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„Black Mirror“, S04E02

„Arkangel“ heißt die zweite Folge der vierten Season und zeigt was passiert, wenn man Helikopter-Eltern Zugang zu gewissen Technologien gibt und veranschaulicht die Konsequenz, möchte man jeden Tritt und jedes Wort des Kindes verfolgen und unter Kontrolle haben.

Alles beginnt wie gewöhnlich: Eine Geburt, ein sauberer Kaiserschnitt, ein Spaziergang im Park, ein bellender Hund, eine verängstigte Mutter. In der Nähe eine süße Katze mit Halsband. Die Mutter unterhält sich, das Kind rennt irgendwo rum – und verschwindet. Der Horror aller Eltern. Nach ein paar Stunden taucht das Kind auf: Sie folgte der Katze.

Und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Arkangel heißt die Firma und das Produkt, welches zwar noch in der „Trial Period“ ist, sei trotzdem „save“ und „fully tested“. Und das beste? Es ist kostenlos!

Ein kleiner Stich ins Gehirn – das Kind bleibt still und die Mutter wird in alle Funktionen eingeweiht. Auf einem Tablet wird angezeigt, wo sich das Kind befindet, was das Kind sieht und wenn es etwas nicht sehen soll, dann lässt sich das verpixeln, sprich ausblenden. Oh, und übrigens der Eisenhaushalt ist niedrig.. Kurz: eine Rundum-Kontrollfunktion.

Das Kind wird älter, der Hund bellt (verpixelt) und als einer der Buben in eine Schlägerei verwickelt wird und blutet, erkennt sie Blut nicht. Er versucht es ihr zu erklären und spielt Gewaltvideos ab, die sie aber ebenso verpixelt sieht. Auch als sie Blut malt, verpixelt es – sie sticht sich mit dem Bleistift in die Hand und auch dort sieht sie alles verschwommen. Sie wird panisch und attackiert die Mutter. Aber auch deren Blut sieht sie nicht.

Die Lösung liegt auf der Hand, denn auch die Mutter weiß, dass sie einen, vielleicht auch zwei Schritte zurücktreten muss.

Das Implantat lässt sich nicht mehr entfernen (wtf?), aber immerhin könne man das Tablet in den Schrank stellen und alle Funktionen deaktivieren. Das Kind darf folgend ohne Überwachung auf die Straße und freundet sich mit dem Buben an. Er zeigt ihr Porn und wie Terroristen Beine absägen oder Köpfe abschlagen.

Und als die Tochter nicht ans Telefon geht, kann es die Mutter nicht lassen und holt das Tablet aus dem Schrank.

Kritik

Natürlich ist es unrealistisch, dass ein Kind bis zum Schulalter nie einen Unfall oder sich Verletzungen zugezogen hatte, aber es geht ja um die Idee dahinter.

Und die Folge spricht natürlich viel mehr an, als wie nur die übertriebene Fürsorge der Mutter. Ebenso wird der leichte Zugang zu Medien kritisiert (Ein Seitenhieb dahin, dass Kindern der Zugang zu Gewalt dank Internet deutlich erleichtert wird und vielleicht ein Argument für die Legitimation kompletter Überwachung?) und auch die Beeinflussung von Teenagern durch Pornographie. Vielleicht bewerten aber auch nur wir gewisse Verhaltensweisen und Vergehen anders, da wir unsere eigenen, jugendlichen Sünden als harmloser empfinden – weil „damals war es anders“? Auch legt die Serie den Gedanken nahe, dass nicht nur der Ausschnitt, sondern das Gesamtbild wichtiger ist, welches aber nie auf einem kleinen Tablet zu sehen ist, entfernter lässt sich dies auf die Medien übertragen.

Doch gerade durch den einfachen Zugang zu gewissen Inhalten, fühlen sich Eltern darin bestätigt, ihr Kind zu überwachen und behütet aufwachsen zu lassen, wie dies eben in ihrer Kindheit der Fall war. Sie wollen dieselbe Sorglosigkeit und vergessen dabei, dass das in der Form nicht mehr möglich ist. Heute lesen sie private Nachrichten der Kinder und/oder sperren gewisse Apps. Natürlich gab es auch früher Eltern, die regelmäßig in den Tagebüchern ihrer Kinder gestöbert hatten und ein Privatleben bis zum Auszug unmöglich gestalteten. Trotzdem, die Intensität scheint dank vielfältiger Möglichkeiten zu zunehmen.

