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Woche #2701: Millencolin, Punkrock und Spotify

Millencolin waren großartig. Das letzte Album („SOS“) war melodisch, die Songs prägen sich schnell ein und haben leichten Wiederkennungswert. Kurz: Ich finde das neue Album großartig und das Konzert war sehr gut.

Punkrock

Punkrock, weniger hart als Punk und durchaus für die Masse geeignet, wurde mit den Tony Hawk-Spielen Ende der 90er, Anfang 00er Jahre weitgehend bekannt. Wir kennen bekannte Vertreter aus dem Mainstream wie Avril Lavinge, Sum 41, Green Day, Blink 182 und wir haben sie alle gehört. So aber auch Millencolin, No use for a Name (RIP), Boy sets fire, Alkaline Trio, NOFX, und wie sie noch alle hießen. Und irgendwann gerieten all diese Band wieder in Vergessenheit. Und ich kann nicht mal sagen, was danach kam. Zwar hörte man Zwischendurch immer wieder was, aber nie so richtig. Und dennoch tourten die alten Bands, füllten Hallen und es ist wohl so wie in jeder Subkultur, wenn man sich nicht einmal mehr am Rande befindet: man bekommt eigentlich gar nichts mit. Selbst im Bergdorf gab es immer wieder Punkrock-Konzerte zu Zeiten als ich mir Punkrock-Konzerte wünschte, aber geglaubt hatte, es gäbe ja eh nichts. Wie man sich irren kann. Andererseits war zu dieser Zeit noch überall rauchen erlaubt und das hätte mir, bis auf ein-zwei Locations sowieso nichts gebracht.

Allerdings komme ich hier zu einer interessanten Beobachtung: Auf Punkrock-Konzerten ist nicht nur die Schlange vorm Männerklo endlos lange (bei den Damen zero; den Herren war es sichtlich peinlich, dass ich amüsiert Fotos von der Schlange gemacht hatte), sondern auch das Alter der Teilnehmer: Statistisch betrachtet, hätte ich 1-2 Leute von vor 15-20 Jahren, als ich aktiv Punkrock hörte, kennen müssen. Statistisch gesehen, gekannt habe ich natürlich niemanden. Aber ich hätte durchaus wen kennen müssen, da Ort, Alter und Band eigentlich stimmig waren.

The digital & new age of music consumation

Irgendwann las ich zu Ende der Reputation-Tour, dass Taylor Swift wohl das Ende eines Zeitalter eingeläutet hätte und dass es solche Konzerte, und den Konsum von Musik, wie man es bisher kannte, sich grundlegend ändern wird beziehungsweise geändert hat.

Und dies hat mit Spotify und diversen Streaming-Angeboten zu tun.

Man kauft sich keine CDs mehr, die ca. 17€ das Stück kostet (ausser Liebhaber und Sammler), sondern zahlt einen gewissen Beitrag an einen Streaminganbieter, welcher die Künstler entlohnt (wir wissen auch, dass Taylor Swift sich dafür einsetzte, Künstler auch während des Probemonats der Kunden zu entlohnen; man könnte ihr jetzt natürlich Gier vorwerfen, aber bedenkt man wie viele kleine Künstler sich ebenfalls auf diversen Plattformen tummeln, so muss man anerkennen, dass sie ihre Popularität für Gutes nutzt), auch wenn sich die Entlohnung auf 0,32 Cents pro Stream beschränkt. 2018 konnten Musiker in den USA bis zu 3,97 US-Dollar pro 1000 Streams verdienen.

Und dies führte sicherlich auch dazu, dass Millencolin unfassbar motiviert waren, da, ich gehe davon aus, das neue Album wirklich häufig gestreamt wurde. Dass alte Punkrocker sich dadurch ermutigen lassen und wieder auf Tour zu gehen um ausverkaufte Konzerte zu spielen (bzw. spielen zu können), könnte vielleicht darauf hindeuten, dass es, wenn die Musik stimmt, ein generelles Punkrock-Revival geben könnte. Oder aber auch nicht. Vielleicht fällt es mir auch nur deswegen auf, weil ich mich aktuell wieder am Rande dieser Subkultur bewege und informierter bin als ich es davor war.

Die Frage aller Fragen deren Antwort nicht 42 ist

Und nun die Frage, die allen begierigen Lesern auf der Zunge brennt: Hätte ich mich getraut mit meiner Taylor Swift Punkrock-Coverband als Vorband aufzutreten?

Jetzt? Nein. Da muss noch einiges geübt werden! In ein paar Monaten, sollten wir anständig proben: Dann ja! Stellt euch das vor, ich und Taylor als Vorband von Millencolin!

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Spotify’ish’esk whatever: „Winter Mood #1819“

Seit ein, zwei, drei Wochen besitze ich ein Spotify-Abo.

Eine weitere Datenkrake neben Facebook, Instagram, WhatsApp und Twitter, die in den Genuss meiner Vorlieben kommt, den Künstlern so gut wie keine Tantiemen einbringt und sich von Information ernährt.

Gut, Facebook wird kaum mehr gefüttert (bis auf gelegentliche GPS-Daten und weiß der Geier was noch alles abgesaugt wird, ich sollte die App löschen – aber dann müsste ganz vieles andere auch gelöscht werden und ja.. we’re doomed), der Content auf Instagram wiederholt sich und auf Twitter, ja, Twitter reizt einfach noch immer, aber das ist Text. Und Texte, so wissen wir, sind mühsam. Besonders in so minimalistischer Form, dass einerseits sehr schnell der Zusammenhang verloren gehen kann und andererseits einfach die Menge unüberschaubar wird.

Aufgewachsen zu Zeiten von Napster und Co. leb(t)e ich mit der Einstellung, dass alles, was im Internet vorhanden ist, auch gratis sein soll. Geteilt mit allen. Für alle da. Immer abrufbar. Luxus für die Armen! Natürlich greift der Kapitalismus dieser längst verblassten Idee zwischen die Beine und zieht Gewinn daraus. Sei es für Nachrichtenmagazine, Film- und Serienportale oder Musik, der User wird zur Kasse gebeten und zahlt doppelt.

Aber ganz gleich, darum geht es nicht.

In den letzten Wochen wurde ein Teil meines Weltbildes gänzlich über den Haufen geworfen. Nahm ich bisher an, dass ich nur eine gewisse Art von Musik mochte und fühlte ich in dieser Annahme sogar eine gewisse Sicherheit, wurde dies zutiefst erschüttert. Ich war wirklich davon überzeugt, dass dies eine Konstante ist, auf die man sich verlassen kann: Taylor Swift und Punkrock. Mehr war da nicht.

Tja.

Dann kam Spotify und schubste dieses wohl aufgestellte und gefestigte Weltbild mal einfach über den Tischrand. Aber immerhin kann man ja hören was man möchte, nicht?

Anbei meine erste Playlist und bezeichnend für das was sie ist: Geeignet für einen winterlichen Nachtspaziergang.

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