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„Ready Player One“

Erstes Fazit, geschrieben (April 2018) unmittelbar nach der Sicht: Besser als erwartet und überraschenderweise sogar gut. Veröffentlicht Jahre später.

Kurz vor Beginn war ich unheimlich nervös. Ich hatte vielleicht einige Headliner gelesen und mir war von vornherein klar, dass der Film nur ein Zusatz zum Buch sein wird, und keine getreue Adaption. Wie auch? Das Material würde die üblichen und zur Verfügung stehenden 2-3 Stunden sprengen und den Zuschauer vermutlich einschläfern – was nicht bedeutet, dass das Original einschläfernd ist, aber in seiner Fülle und Inszenierung nicht angemessen für einen Film, sondern in einer 10-Teiligen Serie adäquater aufgehoben wäre.

Worum geht es?

Um 2045 existiert die OASIS (heute das Internet) und das gesamte Leben spielt sich dort ab. Die Menschen identifizieren sich mehr mit ihren Avatars, als ihrem realen Ich, welches in eine Welt geworfen wurde in der es eigentlich nichts mehr zu tun gibt. Ähnlich wie in Pacific Rim: Uprising akzeptieren sie ihr Dasein und versuchen das beste daraus zu machen, ohne einen Gedanken an Weltverbesserung zu verschwenden. Naja, fast.

Als James Halliday, der Schöpfer und Entwickler stirbt, hinterlässt er drei Schlüssel, die zum Easter Egg, und neben einer Menge Geld, zur Macht über die OASIS führen. Zur Macht, diese abzuschalten oder nach eigenem Belieben zu gestalten. Verständlich also, dass sich die korrupte Corporation IOI das Easter Egg unter den Nagel reißen möchte. Der junge Protagonist Wade Watts schafft es als erster, den ersten Schlüssel zu finden und das Rennen beginnt.

Der Cast

In der Buchvorlage ist Wade Watts ein pickliger, fetter und vor allem gegen Ende haarloser Nerd, während Art3mis etwas dick aber immer noch hübsch ist – was mehrfach von Wade betont wird. Ernst Cline hat sich dadurch mehrere bissige Kommentare eingefangen, dass die Darstellung von Frauen in seinem Roman nur den Male Gaze bedient – was so auch richtig ist. Art3mis‘ Aussehen wird intensiver erwähnt als ihr Können, der Grund ihres Daseins ist lediglich jener um Wades Love-Interest zu sein. Dieser Aspekt wird im Film ausgebügelt und ihr kommt eine etwas tragendere Rolle zu, als nur dem männlichen Protagonisten zu gefallen.

Als bekannt wurde, wer welchen Charakter verkörpern wurde, schlich sich Unmut ins Netz und Diskussionen darüber, ob man nicht nun doch ein dickes Mädel hätte nehmen können und einen hässlichen Buben, denn Ty Sheridan (Cyclops in der neuen X-Men Reihe) ist durchaus attraktiv. Seis drum, die Handschrift Hollywoods eben.

Inszenierung

Das Film macht eine scharfe Wendung, als Wade entführt wird und geht von dort aus seinen eigenen Weg, inklusive einer Menge Änderungen. Trotzdem sind diese absolut nachvollziehbar und passend, besonders was die Quests betrifft und ein guter Ersatz für die Original-Idee. Und auch der Grundton, die Suche nach dem Easter Egg und den vielen Referenzen auf die Popkultur des letzten Jahrtausends, waren durchaus stimmig und weniger aufs Auge gedrückt als angenommen. So schnell sie da waren, so schnell waren sie wieder weg.

Dass Spielberg Regie führte und die Instrumental Musik wie aus einem typischen Spielberg-Film klang – wäre weder störend noch negativ aufgefallen. Wenn man ein modernes Märchen schreiben mag – was mit diesem Screenplay gelungen ist (die Suche nach dem heiligen Gral, eine Liebesgeschichte und der Sieg des Guten über das Böse) – braucht es auch eine Märchenhafte Ausstattung. Wenn ein Märchen heute und digital funktioniert, dann ist es wohl diese Adaption.

Interessant fand ich auch, dass die Darstellung der OASIS durchaus funktioniert hat. Es wirkte weder lächerlich, noch zu gekünstelt noch aufgesetzt, sondern verfolgt genau das richtige Maß zwischen „gewollt digital“ und dem Versuch „authentisch“ digital sein zu wollen.