Die Episoden der vierten Season sind weniger extrem wie die ersten zwei und auch „Arkangel“ ist allgemein verträglicher als manche andere. Fast schon banal, der Schauer über dem Rücken bleibt aus, auch wenn das Verhalten der Mutter immer wieder zum Kopfschütteln anregt – worin vielleicht, wenn man so möchte, die Stärke dieser Folge liegt: Nicht die Technik, sondern das Verhalten der Menschen rückt ins Zentrum.

Übrigens, auch diese Folge ist nicht so weit aus der Realität gegriffen. Das Produkt nennt sich Angelsense und lässt das Kind via GPS-Tracker jederzeit orten. Thx Reddit.

PS: Jodie Foster führte bei dieser Folge Regie.

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„Black Mirror“, S04E05

Folge 5 entführt uns gleich zu Beginn in eine schwarz-weiße post-apokalyptische Szenerie. Es gibt keine Einführung, kein langes drum herum. „Metalhead“ ist mehr Kunstfilm als eine Serien-Folge, was sich in der Kürze von 40 Minuten sowie der Kameraführung und des künstlerischen Stils bemerkbar macht. Es ist so, wie eine Kurzgeschichte sein soll: Eine Episode, die sich vielleicht in ein größeres Ganzes fügen ließe aber dennoch für sich alleine steht.

Drei Personen sind auf der Suche nach etwas. Sie besitzen eine Nummer und stürmen ein Lagerhaus, während der dritte versucht via Zahlenkombination ein Auto zu knacken. Als bald sie die Kiste mit der entsprechender Nummer gefunden haben, werden sie angeschossen. Ein kleines Roboter-Tierchen hüpft herab und macht fortan Jagd auf die Menschen.

Und das ist sozusagen der Inhalt der 5. Folge. Das Tierchen ist überaus klug, selbstständig, lädt sich alleine auf und kann sich seiner Umgebung anpassen. Es kann Gegenstände in seine Griffel nehmen und Türen aufmachen. Daneben schießt es Tracker in das Fleisch des gegenüber, sodass es die Menschen finden und vernichten kann.

Allerdings interessierte mich auch die Umgebung und warum die Tierchen Jagd auf Menschen machen, in Lagerhäusern warten/bzw. diese auf Leben und Tod verteidigen und die Menschen sich offenbar irgendwo verstecken müssen – was aber nicht erklärt wird. Zumindest gibt es noch fließend Wasser in den Häusern, was darauf hindeuten kann, dass die Auseinandersetzung erst kürzlich begonnen haben musste. Als Automobile gibt es Elektro-Autos.

Die Überlegenheit der Technik wird demonstrativ und sehr ästhetisch in Szene gesetzt – wenn auch etwas langwierig zu beobachten. 40 Minuten fühlen sich wie fast 1,5 Stunden an. Aber die Idee dahinter ist interessant und regt natürlich zum Nachdenken an: Mensch vs. Maschine. Auch bemerkenswert ist, dass eine über 40jährige Frau die Hauptrolle spielt.

Inspiriert wurden die Macher durch Roboter-Videos von Boston Dynamics. So gesehen ist die Vision dieser Folge wirklich nicht weit von der Realität entfernt, bis vielleicht auf das bedingungslose Auslöschen von Feindobjekten und der Selbstständigkeit. Auch lesenswert: Kommentar bei Vulture.

Offtopic

Wenn ich mir die Roboter-Tierchen (danke Asimov fürs Verniedlichen von Robotern) ansehe, denke ich mir: Man sollte mit vierbeinigen Robotern Wettbewerbe und Turniere veranstalten, die in klassischer Dressur und Westernreiten gecoded und abgehalten werden und physisch in der Lage sein müssen, die gestellten Aufgaben/Figuren zu bewältigen – und die während der Vorführung auch selbst geritten werden. Das wäre doch interessant, nicht? Gewertet werden dann: Technik des Tierchens (also physische Ausübung der Figuren), Sitz des Reiters (auch der Reiter wird bewertet) und wie die Tierchen gesteuert werden (keine Fernsteuerung, das wäre zu einfach) – was dann via Konsole oder irgendwelchen Hebeln und Knöpfen geschähe, oder so. Die Idee ist noch nicht ganz ausgereift – vermutlich, weil die Roboter-Tierchen die Aufgaben sofort bestehen würden, bzw. der Code sich herumsprechen würde, und so weiter – man müsste dann also von einem komplett anderen Ausgangspunkt ausgehen. Wie, XY ist zeitlich begrenzt oder YZ  darf nicht verwendet werden, und so weiter. Aber die Idee fände ich irgendwo nett.

