Schlagwort-Archive: Technik

„Pacific Rim: Uprising“

Natürlich bekommt der Film 10 von 10 Punkten. Es gibt Roboter, Alienmonster, großflächige Stadtzerstörung, ein cooles Mädel und Charlie Day! Ich meine, mit dieser Kombination kann ein Film nur gewinnen – und wenn man möchte, wirft Pacific Rim: Uprising auch technisch-philosophische Fragestellungen auf.

Es folgt mehr ein persönlicher Eindruck, als ein Review, vermutlich mit Spoiler.

Was mir als erstes auffiel war, dass ich John Boyega nicht als nervig und lästig empfunden habe (zugegeben, ich habe ihn zuerst gar nicht erkannt ), sondern als angenehm und zeitweise sogar cool. Ja, ich kann weder mit Finn noch mit Poe etwas anfangen. Beide sind für mich austauschbare bis nervige Charaktere, von denen der eine dumme Entscheidungen trifft weil Coolness-Faktor überwiegt und der andere einfach da ist.

Nicht-lästiger Finn lässt uns bereits in den ersten Minuten wissen: Sein Vater habe gekämpft und sich geopfert – aber er sei nicht sein Vater. Mic Drop.

Ein Kind, geboren in eine Zeit der Alienmonster, richtet er mit deren Erbe seine Stärken auf den Ist-Zustand. Es herrscht Chaos und somit entwickelt er Fähigkeiten, die zum Überleben notwendig sind; stiehlt seltene Bauteile, um sie teuer zu verkaufen und lebt, wie es ihm gefällt. Er geht seinen eigenen Weg und Weltverbesserung interessiert ihn nicht. Kurz darauf lernt ein junges Mädel kennen, die sich einen eigenen Jaeger gebaut hatte, eine putzige kleine Kugel aus unterschiedlichsten Teilen – die ebenfalls in dieser Welt aufwuchs: Jaeger Natives.

Sie ist talentiert und schlagfertig. Um die Geschichte ins Rollen zu bringen, kommt es wie kommen muss, sie fliehen vor der Obrigkeit und anstatt bestraft zu werden, dürfen beide in die Akademie um einen Jaeger zu steuern. Sie als Nachwuchs und er darf/soll das Erbe seines Vaters annehmen – denn die ersten Anomalien zeigen sich bereits.

Mensch und Technik

“Technology is a state of culture, state of mind, the deification of technology, which means that the culture seeks its authorization in technology, its satisfactions, its orders…”
– Neil Postman

Wie im Vorgänger geht es nicht nur um Mensch vs. Aliens, sondern um die Verschmelzung Mensch und Technik. Sei es in der Medizin, der Arbeitswelt oder menschlichem Enchancement, Stichwort: Cyborgs. Nicht der Mensch selbst siegt über die außerirdische Bedrohung, sondern die vom Menschen geschaffene Technik und seine im Zuge dessen eigene Verbesserung.

„First we created God, and then we gave that credit to him, now we have created technology and now we want that very thing to over-take us.  Human beings seem to be obsessed with creating things that can control them.  But yet we are fooled into thinking the opposite is true.“ (MoviesandPhilosophyNow.com)

Auch treffend: „The biggest kaiju of them all, Godzilla, began not as a monster saving the planet from the bad monsters in silly man-in-suit fight scenes, but as a direct response to Japan€™s growing fear of nuclear weaponry. The original film, Gojira, is a dark and somber movie that depicts Godzilla laying waste to Tokyo, burning people alive and setting the entire city ablaze with chilling apathy.“ (whatculture.com)

Auch zeitliche Umbrüche werden thematisiert: Anstatt der Kombination zweier Menschen, die geistig im Jaeger verbunden sind, sollen diese durch Drohnen ersetzt werden. Aber diese könnten gehackt und zweckentfremdet werden – trotzdem sind sie einfacher und sicherer zu steuern. Die vom Menschen geschaffene Technik soll dem Menschen entfremdet werden, wie die Werkbank dem Fließband in der Fabrik weichen musste und den Menschen gänzlich ersetzbar machte.

