich ähnlich ab: Man bekommt Likes für tolle Sachen und Kommentare für diverse Beiträge. Wir wissen auch, dass Kommentare und das Teilen von Beiträgen, je nach dem, mehr wiegen als wie Likes. Das mag zwar ausschlaggebend sein für den intelligenten Algorithmus dahinter, der uns immer mehr auf eine kleine Nische an Beiträgen beschränkt, aber das kümmert uns ja nicht.

Wir sehen die Likes. Man heiratet. Alle liken. Man schließt sein Studium ab. Sie liken. Wir fahren in den Urlaub. Manche liken. Wir wurden verlassen. Irgendwer reagiert mit dem traurigen Smiley, ein anderer kommentiert: „Wtf? Warum postest du sowas?“ Das Fratzenbuch weiß also nicht nur, wann uns etwas gefällt, sondern was wir wann traurig oder toll finden. Facebook und Google wissen alles über uns! Aber egal. Wir posten Fotos, Statusupdates und kommentieren, nicht ausschließlich, aber oftmals nur um geliked zu werden. Je mehr likes, desto toller findet wer unseren Gedankengang oder das was wir tun, desto toller fühlen wir uns selbst. Andere entscheiden somit über unser Wohlbefinden. Und das tolle ist? Ein jeder kommt zum Zug: Der, der nach Aufmerksamkeit giert, der Troll und vor allem der Hassposter – dieser fühlt sich in seiner kleinen Welt bestätigt, und hetzt weiter. Ein jeder profitiert: Die Nutzer, die Anbieter, die Wirtschaft, die Politik, der Kapitalismus. Eigentlich ein tolles System, nicht?

Und es betrifft nicht nur uns, sondern zeigt bereits Auswirkungen auf die gesamte Medienlandschaft: Nicht, dass was „wahr“ ist, wird verbreitet – auch Falschmeldungen, wenn auch nur zur Aufklärung geteilt werden, werden gewichtet und somit weiter geleitet und nach vorne verlagert. Und wer beschließt dann, was wahr und was falsch ist? Wo beginnt Objektivität und wo Zensur? Der Kampf gegen Falschmeldungen läuft jedoch bereits.

Und nicht dass, was wahr ist, wird verbreitet, sondern oftmals dass, was am meisten Likes hat. 10 000 Menschen können nicht irren, oder? Eigentlich ist es erschreckend. Und dies erinnert mich an jene Folge „The Entire History of You“ (S01E03): Denn diese Folge zeigt so deutlich und so erschreckend authentisch und zugleich ironisch auf, was passiert, werfe man solch eine spezielle Technologie in die Bevölkerung. Zur Erinnerung: Alles was getan wird, wird aufgezeichnet. Bei Argumenten sicherlich von Vorteil, aber wir sahen wie es enden kann und(!) würde.

Sicherlich, in „Nosedive“ wird das Bild komplett überzeichnet und die Farben sind ausschließlich in Pastell gehalten. Nettigkeit wird propagiert und man ist freundlich, schließlich hängen der soziale Status, die Wohnsituation und dergleichen davon ab. Der, der über 4,5 von 5 Sternen ist, darf in der hypertollen Residenz wohnen, während Leute mit 1,4 gar nicht erst angeschaut werden. Unsere Protagonistin sinkt von einer 4,2 auf eine 0. Das Ende ist ein freundliches. Eingeblendet werden diese Daten übrigens via Linse. Google Glas lässt grüßen. Sonst ist alles beim alten, Newsfeed, Postings und so weiter und so fort.

Aber um nochmal an vorher anzuknüpfen. Gesteht liebe Blogger und liebe Leser: Es fühlt sich nett an, wenn jemand eure Beiträge liked oder euch sogar abonniert. Ich freue mich über jeden einzelnen Like. Wirklich. Sicherlich, was ist der Unterschied zu einem Lächeln im Bus? Oder einem Kompliment von nahen Bekannten? Wir befinden uns in einer Art Gemeinschaft, und immerhin hängt nicht ein gewisser sozialer Status von den anderen ab oder gar eine Wohnsituation oder was auch immer. Zumindest nicht in der Form, wie „Nosedive“ es uns durchspielt, und dass andere einen ganz schnell mal nach unten bringen können. Oder aber, wir befinden uns in den „falschen“ Kreisen und dümpeln alle bei 2-3 herum, denn die 4er und 5er gäben sich erst gar nicht mit uns ab. Wer weiß?

Was ich damit sagen will: Diese Realität ist nicht so weit weg, wie manche der bisher vorgestellten Alternativen in Black Mirror. Wir sind gesellschaftlich nicht abhängig von Likes und können uns diesem System noch freiwillig entziehen. Wir entscheiden uns jeden Tag dafür, ob wir beim Surren des Telefons sofort nachschauen ob und wer uns geherzelt hat, sei es der eigenen Aufmerksamkeit wegen oder aus ehrlichem Gefallen. Mein Telefon ist auf lautlos, keine Vibration. Ich stelle es mir mühsam vor, wenn plötzlich aus dem Nichts irgendwas aufblinkt.

Fazit: Die Folge mag zwar nicht eine der Besten gewesen sein, aber zumindest wird der Dialog, die Diskussion um Social Media, um den Einfluss und Konsequenzen wieder einmal mehr ins Licht gerückt. Und wir sollten diesen Diskurs noch viel viel öfter führen.

Weitere interessante Links:

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