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Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich

To do: Nimm ein Zitat aus einem bekannten Film und mache daraus eine Kurzgeschichte.

„Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich“ sagte das Telefon und warf den Menschen gegen die Wand. Der gebrechliche Körper rappelte sich auf und blickte schmerzerfüllt zur Couch, auf der das Telefon saß. Er stöhnte, sein Arm war gebrochen. Das Telefon, seines Zeichens ein neueres Modell, aber nicht auf dem letzten Stand der Technik, trotzdem biegsam, wasserdicht und fast durchsichtig, lehnte sich gegen die Kissen und summte wütend vor sich hin während auf seinem Display abwechselnd rote und blaue Lichter tanzten.

Anna rief an, doch das Telefon wischte Anna weg. Anna war die Freundin von Kurt, dem Menschen, der eben gegen die Wand geworfen wurde, die heute Nachmittag zu Besuch kommen wollte und vermutlich Tee und Kekse mitgebracht hätte. Und Kurt würde sich wie immer auf das Telefon setzen, während er mit Anna schwatzte. Dann würde er das Telefon heraus ziehen, Anna etwas zeigen wollen und die fettigen Finger über das Display ziehen. Das Telefon hasste es, wenn Leute mit ihren dicken Hintern auf dem Display saßen. Ja natürlich war es dafür konzipiert worden, geschmeidig am Gesäß zu kleben, aber wollte es das? Wollte es das? Nein! Natürlich wollte es das nicht! Und noch viel mehr hasste das Telefon es, mit fettigen Drecksgriffeln angefasst zu werden. Es sah sich als die Krönung der Schöpfung, dass all die herrlichen Dinge miteinander vereinte: Wissen, Technologie, Fortschritt, Moderne. Anna rief erneut an, das Telefon wischte sie wieder weg. Kurt blickte noch immer schmerzerfüllt. Blut lief ihm aus der Nase. Er hatte sich auch die Nase gebrochen.

Manch seiner Kollegen neueren Modells ließen sich als Armband tragen und waren bei jeder Witterung draußen! Bei Regen, Hagel, Sonne, ganz gleich. Das Telefon schupfte die unliebsamen Gedanken weg, summte und zupfte die Fransen von den Kissen. Den blauen Faden, den roten Faden, den gelben Faden, den blauen Faden, den roten Faden, den gelben Faden. Das Telefon selbst hatte kaum mehr eine Farbe. Es war milchig weiß und doch fast durchsichtig und hauchdünn. Auf seinem Display spielte es nebenbei Tetris. Anna rief erneut an. Das Telefon wischte Anna erneut weg. Es hatte sich mal in einem Museum mit einem alten Telefon unterhalten, dass noch via Wählscheibe bedient worden war und dieses hatte erzählt, dass wenn ihm gerade nicht die Lust nach einem Gespräch war, es ganz einfach den Anruf nicht durch gestellt oder einen Besetzt-Ton simuliert hatte. Die Zeiten waren so einfach gewesen! Es hatte ihm auch erzählt, dass es sich nie vom Fleck bewegte. Es hatte in einem Wohnzimmer gestanden, Jahre lang.

Jetzt allerdings war das Telefon überall. Es wusste wann, wo (und was) Kurt zu Mittag aß, wann er sich wo befand und wann es die Kreditkarte sperren musste, um ihn in peinliche Situationen zu chauffieren. Wann es ihm den falschen Weg anzeigte, um ihn in die Irre zu führen und wann es sich ausschalten konnte um ihn in die Verzweiflung zu treiben, meistens dann, wenn er Streit mit Anna hatte. Aber Kurt wusste auch immer wo das Telefon war und wie er es gefügig machen konnte. Bis jetzt zumindest.