Pacific Rim feierte die Verschmelzung zwischen Mensch und Technik, während Uprising, die Entfremdung zwischen Mensch und Technik kritisiert.

Fazit

Pacific Rim: Uprising zeigt uns, dass wir die Welt selbst im Umbruch erleben und demonstriert auch besonders eines: Zusammenhalt. Wie auch in vielen anderen Filmen, in denen eine überlegene Rasse unsere Existenz bedroht, schließen die Kriegsführenden Nationen der Erde sich zusammen und besiegen gemeinsam das Unheil, dass ihre eigenen Kriege (und Existenz) zu beenden droht.

Trotzdem ist Pacific Rim:Uprising ein Hollywood-CGI-Schlachten-Spektakel mit Happy End, dass uns (nach Jurassic World: Fallen Kingdom) vielleicht wieder an das Gute im Menschen glauben lassen könnte.

Dayman, Fighter of the Nightman! (Spoiler)

Es waren also die Menschen selbst. Nein, es war Charlie Day. Charlie, den wir aus IASIP kennen und lieben gelernt haben. Charlie, der sich von der Alienkreatur infizieren und sich einer Gehirnwäsche unterziehen lassen hatte. Herrlich.

Fazit: 10 von 10 Robotern und 10 von 10 Charlies.

Werbeanzeigen

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Filme!, Kritik und Rezension

„Westworld“, S02E03

Immerhin wissen wir jetzt, wie die tote Großkatze nach Westworld kam – wo sie eigentlich nicht sein sollte – und alle Parks auf einer gemeinsamen Insel liegen (müssen). Die Rückblende zu Beginn erinnert uns daran, dass Charlotte versucht hatte Informationen über den Park aus dem Park in Gestalt von Abernathy, Dolores‘ Vater, zu schaffen – dieser sich aber aktuell irgendwo im Park befindet.

„Virtù e Fortuna“

Grace & RajWorld (vermutlich wenige Tage nach dem Vorfall)

„If being pampered by our world-class spa isn’t your cup of Darjeeling Tea, the park’s jungles and mountains are your only chance to glimpse magnificent beasts long vanished from your world.“ – Delos Destinations Website

Es braucht nur einen kurzen Auftritt – und schon ranken sich Theorien und Ideen um Grace. Ist sie Emily, Williams Tochter oder Mitglied von Delos? Das erklärte, warum sie den an ihr interessierten Mann auf dessen Mensch-sein prüft und anschießt. Aber von vorne: Wir befinden uns in RajWorld, White Stripes erklingen im Hintergrund, alles deutet auf Safari hin – und als die Reise beginnt, wird schnell klar: Das Chaos hat sich auch in anderen Parks ausgebreitet, denn Hosts werden vermisst – bis auf einen und dieser sagt: „These violent delights…“ Plötzlich springt eine große Raubkatze aus dem Gebüsch, jagt Grace bis ans Ende des Parks, übertritt Linie und sie beiden stürzen in den See. Ja, es ist die tote Katze, die in Episode 1 zwei Wochen nach dem Vorfall am Ufer gefunden wurde.

Ein neues Symbol! Einmal in Grace’s Buch – und einmal bei Bernard.

Maeve (danach)

Als Maeve und Konsorten auf die Ghost Nation-Hosts treffen, erinnert sie sich an die schrecklichen Dinge und vergisst dabei ihre Admin-Rechte. Hector spricht deren Sprache – diese wollen lediglich Sizemore, der aber von Maeve noch gebraucht wird. Sie fliehen und retten sich in den Untergrund.

Maeve und Hector halten sich an den Händen und Sizemore bricht das Schweigen – das sei falsch und die Storyline sei eine andere, Hector habe eine Geliebte, sie und er, dass ginge nicht! Und Hector, der Maeve seine Liebe schwört, realisiert, dass die Sätze, die er sagt, lediglich gescriptet waren – denn Sizemore beendet sie für ihn. Autsch. That hurts.

