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Sport und Sexismus

Ich bin kein Sportfan.

Als kleines Mädchen übte ich Karate. Das war okay. Ich siegte bei einem Turnier 5:0 gegen meine garstige Cousine, die bereits ein erprobter Gelbgurt war, während ich noch den läppischen Weißen trug. Einst bekam ich Eislaufunterricht, voltigierte und nahm später Reitstunden, eh klar. Ich versuchte mich in Taekwondo, bis der Trainer sagte: „Geh Mädel, des heat koan Sinn, mach Ballett“ – und er sollte Recht behalten. Mit 19 begann ich und tanzte fortan jeden Abend die Woche mehrere Stunden, inklusive Auftritte. Ja, man kann mit 19 noch mit Ballett anfangen. Als ich in eine Stadt zog, in der die einzelne Tanzstunde 10€ pro Einheit sprich 45 Minuten kostete, wars vorbei. Ich spaziere seitdem, quäle mich ab und an Berge hoch und schwimme in öligen Gruben. Einige Jahre betätigte ich mich noch bei einem mittelalterlichen Show-Schwertkampfverein, verließ diesen dann jedoch wieder. Aktuell reite ich. Immerhin etwas.

So manche (leider nicht jede) universitäre LV-Einheit birgt wahrlich interessante Themen und Diskussionen. Eine Stunde im Kurs „Medienrealität“ befasste sich mit Sport. Ich war angewidert und gelangweilt. Doch die Referentinnen legten Wert auf die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern. Es war interessant. Daraus entstand folgender Beitrag.

Sexismus

Sport und Sexismus gehen Hand in Hand. In der Antike wurden Frauen von sportlichen Veranstaltungen ausgeschlossen – was in manchen Ländern immer noch so ist. In bestimmten Sportarten gibt es Kleidervorschriften für Frauen, vermutlich damit die Herren sich ein wenig dafür begeistern können und wenn es sich um eine traditionelle Männersportart handelt, wie Fußball, dann heißt das weibliche Pendant „Frauenfußball“. Knappe Höschen, nicht mehr als 10cm beim Beachvolleyball, Röcklein oder Kleidchen bei der Badmintonspielerin, und so weiter und so fort. So zumindest die westliche Norm.

Schnell bildeten sich Stereotype heraus: Frauen wurden hauptsächlich in ästhetischen Sportarten wie Rhythmische Sportgymnastik, Tennis oder Schwimmen medial vermittelt, in Sportarten in denen kein direkter Körperkontakt stattfindet, während Männer, die Aggressiven sind und mit Boxen, Motorradrennen oder Fußball vermarktet werden. Der Mann wird als Held stilisiert, die Frau als galant und zierlich, beweglich und feminin. Der Mann in Bewegung und bei Ausübung seiner Tätigkeit, die Frau stillstehend, oftmals nicht erkennbar wofür sie jetzt die Medaille gewonnen hat, solange sie hübsch aussieht und lächelt. Während bei Siegesehrungen Frauen devot in die Kamera blinzeln, vermittelt das emotionalen Aufbegehren der Männer ein leistungsorientiertes Bild. Beim Sport dürfen Männer Gefühle zeigen, Frauen offensichtlich nicht.

Wie in der Realität, so auch beim Sport: Hübschere Sportlerinnen sitzen am längeren Hebel – nicht jedoch ohne Kehrseite. Anna Kurnikowa brachte „Frauentennis“ zu den vordersten Fronten der Wohnzimmer. Die Surferin Silvana Lima hingegen wurde als zu „hässlich“ befunden, sodass Sponsoren sich für sie interessieren könnten, ganz gleich ihrer sportlichen Leistung.

Sexualisierung

Wenn sich attraktive Frauen, neben ihren sportlichen Errungenschaften, auch optisch verkaufen, sei es via Shootings für eine gewisse Marke oder mit sexualisierten Inhalten mehr Gewinn abschlagen, so folgt oft die böse Nachrede wie „Selbst schuld, wenn sie sich so präsentiert, dass sie nicht mehr ernst genommen wird“ oder „Die kann ja sonst nichts“ – ganz gleich ob die sportliche Leistung Top ist oder nicht. Bei Sportlerinnen steht oftmals das Privatleben im Vordergrund, oder das Kleid das sie eben trägt, die Frisur, der Körper an sich und wie sie sich fit hält. Männer werden hauptsächlich zu ihrer Leistung und dem Training befragt. Ein Leid, dass auch Schauspielerinnen zu tragen haben.

Und sicherlich – warum in aller Namen sollte man, wenn man gewisse Kleidungsvorschriften erlässt um Männer für Frauensport zu begeistern, sich hinter her beschweren, wenn Frauen die Möglichkeit ergreifen und daraus Gewinn schlagen? Sei es Modelvertrag, Werbeclip oder was auch immer hat nichts, aber auch gar nichts mit den sportlichen Leistungen zu tun. Es ist ein Zusatzverdienst.