Die Message, die Aussage und alles andere

Die Message war klar und deutlich: Only Reality is Real.

Das Buch wurde 2011 verfasst, zu einer Zeit, als das Internet noch etwas freier war als heute. Zwar hatte Napster bereits seine Tore geschlossen und die ersten Blogs krochen aus ihren Höhlen, dennoch war die Präsentation wie sie heute stattfindet, noch in ihren Kinderschuhen.

Was Ernest Cline wohl beschreibt, sind die Anfänge des Internets: Weniger Präsentation aber mehr Identifikation mit dem eigenen Ich. In dieser Welt konnte man so sein, wie man war und Gleichgesinnte finden, ohne der Absicht auf Follower und Fame. Sicherlich, funktioniert immer noch – doch steht mittlerweile Profilierung und Inszenierung an erster Stelle, während der Nischenbereich derjenigen, die sich im Netz wie Zuhause fühlen, schrumpft und sich auf kleinere Plattformen oder Subforen zurück zieht.

Nicht umsonst gibt es aktuelle eine Bewegung, einen Trend, unter den Jugendlichen, der diese ermutigt, „offline“ zu gehen, sich zu „Disconnecten“ und auf Smartphone und Internet zu verzichten. Sicherlich und schade, nur ein Trend – aber eine Art Gegenbewegung zur immer allumfassenderen Digitalisierung und Vernetzung. Und man sieht es doch: Träten alle aus sozialen Netzwerken aus und versuchten ein Leben wie in den 1980ern zu leben, Internet-Konzerne hätten keine Chance mehr. Never gonna happen though.

Und genau da hat Halliday absolut Recht, wenn er sagt: Only Reality is real.

Fazit: I liked it.

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„Ready Player One“ – Main-Theme (und so)

Ready Player One wird vermutlich einer jener Filme sein, die massiv und massig an Merchandising abwerfen werden. Immer wieder scrolle ich über Kappen, Aufnäher, Funkos, T-Shirts und es wird mehr und mehr und mehr. Auch sind die erforderlichen Schlüssel (in durchaus hässlicher Form) bereits erwerbbar und bald werden Online-Plattformen alte Konsolen- und Automatenspiele kostenfrei zugänglich machen, inklusive Leaderboard versteht sich.

Sicherlich, das Buch ist gespickt mit Easter Eggs und Insidern aus den 80ern, nur fürchte ich, dass sich der Hype vielleicht etwas selbst überschätzt. Kritiker lieben oder hassen die Adaption; soweit zumindest lassen Headliner gewisser Pre-Views verlauten. Wir wissen ganz klar, dass sich der Film vom Buch deutlich unterscheiden wird, und auch wenn Spielberg schon gute Filme geschaffen hat, wünschte ich mir immer noch James Gunn hätte Regie geführt, produziert und das Drehbuch verfasst.

Gut, gestern war es soweit und ich scrollte über das Main-Theme. Auch wenn ich Spoiler versuche zu vermeiden, hier siegte die Neugier.

Wenn ich mir das Main-Theme anhöre, verbinde ich es in erster Linie mit einem flauschigen Kostüm-Drama, gehalten in Pastell-Farben und einer netten Liebesgeschichte. Vielleicht auch einen Fantasy-Film. Auch erinnert mich die Musik etwas an Star Wars und Jurassic Park, deren Themes großartig sind! Und trotzdem halte ich das locker-flocker-fröhliche Theme als unpassend für einen Film, der am 80er Hype anknüpfen möchte.

Gut möglich, dass ich die Musik, wenn es dann soweit ist, toll finden werde – aber wie ich Buch und Story kenne, passt es leider überhaupt nicht dazu. Ich hätte mir mehr 80er erwartet, mehr Synthesizer, mehr Elektro. Da aber mit Spielberg ein Familienfreundlicher (more or less) Regisseur gefunden wurde, darf die Musik auch an Familienkomödien aus den 80ern erinnern. Immerhin etwas.