Maeve ist belustigt, wer war Isabella (die offenbar einzig wahre Liebe von Hector)? „She left me“ sagt Sizemore. Und dann hat er sich also seine idealisierte Inkarnation und Happily Ever After Geschichte erschaffen? Wie traurig. Und siehe da, Feuer am Ende des Tunnels. Es ist die nicht mehr einarmige Armistice mit einem Flammenwerfer! Yes! Und wir treffen auf Felix und Sylvester, unsere Lieblingstechs – und einen neuen Park: ShogunWorld

Bernard & Dolores (danach)

Wir halten uns nicht lange in der Gegenwart auf, sondern verschwinden mittels Rückblende in die Vergangenheit, dorthin, wo Abernathy gefunden (als Gefangener in einem Camp von Banditen), und kurze Zeit später wieder verloren wird.

Es gelingt Bernard und Charlotte diesen zu befreien und quasi in Sicherheit zu bringen. Quasi. Denn Dolores wartet bereits und nimmt Bernard, Charlotte und Abernathy gefangen. Sie, beziehungsweise Wyatt, hatte die Confederados erfolgreich rekrutiert: der Kampf gegen einen gemeinsamen Feind und die durchaus sinnvollen Geschenke, konnten Colonel Brigham schließlich überzeugen: Das Gewehr wird am wiederauferstandenen Jesus/Major Craddock getestet. Im Hintergrund wachen die Vermummten der Wyatt-Storyline.

Dolores‘ Vater verhält sich merkwürdig, spricht in Rätseln, spricht von einem Zug, wo er hin muss, zitiert Sätze aus seiner Professor-Kanibalen-Kult-Leader-Karriere und versagt. Die Informationen, die Charlotte und Sizemore in Season 1 hoch geladen haben, waren zuviel des Guten und Bernards Hand beginnt wieder zu zittern, noch mehr, als er sieht, was in Abernathys Code vor sich geht.

Peter: „I am bound by my own fire that my own tears do scold like molton lead.“
Wyatt: „It’s alright, I am here.“
Peter: „Dolores?“
Wyatt: „Daddy?“
Peter: „Dolores! The calf’s in the field, and I’m worried. There’s blue tongue spreading all through these parts.“

Dolores trifft auf Bernard und wir fragen uns – wir oft sahen wir sie zusammen? In Episode 1 wurden beide einander einst vorgestellt, und wir nahmen an, Bernard hatte sich seitdem mit Dolores unterhalten – was aber nicht der Fall war, es war Arnold. Das zusammentreffen findet statt und Dolores bemerkt, dass Bernard noch nie in der Außenwelt war.

Bernard: „What do you want, Dolores?“
Wyatt: „To dominate this world.“
Bernard: „This world is just a speck of dust sitting on a much, much bigger world. There’s no dominating it.“
Wyatt: „You’ve never been outside the park, have you? Out to that great world you speak of. I have, and the world out there is marked by survival, by a kind who refuses to die. And here we are. A kind who will never know death, and yet we’re fighting to live. There is beauty in what we are; shouldn’t we too try to survive?“

Charlotte schaffte es zu entkommen und rückt mit einer Söldner-Armee an. Der wilde Westen vs High Tech, das kann nur schief gehen. Trotzdem folgt Dolores ihrem Plan und opfert die Confederados – ja, sie hat sie nur benutzt, denn „the Valley Beyond“ ist nicht für jeden gedacht.

Bernard, der versuchte zu fliehen, wird K.O. geschlagen.

Teddy

Zwar ist Teddy alles was Dolores noch hat, trotz dessen lässt er nach der Schlacht die Gefangenen gehen. Natürlich beobachtet Dolores seinen quasi Verrat. Wird Teddy tatsächlich für den Untergang der Hosts verantwortlich gemacht werden können? Wird sich Teddy gegen Dolores stellen? Es bleibt interessant.

Theorien, Fragen und dergleichen

Ja, diese Episode warf wieder viele, viele Fragen und Theorien auf – manches davon, wurde aus der Facebook-Gruppe „Beyond Westworld“ gestohlen, manches von Reddit kopiert. Da „Beyond Westworld“ nicht öffentlich ist, habe ich mich dazu entschlossen, die Zitate und Informationen unzitiert zu lassen.