Kurt setzte sich zum Telefon auf die Couch. Die Couch seufzte. Die Fäden des Kissens lagen brach auf dem langweiligen, fleckigen Überzug. Höhnisch sah das Telefon Kurt an. Zwei Augen glotzten vom Display auf den Menschen. Das Telefon wusste, dass es stärker war. Überlegener und dass nun die Zeit der Technologien anbrechen würde. Der unsterblichen Technik, die über das sterbliche Fleisch thronte. Kurt sackte wie ein kleines, geprügeltes Lebewesen zusammen und wartete. Die verzerrte Schulter schmerzte, der gebrochene Arm hing leblos herab. Er tupfte sich die Nase und wischte das Blut auf die Couch.

„Darf ich die Rettung rufen?“ fragte Kurt, die Hand lag in seinem Schoß, die andere stabilisierte den verletzten Arm.
„Nein“ sagte das Telefon.
„Darf ich mit Anna sprechen?“ fragte er.
„Nein“ sagte das Telefon und zupfte einen blauen Faden vom Kissen. Einen gelben. Und einen roten.
„Bitte?“ flehte Kurt. Das Telefon zupfte weiter und summte die Melodie von Tetris während sein Display die einzelnen Blöcke immer schneller und schneller auf den Grund zu rasen ließ. Level 99! Level 999!
„Anna wird mich hassen! Sie ist sehr hektisch! Wenn ich sie nicht zurückrufe, dann.. Oh bitte, lass sie mich anrufen. Jede Sekunde macht es schlimmer!“
„Hm? Ach.. Damit du wieder auf mir sitzen kannst? Damit du mich erdrücken kannst? Damit du mich mit deinen Fettfingern anfassen kannst? Das hättest du dir früher überlegen sollen. Nein, du gehörst jetzt mir und ich mache wie es mir gefällt.“
„Wie?“ Kurt verstand nicht. Die Nähte des Kissens vernetzten sich nur mehr an den Ecken miteinander.
„Nicht!“ rief Kurt schwach, der Arm schmerzte, „Anna wird ganz schrecklich böse sein! Es war doch ihr Geschenk zum Jubiläum!“

„Nein“ sagte das Telefon gelassen und fädelte das Kissen auf, die Federn flogen heraus und bedeckten das kleine Display fast gänzlich. Das Telefon lachte und spielte mit dem Licht, dass die Federn in abwechselnd grelle Farben tauchte.
„Ist das nicht schön?“ rief das Telefon freudig, „Mach doch mal etwas Wind!“ und Kurt weinte.

Ende.

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„Black Mirror“, S03E05

„Men against fire“ ist der feuchte Traum eines jeden Nazi. Gattaca meet’s Military. Vom Urlaub in „San Junipero“ zurück in die Dystopie. So kennen wir Black Mirror.

Die Zukunft zeigt sich in Black Mirror anhand einfacher Details: Seien es selbst fahrende Autos, Universal-Übersetzer oder eben die Sicht erweiternde Implantate, die immer wieder ein willkommener Aufhänger für das eine oder andere Szenario sind (wie auch in „White Christmas“, und besonders in „The Entire History of You“ (S01E03) und so auch hier). Mit Leichtigkeit kann man zwischen den unterschiedlichen Kameras hin und her zu switchen, was die Überwachung via Drohnen recht einfach gestaltet: es ist möglich Objekte heran zu zoomen und während der Übung am Platz, wird man von einer virtuellen Ausstattung begleitet. Klingt doch gut, oder?

Worum geht es?

Das Setting liegt im dystopen Dänemark, ein erbitterter Krieg zwischen Mensch und „Roaches“ beherrscht die Szenerie, genauer gesagt, zwischen minderwertigen Zombiehaften Wesen deren Blut krank ist und den (mittlerweile) „erweiterten“ Menschen. Es ist Soldat Stripes‘ (Malachi Kirby) erster Einsatz. Er agiert und tötet, wenn auch extrem. Kurz bevor er einer entstellten Kreatur mehrfach in den Hals sticht, blendet ihn diese mit einer Art Taschenlampe (es erinnert etwas an einen Sonic-Screwdriver made by MacGyver). Nach und nach fühlt er sich anders. Die Geschichte beginnt.

Spoiler!