Und scrolle ich weiter, erblicke ich natürlich erneut Hinweise aus Trailer und Co, Ikonen der Popkultur, die sich als Avatare durch die OASIS tummeln, und die es zu entdecken und erkennen gibt und trotzdem bemerke ich, wie ich etwas das Interesse verliere, weil es „zuviel“ ist, zu „gewollt“ ist. Es sind keine Easter Eggs mehr, die sich unterm Gebüsch verstecken, sondern fette Abrisskugeln, die immer wieder auf einen eindonnern. Alles was sich finden lässt (oder die Rechte dafür erworben wurden), wird hinein gequetscht, ohne Rücksicht auf Verluste. So sehr ich Easter Eggs liebe und gerne selbst auf die Suche gehe, es gibt Grenzen. Und diese werden bereits in den Trailern überschritten. Im ersten wars noch nett, aber irgendwann ließ die Euphorie nach.

Gäbe es kein Buch dazu, dass ich nicht binnen weniger Tage verschlungen hätte, wäre ich zynisch und würde sagen, es werde wohl ein Film dessen Zweck Easter Eggs und folgend doppelt und dreifach initiierter Merchandising-Verkauf sind. Es wirkt leider tatsächlich so, als hätte man versucht jedes erdenkliche Fitzelchen der 80er irgendwie hinein zu pressen, und sei es, dass es nur am Rande irgendwo rumhopst, damit Fans, von denen die meisten (den Mini-Profilbildern zu urteilen nach) nicht vor 1995 geboren sind, im Saal einander laut zurufen können: „Kennst des!“ Oder „Das ist XY!“ Wobei es ja eh nett ist, wenn junge Menschen ehrliches Interesse an früheren Jahrzehnten bekunden. Auch ich mag Kleider der 40er, die Musik der 60er oder das analoge Leben der Prä-Internet-Zeiten. Außerdem beschäftige ich mich mit dem Morse-Code!

Ich weiß, diese Ausführungen mögen wohl etwas zynisch klingen, aber so sind sie nicht gemeint. Fein, vielleicht bis auf ein zwei Sätze, denn seien wir uns ehrlich: Beim 80er Hype handelt es sich um eine Modeerscheinung und in zwei Jahren sind es die 90er, die alle so toll finden und kopieren werden, auch wenn man Jahre zuvor noch über deren Schrecklichkeit lästerte und hoffte das Jahrzehnt geriete vollendendes in Vergessenheit. Auch die Hüfthosen aus den 00er Jahren werden in Kürze wieder „cool“ sein. Auch Schlaghosen und Rüschenhemden. Ist so.

Dass durch Film und Medien die 80er wieder Salonfähig gemacht wurden (und zugegeben, die Musik war teilweise wirklich aussergewöhnlich), oder zumindest deren coole Aspekte, bedeutet jedoch nicht, das die 80er oder die 90er so cool waren wie man es gerne gehabt hätte oder vermittelt wird, auch wenn die Erinnerung gerne mal mit Rosa drüber fährt und einen Smiley drauf malt. Gut, ich bekam die 80er nur mehr am Rande mit und weiß noch, wie schrecklich die 90er waren, dennoch finde ich es irgendwie amüsant, manchmal auch nett und manchmal befremdlich, wenn junge Menschen, die ihr gesamtes Leben von digitalen Medien begleitet wurden, eine Vorliebe für die 80er entwickeln. Und nicht aus Technologie-Verdrossenheit, denn dass wäre absolut verständlich, sondern eben weil die Medien suggerieren: Es ist cool! Aber hey, durchaus möglich, dass all diese Teens und Twens tatsächlich Gefallen daran finden und bald auf ihre Smartphones verzichten. Why not. Alles ist möglich. Eine 17jährige Instagramerin, die demnächst auf große Reise geht, möchte weniger erreichbar sein, das Internet meiden und ihr Smartphone nur mehr zur einfachen Kommunikation nutzen – und ich bewundere das sehr. Es ist also möglich.

Fazit: Ich bin nach wie vor gespannt auf den Film.. Kurz gesagt, während das Buch ehrwürdig die Gaming-Kultur der 80er zelebrierte, dürfte der Film den aktuellen 80er-Hypetrain in den Endbahnhof lenken.

Doch davor noch einen XXL Trailer. Die Szenen wiederholen sich, die Geschichte auch, aber wir bekommen etwas Einblick in Musik (80s!) und Ablauf:

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