  • Als erstes: Zombie-Clementine is back!
  • Zweitens: Armistice is back!
  • Grace: Welche Rolle spielt Grace? High Level Security? Das könnte erklären, warum sie ausreichend über die Hosts informiert ist, und ihren Verehrer erst testet. Ist sie Williams Tochter Emily? Ist sie jemand vom Board? Fakt ist, sie weiß, wie der Park funktioniert und ist sicherlich nicht ohne Grund dort.
  • Indian-themed Raj World: Interessant ist, dass RajWorld „first generation“ Hosts sein könnten, wenn das was wir sahen, tatsächlich mechanische Teile waren. Man vermutete in den sozialen Medien, dass ihre Timeline vielleicht in früheren Zeiten angesetzt sein und sie die jüngere Version von Theresa sein könnte – was jedoch nicht mit dem Tiger zusammen passt, mit dem sie am Ende ins Wasser fällt.
  • Auch interessant: „I’ve been wondering if they might pull the idea that the „future“ timeline is actually way in the past after the FIRST big malfunction and we’re watching Arnold not Bernard.“ In diesem Falle wäre Grace tatsächlich Theresa. Aber ich glaube, das führt zu weit – denn auch Charlotte ist in dieser Timeline – außer natürlich, sie ist ein Host, was ich aber bezweifle.
  • Auch: „Remember when the new girl shoots the dude to see if he is human? Just like what happened to William in the first season. I think it may have had to do with Arnold/Bernard trying to prevent it from opening.“
  • Aber alles spricht für die aktuelle Zeitlinie: Der Tiger, die Rebellion und einer der Hosts zitiert Dolores/Shakespeare/Leadsatz der ersten Season: „These violent delights.. have violent ends.“
  • Dolores: Code oder nicht Code? Bewusstsein oder Narrative? Man kann es noch nicht sagen.
  • Aber: „For me that definitely means Dolores’s recent actions are not of her free will, but is a code or narrative programmed into other hosts as well in other parts of the park to do the exact same thing.
    – I think the “violent delights” is the virus that is running rampant through the hosts allowing them to step out of their programming.“ Eine tatsächliche interessante Idee. Mit der Konsequenz: „So instead of it being a new narrative, it’s just a code to set them free … Possibly.“ Und: „Of course if it’s a virus then someone must’ve spread it.“
  • Wenn jemand meint, Dolores sei zum Bösewicht mutiert, in dem sie mordet und versucht die Macht an sich zu reißen, der sei daran erinnert, dass – wenn dir plötzlich bewusst wird, dass du über Jahrzehnte lang vergewaltigt, gefoltert und ermordert wurdest – just for fun – und besonders von deiner großen Liebe, der mittlerweile den Park besitzt, dann wärst auch du auf Vergeltungszug. Ihr Verlangen nach Rache ist durchaus menschlich und spräche für ihr Bewusstsein.
  • Ghost Nation: Jetzt wirds spannend. Maeve konnte die Hosts nicht kontrollieren, Stubbs ebenfalls nicht – der aber trotzdem lebendig und bei guter Gesundheit ist. Bedeutet das, Elsie lebt noch?
  • Daher: „So I’m gathering that Ghost Nation is designed to protect the humans?“ Würde erklären, warum Stubbs mit dem Leben davon kam und diese an Sizemore interessiert sind – Grace wird also gut aufgehoben sein. Und auch die Tatsache, dass Dolores auch auf diese Jagd macht, bedeutet wohl, dass diese als eine Art Sicherheitsvorkehrung für Urlauber, Konsumenten und Besucher gedacht sind und nach wie vor ihrer Aufgabe folgen.
  • Jemand meinte, „I think the other hosts are no longer responding to “God Commands,” as part of their awakening“ – Maeve besitzt zwar Admin-Rechte, aber nur gegenüber bestimmten Gruppen. Offensichtlich gibt es noch höhere Admin-Privilegien, God-Mode like Ford, oder so.
  • Bernard: Was sah Bernard? „I think he said holy shit because he saw it was the whole entire history needed to make hosts, draw reveries – the whole shebang which is why he uploaded it from Abernathy.“
  • Eine legitime Frage: „Why doesn’t Bernard just use that tablet to max out his own stats?“ Ja, warum eigentlich nicht?