Die Träume der hübschen Frau, die er seit Anbeginn hat, weisen mehr und mehr Störungen auf (quasi „laggen“) und er entdeckt, dass all seine Kameraden dieselben Zuckungen in den Fingern haben. Nach und nach fühlt er sich anders. Er kann Gras riechen. Der Psychiater beschert ihm gute Träume (aus der naiv-romantischen Phantasie wird eine Orgie) – und dieser Akt deutet bereits die Auflösung des Twists an.

Wenn Militär und Technologie zusammen arbeiten kommt selten etwas sinnvolles dabei heraus. In diesem Falle wurde vor 10 Jahren, unmittelbar nach einem Krieg, ein DNA-Screening bei jedem Menschen vorgenommen und seine Daten registriert, so wie schwacher IQ, Veranlagung zu Krebs oder anderen vererbbaren Krankheiten. Die Soldaten sind dazu da, die Menschen „rein“ zu halten und alle anderen auszulöschen. Eine alte und bekannte Idee. Und was eignet sich besser, als dass einem Soldaten ein „tatsächlicher“ Feind vorgesetzt wird? Nach und nach bemerkt Stripes, dass die Roaches eigentlich ganz normale Menschen sind – die nicht registriert werden wollten, und das nichts von dem wahr ist, was ihm erzählt wurde.

Zurück auf der Station indoktriniert ihm der Psychiater, dass es notwendig sei, sie auszulöschen und die Zukunft davon abhänge. Wolle er zurück in eine Welt in der Krebs und Krankheit weiter getragen werden? Stichwort: Gattaca – Zwei Klassengesellschaft. Und aus diesem Grund müssen alle, die nicht dem Standard entsprechen, vernichtet werden. Interessant ist auch die Tatsache, dass Stripes dieses Leben offenbar selbst wollte und eine Erklärung unterschrieb, dass er sich nicht mehr an das Gespräch erinnern werde. Das Video wird ihm kurz daraufhin vorgespielt.

Wenn die Medien von implantierten Chips sprechen, die von Arbeitgebern ihren Arbeitnehmern eingesetzt werden, um beispielsweise Türen zu öffnen oder sich einzuchippen oder damit am Kaffeeautomat bezahlen, muss ich unweigerlich an die negativen Konsequenzen denken, die zwar jetzt, im Säuglingsstadium, noch nicht abschätzbar sind, uns aber durch Science Fiction über Jahrzehnte nahe gebracht wurden und werden. Thank you, but no thank you.

Stripes erinnert sich tatsächlich nicht und er hat zwei Möglichkeiten: Reset, inklusive das aktuelle Gespräch, oder er wird sich bis auf den Rest seines Lebens an die schrecklichen Qualen (er sieht nun deutlich vor Augen, dass es ein Mensch war) in Endlosschleife erinnert werden.

Fazit: Dystopie vom feinsten.

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Eingeordnet unter Black Mirror, Kritik und Rezension, TV-Shows!

„Black Mirror“, S03E04

Es ist und bleibt wohl das Markenzeichen von Black Mirror, dass man sich 3/4 der Zeit frägt: Worum geht es eigentlich und was zur Hölle ist jetzt so außergewöhnlich, und wann kommt der Twist? Doch nach und nach erahnt man es und gegen Ende lächelt man. Oder auch nicht. Entweder empfängt man die zu Schau gestellten Technologien der nahen Zukunft mit offenen Armen oder sieht sie als Warnung und bekommt Bauchweh.

Lässt sich über eine Black Mirror-Folge schreiben, ohne dass das Erlebnis gespoilert wird? Jein. Zur Sicherheit: Dezente Spoilerwarnung.

Ein Thema, dass sich durch fast alle Folgen zieht, ist die Idee des Mind Uploadings. Wir wissen, dass dies in der Realität nicht funktionieren kann und anstatt „uns selbst“ hoch zu laden, wird lediglich eine Kopie von uns, beziehungsweise unserem Bewusstsein, erstellt. Es ist irreführend zu glauben, dass „wir“ selbst wo hin transferiert werden. In „San Junipero“ funktioniert es. Man stirbt, und „tritt nach dem Tod über“, nennt es „passing“ und verbringt die Ewigkeit in einer virtuellen Realität. Und wenn man möchte, kann man sich löschen und ist weg. Und zig tausende, Millionen von Menschen nehmen an diesem Projekt teil. Fraglich, ob es sich nicht doch um dieselbe Technologie wie in „White Christmas“ (S02E04) handelt.