„Aber dann soll sie sich nicht ausziehen, wenn sie ernst genommen werden will“ – dieser Meinung bin ich als Feministin nicht, sofern man nicht annimmt, sich auszuziehen wäre eine Stärke. Doch die Gesellschaft funktioniert anders und alles Weibliche, das sich plakativ präsentiert, verliert an Gesamtwert. Seriously, wtf? Hauptsache irgendwer schreibt vor, wie sich Frauen zu verhalten haben.

Inszenierung, I

Gut. Lassen wir die Damen die „sich selbst reinreiten“-„Argumentation“ beiseite und schauen wir uns die Tatsache aus anderer Perspektive an. Wie vermarktet man, beispielsweise, Frauenfußball?

In dem man sie auf ein Feld setzt, ein paar Turnübungen absolvieren lässt und in Slow Motion die tägliche Schminkroutine zeigt, die sagen soll: Wir können beides: Hübsch sein UND Fußball spielen. Mit Augenzwinkern. Denn in einer aufgeklärten Gesellschaft gibt es Sexismus doch gar nicht mehr und „a bissl Spaß derf scho sein“.

Im Vergleich dazu die Männer, ein Spot von 2010. Heroisch, stark und unabhängig.

Inszenierung, II

Und da war noch dieses Video:

Viele Menschen finden nichts verwerfliches daran: Man erkenne ja keine Frau und es sei ja nur eine Waschmaschine, sie verstünden nicht, was jetzt so verwerflich daran sein soll. Jeder muss waschen. Und Trotzdem: Es wird vermittelt, dass es den Frauen zwar erlaubt wird zu spielen, aber dann bitte sollen sie sich wieder auf ihre traditionellen und weiblichen Fertigkeiten fokussieren. Es folgte ein Shitstorm und eine dezent veränderte Version des Videos, die den Herren beim Bügeln zeigte. Und erneut: Dadurch, dass der Mann, die oft immer noch als „Frauenarbeit“ verstandene Tätigkeit macht, wird es nicht besser.

Folgend die Neufassung:

Trotzdem: Deswegen ist Feminismus wichtig.

Nicht nur um mit gewissen Strukturen zu brechen, sondern auch um Missstände aufzuzeigen und sei es „nur“ der Inszenierung wegen, die ein weiteres traditionelles Bild der Frau im Sport zeigt und vielleicht dazu beiträgt, dass „Frauensport“ nicht ernst genommen wird, ja ihn gerade als lächerlich macht. Oder an den Seitenrand stellt und eben als „Frauensport“ bezeichnet und somit abgesondert wird, als ob es etwas spezielles ist und etwas, dass man besonders bezeichnen müsste. Als ob man nicht einfach „Fußball“ sagen könnte, und dann: „Wer spielt?“ – „Damen“ oder statt nur „Fußball“ auch ein „Herren“ oder „Damen“ davor setzen.

Sicherlich könnte man das alles mit einem „Ist ja nicht so schlimm“-Augenzwinkern abtun, als Humor und Satire, doch dabei sollte nicht vergessen werden, dass Sexismus existiert. Existierte er nicht, wäre es vollkommen in Ordnung traditionelle Muster via Satire zur verharmlosen, aber das ist nicht der Fall.

Achtet darauf, wie Frauen im Sportfernsehen, bei Veranstaltungen und in der Berichterstattung inszeniert werden und vergleicht sie mit der Berichterstattung über Männer.

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„Eddie the Eagle“, Sneak Preview

Die erste Regel des Sneak Preview: Niemand verlässt den Raum, egal wie schlecht der Film ist.
Die zweite Regel des Sneak Preview: Niemand verlässt den Raum, egal wie schlecht der Film ist.

Ich bin kein Winter-Fan. Ich hasse die Kälte. Auch an Sport-Events bin deutlich desinteressiert. Am ehesten noch Tanz und Kampfsport. Kein Fußball, kein Tennis, kein Basketball, kein American Football. Als ich 6 war glaubte meine Mutter, dass es sicherer sei auf einem Pferd zu turnen als es selbst zu reiten, weil es ist ja angeleint, da kann ja nichts passieren. Ich voltigierte bis ich 10 war, dann bekam ich normale Reitstunden. Als ich 12 war spielte ich Volleyball in der Schülerliga („Mila, kann lachen…“) und übte Karate aus. Einer meiner tollsten Triumphe war, als ich meine garstige Cousine, die bereits Gelb trug als ich immer noch ein jämmerlicher Weißgurt war, bei einem Turnier 5:0 besiegte. Nimm das, B*tch! Als ich 17 war wechselte ich zu Taekwondo. Der Meister riet mir: „Moatle, gang Ballett tanza, des hoat koan Sinn“ und er hatte recht. Kurz darauf begann ich mit Ballett, Jazz-Dance, Modern-Dance, Hiphop, Bauchtanz und dergleichen…

Anyway. Ich kann und konnte mir nichts langweiligeres vorstellen, als wie einen Film über Wintersport anzusehen. Wobei ich einst einen Bergsteiger-Film über die Eiger Nordwand sah und die Dramaturgie höchst spannend fand, besonders als einer der Protagonisten gegen Ende am Seil den Kältetod erlitt.. 5 Meter vor seiner Rettung in Gestalt eines hübschen Mädchens entfernt, dass es so in der richtigen Geschichte nie gegeben hatte. Ja, ich recherchierte sogar.