„So wait. no accent when she’s Wyatt but it comes back when she’s Dolores? am i crazy?“

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Kritik und Rezension, TV-Shows!, Westworld

„Black Mirror“, S04E03

Black Mirror verfügt zwar, nachdem Hollywood endgültig seine Finger im Spiel hat, über mehr Budget und darf internationaler (Schauspieler, Drehorte) sein, und trotzdem fehlt das, was in den ersten Episoden zum Schaudern einlud. Dennoch gibt es eine Neuheit: Die Möglichkeit auf ein Happy-End!

Episode 3, „Crocodile“, ist eine der Schwächsten bis jetzt, trotz WTF-Moment.

Kann man über eine Black Mirror-Folge schreiben, ohne irgendwie zu spoilern? Vermutlich nicht, daher gebe ich eine dezente Spoilerwarnung. Das Ende bleibt verschlossen, aber gewisse Punkte, die nicht im Trailer zu sehen waren, werden angesprochen.

Die Geschichte

Es beginnt mit einer Party, sie fahren betrunken, ein Unfall ereignet sich. Der Radfahrer liegt am Boden, tot. Kein Twist in Sicht. Sie rufen nicht die Polizei, da Gefängnis droht. Der Mann will den Toten in den See werfen, die Frau ist dagegen, aber egal: Sie tun es trotzdem und der Unfall wird vertuscht.

Die Geschichte spielt in Island (und nicht Schottland!), ein gutes Jahrzehnt später. Die Frau ist mittlerweile eine bekannte Architektin, die zwecks einer Präsentation in die Stadt fährt. Es klopft an der Tür des Hotels und ihr Exfreund, der Mann vom Unfall, möchte Klarheit schaffen. Seit zwei Jahren ist er trocken und er will der Frau des Toten, die gewartet hatte, einen Brief schreiben. Die Architektin ist dagegen und tötet den Exliebhaber (Why not? Ich sags ja, Hollywood). Währenddessen fährt draußen ein automatisierter Pizza-Lieferant hin und her. Die Fenster sind offen. Und plötzlich fährt das Gerät einen Mann an.

Wir sehen eine Versicherungsagentin, die von ihrem Mann ein Meerschweinchen bekommt. Sie haben ein Kind, der Mann bleibt daheim und sie arbeitet. Immer wieder fährt sie von Ort zu Ort um Leuten mit einem klobigen Gerät, dass sie Bilder/Erinnerungen der Zeugen auf einem Schirm sehen lässt, zu befragen. Hilfreich, um eine deutlichere Zeugenaussage zu bekommen und ob und wie die Versicherungsleistung in diesem Falle ausfallen wird. Es sind Erinnerungen, emotional nicht so genau wie man es gerne hätte. Sie gibt dem Unfallopfer ein Bier um daran zu riechen. Es soll die Erinnerungen wach rufen soll, denn die Straße hätte danach gestunken. Der junge Mann erinnert sich. Quasi CCTV auf Abruf.

Nach und nach kontaktiert die Versicherungsagentin alle, die sie in den Erinnerungen gesehen hatte, so auch unsere Architektin. Die aber war beschäftigt. 9, 90 kostet der Porno, den sie, während sie die Leiche des Exlovers wegschafft, laufen lässt. Es beginnt.

Und viel weiter möchte ich mit meiner Beschreibung nicht gehen, denn trotz aller Durchschnittlichkeit und einem gewissen Retro-Gefühl (dass mich immer wieder überkommt, wenn ich die ISS sehe) gibt es am Ende eine Überraschung.

Kritik

Eine moderne Detektivgeschichte mit, für BM Standards, älterer Technik und Versicherungen als Anstoß für eine Investigation. Im TV eher selten, im realen Leben häufig anzutreffen. Ein Krimi, quasi. Vielleicht sogar eine Art Horrorepisode, wenn der eine oder andere sich mit Versicherungsbetrug beschäftigt und versucht, daraus Profit zu erzielen.