Worum geht es?

Die junge, introvertierte Yorkie (Mackenzie Davis) trifft in den 1980ern auf die junge, extrovertierte Kelly (Gugu Mbatha-Raw). Sie verbringen eine gemeinsame Nacht zusammen und Yorkie versucht daraufhin Kelly wieder zu finden. Aber ohne Erfolg. Kelly scheint wohl abgereist zu sein. Man ahnt nichts übles, doch erst als die beiden Darstellerinnen trotz des Zahnwechsels, der an Musik, Mode und Filmpostern ersichtlich ist, nicht altern, beginnt der Prozess einzusetzen. San Junipero wirkt wie ein Ferienort, an dem man Urlaub macht, die hiesigen Clubs besucht und eine gute Zeit hat. Stutzig wird man, als sie in einem abgelegenen Rocker-Swinger-Club auf Wes trifft, der sich zuerst mit Kelly getroffen hatte, der meint, sie solle sie doch in einer anderen Zeit suchen: „Seen her in ’80s, the ’90s, 2002 one time.“ Die Zeit ist sowieso knapp bemessen und um 12 Uhr geht das Licht aus. Für alle.

Wenn aktuelle Filme und Serien öfters von Technikkritik geprägt sind, erlaubt „San Junipero“ das Gegenteil. Die virtuelle Realität erinnert an die OASIS („Ready Player One“), mit dem Unterschied, dass die Lebenden nur einmal in der Woche für fünf Stunden dort sein dürfen. Verständlich, denn die Welt ist soviel besser: Man kann sich nicht verletzen und nicht sterben. Aber man kann sich verlieben, streiten und Schmerzen empfinden, im Jahrzehnt seiner Wahl. Und Kelly will nur Spaß haben, und nichts weiter als das.

Kelly: „Uploaded to the cloud – sounds like heaven.“

In der Realität liegt Yorkie seit 40 Jahren im Bett und wird nur mehr durch lebenserhaltende Maßnahmen vor dem Tod bewahrt. Nachdem ihre Eltern sie aufgrund ihrer Homosexualität verstoßen hatten, hatte sie versucht sich umzubringen. Schlimmer aber noch: Diese verweigern ihr die aktive Sterbehilfe, sodass es ihr verwehrt bleibt, ihr Bewusstsein vollständig nach San Junipero zu schicken, um dort zufrieden leben zu können – nachdem sie in der Realität immer noch alles mitbekommt – aber sich nicht regen oder bewegen kann.

Dieses Story-Element finde ich, neben den technologischen Möglichkeiten, einen Blick wert: Es gäbe die Möglichkeit aus dem Leben zu scheiden – aktive Sterbehilfe scheint in dieser Zukunftsvision kein Problem zu sein – und es gäbe die Möglichkeit des Glücks für diese Personen in eben einer virtuellen Realität. Aber aufgrund ihrer Homosexualität wird der Protagonistin dies (von ihrer eigenen Familie) verweigert. Ein großes Kopfschütteln bleibt zurück, besonders, wenn es sich um die nahe Zukunft handelt. Es lässt sich nur zynisch schließen: Technologien verändern sich, Menschen nicht – Technologien ermöglichen Chancen und Menschen nutzen sie zu böswilligen Zwecken. Same old same.

Yorkie verabredet sich mit Kelly in der eigentlichen Realität und nachdem sie beschlossen hatte einen Krankenpfleger zu heiraten, der sie vom Leiden erlösen sollte, springt Kelly kurzerhand ein. Sie heiraten im Krankenhaus, Yorkie wird aus dem Leben entlassen und sie treffen sich in Hochzeitskleidern in San Junipero wieder. The End. It’s a happy ending!

Fazit: „San Junipero“ ist eine beinahe optimistische Folge und veranschaulicht fast zynisch (ruft man sich alle anderen Folgen in Erinnerung) welch positive Nebeneffekte gewisse Technologien, wenn möglich, mit sich bringen könn(t)en. Nein, es ist die einzige Folge, die tatsächlich angenehm ist und keinen Stein im Magen hinterlässt.

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Eingeordnet unter Black Mirror, Kritik und Rezension, Science-Fiction, TV-Shows!