Anyway.

Es war britischer Film. Der Junge wollte unbedingt bei den olympischen Spielen mitmachen und versuchte sich an jeder noch so erdenklichen Sportart. Du meine Güte, ein Sportfilm. Der Vater war dagegen, die Mutter gütig und unterstützend. Seine Beine waren nicht ganz so toll und er wirkte etwas schusselig. Dann begann er mit Wintersport. Ach herrje. Er gewann Medaillen und Pokale mit Skifahren und schlussendlich: Ski-Springen – nachdem man ihm die Reise zu den olympischen Spielen via Skifahren verwehrte. Oder so. Meine Stimmung befand sich auf dem Kälteniveau von Schnee. Aber gut dachte ich mir, gib dem Film eine Chance. Es geht um einen jungen Mann, der seinen Traum verwirklichen will! Und es ist ein britischer Film. Der Darsteller ist sympathisch. Und Wolverine als Klischee-Ami ist dabei.

Also schaffte der schusselige Brite es nach Garmisch zum Ski-Springen um sich für Olympia zu qualifizieren. 15 Meter, kein Problem. Auf zu den 40, und der Fall kommt stets nach dem  Mut. Eine gut gealterte Iris Berben warf sich dem jungen Mann binnen Sekunden an den Hals. Sie muss ein verruchtes Mädel zu ihrer Zeit gewesen sein. Wolverine als ehemaliger Weltklasse Ski-Springer mit Erz-Engel Gabriel bzw. dem kopflosen Hessen als Trainer weigerte sich zunächst Eddie zu trainieren, tut es dann aber doch. Klassiker. Dirty Dancing! Ja, ich habe von Ski-Sprung-Training keine Ahnung. Laut meiner Begleitung, trainiert man jedoch so. Wie in Dirty Dancing also? Wolverines beste Szene war wohl eindeutig jene, in welcher er in super-cooler Ami-Manier mit Zigarette und Flachmann, nur in Jeans und Hemd gekleidet die 90 bei Nacht springt, begleitet von 80er Jahre Musik. Pathetisch, großartig. Ja, man musste lächeln. Man könnte es belächeln. Aber es ist Wolverine, er darf das. Und der Film spielt in den 80ern, da ist es ebenfalls okay.

Die Songs des Soundtracks wurden von Musikern, die u.a. ihren Höhepunkt in den 80ern hatten, und Gary Barlow (Take That) im Stil der 80er neu produziert. Man merkt die Differenz.

Ich ertappte mich dabei, wie ich mir wünschte mehr Filme aus diesem Jahrzehnt zu sehen, die Musik war und ist der Inbegriff von Guilty Pleasure! Zu Schade, dass nur wenige Filme 80er-Jahre Themen aufgreifen. Ich fand auch den Soundtrack von Guardians of the Galaxy großartig.

Meine Begleitung kannte Eddie und erklärte mir, dass das V-Springen erst in modernen Zeiten, nach den 80ern entstanden sei. Aber offensichtlich haben sie keinen mehr gefunden der parallel springen kann. Michael Edwards sei als einer der schlechtesten Ski-Springer der Welt als „heroic failure“ bekannt geworden – auch wenn er einen britischen Rekord von 61 Metern aufstellte. Und wie er sich freute. Wie er tanzte und die Menge jubelte und freute sich mit ihm. Mein Herz sprang mit. Nein, es war sehr nett. Es war wirklich sympathisch. Es gibt demzufolge auch die „Eagle-Rule„, dass bei den olympischen Spielen härter geprüft wird und eine gewisse Leistung erbracht werden muss.

Fein, gut. Ich gab dem Film eine Chance und fieberte in der Geschichte um einen jungen Mann mit, der etwas erreichen wollte, koste es was es wolle. Ganz gleich ob jeder ihm sagte: „Das wird nichts“ oder die Presse ihn auslachte. Scheiss drauf. Er wollte bei den olympischen Spielen antreten und schaffte es auch – trotz Sabotage der eigenen Landsleute. Zwar sprang er nur 70m als er zum ersten mal die 90 sprang, aber hey: Britischer Rekord ist britischer Rekord – da Großbritannien bis 1987 noch kein britisches Ski-Springer Team hatte. Es kommt auf die Sichtweise an.

Der Film endet damit, dass er schlussendlich antritt, die 90 landet und Erzengel Gabriel ihm persönlich gratuliert und sich wieder mit Wolverine gut stellt, weil natürlich und wie denn sonst, der hochtalentierte Springer eben null Disziplin mit sich brachte und sich lieber der Flasche hingab. Du meine Güte.. selbst wenn er lächelt, wirkt Herr Walken schauerlich und creepy. Alt ist er geworden.. und laut  IMDB basieren 10% des Filmes auf wahren Begebenheiten. Dennoch wars nett.

Fazit: Ein netter Film über Wünsche die in Erfüllung gehen und in ihrem brachialen Scheitern zelebriert werden. Illusion of hope: restored.

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