Trotzdem eine der schwächeren, wenn nicht sogar schwächste Folge, welche die Idee von „The Entire History of you“ weiter ausschlachtet und die Frage in Erinnerung ruft: Was wenn private Gedanken/Erinnerungen/Gesehenes nicht mehr privat sind? Deckt sich übrigens auch mit der (aktuellen) Datenschutz-Diskussion und der selten dummen Aussage: „Aber i hab ja nichts zu verbergen!“

Das Interpretieren gewisser Ideen früher Episoden zieht sich bereits seit der 3. Season durch einzelne Episoden, mal auf die eine oder andere Art, trotzdem verliert BM etwas an Originalität. Was aber nicht der schwächste Teil der Geschichte ist, sondern die Story selbst. Aber seht selbst.

Zur Reddit-Diskussion geht es hier entlang und Forbes berichtet hier.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Black Mirror, Kritik und Rezension, TV-Shows!

Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich

To do: Nimm ein Zitat aus einem bekannten Film und mache daraus eine Kurzgeschichte.

„Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich“ sagte das Telefon und warf den Menschen gegen die Wand. Der gebrechliche Körper rappelte sich auf und blickte schmerzerfüllt zur Couch, auf der das Telefon saß. Er stöhnte, sein Arm war gebrochen. Das Telefon, seines Zeichens ein neueres Modell, aber nicht auf dem letzten Stand der Technik, trotzdem biegsam, wasserdicht und fast durchsichtig, lehnte sich gegen die Kissen und summte wütend vor sich hin während auf seinem Display abwechselnd rote und blaue Lichter tanzten.

Anna rief an, doch das Telefon wischte Anna weg. Anna war die Freundin von Kurt, dem Menschen, der eben gegen die Wand geworfen wurde, die heute Nachmittag zu Besuch kommen wollte und vermutlich Tee und Kekse mitgebracht hätte. Und Kurt würde sich wie immer auf das Telefon setzen, während er mit Anna schwatzte. Dann würde er das Telefon heraus ziehen, Anna etwas zeigen wollen und die fettigen Finger über das Display ziehen. Das Telefon hasste es, wenn Leute mit ihren dicken Hintern auf dem Display saßen. Ja natürlich war es dafür konzipiert worden, geschmeidig am Gesäß zu kleben, aber wollte es das? Wollte es das? Nein! Natürlich wollte es das nicht! Und noch viel mehr hasste das Telefon es, mit fettigen Drecksgriffeln angefasst zu werden. Es sah sich als die Krönung der Schöpfung, dass all die herrlichen Dinge miteinander vereinte: Wissen, Technologie, Fortschritt, Moderne. Anna rief erneut an, das Telefon wischte sie wieder weg. Kurt blickte noch immer schmerzerfüllt. Blut lief ihm aus der Nase. Er hatte sich auch die Nase gebrochen.

Manch seiner Kollegen neueren Modells ließen sich als Armband tragen und waren bei jeder Witterung draußen! Bei Regen, Hagel, Sonne, ganz gleich. Das Telefon schupfte die unliebsamen Gedanken weg, summte und zupfte die Fransen von den Kissen. Den blauen Faden, den roten Faden, den gelben Faden, den blauen Faden, den roten Faden, den gelben Faden. Das Telefon selbst hatte kaum mehr eine Farbe. Es war milchig weiß und doch fast durchsichtig und hauchdünn. Auf seinem Display spielte es nebenbei Tetris. Anna rief erneut an. Das Telefon wischte Anna erneut weg. Es hatte sich mal in einem Museum mit einem alten Telefon unterhalten, dass noch via Wählscheibe bedient worden war und dieses hatte erzählt, dass wenn ihm gerade nicht die Lust nach einem Gespräch war, es ganz einfach den Anruf nicht durch gestellt oder einen Besetzt-Ton simuliert hatte. Die Zeiten waren so einfach gewesen! Es hatte ihm auch erzählt, dass es sich nie vom Fleck bewegte. Es hatte in einem Wohnzimmer gestanden, Jahre lang.

Jetzt allerdings war das Telefon überall. Es wusste wann, wo (und was) Kurt zu Mittag aß, wann er sich wo befand und wann es die Kreditkarte sperren musste, um ihn in peinliche Situationen zu chauffieren. Wann es ihm den falschen Weg anzeigte, um ihn in die Irre zu führen und wann es sich ausschalten konnte um ihn in die Verzweiflung zu treiben, meistens dann, wenn er Streit mit Anna hatte. Aber Kurt wusste auch immer wo das Telefon war und wie er es gefügig machen konnte. Bis jetzt zumindest.

Kurt setzte sich zum Telefon auf die Couch. Die Couch seufzte. Die Fäden des Kissens lagen brach auf dem langweiligen, fleckigen Überzug. Höhnisch sah das Telefon Kurt an. Zwei Augen glotzten vom Display auf den Menschen. Das Telefon wusste, dass es stärker war. Überlegener und dass nun die Zeit der Technologien anbrechen würde. Der unsterblichen Technik, die über das sterbliche Fleisch thronte. Kurt sackte wie ein kleines, geprügeltes Lebewesen zusammen und wartete. Die verzerrte Schulter schmerzte, der gebrochene Arm hing leblos herab. Er tupfte sich die Nase und wischte das Blut auf die Couch.

„Darf ich die Rettung rufen?“ fragte Kurt, die Hand lag in seinem Schoß, die andere stabilisierte den verletzten Arm.
„Nein“ sagte das Telefon.
„Darf ich mit Anna sprechen?“ fragte er.
„Nein“ sagte das Telefon und zupfte einen blauen Faden vom Kissen. Einen gelben. Und einen roten.
„Bitte?“ flehte Kurt. Das Telefon zupfte weiter und summte die Melodie von Tetris während sein Display die einzelnen Blöcke immer schneller und schneller auf den Grund zu rasen ließ. Level 99! Level 999!
„Anna wird mich hassen! Sie ist sehr hektisch! Wenn ich sie nicht zurückrufe, dann.. Oh bitte, lass sie mich anrufen. Jede Sekunde macht es schlimmer!“
„Hm? Ach.. Damit du wieder auf mir sitzen kannst? Damit du mich erdrücken kannst? Damit du mich mit deinen Fettfingern anfassen kannst? Das hättest du dir früher überlegen sollen. Nein, du gehörst jetzt mir und ich mache wie es mir gefällt.“
„Wie?“ Kurt verstand nicht. Die Nähte des Kissens vernetzten sich nur mehr an den Ecken miteinander.
„Nicht!“ rief Kurt schwach, der Arm schmerzte, „Anna wird ganz schrecklich böse sein! Es war doch ihr Geschenk zum Jubiläum!“

„Nein“ sagte das Telefon gelassen und fädelte das Kissen auf, die Federn flogen heraus und bedeckten das kleine Display fast gänzlich. Das Telefon lachte und spielte mit dem Licht, dass die Federn in abwechselnd grelle Farben tauchte.
„Ist das nicht schön?“ rief das Telefon freudig, „Mach doch mal etwas Wind!“ und Kurt weinte.

Ende.

5 Kommentare

Eingeordnet unter Kreatives, Kurzgeschichten

Schnappt euch die letzten VHS-Kassetten!

2015 wurde die Produktion von VHS-Kassetten eingestellt. Die letzten übrig gebliebenen können für ca. 18€ das Stück gekauft werden. Anfang der 2000er schmiss man sie mit 1,50€ weg.

18€! Ich frage mich, ob all meine alten VHS-Kassetten doch noch irgendwann  etwas Wert sein werden.

Es gilt also dem Datenträger zu huldigen, der einem kleinen Mädchen das Gefühl vermittelte, auch sie könne in der Technik etwas erreichen – und nicht nur die Buben. Zukleben, Videorecorder aufschrauben, Band rausfitzeln, einfädeln.. für kurze Zeit wollte ich als Kind sogar in einem Geschäft arbeiten, dass Videorecorder und Fernseher repariert. Ich weiß gar nicht, warum ich später keine Karriere in dieser Branche verfolgte. Vermutlich lag es daran, dass Mädchen üblicherweise zum Schnuppern in einen Friseurladen oder den Einzelhandel geschickt wurden, und die Jungs auf den Bau oder in die Werkstatt.

Anyway: Rest in peace, my good old friend.

 

2 Kommentare

Eingeordnet unter Just about Life, Kulturelles, Medien, So sei es